Hagen, Theater Hagen, ERSTAUFFÜHRUNG EVEREST VON JOBY TALBOT, 05.05.2018

Mai 3, 2018 by  
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Theater Hagen

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

EVEREST
OPER IN EINEM AKT – MUSIK VON JOBY TALBOT / TEXT VON GENE SCHEER
In englischer Sprache mit deutschen Übertexten

EUROPÄISCHE ERSTAUFFÜHRUNG/Premiere:: Samstag, 5. Mai 2018, 19.30 Uhr, Theater Hagen, Großes Haus

Am 5. Mai 2018 findet im Theater Hagen (Großes Haus, 19.30 Uhr) die Europäische Erstaufführung der Oper „Everest“ von Joby Talbot (Musik) und Gene Scheer (Text) statt.

Theater Hagen / EVEREST - Musa Nkuna (Rob Hall), Kenneth Mattice (Doug Hansen), Chor des Theaters Hagen. © Klaus Lefebvre.

Theater Hagen / EVEREST – Musa Nkuna (Rob Hall), Kenneth Mattice (Doug Hansen), Chor des Theaters Hagen. © Klaus Lefebvre.

Dem erfolgreichen, 1971 geborenen britischen Komponisten Joby Talbot, der sich vor allem mit Werken für Film und Ballett einen Namen gemacht hat, gelang mit der Uraufführung seiner Oper „Everest“ 2015 in Dallas ein großer Erfolg. Die Oper ist inspiriert von realen Ereignissen auf dem Mount Everest im Jahr 1996. Die Expeditionen, die zum Gipfel unterwegs waren, gerieten damals in einen Schneesturm und viele starben in den eisigen Höhen. Der Berg zieht Menschen aus aller Welt dennoch weiterhin magisch an.

Regisseur Johannes Erath will kein „Doku-Drama“ auf die Bühne hieven. Ihn interessiert es, hinter die realen Vorgänge zu blicken, in die Seelen der Menschen, denn auch hier klaffen Abgründe… So wird der Berg zu einer Metapher und das „Bezwingen“ desselben zu einem Bild für das Abarbeiten an den eigenen höchsten Herausforderungen: der Überwindung innerer Zwänge, Schwächen oder Suchtpotentiale.

Das Bergsteigen, das nach immer weiteren Herausforderungen verlangt, nach einem immer stärkeren Kick, zeigt so alle Anzeichen einer Sucht, und hält wie nebenbei einen ganzen Geschäftszweig am Laufen. 65 000 Dollar bezahlte Beck Weathers 1996 seinem Bergführer Rob Hall, um auf das „Dach der Welt“ zu gelangen, gekostet hätte es ihn beinahe das Leben. Die Todesnähe und schließlich die Entscheidung, der Hoffnungslosigkeit entgegenzutreten, markierten in vielerlei Hinsicht eine Kehrtwende im Leben von Weathers. Doug Hansen dagegen erliegt den Herausforderungen. Für Rob Hall spitzt sich die Lage auf dem Gipfel zu und spiegelt jene Ausnahmesituation, in der er sich als werdender Vater befindet.

Die recht realistische Handlung der Oper erweitert Erath in eine zeitenübergreifende Atmosphäre. Er assoziiert den Everest als „Zauberberg“ und rückt das Gesellschafts-panoptikum in ein Ambiente wie bei Thomas Mann. Die Moribunden des Romans, die in den Gefilden der Schweizer Alpen ihr Leiden zu ihrem Lebensinhalt machen, haben mit den todgeweihten Bergsteigern einiges gemeinsam: Es ist eine Art Sucht, die sie nicht mehr loslässt und in der Abgeschiedenheit festhält, eine Flucht vor dem Leben, eine Flucht vor der Realität. Für alle ist die Verlockung groß, ein Leben lang zu bleiben, wo Zeit keine Rolle mehr spielt, nur die Atemzüge gezählt werden, die Atemzüge aber auch gezählt sind… Die Zeit ist aus den Angeln gehoben, und wie könnte man das besser ausdrücken als mit Musik. Die Oper vermag, die Zeit scheinbar anzuhalten: ein Atemzug wird zu einer Arie, ein Gedankenblitz zur Traumsequenz einer ganzen Szene. Die Musik gibt den Pulsschlag vor, verlangsamt oder beschleunigt ihn.

Der Abend verspricht eine spannende Reise in die Innenwelten der Protagonisten zu werden: in euphorische Höhen und tiefe Abgründe, die dem Publikum mitunter eisige Schauer über den Rücken laufen lassen.

In der Inszenierung von Johannes Erath, dem Bühnen- und Kostümbild von Kaspar Glarner, ergänzt von Videoprojektionen von Bibi Abel, singen und spielen unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Joseph Trafton: Pauline Engelhaupt, Veronika Haller, Sebastian Joest, Kenneth Mattice, Morgan Moody, Wolfgang Niggel, Musa Nkuna, Elizabeth Pilon; Chor des Theaters Hagen, Philharmonisches Orchester Hagen.

Gefördert im Rahmen von Fonds Neues Musiktheater 2018 NRW Kultursekretariat Wuppertal.

Weitere Vorstellungen: 18.5.; 1.6., 8.6., 21.6., 27.6.; 1.7. (15 Uhr) 2018 – jeweils 19.30 Uhr, soweit nicht anders angegeben

Karten an der Theaterkasse, unter Tel. 02331-207-3218 oder www.theaterhagen.de, an allen Hagener Bürgerämtern, Tel. 02331 207- 5777 sowie bei den EVENTIM-Vorverkaufsstellen.

Der Komponist Joby Talbot wird bei der Premiere anwesend sein und davor im Rahmen der Einführungsveranstaltung Einblicke in seine Arbeit geben: 5.5.2018, 18.30 Uhr, Theatercafé (Eintritt frei).

—| Pressemeldung Theater Hagen |—

Hagen, Theater Hagen, Siebtes Kammerkonzert, 22.04.2018

April 20, 2018 by  
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Theater Hagen

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

 

Siebtes Kammerkonzert am Sonntag, 22. April 2018 um 11.30 Uhr im Auditorium im Kunstquartier Hagen

Werke von Antonio Vivaldi

Programm: Antonio Vivaldi: Triosonate g-Moll für Flöte, Oboe, Fagott und Basso continuo RV 103; Concerto g-Moll für Flöte, Oboe, Fagott, Violine und Basso continuo RV 105; Concerto F-Dur für Flöte, 2 Violinen und Basso continuo RV 434; Largo für Flöte, 2 Violinen, Viola, Violoncello und Basso continuo RV 443; Triosonate für Oboe, Violoncello und Basso continuo RV 83; Santo Sepolcro für 2 Violinen, Viola, Violoncello und Basso continuo RV 169; Concerto für Violoncello, 2 Violinen, Viola und Basso continuo RV 418

Interpreten: Inga Vollmer (Blockflöte), Rebecca Bröckel (Oboe), Friedhelm Grote (Fagott), Magdalena Rozanska, Yang Zhi (Violine), Olga Rovner (Viola), Rolf Petrich (Violoncello), Andrey Doynikov (Cembalo)

Das siebte Kammerkonzert des Philharmonischen Orchesters Hagen findet am Sonntag, 22. April 2018 um 11.30 Uhr im Auditorium im Kunstquartier Hagen statt. An diesem Vormittag kann man das vielfältige Schaffen des italienischen Barockkomponisten Antonio Vivaldi erleben. Die gemischte Besetzung mit Bläsern und Streichern sorgt dabei für ein abwechslungsreiches Hörvergnügen. Auf dem Programm stehen folgende Werke: Triosonate g-Moll für Flöte, Oboe, Fagott und Basso continuo RV 103; Concerto g-Moll für Flöte, Oboe, Fagott, Violine und Basso continuo RV 105; Concerto F-Dur für Flöte, 2 Violinen und Basso continuo RV 434; Largo für Flöte, 2 Violinen, Viola, Violoncello und Basso continuo RV 443; Triosonate für Oboe, Violoncello und Basso continuo RV 83; Santo Sepolcro für 2 Violinen, Viola, Violoncello und Basso continuo RV 169; Concerto für Violoncello, 2 Violinen, Viola und Basso continuo RV 418. –    Diese werden präsentiert von: Inga Vollmer (Blockflöte), Rebecca Bröckel (Oboe), Friedhelm Grote (Fagott), Magdalena Rozanska, Yang Zhi (Violine), Olga Rovner (Viola), Rolf Petrich (Violoncello), Andrey Doynikov (Cembalo).

Vor Beginn des Konzertes besteht wie gehabt die Möglichkeit, um 11 Uhr an einer, dieses Mal von Dr. Christine Kracht gestalteten Kurzführung teilzunehmen (Treffpunkt: Foyer des Kunstquartiers). Darin geht es um das Thema „Bildstickereien aus den Jahren 1906 und 1909“ von Christian Rohlfs.

Für die Teilnehmer an dieser Kurzführung sind Plätze in der ersten Reihe für das Konzert reserviert.

—| Pressemeldung Theater Hagen |—

Hagen, Theater Hagen, Ballettpremiere CINDERELLA, 14.04.2018

April 13, 2018 by  
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Theater Hagen

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

CINDERELLA – Ballett von Alfonso Palencia

Nach dem Märchen von Charles Perrault, Musik Sergej Prokofjew

Uraufführung/Premiere: Samstag, 14. April 2018, 19.30 Uhr

Als zweite Ballettpremiere kommt in dieser Spielzeit das beliebte Handlungsballett Cinderella (nach der Erzählung von Charles Perrault) mit der ausdrucksvollen, facettenreichen, live gespielten Musik von Sergej Prokofjew am 14. April 2018, 19.30 Uhr, im Theater Hagen (Großes Haus) heraus.

Theater Hagan / Cinderella - (vlnr): Ciro Iorio, Da Ae Kim (Cinderella), Alexandre Démont. © Klaus Lefebvre

Theater Hagan / Cinderella – (vlnr): Ciro Iorio, Da Ae Kim (Cinderella), Alexandre Démont. © Klaus Lefebvre

Cinderella (Aschenputtel, Aschenbrödel) gehört zu den bekanntesten Märchen der Welt. Die berührende Geschichte bewegt immer wieder aufs Neue: Nach dem Tod der so geliebten Mutter lebt Cinderella im Hause des Vaters und dessen neuer Frau und deren zwei Töchtern. Von morgens bis abends muss sie putzen und aufräumen und wird von der Stiefmutter und den Stiefschwestern alles andere als nett und freundlich behandelt. Die Familie ist zu einem großen Ball am Hofe eingeladen – der Prinz will heiraten und ist auf der Suche nach einer passenden Frau –, doch Cinderella darf nicht mit. Aber Mithilfe von Feen, die sie mit einem wunderschönen Kleid und Tanzschuhen ausstatten, gelingt es ihr doch, den Ball zu besuchen, und sie fasziniert sofort die Gäste und vor allem den Prinzen. Allerdings endet der ‚Zauber‘ um Mitternacht, dann muss sie wieder zuhause sein… Wird es dennoch für sie eine gemeinsame Zukunft mit dem Prinzen geben?

Alfonso Palencia, mit Beginn der Spielzeit 2017/18 Ballettdirektor am Hagener Theater, präsentiert mit der choreographischen und szenischen Umsetzung dieses populären Werkes sein erstes abendfüllendes Handlungsballett in einer modernen Version, die der Geschichte gemäß reich an poetischen, tragischen wie komischen Elementen ist. Geführt von den Erinnerungen an die verstorbene Mutter verfolgt Cinderella ihren Weg auf der Suche nach einer aufrichtigen Liebe – ein Weg, der von Ablehnung, Zweifeln, Leiden, aber auch Hoffnung und glücklichen Momenten geprägt ist.

Der Dramaturgie und der Partitur treu bleibend erzählen und interpretieren Alfonso Palencia sowie der ehemalige Tänzer und seit vielen Jahren als international gefragter Bühnen- und Kostümbildner tätige Dorin Gal dieses Märchen aus ihrer eigenen Sicht in einer anspruchsvollen, die Vergangenheit wie Gegenwart berücksichtigenden Ästhetik und Phantastik. Die visuelle Umsetzung wird durch fantasievolle Projektionen des Videokünstlers Rasmus Freese ergänzt. Das Licht hat Martin Gehrke gestaltet, die musikalische Einstudierung und Leitung hat der Erste Kapellmeister und stellvertretende Generalmusikdirektor Rodrigo Tomillo.

Es tanzt das Ballett Hagen, es spielt das Philharmonische Orchester Hagen.

Cinderella am Theater Hagen Weitere Vorstellungen: 19.4., 29.4. (18 Uhr), 4.5., 11.5., 19.5., 27.5. (15 Uhr), 30.5., 6.6., 10.6. (15 Uhr), 28.6.2018 – jeweils 19.30 Uhr, soweit nicht anders angegeben.

—| Pressemeldung Theater Hagen |—

Hagen, Theater Hagen, Das schlaue Füchslein von Leos Janacek, IOCO Kritik, 31.3.2018

April 1, 2018 by  
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Theater Hagen

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Das schlaue Füchslein von Leos Janacek

 Hochhausdschungel – Ein Wald aus zahllosen Leitern

Von Viktor Jarosch

Leos Janacek, 1854 – 1928, lebte zumeist im tschechischen Brünn, abgeschieden von den großen Orten europäischer Musikkultur; er war scheu, vielleicht eigenbrötlerisch. Seine Werke wurden erst in den späten Jahren seines Lebens bekannt, wurde Janacek populär. Das schlaue Füchslein ist auch ein Spätwerk, 1824 in Brünn uraufgeführt; Janacek war bereits 70 Jahre. Die Entstehung: Der Zeichner Stanilav Lolek hatte Comic – Bilder, „aus dem Leben eines Fuchses“ gemalt; der Redakteur, Rudolf Tesnohlidek (1882 – 1928) formte aus diesen Zeichnungen einen ersten Cartoon, eine Art „slawischem Sommernachtstraum“, welcher  Tier- und Menschenwelten liebevoll verknüpft, Parallelen beschreibt und kunstvoll die Nähe des Menschen zum Tier zeichnet. Der  erfolgreiche Cartoon verleitete Leos Janacek zu seiner Komposition in welcher Moderne und Folklorismus, romantische Oper und Filmmusik eine Mischung eingehen.

Theater Hagen / Das schlaue Füchslein - hier: Dorothea Brandt als Füchslein Schlaukopf und der Kinderchor des Theater Hagen @ Klaus Lefebvre

Theater Hagen / Das schlaue Füchslein – hier: Dorothea Brandt als Füchslein Schlaukopf und der Kinderchor des Theater Hagen @ Klaus Lefebvre

Das schlaue Füchslein, es klingt nach einer familientauglichen Kinderoper; doch tatsächlich ist es alles andere als das. Es ist eine tiefsinnige Parabel, in welcher sich Menschen, meist ein Förster, in  Natur und Tieren spiegeln. Realer Alltag, Ängste, Träume, Unterbewusstes und Handeln in lyrische Klangfarben zaubert. Menschen zeigen ihr unfertiges Wesen in dem das Unterbewußte eigentlich herrscht; die Tiere dieser Oper handeln tierisch real, vernünftig, nicht märchenhaft schwärmend.

Das Theater Hagen stimmt seine Besucher mit einem sinnigen Bühnenprospekt ein, dessen Mitte die originelle Karikatur eines Fuchsgesichtes zeigt. Das dann sichtbar werdende erste Bühnenbild ergreift: Regisseurin Mascha Pörzgen gestaltet im Schlauen Füchslein das Wesen von Menschen und Tiere als Ausdruck unserer  Fantasien, aber mit fließenden Grenzen. Wenngleich der Förster, ein Mensch, scheinbares Zentrum der Handlung zu sein scheint, ist er schwach, scheitert er; wirkt er wie alle menschlichen Wesen unfertig. Die Regie von Pörzgen macht im Theater Hagen die Füchsin Schlaukopf, das  natürlich wirkende Tier, die Natur zu den kreativ gestaltenden, zu wahren höheren Wesen. Wirken menschlich vernünfitg; „scharren nicht im Dreck“.  Mascha Pörzgen nutzt für ihre Inszenierung auch die Möglichkeiten der Drehbühne des Theater Hagen.  Der Wechsel zwischen einzelnen Bühnenbildern, von Mensch zu Tier zu Mensch, ist bruchlos, fließend, natürlich.

Der Förster, verheiratet, ruht in einem expressionistisch aktuell wirkenden „Leiterwald“. Einem Hochhausdschungel gleich ragen mit zahllose Leitern hoch hinauf, tragen symbolisierte grüne Baumkronen (Bühne und Kostüme Christof Cremer). Der Förster träumt  sehnsuchtsvoll von der schönen – nie auftretenden – Terynka, welche neu in sein Leben getreten ist. Tiere des Waldes umspielen ihn, eine Libelle als Fensterputzer macht vermeintliche Scheiben sauber. Ein Frosch weckt den Förster, springt ihm auf die Nase. Der Förster fängt fängt eine Füchsin, die Füchsin Schlaukopf, nimmt sie auf seinen Hof, wo sie alles „Elend der menschlich tierischen Welt“ erlebt: Die Försterin schlägt sie, die Kinder ärgern sie, ein lüsterner Dackel, den Förster metaphorisch darstellend, jagt sie, ein Hahn fordert, dem Lehrer gleich, beständig Disziplin. In der Wirtsstube des Dorfes trinken Schulmeister, Pfarrer und Förster Bier und   sind im Bann von der rätselhaften Terynka. Aus diesem menschlich tierischen Elend gelingt Füchsin Schlaukopf  die Flucht aus dem Försterhaus.

Theater Hagen / Das schlaue Füchslein - hier : Veronika Haller als Gastwirtin/Hahn, Dorothea Brandt Füchslein Schlaukopf, Sophia Leimbach als Schopfhenne, Eichelhäher, Damenchor Theater Hagen @ Klaus Lefebvre

Theater Hagen / Das schlaue Füchslein – hier : Veronika Haller als Gastwirtin/Hahn, Dorothea Brandt Füchslein Schlaukopf, Sophia Leimbach als Schopfhenne, Eichelhäher, Damenchor Theater Hagen @ Klaus Lefebvre

Der Kreislauf des Lebens bleibt unerklärlich

Für das Tier – Für den Mensch

Zurück im Wald vertreibt sie in bösem Streit – und unter Teilnahme aller Tiere des Waldes –  einen Dachs (= Pfarrer) aus dessen Höhle. Einen „wohl erzogenen“ Fuchs heiratet sie, von einem Specht getraut, während eine Eule über Unmoral zetert. Die Hochzeit wird zu einem breiten folkloristischen Klangbild positiven Lebens. Alle Tiere des Waldes, Grille, Heuschrecke, Frosch und mehr feiern die Hochzeit ausgelassen mit. Mitsamt dem folgenden Familienleben der Füchsin Schlaukopf  zu einem „hellen“ parodistischen Höhepunkt der Oper. Doch dann greift Lebenskreislauf greift zu: Die Füchsin Schlaukopf  wird von dem Landstreicher Haraschta, der inzwischen Terynka ehelichte, erschossen. Ihr Tod, eher beiläufig dargestellt, wird zur banalen Realität, zum „dunklen“ Höhepunkt, wie auch zum Wendepunkt der Musik, welche nun Leere und Verlust wiedergibt. Das Fell der Füchsin Schlaukopf wird zu einem Muff für Terynka …. Der Förster, wieder allein im Wald, blickt auf alles  Geschehene zurück. Er sieht eine junge Füchsin, einen Frosch und mit ihnen das den für ihn unerklärlich bleibenden Kreislauf des Lebens, in welchem alles artgerecht ist: Vermeintlich intelligenzgesteuerte Menschen, werden überwiegend von ihrem Unter-bewusstsein dominiert; Tiere bleiben Tiere, welche die Hühner reißen oder einen Dachs vertreiben.

Theater Hagen / Das schlaue Füchslein - hier : Olaf Haye als Háraschta der das ermordete Füchslein Schlaufkopf entfernt @ Klaus Lefebvre

Theater Hagen / Das schlaue Füchslein – hier : Olaf Haye als Háraschta der das ermordete Füchslein Schlaufkopf entfernt @ Klaus Lefebvre

Das Theater Hagen IOCO bewundert dies seit Jahren –  besitzt ein starkes Ensemble, stimmlich wie  darstellerisch. Die modern lebendige Regie von Mascha Pörzgen in Verbindung mit einer wunderbar choreographierten Ensembleleistung macht das Schlaue Füchslein zu einem mitreißenden Erlebnis. Die großen Partien der Oper waren gut besetzt: Kenneth Mattice, mit lyrischer und gut verständlichen Bariton, überzeugt als träumender wie getriebener Förster; Dorothea Brandt ist Füchsin Schlaukopf dominiert mit bezaubernd timbrierten Sopran und filigraner Darstellungskraft; Rainer Zaun ist innerlich gescheiterten Pfarrer, der um seine Versetzung bittet; Boris Leisenheimer als gutartig liebenswerter Schulmeister; Olaf Haye ist  von Konventionen unbefrachteter Landstreicher Háraschta. Die Inszenierung am Theater Hagen aber leuchtet hell, weil neben den großen viele kleine Akteure auf der Bühne, Gastwirtin – Seppl – Grille – Frosch – Schopfhenne und mehr die bunten Episoden der Oper mit individuellen darstellerischen Facetten komisch wie originell bereichern: Der Kinderchor, die jungen Füchse darstellend, Larissa Funkhauser als Eule, die über Unmoral schimpft, Marilyn Bennett als vertriebener Dackel und als Specht…..

Das schlaue Füchslein ist eine komplexe Oper; in Inhalt, Interpretation und Komposition; für ein Orchester anspruchsvoll und schwer zu spielen, erst recht wenn es illustrative Stellen wie für Grille und Heuschrecke betrifft. Generalmusikdirektor Joseph Trafton und den Hagener Philharmonikern meisterten Leos Janaceks Komposition in sanfter Geschmeidigkeit, lyrisch fein und vereint mit dem starken Ensemble auf der Bühne.

Das Publikum im Theater Hagen feierte lange die moderne wie liebevoll verspielte Inszenierung und seine Darsteller, welche abermals in einer fordernden Oper große künstlerische Kraft unter Beweis stellten.

Das schlaue Füchslein am Theater Hagen, weitere Vorstellungen am 8.4.; 13.4.; 12.5.2018

—| IOCO Kritik Theater Hagen |—

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