Wuppertal, Wuppertaler Bühnen, Intendant Kamioka gescheitert, IOCO Aktuell, 22.11.2014

November 22, 2014  
Veröffentlicht unter IOCO Aktuell, Wuppertaler Bühnen

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Wuppertaler Bühnen

Opernhaus Wuppertal © Andreas Fischer

Opernhaus Wuppertal © Andreas Fischer

Sanierungsopfer: Toshiyuki Kamioka verläßt Wuppertal

Bis zum 19.11.2014 glaubte man, die Wuppertaler Oper habe ihre schwersten Jahre hinter sich. Nach erfolgreicher Umsetzung harter Sanierungsmaßnahmen und der Installierung von Toshiyuki Kamioka als neuem Opernintendanten und GMD bis 2019 waren Strukturen und Programmangebote der Wuppertaler Oper wieder geordnet und mitreißend. IOCO berichtete im April 2014 umfassend über den anspruchsvollen Spielplan der Wuppertaler Oper der Spielzeit 2014/15.
Wuppertaler Bühnen / vlnr: Schaarwächter Arnold Kamioka OB Peter Jung © IOCO

Wuppertaler Bühnen / vlnr: Schaarwächter Arnold Kamioka OB Peter Jung © IOCO

Noch vor zwei Wochen dementierte Kamioka einen angeblichen Streit mit dem Orchester: „Es gibt keinen Streit! – Atmosphärische Störungen kommen immer mal wieder bei der Zusammenarbeit in unserem Bereich vor. Dies wäre sicher kein Grund für mich, meinen Vertrag als Chefdirigent überstürzt auflösen zu wollen.  

Es waren keine atmosphärischen Störungen, welche Toshiyuki Kamioka sinnigerweise am Buß- und Bettag 2014, am 19.11.2014,  veranlaßten, der Stadt Wuppertal zum Ende der Spielzeit 2015/16 seine Demission bekannt zu geben. Es waren grundsätzliche Anliegen, welche Kamioka und Wuppertal entzweiten. Im Rahmen eines lange geplanten Interview-Termins bedauerte Kamioka gegenüber IOCO am 18.11.2014, keine grundsätzlichen Erklärungen zu seiner Tätigkeit an den Wuppertaler Bühnen abgeben zu wollen. „Er fühle sich der Stadt Wuppertal trotz vieler emotionaler wie operativer Probleme loyal verbunden“, so Kamioka.  Das Interview mit Intendant Kamioka wird IOCO  im Dezember 2014 nachholen und berichten.

Toshiyuki Kamioka, Intendant Wuppertal © IOCO

Wuppetaler Bühnen / Toshiyuki Kamioka, Intendant Wuppertal © IOCO

Toshiyuki Kamioka führte mit der Spielzeit 2014/15 gegen große Widerstände das Stagione-System in Wuppertal ein. Im Stagione-System werden nur Gastsänger eingesetzt; im Repertoiretheater wird ein festes Stamm-Ensemble beschäftig,. Stagione ist, grob formuliert, kostengünstig wenn auch weniger flexibel als  Repertoiretheater. 

Die Opern-Spielzeit 2014/15 der Oper Wuppertal begann mit diesem Stagione-System à la Kamioka erfolgreich: Tosca und Don Giovanni Produktionen wurden gut aufgenommen, IOCO berichtete. Toshiyuki Kamioka hatte zudem darum gebeten, in Japan zu konzertieren. Ein übliches Ansinnen erfolgreicher Dirigenten; doch in Wuppertal war dies Ansinnen nicht umsetzbar. Die Ablehnungsgründe sind nur schwer erklärbar.

Immer, auch in der Kultur, ist Sanierung ein raues Geschäft. Sanierung verlangt stabile Strukturen für alle Verantwortlichen. Finanzieller Notstand und Handlungszwänge kämpfen bei Sanierungen mit geliebten Traditionen, verteidigten Eigeninteresses betroffener Mitarbeiter und der oft aggressiven Vielfalt formal wie informell Beteiligter. Die Lobby der Repertoiretheaterfreunde war nicht zu überhören. Kamiokas Wuppertaler Lobby zu klein, ihn stützende formelle Strukturen zu schwach, seine Gegenspieler zu zahlreich. Toshiyuki Kamioka, gefeierter Dirigent, Umsetzer des in Deutschland ungeliebten Stagione-System, gibt in Wuppertal im Herbst 2016 auf. Ein Kultur-Gau: Die Wuppertaler Oper und das sehr teure Sinfonieorchester haben noch schwere Jahre vor sich.

IOCO / Viktor Jarosch / 22.11.2014

Kommentare

Eine Antwort zu “Wuppertal, Wuppertaler Bühnen, Intendant Kamioka gescheitert, IOCO Aktuell, 22.11.2014”
  1. N.W. (Name und Anschrift sind IOCO bekannt) sagt:

    Herrn Kamioka zu verlieren ist unbeschreiblich schmerzhaft. Mir fehlen da die richtigen Worte, die Vorfreude auf ein Sinfoniekonzert am Abend erhellt noch den trübsinnigsten Montag. Qualität und tiefe Emotion in jeder Produktion, große Kenntnis und feines Händchen bei der Auswahl der Solisten (die kommen ja nicht zu Jedem), hat uns verwöhnt und verdorben für jedes technisch perfekte, aber seelenlose Spiel.
    Schon die herrliche Tosca (die mit dem Ensemble nicht hätte realisiert werden können) wurde in den meisten Besprechungen bemüht schlecht bewertet. Die angemessene Würdigung wurde geopfert auf dem kleinkarierten Altar des Grimms der „Kulturwertebewahrer“ welche die Umstrukturierung übel nehmen. Die Oper wird damit zum Selbstzweck von den Kulturbetrieb flankierenden Selbstdarstellern und verliert das eigentliche Ziel des Ganzen gänzlich aus den Augen.
    Was jetzt bleibt ist mitzunehmen, was noch geboten wird, bevor sich die Dunkelheit über das Tal senkt. Oder, um eine Freundin zu zitieren „Bergisch-Pepita hat gesiegt“. N.W.

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