Stuttgart, Oper Stuttgart, Hartmut Haenchen dirigiert Mozart und Wagner, 08. & 09.10.2017

September 27, 2017 by  
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Oper Stuttgart

 Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

 Mozart  –  Wagner
1. Sinfoniekonzert des Staatsorchesters Stuttgart

08. und 09. Oktober 2017 –  Beethovensaal der Liederhalle

Im 1. Sinfoniekonzert dieser Spielzeit am Sonntag, 08. Oktober, um 11 Uhr und am Montag, 09. Oktober 2017, um 19:30 Uhr im Beethovensaal der Liederhalle kehrt Dirigent Hartmut Haenchen ans Pult des Staatsorchesters Stuttgart zurück. Zum feierlichen Auftakt der Konzertsaison im Zeichen des 425-jährigen Bestehens des Klangkörpers erklingen Werke von Mozart und Wagner.

Staatsoper Stuttgart / Hartmut Haenchen © Riccardo Musacchio

Staatsoper Stuttgart / Hartmut Haenchen © Riccardo Musacchio

Spätestens seit seinem umjubelten Parsifal bei den Bayreuther Festspielen im vergangenen Jahr gilt Hartmut Haenchen als einer der großen Wagner-Dirigenten unserer Zeit. Mit der von ihm zusammengestellten Götterdämmerung-Suite knüpft Hartmut Haenchen an ein Experiment Richard Wagners an, der in einem Wiener Konzert von 1875 Teile des Finales der Ring-Tetralogie rein symphonisch, als Orchesterstück ohne Gesangsstimmen, zur Aufführung brachte. Die Jupiter-Sinfonie galt schon Mozarts Zeitgenossen als Gipfelwerk der menschlichen Existenz, das den Zwiespalt zwischen Freiheit und Gesetz in einer bis dahin nicht erreichten Formvollendung zum Ausdruck bringt.

Einführung zum 1. Sinfoniekonzert mit Rafael Rennicke, Dramaturg der Oper Stuttgart, jeweils 45 Minuten vor Konzertbeginn, sonntags im Mozartsaal, montags im Silchersaal der Liederhalle.

Auf der Website der Oper Stuttgart finden Sie weitere Informationen zum Konzertprogramm.Karten über www.oper-stuttgart.de, Kartentelefon: 0711. 20 20 90, und an der Abendkasse.  PMStoSt

Baden-Baden, Festspielhaus, Wiener Philharmoniker und Maestro Zubin Mehta, 06.10.2017

September 25, 2017 by  
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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Wiener Philharmoniker – Brahms, Haydn, Bartok

Das Eröffnungskonzert der neuen Baden-Badener Festspielhaus-Saison 2017/2018 beginnt am Freitag, 6. Oktober 2017, um 19 Uhr dem Anlass entsprechend mit Pauken und Trompeten. Der indische Star-Dirigent Zubin Mehta leitet eines der besten Orchester der Welt, dem er eng verbunden ist: die Wiener Philharmoniker. Im Zentrum der Saisoneröffnung steht Bartóks „Konzert für Orchester“.

Als das einzige Sinfonieorchester von Weltruf, das auf einen Chefdirigenten verzichtet, suchen sich die Wiener Philharmoniker für jedes Programm den jeweils besten aus: Mit Zubin Mehta, der die Maestro-Tradition eines Karajans, Bernsteins und Abbados weiterführt, konzertiert das Ensemble regelmäßig und hat mit ihm bereits mehrfach das traditionelle Neujahrskonzert aufgeführt.

Festspielhaus Baden-Baden / Wiener Philharmoniker © Jun Keller

Festspielhaus Baden-Baden / Wiener Philharmoniker © Jun Keller

Das Programm im Festspielhaus Baden-Baden am Freitag, 6. Oktober 2017, um 19 Uhr eröffnet er mit Brahms und Haydn – Konzertouvertüre und Konzert.

Johannes Brahms Denkmal in "?"   © IOCO

Johannes Brahms Denkmal in „?“ © IOCO

Zu Beginn erklingt Brahms‘ „Tragische Ouvertüre“ op. 81. Sie wurde 1880 in Wien uraufgeführt. Die Ouvertüre verarbeitet die Vorbilder Beethovens und stellt sich damit bewusst von der damals modernen „Sinfonischen Dichtung“ eines Franz Liszt ab. Dennoch nimmt sie deren Einflüsse in sich auf, indem sie die Sätze einer ganzen Sinfonie in sich fasst: Deutlich lassen sich Scherzo-Teile und ein Trauermarsch vernehmen.

1792 komponierte Joseph Haydn sein Opus 84 für Oboe, Fagott, Violine, Cello und Orchester. Er bemühte dafür die damals beliebte Gattung der „Sinfonia Concertante“. Das Werk, das zu Haydns späteren gehört und den vier Solisten genügend Anlässe zum Glänzen gibt, werden die Wiener Philharmoniker mit Solisten aus eigenen Reihen besetzen.

Eine „Sinfonia Concertante“ ist auch das letzte Werk des Abends: Bela Bartòks „Konzert für Orchester“, geschrieben in Amerika im Jahre 1943. Zum einen vereinfacht der Komponist hier seinen Stil für das amerikanische Publikum, ohne in der Qualität Abstriche zu machen: Hierbei hat Bartòk als Negativbeispiele Paul Hindemith und Dmitri Schostakowitsch vor Augen, derer Musik Bartòk ebensolche Einbußen vorwarf. Als Kommentar und Parodie imitiert der Komponist die Musik der beiden, bleibt dabei jedoch immer er selbst. Gleichzeitig huldigt er der damals unnachahmlicher Virtuosität der amerikanischen Orchester, indem er einzelne Instrumente konzertierend in den Mittelpunkt rückt und vom Blech Passagen einfordert, die an Jazz erinnern.

Zuletzt ist die Musik auch eine Auseinandersetzung mit der politischen Zeitgeschichte. Der Komponist entkam den Nazis und sehnte sich nach seiner bedrängten Heimat zurück. Seine Klage mündet in der zentralen „Elegie“ – bevor ein beschwingt festliches Finale das Werk abschließt.

Noch gibt es einige Karten für dieses Konzert, das aber schon jetzt gut gebucht ist. Die Festspielhaus-Saison wird anschließend (ab 7. Oktober) mit dem schon traditionellen Herbstgastspiel des Hamburg Balletts John Neumeier fortgesetzt.

Weitere Informationen: www.festspielhaus.de, Informationen und Eintrittskarten: Tel. 07221 / 30 13 101, PMFspBB

Halle, Theater Halle, Fidelio von Ludwig van Beethoven, IOCO Kritik, 20.09.2017

September 21, 2017 by  
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Theater und Orchester Halle

Oper Halle © Bühnen Halle / Falk Wenzel

Oper Halle © Bühnen Halle / Falk Wenzel

Fidelio von Ludwig van Beethoven

„Das „narzistische“ Stadttheater. Volten über das Thema Freiheit“

Von Guido Müller

Ludwig van Beethoven in Bonn © IOCO

Ludwig van Beethoven in Bonn © IOCO

Wenn es im Fidelio was zu Lachen gibt, Slapstick, humanistischer und kapitalismuskritischer Ernst um einen diffizilen Freiheitsbegriff nebeneinander liegen, dann hat sich das derzeitige Enfant terrible des Kulturlebens der Händelstadt und Opern-Intendant Florian Lutz der feierlichen Sache von Beethovens musikalisch heterogener, mit dramaturgischen und textlichen Schwächen behafteter Hymne auf Gattentreue und Freiheit angenommen.

Diese Inszenierung stellt das sonst kaum reflektierte abstrakte Problem der Endfassung von Fidelio ins Zentrum, dass die Rettung des Individuums (Staatsgefangener Florestan) und die Erringung der Freiheit nicht durch die Frau (Leonore bzw. Fidelio) sondern letztlich in fast religiöser Überhöhung („Heil!“) nur durch eine höhere politische Macht (der Auftritt des „Ministers“) und Gerechtigkeit wie Wiederherstellung der (alten?) Ordnung ermöglicht wird.

Die „Große Oper“ Fidelio befragt den Freiheitsbegriff in allen Facetten. Und das gelingt dem Team um Florian Lutz durch eine sehr sinnliche, kurzweilige, vor Einfällen sprühende, überaus opulent ausgestattete und vor allem zum Schluß der Oper oft die Aufmerksamkeit durch die Reizüberflutung der Video- und Texteinspielungen überfordernde Inszenierung.

Im zweiten Aufzug tritt das selbstironisch gezeichnete Ebenbild des in seinem Büro Akten und Bilanzen wälzenden und zugleich die Oper Fidelio mit der Darstellerin der Leonore inszenierenden Intendanten Florian Lutz gleich selber auf als Florestan, zusammen mit Kopien seiner beiden Dramaturgen im Kerker des kapitalistischen Effizienz- und Spardrucks auf die Kultur: „Oh welch Dunkel hier“. Der singende, inszenierende und managende Intendant in einer Person. Ironischer Stadttheater-Narzismus. Von Depression keine Spur.

Theater Halle / Fidelio © Falk Wenzel

Theater Halle / Fidelio © Falk Wenzel

Bereits zu Beginn der Oper hatte der kulturpolitische Manager-Geschäftsführer im üppigen Ancien-Regime-Kostüm mit Allonge-Perücke (Don Pizzaro: Gerd Vogel) über Video seine neoliberale Botschaft vom Ende des Wohlfahrts- und Kulturstaats verkündet: und somit auch vom Ende des „narzistischen Stadttheaters“ – ein Seitenhieb auf den Aufsatz des Geschäftsführers der Theater, Oper und Orchester Halle GmbH Rosinski über das „depressive Staatstheater“. Anschließend beim Gefängnispersonal vulgo Sängerpersonal des Stadttheaters setzt er es gleich auf der Bühne durch Freistellungen in die Praxis um

Mit diesem Kunstgriff der aktualisierten Zwischentexte, teilweise auf Videos, die sich im Subtext der kulturpolitischen Diskussion um die Oper Halle und die neue künstlerische Leitung beziehen, umgeht der Regisseur die Peinlichkeiten des Urtextes der Oper. Allerdings thematisiert Lutz bewußt mit einer Parodie auf die TV-Sendung „Bares für Rares“ neue Peinlichkeiten des öffentlich-rechtlichen Fernsehens im marktbestimmten Zeitalter des Ausverkaufs von Kultur und Geschichte.

Theater Halle / Fidelio © Falk Wenzel

Theater Halle / Fidelio © Falk Wenzel

Diese Inszenierung nimmt zunächst nichts ernst außer der totalen Kunstform Oper, verkörpert in erster Linie durch die ergreifend und differenziert gerade auch im Lyrischen singende und die Lichtgestalt der Oper bravourös verkörpernde Anke Berndt als Leonore. Wie schon in ihren Wagner-Partien gefällt mir an dieser seit vielen Jahren dem Ensemble der Oper Halle angehörenden Sängerin ganz besonders, dass ihre Stimme nie dramatisch drückt sondern immer im Belcanto bleibt.

Zur Ouvertüre bricht sie im auf den Vorhang projezierten Video (Iwo Kurze) aus dem Opernhaus Halle aus in ihrer 30 Kilo schweren Rokoko-Prachtrobe (Kostüm: Andy Besuch) und mit riesigem Haaraufbau und irrt durch Halle und Schloßparks auf der Suche nach ihrem Mann Florestan im Gefängnis.

Das naturalistische Bühnenbild von Martin Miotk zeigt im ersten Aufzug ein schönes malerisches Piranesi-mäßiges Gebäude mit großer Treppe, Eisentoren und herumliegenden Skeletten. Eine Augenweide als wirklich prächtiges Staatsgefängnis! Leonore entschlüpft dem tollen Rokokokostüm, das in den Schnürboden gezogen wird und später zur Rettung der Kultur versteigert wird. Sie verkleidet sich als Mann um im Gefängnis arbeiten zu können.

Zur Rettung ihres Mannes sollte Leonore als Fidelio dann später im eleganten Gehrock der Beethoven-Napoleon-Zeit im zweiten Aufzug in den Kerker des im Untergeschoss liegenden Intendantenbüros eindringen. Dort zeigt sie sich durch die heutigen Interieurs von laufendem TV und Smartphone stark verstört. Oper nicht nur mit doppeltem Boden.

Theater Halle / Fidelio © Detlef Kurth

Theater Halle / Fidelio © Detlef Kurth

Schließlich erschießt Leonore dort im wehenden Negligé à la Wilhelmine Schröder-Devrient, einer berühmten Verkörperung der Rolle im 19. Jahrhundert, nicht nur den Tyrannen Pizarro sondern gleich danach alle Darsteller auf der Bühne einschließlich des Intendanten Florian ( Lutz ) alias Florestan. Ende der Oper?

Nein, dies ist nur eine der zahlreichen dialektischen und spielerischen Volten, die der Regisseur zunächst zum Amüsement und dann zur wachsenden Verwunderung und Empörung von Teilen des Publikums in dieser Inszenierung schlägt.

Florian Lutz zitiert damit sowohl ironisch das optisch opulente alte Opernspektakel eines Jean-Pierre Ponnelle, Otto Schenk oder Michael Hampe, das gar als verstaubtes Totengerippe auch Marzelline mal zum Tänzchen im wunderschön gemalten Kulissengefängnishof dient. Genauso nimmt er auch die Mätzchen des Regietheaters beispielsweise mit dem hundertfach abgedroschenen Chor der Herren im taubenblauen Blazern mit Smartphone und Aktenkoffer auf die Schippe, der als Touristengruppe den Gefangenenchor mit Kopfhörern und Textblättern singend und staunend das Gefängnis besichtigt. Eine Parodie auf die vielen Männerchor-Festkonzerte, in denen die „Hits“ der Gefangenenchöre von Beethoven oder Verdi so schmalzig wie gedankenlos zum Besten gegeben werden

Florian Lutz ist ein dezidierter Gegner des überintellektuellen Dramaturgen-Regietheaters. Ich würde ihn eher als post-postmodernen Regisseur mit fast barock-rheinischer Lust an Sinnlichkeit und intellektuellem Spiel bezeichnen, wenn es denn eine Schublade sein soll. Bereits 2012 schrieb in der „Deutschen BühneDetlev Brandenburg anlässlich der Bonner „Norma“ Inszenierung von Florian Lutz über diesen Inszenierungsstil: Frank Castorf begann früh damit, Stadttheater-Inszenierungen zu Theaterspektakeln von so radikaler Unmittelbarkeit zu machen, dass der Text nur noch sehr weit im Hintergrund das Geschehen inspirierte. Und Regisseure wie Christoph Marthaler, Nicolas Stemann, Stefan Pucher, Matthias Hartmann oder in der Oper Hans Neuenfels, Peter Konwitschny, Sebastian Baumgarten oder Florian Lutz sprengen das Erzählkontinuum durch heftig und unverhofft über die Zuschauer hereinbrechende ästhetische Ereignisse, die ihre Inszenierungen gleichsam performativ aufladen.“ Ich sehe Florian Lutz durchaus in diesem Zusammenhang, auch wenn manche ihn gerade in Mitteldeutschland nicht in einer Linie mit dem „guten“ „alten“ Peter Konwitschny sehen wollen.

Theater Halle / Fidelio © Detlef Kurth

Theater Halle / Fidelio © Detlef Kurth

Zum großen feierlich oratorienmässigen Schlußtableau des Fidelio (Chor und Extrachor grandios einstudiert von Rustam Samedov) tritt der Deus-ex-machina-Minister Don Fernando auf, verkörpert vom sowohl balsamisch wie auch autoritär markant singenden und in der Oper Halle in vielen Rollen bewährte Bass Ki-Hyun Park. Da denkt man unverzüglich, ob auch die in argen finanziellen Nöten steckende Theater-Opern-Orchester-Halle-GmbH am Ende durch ein Eingreifen des Landes Sachsen-Anhalt gerettet wird.

Dazu werden ununterbrochen vor dem Chor, der in eleganter und opulenter Ancien-Regime-Garderobe mit hohen Perücken auf dem Podest gestaffelt ist, und vor den davor posierenden Solisten auf den durchsichtigen Gazevorhang in Videosequenzen Stimmen und Texte von Bürgern in Halle zu ihren individuellen Begriffen und Erfahrungen von und mit Freiheit und Beziehungen eingespielt. Diese starke Collage zur Musik hat mich in der Wechselwirkung ganz stark berührt.

Das löste sichtlich bei einem Teil der Zuschauer ganz andere emotionale Reaktionen aus, die empört brüllen „Wir wollen Musik hören!“ oder „Das ist nicht Beethoven!“ Einen solchen Opernskandal hat das Opernhaus Halle schon lange nicht mehr erlebt. Mit diesem Spiegel der sehr persönlichen Meinungen von Menschen auf den Straßen von Halle in den Videos entwickeln einige Besucher sichtlich großes Unbehagen. Als sich das Regieteam um Florian Lutz daher zum Schlußapplaus dem Publikum stellt, wird es mit zahlreichen Buh-Rufen empfangen, auf die laute Bravo-Rufe und starker Beifall antworten.

Christopher Sprenger leitet die Staatskapelle Halle mit frischem und geschwinden Zugriff passend zur Inszenierung. Das Pathetische wird durchgängig vertrieben, schon indem auf die sonst immer als Zwischenmusik vor dem Schlußbild verwandte dritte Leonoren-Ouvertüre mit dem berühmten Trompetensignal verzichtet wird. Während zu Beginn die Bläser schon mal leicht wackeln gelingt der Schlußchor mit dem Orchester trotz schwieriger Sichtverhältnisse grandios abgestimmt und überwältigend schön musiziert. Das zeigt Sprengers Begabung in der Koordinierung großer Chorszenen mit den Solisten und dem Orchester, die er schon im Luther-Projekt mit den Bach-Kantaten an der Oper Halle gezeigt hatte.

Theater Halle / Fidelio © Falk Wenzel

Theater Halle / Fidelio © Falk Wenzel

Ines Lex als Marzelline singt sich mit ihrem glockenhellen Sopran und ihrer Spielfreude in die Herzen der Zuschauer und erhält den stärksten Beifall – sicherlich nicht zuletzt auch dank ihres entzückenden Zofenkostüms.  Jaquino wird von Robert Sellier sowohl als Liebhaber wie in einer akrobatischen Paketnummer als DHL-Bote sehr präsent dargestellt und differenziert gesungen. Gerd Vogel im Prachtkostüm des Pizarro und als gefährlicher kalter Geschäftsführer vermag nach leichter Unsicherheit in der Auftrittsarie, die der Premierennervosität geschuldet sein mag, das dunkle und bedrohliche Profil seiner Rolle prägnant und präsent zu verkörpern. Der einzige Gast Hans-Georg Priese in der Rolle des Florestan strahlt vor allem in seiner Auftrittsarie mit eindrucksvollem tenoralen Glanz und lyrischer Differenzierung. Er fügt sich sehr gut ins Ensemble ein.

Der Rocco von Vladislav Solodyagin liefert mit flexiblem und tonschönem Bass nicht nur eine beeindruckende Studie eines Goya-mässigen Gefängniswärters sondern auch die eines zeitgenössischen Sicherheitsbeamten.

Zum Spielzeitauftakt zeigt die Oper Halle einen unterhaltsamen und stellenweise witzigen, opulenten Fidelio, voller ironischer Anspielungen auf die kulturpolitische Gefährdung der Oper in der Saalestadt und kluger Überlegungen zum Thema Freiheit und was Kunst im 21. Jahrhundert darf. Die musikalische Qualität ist solide und zeigt die hohe Qualität des Ensembles und wird sich in den Folgevorstellungen sicher noch steigern. Unbedingte Besuchsempfehlung!

Fidelio an der Oper Halle: Nächste Vorstellungen am 24.9., 22.10., 28.10., 15.11., 9.12., 25.12.2017, 5.1., 14.1.2018

Theater und Orchester Halle – Karten Hier:
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Hamburg, Elbphilharmonie, Opening Night mit Klaus Maria Brandauer , IOCO Aktuell, 02.09.2017

September 2, 2017 by  
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Elbphilharmonie Hamburg

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Opening Night 2017 in der Elbphilharmonie

 Brandauer / Hengelbrock zeichnen Goethe / Beethoven

Von Patrik Klein

Klaus Maria Brandauer gab sich am 1.9.2017, zur ersten Opening Night des NDR Elbphilharmonie Orchesters, die Ehre in Hamburg. Der mittlerweile 74-jährige Österreicher las und spielte, als ob die Zeit für ihn stehen geblieben sei. Frisch und jung, ganz wie man ihn aus vielen Filmen und Theaterstücken in Erinnerung hat. Brandauer folgt an der Elbphilharmonie auf John Malkovich, einem ebenso profilierten US-Darsteller komplexer Charaktere, der im März 2017 an der Elbphilharmonie war. Zur Opening Night 2017 gab es Beethoven und Goethe in selten gehörter Konstellation:

Im ersten Teil spielte sich das NDR Elbphilharmonie Orchester mit Beethovens vierter Sinfonie warm und wieder in die Herzen der Hamburger. Ein sichtlich entspannter und ausgeruhter Maestro, Thomas Hengelbrock am Pult, führte die ihm sicher folgenden Musiker durch die „griechisch-schlanke Maid zwischen zwei Nordlandriesen“.

Elbphilharmonie Hamburg / NDR Elbphilharmonie Orchester und Solisten © Patrik Klein

Elbphilharmonie Hamburg / NDR Elbphilharmonie Orchester und Solisten © Patrik Klein

Im zweiten Teil dann die selten gespielte Schauspielmusik zu Goethes Trauerspiel Egmont. Im Wechselspiel mit dem großartigen Orchester gaben Klaus Maria Brandauer und die feinstimmige Sopranistin Katharina Konradi einen unter die Haut gehenden Eindruck von der Liebe in Zeiten des Umbruchs …. elektrisierend bis in die Fingerspitzen.

Elbphilharmonie Hamburg / Klaus Maria Brandauer © Patrik Klein

Elbphilharmonie Hamburg / Klaus Maria Brandauer © Patrik Klein

Im letzten Teil des fast vierstündigen Abends schließlich befinden wir uns bereits im Nachtstudio, in dem der Isländer Vikingur Olafsson (technisch brillant, manchmal etwas zu wenig fließend) Klaviersonaten Beethovens gibt, die von Brandauers Lesung (er spielt sie wie in besten Zeiten als Mephisto) u.a. aus dem „Heiligenstädter Testament“ untermalt werden. Die Orginalhandschrift steht in einer Vitrine auf dem Podium.

Großer Jubel im Publikum mit vielen prominenten Schauspielern und der gesamten Presseelite der Hansestadt Hamburg ….: So kann`s weitergehen!

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