Münster, Theater Münster, „Nice to meet you?“ – Tanzabend, IOCO Kritik, 26.06.2019

Juni 26, 2019 by  
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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

„Nice to meet you?“ – Tanzabend

– Kontaktrituale –  Fesselnd getanzt um jene gläserne Wand –

von Hanns Butterhof

Einmal in jeder Spielzeit überlässt Hans Henning Paar, Chef des Tanztheaters Münster, sein Ensemble einem Gastchoreographen, diesmal dem Portugiesen Tiago Manquinho. In seinem Tanzabend „Nice to meet you?“, der am Staatstheater Braunschweig 2017 uraufgeführt wurde, spielt er alltägliche Rituale von Nähe und Distanz fesselnd durch.

Tiago Manquinho –  mit fesselnden Kontaktritualen

„Nice to meet you?“ beginnt im Kleinen Haus des Theaters Münster schon im Foyer. Tänzerinnen und Tänzer gehen unauffällig durch die auf Einlass wartenden Besucher, treten auf jemanden zu und blicken ihn mit ruhiger Mine lange und ausdruckslos an. Ein ins Visier genommener Mann weicht irritiert zur Seite, als könne er nicht gemeint sein, vielleicht jemand hinter ihm? Eine Frau errötet heftig; nett, sie getroffen zu haben?

 Theater Münster / Nice to meet you - Tanzabend -  hier :  Matteo Mersi und Adam Dembczynski © Oliver Berg

Theater Münster / Nice to meet you – Tanzabend – hier : Matteo Mersi und Adam Dembczynski © Oliver Berg

Tiago Manquinho, der in klassischem und modernem Tanz in Lissabon ausgebildet wurde, interessiert sich in „Nice to meet you?“ für die Distanz-Möglichkeiten, die sich hinter der leicht dahergesagten Kontakt-Floskel auftun. Er bleibt dabei ohne bemühte Aktualisierung dem Alltag erfreulich nahe.

In vielerlei Variationen umkreist das Ensemble auf der schmucklos schwarzen Bühne in dunkler Kleidung (Bühne und Kostüme: Imme Kachel) die gläserne Wand, die in allen Kulturen gegenüber dem unbekannten Anderen existieren. Sehr eindringlich macht die erste Szene deren hemmende Seite deutlich. In ihr begegnen sich eine Tänzerin und ein Tänzer, strecken nach erstem Abwenden dem Anderen doch die Hände entgegen, werden aber wie durch eine unsichtbare Barriere daran gehindert, sich zu berühren.

Ihre suchenden Bewegungen wiederholen sich in den Ensembles, in denen die geschlechtlichen Stereotypen aufgelöst sind; auch die Paare von Männern oder Frauen sind den gleichen Hemmnissen unterworfen, wenn sie sich in immer schneller werdendem Wechsel dem Gegenüber zu nähern suchen. Selten kommt es zu parallelen Gruppen-Bewegungen, kurzzeitig findet sich auch Nähe, in der aber niemand zur Ruhe kommt.

Theater Münster / Nice to meet you - Tanzabend © Oliver Berg

Theater Münster / Nice to meet you – Tanzabend © Oliver Berg

Manche Soli, fremdartige Musikarrangements, die Kombination von Percussionsgewitter und Ziehharmonika erzeugen eher das Gefühl von Distanz, als dass sie diese Distanzierung verständlich machten. Als eine Tänzerin mitten im Publikum ihre schönen Locken schüttelt und zu fernöstlichen Klängen mit ausholenden Gesten und flatternden Händen ihre Geschichte mitzuteilen versucht, wird bloß die gläserne Wand zwischen ihr und den Zuschauern spürbar.

Auch Nähe ist nicht unbedingt schön und bleibt nicht immer nett, wie schon das Fragezeichen im Titel nahelegt. Im Rahmen einer der packend dynamischen Ensembleszenen entwickelt sich erschreckend ein Kontakt zum Kampf. Es sieht anfangs nach Zärtlichkeit aus, wenn einer den Kopf seines Partners streichelt. Doch dann wird dessen Berührung immer herrischer, der Kopf wird brutal gepackt, der Tänzer zu Boden geschleudert, bis er sich, mühsam wieder aufgerichtet, schon vor dem bösen Blick des Anderen niederwirft. Da wird bei allem Entsetzen auch etwas vom Segen kultureller Distanz spürbar.

Großer Applaus für das ausdrucksstarke Ensemble nach siebzig durchgetanzten Minuten.

„Nice to meet you?“, Tanzabend am Theater Münster; der nächste Termin: 29.6.2019 19.30 Uhr.

—| IOCO Kritik Theater Münster |—

Braunschweig, Staatstheater Braunschweig, La Boheme – Giacomo Puccini, 05.12.2018

Dezember 3, 2018 by  
Filed under Oper, Pressemeldung, Staatstheater Braunschweig

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Staatstheater Braunschweig

Staatstheater Braunschweig © Stefan Koch

Staatstheater Braunschweig © Stefan Koch

 La Bohème – Giacomo Puccini

Libretto Giuseppe Giacosa und Luigi Illica, nach »Scènes de la vie de bohème« von Henri Murger, in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere  2.12.2018, weitere Vorstellungen 5.12.; 22.12.; 28.12.2018 | 17.01. | 22.01. | 08.02. | 16.02. | 01.03. | 17.03. | 24.03.2019 

Die Pariser Bohème spiegelt den Traum von Freiheit und Unabhängigkeit – das Leben der Künstlerfreunde rund um Rodolfo aber sieht anders aus: Es ist kalt in ihrer Mansarde, noch nicht einmal die Miete können sie bezahlen. Als die hübsche Nachbarin Mimì mit der Bitte um Feuer die Wohnung betritt, scheint vor allem in Rodolfos Leben ein wenig Wärme einzuziehen. Doch schnell stellt sich heraus: Auch diese Flamme muss ihren Tribut an die Armut bezahlen … Durch die intime Szenerie und das alltägliche Sujet stellte La bohème ein Novum in der italienischen Oper dar. Heutzutage gilt La bohéme als eine der meistgespielten Opern des Repertoires.

Musikalische Leitung: Iván López Reynos, Regie und Bühne: Ben Baur, Kostüme: Julia K. Berndt, Choreografie: Liliana Barros

Mit: Mimì: Ivi Karnezi, Ekaterina Kudryavtseva, Musetta: Jelena Bankovi?, Anat Edri
Rodolfo: Angelos Samartzis, Kwonsoo Jeon, Schaunard: Maximilian Krummen, Vincenzo Neri, Marcello: Maximilian Krummen, Vincenzo Neri, Colline: Jisang Ryu, Benoît / Alcindoro: Michael Eder ..

—| Pressemeldung Staatstheater Braunschweig |—

Düsseldorf, Savoy Theater, René Kollo – Abschiedstournee, IOCO Aktuell, März 2018

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Savoy Theater

Savoy Theater /concert team m´nrw - René Kollo © HGM-Press

Savoy Theater /concert team m´nrw – René Kollo © HGM-Press

René Kollo – Abschied von seinem Publikum

Anlässlich des 80. Geburtstags

Rene Kollo präsentierte sich im Savoy-Theater Düsseldorf im Rahmen seiner Abschiedstournee mit heiteren, besinnlichen und unterhaltsamen Begebenheiten aus seinem langen und interessanten Künstlerleben. Erzählungen und musikalische Kostproben wechselten sich dabei harmonisch ab. Nicht nur als Sänger, auch als Komponist und Literat führte er das Publikum durch sein wunderschönes Programm mit Arien aus Opern und Operetten, Volksliedern und Evergreens. Er brachte einen kompletten und umfangreichen Ausschnitt aus seinem Repertoire der ernsten und heiteren Muse. Auch gerade durch diese Vielfältigkeit hat er eine Weltkarriere gemacht.

Gewürzt mit launigen Anekdoten und persönlichen Geschichten seiner glanzvollen künstlerischen Laufbahn, nimmt er Abschied von seinem Publikum und lässt singend und plaudernd sein ereignisreiches Leben passieren. Es war eine interessante Zeitreise durch seine Erinnerungen, in der er ehrlich mit sich selbst und ehrlich mit den schönen und auch weniger schönen Seiten des Opernbetriebes war.

Kollo begann als Schauspieler und Schlagersänger und finanzierte damit sein klassisches Gesangsstudium. Seine Opernsänger-Karriere startete er 1965 am Staatstheater Braunschweig. Danach folgte von 1967 bis 1971 ein Engagement an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf, wo er in Opern von Mozart, Verdi, Puccini und Janacek sang. Mit der Partie des Steuermanns aus Der fliegende Holländer debütierte er in Bayreuth und wurde ab diesem Zeitpunkt vom Publikum für die großen Wagnerpartien wie Siegfried, Parsifal und Lohengrin gefeiert. Er gastierte an allen großen und bedeutenden Opernhäusern der Welt. Regelmäßig an der Deutschen Oper Berlin, der Bayerischen Staatsoper München und bei den Salzburger Festspielen, sowie auch an der Metropolitan Opera New York und an der Covent Garden Opera in London.

Der Titel des Kammersängers wurde ihm von den Opernhäusern Berlin und München verliehen. Geehrt wurde er mit dem „Bayerischen Verdienstorden“ und dem „Bundesverdienstkreuz Erster Klasse am Bande“ Auch verfasste er seine Memoiren und drei unterhaltsame Bücher, in denen er scharf und bissig den modernen Musikbetrieb kritisiert.

An diesem Abend begeisterte Kollo u.a. mit einem Potpourri aus der Kollo-Dynastie, Willi Kollo (Vater) und Walter Kollo (Großvater) und weckte in vielen Besuchern Erinnerungen an Zeiten in denen diese Melodien Gassenhauer waren. Sein musikalisches Programm begann mit dem Operettenlied Ich lad‘ mir gerne Gäste ein“ aus Die Fledermaus von Johann Strauß dann folgte ein bekanntes friesisches Lied, auf plattdeutsch gesungen, in Gedenken an seine norddeutsche Mutter „Kum bi de Nacht as tu min leevste büst (eine Friesin im Publikum fühlte sich angesungen und verdrückte heimlich einige Tränchen).

Danach sang er Es war in Schöneberg im Monat Mai aus der Operette Wie einst im Mai von Walter und Willi Kollo, Immer an der Wand lang eine Komposition des Großvaters Walter Kollo, Dein ist mein ganzes Herz aus Land des Lächelns von Franz Lehár, die Arie des Pinkerton aus „Madama Butterfly“ „Addio, fiorito asil“ von Puccini, Winterstürme wichen dem Wonnemond aus „Walküre“, Richard Wagner und Liebste glaub an mich aus der Operette „Schön ist die Welt“ von Franz Lehár.

Er beendete diesen kurzweiligen Abend mit einer Eigenkomposition Willst du das Land meiner Träume sehen Begleitet wurde Kollo von dem ausgezeichneten Pianisten Florian Schäfer, der hin und wieder heiter die Souffleuse ersetzte.

Beim gut gelaunten Publikum hat der sympathische Tenor an diesem Abend wieder einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ein gelungener Abschied.   Von  K.K.

—| IOCO Aktuell Savoy Theater Düsseldorf |—

Braunschweig, Staatstheater Braunschweig, Carmen auf dem Burgplatz – Open Air, 18.08.2018

Staatstheater Braunschweig

Staatstheater Braunschweig © Stefan Koch

Staatstheater Braunschweig © Stefan Koch

 Carmen von Georges Bizet
Burgplatz Open Air – 18.8. – 5.9.2018

Das Staatstheater Braunschweig zeigt Georges Bizets mitreißende Oper Carmen ab 18. August 2018 als Sommer-Open-Air im einzigartigen historischen Ambiente des Burgplatzes.

Staatstheater Braunschweig / Carmen - Burgplatz - © Staatstheater Braunschweig

Staatstheater Braunschweig / Carmen – Burgplatz – © Staatstheater Braunschweig

Vom 18. August bis 05. September 2018 wird der Braunschweiger Burgplatz wieder zur großen Freiluftbühne: Gemeinsam mit BS ENERGY zeigt das Staatstheater Braunschweig Georges Bizets weltberühmte Oper Carmen, die Garant für mitreißende Rhythmen und Melodien ist. »Mit Bizets Welterfolg Carmen möchten wir an den Start des erfolgreichen Sommer-Open-Airs auf dem Burgplatz vor 15 Jahren erinnern und uns nach einem Abstecher in die Musicalwelt in den vergangenen zwei Jahren erneut der Oper widmen. Unsere Sängerinnen Jelena Kordic und Carolin Löffler sind für die Titelpartie der Carmen eine Idealbesetzung, und mit Generalmusikdirektor Srba Dinic haben wir einen erstklassigen Dirigenten am Pult«, freut sich Dagmar Schlingmann, Generalintendantin des Staatstheaters Braunschweig. »Als in Braunschweig verwurzeltes Unternehmen möchten wir zur kulturellen Vielfalt und damit zur Lebensqualität in der Region beitragen«, sagt Julien Mounier, Vorstandsvorsitzender von BS ENERGY. »Mit seiner einzigartigen Mischung aus Geschichte und Kultur ist das Burgplatz Open Air aus dem kulturellen Leben der Stadt nicht mehr wegzudenken. Als Förderer der Region freuen wir uns, dass diese gute Zusammenarbeit mit ›Carmen‹ bereits ihren 16. Geburtstag feiert.«

Staatstheater Braunschweig / Carmen - Burgplatz - Srba Dinic, Nana Dzidziguri, Isabel Ostermann, Dagmar Schlingmann, Julien Mounier, Carolin Löffler © Philipp Ziebart

Staatstheater Braunschweig / Carmen – Burgplatz – Srba Dinic, Nana Dzidziguri, Isabel Ostermann, Dagmar Schlingmann, Julien Mounier, Carolin Löffler © Philipp Ziebart

Seit 2003 ist BS ENERGY Hauptsponsor und rief 2008 gemeinsam mit dem Staatstheater das Projekt »100 Schüler in die Oper« ins Leben. Auch 2018 werden 100 Jugendliche in Workshops und Führungen an das Musiktheater herangeführt. Zum Abschluss lädt BS ENERGY die Schülerinnen und Schüler zu einer Vorstellung auf den Burgplatz ein.

Die ZuschauerInnen des diesjährigen Burgplatz-Open-Air erwartet mit »Carmen« eine Oper, in der die Macht der Verführung, Leidenschaft und Eifersucht im Zentrum stehen und eine Frau für ihre Freiheit und Selbstbestimmung kämpft. Bizets temperamentvolle Musik öffnet dem Werk Tor und Herzen: Sei es der Fandango, die Seguidilla oder die Malagueña – sie alle garantieren mitreißende Rhythmen und das Feuer Spaniens.

Unter der Musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Srba Dinic und in der Inszenierung des österreichischen Regisseurs Philipp M. Krenn erleben Sie Sängerinnen und Sänger des Musiktheaterensembles, das Staatsorchester Braunschweig sowie den Chor und Extrachor des Staatstheaters Braunschweig.


Grabstätte Georges Bizet in Paris © IOCO

Grabstätte Georges Bizet in Paris © IOCO

Sommer-Open-Air mit Carmen von Goerges Bizet
Ab 18. August 2018 auf dem Braunschweiger Burgplatz

Wer kennt sie nicht: Carmens »Habanera«, Escamillos »Toreador«-Lied oder den Chor der Gassenjungen? Georges Bizets Welterfolg gehört zu den meistgespielten Werken der Theaterbühnen – und das, obwohl die Oper bei ihrer Uraufführung am 3. März 1875 gnadenlos unterging. »Ein in höchstem Maße unmoralisches Werk«, lautete damals das Resümee der Fachpresse. Man stieß sich an dem Milieu der ›Zigeuner‹, an dem tragischen Ende der Opéra comique, vor allem aber an der als schamlos empfundenen Protagonistin Carmen. Schon der erste Auftritt der Titelheldin stellte eine sexuelle Provokation dar. Entsprechend der Regieanweisung sollte Carmen in einem kurzen roten Rock, mit zerrissenen Seidenstrümpfen und roten Schuhe die Bühne betreten. Und damit nicht genug: Dem neuen Figurentypus der Femme fatale folgend, ist Carmen ausschließlich auf ihr eigenes Wohl bedacht. Sie folgt einzig der Erfüllung ihres selbst gesteckten Zieles: der Freiheit. Kein Wunder also, dass das damalige Opernpublikum in ihr einen Angriff auf die einzuhaltende Sittlichkeit sah. Doch die Entrüstung währte nicht lange. Schon kurz nach der Uraufführung kletterte Bizets Carmen rasant die Beliebtheitsskala empor und eroberte die Theaterbühnen der Welt. Mehr als 150 Jahre später und mittlerweile 15 Jahre, nachdem mit diesem Werk der Burgplatz als Opern-Spielort eröffnet wurde, ist Carmen nun wieder in Braunschweig zu erleben. Ab dem 18. August verwandelt sich das Burgplatzrund in eine hitzige Arena, brüllt der Braunschweiger Löwe dem feurigen Stier zu und senkt sich die niedersächsische Sonne über der ihr Leben aushauchenden Femme fatale.

Premiere Burgplatz:  Sa 18.08.2018 19:30 Uhr,  Weitere Vorstellungen: So 19.08.2018 19:30 Uhr, Di 21.08.2018 19:30 Uhr, Mi, 22.08.2018 19:30 Uhr, Do 23.08.2018 19:30 Uhr, Fr 24.08.2018 19:30 Uhr, So, 26.08.2018 14:30 & 19:30 Uhr, Di 28.08.2018 19:30 Uhr, Mi 29.08.2018 19:30 Uhr,, Do 30.08.2018 19:30 Uhr, Fr 31.08.2018 19:30 Uhr, Sa 01.09.2018 19:30 Uhr, So, 02.09.2018 19:30 Uhr, Mo 03.09.2018 19:30 Uhr, Di 04.09.2018 19:30 Uhr, Mi, 05.09.2018 19:30 Uhr;

—| Pressemeldung Staatstheater Braunschweig |—

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