Dortmund, Konzerthaus Dortmund, Bach – Weihnachtsoratorium, 11.12.2014

Dezember 15, 2014  
Veröffentlicht unter Konzerthaus Dortmund, Kritiken

Konzerthaus Dortmund © Daniel Sumesgutner

Konzerthaus Dortmund © Daniel Sumesgutner

Konzerthaus Dortmund

Weihnachtsoratorium  von Johann Sebastian Bach

Kammerorchester Basel, Julia Schröder

Konzerthaus Dortmund / Weihnachtsoratorium © Petra Coddington

Konzerthaus Dortmund / Weihnachtsoratorium © Petra Coddington

Nun ist die Zeit wieder da, wo es aus allen Himmelsrichtungen schallt: “Jauchzet, frohlocket! auf, preiset die Tage. Mit dem strahlend hellen Ton der Trompeten, dem jubelnden Chor der Knabenstimmen, sowie den dröhnenden Pauken setzt Bachs Weihnachtsoratorium ein.

Beglückende Lebensfreude, die in der Musik der Jahrhunderte ihresgleichen sucht, bricht daraus hervor, verbreitet Fröhlichkeit und Gefühlstiefe. Denn das Motto ist vorgegeben “lasset das Zagen, verbannet die Klage, stimmet voll Jauchzen und Fröhlichkeit an“. Nicht anders war es am vergangenen Donnerstag im Dortmunder Konzerthaus.

Nur, dass der Jubel etwas schlanker, nicht so massiv rüber kam. Auf die jauchzenden Knabenstimmen musste man verzichten. Die waren in dieser kammermusikalischen Fassung nicht vorgesehen. Bachs Weihnachtsoratorium, 1734 in Leipzig uraufgeführt, besteht aus sechs eigenständigen Kantaten.

An diesem Konzertabend in Dortmund kamen die Kantaten Nr.1 und 2, sowie Nr. 5 und 6 zur Aufführung, die sich mit der Weihnachtsgeschichte befassen.

Konzerthaus Dortmund / Weihnachtsoratorium © Petra Coddington

Konzerthaus Dortmund / Weihnachtsoratorium © Petra Coddington

Der wunderbare Deutsche Kammerchor bestand an diesem Abend aus sechs Frauen- und sechs Männerstimmen. Das Ensemble bestach durch eine außerordentliche Homogenität und Textverständlichkeit und war immer dem Schöngesang verpflichtet.

Der sonst aus 16 Stimmen bestehende Chor, gegründet 2001,  arbeitet auf freiberuflicher Basis und organisiert sich selbst. Partner des Chores waren  in der Vergangenheit, die Deutsche Kammerphilharmonie, das Ensemble Modern sowie Concerto Köln. Heute sind die Verpflichtungen und Auftritte mannigfaltig, so bei den Festivals von Kissingen, Leipzig, Berlin und dem Holland-Festival.

An diesem Abend musizierten sie zusammen mit vier außerordentlichen Gesangssolisten und dem renommierten Kammerorchester Basel, das 1984 von verschiedenen Absolventen Schweizer Musikhochschulen gegründet wurde.

Heute deckt das Orchester alle Stilrichtungen ab, Barock, Romantik und Moderne. An diesem Abend hatte das Ensemble eine Stärke von 20 Musikerinnen und Musikern und spielte auf  Barock-Instrumenten.

Die musikalische Leitung hatte die Geigerin Julia Schröder, die seit 2004 Konzertmeisterin des Basler Kammerorchesters ist. Seit 2012 hat sie eine Professur für Violine an der Freiburger Musikhochschule.  Sie sorgte an diesem Abend für ein hochmusikalisches Ereignis, bei zügigem Tempo und klanglicher Ausgewogenheit. Ein Ereignis für sich waren die vier Gesangssolisten. Eine Herren-Riege sorgte für Wohlklang und lies Glücksgefühle aufkommen.

Konzerthaus Dortmund / Weihnachtsoratorium © Petra Coddington

Konzerthaus Dortmund / Weihnachtsoratorium © Petra Coddington

Die Sopranarien sang der 1986 im rumänischen Arad geborene und in Bayern aufgewachsene Counter, Valer Sabadus. Es wäre nicht abwegig, ihn als Sopranisten zu bezeichnen. Sabadus ist inzwischen zu einem Star geworden, hochmusikalisch und mit einer Stimme gesegnet, die einfach nur begeistert. Sein Sopran hat Wärme, Flexibilität und wird so gut wie vibratolos geführt. Hier an diesem Abend sang er die Sopranpartie mit innigem Ausdruck und vorbildlicher Diktion.

Auch der Schweizer Counter Terry Wey begeisterte mit seiner sehr ausdrucksstarken Alt-Stimme, insbesondere bei der Arie “Bereite Dich Zion“. Er und Valer Sabadus sind auch hochbegabte Opernsänger. Erleben konnte man sie in der vergangenen Spielzeit an der Rheinoper in Händels “Xerxes“. Die Wiederaufnahme ist am 22.04.2015 in Düsseldorf.

Zu den herausragenden Oratorien- und Opernsängern gehört ohne Zweifel der Schweizer Tenor Jörg Dürmüller. Dürmüller, bekannt in aller Welt als “derEvangelist in den Passionen und Oratorien Bachs, übernahm kurzfristig die Tenor-Partie an diesem Abend für den erkrankten Werner Güra. Dürmüller sang mit großem Ausdruck und makelloser Technik sowie stupender Diktion seinen Part.

Die Bass-Partie an diesem Konzertabend sang Matthias Goerne. Über ihn neues zu berichten erübrigt sich. Er gehört schon seit Jahren zur Weltelite in seinem Fach. Er war auch an diesem Abend ein großartiger Gestalter. Allein wie er die große Arie “Großer Herr und starker König“ geradezu bildhaft sang, gehörte zu den großen Eindrücken der Aufführung.

Das Publikum zeigte sich begeistert. Für diese außerordentliche Wiedergabe des beliebten Werkes hätte man sich größeren Zuspruch gewünscht. Es blieben leider viele Plätze frei.

IOCO / UGK / 11.12.2014

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