Bochum, Ruhrtriennale, Auftakt 2019 in der Ruhr-Universität Bochum, 21.08.2019

August 19, 2019 by  
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Ruhrtriennale

Ruhrtriennale / Auftakt-Pressekonferenz © Daniel Sadrowski/Ruhrtriennale 2019

Ruhrtriennale / Auftakt-Pressekonferenz © Daniel Sadrowski/Ruhrtriennale 2019

Ruhrtriennale 2019 –  Start 21.8.2019

Christoph Marthaler eröffnet –  Uni Hörsaal ist Bühne und Zuschauerraum

Mitte kommender Woche startet die diesjährige Ruhrtriennale mit einer Vielzahl von Ur- und Erstaufführungen in das sechswöchige Festival der Künste. Intendantin Stefanie Carp: „Ich freue mich auf neue ästhetische Erfahrungen, auf den Austausch mit dem Publikum und auf interessante Begegnungen.“

Victor Ullmann, von den Nazis ermordet - Stolperstein © IOCO

Victor Ullmann, von den Nazis ermordet – Stolperstein © IOCO

Das Festival wird mit der Premiere von Christoph Marthalers Nach den letzten Tagen. Ein Spätabend  am 21. August 2019 im Audimax der Ruhr-Universität Bochum eröffnet. Der futuristische Hörsaal ist in Christoph Marthalers Kreation sowohl Bühne als auch Zuschauerraum. Die Besucher*innen finden sich in einem imaginierten Parlament wieder. In diesem erklingt die Musik von Komponisten wie Viktor Ullmann, Jósef Koffler, Szymon Laks, Pavel Haas, Fritz Kreisler und Erwin Schulhoff, die während des Nationalsozialismus deportiert, ermordet und in die Emigration gezwungen wurden. Das Ensemble u.a. mit den Schauspieler*innen Josef Ostendorf und Bettina Stucky sowie der Sängerin Tora Augestad verwebt Text und Musik zu einer dystopischen Zukunftsvision, die ein Bewusstsein für die aktuelle politische Lage in Europa schafft.

Jan Lauwers und die Needcompany erzählen in der Uraufführung All the good am 22. August in der Maschinenhalle Zweckel in Gladbeck biografische Geschichten um Verlust und Hoffnung. Es geht um den ehemaligen Elitesoldaten Elik Niv und die Künstlerfamilie Lauwers. Sie begegnen sich zu einem Zeitpunkt, wo Krieg und Terror eine neue Gegenwärtigkeit erlangt haben. In einem Strom aus assoziativen Bildern, Musik, Tanz, Kostümen, Masken und Sprache erforscht Jan Lauwers zusammen mit der Needcompany Techniken des autobiografischen Erzählens.

Auch Heiner Goebbels setzt sich in seiner neuen Kreation Everything that Happened and Would Happen, deren Deutsche Erstaufführung am 23. August in der Jahrhunderthalle Bochum stattfindet, mit der europäischen Geschichte der letzten einhundert Jahre auseinander. Mit einem internationalen Ensemble aus Tänzer*innen, Performer*innen und Musiker*innen verbindet der Komponist und Theatermacher in seiner multimedialen Inszenierung Patrik Ouredníks Text „Europeana“ mit unkommentierten, tagesaktuellen Nachrichtenbildern des Fernsehsenders Euronews sowie Bühnenbildfragmenten aus seiner Inszenierung Europeras 1 & 2.

Die Junge Triennale, vertreten durch das furchtlose Nachwuchskünstler*innenkollektiv Mit Ohne Alles, beschäftigt sich in diesem Jahr mit dem Thema Macht. Die Ergebnisse dieser Auseinandersetzung sind ab dem 23. August unter #nofear: Macht den Weg frei bei PACT Zollverein in Essen zu sehen. Zusammen mit dem Theaterkollektiv Berlocken aus Berlin haben die Jugendlichen Interviews, Workshops und Begegnungen im Essener Stadtteil Katernberg zu einer Performance verdichtet.

Ruhrtriennale 2019
youtube Trailer der Ruhrtriennale
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Neben diesen neuen Kreationen bietet die Ruhrtriennale auch wieder verschiedene kostenlos zugängliche Formate an. Am 23. August eröffnet beispielsweise der Third Space auf dem Vorplatz der Jahrhunderthalle Bochum. raumlaborberlin hat die Teile des Transall-Flugzeugs vollkommen neu angeordnet, um einen Ort für Kunst und Begegnungen zu schaffen. Im Third Space findet während des gesamten Festivals ein vielfältiges Programm bestehend aus Workshops, Performances, Konzerten, Lesungen und Partys statt, das zu Austausch und Diskurs einlädt. Verbindendes Thema sind Dialog und Essen, was insbesondere in dem kulinarischen Format „Dialog am Schneidebrett“ mit verschiedenen Künstler*innen und Gästen zu erleben ist. Am ersten Festivalwochenende stehen raumlaborberlin beim Dialog am Schneidebrett Rede und Antwort, Eva Meyer-Keller zeigt ihre Performance „Death is Certain“ und es wird Tango Argentino getanzt. Ein weiteres Highlight ist die Cabin Crew Night Ende September in der junge Künstler*innen aus Nordrhein-Westfalen ihre Performances zeigen. Ebenfalls im Third Space ist ein Teil der Video-Installation von Barbara Ehnes Arbeit „?????????? – Archive of Messages: Words in Motion“ zu finden. Für ihre Installation hat die Künstlerin Einzelpersonen und subkulturelle Initiativen im krisenerfahrenen Griechenland und dem Ruhrgebiet zu ihrem Verständnis von Solidarität befragt. Diese Interviews sind als beständig wachsendes Archiv während des Festivals auch im Glaspavillon am Modehaus Baltz in der Bochumer Innenstadt und in der Rottstraße zu sehen. Im Dialog mit der Arbeit findet am 6. September das „Concert in Motion“ im Third Space statt, in dem das griechische Rebetiko auf Neue Musik von Eleftherios Veniadis trifft. Der Eintritt zum Third Space und allen dort stattfindenden Veranstaltungen ist frei.

Die ebenfalls frei zugängliche architektonische Sound-Installation Bergama Stereo des türkischen Künstlers Cevdet Erek zeigt eine Nachbildung des berühmten Pergamon-Altars in der Turbinenhalle an der Jahrhunderthalle Bochum. Der monumentale Lautsprecherfries kann ab dem 25. August besucht werden. Während des Festivals findet in der Installation außerdem ein abwechslungsreiches Konzertprogramm u.a. mit traditioneller Musik aus der Region um Bergama, DJ-Sets und elektronischer Musik statt. Den Anfang machen Cevdet Erek, Gökhan Deneç und Saba Arat, die bei Bergama Stereo Variations + Davul Step 2 einen Live-Remix der über 30 Audio-Kanäle der Installation mit den Klängen der Zylindertrommel Davul kombinieren.

Mit Sound und anderen Medien beschäftigt sich auch der Künstler Tony Cokes in seiner Multimedia-Installation Mixing Plant, die am 22. August in der Mischanlage auf Zeche Zollverein in Essen eröffnet. Im Beitrag von Urbane Künste Ruhr zur Ruhrtriennale setzt sich der US-amerikanische Künstler mit den politischen Bezügen regionaler und internationaler Clubmusik auseinander und verwebt animierten Text, gefundenes Bildmaterial, monochrome Farbflächen und Popmusik zu einer Mehrkanal-Installation. Der Eintritt zur Installation und zum Rahmenprogramm sind frei.

Bis zum 29. September sind in den ehemaligen Industriehallen des Ruhrgebiets 164 Veranstaltungen zu erleben. Zu den Höhepunkten zählen unter anderem die Barockoper Dido and Aeneas, Remembered (ab 28.8.), die um eine Variation der Arie Remember me des finnischen Jazz-Gitarristen Kalle Kalima ergänzt wurde und von David Marton inszeniert wird sowie Kornél Mundruczós Interpretation von György Ligetis „Requiem“, die er gemeinsam mit den Bochumer Symphonikern, dem lettischen Staatschor und den Darsteller*innen des Proton Theaters in Evolution (ab 5.9.) realisiert.

Einige Tage vor dem Start der Ruhrtriennale ist Dr. Vera Battis-Reese, Geschäftsführerin der Kultur Ruhr GmbH, zufrieden mit dem Vorverkauf: „Wir freuen uns sehr über das große Interesse an unseren Veranstaltungen. Zu den besonders nachgefragten Produktionen gehören ‚Nach den letzten Tagen. Ein Spätabend‘ von Christoph Marthaler, ‚Everything that Happend and Would Happen‘ von Heiner Goebbels, ‚Evolution‘ von Kornél Mundruczó, ‚Chapter 3‘ von Sharon Eyal und ‚Coro‘ mit Chorwerk Ruhr und den Duisburger Philharmonikern unter der musikalischen Leitung von Florian Helgath. Auch wenn einige Vorstellungen bereits ausverkauft sind, gibt es für die meisten Produktionen noch Karten.

Für die Ruhrtriennale 2019 kommen mehr als 800 beteiligte Künstler*innen aus rund 35 Ländern ins Ruhrgebiet, um 35 Produktionen und Projekte – davon 14 Ur- und Erstaufführungen – in 14 unterschiedlichen Spielstätten in Bochum, Duisburg, Essen und Gladbeck zu zeigen.

—| Pressemeldung Ruhrtrienale |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Die Spielzeit 2019/20

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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Die Spielzeit 2019/20 an der Deutschen Oper am Rhein

30 Opern und sieben Ballettprogramme auf den großen Bühnen in Düsseldorf und Duisburg

Mit dem 4. Haniel Klassik Open Air vor dem Theater Duisburg startet die Deutsche Oper am Rhein am 6. Septem­ber in die Spielzeit 2019/20. Für die rund 300 Vorstellungen im Opernhaus Düsseldorf und im Theater Duisburg sind ab sofort Tickets erhältlich. Im Fokus stehen zehn Opernpremieren – darunter sechs Neuproduktio­nen – und 19 weitere Stücke aus dem großen Opernrepertoire. Das Ballett am Rhein präsentiert sechs Ballettprogramme mit insgesamt 17 Choreographien. Festliche Galas und Konzerte, Liedermatineen, Kammermusik und nicht zuletzt das vielfältige Angebot der Jungen Oper am Rhein ergänzen das Programm der kommenden Saison.


Oper in Düsseldorf und Duisburg

„Samson et Dalila“, Camille Saint-Saëns‘ französische Oper über den Freiheitskampf der in Sklaverei gefallenen Hebräer und ihren verführbaren Helden Samson kommt am 18. Oktober im Opernhaus Düsseldorf auf die Bühne – und das zum ersten Mal seit Gründung der Deutschen Oper am Rhein im Jahr 1956. Joan Anton Rechi, der hier zuletzt sehr erfolgreich „Madama Butterfly“ inszenierte, setzt die erste Neuproduktion der Spielzeit in Szene. Generalmusikdirektor Axel Kober hat die musikalische Leitung und übergibt den Stab im November an Marie Jacquot, die neue Erste Kapellmeisterin der Deutschen Oper am Rhein. Die Titelpartien gestalten Ramona Zaharia (Dalila) und Michael Weinius (Samson).

Vor dem historischen Hintergrund des englischen Bürgerkriegs entspinnen sich die dramatischen Liebes­ver­wicklungen in Vinzenzo Bellinis Oper „I puritani“, die am 18. Dezember im Opernhaus Düsseldorf Premiere feiert. In seiner zweiten Regiearbeit für die Deutsche Oper am Rhein widmet sich Rolando Villazón nach Doni­zettis „Don Pasquale“ erneut einem Klassiker des Belcanto. Antonino Fogliani hat die musikalische Leitung. Adela Zaharia, die in dieser Spielzeit als Maria Stuarda und Violetta Valéry gefeiert wurde, debütiert als Elvira in einer weiteren wichtigen Partie des Belcanto-Fachs. Ioan Hotea gastiert als Lord Arturo Talbot in Düsseldorf.

Als beste Nachwuchskünstlerin 2015 mit dem International Opera Award ausgezeichnet, ist Lotte de Beer heute europa­weit als Regisseurin gefragt. Mit Georg-Friedrich Händels Zauberoper „Alcina“ präsentiert die Niederländerin am 14. Februar im Opernhaus Düsseldorf ihre erste Inszenierung für die Deutsche Oper am Rhein. Den zeittypischen Orchesterklang entwickeln die Barockspezialisten der Neuen Düsseldorfer Hofmusik unter Leitung von Generalmusikdirektor Axel Kober. Rollendebüts geben Jacquelyn Wagner als Alcina, Maria Kataeva als Ruggiero und Elena Sancho Pereg als Morgana. Wallis Giunta gastiert als Bradamante.

Als vierte Neuproduktion im Opernhaus Düsseldorf und Koproduktion mit der Opera Vlaanderen hat Giuseppe Verdis „Macbeth“ am 29. Mai Premiere. Der Regisseur Michael Thalheimer entwickelt seine Inszenierung aus den innersten Triebkräften der Figuren und knüpft mit Boris Statsenko (Macbeth) und Liana Aleksanyan (Lady Macbeth) an seine ein­dring­liche Interpretation von Verdis „Otello“ an. Unter musikalischer Leitung von Axel Kober wird „Macbeth“ 2020 auch live gestreamt auf www.operavision.eu.

Als Glanzstück der Wiener Operette feiert „Die Fledermaus“ von Johann Strauß am 25. Januar im Opernhaus Premiere. Nach dem Premierenerfolg in Duisburg setzt Axel Köhler das quirlige Ensemblestück nun in Düsseldorf in Szene: Norbert Ernst ist Gabriel von Eisenstein, Anke Krabbe seine Frau Rosalinde, Thorsten Grümbel spielt den Gefängnisdirektor, die Düsseldorfer Schauspiel-Legende Wolfgang Reinbacher den Frosch. Benjamin Reiners dirigiert die Düsseldorfer Symphoniker.

Im Theater Duisburg wird die Spielzeit 2019/20 am 28. September mit der Premiere von Peter Iljitsch Tschaikowskys „Pique Dame“ eröffnet. In der Inszenierung der amerikanischen Regisseurin Lydia Steier feiert das opulente Außenseiterdrama zunächst am 25. Mai 2019 in Düsseldorf Premiere und kommt vier Monate später in der neuen Sängerbesetzung mit Sergej Khomov als Hermann, Sarah Ferede als Lisa und Renée Morloc als Gräfin in Duisburg auf die Bühne. Aziz Shokhakimov hat die musikalische Leitung.

Das Künstlertum ist Thema in Giacomo Puccinis Oper „La Bohème“, die am 8. Novem­ber in der Neuinsze­nie­rung von Philipp Westerbarkei in Duisburg herauskommt. Antonino Fogliani übernimmt die musikalische Leitung der ersten Neupro­duk­tion im Theater Duisburg, an der Liana Aleksanyan als Mimí, Ovidiu Purcel als Rodolfo und Bogdan Baciu als Marcello mitwirken.

Neben seiner Tätigkeit als Spielleiter bekam Philipp Westerbarkei in der Spielzeit 2018/19 Gelegenheit zu seiner ersten großen Inszenierung am eigenen Haus: Charles Gounods Shakespeare-Adaption „Roméo et Juliette“ läuft aktuell in Düsseldorf und feiert am 1. Februar mit neuer Sängerbesetzung Premiere in Duisburg. Gustavo di Gennaro (Roméo) und Sylvia Hamvasi (Juliette) gestalten die beiden Hauptpartien, Marie Jacquot dirigiert die Duisburger Philharmoniker.

Nachwuchsförderung ist ein wichtiges Thema an der Deutschen Oper am Rhein. Auf der Plattform Regie „Young Directors“ stellen sich am 19. April im Theater Duisburg zwei Spielleiterinnen mit eigenen Produktionen vor: Esther Mertel führt mit Georg Friedrich Händels Oratorium „Der Triumph der Zeit und der Desillusion“ in die Welt des römischen Barock, während Ilaria Lanzino ein Werk des 20. Jahrhunderts inszeniert: Viktor Ullmann schrieb seine Oper „Der Kaiser von Atlantis“ 1944 im Konzentrationslager Theresienstadt als Allegorie auf die politischen Verhältnisse. Die musikalische Leitung der beiden Einakter übernehmen mit Jason Tran und Jesse Wong zwei junge Dirigenten aus dem Ensemble.

In 19 weiteren Opern aus dem großen Repertoire sind die profilierten Sängerinnen und Sänger aus dem eigenen Ensemble und Gastsolisten aus aller Welt zu erleben. So kehren nach langer Zeit „Salome“ von Richard Strauss (6. März) und Gaetano Donizettis  „La Fille du Régiment“ (27. März) auf die Düsseldorfer Bühne zurück – mit Rollendebüts von Agneta Eichenholz  als Salome und Elena Sancho Pereg als charmante Soldatenbraut. Der neu inszenierte „Ring des Nibelungen“ kommt als Zyklus sowohl im Theater Duisburg (12. –17. November) als auch im Opernhaus Düsseldorf (7. – 13. April) zur Aufführung.


Junge Oper am Rhein

Gruselig, lustig und fesselnd liest sich Cornelia Funkes Internatsgeschichte „Geisterritter“, die in der Vertonung von James Reynolds auch das Opernpublikum begeistert. Inszeniert von Eric Petersen und uraufge­führt am Theater Bonn, feiert die neueste Familienoper im Rahmen der Kooperation „Junge Opern Rhein-Ruhr“ am 20. September, zum Start in die neue Saison, in Düsseldorf Premiere. Patrick Francis Chestnut hat die musikalische Leitung. Nach erfolgreichen Aufführungen an der Deutschen Oper am Rhein, in Dortmund und Bonn kehrt „Ronja Räubertochter“, Jörn Arneckes Familienoper nach dem Kinderbuchklassiker von Astrid Lindgren, ins Theater Duisburg zurück. Aus guter Tradition kommt Engelbert Humperdincks Familien­klassiker „Hänsel und Gretel“ auf die Bühnen beider Städte. Seine Inszenierung – die älteste im Repertoire der Deutschen Oper am Rhein – wird in dieser Spielzeit 50 Jahre alt!

Ganz nah am Bühnengeschehen sind Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter bei der mobilen Produktion „Nils Karlsson Däumling“, dem Musiktheater „Gold!“ und der „Zauberflöte für Kinder“. Mitmach-Angebote wie der Kinderchor am Rhein und das Mitsing-Projekt „Musik verbindet“, künstlerisch-praktische Projekte wie „Opernmacher 2.0“ und „Musiktheater im Labor“ sowie die intensive Vermitt­lungs­arbeit der Jungen Oper am Rhein ermöglichen jungen Menschen zwischen 4 und 28 Jahren vielfältige Zugänge zu Oper und Ballett.


Ballett am Rhein

Die letzte Spielzeit unter der künstlerischen Direktion von Martin Schläpfer ist in vielerlei Hinsicht dem Schaffen des Schweizer Künstlers gewidmet. Sie bietet zahlreiche Gelegenheiten, das Ballett am Rhein noch einmal in ausge­wählten Schläpfer-Choreographien zu erleben: Mit „Schwanensee“, „Reformations­sym­phonie“, „Ramifications“, „Streichquartett“, „Ulenspiegeltänze“ und „7“ stehen allein sechs Reprisen seiner Stücke auf dem Spielplan. Den Auftakt macht ab 3. Oktober im Opernhaus Düsseldorf und ab 6. Dezember im Theater Duisburg Martin Schläpfers jüngstes Erfolgsstück „Schwanensee“.

Aber auch eine Uraufführung präsentiert Martin Schläpfer. Im Programm b.41, das ab 23. November im Düsseldorfer Opernhaus zu erleben ist, formuliert er in „Cellokonzert“ tänzerische Antworten auf Dmitiri Schostakowitschs Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 2 g-Moll op.126. Den Auftakt des vierteiligen Programms macht Ji?í Kyliáns „Forgotten Land“, ein Stück über Untergang und Verlust von Heimat, das der tschechische Künstler 1981 im Auftrag von Marcia Haydée für das Stuttgarter Ballett geschaffen hat. Mit Martha Grahams Solo „Lamentation“ und „Steps in the Street“ zeigt das Ballett am Rhein erstmals zwei Werke der Grande Dame des American Modern Dance, die mit ihrer Tanztechnik seit den späten 1920er Jahren die Ästhetik des Bühnen­tanzes revolutionierte. Die musikalische Leitung des Programms b.41 haben GMD Axel Kober sowie Wen-Pin Chien.

Eine weitere Uraufführung kreiert Ballettdirektor Remus ?uchean?: „Symphonic Poem“ zur Komposition „Metacosmos“ von Anna Thorvaldsdottir heißt sein neues Ballett, in dem er sich von den Musik gewordenen Kraftfeldern der Isländerin inspirieren lässt. ?uchean?s Uraufführung steht im Zentrum des Programms b.42, das mit „Square Dance“ außerdem eine selten zu sehende, tänzerisch höchst anspruchsvolle Balanchine-Einstudierung präsentiert. Erstmals seit 2012 wieder mit dem Ballett am Rhein zu erleben ist Martin Schläpfers „Reformationssymphonie“ zur gleichnamigen Komposition von Felix Mendelssohn Bartholdy. Die gefeierte Choreographie bildet den Schlusspunkt des Programms b.42, das ab 10. Januar unter der musikalischen Leitung von Martin Braun im Theater Duisburg auf die Bühne kommt.

Der kanadische Choreograph Robert Binet, der mit seiner Uraufführung „New World“ im November letzten Jahres das Publikum für sich eingenommen hat, zeigt im Programm b.43 mit „Dark with Excessive Bright“ ein neues Stück zu drei Kompositionen der Grammy Award-nominierten Amerikanerin Missy Mazzoli. Mit „Notations I–IV“ und „Siebte Sinfonie“ nimmt das Ballett am Rhein zum ersten Mal seit 2002 Choreographien von Uwe Scholz ins Repertoire auf. Einen filigranen Gegenpart zu Scholz‘ Solo „Notations I–IV“ bildet das 2005 für die Ballerina Marlúcia do Amaral kreierte Solo „Ramifications“ von Martin Schläpfer. Es komplettiert das Programm b.43, das ab 13. März in Düsseldorf unter der musikalischen Leitung von Finnegan Downie Dear und ab 4. April in Duisburg unter dem Dirigat von Stefan Klingele zu sehen ist.

Mit dem 1992 für das New York City Ballet kreierten „Herman Schmerman“ präsentiert das Ballett am Rhein erneut ein Stück von William Forsythe. In Kostümen des Designers Gianni Versace nehmen die Tänzerinnen und Tänzer das Publikum mit auf ein Tanzabenteuer, über das Forsythe scherzte, es habe genauso wenig zu bedeuten wie sein Titel, sondern sei einfach ein Stück über das Tanzen, das sehr viel Spaß macht. Nicht fehlen darf ein Stück von Hans van Manen – mit „Short Cut“ zeigt das Ballett am Rhein eine Choreographie des Meisters, die er 1999 für das Nederlands Dans Theater in Den Haag geschaffen hat. Für sein „Streichquartett“ zur Musik von Witold Lutos?awski erhielt Martin Schläpfer 2007 den als Oskar der Tanzwelt begehrten Prix Benois de la Danse. Als Finale des Programms b.44 ist dieses zentrale Werk ab 9. Mai erneut mit dem Ballett am Rhein zu erleben.

Zum Ende der Spielzeit 2019/20 heißt es Abschied nehmen von Martin Schläpfer. b.ye heißt deshalb das letzte Programm der Ära Schläpfer. Es schließt sich der 44-teiligen b-Reihe an, die bis dahin unter seiner künstlerischen Direktion für Düsseldorf und Duisburg entstanden ist. Mit einer Ballett-Gala, bei der neben Werken von Weggefährten auch Schläpfers „Ulenspiegeltänze“ zu erleben sind, einer exklusiven Reprise seines Gustav Mahler Balletts „7“ sowie einer letzten Vorstellung von „Schwanensee“ feiert das Ballett am Rhein vom 24.  bis zum 28. Juni 2020 Martin Schläpfer und dessen Kunst, bevor er sich als Direktor dem Wiener Staats­ballett und der Wiener Ballettakademie widmet.


Ballettgastspiele 2019/20: Japan, Österreich und NRW

Auch an anderen Spielstätten präsentiert das Ballett am Rhein wieder Ausschnitte aus seinem vielschichtigen Repertoire: Die weiteste Reise macht in der kommenden Spielzeit Martin Schläpfers „Schwanensee“, den die Compagnie im September 2019 sowohl in Tokyo als auch in Osaka auf die Bühne bringt. Unter der musikali­schen Leitung von Motonori Kobayashi werden die Tänzerinnen und Tänzer vom Theater Orchestra Tokyo sowie vom Osaka Symphony Orchestra begleitet. Eine weitere Bühne für Martin Schläpfers „Schwanensee“ ist im März 2020 die des Festspielhauses St. Pölten, wo das Tonkünstler Orchester Niederösterreich unter der Leitung von Axel Kober den musikalischen Part übernimmt. Beim Festival „Highlights des Internationalen Tanzes Oper Bonn“ schließlich zeigt das Ballett am Rhein im Mai 2020 „Streichquartett“ und „Ulenspiegeltänze“ von Martin Schläpfer sowie „Herman Schmerman“ von William Forsythe.

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Freiburg, Opera Factory Freiburg, Der Kaiser von Atlantis – Viktor Ullmann, IOCO Kritik, 15.10.2018

Oktober 16, 2018 by  
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EWERK Freiburg © M Doradzillo

EWERK Freiburg © M Doradzillo

Opera Factory Freiburg

Der Kaiser von Atlantis oder Die Tod-Verweigerung – Viktor Ullmann

«Es wird der Tod zum Dichter»

 Von  Julian Führer

Viktor Ullmann _ Stolperstein vor der Staatsoper Hamburg © IOCO

Viktor Ullmann _ Stolperstein vor der Staatsoper Hamburg © IOCO

Das Ensemble Opera Factory Freiburg (früher Young Opera Company) verfolgt das ambitionierte Ziel, Stücke, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht ins Kernrepertoire der großen Häuser gekommen sind, aufzuführen. Nun hat sich die Formation unter der Leitung von Klaus Simon an den Kaiser von Atlantis gewagt und dieses 1943 entstandene, aber erst 1975 uraufgeführte Stück um eine bedenkenswerte Interpretation bereichert. Die Regie lag bei Joachim Rathke.

Viktor Ullmann und sein Librettist Peter Kien waren ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert worden. Es war kein Vernichtungslager, nach außen hin gar als „Musterlager“ präsentiert. Ullmann konnte dort Musik schreiben, war sehr produktiv. Dennoch erfahren wir, dass es schwierig war, an Notenpapier zu gelangen, und vor allem drohte permanent der Abtransport in den Tod. Unter den dortigen prekären Bedingungen entstanden mehrere Fassungen des Librettos, und auch einzelne Musikstücke wurden geändert. Es gab Proben, die abgebrochen wurden, eine Überarbeitung, weitere Proben bis zu einer Generalprobe – zu einer Aufführung kam es nicht. Im Oktober 1944 wurden Kien und Ullmann nach Auschwitz geschickt, wo sie vermutlich unmittelbar nach ihrer Ankunft in den Gaskammern starben.

Zu Beginn ist der Bühnenraum dunkel und in diffusen Nebel getaucht. Das Stück wurde um einen Prolog erweitert, den Anno Schreier komponiert hat: düstere Akkorde vom Flügel, dazu langsam hohe Töne der Violine, manchmal der Flöte. Eine Form der Ouvertüre, die Ullmanns sehr abruptem Start ins Stück („Hallo, hallo!“) widerspricht, aber stimmig die Lichtregie und das Konzept des Abends unterstützt. Dazu treten die Personen der Handlung auf und schieben ein mehrstöckiges Gerüst nach vorne.

Opera Factory Freiburg - E-Werk / Der Kaiser von Atlantis - hier : Zurück ins ewige Eis im Nebel © Sebastian Duesenberg

Opera Factory Freiburg – E-Werk / Der Kaiser von Atlantis – hier : Zurück ins ewige Eis im Nebel © Sebastian Duesenberg

Worum geht es? Der Kaiser von Atlantis ist eine Art Parabel, die starke Gegenwartsbezüge aufweist. Die 18 Nummern zeigen uns eine Welt, die weder räumlich noch zeitlich zu fassen ist und dennoch eindeutigen Verweischarakter hat: „Das erste Bild spielt irgendwo; Tod und Harlekin sitzen im Ausgedinge, das Leben, das nicht mehr lachen und das Sterben, das nicht mehr weinen kann in einer Welt, die verlernt hat, am Leben sich zu freuen und des Todes sterben zu lassen.“ Der Kaiser von Atlantis Overall scheint dem Namen nach aus mythischer Vergangenheit zu kommen, aber er bedient sich modernster Technik. Ihm zur Seite stehen ein Lautsprecher, also ein modernes Medium, und ein Trommler, also eine Art Vorläufer des Lautsprechers. Tod erinnert sich (zu einer schwungvollen Melodie) an frühere Zeiten: „Das waren Kriege, wo man die prächtigsten Kleider trug, um mich zu ehren“. Overall nun lässt seinen Trommler nach einer Einleitung zu den ins Phrygische verzerrten Klängen des Deutschlandlieds (und gleichzeitig der alten österreichischen Kaiserhymne) „den großen, segensreichen Krieg aller gegen alle […] verhängen“. Dies wird selbst dem Tod zuviel („Was bleibt mir übrig, als hinter den neuen Todesengeln zu hinken, ein kleiner Handwerker des Sterbens“). Tod lehnt sich gegen das selbst ihn überfordernde mechanisierte Massensterben auf („Hörst du, wie sie mich höhnen? Die Seelen nehmen kann nur ich“) und tritt in einen Streik.

Diese Groteske wirkt vor dem Hintergrund der Werkentstehung beklemmend. Was ist die Konsequenz? Ein Leben ohne Tod ist ins Grässlichste gesteigerte Verlängerung von Leid, wie es der Lautsprecher verkündet: „Tausende ringen mit dem Leben, um sterben zu können.“ Gleichzeitig ist das Nicht-Sterben schon ein Akt des Widerstands gegen ein sich allmächtig gebendes Regime. Kaiser Overall realisiert, was ihm da droht: „Ringt den Tod man aus der Hand mir? Wer wird in Zukunft mich noch fürchten? Weigert sich der Tod zu dienen?“ Overall lässt Aufständische aufhängen (der Vorgang wird durch den Lautsprecher berichtet), die nicht sterben: „Henkt der Henker in zweiundachtzig Minuten nicht zu Tode!?“ Die Gehenkten sollen obendrein noch erschossen werden, dies geschieht auch, doch tot sind sie immer noch nicht. Diese Szenerie lässt an das absurde Theater Alfred Jarrys denken, aber vor dem Hintergrund des täglichen Massensterbens und alltäglicher Hinrichtungen 1943/1944 weicht das Absurde dem nackten Grauen. Tod kann gerade in dieser Situation auch Erlösung bedeuten: „Bin der, der von der Pest befreit, und nicht die Pest.“

Die Figuren der Handlung irren durch den Bühnenraum, erklimmen auch das Gerüst, von dem im Lauf des Abends immer deutlicher wird, dass es in seiner unteren Ebene den abgeschlossenen Palast des Kaisers darstellt, aus dem heraus Befehle aus Papier herausgegeben werden; die obere Ebene hingegen ist eine Art Aussichtspunkt für Tod und Harlekin, aber auch ein Wachtturm mit Suchscheinwerfer, der sowohl das Publikum als auch den Soldaten Bubikopf blendet. Die fast idyllische Szene zwischen einem Soldaten (Tenor) und Bubikopf (Sopran) zeigt das Ausbrechen aus dem gegenseitigen Massentöten: „Ich will’s nicht, du sollst nicht leiden, schau, die Welt ist hell und bunt.“„Ist’s wahr, dass es Landschaften gibt, die nicht von Granattrichtern öd sind? Ist’s wahr, dass es Worte gibt, die nicht schroff und spröd sind?“ Kurz blüht eine Utopie auf, und Ullmann bedient sich der Stimmfächer, die in der Tradition der Oper den großen Liebespaaren vorbehalten waren. Er wechselt dauernd den Stil, macht Anleihen bei Kurt Weill, hat aber auch ganz eigene Ausdrucksarten.

Opera Factory Freiburg - E-Werk / Der Kaiser von Atlantis - hier - Bubikopf und Harlekin © Sebastian Duesenberg

Opera Factory Freiburg – E-Werk / Der Kaiser von Atlantis – hier – Bubikopf und Harlekin © Sebastian Duesenberg

Eine Handlung im Sinne der inneren Entwicklung der Figuren gibt es nicht, wie die Figuren ja ohnehin namenlose Typen ohne eigentliche Individualität sind. Harlekin sinniert: „Schlaf, Kindlein, schlaf: Ich bin ein Epitaph.Overall scheint wahnsinnig zu werden, da verkündet eine Stimme: „Der Krieg ist aus.“ Zur leicht verfremdeten Melodie von „Ein feste Burg ist unser Gott“ singen Bubikopf, Trommler, Harlekin und Lautsprecher „Komm Tod, du unser werter Gast“. Die Musik verdämmert, das immer wieder sehr stimmungsvolle Licht ebenfalls. Anno Schreier hat auch einen Epilog beigesteuert, der musikalisch an den Prolog anknüpft, aber auch die Trommeln aus Ullmanns Stück wiederaufnimmt und ein Verdämmern in Musik setzt, wie es auch Dmitri Schostakowitsch im Schlusssatz seiner 15. und letzten Symphonie tat.

Jede Aufführung von Der Kaiser von Atlantis muss sich mit der Frage auseinandersetzen, welche der möglichen Fassungen gespielt werden soll. Im Autograph sind manche Passagen sehr deutlich durchgestrichen und durch anderes ersetzt – entsprach dies Ullmanns künstlerischem Willen, musste er sich einer Zensur beugen, oder handelt es sich um Selbstzensur, um eine Aufführung unter den gegebenen Bedingungen möglich zu machen? Die Deutschlandlied-Groteske wurde von Ullmann selbst gestrichen, in Freiburg erklingt sie. Auch die Besetzung des Kammerorchesters (ein reichliches Dutzend Musiker) geht wohl auf die Situation bei der Entstehung des Werkes zurück. Es fehlt ein tiefes Holzblasinstrument, dafür gibt es ein Saxophon, ein Harmonium (hier Akkordeon) und eine Gitarre. Klaus Simon dirigiert dies alles überzeugend. Für die manchmal nicht einheitliche Klangbalance ist sicherlich auch die spezielle Komposition verantwortlich.

Beim Gesang muss Ullmann professionelle Stimmen zur Verfügung gehabt haben, die Rollen sind sehr anspruchsvoll. Der Trommler verkündet den „Krieg aller gegen aller“ mit in Halbtonschritten aufsteigenden Oktavsprüngen, möglicherweise eine Parodie der sich überschlagenden Stimmen Hitlers oder Goebbels‘. Der musikalische Ansatz, die kaum eine Stunde dauernde Oper durch Prolog und Epilog zu ergänzen, wird durch mehrere Lieder noch erweitert, die Viktor Ullmann in Theresienstadt schrieb. Die Stimmfächer sind hier also nur einzeln besetzt: Bubikopf (Sopran) mit Lena Kiepenheuer, die gerade am Anfang ein fast naives Timbre in die kurze Idylle einbringt und die man gerne auch einmal in Rollen wie Humperdincks Gänsemagd hören würde. Die sehr anspruchsvolle Partie des Trommlers (Mezzosopran) wurde Sibylle Fischer anvertraut, die bei den geforderten Sprüngen und schnellen Registerwechseln manchmal forcieren muss, aber in ruhigeren Momenten überzeugt. Die Tenorpartien des Harlekin und des Soldaten sind beide bei Keith Bernhard Stonum gut aufgehoben; die gewisse stimmliche Zurückhaltung (zum Beispiel im Duett mit Tod) kann in der akustisch nicht ganz günstigen Position auf dem Wachtturm oder in der Länge der Partie begründet sein. Als Kaiser Overall hört man den sonoren Bariton von Ekkehard Abele, der auch die Wutausbrüche des Potentaten glaubhaft umzusetzen weiß. Schließlich der Bass von Tod und Lautsprecher, den Nikolaus Meer im gesamten Umfang präsentieren kann. Wann hört man sonst ein tiefes Des(!) a capella als Fermate? Meer verfügt zudem über eine klare und eindringliche Sprechstimme, was ihm in der Partie des Lautsprechers zugutekommt.

E-Werk Freiburg / Der Kaiser von Atlantis - hier : Der Kaiser und der Tod im Nacken © Sebastian Duesenberg

E-Werk Freiburg / Der Kaiser von Atlantis – hier : Der Kaiser und der Tod im Nacken © Sebastian Duesenberg

Die Rollenwechsel der Sänger werden durch wenige Accessoires sinnfällig gemacht: Harlekin hat weiße Clownsschminke im Gesicht, die beim Wechsel zum Soldaten mit einem Handspiegel als Hilfsmittel entfernt und zum Ende hin wieder aufgetragen wird. Bubikopf hat eine Pistole, Tod eine Sonnenbrille. Wenn Tod zum Lautsprecher mutiert, legt er die Sonnenbrille ab und markiert mit Kleidungsstücken (Richtermütze, Arztkittel,…), welche Rolle gerade eingenommen wird.

Die Reduktion der Rollen auf fünf Solostimmen ermöglicht es also, im Verlauf des Stückes fünf Lieder einzufügen und auf die einzelnen Stimmen zu verteilen. Klaus Simon hat diese Lieder für Kammerensemble arrangiert, so dass sie sich in den musikalischen Rahmen einfügen. Auch dramaturgisch ist dieser Kunstgriff kein Gewaltakt, da Ullmanns 18 Nummern scharf kontrastierend nebeneinanderstehen und nicht durchkomponiert sind. Durch die Lieder wird das Stück länger, lyrischer. Das Original ist buchstäblich zerhackt und hat keine „schönen Stellen“, abgesehen vom Duett zwischen Bubikopf und Soldat. Auf einmal jedoch hören wir Wohlklang mit Harmonien und kleinen Idyllen im Cello wie im Vorspiel zum dritten Akt der Meistersinger von Nürnberg. Vielleicht hätte es Ullmann so gewollt, wenn er gekonnt hätte – vielleicht hat er auch die Schroffheit mit Absicht so komponiert, der nun die Kanten abgeschliffen werden. Die manchmal fast erratisch nebeneinanderstehenden Nummern machen das Einfügen leicht. Doch die Lieder tragen zur Charakteristik der Figuren nichts bei – oder sie schaffen eine bislang nicht vorhandene Charakteristik, etwa wenn Tod / der Lautsprecher das Lied „Betrunken“ vorträgt. Die Eigenheit des Lautsprechers ist doch eigentlich, dass er keine Individualität hat.

Opera Factory Freiburg - E-Werk / Der Kaiser von Atlantis - hier : Kampf und Trommler © Sebastian Duesenberg

Opera Factory Freiburg – E-Werk / Der Kaiser von Atlantis – hier : Kampf und Trommler © Sebastian Duesenberg

Dieses Vorgehen betrifft ein grundsätzliches Problem, das auch im Programmheft unter dem Stichwort „dramaturgisches Theater“ angesprochen wird: Ist es legitim, überlieferte Texte oder Partituren anzureichern, neu zu arrangieren? Der Ansatz des Regietheaters, einem Stück auf Augenhöhe zu begegnen, wird hier auf die musikalische Seite ausgeweitet. War es vor dem Ersten Weltkrieg beispielsweise üblich, die Musikdramen Richard Wagners in gekürzten Fassungen zu spielen, wäre dies heute dem Publikum wohl kaum vermittelbar. Die Hamburger Inszenierung der Meistersinger von Nürnberg von Peter Konwitschny von 2002 setzte auf den Schock, den musikalischen Fluss bei der Schlussansprache von Hans Sachs zu unterbrechen. Am Opernhaus Zürich hatte soeben eine gekürzte Fassung von Franz Schrekers Die Gezeichneten Premiere, die für diese Eingriffe in die musikalische Substanz scharf kritisiert wurde. Wie ist das Anreichern bei Der Kaiser von Atlantis zu bewerten? Angesichts der Überlieferungslage und der Tatsache, dass alles erhaltene Material nur ein Torso ist, ist dieses Unterfangen hier legitim, allerdings auch problembehaftet: Klaus Simon ist Experte für Lieder dieser Zeit – er hat eine Gesamteinspielung der Lieder Hans Pfitzners vorgelegt – und hat ein Gespür für die Lieder, die sich am besten in die Grundstimmung einfügen. Durch das Hinzunehmen der eher breit ausgesungenen Lieder geht aber das Kantatenhafte der Oper verloren. Eine verlängerte Oper ist auf jeden Fall besser als eine gekürzte Oper!

Das Publikum nahm diese erweiterte Fassung und die einerseits reduzierende, andererseits in einzelnen Augenblicken auch gekonnt zuspitzende Regie sehr freundlich auf. Ein Besuch ist unbedingt zu empfehlen. Die nächste Produktion dieses wichtigen Stückes in dieser Region ist bereits angekündigt und wird am 8. Februar 2019 am Theater Basel Premiere haben.

Der Kaiser von Atlantis im E-Werk Freiburg; weitere Vorstellungen am 16.10.; 19.10.; 20.10.; 21.10.2018

—| IOCO Opera Factory Freiburg |—

 

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Spielplan September – Oktober 2018, IOCO Aktuell

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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de


Oper und Ballett am Rhein – September & Oktober 2018

Mi 12.09. – 18.00 Uhr  –  Opernhaus Düsseldorf
Preview zum Saisonstart: Marius Felix Langes Familienoper Die Schneekönigin
Vorprogramm ab 16.00 Uhr

Die Saison beginnt mit einer Preview der beliebten Familienoper Die Schnee­königin (empfohlen ab 6 Jahren). Eintritt und Platzwahl sind frei – Tickets werden nicht benötigt. Bereits ab 16.00 Uhr ist das Opernhaus geöffnet, und die Junge Oper am Rhein stimmt die Kinder mit spielerischen Einführungen (um 16.15 und 17.00 Uhr im Rangfoyer) und coolen Ideen aufs Musiktheater ein.

Fr 14.09. – 19.30 Uhr  –  Theater Duisburg
Saisonstart mit Giuseppe Verdis Oper La traviata
Vorprogramm ab 17.30 Uhr: Verdi Spécial

Die literarische und musikalische Einstimmung auf die Oper wird begleitet von einer Stillen Auktion, bei der die Besucher manche Theaterkuriosität ersteigern können.

Sa 15.09. – 19.30 Uhr  –  Opernhaus Düsseldorf
REPRISE:    Ballett am Rhein – b.36: Schwanensee (ausverkauft)

Choreographie: Martin Schläpfer, Musikalische Leitung: Axel Kober

Do 20.09. – 19.30 Uhr  –  Opernhaus Düsseldorf
Wiederaufnahme:  Die Zauberflöte  von Wolfgang Amadeus Mozart

Großes Kino: Die spektakuläre Inszenierung von Barrie Kosky und „1927“ als Symbiose von Musik und Gesang, realer Bühnenaktion und Animation

Fr 21.09. – 19.30 Uhr  –  Opernhaus Düsseldorf
Wiederaufnahme mit Starbesetzung:
Arabella von Richard Strauss

Der weltberühmte, mehrfach zum „Sänger des Jahres“ gekürte Bariton Michael Volle trifft als geheimnisvoll faszinierender Mandryka auf die junge Sopranistin Gabriela Scherer als Arabella. Generalmusikdirektor Axel Kober dirigiert Oper in der hochgelobten Inszenierung von Tatjana Gürbaca.

So 23.09. – 18.30 Uhr  –  Opernhaus Düsseldorf
Wiederaufnahme:
Le nozze di Figaro  von Wolfgang Amadeus Mozart

Wie aus dem Bilderbuch inszeniert Michael Hampe die Oper in der Überzeugung, dass ohne Witz und Geistesgegenwart aus einer Komödie schnell eine Tragödie werden könnte.

Fr 28.09. – 19.30 Uhr   Theater Duisburg
PREMIERE:     Ballett am Rhein – b.36: Schwanensee
Choreographie: Martin Schläpfer
Musikalische Leitung: Aziz Shokhakimov

Sa 29.09. – 19.30 Uhr  –  Opernhaus Düsseldorf
Wiederaufnahme:   Tosca von Giacomo Puccini

Die Künstlerin Floria Tosca gerät ins Räderwerk von Politik, Macht und Intrigen und wird selbst zur Mörderin. Dietrich W. Hilsdorf betont in seiner gefeierten Inszenierung den Aspekt der psychischen Folter für die Titelheldin.

So 30.09. – 15.00 Uhr  –  Opernhaus Düsseldorf
Wiederaufnahme:   Rigoletto von Giuseppe Verdi

Rigoletto hütet seine Tochter Gilda wie einen Schatz und kann doch das Schlimmste nicht verhindern: Gilda wird verführt und fallen gelassen und von ihrem angstbesessenen Vater in tödliche Verzweiflung getrieben.

Mi 03.10. – 11.00 Uhr   –  Opernhaus Düsseldorf Rangfoyer
Symphoniker im Foyer  –  Konzert zur Deutschen Einheit

Auftakt für die beliebten Sonntagsmatineen der Düsseldorfer Symphoniker: Konzertmeisterin Franziska, Solocellist Nikolaus Trieb und die Pianistin Alina Bercu spielen Ludwig von Beethovens „Geistertrio“ op. 70/1 und Johannes Brahms‘ Klaviertrio Nr. 3 c-Moll op. 101. Die Sopranistin Sylvia Hamvasi ist mit Liedern von Viktor Ullmann zu erleben.

So 07.10. – 11.00 Uhr  –  Opernhaus Düsseldorf
Preisträgerkonzert „Ton & Erklärung“ 2018

Der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI e. V. fördert mit dem Musikwettbewerb „Ton & Erklärung“ herausragende junge Musiker und Sänger. Als Solisten treten bei diesem Konzert die Preisträger des im Juni 2018 in Kooperation mit Bayer Kultur durchgeführten Gesangswettbewerbes auf. Es spielen die Bayer-Philharmoniker unter Leitung von Bernhard Steiner. Eintritt: 10,– €.


Di 09.10. – 18.00 Uhr Theater Duisburg
Opernwerkstatt zur Premiere von Petruschka / L’Enfant et les Sortilèges

Das Gespräch mit beteiligten Künstlern und die Möglichkeit zum Probenbesuch geben Einblick in die neue Produktion. Eintritt frei.

Sa 13.10. – 19.30 Uhr  –  Theater Duisburg
PREMIERE:   Petruschka / L’Enfant et les Sortilèges

Bilderrausch und Bühnenzauber: Nach ihrem Welterfolg mit Mozarts Zauberflöte“ bringt die britische Theatergruppe „1927“ ihre neue Produktion im Theater Duisburg auf die Bühne: Drei Artisten präsentieren Strawinskys Ballett „Petruschka“ in einer Mischung aus Equilibristik, Luft- und Clownsakrobatik, die in die filmischen Animationen eingebettet sind. In Maurice Ravels Kurzoper „L’Enfant et les Sortilèges“ werden die handgezeichneten Animationen zu Bühnenaktionen, Gesangs- und Orchesterstimmen lebendig. Lukas Beikircher hat die musikalische Leitung.

Sa 13.10. – 19.30 Uhr  –  Opernhaus Düsseldorf
Wiederaufnahme:
Die Entführung aus dem Serail von Wolfgang Amadeus Mozart

Im Fremden das Eigene erkennen, war das Anliegen dieses Entführungsabenteuers, in dem nicht der Orient, sondern die eigenen Gefühle und Überzeugungen auf dem Prüfstand stehen.

Sa 13.10. – 19.30 Uhr  –  Maxhaus Düsseldorf
Meisterklasse

Die sieben neuen Mitglieder des Opernstudios stellen sich beim Konzert zum Abschluss ihres Meisterkurses bei Kammersängerin Barbara Frittoli vor.

So 14.10. – 11.00 Uhr  –  Opernhaus Düsseldorf Rangfoyer
Liedermatinee mit Luiza Fatyol

Am Flügel begleitet von Operndirektor Stephen Harrison singt die Sopranistin Luiza Fatyol Lieder von Claude Debussy, George Enescu und Richard Strauss.

Do 18.10. – 18.00 Uhr  –  Opernhaus
Opernwerkstatt zur Premiere von Richard Wagners Götterdämmerung

Dem Gespräch mit dem Produktionsteam folgt die Möglichkeit zum Probenbesuch. Eintritt frei.


Sa 27.10. – 17.00 Uhr
PREMIERE:   Götterdämmerung

Premiere für den letzten Teil von Richard Wagners Zyklus Der Ring des Nibelungen in der Neuinszenierung von Dietrich W. Hilsdorf. Generalmusikdirektor Axel Kober hat die musikalische Leitung.

Mi 31.10. – 19.30 Uhr  –  Opernhaus Düsseldorf
Wiederaufnahme: Cavalleria rusticana / Pagliacci

Liebe, Hass und Eifersucht sind die treibenden Kräfte in den hochdramatischen Einaktern von Pietro Mascagni und Ruggero Leoncavallo. David Crescenzi hat die musikalische Leitung.


—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

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