Paris, Palais Garnier, Le Soulier de Satin – Uraufführung – M. A. Dalbavie, IOCO Kritik, 24.06.2021

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Opera National de Paris

Opéra National de Paris / Palais Garnier Paris © IOCO

Opéra National de Paris / Palais Garnier Paris © IOCO

 Uraufführung – Le Soulier de Satin –  Marc-André Dalbavie
– eine unerfüllte Liebe im Hintergrund der Macht –

von  Peter Michael Peters

Der dritte Auftrag der Opéra National de Paris für ein neues Musikdrama nach einem literarischen französischen Werk ist an den Komponisten Marc-André Dalbavie (1961-) gegangen. Er machte es sich nicht leicht indem er das elfstündige Theaterstück Le Soulier de Satin – Der seidene Schuh (1943) von Paul Claudel (1868-1955) zusammen mit der Librettistin Raphaèle Fleury adaptierte und auf sechs Stunden einschließlich zwei Pausen zusammen schrumpfen lässt.

Die düsteren Schattenseiten eines großen Poeten

Claudel badete, wie er selbst sagte, wie alle jungen Leute seines Alters im „materialistischen Gefängnis des damaligen Positivismus“. Er konvertierte zum Katholizismus, der Religion seiner Kindheit, indem er neugierig an einer Vesper in Notre-Dame de Paris teilnahm. „Ich stand rechts neben der zweiten Säule, in der Nähe der Sakristei. Die Kinder der Domsingschule sangen das, was ich später als Magnificat erkannte. In einem Augenblick war mein Herz berührt und ich glaubte! Ich glaubte mit aller Kraft! (…) Dass all die Bücher, alle Überlegungen, alle Chancen eines hektischen Lebens, meinen Glauben nicht erschüttern konnten, um die Wahrheit zu sagen, noch  berühren konnten.“ Der wichtigste Autor seiner katholischen Bekehrung ist aber Arthur Rimbaud (18541891), den er kurz vor dem Ereignis vom Dezember 1886 entdeckte mit den Illuminations (1886), aber besonders mit Une Saison en Enfer (1873), das den Lauf seines Lebens verändern wird. Der Einfluss dessen, den er in einem berühmten Artikel den „Mystiker in freier Wildbahn“ nannte, wird besonders deutlich in Tête d’or (1890), einem seiner ersten Stücke.

Le Soulier de Satin – Der seidene Schuh – Marc-André Dalbavie
youtube Trailer der Opéra National de Paris
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

So würde ein Teil der offiziellen Biographie des großen erfolgreichen sprachgewaltigen Claudel, Diplomat, Politiker und Poet mit einem glorreichen Einzug in die ehrwürdige Académie Française aussehen. Aber wer war er wirklich? Wenn man sich ein wenig mehr mit der düsteren Schattenseite des viel verehrten Franzosen einmal abgibt! Was bleibt dann…?

Während des Spanischen Bürgerkrieges unterstützte Claudel die spanischen Faschisten. François Mauriac (1885-1970) wirft Claudel vor, das er keinen einzigen Vers geschrieben hat „für die Tausenden und  Abertausenden christlichen Seelen, die der Chef der heiligen Armee (…) gewaltsam  in die Ewigkeit führte“. Der Poet unterzeichnete auch mit einer Gewissenlosigkeit ohne Gleichen das Manifest der spanischen Franco-freundlichen Intellektuellen vom Dezember 1937, das in der faschistischen  Propagandazeitschrift Occident veröffentlicht wurde.

Am 24. September 1940 wird er noch deutlicher:  „Mein Trost ist das Ende dieses schmutzigen parlamentarischen Regimes, das Frankreich jahrelang wie ein Krebsgeschwür verschlungen hat. Es ist vorbei… die üble Tyrannei von Bistros, Freimaurern, Mestizen, Bauern und Lehrern…“ (Der Dichter veröffentlicht in Le Figaro am 10. Mai 1941 sein Meistergedicht Paroles au Maréchal, das am Vortag in Vichy vor Marschall Philippe Pétain (1856-1951) von der Schauspielerin Eve Francis (1886-1980) anlässlich einer Aufführung von L’Annonce faite à Marie (1912) zitiert wird.

Palais Garnier / Le Soulier de Satin Oper von Marc-André Dabalvie © Elisa Haberer

Palais Garnier / Le Soulier de Satin Oper von Marc-André Dabalvie © Elisa Haberer

Dreieinhalb Jahre später veröffentlichte derselbe Figaro ein weiteres Gedicht: Au Général Charles de Gaulle (1890-1970) in seiner Nummer vom 23. Dezember 1944. Es war einige Wochen zuvor, im Oktober 1944, während eines Vormittags im Théâtre-Français vorgetragen worden, das den Dichtern des Widerstands gewidmet war… zu denen Claudel nun gehörte! Das Mindeste ist, was wir ihm zugutehalten können, dass sich unser Freund kein Bein ausgerissen hat. Er griff das gleiche Szenario auf: Frankreich spricht und erkennt seinen legitimen Vertreter an. Pétain war der Vater; De Gaulle ist der Sohn!

Das Erstaunlichste ist, dass Claudel, alt, reich und vielmals geehrt, es nicht nötig hatte die Macht, wer immer es sei, mit so niedrigen Schmeicheleien zu überhäufen. Nein, er war ein notorischer Reaktionär und völlig überzeugt über seine Handlungsweisen: Er versteckte nicht einmal seine hypokritischen gefährlichen Gedanken…! Nein! Er sprach alles laut aus in seinen Dramen, in seiner Lyrik, in seinem Werk! Er war einfach nur ein schmutziger Mitläufer, ein Fahnenschwinger folgend dem Wind der Macht, ein Hemdenwechsler der billigsten Art. Das Vokabular der Intoleranz war ihm nicht fremd: Rassendiskriminierung, Diktatur, Faschismus, Sklaverei, usw., aber alles recht säuberlich verbrämt vom Heiligenschein der allgewaltigen katholischen Kirche. Wir mussten diesen Umweg in das Schattenreich eines umstrittenen Poeten gehen, um sein dramatisches und poetischen Werk besser zu analysieren.

Drama im Zeitalter der Konquistadoren

Das mystische Drama Le Soulier de Satin erzählt von der unmöglichen Liebe zwischen Dona Prouhèze und dem Kapitän Don Rodrigue. Die zwanzigjährige Handlung spielt in der Renaissance, zur Zeit der Konquistadoren und wird vom Autor in der Tradition des Goldenen Zeitalters in vier Tage unterteilt. Es zeigt viele Charaktere, in verschiedenen Ländern, manchmal in Dialogen zwischen Himmel und Erde, indem das Drama und das Göttliche vermischt werden. Es ist nicht frei von Ironie, Komik und Possenreißer-Spielen! Dies in einer barocken Atmosphäre. Dieses halbautobiografische Stück ist eine Liebesgeschichte und ihrer sozialen und kosmopolitischen Probleme. Claudel selbst kommentierte: „Der Schauplatz dieses Dramas ist die Welt“, er schrieb weiter: „Das Thema des Satinschuhs ist kurz gesagt das der chinesischen Legende, der beiden Sternenliebhaber, die es jedes Jahr nach langen Wanderungen schaffen, sich gegenseitig zu begegnen ohne sich jemals treffen zu können. Auf der einen Seite und auf der anderen der Milchstraße!“

Palais Garnier / Le Soulier de Satin Oper von Marc-André Dabalvie © Elisa Haberer

Palais Garnier / Le Soulier de Satin Oper von Marc-André Dabalvie © Elisa Haberer

« Fendre la muraille du cœur humain… »

Auch diese gefühlsvolle Redewendung stammt aus der Feder unseres Poeten: „Die Mauer des menschlichen Herzens durchbrechen…“ Was meint er damit? Die große chinesische Mauer steht noch immer trotz diverser Invasion der Jesuiten, die Berliner Mauer ist schon lange gefallen! Nein! Was sagen wir da, wir sprechen natürlich nicht in der Realität, es sind die Mauern der Intoleranz gemeint. Aber gerade dorthin können wir Claudel nicht folgen: In seinem Mammutwerk aus dem goldenen spanischen Zeitalter zitiert er die großen Eroberungen mit der berühmten Armada, die gewaltsamen Bekehrungen der Barbaren und die totale Beraubung der dritten Welt. Jedoch kein einziges Wort über die grausame Inquisition, noch über den dreißigjährigen Religionskrieg, angezettelt von der katholischen Liga. Also von welchen Mauern redet unser großes Genie? Natürlich von der Mauer der katholischen Ignoranz, die er aber nicht sehen will! Diese Intoleranz, die über viele Jahrhunderte bis heute keine Mauer gebrochen hat!

Aufführung am 13.06.2021 im Palais Garnier – Opéra National de Paris

Der 60jährige Komponist Marc-André Dalbavie verortet seine Sprache in einer metatonalen Perspektive (post-atonale), Modalität und Atonalität innerhalb einer strukturellen Organisation von Tonhöhen (den Tonleitern, die durch das Orchesterregister der Oper laufen) zusammenführt. Als bedeutender Instrumentator führte er bestimmte Instrumente der Welt, die noch immer sparsam eingesetzt werden, in das Orchester ein, wie das Becken, die Stahltrommel und das chinesische Holzblasinstrument mit dunklen und temperierten Klangriten. Gongs und andere Bonangs sind präsenter in eintauchendes Hören mit der Resonanz der langen Zeit des Ostens. An ihm sind diese glatten und sonoren Instrumentalrahmen angebracht, die den Raum literarisch in Brand setzen. Der von zehn Stunden auf viereinhalb Stunden reduzierte Umfang des Stückes hätte vielleicht eine radikalere, kontrastierende Behandlung benötigt und durchaus die dramatische Wirkung unterstützen können.

Der Komponist entschied sich für eine Orchestersprache in langen schwellenden Wogen, ohne an wichtigen Stellen die dramatische Seite mit einer hochbrausenden Welle zu erweitern. Auf denen die Sänger eine kontinuierliche Rezitation einsetzten, sofern der Text nicht gesprochen wurde. In dieser musikalischen Behandlung lauert jedoch eine furchtbare Monotonie! Prunkvoll war das Orchester unter der geschmeidigen und spannungsfreien Geste des Komponisten, der an diesem Abend das Orchestre de l‘Opéra National de Paris zusammenführte und anführte.

Die Inszenierung entspricht dem Geist des von Claudel beanspruchten Jahrmarkttheaters, in die Gattungen vermischt werden und die Kulissen mit größtmöglicher Sparsamkeit improvisiert werden. Stanislas Nordey sieht die Bühne als Malerwerkstatt aus dem 16. Jahrhundert, das die Arbeiten  fortsetzt und so Künstler und Maschinisten gleichermaßen einbezieht. Monumentale Leinwände, die von Emmanuel Clolus die Details von Gemälden (insbesondere von El Greco) darstellen, werden auf der Bühne verschachtelt. Sie bilden ein bewegtes Dekor, das auf beiden Seiten verwendet wird, wobei das Bild auf der einen Seite, der Holzrahmen auf der anderen Seite sehr lebendig und vielseitig benutzt wird (sie verkörpern mehrere Rollen in der Geschichte wie auch viele der Sänger). Cyril Bothorel / Der Ansager und Yann-Joël Collin / Der Unbändige sind dazu da, uns über Länder und Meere zu führen und das Spektakel auf halbem Weg zwischen Theater und Oper zu halten. Sie kommen zwischen jeder Szene, um die eroberten Küsten anzukündigen und das Dekor hervorzuheben. Momente des Übergangs willkommen für das Publikum, wenn das Orchester die Gelegenheit hat sich einzustimmen. Die historischen Kostüme von Raoul Fernandez sind hervorragend, in Verbindung mit den Charakteren und der Farben der Leinwände in einer sehr gesuchten ästhetischen Dimension. Das Video von Stéphane Pougnand droht mit gewaltigen schönen visuellen 3D-Effekten.

Palais Garnier / Le Soulier de Satin Oper von Marc-André Dabalvie © Elisa Haberer

Palais Garnier / Le Soulier de Satin Oper von Marc-André Dabalvie © Elisa Haberer

Lyrischer Höhepunkt des Soulier, diese längste Szene der Oper, vereint zum ersten Mal die beiden Hauptdarsteller (glänzend Eve-Maud Hubeaux und Luca Pisaroni) und greift auf alle Reserven des Orchesters zurück. Dieses ist gleichzeitig dezent, lässt den Gesang aufblühen und ist in der Lage, kupferne Töne in die Stimmen zu bringen und sie durch die Instrumentalklänge zu brechen, was der Claudelschen Sprache ihre spektrale Farbe verleiht.

Die Besetzung ist von sehr hohem Standard und zählt eine Reihe von Künstlern, Schauspielern und Sängern, die im Detail schwer zu zitieren wären. Die Mezzosopranistin Eve-Maud Hubeaux ist eine charakterstarke Doña Prouhèze, die sich in allen Stimmlagen wohl fühlt und besonders ausdrucksstark in dieser wunderschönen Szene des ersten Tages, in der sie der Jungfrau ihren Satinschuh  anvertraut. Der Bariton-Bass Luca Pisaroni / Don Rodrigue de Manacor setzt unweigerlich eine hervorragende Stimme ein und übt auch sein Talent als Mann der Bühne aus. Tapfer und erfahren in dieser Technik der Passagen zwischen gesprochenem Wort und gesungenem, Béatrice Uria-Monzon, Mezzosopran (Doña Isabel / Doña Honoria / Eine Nonne) und Vannina Santoni, Sopran, die leuchtende Doña Musique, brillieren in ihren jeweiligen Rollen ebenso wie der Bariton Marc Labonnette, die Tenöre Eric Huchet und Julien Dran, der Bass Nicolas Cavallier, der während der vier Tage auch mehrere Charaktere unterstütze. Feurig und voller Energie neben Vannina Santoni (Die Fleischerin) haucht Camille Poul, Sopran / Doña Sept-Épées (Prouhèzes Tochter) einen jugendlichen Wind am letzten Tage der Oper. Jean-Sébastien Bou / Don Camille besticht durch seine klare Sprache und seine stimmliche Leichtigkeit, dagegen fehlt es dem Tenor Yann Beuren in der besonders anspruchsvollen Rolle des Don Pélage manchmal  an Stabilität. Die Figuren des Schutzengels, Saint-Jacques und Saint-Adlibitum appellieren an den eher immateriellen Bereich des Countertenors Max Emanuel Cencic. Während die rassige Stimme von Fanny Ardant aus den Lautsprechern zu uns kommt in dieser zentralen Szene des Soulier… und wo die gesprochene dem Mond anvertraute Meditation eine spirituelle Dimension ergreift: „Jeder deiner Küsse gibt mir ein Paradies, von dem ich weiß, dass es mir verboten ist“.    PMP / 20.06.2021

—| IOCO Kritik Opéra National de Paris |—


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Wien, Wiener Staatsoper ,MAHLER LIVE Wiener Staatsballett – Martin Schläpfer auf ARTE concert, 04.12.2020

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

»MAHLER, LIVE«

DIE PREMIERE DES WIENER STAATSBALLETTS LIVE-ZEITVERSETZT AUS DER WIENER STAATSOPER AUF ARTE CONCERT / MARTIN SCHLÄPFERS »4« IN DER »MATINEE« auf ORF2

Am Freitag, 4. Dezember 2020 präsentiert der neue Direktor des Wiener Staatsballetts Martin Schläpfer mit der Premiere des zweiteiligen Abends Mahler, live nicht nur sein erstes eigenes Programm in der Wiener Staatsoper, sondern stellt sich mit seiner Uraufführung 4 zu Gustav Mahlers 4. Symphonie (dem zweiten Werk des Abends) auch als Choreograph vor. Entstanden ist ein großes Ballett für das gesamte Ensemble, dem zur Eröffnung des Programms mit Hans van Manens Live eine Ikone der Tanzgeschichte vorausgeht. Axel Kober dirigiert das Orchester der Wiener Staatsoper, als Solistinnen sind Shino Takizawa am Klavier sowie die Sopranistin Slávka Zámecníková zu erleben.

Wegen der vorübergehenden Schließung aller österreichischen Bühnen im Rahmen der Bekämpfung der Covid-19-Pandemie kann die Premiere nicht vor Publikum stattfinden, wird aber um 20.30 Uhr im Rahmen der ARTE »Opera Season« auf ARTE concert live-zeitversetzt gestreamt. Am Dienstag, 8. Dezember folgt um 9.05 Uhr eine erneute Ausstrahlung von Martin Schläpfers 4 in der ORF2-Sendung »Matinee«.

Nachdem das Wiener Staatsballett durch ein ausgefeiltes Sicherheits-Konzept mit regelmäßigen Testungen sowie strengen Hygiene-Regeln seit Beginn der Saison 20 Vorstellungen der Programme Jewels, Hollands Meister und Peter Pan in der Wiener Staatsoper und Volksoper Wien vor Publikum zeigen konnte, waren die Produktionsbedingungen für die Premiere Mahler, live durch verringerte Arbeitszeiten während des neuerlichen Lockdowns sowie mehrere Covid-19-Infektionen im Ensemble stark eingeschränkt. »Die derzeitige Situation ist für uns alle eine immense Herausforderung, es war mir aber wichtig, das Programm ›Mahler, live‹ trotzdem so weit wie möglich zu produzieren«, äußert sich Martin Schläpfer. »Es ist ein großes Glück, mit dem deutsch-französischen Kultursender ARTE sowie ORF2 zwei starke Partner für eine Fernsehübertragung zur Seite zu haben. Es geht um mehr als um das Streaming eines Ballettabends. Es geht um die Kunstform Ballett an sich und die große Freude, die diese bereiten kann. Es geht darum, den Menschen zu zeigen, dass wir da sind, dass wir trotz aller Unwägbarkeiten in eine Beziehung mit ihnen treten und ihnen ein berührendes Tanzerlebnis schenken wollen. Und nicht zuletzt geht es um ein positives Zeichen hinaus in die Welt, eine Ermutigung, nicht aufzugeben, weiterzumachen und nach vorne zu blicken.«

Mit Live eröffnet ein Werk das Programm, das Tanzgeschichte geschrieben hat. 1979, in der Pionierzeit der Videotechnik, kreierte Hans van Manen ein meisterhaftes Vexierspiel über die Mechanismen der Wahrnehmung: Eine Frau, ganz allein auf der großen Bühne, mit dem Rücken uns zugewandt. Auf ihre Füße ist eine auf dem Boden liegende Kamera gerichtet. Ein Mann kommt dazu, hebt die Kamera auf und lässt sie über die Zuschauer schweifen. Riesengroß auf eine Leinwand geworfen werden wir zu Protagonisten dieses Stückes, das sich – mit dem Medium des Films – schließlich ins Foyer der Staatsoper und hinaus in die Wiener Nacht öffnet.

In Amsterdam uraufgeführt, wurde Live bisher ausschließlich von Het Nationale Ballet, dem der 88-jährige Hans van Manen bis heute als Hauschoreograph verbunden ist, getanzt. Auf besonderen Wunsch Martin Schläpfers hat der Niederländer seine Arbeit nun dem Wiener Staatsballett und damit erstmals einer weiteren Compagnie anvertraut. Henk van Dijk, der Live seit der Uraufführung als Kameramann begleitet hat, wird in Wien seine letzte Vorstellung geben.

Martin Schläpfer antwortet diesem intimen Kammerspiel Hans van Manens mit einem großen Ballett, das er allen Tänzerinnen und Tänzern seines Ensembles widmet. Schlicht 4 nennt er seine Uraufführung zu Mahlers 4. Symphonie, die ihn mit ihrer hintergründigen Schönheit, ihren gefährdeten Idyllen, aber auch ihrem bösen Humor, ihren scharfen Tönen und ihrer drastischen Schilderung eines ganz und gar nicht himmlischen Paradieses zu einem tänzerischen Welttheater inspirierte. Mahlers Dramaturgie der Brüche und Verwerfungen aufgreifend entfaltet Martin Schläpfer kaleidoskopartige Bilder des Menschen, voller Sehnsucht, Ausgesetztheit und Verlorenheit, traumentrückt oder sich an den großen Fragen des Lebens reibend – Szenen wie Inseln eines gewaltigen Archipels untergründig miteinander verbunden.

MAHLER, LIVE

Live
Musik Fünf kleine Klavierstücke S.192, »Bagatelle sans tonalité« S.261a, »Wiegenlied« S.198 und »Abschied« S.251 von Franz Liszt
Choreographie Hans van Manen
Kostüme Keso Dekker
Licht & Produktionsleitung Bert Dahlhuysen
Einstudierung Rachel Beaujean

Tänzerin & Tänzer Olga Esina – Marcos Menha
Kamera Henk van Dijk
Klavier Shino Takizawa

4
Uraufführung
Musik Symphonie Nr. 4 G-Dur von Gustav Mahler
Choreographie Martin Schläpfer
Bühne Florian Etti
Kostüme Catherine Voeffray
Licht Thomas Diek

Solisten und Corps de ballet des Wiener Staatsballetts

Musikalische Leitung Axel Kober
Sopran Slávka Zámecníková
Orchester der Wiener Staatsoper

Live-zeitversetzter Stream der Premiere des Wiener Staatsballetts aus der Wiener Staatsoper:
Freitag, 4. Dezember 2020, 20.30 Uhr auf ARTE concert

—| Pressemeldung Wiener Staatsoper |—


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Linz, Landestheater Linz, URAUFFÜHRUNG – BILDER EINER AUSSTELLUNG – Ballett, 26.09.2020

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Landestheater Linz

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

BILDER EINER AUSSTELLUNG  – Uraufführung

TANZABEND VON MEI HONG LIN,  MUSIK  MODEST MUSSORGSKY,  SOUNDDESIGN VON RANDOMHYPE

Uraufführung Samstag, 26. September 2020, 19.30 Uhr –  weitere Vorstellungstermine: 30. September, 4., 10., 14., 29. Oktober, 4., 6., 15., 16. November, 4., 18. Dezember 2020

Choreografie und Inszenierung   Mei Hong Lin, Sounddesign   RANDOMHYPE, Bühne und Kostüme   Julio Andrés Escudero, Lichtdesign   Johann Hofbauer, Dramaturgie   Roma Janus, Thorsten Teubl

Mit:  TANZLIN.Z   –  Lara Bonnel Almonem, Rie Akiyama, Julie Endo, Núria Giménez Villarroya, Mireia González Fernández, Shao-Yang Hsieh, Yu-Teng Huang, Valerio Iurato, Lorenzo Ruta, Pavel Povrazník, Evi van Wieren, Safira Santana Sacramento, Nicole Stroh, Vincenzo Rosario Minervini, Nimrod Poles, Pedro Tayette, Kayla May Corbin Shang-Jen Yuan,

Live Electronic   RANDOMHYPE, Pianist   Stefanos Vasileiadis

Landestheater Linz / BILDER EINER AUSSTELLUNG - Safira Santana Sacramento © Robert Josipovic

Landestheater Linz / BILDER EINER AUSSTELLUNG – Safira Santana Sacramento
© Robert Josipovic

ZUM STÜCK


Inspiriert durch eine posthume Ausstellung von Werken seines verstorbenen Freundes, des Malers Victor Hartmann, komponiert Modest Mussorgsky 1874 seinen Klavierzyklus Bilder einer Ausstellung. Bekannt wurde das Werk aber vor allem durch eine das Original glättende Orchesterfassung von Maurice Ravel. Dabei hatte Mussorgsky ein Klavierwerk mit archaischer Rohheit geschaffen, das mit seinem nicht enden wollenden Farbenreichtum die ästhetischen Klangvorstellungen seiner Zeit sprengte und bereits die Pforten zum 20. Jahrhundert aufriss.
Die Choreografien von Mei Hong Lin zeichnen sich durch die enge Verbindung zwischen Musik und Bewegung aus. In Bilder einer Ausstellung unterzieht sie ihr eigenes Schaffen einer systematischen Intervention und hinterfragt ihr Werk NEU.

Sie setzt bestehendes Material als strukturelle und emotionale Inspiration in einen neuen Kontext und manifestiert Bewegung und Ausdruck als eine Fortentwicklung ihrer eigenen choreografischen Entwicklung. Sie zeigt Möglichkeiten zur Überwindung von Angst und Tod auf sowie die Akzeptanz der Endlichkeit und zeichnet das tiefenpsychologische Narrativ der Bilder einer Ausstellung choreografisch nach. Dabei erfindet sie mit Hilfe eines interagierenden Sounddesigns und dem DJ Christian Düchtel LIVE ON STAGE den Klavierzyklus neu: Modest Mussorgsky und Mei Hong Lin – reframed.

Landestheater Linz / BILDER EINER AUSSTELLUNG - Mireia González Fernández © Laurent Ziegler

Landestheater Linz / BILDER EINER AUSSTELLUNG – Mireia González Fernández
© Laurent Ziegler

INHALT


BILDER EINER AUSSTELLUNG


Mei Hong Lin nimmt Sie mit auf eine Reise und führt durch ihre choreografische BILDER EINER AUSSTELLUNG inspiriert von der Originalfassung von Modest Mussorgsky.

PROMENADE 1

Die Emotionen der Bilder werden von einem Raum in den nächsten getragen, wie eine Vorahnung, eine Andeutung – sie sind auch gleichzeitig ein Nachklang.

Die Promenade ist eine musikalische Brücke zwischen den einzelnen Klavierstücken. Sie betreten wie ein Besucher eine choreografische Gemäldegalerie, eine Galerie aus Bewegung und Imagination. Langsam schweift Ihr Blick von einem Bild zum nächsten. Sie erkennen verschiedene Situationen und Geschehnisse und Orte. Sie sehen einen Gnom, zwei Frauen, eine Jugendliche, zwei Könige, Verliebte.

Bild Nr. 1 DER GNOM

Der Zwerg symbolisiert die Persönlichkeit und den psychischen Zustand eines Menschen. Er unternimmt den Versuch mit aller Kraft gegen die Machtlosigkeit und Unterdrückung anzukämpfen, mit der er in seinem Leben konfrontiert ist.

PROMENADE 2

Die zweite Promenade hat die Funktion einer Einleitung zum zweiten Bild. Es stellt eine junge Frau dar, die mit großer Vorfreude und in lustvoller Gespanntheit auf ihren Geliebten wartet. In ihren Gedanken durchlebt sie noch einmal die schönsten Erinnerungen und gemeinsamen Momente mit ihm und schwebt in wunderbarsten Fantasien.

Bild Nr. 2 DAS ALTE SCHLOSS

Eine verhängnisvolle Romanze. Die Liebe und Seele von zwei Liebenden brennt, weil ihre Sehnsucht durch widrige Umstände nicht erfüllt werden kann. Zwei einander liebende Seelen brennen füreinander. Die gegenseitige Anziehungskraft und körperliche Lust stoßen auf eine scheinbar nicht zu überwindende Distanz.

Bild Nr. 3 DIE TUILLERIES 

Spielende Jugendliche mit viel Lebensfreude und Vitalität blicken ihrer Zukunft entgegen. Der grenzenlosen Lebenslust und Unbeschwertheit wird die Realität des Erwachsenwerdens mit all ihren Problemen entgegengesetzt.

Bild Nr. 4 BYDLO

Der von Mussorgsky musikalisch gezeichnete Ochsenkarren steht für Schwierigkeiten und erzählt von Traumata und Belastung und zeigt die Sehnsucht von Menschen nach Befreiung auf.

Bild Nr. 5 DAS BALLETT DER KÜKEN IN IHREN EIERSCHALEN

Dieses Bild thematisiert politische Machtverhältnisse und potenziell konfliktreiche Situationen. Es sind zwei Machtpersonen dargestellt, die gleichgültig ihrer großen Verantwortung um Besitz streiten, diskutieren, verhandeln, sich gegenseitig bedrohen. Gehüllt in aufgeplusterte, edle Gewänder, demonstrieren sie sich gegenseitig ihre Macht und beobachten mit großer Skepsis jeden Schritt des anderen.

Bild Nr. 6 SAMUEL GOLDENBERG UND SCHMUYLE

Die Geschichte erzählt ein konträres Schicksal von zwei Frauen. Eine ist tot, die andere lebendig. Die eine wünscht sich den Platz der anderen einzunehmen und die eine lebt mehr in ihren Wunschvorstellungen und illusorischen Konstruktionen, als im wirklichen Leben. Zwischen den beiden Frauen entsteht eine mysteriöse Verbindung, da sie beide auf einen Mann warten, der nicht zurückkommen wird. Hoffnungslosigkeit.

Bild Nr. 7 LIMOGES – DER MARKTPLATZ

Dieses Bild knüpft an die Promenade an. Während man auf dem zweiten Bild, in der zweiten Choreografie, eine junge Frau sah, die sehnsüchtig auf ihren Geliebten wartete, wird sie hier mit einer Enttäuschung konfrontiert. Der Mann, dem sie erwartungsvoll begegnet, erweist sich nicht als der richtige.

Bild Nr. 8 CATACOMBAE

Dieses Bild thematisiert die dunklen und toxischen Seiten einer Beziehung – Manipulation und Besessenheit. In den dunklen, düsteren Klängen spiegeln sich Zwang, Leidenschaft, Obsession und Abhängigkeit wider. In den Klängen wird eine skurrile Verbindung zwischen zwei Liebenden illustriert, die von Voyeurismus Bedrohung, emotionaler Kälte, Bedrängung und Depressionen geprägt ist.

Bild Nr. 9 BABA -YAGA – DIE HÜTTE AUF HÜHNERFÜSSEN

Dieses Bild handelt von einer Krise und ihren gesellschaftlichen und soziologischen Folgen. Es entsteht ein neues Verhältnis und eine neue Definition von Nähe und Abstand. Gefühle wie Angst und Misstrauen und das Verlangen nach Selbstschutz werden aufgezeigt und verarbeitet. Es ist ein Lernprozess der Akzeptanz und des neuen Umgangs, sich nicht von Misstrauen und Furcht manipulieren zu lassen.

Bild Nr. 10 DAS GROSSE TOR VON KIEV

Das letzte Bild zeigt eine grenzenlose Liebe zwischen zwei Menschen, die bis über den Tod hinausgeht. Der liebevolle und zärtliche Umgang der Liebenden endet manchmal auch sehr schmerzvoll und kann zum Tode führen.

Am Ende werfen wir noch einmal einen Blick auf die gesamte Ausstellung. Gesehenes und Gehörtes wiederholt sich, noch einmal kommt Erlebtes hoch und ruft große Emotionen hervor. Das Publikum wird aufgefordert, das Gesehene mit sich selbst in einen Kontext zu setzen


BIOGRAFIEN


MEI HONG LIN CHOREOGRAFIE UND INSZENIERUNG

Mei Hong Lin wurde in Taiwan geboren und erhielt eine Ausbildung in klassischem chinesischen Tanz in ihrer Heimat. Anschließend studierte sie an der Accademia Nazionale di Danza in Rom sowie an der Folkwanghochschule in Essen. Diese unterschiedlichen stilistischen Wurzeln finden Niederschlag in ihrer choreografischen Arbeit. 1991/1992 war sie Ballettdirektorin am Theater Plauen und von 1997 bis 2002 Mitglied im Ballettdirektorium am Theater Dortmund. In der Spielzeit 2004/2005 übernahm Lin die Tanzdirektion am Staatstheater Darmstadt. Ihre Stücke Hôtel du Nord, Ainadamar, The Juliet Letters – Briefe an Julia, Last Minute sowie Macbeth erlangten überregionale Aufmerksamkeit. Mit Schwanengesang wurde sie 2010 zum Taipei International Festival nach Taiwan eingeladen. Ihre Tanzstücke Die Brautschminkerin und Romeo + Julia wurden 2011 und 2012 für den Deutschen Theaterpreis DER FAUST nominiert. Mit der Spielzeit 2013/2014 übernahm Lin die Tanzsparte am Landestheater Linz. Eine Einladung zum renommierten Seoul Performing Arts Festival führte die Kompanie 2014 mit dem Stück Blind Date nach Korea und 2016 mit Orfeo ed Euridice zum 14. Internationalen Opern Festival nach Daegu (Korea), wo die Produktion mit dem Grand Prix ausgezeichnet wurde.

Neben ihren Tanzproduktionen führte Mei Hong Lin auch selbst Regie und kreierte zahlreiche Choreografien für Oper, Operette, Musical und Schauspiel sowie spartenübergreifende Produktionen für die Theater von Augsburg, Bielefeld, Innsbruck, Kaiserslautern, Linz, Schwerin, Rostock die Oper Leipzig, das Schauspiel Leipzig, die Staatsoperette Dresden, die Oper Toulon, das Teatro Real Madrid, die Oper Göteborg und die Erfurter Domstufen-Festspiele.

2017 und 2018 wurde sie für ihre Produktionen Schwanensee und Die kleine Meerjungfrau mit dem Österreichischen Musiktheaterpreis ausgezeichnet. In der Kritikerumfrage der Fachzeitschrift „Die deutsche Bühne“ wurde ihre Brautschminkerin 2017 als beste Tanzproduktion des Jahres nominiert.

Internationale Aufmerksamkeit erregt 2017 auch ihr Tanzstück Music for a while in Zusammenarbeit mit Christina Pluhar und dem Ensemble L’arpeggiata. Die Produktion wird regelmäßig im luxemburgischen, belgischen und französischen Fernsehen ausgestrahlt.

Jüngst begeisterte die Rekonstruktion von Johann Kresniks legendärem Macbeth durch die Kompanie TANZLIN.Z (Einstudierung Christina Comtesse) Presse und Publikum. Die Kompanie wurde eingeladen, mit dieser Produktion das renommierte Festival IMPULSTANZ im Juli 2019 in Wien zu eröffnen. Am 30. März wurde Mei Hong Lins neueste Kreation, Marie Antoinette, ein Psychogram der auf der Guillotine hingerichteten französischen Königin und Tochter der österreichischen Kaiserin Maria Theresia, uraufgeführt. Die Musik ist eine Auftragskomposition und stammt von Walter Haupt. In der Spielzeit 2019/2020 brachte Mei Hong Lin ihre Deutungen von Strawinskys Sacre du printemps und Prokofjews Cinderella zur Aufführung.

RANDOMHYPE SOUNDDESIGN

Christian Düchtel alias RANDOMHYPE ist Club-DJ seitdem er sechzehn ist. Aufgewachsen in einem musikalischen Elternhaus (der Vater ist Professor für künstlerisches Orgelspiel und Improvisation) und mit klassischer Chor- und Klavierausbildung, beginnt er im bayerischen Regensburg Mitte der neunziger Jahre das, was mal die „Reproduktion von Musik mittels Plattenspieler“ genannt wurde. Immer schon an Brüchen und Übergängen in und mit Musik interessiert, startet er sein DJing mit HipHop, erweitert aber sein Soundspektrum schnell auf andere Club-Musikstile, vornehmlich Breakbeat und alles Artverwandte – Funk, Electro, TwoStep, Garage, Jungle, Drum´n´Bass und Dubstep. Nach zahlreichen Club – DJ – Sets beginnt er die Produktion von Club -Tracks, die unter anderem in England veröffentlicht werden.

Viele Jahre veranstaltet Düchtel die erfolgreiche monatliche Düsseldorfer Dubstep-Reihe RoyalBeatClub als Resident DJ – „Doogie Playground“. 2007 erfolgt eine Zusammenarbeit mit dem Düsseldorfer Verein „musik21“ (Verein zur Förderung zeitgenössischer Musik). Hier mischt Düchtel als DJ in einem Düsseldorfer Szene-Club neue Musik mit Dub – Elementen. Seit 2008/2009 kooperiert er mit Tanztheatercompagnies. Am Forum Freies Theater Düsseldorf entwickelt er mit der Choreografin Gudrun Lange als Produzent des Stückes Affected by – ein Tanzstück mit Jugendlichen über Dore Hoyer. Am Staatstheater Kassel ist er live auf der Bühne als Soundkomponist und DJ mit dem Tanzensemble bei dem Stück Tanzabend II … und raus bist du! in der Choreografie von Johannes Wieland und mit dem Dramaturgen Thorsten Teubl. Die Zusammenarbeit mit Johannes Wieland am Staatstheater Kassel als Soundkomponist findet die Fortsetzung bei der Produktion Tanzabend II – Catcher und Traffic. In der Spielzeit 2020/2021 begleitet er das Tanzstück Bilder einer Ausstellung von Mei Hong Lin am Landestheater Linz als Soundkomponist live auf der Bühne.

JULIO ANDRÉS ESCUDERO BÜHNE UND KOSTÜME

Der gebürtige Argentinier Julio Andrés Escudero absolvierte Ballettkurse am Teatro Colón und studierte Tanz an der Schule für Zeitgenössischen Tanz des Teatro General San Martín in Buenos Aires. 2003 schloss er seine Ausbildung mit Auszeichnung als bester Absolvent seines Jahrgangs durch den Argentinian Dance Council, Mitglied des CID der UNESCO, ab. In seiner Heimat war er Mitglied des Ballet del Mercosur (Leitung: Maximiliano Guerra), der Compagnie MR Danza, des Ballet de Bolsillo unter der Leitung von Oscar Araiz und des Ballet Contemporáneo del Teatro San Martín. Hier tanzte er in Choreografien von Mauricio Wainrot, Marc Ribaud, Roxana Grinstein, Roberto Galván und Gustavo Lesgart. 2006 verpflichtete ihn Ana María Stekelman für das Projekt Les noces de l’enfant roi nach Versailles. Er wirkte in zahlreichen Tanzvideoproduktionen mit und trat auch als Choreograf bereits in Erscheinung. Von 2008 bis 2010 war er Mitglied der spanischen Kompanie Art Trànsit Dansa Barcelona, mit der er zahlreiche nationale und internationale Tourneen unternahm. Mit der Spielzeit 2011/2012 wechselte er für 2 Jahre an das Staatstheater Darmstadt und war danach für einige Jahre festes Ensemblemitglied im Tanzensemble des Landestheaters Linz.

JOHANN HOFBAUER LICHTDESIGN

Johann Hofbauer, ausgebildeter Bühnen- und Beleuchtungsmeister, arbeitet seit 1987 als Beleuchter am Landestheater Linz und übernahm 2006 die Leitung der Beleuchtungsabteilung. Er zeichnet seit dem Jahr 2000 für zahlreiche Lichtdesigns verantwortlich. Darüber hinaus war er als Beleuchtungsmeister bei den Salzburger Festspielen und als Lichtdesigner u. a. für Produktionen und Gastspiele an verschiedenen Theatern in Deutschland, Österreich, Griechenland, Korea, Taiwan tätig. Seit 2000 gestaltet er als freischaffender Lichtdesigner bei zahlreichen Off-Produktionen und freien Gruppen das Bühnenlicht.

Am Musiktheater Linz arbeitete er unter anderem mit Regisseuren und Choreografen wie La Fura dels Baus, Achim Freyer, Henry Mason, Hermann Schneider, Johannes von Matuschka, Jörg Mannes, Jochen Ulrich, Mei Hong Lin und Matthias Davids.

ROMA JANUS DRAMATURGIE

Studium Theater- Film-, und Medienwissenschaft; Publizistik und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien. Ergänzung durch Kulturmanagement am Institut für Kulturkonzepte in Wien. Seit 2002 ist Janus vor allem als unabhängige Kulturmanagerin, Produktionsleiterin und Kuratorin tätig. Sie beginnt als Regieassistentin am Theater (u. a Stadttheater Grein) und sammelt berufliche Erfahrung als Dramaturgin und Regisseurin. Von Beginn an, an hybriden Kunstformen interessiert, führt sie ihre Arbeit in der Sparte Tanz Performance fort, wo sie sich durch kontinuierliche Kooperationen mit Künstlerinnen aus der Wiener Tanz Perfomance Szene und Institutionen wie das Tanzquartier Wien, BRUT Wien, WUK art performing arts positionieren kann und ein internationales Netzwerk aufbaut. Janus organisiert internationale Tourneen in Asien, Europa, Nord,- und Südamerika. Unter anderem arbeitet sie mit der Tanzcompany Gervasi, claudia bosse/thetercombinat, nomad.theatre, Cie. Maciej Kuzminski, Nikolaus Adler und zuletzt mit Cie. Willi Dorner zusammen. 2015 gründet sie die Agentur ROCONCEPT Performing Arts Management. 2016 ist sie Kuratorin des österreichischen Programms “Let the Artists (Not)Die“ in der europäischen Kulturhauptstadt Breslau.

Seit der Spielzeit 2020/2021 ist sie am Landestheater Linz als Tanzmanagerin und

—| Pressemeldung Landestheater Linz |—


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Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Spielplan September & Oktober 2020

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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein für alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Oper und Ballett am Rhein im September & Oktober 2020

am 11. September starten wir in die Spielzeit 2020/21 und geben Ihnen hier einen Überblick unserer Premieren und Sonderveranstaltungen im September und Oktober.

 

Oper am Rhein


Freitag, 11.09. 19.30 Uhr
Theater Duisburg
PREMIERE
Comedian Harmonists in Concert


Freitag, 18.09. 19.30 Uhr
Opernhaus Düsseldorf
PREMIERE
Comedian Harmonists in Concert

Als Hommage an die großen Stars des Close-Harmony-Gesangs präsentiert die Deutsche Oper am Rhein zu Saisonbeginn einen moderierten Konzertabend mit den beliebtesten Liedern der Comedian Harmonists. In der funkelnden Glitzerwelt der nachkriegsbewegten 1920er Jahre strahlte ihr Stern besonders hell: Das sechsköpfige Ensemble begeisterte mit einer in Deutschland bis dahin unbekannten Mischung aus frechen Unterhaltungs­schlagern und lupenreinem Harmoniegesang („Ein Freund, ein guter Freund“, „Veronika, der Lenz ist da“). Die Machtergreifung der Nationalsozialisten beendete die Erfolgsgeschichte der zur Hälfte jüdisch besetzten Formation. 1935 trennten sich die Comedian Harmonists, doch ihre Musik lebt bis heute fort.


Sonntag, 13.09. 11.00 Uhr
Opernhaus Düsseldorf,
Rangfoyer
Symphoniker im Foyer

Auch in dieser Saison ergänzt die beliebte Kammermusikreihe der Düsseldorfer Symphoniker den Spielplan durch ein erlesenes kammermusikalisches Angebot. An diesem Sonntag stehen Werke von Johann Sebastian Bach auf dem Programm, darunter sein Brandenburgisches Konzert Nr.5 D-Dur, BWV 1050 für Flöte, Solovioline, Cembalo und Streicher. Die Sopranistin Heidi Elisabeth Meier singt Bachs Kantate „Jauchzet Gott in allen Landen“ (BWV 51).


Samstag, 19.09. 19.30 Uhr
Opernhaus Düsseldorf
PREMIERE
Der Kaiser von Atlantis

Spiel in einem Akt von Viktor Ullmann
Im Konzentrationslager Theresienstadt komponierte Viktor Ullmann 1943/44 eine vielschichtige Parabel über absolute Macht, Todesangst und ihre Über­windung: Als der tyrannische Kaiser Overall den Krieg Aller gegen Alle verkündet, verweigert der Tod seinen Dienst. Fortan kann niemand mehr sterben – mit fatalen Folgen.
Generalmusikdirektor Axel Kober führt durch die Partitur, die als eindring­liches Zeugnis des engagierten künstlerischen Widerstands gegen ein tyrannisches Unrechtsregime erhalten geblieben ist. Regie führt Ilaria Lanzino, die im Januar 2020 mit dem Europäischen Opernregie-Preis (EOP) ausgezeichnet wurde.


Freitag, 02.10. 19.30 Uhr
Opernhaus Düsseldorf
PREMIERE
Vissi d’Arte – Eine Liebeserklärung an die Opernbühne

Die szenische Collage von Johannes Erath erzählt von der Wiedereroberung des Bühnenraums. Von Spielarten der Nähe, Möglichkeiten des Bühnenkusses, Stolper­kanten der abständigen Bühnenhygiene, dem Zauber des ersten Tons. Zu Musik von Puccini, Verdi, Wagner, Strauss, Offenbach und Nat King Cole entwirft er mit Sänger*innen und Orchestermusiker*innen einen Abend über die große Liebe Oper.


Donnerstag, 29.10. 19.30 Uhr
Opernhaus Düsseldorf
PREMIERE
Masel Tov! Wir gratulieren!
Komische Oper von Mieczys?aw Weinberg

Der lebendige Puls eines jeden herrschaftlichen Haushalts schlägt im Untergeschoss. Das gilt auch und ganz besonders für die mit charmant-schrägem Witz erzählte Oper „Masel Tov!“. Im hochwohlgeborenen Haus einer jüdischen Dame in Odessa steht anno 1899 die Verlobung der Tochter an, während im Souterrain bei gleichzeitiger Vorbereitung des Festessens gesehnt, geflirtet und deftig gelästert wird. Der jüdisch-polnische Komponist Mieczys?aw Weinberg („Die Passagierin“), zeigt sich in dieser Oper von seiner heiteren Seite und spielt bissig-humorvoll mit seinen musikalischen Wurzeln.


Sonntag, 04.10. 11.00 Uhr
Opernhaus Düsseldorf, Rangfoyer
Symphoniker im Foyer
Auch in dieser Saison ergänzt die beliebte Kammermusikreihe der Düsseldorfer Symphoniker den Spielplan durch ein erlesenes kammermusikalisches Angebot. An diesem Sonntag steht Ludwig van Beethovens Klavierquintett Es-Dur op. 16 für Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott auf dem Programm. David Fischer singt Beethovens Schottische Lieder op. 108 (Auswahl) für Tenor, Violine, Violoncello und Klavier.


Montag, 05.10. 19.30 Uhr
Opernhaus Düsseldorf
PREMIERE:
Rendezvous um halb 8
Ein musikalisches Blind Date

Die Deutsche Oper am Rhein lädt zum musikalischen Blind Date ins Opernhaus Düsseldorf ein. Was die Teilnehmer dort erwartet, erfahren sie erst am Abend selbst. Alles, was Sie mitbringen müssen, sind ein wenig Neugier und gute Laune. Die Oper sorgt für das stilvolle Ambiente und ein hochkarätiges Programm mit  Solist*innen aus ihrem Ensemble. Herzklopfen ist erwünscht, Verlieben nicht ausgeschlossen!


Freitag, 09.10. 19.30 Uhr
Theater Duisburg
PREMIERE:
Chorkonzert
mit dem Chor der Deutschen Oper am Rhein

Unverzichtbar für die großen und kleineren Choropern im Repertoire der Deutschen Oper am Rhein, zeigt sich der Opernchor in dieser Spielzeit überraschend anders: Auf dem Programm der insgesamt vier Chorkonzerte in Duisburg und Düsseldorf stehen Johannes Brahms‘ „Schicksalslied“ op. 54, Edward Elgars „Lux Aeterna“ und Leonard Bernsteins mitreißende „Chichister Psalms“ in einer Kammerfassung für kleine Chor- und Instrumentalbesetzung.


Sonntag, 11.10. 15.00 Uhr
Opernhaus Düsseldorf
PREMIERE:
Viva l’italianità!
Ein Abend mit Adela Zaharia, Ramona Zaharia, Bogdan Baciu und Bogdan Talo?


Freitag, 23.10. 19.30 Uhr
Theater DuisburgPREMIERE:
Viva l’italianità!
Ein Abend mit Adela Zaharia, Ramona Zaharia, Bogdan Baciu und Bogdan Talo?

Vier hochkarätige Solist*innen der Deutschen Oper am Rhein lassen den Belcanto hochleben und drücken in der Musik von Vincenzo Bellini, Gaetano Donizetti und Gioacchino Rossini die großen Gefühle der italienischen Oper aus. Von Dirigent David Crescenzi am Flügel begleitet, geben sie im Oktober sieben Konzertabende in Düsseldorf und Duisburg.


Sonntag, 25.10. 15.00 Uhr
Opernhaus Düsseldorf
PREMIERE:
Operette konzertant: Salon Pitzelberger
Ein musikalisches Glanzstück von Jacques Offenbach: Sein „Salon Pitzelberger“ ist die perfekte Bühne für den beißenden Witz und die heitere Komik, die der französischen Operette innewohnen.

Ballett am Rhein


PREMIERE:
A First DateEin Ballettabend in drei Teilen mit Choreographien von Demis Volpi, Aszure Barton, Andrey Kaydanovskiy, Mario Galizzi und José Limón

Der erste Abend des neuen Ballettdirektors Demis Volpi heißt „A First Date“ und ist – wie der Titel verrät – dem gegenseitigen Kennenlernen gewidmet. In drei inhaltlich eigenständigen Episoden tanzt die Compagnie Ausschnitte aus Volpis bisherigen Arbeiten und präsentiert dessen erste Miniatur-Uraufführung mit dem Ballett am Rhein.

Wegen der geltenden Abstandsregelungen hat Demis Volpi seine 45 Tänzerinnen und Tänzer in kleine Gruppen aufgeteilt, die jeweils eine Episode gestalten. Wer Episode 1 bis 3 besucht, lernt so die ganze Compagnie kennen. Aber selbstverständlich steht auch jeder Abend für sich und gibt einen ersten Eindruck von den neuen Handschriften, die das Ballett am Rhein künftig prägen werden.


Freitag, 11.09. 19.30 Uhr
Opernhaus Düsseldorf
Ballett am Rhein – A First Date, Episode 1:
Demis Volpi – Ausschnitte aus „Big blur“, „Chalkboard memories“, „Quasi und fantasia“, “Elegie“ / Andrey Kaydanovskiy – Ausschnitt aus „Love Song“


Samstag, 12.09.
19.30 Uhr
Opernhaus Düsseldorf
Ballett am Rhein – A First Date, Episode 2:
Demis Volpi – “Ballet Class”, Uraufführung / Mario Galizzi “Spectre de la rose” / Aszure Barton – Ausschnitt aus “Awáa”


Sonntag, 13.09. 18.30 Uhr
Opernhaus Düsseldorf
Ballett am Rhein – A First Date, Episode 3: José Limón – „Chaconne“ / Demis Volpi – Ausschnitte aus “Private light”, „Allure“, Uraufführung


Freitag, 18.09. 19.30 Uhr
Theater DuisburgBallett am Rhein – A First Date, Episode 1:
Demis Volpi – Ausschnitte aus „Big blur“, „Chalkboard memories“, „Quasi und fantasia“, “Elegie“ / Andrey Kaydanovskiy – Ausschnitt aus „Love Song“


Samstag, 19.09. 19.30 Uhr
Theater Duisburg
Ballett am Rhein – A First Date, Episode 2:
Demis Volpi – “Ballet Class”, Uraufführung / Mario Galizzi “Spectre de la rose” / Aszure Barton – Ausschnitt aus “Awáa”


Sonntag, 20.09. 18.30 Uhr
Theater Duisburg
Ballett am Rhein – A First Date, Episode 3:
José Limón – „Chaconne“ / Demis Volpi – Ausschnitte aus “Private light”, „Allure“, Uraufführung


Donnerstag, 15.10. 20.00 Uhr
Opernhaus Düsseldorf
Ballett am Rhein: Far and near are all around
Juanjo Arqués – Uraufführung / Demis Volpi – Uraufführung


Freitag, 30.10. 20.00 Uhr
Theater Duisburg
Ballett am Rhein: Far and near are all around
Juanjo Arqués – Uraufführung / Demis Volpi – Uraufführung

Um das oft unsichtbare Phänomen der Vereinsamung in einer medial eng vernetzten Welt geht es in „Far and near are all around“ – übersetzt etwa „Umgeben von Ferne und Nähe“. Juanjo Arqués, seit 2016 als Young Creative Associate für das Het Nationale Ballet Amsterdam tätig, wagt mit seiner ersten Kreation für das Ballett am Rhein einen Blick hinter scheinbar schützende Fassaden. Die zweite Uraufführung des Abends choreographiert Demis Volpi zu Caroline Shaws „Partita for 8 Voices“. In seinem Stück geht es weniger um die Vereinzelung des Menschen als vielmehr um das Herausarbeiten einer einzelnen Bewegung.


—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—


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