Frankfurt, Oper Frankfurt, Premiere Eugen Onegin von Peter Tschaikowski, IOCO Kritik, 4.12.2016

Dezember 5, 2016 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Oper Frankfurt

logo_oper_ffm.gif

Oper Frankfurt

Oper Frankfurt / Eugen Onegin - Tatiana und Onegin © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Eugen Onegin – Tatiana und Onegin © Barbara Aumüller

EUGEN ONEGIN  von PETER I. TSCHAIKOWSKI

„Wir werden gehen, uns küssen, altern…..

Premiere Eugen Onegin war am 20.11.2016, weitere Vorstellungen:  3., 11., 15., 23., 25. (18.00 Uhr), 30. Dezember 2016, 1. (18.00 Uhr) Januar 2017

Nach über 15 Jahren ist nun der russische Klassiker Eugen Onegin wieder in der Oper Frankfurt zu sehen. Überhaupt scheint das Werk gerade „in“ zu sein, denn auch in Wiesbaden und Darmstadt steht es auf dem Spielplan. Alexander Puschkin schuf einen Versroman (1830), der weit über Russland hinaus wirkte und eine aus heutiger Sicht untergegangene Welt einfing. Auch Tschaikowskis Musik (1879 in Moskau uraufgeführt) nimmt die musikalischen Strömungen seiner Epoche auf – ob es das leitmotivische Begleiten seiner Protagonistin Tatjana oder die damals erwünschte Besinnung auf das russische Volksliedgut ist.

 Frankfurt / Oper Frankfurt_Eugen Onegin_Tatiana und Onegin © Barbara Aumüller

Frankfurt / Oper Frankfurt_Eugen Onegin_Tatiana und Onegin © Barbara Aumüller

Ein riesiges Mural – an Sowjetzeiten erinnernd – teilt die Bühne (Katja Haß) in ein davor und dahinter (Haus, Garten der Larins, Ballsaal in St. Petersburg), die Kostüme sind grau, postsowjetisches Russland, in dem der orthodoxe Pope wieder selbstverständlicher Teil der Gesellschaft ist. Die beiden ersten Akte bilden eine zeitliche Einheit auf dem Landgut der Familie Larin, in die Eugen Onegin sich arrogant gebend hineingerät. Der dritte Akt, Jahre später im Ballsaal des Fürsten Gremin in St. Petersburg, zeigt ihn als einen Zuspätgekommenen, was fast Gorbatschows Satz evoziert: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. So jedenfalls legt es die Konzeption von Jim Lucassen nahe, der krankheitsbedingt nicht weitermachen konnte. Seine Assistentin Dorothea Kirschbaum führte die Regiearbeit fort und zeigt uns Eugen Onegin als einen Außenstehenden, nie dazugehörend und doch präsent, während Tatiana musikalisch und dramaturgisch die zentrale Figur bleibt.

„Wir werden gehen, uns küssen, altern…“, steht in kyrillischer Schrift über dem Bühnenportal – doch auf das „Wie“ kommt es an! In dieser Hinsicht ist Tatiana, inzwischen Fürstin, Onegin voraus. Sie weist ihn nicht allein aus Pflichtgefühl zurück, sondern auch weil sie weiß, dass man aufrichtige Gefühle nicht mit Füßen tritt, ihr Mann eben solche für sie empfindet und dafür Respekt verdient. Onegin dagegen hat zweimal „wahres Lieben“ zerstört: Bei seinem Freund Lenski, der sich vielleicht in die falsche, da flatterhafte Olga ernsthaft verliebt, als er diesen grundlos – mit Olga flirtend – provoziert und letztendlich im Duell grundlos tötet. Und bei Tatiana, die von seiner kalten Zurückweisung in ihrem Innersten für immer erschüttert zurückgelassen wird. Onegin hat keinen Sinn für die Gefühle der anderen, er erkennt zwar Tatianas Größe, nicht aber die Größe ihres Herzens. Am Ende, wenn sich das Gitter – das sich im ersten Bild öffnet – wieder schließt, bleibt er räumlich wie emotional außen vor.

Oper Frankfurt / Eugen Onegin - Mario Chang als Lenski © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Eugen Onegin – Mario Chang als Lenski © Barbara Aumüller

Tatiana ist auch die Figur, der sich der russische Komponist am meisten verbunden fühlte. Ihr hat er die schönste Musik geschrieben, wie die berühmte Briefszene, in der sie sich zu ihrer Liebe für Onegin bekennt. Wohl auch deshalb hat Tschaikowski sein Werk mit „Lyrische Szenen“ überschrieben. Die intimen Momente kontrastiert er mit großem Chor wie bei der Namenstagfeier zu Ehren Tatianas und im Ballsaal des Fürsten Gremin. Der Wechsel von innerlichen zu großen Gefühlsausbrüchen – besonders prägnant kurz vor dem Streit und Duell von Lenski und Onegin – gelingt dem Orchester unter der Leitung von GMD Sebastian Weigle mühelos, insbesondere auch, weil er all zu viel Pathos meidet. Der ausdrucksstarke Chor (Leitung: Tilman Michael) ist nicht bloß „russische Masse“, sondern Agent und Zuschauer gleichermaßen.

Oper Frankfurt / Eugen Onegin - Ensemble und Chor © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Eugen Onegin – Ensemble und Chor © Barbara Aumüller

Die wichtigste Leistung und damit Anerkennung gebührt aber dem Sängerensemble (bis auf zwei Gastsänger alles Mitglieder der Oper Frankfurt), weil es den Regie-Wechsel tragen konnte und dafür vom Publikum mit großem Applaus bedacht wurde: Barbara Zechmeister (Larina, Gutsbesitzerin), Sara Jakubiak (Tatiana, Larinas Tochter), Judita Nagyová (Olga, Larinas Tochter), Elena Zilio (Filipjewna, Amme), Daniel Schmutzhard (Eugen Onegin) Mario Chang (Lenski), Robert Pomakov (Fürst Gremin), Dietrich Volle (Saretzki), Daniel Miroslaw (Hauptmann) und Peter Marsh (Triquet, ein Franzose) sowie die beiden Tänzer Sandra Stuy und Olaf Reinecke.  Von Ljerka Oreskovic Herrmann

Premiere Eugen Onegin am 20.11. 2016, Weitere Vorstellungen: 3., 11., 15., 23., 25. (18.00 Uhr), 30. Dezember 2016, 1. (18.00 Uhr) Januar 2017

Oper Frankfurt – Alle Karten Hier:
Karten Kaufen

Chemnitz, Theater Chemnitz, Guillermo García Calvo neuer GMD, IOCO Aktuell, 3.12.2016

Dezember 2, 2016 by  
Filed under IOCO Aktuell, Pressemeldung, Theater Chemnitz

die_theater_chemnitz.jpg

Theater Chemnitz © Dieter Wuschanski

Theater Chemnitz © Dieter Wuschanski

Theater Chemnitz

Guillermo García Calvo ab 2017 neuer GMD

Der spanische Dirigent Guillermo García Calvo wird neuer Generalmusikdirektor der Theater Chemnitz und der Robert-Schumann-Philharmonie. Nachdem Felix Bender die Sparten Oper und  Philharmonie in der Spielzeit 2016/2017 als kommissarischer Generalmusikdirektor geleitet hat, tritt Guillermo García Calvo die Position in Chemnitz mit Beginn der Spielzeit 2017/2018 an. Die Vertragsdauer beläuft sich auf vier Jahre mit der Option auf Verlängerung.

Theater Chemnitz / Neuer GMD Calvo Guillermo Garcia © David Bohmann

Theater Chemnitz / Neuer GMD Calvo Guillermo Garcia © David Bohmann

Guillermo García Calvo wird sich in gleichem Maße den Konzerten und den Opernproduktionen widmen. Mit seiner großen Leidenschaft für das Schaffen Richard Wagners freut sich der neue Generalmusikdirektor besonders auf die Chemnitzer Neuinszenierung des Ring des Nibelungen im Jahr 2018. Erfahrungen mit den Werken des Bayreuther Meisters konnte er u. a. bereits bei den Produktionen Tristan und Isolde, Das Rheingold und Die Walküre im spanischen Oviedo sammeln.

Guillermo García Calvo wurde in Madrid geboren. Sein Studium führte ihn nach Wien. Dort
debütierte er als Operndirigent 2003 mit „Hänsel und Gretel“ im Schlosstheater Schönbrunn.
Seitdem ist er regelmäßig zu Gast an der Wiener Staatsoper, wo er mehr als 200 Vorstellungen leitete. Darüber hinaus dirigierte er u. a. „Falstaff“ in Bukarest, „Goyescas“ in Madrid (Teatro Real) und Florenz, „Il barbiere di Siviglia“ in Nizza, „Salome“ in Palma de Mallorca sowie mehrere Produktionen an der Deutschen Oper Berlin. Er verfügt über ein umfangreiches Konzertrepertoire und arbeitete mit Orchestern wie dem London Symphony, dem Orchester des Maggio Fiorentino, dem Orquesta Nacional de México, dem Orquesta Nacional de España, den Essener Philharmonikern, der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken-Kaiserslautern und den Hamburger Symphonikern zusammen.

„Ich freue mich sehr, dass Guillermo García Calvo dem Ruf nach Chemnitz folgt. Er ist ein
Künstler, der sowohl im Opern- als auch im Konzertbereich eine charismatische Ausstrahlung besitzt“, sagt Dr. Christoph Dittrich, Generalintendant der Theater Chemnitz. „Seine Dirigate an unserem Haus in der vergangenen Spielzeit haben das Orchester und mich gleichermaßen überzeugt. Wir schätzen zudem seine Internationalität, die sicher dazu beitragen wird, die Oper Chemnitz und die Robert-Schumann-Philharmonie als kulturelle Leuchttürme noch strahlkräftiger zu machen.“

 Vita Guillermo García Calvo

Guillermo García Calvo wurde in Madrid geboren und studierte an der Musikuniversität in Wien.  Von 2000 bis 2002 rundete er seine Ausbildung als Assistent von Iván Fischer mit dem Budapest Festival Orchester ab. Im März 2003 debütierte er als Operndirigent mit „Hänsel und Gretel“ im  Schlosstheater Schönbrunn. 2007 fungierte er als Assistent von Christian Thielemann für den „Ring des Nibelungen“ bei den Bayreuther Festspielen.

Seit 2004 ist Guillermo García Calvo eng mit der Wiener Staatsoper verbunden, wo er für die musikalische Vorbereitung von mehr als 50 Repertoireproduktionen verantwortlich war. Er dirigierte zahlreiche Opern und Ballette an der Wiener Staatsoper wie zum Beispiel „Macbeth“, „Rigoletto“, „La fille du régiment“, „Lucia di Lammermoor“, „Il barbiere di Siviglia“, „Die Zauberflöte“, „Coppélia“, „Der Nussknacker“, „Onegin“, „Don Quixote“, „La Traviata“, „Giselle“, „L’elisir d’amore“, „Mayerling“, „Anna Karenina“, „Romeo und Julia“ und „Schwanensee“.

2011 gab Guillermo García Calvo mit der Premiere von Tristan und Isolde am Teatro
Campoamor in Oviedo sein Operndebüt in Spanien. An diesem Theater leitet er seit 2013 die dortige Erstaufführung des Ring des Nibelungen, bisher mit den beiden erfolgreichen Abenden „Das Rheingold“ und „Die Walküre“. 2009 gab er sein Debüt an der Deutschen Oper Berlin mit der Premierenproduktion „La Cenerentola“.

 Deutsche Oper Berlin © IOCO

Deutsche Oper Berlin © IOCO

Weitere wichtige Dirigate im Musiktheater hatte er am Aalto-Theater Essen („L’elisir d’amore“, „I Puritani“, „Nabucco“, „La Bohème“, „La Traviata“), an der Deutschen Oper Berlin („Don Giovanni“, „Il barbiere di Siviglia“, „Carmen“, „Lucia di Lammermoor“, „Die Perlenfischer“), an der Nationaloper Bukarest („Falstaff“, „Turandot“), am Teatro Real Madrid („Goyescas“), an der Opéra de Nice („Il barbiere di Siviglia“), an der Opera di Firenze („Goyescas“) und am Teatre Principal de Palma („Salome“). Im Mai 2016 hat er die Weltersteinspielung der Oper „Elena e Malvina“ von Ramón Carnicer mit dem Orquesta Nacional de España dirigiert.

Zu den zahlreichen internationalen Orchestern, mit denen er zusammengearbeitet hat, zählen das London Symphony Orchestra, das Orquesta Nacional de México, das ORF Radio-
Symphonieorchester Wien, die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken-Kaiserslautern, das Latvian National Symphony Orchestra, das Orchestre de Chambre de Genève, das Orchester des Maggio Musicale Fiorentino, das Orquesta de Valencia, das Orquesta Sinfónica de Barcelona y Nacional de Cataluña, das Orquesta Sinfónica de Galicia, das Orquesta Sinfónica de la RTVE sowie das Orquesta Sinfónica de Madrid.

2013 wurde Guillermo García Calvo von der spanischen Musikzeitschrift Codalario als Bester Künstler 2013 ausgezeichnet. Die von ihm geleitete Produktion von „Curro Vargas“ in der Inszenierung von Graham Vick am Teatro de la Zarzuela in Madrid erhielt 2014 die renommierte spanische Auszeichnung Premio Campoamor. PMThCh / 3.12.2016

Theater Chemnitz – Karten Hier:
Karten Kaufen

Hamburg, Interview mit Staatsopern-Tenor Dovlet Nurgeldiyev, 03.12.2016

 Staatsoper Hamburg © IOCO

Staatsoper Hamburg © IOCO

 Tenor Dovlet Nurgeldiyev im Interview

IOCORedakteur Patrik Klein sprach am 23.11.2016 mit Dovlet Nurgeldiyev über die Herausforderungen eines Solo Tenors an  großen Opernbühnen Europas

 Tenor Dovlet Nurgeldiyev © Henriette Mielke

Tenor Dovlet Nurgeldiyev © Henriette Mielke

Dovlet Nurgeldiyev begann seine Gesangsausbildung in seinem Heimatland Turkmenistan und setzte sein Studium von 2001 bis 2005 in den Niederlanden am Konservatorium in Tilburg fort. Im September 2006 wurde der Tenor am Königlichen Konservatorium Den Haag aufgenommen, wo er sowohl seinen Bachelor als auch Master machte. Im September 2008 wurde er Mitglied des Internationalen Opernstudios der Staatsoper Hamburg, wo er ein umjubeltes Europadebüt als Fenton in Verdis Falstaff gab.

Von 2008 bis 2010 sang er in vielen weiteren Produktionen. Im November 2009 wurde Dovlet Nurgeldiyev beim Stella Maris-Wettbewerb mit einem der Hauptpreise – einer Aufnahme mit der Deutschen Grammophon – ausgezeichnet. Seit der Spielzeit 2010 gehört Dovlet Nurgeldiyev zum Ensemble der Hamburgischen Staatsoper, wo er für seine Debüts als Alfredo in „La Traviata“ und als Lensky in „Eugen Onegin“ bejubelt wurde. Im Herbst 2011 gab er in Hamburg eine Reihe von herausragenden Vorstellungen als Don Ottavio in einer Neuproduktion von „Don Giovanni“, für die er in der deutschen Presse und der Financial Times begeisterte Kritiken erhielt. Ebenso begeistert aufgenommen wurden seine Vorstellungen in einer weiteren Neuproduktion von „Don Giovanni“ an der Ungarischen Staatsoper in Budapest. 2012 feierte Dovlet Nurgeldiyev an der Hamburgischen Staatsoper große Erfolge mit seinen Rollen als Nemorino in Donizettis „L’Elisir d’Amore“ Ferrando in Mozarts“ Cosi fan tutte“ und als Vladimir Igorevich in einer neuen Produktion von Borodins „Prinz Igor“.

Im November 2013 gab er an der Staatsoper Berlin unter der Regie von Hans Neuenfels mit großem Erfolg sein Debüt als Belfiore in Mozarts „La finta Giardiniera“. Daran schloss sich im Dezember 2013 mit dem Requiem von Mozart ein beeindruckendes Bordeaux-Debüt an.

Im Januar 2014 folgten starke Gastauftritte als Lensky in einer neuen Produktion von „Eugen Onegin“ in Montpellier. Im September 2015 schloss sich sein erfolgreiches Debüt in der Frauenkirche Dresden mit Mozarts c-moll Messe unter Bertrand de Billy.
Ende der Spielzeit 2015/16 gab Dovlet Nurgeldiyev sein umjubeltes Debüt an der Bayerisches Staatsoper mit der Partie des Alfredo in La Traviata. An diese großen Erfolge knüpfte der Tenor auch zu Beginn der Spielzeit 2016/17 in Hamburg an, zum Beispiel als Narraboth in „Salome“ unter der Leitung von Kent Nagano. Für seinen Tamino in „Die Zauberflöte“ erhielt er nach der Premiere im September 2016 überragende Kritiken, darunter in der FAZ, wo ihm bescheinigt wurde, er sei ein „ausgezeichneter Tamino“.

 Rathaus Hamburg © IOCO

Rathaus Hamburg © IOCO

Patrik Klein (PK), IOCO: Dovlet, Du bist seit 2010 im Ensemble der Hamburgischen Staatsoper, singst dort viele Partien in deinem Fach und hast viele weitere Gastauftritte in ganz Europa. Wie geht es Dir damit?

Dovlet Nurgeldiyev: Ich fühle mich hier in der großartigen Stadt Hamburg sehr wohl. Die Hansestadt Hamburg gefällt mir mit ihren vielen Möglichkeiten, wie zum Beispiel dem Hafen, der Elbphilharmonie, dem Kontakt zu den vielen Menschen, die mir als Sänger an der Oper sehr nahe stehen und mit mir verbunden sind, sehr gut.
An der Hamburgischen Staatsoper fühle ich mich besonders wohl, weil ich an diesem großen Haus viele Partien singen kann, die zu meinem Stimmfach passen.

PK: Wie kann ich mir eine typische Arbeitswoche von Dir vorstellen?

 Dovlet Nurgeldiyev in der Staatsoper © Patrik Klein

Dovlet Nurgeldiyev in der Staatsoper © Patrik Klein

Dovlet Nurgeldiyev: Die Hamburgische Staatsoper ist ein großes Haus mit einem umfassenden Repertoirebetrieb von ca. 50 Opernproduktionen pro Saison. Wegen dieses vielseitigen Repertoires finden viele Proben vormittags und nachmittags auf den Probebühnen statt. Zusätzlich gibt es Orchester- und Generalproben auf der Hauptbühne in Kostüm und Maske. Das ist ein nennenswerter Aufwand, für den es Zeit und Geduld braucht.
Parallel dazu studiere ich neue Rollen mit einem speziellen Repetitor im Haus der Staatsoper. Das können Rollen sein, für die ich an der Oper zukünftig vorgesehen bin, aber auch Rollen, wo ich denke, dass ich sie studieren sollte. Das geschieht natürlich zuerst ganz alleine und ohne Repetitor. Erst wenn ich ein gewisses Maß an Eindringtiefe verspüre, gehe ich die Rolle mit dem Repetitor gemeinsam durch.
Manchmal ist es sogar so, dass ich an mehreren Produktionen gleichzeitig beteiligt bin und dazu Gastauftritte an anderen Häusern, wie zum Beispiel der Bayerischen Staatsoper u.a. habe. Ich bin praktisch in jeder Minute der Arbeitswoche mit irgendeinem Stück beschäftigt.
Dazu brauche ich ein hohes Maß an Konzentration und Organisationsvermögen. Aber gerade diese Herausforderung und Vielseitigkeit macht mir Riesenspaß. Und durch meine Engagements besuche ich ja auch immer wieder spannende Städte, zum Beispiel Berlin, München, Dresden, Budapest, Warschau, Montpellier. Details kann ich noch nicht sagen, aber es werden noch einige große Städte beziehungsweise Bühnen hinzukommen, die ich kennenlerne.   In meiner Freizeit spiele ich Fußball oder koche für meine Freunde.

PK: Da haben wir ja mit dem Kochen eine gemeinsame Leidenschaft. Du hast mit vielen berühmten Kolleginnen und Kollegen auf der Bühne gestanden oder sie im Rahmen deiner Sängertätigkeit getroffen. Wie war das mit Placido Domingo, José Carreras, Anna Netrebko und anderen?

Dovlet Nurgeldiyev: Singen macht mir unendlich viel Spaß. Ich habe immer wieder die Chance und Möglichkeiten gehabt Sängerinnen und Sänger mit großen Namen zu treffen oder gar mit ihnen zu studieren und gemeinsam auf der Bühne zu stehen.
Während meines Studiums in Holland hatte ich mal die Gelegenheit bei einem Galabenefizkonzert für die Leukämiestiftung von José Carreras mit ihm gemeinsam auf der Bühne zu stehen. Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen, zumal er mich sehr gelobt und mir viel Glück für meine Karriere gewünscht hat.
Oder ich hatte mein Debut an der Staatsoper Berlin 2013 als Belfiore (La Finta Giardiniera von Mozart). Parallel dazu wurde dort Il Trovatore mit Placido Domingo und Anna Netrebko gegeben. Das habe ich dann erstmals dort live gehört. Der Höhepunkt war dann ein Gespräch mit den beiden. Die Offenheit und Natürlichkeit der beiden hat mir sehr imponiert. „Du bist ein Tenor“ sagte Placido zu mir. Ich fragte woher er das weiß. „Dein Gesicht und Deine Ausstrahlung sagen mir das“ Und den Belfiore hatte er vor vielen Jahren in den USA gesungen. Wir haben uns lange darüber unterhalten. Das war ein großartiges Gefühl und eine wunderschöne Begegnung.

PK: Seit 2015 gibt es eine intensive Zusammenarbeit deinerseits mit dem neuen Generalmusikdirektor Kent Nagano. Man hört, dass die Zusammenarbeit mit dem Orchester wunderbar funktioniert. Wie erlebst Du den neuen „Stardirigenten“?

 Mozart Denkmal in Wien © IOCO

Mozart Denkmal in Wien © IOCO

Dovlet Nurgeldiyev: Für uns Sänger ist es sehr wichtig mit einem sehr guten Dirigenten zusammenzuarbeiten, der die Stimmen und die Stücke mit deren musikalischen Besonderheiten extrem gut kennt. Nagano hat auch immer wieder die Balance zwischen Orchester und Sängern im Fokus. Er sorgt unterstützend für unsere Sicherheit auf der Bühne, was gerade bei einem neuen Stück sehr wichtig ist. Es bereitet mir ein großes Vergnügen mit ihm zusammenzuarbeiten.

PK: Das Repertoire deiner Rollen ähnelt dem von Fritz Wunderlich. Wer ist dein Vorbild?

Dovlet Nurgeldiyev: Wenn ich eine neue Rolle einstudiere höre ich zuerst Aufnahmen von verschiedenen bekannten guten Sängern und entwickle daraus meine ideale Vorstellung von der Partie und deren Umsetzung. Fritz Wunderlich war aus meiner Sicht mehr als ein Sänger, er war ein überirdisches Geschenk und ein Phänomen. Er hat mein Herz geöffnet und wenn ich Musik mit ihm höre ist es, als wenn mein Herz schmilzt wie ein Eis in der Sonne.

PK: Du hast in der letzten Saison deine Paraderolle Alfredo in „La Traviata“ mit überragendem Erfolg und wundervollen Kritiken an der Bayerischen Staatsoper gegeben. Wie war das für Dich?

Dovlet Nurgeldiyev: Diesen Abend werde ich nie vergessen. Das war ein unbeschreibliches Gefühl dort in diesem ganz besonderen Haus auf der riesigen Bühne zu stehen und das großartige Gefühl mit den fantastischen Kolleginnen und Kollegen sowie dem leidenschaftlichen, frenetischen Publikum zu teilen.

PK: Du singst in der laufenden Saison in Hamburg rund 40 Vorstellungen als Tamino, Narraboth, Macduff, Nemorino, Le Chevalier (Dialogues des Carmelites) , Edgardo und Belmonte. Was wird uns die Zukunft bringen? Auf was können wir uns Opernliebhaber und die ganz eng mit Dir verbundene Hamburger „Fangemeinde“ freuen? Wie sehen Deine Pläne aus?

 Patrik Klein im Gespräch mit Dovlet Nurgeldiyev © Patrik Klein

Patrik Klein im Gespräch mit Dovlet Nurgeldiyev © Patrik Klein

Dovlet Nurgeldiyev: Ich freue mich darauf, einerseits weiterhin an der Hamburgischen Staatsoper zu singen, andererseits auch Gastauftritte an großen Bühnen in Europa zu haben. Anfang 2017 zum Beispiel werde ich am Polnischen Nationaltheater in Warschau den Lensky in Eugene Onegin geben. Weitere Auftritte werden dann in den Saisonankündigungen der jeweiligen Häuser im Frühjahr 2017 bekanntgegeben.

Patrik Klein: Lieber Dovlet, ich danke Dir ganz herzlich für das Gespräch und wünsche Dir alles Gute.

Wien, Wiener Staatsoper, Premiere Falstaff von Giuseppe Verdi, 04.12.2016

Dezember 1, 2016 by  
Filed under Oper, Premieren, Pressemeldung, Wiener Staatsoper

wien_neu.gif

Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

 Falstaff  von Giuseppe Verdi

Premiere 4.12.2016, weiter Vorstellungen: 7.12.2016, 9.12.2016, 12.12.2016, 15.12.2016

Am Sonntag, 4. Dezember 2016 steht – quasi zum Abschluss des Shakespeare-Jahres – die zweite Staatsopernpremiere der aktuellen Spielzeit auf dem Programm des Hauses am Ring: Giuseppe Verdis letzte Oper Falstaff, die 1893 an der Mailänder Scala uraufgeführt wurde und die an der Wiener Staatsoper 1904 unter Gustav Mahler ihre deutschsprachige Erstaufführung feierte. Die Premiere wird die 185. Staatsopern-Aufführung des Falstaff sein, der nun nach fünf Jahren wieder am Haus gezeigt wird.

Wiener Staatsoper / Falstaff © Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Wiener Staatsoper / Falstaff © Wiener Staatsoper / Michael
Pöhn

Für diese Premiere kehrt Maestro Zubin Mehta nach 8 Jahren wieder ans Dirigentenpult der Wiener Staatsoper zurück, der er seit der Lohengrin-Premiere 1975 verbunden ist. Mit der Neuproduktion von Falstaff leitet er seine sechste Verdi-Oper und seine insgesamt
neunte Premiere im Haus am Ring. Der schottische Regisseur Sir David McVicar, der an der Wiener Staatsoper bereits für die Inszenierungen von Tristan und Isolde (2013) und Adriana Lecouvreur (2014) verantwortlich zeichnete, führt Regie. Er zeigt in seiner dritten Inszenierung am Haus am Ring unter anderem, dass in der auf Shakespeares Die lustigen Weiber von Windsor basierenden Oper nicht alles Lachen ist, wie es in der berühmten Fuge am Ende heißt (Tutto nel mondo è burla), sondern, dass auch das Tragische im Komischen deutlich spürbar wird. Diesen Aspekt betont auch Ambrogio Maestri, der mit dem Falstaff in seiner Paraderolle schlechthin an die Wiener Staatsoper zurückkehrt: „Das Traurige liegt in der Einsamkeit der Figur. Also in der Angst, alleine zu bleiben – eine Angst, die jeder Mensch hat. […] Man darf Falstaff nicht lächerlich machen, sondern muss ihm die Substanz und Tiefe geben, die er verdient.

Gemeinsam mit Zubin Mehta entschied sich David McVicar für eine von der Shakespeare-Zeit inspirierte Lesart des Stückes, die im Bühnenbild von Charles Edwards und im Kostümdesign von Gabrielle Dalton ihre Umsetzung findet.

Die Sängerbesetzung – zahlreiche Haus- und Rollendebüts

Der italienische Bariton Ambrogio Maestri gestaltet die Titelpartie von VerdisCommedia lirica in drei Akten“. Im Laufe dieser Aufführungsserie wird er bereits seinen 250. Falstaff singen (9. Dezember), den er auf allen großen Bühnen weltweit verkörpert, im Haus am Ring zuletzt 2011.

Als Ford gibt Ludovic Tézier sein Staatsopern-Rollendebüt. Der französische Sänger wird nach dem Falstaff auch in der zweiten Verdi-Premiere der laufenden Saison im Haus am Ring zu erleben sein: er wird sein Rollendebüt am Haus als Conte di Luna in Il trovatore (Februar 2017) geben. Weiters verkörpert er im März die Titelpartie in der Baritonfassung von Massenets Werther.

 Wien / Rathaus mit Eislauffläche © IOCO

Wien / Rathaus mit Eislauffläche © IOCO

Der junge italienische Tenor Paolo Fanale stellt sich als Fenton dem Staatsopernpublikum vor. Der aus Palermo stammende Sänger studierte am Vincenzo Bellini Konservatorium und wird mittlerweile regelmäßig u. a. von der Mailänder Scala, der New Yorker Met, der Bayerischen und der Berliner Staatsoper sowie den Salzburger Festspielen verpflichtet mit Partien wie Roméo (Roméo et Juliette), Nemorino (L’elisir d’amore), Tamino (Die Zauberflöte), Faust, Rodolfo (La Bohème), Tito.

Auch die Sängerin der Alice Ford debütiert an der Wiener Staatsoper: Die italienische Sopranistin Carmen Giannattasio ist u. a. Gewinnerin von Plácido Domingos Operalia-Wettbewerb und sang bisher u. a. am Londoner Royal Opera House, der New Yorker Met, der Mailänder Scala, an der Deutschen Oper Berlin, in Paris, Los Angeles, Verona, Venedig und Moskau Partien wie Violetta (La traviata), Mimì (La Bohème), Leonora (Il trovatore), Desdemona (Otello), Amelia (Simon Boccanegra), Liù (Turandot) und Norma.

Als Meg Page gibt Lilly Jørstad ihr Rollendebüt am Haus, die bereits im November 2016 als Rosina in Il barbiere di Siviglia eingesprungen ist und damit ihr vorgezogenes Hausdebüt absolviert hat. Die norwegische Mezzosopranistin war bisher u. a. in St. Petersburg, an der Mailänder Scala, an der Nordnorsk Opera sowie beim Maggio Musicale in Florenz zu hören mit Partien wie Rosina, Cherubino (Le nozze di Figaro),  Angelina (La cenerentola).

Den Pistola verkörpert der ebenfalls aus Italien stammende junge Bass und Hausdebütant Riccardo Fassi, der in Mailand geboren wurde und in seiner Heimatstadt studierte. Zu seinen bisherigen Engagements zählen Auftritte in Italien, Spanien und am Royal Opera House Muscat (Oman) mit Partien wie Graf Rodolfo (La sonnambula), Figaro (Le nozze di Figaro), Papageno (Die Zauberflöte), Masetto (Don Giovanni).

Als Mrs. Quickly kehrt Marie-Nicole Lemieux zurück auf die Staatsopernbühne, nachdem sie diese Partie bereits 2011 im Haus am Ring verkörperte.

Weitere Rollendebüts im Haus am Ring geben die Staatsopern-Ensemblemitglieder Hila Fahima als Nannetta und Thomas Ebenstein als Dr. Cajus. KS Herwig Pecoraro verkörpert in der Neuproduktion den Bardolfo.

 Dirigent: Zubin Mehta | Regie: David McVicar, Bühnenbild: Charles Edwards | Kostüme: Gabrielle Dalton° | Licht: Paul Keogan°, Bewegungsregie: Leah Hausman°| Chorleitung: Martin Schebesta

Falstaff  Ambrogio Maestri, Ford Ludovic Tézier*, Fenton Paolo Fanale°, Dr. Cajus Thomas Ebenstein*, Bardolfo Herwig Pecoraro, Pistola Riccardo Fassi°, Alice Ford Carmen Giannattasio°, Nannetta Hila Fahima*, Mrs. Quickly Marie-Nicole Lemieux, Meg Page Lilly Jørstad*, Robin (Falstaffs Page) Nico James, Doll Tearsheet (eine Hure) Waltraud Eigner, Orchester der Wiener Staatsoper, Chor der Wiener Staatsoper.  PMWStO

Wiener Staatsoper, Premiere Falstaff von Giuseppe Verdi: 4.12.2016, weiter Vorstellungen: 7.12.2016, 9.12.2016, 12.12.2016, 15.12.2016

 

Nächste Seite »