Rostock, Volkstheater Rostock, Uraufführung – La Signora Doria – Eine Kriminaloper, IOCO Kritik, 26.6.2017

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Volkstheater Rostock

Volkstheater Rostock / La Signora Doria - James J. Kee als Giacomo Puccini , Jamila Raimbekova als Signora Doria © Thomas Häntzschel

Volkstheater Rostock / La Signora Doria – James J. Kee als Giacomo Puccini , Jamila Raimbekova als Signora Doria © Thomas Häntzschel

Uraufführung La Signora Doria – Kriminaloper

 Nach dem Roman „Der Fall Doria“ von Sophia Mott

La Signora Doria am Volkstheater Rostock;  weitere Vorstellungen: 30.6.2017, 7.7.2017, 9.7.2017, 14.7.2017, 16.7.2017, 20.7.2017, 22.7.2017 (IOCO Hinweis:: Die Produktion ist sehr gut besucht. Karten rechtzeitig reservieren!)

Von Thomas Kunzmann

Mecklenburg-Vorpommern  wartet seine vielen Besucher mit vielfältiger Event-Kultur aber leider auch desolaten Theatern auf. Doch während Störtebeker in Ralswiek, Tony und Maria in Schwerin oder Die Piraten in Grevesmühlen den unberechenbaren Wetterkapriolen ausgeliefert sind, Prebberede sich vom Regensommer 2011 nie erholt hat, soll es die Rostocker Theaterbesucher und ihre Gäste im Sommer in eine alte Schiffsbauhalle auf der ehemaligen Neptunwerft, die Halle 207, ziehen.

Eine gute Idee, möchte man meinen, ist doch die Akustik der Halle 207 bekanntermaßen deutlich besser als in dem seit Jahrzehnten bewirtschafteten Provisorium Volkstheater. Und die neue Intendanz unter Joachim Kümmritz macht einige Nägel mit Köpfen. Auf fünf Jahre ist die Halle für die Sommerbespielung unter Vertrag. Sogar die Schiffe der Blauen Flotte legen für einige Veranstaltungen an, um den Gästen aus Warnemünde die Zufahrt zu erleichtern. Mit Sonderförderungen konnte geeignete Technik installiert werden, die ansonsten auch für das Stammhaus genutzt werden kann. Platz ist für bis zu 720 Gäste und statt einer einzigen Inszenierung gibt es fünf verschiedene. Denn neben dem Eröffnungsprogramm La Signora Doria wird es Moby Dick als Kinderstück gegeben, ROCK’N’ROSTOCK als Tanztheater, das 10. Philharmonische Konzert wird in die Halle verlegt. Ein Belcanto-Abend unter der Moderation von NDR-Kultur-Journalist Hans-Jürgen Mende steht auf dem Plan.

Zufall oder Absicht – auf den Tag genau vor 2 Jahren war es Mende, der gemeinsam mit den Weltstars Manuela Uhl, Klaus Florian Vogt und Roman Brogli-Sacher im Volkstheater das Programm „Wagner mit Wut“ organisierte, um auf die prekäre Lage des Volkstheaters in der einst „Bayreuth des Nordens“ genannten Stadt hinzuweisen. Alles andere als förderlich war lange Zeit Oberbürgermeister Roland Methling und man schickte damals in der Pause reichlich dreihundert Luftballons mit guten Wünschen in den Himmel. Der günstig stehende leichte Wind trug sie tatsächlich Richtung Rathaus. Und nun, zwei Jahre und ein Intendant später, wird die Werfthalle 207 wieder genutzt, wie letztmals unter Peter Leonard im Juli 2014. Die Halle gehört einem Verein, dessen Vorsitz der Oberbürgermeister innehat. Aber niemand macht einen Skandal daraus.

Ein richtig großer Skandal war hingegen im Jahre 1909 der Tod des Dienstmädchens Doria im Hause des berühmten Komponisten Giacomo Puccini. Dem Maestro wurde eine Liebesbeziehung zu ihr nachgesagt, die eifersüchtige Ehefrau machte der jungen Signora das Leben zur Hölle, worauf Doria sich das Leben nahm. In der Rostocker Kriminaloper entdecken die den Tod der Signora Doria ermittelnden Kommissare Sigrid Hansen (Renate Krößner) und Oskar Kowalewski (Paul Lücke) einige Ungereimtheiten. Sigrid Hansen verdingt sich kurzerhand (wie herrlich ist doch Theaterfantasie) in Puccinis Diensten und geht dem alten Fall nach. Sie erlebt, wie Puccini aus den Geschehnissen in seinem Umfeld die Inspiration für seine Opern zieht. Ganz beiläufig erhält man Einblicke in das ausschweifende Leben eines der  erfolgreichsten Komponisten der Operngeschichte.

Volkstheater Rostock / La Signora Doria - James J. Kee als Puccini © Thomas Häntzschel

Volkstheater Rostock / La Signora Doria – James J. Kee als Puccini © Thomas Häntzschel

Rainer Holzapfel, der mit Killing Orpheus bereits im letzten Jahr einen Opern-Thriller in Neustrelitz etablierte, nimmt sich in Rostock nun des Buches Der Fall Doria an und verdichtet Krimi, Arien und Beziehungsdramen zu einer eigenen Geschichte. Das schlichte Bühnenbild von Olaf Grambow, das sich in vier Stunden auf eine der anderen Vorstellungen umbauen lässt, besteht aus einigen schrägen Auf- und Abgängen, Stegen und passt sich bestens in die Architektur des Gebäudes ein. Mit einem alten Klavier für den Meister, Stühlen und zwei Schreibtischen für die Kommissare ist die Ausstattung komplett. Im Hintergrund, gut hör- und sichtbar, das Orchester.

Dauergast und nun festes Ensemblemitglied James J. Kee gibt den mal selbstbewussten, mal charmanten, mal melancholischen Hausherren Giacomo Puccini. Der mitunter allzu kräftige Tenor bringt den Opernsängern La Boheme bei. Ob Ironie oder nicht – er selbst war 2012 noch Marcello im Theaterzelt. Jamila Raimbekova, damals Mimi, heute Doria/Butterfly besticht mit zartem Sopran. Einen stählernen Bariton bewies Grzegorz Sobczak bereits als Titelfigur in Zar und Zimmermann und bestätigt hier stimmlich wie mit seiner Bühnenpräsenz nochmals seine Qualitäten, auch er ein Neuzugang im festen Ensemble.

Ob Opernkenner oder neugieriger Gast des Abends – unvergessen wird allen jedoch die „Rodolfo-Arie“ des Newcomers Chulhyun Kim bleiben, von dem man sich sehnlich ein abendfüllendes Programm wünscht.

Volkstheater Rostock / La Signora Doria - Anna-Maria Kalesidis als Puccinis Ehefrau und Jamila Raimbekova als Dienstmaedchen Doria  © Thomas Häntzschel

Volkstheater Rostock / La Signora Doria – Anna-Maria Kalesidis als Puccinis Ehefrau und Jamila Raimbekova als Dienstmaedchen Doria  © Thomas Häntzschel

Der Klang der Norddeutschen Philharmonie unter Manfred Hermann Lehner kommt erwartungsgemäß farbenreich und detailgetreu zur Geltung. Schwelgerisch nimmt das Orchester die Sänger ebenso wie das Publikum mit. Auch Kommissarin Hansen kann sich der ergreifenden Magie der Musik nicht entziehen; Träume verweben sich mit der Wirklichkeit. Die Sogwirkung von Puccinis Musik setzt bereits nach wenigen Takten ein und hält lang an, damals ebenso wie heute. So ist der Besuch dieser Rostocker Uraufführung kein Experiment: Die wunderbare Musik wirkt nur für sich, auf Jeden.  Nur Hingehen muss man!

Das taten, unter anderem vom maritimen Flair der Werfthalle 207 angezogen, ca. 80 neugierige Mitarbeiter der Kreuzfahrtreederei AIDA und brachten zur Unterstützung des Theaters einen großzügigen Scheck mit, überreicht an den Intendanten durch Pressesprecher des Unternehmens Hansjörg Kunze. Und auch Weiterführung der Reihe „AIDA-Konzerte für Teens“ wurde an diesem Abend besiegelt.

Historie trifft auf moderate Moderne: neues Leben in der alten Halle, Puccinis Hits verschmelzen mit zeitgemäßer Kriminologie und Rostocks traditionsreiches Volkstheater setzt weiter auf leicht Verdauliches für Stadt und Besucher.

La Signora Doria am Volkstheater Rostock;  weitere Vorstellungen: 30.6.2017, 7.7.2017, 9.7.2017, 14.7.2017, 16.7.2017, 20.7.2017, 22.7.2017

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Hamburg, Elbphilharmonie, 2019: Alan Gilbert folgt Thomas Hengelbrock, IOCO Aktuell, 24.06.2017

Elbphilharmonie Hamburg

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

2019: Alan Gilbert – New York kommt nach Hamburg 

  Alan Gilbert – Nachfolger von Thomas Hengelbrock

Von Patrik Klein

Mit dem Einzug in die Elbphilharmonie hat das NDR Elbphilharmonie Orchester sieben Jahrzehnte nach seiner Gründung eine zeitgemäße künstlerische Heimat gefunden und ein neues Kapitel seiner Geschichte aufgeschlagen.

Als Residenzorchester prägt das NDR Elbphilharmonie Orchester das musikalische Profil von Hamburgs neuem Konzerthaus maßgeblich mit. Und die räumlichen und akustischen Möglichkeiten der Elbphilharmonie beeinflussten entscheidend die weitere Entwicklung der Klangkultur des NDR Elbphilharmonie Orchesters.

„Wir wollen uns mit den Spitzenorchestern dieser Welt messen!“

Mit dem Eröffnungskonzert im Januar 2017 und den vielen Konzerten des Klangkörpers aus dem klassischen Repertoire sowie zahlreichen auch Risiko nicht scheuenden neuen Stücken, hat sich das Orchester in die Kategorie der Weltklasseorchester selbstbewusst und mit allergrößtem Engagement eingereiht.

NDR Elbphilharmonie-Orchester © Michael Zapf

NDR Elbphilharmonie-Orchester © Michael Zapf

Der Große Saal der „Elphi“ ist nicht einfach zu bespielen. Wenn sich ein Orchester gelungen adaptiert hat, klingt es dann wunderbar transparent mit einer glasklaren, trockenen, keine Spielfehler verzeihenden Akustik, die sich in großem Masse von der warmen, stark die Instrumente vermischenden Akustik der Laeiszhalle unterscheidet. Diesen Wechsel und der Umgang mit der neuen Situation ist dem NDR – Orchester gut  gelungen. Man durfte in den ersten Monaten große Orchester u.a. die Wiener Philharmoniker, das Chicago Symphony Orchestra, die Staatskapelle Dresden und die Berliner Philharmoniker hören. In diese Qualitätskategorie hat sich das NDR Elbphilharmonie Orchester mit Fleiß, höchster Motivation und einer großen Zahl an Arbeits- und Spielstunden gespielt. IOCO Kultur im Netz war in vielen dieser Konzerte dabei und berichtete auch vom Eröffnungskonzert am 11.1.2017

Einen entscheidenden Anteil an dieser Entwicklung trägt Thomas Hengelbrock,  seit 2011 Chefdirigent des Orchesters. Interpretatorische Experimentierfreude und unkonventionelle Programmdramaturgie sind Markenzeichen seiner Arbeit. Die Pressemitteilung in den vergangenen Tagen kam jedoch ein wenig unerwartet:

Thomas Hengelbrock wird seinen Vertrag als Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters über die Saison 2018/19 hinaus nicht verlängern. Nach dann acht sehr erfolgreichen Jahren an der Spitze des Residenzorchesters der Elbphilharmonie möchte er wieder mehr Zeit haben, um sich intensiver anderen künstlerischen Herausforderungen widmen zu können. Er wird dem NDR jedoch auch nach 2019 weiterhin regelmäßig für spezielle Konzertprojekte zur Verfügung stehen.“

 NDR Intendant Lutz Marmor, l, und Alan Gilbert, r, © Patrik Klein

NDR Intendant Lutz Marmor, l, und Alan Gilbert, r, © Patrik Klein

In einer Pressekonferenz am 23.06.2017 verkündete der NDR,  wer als Hengelbrock Nachfolger an der Spitze des Residenzorchesters der Elbphilharmonie stehen wird.

Neben dem designierten Chefdirigenten des NDR Elbphilharmonie Orchesters waren vom NDR dabei: Intendant Lutz Marmor, Hörfunk-Programmdirektor Joachim Knuth sowie Andrea Zietzschmann, Leiterin des Bereichs Orchester, Chor und Konzerte, und ihr Nachfolger Achim Dobschall, Manager des NDR Elbphilharmonie Orchesters. Die Elbphilharmonie war durch Intendant Christoph Lieben-Seutter vertreten. Durch die Veranstaltung führte Friederike Westerhaus, Moderatorin bei NDR Kultur. In zwei Jahren beginnt für das NDR Elbphilharmonie Orchester eine neue Ära. Chefdirigent Thomas Hengelbrock wird sich mit Ablauf der Spielzeit 2018/19 nach dann acht sehr erfolgreichen Jahren von Alan Gilbert abgelöst.

Alan Gilbert (* 23. Februar 1967 in New York City) ist US-amerikanischer Dirigent und seit 2009 Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker. Er studierte Musik an der Harvard University, dem Curtis Institute of Music in Philadelphia und der Juilliard School of Music in New York bei Otto-Werner Mueller. Nach seinem Studium war Alan Gilbert 1995–1997 Assistant Conductor des Cleveland Orchestra unter Christoph von Dohnányi. Von 2000 bis 2008 war Gilbert Chefdirigent der Königlichen Philharmoniker Stockholm (Kungliga Filharmonikerna) und zusätzlich von 2003 bis 2006 Musikdirektor der Oper von Santa Fe. Seit 2004 ist er Erster Gastdirigent beim NDR Elbphilharmonie Orchester in Hamburg, mit dem Gilbert bereits mehrfach auf Tournee war.

Mit der Spielzeit 2009/10 trat Gilbert die Nachfolge von Lorin Maazel als Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker an. Gilbert ist damit der erste gebürtige New Yorker auf dem Posten. Sein erstes Konzert eröffnete er mit dem Werk EXPO des finnischen Komponisten Magnus Lindberg, der von 2009 bis 2012 Composer in Residence bei den New Yorker Philharmonikern war. Gilbert kündigte im Februar 2015 an, 2017 von seinem Amt zurückzutreten.

Auf Ebene 15 in der Elbphilharmonie drängten sich die vielen angereisten Journalisten, Musiker und Freunde des Orchesters. Nach der Begrüßung und dem Blitzlichtgewitter der zahlreich vertretenen Fotografen eröffnete Achim Dobschall, Manager des NDR Elbphilharmonieorchesters die Pressekonferenz: „Mit dem neuen Chefdirigenten Alan Gilbert wollen wir weiter an der Devise arbeiten: Wir wollen uns mit den Spitzenorchestern dieser Welt messen“.

Mit Alan Gilbert wurde ein genialen Musiker gefunden, der als Chefdirigent des New York Philharmonic Orchestra als Nachfolger von Lorin Maazel neue Wege gegangen ist, neue Konzertformate entwickelte ohne die Tradition zu brechen. Gilbert (auch Gastdirigent bei den Berliner Philharmonikern) steht für Integrität, Pluralität und Offenheit. Er kennt das Orchester sehr gut aus seiner Zeit als 1. Gastdirigent und erhält erstmalig in der Geschichte des Orchesters einen 5-Jahresvertrag. 12 Wochen pro Saison wird er in Hamburg dirigieren. Der NDR Intendant Lutz Marmor kennzeichnet Gilbert als den Wunschkandidaten des Orchesters und des NDR, da man auch in der Vergangenheit bereits exzellent zusammengearbeitet hat. Die Planungen für 2019ff laufen bereits auf Hochtouren und werden den Anforderungen und Gegebenheiten des Konzertsaals in der Elbphilharmonie in spannender Weise genügen. Man darf sich auf die Zukunft freuen.

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Halle, Georg-Friedrich Händel Halle, Gustav Mahler – Auferstehungs-Sinfonie, IOCO Kritik, 24.06.2017

Händel Halle in Halle, der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels © Haendelhalle

Händel Halle in Halle, der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels © Haendelhalle

Auferstehungs-Sinfonie von Gustav Mahler
Die  Staatskapelle Halle  und Josep Caballé-Domenech

Große Mahler Orchester-Symphonie mit hinreißenden Sängern 

Von Guido Müller

Gustav Mahler Ehrung in Hamburg © IOCO

Gustav Mahler Ehrung in Hamburg © IOCO

Am 19.6.2017 fand der Georg-Friedrich-Händel-Halle, in Halle, der Händelstadt an der Saale, ein grandioses Konzerterlebnis mit Mahlers 2. Sinfonie, Auferstehung, statt. Das in allen Instrumentengruppen (alleine 10 Hörner und 8 Trompeten) phänomenal aufspielende anhaltische Orchester, die Staatskapelle Halle, traf auf zwei überirdisch schön singende Sängerinnen (Katharina Konradi und Susan Platts) und zwei tolle sächsische Chöre aus Dresden (Philharmonischer Chor der Dresdener Philharmonie) und Leipzig (Konzertchor Leipzig), beide unter Leitung von Gunter Berger, unter der hinreißenden, klug strukturierenden musikalischen Gesamtleitung des katalanischen Generalmusikdirektors Josep Caballé-Domenech. Es wurde zu einem grandiosen grenzüberschreitenden Konzerterlebnis!

Josep Caballe Domenech © Falk Wenzel

Josep Caballe Domenech © Falk Wenzel

2006 wurde die Staatskapelle Halle durch Zusammenschluss des Philharmonischen Staatsorchesters mit dem Orchester des Opernhauses Halle gegründet. In der Spielzeit 2015/16 feierte die Staatskapelle Halle ihr zehnjähriges Jubiläum und erhielt vom Deutschen Musikverleger-Verband den Preis für das beste Konzertprogramm der aktuellen Saison. Bereits 2014 hatte der neue GMD Domenech, Chefdirigent der Staatskapelle Halle und Oper Halle am Ende der Saison mit Gustav Mahlers gewaltigem Chor- und Orchester-Frühwerk Das klagende Lied sein Orchester und das Publikum in die Sommerpause entlassen.
Schon vor drei Jahren stand das Orchester unter dem Druck starker Kürzungen und Stelleneinsparungen. Auch drei Jahre später hängt dieses Damoklesschwert erneut über dem vorzüglichen Klangkörper in Halle. Doch stolz und mit demonstrativem Leistungswillen feierten nun zum Ende der glänzenden Saison 2016/17 alle Beteiligten und das begeisterte Publikum in zwei Konzerten mit Mahlers Hymnus an die umfassende Liebe die Auferstehung und ließen damit das frühe Klagelied hinter sich.

Dabei machten alle deutlich, wie wichtig ein unversehrter großer Klangkörper für die Aufführung solcher stark besetzten symphonischen Werke seit Ende des 19. Jahrhunderts ist. Im ersten Konzert dieser Saison 2016/17 hatte die Staatskapelle bereits mit Dmitri Schostakowitschs Sinfonie Nr. 8 c-Moll unter Domenech eindrucksvoll ihre Qualitäten als großer Klangkörper präsentiert. Ähnlich galt dies für Bruckners 8. Sinfonie in c-moll und Saint-Saens Orgel-Sinfonie in c-moll in weiteren Sinfoniekonzerten in Halle. So entwarf die kluge und spannende Konzertdramaturgie in Halle einen Bogen über die bedeutenden großen spätromantischen c-moll-Sinfonien seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert.

In Mahlers Auferstehungs-Sinfonie nun stimmte Domenech von Anbeginn an den Ton der oft weichen, geradezu mediterran-hellen Hingabe und romantischen Liebeserfüllung an, bürstete das Werk nicht auf einen herben und zerklüftet düsteren Vorläufer der expressionistischen und atonalen Moderne sondern betonte eher die reiche Klangfarbigkeit und Individualität Mahlers. Dadurch wirkten die unbändigen Verzweiflungsausbrüche und emotionalen Energieexplosionen im Riesenorchester unter schärfsten Bläser- und Schlagwerkseinsätzen nur um so existentieller und intensiver. Zugleich habe ich nach den Eruptionen des ersten Satzes (ursprünglich Totenfeier betitelt) den zweiten Satz, das erste der drei Intermezzi innerhalb der Symphonie, mit der Anweisung „Andante comodo. Sehr gemächlich. Nicht eilen“ noch nie so leicht, so duftig und entrückt von einem Orchester spielen gehört. Zutiefst ergreift dann der Moment des Einsatzes der menschlichen Stimme mit der Mezzosopranistin Susan Platts, die international als große Mahler-Interpretin geschätzt wird, am Anfang des vierten Satzes: „Oh Röschen roth!“. In ihrer Diktion mit perfekt und schlicht geführter Gesangstimme und einer in Mahlers Sinfonien äußerst seltenen Wort-Verständlichkeit berührte dieser vom Orchester unbegleitete Einsatz der menschlichen Stimme zutiefst. Susan Platts Mentorin Jessye Norman wäre stolz auf deren Auftritt gewesen.

Staatskapelle Halle © Falk Wenzel

Staatskapelle Halle © Falk Wenzel

An dem Werk hatte Mahler immerhin sieben Jahre gearbeitet und es sollte ihm nach der Uraufführung 1895 in Berlin das große Unverständnis der Zeitgenossen und auch Kollegen einbringen. Auch heute noch stellt die Sinfonie sehr hohe Anforderungen an alle Beteiligten, denen die Staatskapelle Halle, die Solistinnen und beide Chöre glänzend gerecht wurden. Zu Recht hob der Dirigent beim Schlussapplaus nicht einzelne Solisten des Orchesters hervor, da alle sowohl in den Soli wie ihren Gruppen Hervorragendes boten. Aber auch das Publikum lauschte den gut anderthalb Stunden der Symphonie fast durchweg in atemloser Stille, wie es selten in einem Mahlerkonzert zu erleben ist.
Einen großen Anteil daran hat der sich gänzlich in den Dienst des Werks stellende, unprätentiöse Chefdirigent Josep Caballé-Domenech. Er verstand es klug über das große Werk hinweg von den ersten Takten der leidenschaftlich auffahrenden Anfangsgeste in den Bässen einen Riesenspannungsbogen bis zum Triumphfinale zu schaffen. Über dieses unbeschreiblich hymnische Finale einschließlich Orgeleinsatz hatte Mahler 1901 an seine Verlobte Alma Schindler geschrieben: „Ein allmächtiges Liebesgefühl durchleuchtet uns mit seligem Wissen und Sein„. Diesem Gefühl verliehen alle Künstler zur Ergriffenheit des dankbaren Publikums wahren musikalischen Ausdruck. So blieb es am Schluß zunächst furchtsam still im Saal, bis der Dirigent das Zeichen zum Ende gab. Tosender Beifall.

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Salzburg, Oper im Berg, Italienische Operngala mit Grace Bumbry, 08.07.2017

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Oper im Berg Festival

 Oper im Berg Festival / Italienische Operngala mit Grace Bumbry © Oper im Berg Festival

Oper im Berg Festival / Italienische Operngala mit Grace Bumbry © Oper im Berg Festival

Oper im Berg – Festspiele, Salzburg

Die Italienische Operngala am 8. Juli 2017 (19h) in der Großen Aula der Universität Salzburg ist zweifelos das Highlight unseres Spielplans. Begleitet vom erweiterten Oper im Berg Festival Chor & Orchester hören Sie die besten 20! Sänger (5 Tenöre, 3 Baritone, 3 Bässe, 2 Mezzo, 7 Soprane) der letzten 10 Jahre.

Weltstar Grace Bumbry selbst wird mit Ausschnitten aus La Forza del destino zu hören sein. U.a. als Venus in Bayreuth, als Carmen in Salzburg, als Tosca an der Met feierte sie Welterfolge und wurde zur Legende. Natürlich werden berühmte Arien und Szenen aus Opern von Verdi, Puccini, Donizetti, Bellini, Rossini – wie z.B Nessun dorma oder der Gefangenenchor nicht fehlen. In einigen Kategorien sind wir bereits ausverkauft. Sichern Sie sich jetzt noch gute Plätze. Die wunderschöne und geschichtsträchtige Große Aula verfügt über eine Tribühne, sowie eine hervorragende Akustik.

Karten zu 49/59/69/79/99 € bei uns, Öticket, Vienna Ticket Office und Salzburg ticket Service.

Pressemeldung Oper im Berg Festival

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