Duisburg, Klavierfestival, Mercatorhalle, Murray Perahia & Academy of St. Martin in the fields, IOCO Kritik, 31.05.2010


Kritik
Klavierfestival

Mercatorhalle Duisburg

Mercatorhalle Duisburg © IOCO

Mercatorhalle Duisburg © IOCO

Europäische Orchester-Dialoge 2
Murray Perahia & Academy of St. Martin in the fields 31.05.10
Duisburg Mercatorhalle im CityPalais

Natürlich ist die Besetzung allein noch kein Garant für einen gelungenen Konzertabend, dennoch: Was für ein Coup ist dem Klavierfestival Ruhr mit dem Engagement eines der besten Pianisten UND eines der besten Kammerorchester der Welt für die Gestaltung dieses Abends gelungen! Chapeau!

Einen ungewöhnlichen Beginn für das mit Barock- und Klassikwerken weltweit bekannt gewordene Londoner Kammerorchester Academy of St.-Martin-in-the-Fields markierte das dreisätzige Concerto in Es für Kammerorchester „Dumbarton Oaks“ von Igor Strawinsky. Das in den USA komponierte Stück ist von der Besetzung her (Holzbläser, Hörner und Streicher) an barocke Concerti Grossi angelehnt, Struktur und Rhythmus erinnern an Bachs Brandenburgisches Konzert Nr. 3. Mit diesem spannenden Stück unter der Leitung des Konzertmeisters Kenneth Sillito bewies die Academy gleich zu Beginn des Abends, mit was für einer Bandbreite sie aufwarten kann.

Nach schneller Umbaupause und Verstärkung des Orchesterapparates durch die Klarinetten, Pauken, Trompeten und Komplettierung der Holzbläser erklang als großer Kontrast zum Vorangehörten das Konzert Nr. 24 c-Moll für Klavier und Orchester KV 491 von Wolfgang Amadeus Mozart mit dem großen amerikanischen Pianisten und Wahl-Londoner Murray Perahia, Leitung und Klavier. Das Stück selbst ist kein „Wohlfühl-Mozart“, sondern ein unkonventionelles, komplexes Stück von Kennern für Kenner, womit Mozart zu seiner Zeit viele begeisterte Anhänger verschreckte. Bis auf den vielleicht etwas zu hastig geratenen 1. Satz, das Allegro, zeigt sich schon hier, wieso sich die Academy ausgerechnet Murray Perahia zum ständigen Gastdirigenten (neben dem Stammdirigenten und Gründer Sir Neville Marriner) erwählt hat. Perahia stemmt diese gewaltige Doppelaufgabe mit einer spielerischen Leichtigkeit und Virtuosität, dass es seinesgleichen sucht. In den pianistischen Passagen hoch virtuos und brillant, weiß er mit sparsamen, präzise anleitenden Gesten aus dem Orchester und seinem Soloinstrument einen großen, gemeinsam atmenden Organismus entstehen zu lassen. Schon nach diesem Stück hagelt es Bravo-Rufe eines frenetisch Beifall klatschenden Publikums.

Das Concerto Nr. 7 in g-Moll für Klavier, Streicher und Generalbass BWV 1058 von Johann Sebastian Bach setzt nach der Pause denn auch nahtlos dort fort, wo Perahia und die Academy vor der Pause aufgehört hatten. Mit was für einer Noblesse und Transparenz das ursprünglich für Violine geschrieben Stück musiziert wird ist eine wahre Wonne und beileibe nicht alltäglich. Besonders im 2. Satz, dem Andante, zeigt sich in den Solopassagen Perahia’s große solistische Virtuosität. Im Ton nie zu dick, aber auch nie zu zurückhaltend, weiß er stets das richtige Maß zu finden und dabei dennoch als Dirigent nie den großen Orchesterapparat aus den Ohren zu verlieren. Der letzte Satz im Charakter einer Gigue gelingt den Aufführenden sowohl elegant, bis ins kleinste Detail ausphrasiert, als auch spürbar ausgelassen tänzerisch – dieser Bach swingt! Das Concerto von J.S.Bach geriet Perahia und der Academy mit Vitalität und Energie zum Herzstück des Abends, was das völlig begeisterte Publikum mit viel Beifall und Bravo-Rufen quittierte.

Den Abschluß des Abends bildete die Aufführung der Symphonie in Es-Dur Nr. 99 von Joseph Haydn unter dem Dirigat von Perahia. Es ist ein sehr innovatives Stück in seiner Zeit gewesen, Haydn beschritt damit in mancherlei Hinsicht Neuland, vor allem was die Verwirklichung klanglicher Vorstellungen betraf. Besonders der 2. Satz, das Adagio, ist ein originelles Stück von feierlich-ernster Miene und vielleicht der Höhepunkt der Symphonie. Die Academy musiziert ihn mit Differenziertheit und Finesse, und beschenkt den schönen Satz mit einer allumfassenden Lieblichkeit und Wärme. In dem 4. Satz, dem Vivace, wird den Bläsern, nicht zuletzt den Klarinetten ausgiebig Gelegenheit zur Brillanz gegeben. Perahia und die Academy demonstrieren einmal mehr, was für ein glänzend eingespieltes Team auf höchstem Niveau sie sind. Eine furiose Coda des gesamten Orchesters beschließt eines der geistreichsten und witzigsten Haydn-Finali.

Das vollends begeisterte Publikum erklatschte sich mit frenetischem Beifall und zahlreichen Bravo-Rufen eine Zugabe: das Finale aus der Oxford-Symphonie von Joseph-Haydn.
Ein in jeder Hinsicht reicher und bereichernder Abend von internationaler Spitzenklasse und ein weiteres Highlight in dem an Highlights schon jetzt nicht gerade armen Klavierfestival Ruhr 2010!

IOCO / NN / 31.05.2010

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