Osnabrück, Theater am Domhof, Dido and Aeneas – Henry Purcell, IOCO Kritik, 14.10.2020

Oktober 13, 2020 by  
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Theater Osnabrück

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Dido and Aeneas – Henry Purcell

Abschied von Liebe und Leben  –  Glänzende Spielzeiteröffnung mit Barockoper

von Hanns Butterhof

Im Theater am Domhof startet das Musiktheater glänzend mit der Barockoper Dido and Aeneas von Henry Purcell (etwa 1658 – 1695) und seinem Librettisten Nahum Tate in die neue Spielzeit. Die Regie von Dirk Schmeding holt das selten gespielte Werk aus der antiken Götter- und Heldenwelt stimmig in die Gegenwart, getragen vom feinen Barockklang der Osnabrücker Symphoniker unter Daniel Inbal.

Im Theater am Domhof geht es vor allem um Dido, Königin von Karthago. Sie ringt mit sich, ob sie ihrer wachsenden Liebe zu dem Trojanerhelden Aeneas nachgeben oder ihrem Gatten gemäß der Sitte über dessen Tod hinaus die Treue bewahren soll.

Dido and Aeneas im Theater Osnabrück
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Die Bühne Martina Segnas ist ein vollendeter Ausdruck dieses Konflikts. In einem Kubus von der Größe einer Gefängniszelle befindet sich Dido (Susann Vent-Wunderlich). In einem zweiten links daneben drängen sie ihre beiden Beraterinnen (Marie-Christine Haase und Gabriella Guilfoil), ihrem Gefühl zu folgen. In einem dritten Kubus rechts mahnt sie ein streng konservatives Quartett (Elena Soares da Cruz, Kathrin Brauer, Mario Lee und Seokwon Oh) zur Treue. Dass alle den gleichen weißen Mantel wie Dido tragen (Kostüme: Frank Lichtenberg), weist sie deutlich als Verkörperungen ihres inneren Konflikts aus.

Schmedings sinniger Verzicht auf Vorgeschichte und Götterwelt zeigt Dido nicht als Opfer übersinnlicher Kräfte. Susann Vent-Wunderlich gibt mit dramatischem Sopran einer Frau Format, die sich zwischen ihrer Sehnsucht nach Liebe und ihrer sie einengenden, verbietenden Moral aufreibt. Dass ihr Aeneas (Jan Friedrich Eggers) nach der ersten gemeinsamen Nacht seine Abreise am anderen Morgen ankündigt, trifft sie zutiefst und verschafft der Moral das Übergewicht gegen ihre Liebe. Mit einer ergreifenden Wehklage nimmt sie von Liebe und Leben Abschied.

 Theater am Domhof / Dido and Aeneas - hier : Dido mit Ratgebern, vl Marie-Christine Haase, Gabriella Guilfoil, Susann Vent-Wunderlich © Jörg Landsberg

Theater am Domhof / Dido and Aeneas – hier : Dido mit Ratgebern, vl Marie-Christine Haase, Gabriella Guilfoil, Susann Vent-Wunderlich © Jörg Landsberg

Der Aeneas von Jan Friedrich Eggers, dessen kräftiger Bariton kühl bleibt, ist eine schwer greifbare Figur, dunkel gekleidet und mit Gepäck als Flüchtender gezeichnet. Er hat im Gegensatz zu Dido keinen inneren Fürsprecher für die Liebe. Der böse Zauberer (Rhys Jenkins mit seinem finstersten Bass) und seine giftig kichernden Hexen in den schwarzen Mänteln, die Dido und die ihr Zugeordnten in Weiß tragen, sind nur Projektionen seiner Fluchtgedanken. Sie geben Aeneas unisono den Befehl zum Abschied.

 Theater am Domhof / Dido and Aeneas - hier : Aeneas wirbt um Dido Äneas wirbt um Dido, Jan Friedrich Eggers und Susann Vent-Wunderlich © Jörg Landsberg

Theater am Domhof / Dido and Aeneas – hier : Aeneas wirbt um Dido Äneas wirbt um Dido, Jan Friedrich Eggers und Susann Vent-Wunderlich © Jörg Landsberg

Die Regie von Dirk Schmeding gibt keine eindeutige Antwort auf seine Motive und die Didos, sondern lässt dankenswert Raum für Mitgefühl und Fragen. Auch die Musik, mit der die Osnabrücker Symphoniker unter Daniel Inbal feinsinnig und mit schönem Barockklang tänzerischem Jubel wie auch tiefer Trauer Ausdruck gegeben haben, beklagt auf den ersten Blick nur Didos Liebes- und Lebensverzicht. Doch wenn im finalen Chor Amor Blumen auf ihr Grab streut, beklagt sie vielleicht auch eine zu männliche und konventionelle Welt, in der Liebe nachrangig ist.

Nach siebzig fesselnden Minuten mit englischem Gesang bei deutschen Übertiteln feierte das Premierenpublikum das Gesangsensemble, den von Sierd Quarré einstudierten Chor, Daniel Inbal mit den Osnabrücker Symphonikern, vor allem die fürs Continuo sorgenden Susanne Peuker an Theorbe und Barockgitarre, Lavinia Reck am Violoncello und Eline Brys am Cembalo, sowie das Regieteam mit langanhaltendem Jubel.

Dido and Aeneas; die nächsten Termine: 13., 14. und 15.10.2020, jeweils 19.30 Uhr im Theater am Domhof 

Karten unter:    karten@theater-osnabrueck.de    oder 0541-7600076

—| IOCO Kritik Theater Osnabrück |—

Osnabrück,Theater Osnabrück, Marguerite Donlon – Direktorin dance company, IOCO Aktuell, 06.10.2020

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Theater Osnabrück

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Marguerite Donlon – Direktorin der dance company – Ab 2021/22

Ulrich Mokrusch, designierter Intendant des Theater Osnabrück (IOCO berichtete) stellt Marguerite Donlon vor: neue Direktorin der Tanzsparte des Theaters ab 2021

Die im irischen Longford geborene Marguerite Donlon zählt zu den erfolgreichsten und innovativsten zeitgenössischen Choreographinnen. Bekannt für Tiefgründigkeit und Humor gleichermaßen, begeistert sie mit ihren Werken ein außergewöhnlich breites Publikum. Mit stilistischem Einfallsreichtum, irischem Esprit und der Verbindung unterschiedlicher Kunstformen hat sie sich einen festen Platz in der internationalen Tanzszene erobert.

Nach ihrer Ballettausbildung war sie als Tänzerin/Solistin u.a. beim English National Ballet und im Ballett der Deutschen Oper Berlin engagiert, wo sie mit Tanzgrößen wie Rudolf Nurejew und Sir Kenneth MacMillan zusammenwirkte und in Werken u.a. von Maurice Béjart, William Forsythe und Jirí Kylián auftrat.

Theater Osnabrück / Marguerite Donlon, Direktorin der dance company ab Herbst 2021 © Maria Helena Buckely

Theater Osnabrück / Marguerite Donlon, Direktorin der dance company ab Herbst 2021 © Maria Helena Buckely

Von 2001-2013 war Marguerite Donlon Ballettdirektorin und Chefchoreographin am Saarländischen Staatstheater Saarbrücken, wo sie mit ihrer Donlon Dance Company ein vielseitiges Repertoire erarbeitete und damit auch auf internationale Gastspielreisen ging. Im Rahmen ihrer weltweiten Tätigkeit als Gastchoreographin führten die Künstlerin Verpflichtungen u.a. ans Nederlands Dans Theater II, zum Stuttgarter Ballett, zum Ballett der Wiener Staatsoper, zu Hubbard Street Dance, Chicago und zur Companhia Nacional Bailado, Portugal. Seit der Spielzeit 2019/20 ist Marguerite Donlon Ballettdirektorin am Theater Hagen.

„Mit Marguerite Donlon kommt eine starke Künstlerin an das Theater Osnabrück, die mit ihrer großen internationalen Erfahrung und ihrer äußerst theatralen chorographischen Handschrift das Tanztheater in Osnabrück weiterentwickeln wird“, so der designierte Intendant Ulrich Mokrusch.

Das Theater Hagen bedauert den Verlust von Marguerite Donlon zutiefst. Marguerite Donlon bedankt sich für ihre Tätigkeit am Theater Hagen:  HIER! folgend die offizielle Verlaubarung des THEATER HAGEN:

Theater Hagen @ Theater Hagen

Theater Hagen @ Theater Hagen

Marguerite Donlon, seit Sommer 2019 Ballettdirektorin in Hagen, wird zum Ende der Spielzeit 2020/21 das Theater Hagen verlassen, um die Ballettdirektion am Theater Osnabrück zu übernehmen. Francis Hüsers, Intendant des Theaters Hagen, hierzu:

„Ich bedauere den Weggang von Marguerite Donlon außerordentlich. In der Zeit unserer Zusammenarbeit am Theater Hagen hat sie bereits Großartiges geleistet und auch unter den schwierigen Bedingungen der Corona-Pandemie Ballett-Produktionen realisiert, mit der sich die überaus hohe Qualität der Tanzsparte am Theater Hagen erneut bewiesen hat. Marguerite Donlon hat der Ballett-Compagnie damit schon jetzt entscheidende Impulse gegeben, auf die wir unter einer neuen Ballettdirektion werden aufbauen können. Ich bin daher zuversichtlich, dass wir die Nachfolge zum Wohl des Balletts Hagen gestalten können. Der Tanz wird in Hagen auch in Zukunft eine starke, deutlich sichtbare und künstlerisch herausragende Sparte sein.

Marguerite Donlon zur Entscheidung ihres Wechsels von Hagen nach Osnabrück:

„Mitten in meiner ersten Spielzeit hier in Hagen sind zwei unerwartete Dinge passiert: Covid-19 und eine Einladung, die Position der Ballettdirektion in einem brandneuen Team am Theater Osnabrück zu übernehmen, die ich angenommen habe. Ich bin Francis Hüsers und meinen Kollegen am Theater Hagen dankbar für alles, was wir in unserer gemeinsamen Zeit erreichen konnten. Ausschlaggebend dafür war die große Unterstützung unserer Mitarbeiter*innen am Theater, des Ballettmeisters Francesco Vecchione, der Companymanagerin Waltraut Körver und natürlich der Ballettfreunde Hagen.

Marguerite Donlon und – Schwäne falten für den Schwanensee
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Vor allem möchte ich unserem begeisterten Publikum danken, das uns immer wieder zeigt, wie sehr es unser hervorragendes Ensemble wertschätzt. Auch wenn ich traurig bin, diese hervorragenden Tänzerinnen und Tänzer zu verlassen, bin ich zuversichtlich, dass die Energie und der Enthusiasmus des Hagener Publikums das Ensemble auch in Zukunft unter einer neuen Leitung beflügeln wird und dass das Ballett Hagen weiterhin ein wichtiger und positiver Faktor in der Stadt sein wird. Ich werde natürlich mit 100%igem Engagement und Enthusiasmus bis zum Sommer 2021 weitermachen und Projekte, die ich in Hagen initiiert habe – wie die Jugendcompany iMove HA, SubsTanz, und ZeichenTanz – werden weiterleben.“

Zur Neubesetzung der Ballettdirektion am Theater Hagen wird eine Stellenausschreibung und ein entsprechendes Auswahlverfahren erfolgen.

—| IOCO Aktuell Theater Osnabrück |—

Osnabrück, Theater Osnabrück, Spielplan 2020/21 – Mephisto, Das Narrenschiff und viel mehr, IOCO Aktuell, 01.07.2020

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Theater Osnabrück

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

      Theater Osnabrück –  Spielpan 2020/21 

– Ein Theater auf der Suche nach Gemeinschaft –

von Hanns Butterhof

Dr Ralph Waldschmidt © Hanns Butterhof

Dr Ralph Waldschmidt © Hanns Butterhof

In diesen Corona-Zeiten ist vieles anders als üblich, da macht auch die Vorstellung des Spielplans für die kommende Theatersaison keine Ausnahme. In gebotenem Abstand verteilt sich das Leitungsteam auf die ganze Breite der Bühne des Theaters im Domhof, während sich im Zuschauerraum ein gutes Dutzend Journalisten als „Testpublikum“ verliert, wie der gutgelaunte, zum Ende der Spielzeit scheidende Intendant Dr. Ralf Waldschmidt scherzt.

Waldschmidts sichtlich entspannter Auftritt hat mehrere gute Gründe. Zum einen ist die Finanzierung durch das Land bis 2023 gesichert, und die Zusagen der Stadt bis 2024 werden in Kürze erwartet, wie der Kaufmännische Direktor Matthias Kühn mitteilt. Zum andern kann er sich auf die Wiederaufnahme des Spielbetriebs mit einem durchaus ansehnlichen Programm freuen. Waldschmidt stellt es unter das Motto „Gemeinschaft suchen“, wohl nicht zuletzt wegen der unter den Corona-Bedingungen sichtbar gewordenen Spaltung der Gesellschaft.

Die erste Spielzeithälfte weist noch deutlich coronabdingte Formen auf.  Die Stücke sind nicht länger als 80 bis 90 Minuten und werden in dem etwa 600 Plätze bietenden Saal vor etwa 150 zugelassenen Zuschauern ohne Pause gespielt. Optimistisch wird für die zweite Hälfte am alten, vor Corona aufgestellten Spielplan festgehalten.

Im Schauspiel steuern Direktor Dominique Schnizer und Jens Peters weiter ihren „Kunst-muss-politisch-bleiben“-Kurs. Am Großen Haus bieten sie mit Klaus Manns Mephisto, Katherine Anne Porters Das Narrenschiff und Erich Maria Remarques Die Nacht von Lissabon gleich drei Roman-Adaptionen an, dazu Lutz Hübners und Sarah Nemitz‘ Komödie„Willkommen“ sowie Rebekka Kricheldorfs Krimi Das Waldhaus, der ins Milieu von Verschwörungstheoretikern führt.

Ballettchef Mauro de Candia und Dramaturgin Patricia Söckemann © Hanns Butterhof

Ballettchef Mauro de Candia und Dramaturgin Patricia Söckemann © Hanns Butterhof

Nur Digitales gibt es vorerst im emma-theater, Goethes Götz von Berlichingen und die  Krimi-Serie Tödliche Entscheidung, bei der das Publikum am Ende jeder Folge über den Fortgang mitbestimmen kann. Erst für das kommende Jahr sind mit Die Osnabrück-Bücher von Hélène Cixous,  Kriegerinnen von  Ron Zimmering und Julian Mahid Carly-Hossains Stück Verbindungsfehler analoge Projekte vorgesehen.

Für das Musiktheater lobt GMD Andreas Hotz an den Einschränkungen, dass sie kürzere Werke ins Licht rücke, die sonst selten zu erleben und hygienekonform in kleiner Besetzung aufführbar sind. Man darf sich auf Henry Purcells Barockoper Dido und Aeneas, Franz von Suppés Operette Die schöne Galathea und Leonard Bernsteins Musical Trouble in Tahiti freuen. Für Richard Wagners Die Meistersinger von Nürnberg ist im März 2021 dann wieder großes Orchester vorgesehen.

Giselle – Uraufgeführt im Theater Osnabrück – wieder auf dem Spielplan
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Im Tanztheater macht Tanzchef Mauro de Candia mit seiner Uraufführung Kunstraub die für den ganzen Kunst-Betrieb extrem hinderlichen Abstands- und Hygieneregeln zum Thema. Ein Höhepunkt wird Mozarts Requiem sein, bei dem Dance-Company, Oper, Schauspiel und das Osnabrücker Symphonieorchester zusammenwirken.

GISELLE _ hier die Rezension von Hanns Butterhof / IOCO

Mitglieder der Dance-Company werden sich wieder in Open Windows 9 als Choreografen präsentieren, und Vasna Aguilar und Fernando Melo steuern als Gäste den Doppelabend „Beginning / After“ bei. Mit der 2. Tanzwoche und der abschließenden 8. Tanzgala endet auch für Mauro de Candia und seine Dramaturgin Patricia Stöckemann nach neun sehr erfolgreichen Spielzeiten ihre letzte am Theater Osnabrück.

Für die zehn Konzerte hebt Andreas Hotz Weltstars als Gäste wie auch die inhaltliche Öffnung hin zur Weltmusik hervor. Dazu verweist er auf das vielfältige weitere Angebot, von der Kammermusik-, Schloss- und der Familienkonzert-Reihe bis zu den Kleinst-Kind-Konzerten. Das Publikum kann sich auf eine in vielerlei Hinsicht spannende Spielzeit 20/21 freuen.

Das Heft zur Spielzeit 2020/21 und eine  Spielplan-Präsentation als Video gibt es unter www.theater-osnabrueck.de

—| IOCO Aktuell Theater Osnabrück |—

Osnabrück, Theater am Domhof, Giselle – Ballett – Mauro de Candia, IOCO Kritk, 04.03.2020

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Theater Osnabrück

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Giselle – Dance Company – Mauro de Candia

– Tödlich zerstörtes Vertrauen –

von Hanns Butterhof

Giselle ist eine Ikone des romantischen Balletts. 1841 wurde es am Königlich Akademischen Musiktheater in Paris zu dem Libretto Vernoy de Saint-Georges und anderer zur Musik von Adolphe Adam uraufgeführt. Im Theater am Domhof hat es jetzt Mauro de Candia entromantisiert und aus der feudalen Gesellschaft mit ihren Standesunterschieden in eine zeitlose Gegenwart versetzt. Mit dem live vom Osnabrücker Symphonieorchester unter Daniel Inbal musikalisch unterstützten und begeisternd tanzenden Ensemble der Dance Company hat de Candia einen wunderbaren Tanzabend geschaffen.

Theater am Domhof Osnabrück / Giselle - hier : Giselle und Albrecht sind verliebt - Marine Sanchez Egasse, Hampus Larsson © Joerg Landsberg

Theater am Domhof Osnabrück / Giselle – hier : Giselle und Albrecht sind verliebt – Marine Sanchez Egasse, Hampus Larsson © Joerg Landsberg

Auf der schwarz ausgeschlagenen Bühne mit ihrer kargen Kulisse von einigen Birken konzentriert sich de Candia auf die vier Protagonisten des  Balletts, Albrecht (Hampus Larsson), seine Verlobte Bathilde (Ana Torre), Giselle (Marine Sanchez Egasse) und Hilarion (Neven Del Canto).

Zu Beginn sieht man Albrecht, einen schönen Mann, und die herbe Bathilde beim zärtlichen Liebesspiel. Doch bei einem Volkstanz verliebt sich Albrecht in Giselle, ein elfenhaftes Mädchen in schlicht graugrünem Kleid. Sie hatte gerade die aufdringlichen Annäherungsversuche von Hilarion zurückgewiesen und gibt sich nun vertrauensvoll Albrecht und seinen eindringlichen Liebesbeteuerungen hin.

Voller Eifersucht entschleiert daraufhin Hilarion die Gebundenheit Albrechts an Bathilde, und Giselle zerbricht an dem zerstörten Vertrauen. Alles ist jetzt gebrochen; die Musik setzt aus, Tanzschritte werden nicht zu Ende geführt, nichts fügt sich mehr. Giselles Freundinnen versuchen noch sie aufzurichten und gegen Albrecht abzuschirmen, der es dann vergeblich wieder mit Bathilde versucht. Aber Giselle kann sich fast nur noch auf dem Boden winden. Sie steht nur noch auf, um im unschuldig weißen Unterkleid berührend ins gleißende Licht, in den Tod zu gehen.

Theater am Domhof Osnabrück / Giselle - hier : Marine Sanchez Egasse ist Gislle. © Joerg Landsberg

Theater am Domhof Osnabrück / Giselle – hier : Marine Sanchez Egasse ist Gislle. © Joerg Landsberg

Intime Szenen mit werbendem Umtanzen, weite Sprünge des sich Produzierens und zärtlichste Nähe mit weicher Hingabe wechseln sich mit dynamischen, kraftvollen und bis zum Artistischen gehenden Volksszenen ab. De Candia erweist sich dabei als einfühlsamer Psychologe, der die inneren Zustände und die äußeren Beziehungen wortlos deutlich in Tanz, Raumaufteilung und Licht zum Ausdruck bringt.

Das Ensemble der Dance Company leistet in der ersten, schon mit großem Beifall bedachten Stunde sowie in den vierzig folgenden Minuten des zweiten Aktes Schwerstarbeit. Es verdient sich mit der ergreifend tanzenden Marine Sanchez Egasse, Hampus Larsson, Ana Torre und  Neven Del Canto den dankbaren, schließlich stehend dargebrachten Beifall des Premierenpublikums.

Der galt auch dem Osnabrücker Symphonieorchester, mit dem Daniel Inbal die ganze Breite des von Adolphe Adam aufgebotenen musikalischen Materials von knalligem Offenbach bis ätherischem Wagner passend zum Ballett entfaltete.

Mit Giselle hat de Candia eine eigenständige, im tänzerischen Ausdruck ihrer psychologischen Wahrheit absolut zeitgemäße Fassung des phantastischen Balletts choreographiert, das wunderbar neben dessen klassischen Formen bestehen kann.

—| IOCO Kritik Theater Osnabrück |—

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