Hamburg, Staatsoper Hamburg, Italienische Wochen 11.3. – 17.4.2018, IOCO Aktuell, 08.03.2018

März 8, 2018 by  
Filed under Hervorheben, IOCO Aktuell, Oper, Staatsoper Hamburg

Hamburgische Staatsoper © IOCO

Hamburgische Staatsoper © IOCO

Staatsoper Hamburg

„Gemeinsam in die Oper“

Italienische Wochen – Messa da Requiem bis Tosca

11.3. – 17.4.2018 an der Staatsoper Hamburg  

Vom 11.3. bis 17.4.2018  feiert die Staatsoper Hamburg mit Produktionen wie dem Verdi Requiem, La Traviata, Rigoletto, Aida, Puccinis Tosca und Madame Butterfly die  „Italienischen Wochen“. Mit hochkarätigen Besetzungen möchte die Staatsoper  lokal wie international musikalische und künstlerische  Akzente setzen

IOCO wird die Italienischen Wochen der Staatsoper aktiv begleiten: Patrik Klein wird für IOCO von der Premiere Messa da Requiem von Giuseppe Verdi (Regisseur Calixto Bieito, 11.3.2018) und über Tosca von Giacomo Puccini, 17.4.2018, mit Anja Harteros und Jonas Kaufmann berichten.
Zusätzlich werden Rolf Brunckhorst mit  Riccardo Massi, dem Cavaradossi in Tosca und Patrik Klein mit Sopranistin Maria José SiriCio-Cio-San in Madame Butterfly über ihre beiden Aufführungen in Hamburg sprechen.

Teatro La Fenice in Venedig / Giuseppe Verdis La Traviata wurde hier am 6. März 1853 uraufgeführt © IOCO

Teatro La Fenice in Venedig / Giuseppe Verdis La Traviata wurde hier am 6. März 1853 uraufgeführt © IOCO

Pressemitteilung der  Staatsoper Hamburg 

Die Staatsoper Hamburg präsentiert erstmals und mit freundlicher Unterstützung durch die Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Staatsoper die Italienischen Opernwochen vom 11. März bis 17. April 2018.

Von 11. März bis 17. April 2018 spielt die Staatsoper Hamburg aus ihrem großen reichhaltigen Repertoire an italienischen Opern bekannte Werke, die in den Hauptpartien mit weltweit renommierten Sängerinnen und Sängern in herausragender Qualität besetzt sind. Auftakt der Italienischen Opernwochen soll auch in Zukunft in jeder Spielzeit eine Neuinszenierung sein: Zur ersten Ausgabe ist dies die szenische Umsetzung von Giuseppe Verdis Messa da Requiem in der Inszenierung von Calixto Bieito und unter der Musikalischen Leitung von Kevin John Edusei am 11. März. Es singen und spielen Maria Bengtsson (Sopran), Nadezhda Karyazina (Mezzosopran), Dmytro Popov (Tenor) und Gábor Bretz (Bass).

Maria Jose Siri © Victor Santiago

Maria Jose Siri © Victor Santiago

Es wird im Rahmen der Italienischen Opernwochen Giacomo Puccinis Madama Butterfly unter der Musikalischen Leitung von Carlo Rizzari am 13. und 16. März zu erleben sein. Als Cio-Cio San ist María José Siri und als Pinkerton Marcelo Puente besetzt.

Weiterhin steht Giuseppe Verdis La Traviata ebenfalls unter der Musikalischen Leitung von Maestro Carlo Rizzari am 15., 18. und 22. März auf dem Spielplan. Als Violetta Valery ist Dinara Alieva, als Alfredo Germont Dovlet Nurgeldiyev und als Giorgio Germont Markus Brück zu erleben.

Giuseppe Verdis Aida ist mit Elena Zhidkova als Amneris, Kristin Lewis als Aida, Marco Berti als Radamès und Roberto Frontali als Amonasro am 25. und 28. März sowie am 5., 11. und 14. April brilliant besetzt. Am Pult steht Renato Palumbo.

Giacomo Puccinis Meisterwerk Tosca unter der Musikalischen Leitung von Pier Giorgio Morandi ist in drei Serien exzellent besetzt. In Serie eins steht als Floria Tosca Angela Gheorghiu am 21., 24. und 29. März auf der Staatsopernbühne. Ihr zur Seite steht Riccardo Massi als Mario Cavaradossi. In Serie zwei verkörpert am 4. und 7. April Tatiana Serjan Floria Tosca und Jorge de Leon Mario Cavaradossi. Die dritte Besetzungsvariante am 17. April ist mit Anja Harteros als Floria Tosca und Jonas Kaufmann als Mario Cavaradossi der Abschluss der Italienischen Opernwochen. In allen drei Besetzungsvarianten ist Scarpia mit Franco Vassallo besetzt. Die Vorstellung am 17. April 2018 ist bereits ausverkauft.

Das 7. Philharmonisches Konzert mit Werken von Puccini, Respighi, Busoni und Berio unter der Musikalischen Leitung von Alejo Pérez ist in die Italienischen Opernwochen integriert. Es spielt das Philharmonische Staatsorchester Hamburg, es singen die Neuen Vocalsolisten Stuttgart. Beide Konzerte in der Elbphilharmonie am 18. und 19. März 2018 sind bereits ausverkauft. PMStOHH

Programm –  Italienische Wochen 11.3. – 17.4.2018

Sonntag, 11. März 2018: Eröffnung und Premiere Giuseppe Verdi: Messa da Requiem

Dienstag, 13. März 2018: Giacomo Puccini: Madama Butterfly

Mittwoch, 14. März 2018: Giuseppe Verdi: Messa da Requiem

 Alphonsine Plessis Grabmal in Paris, die Kameliendame, welche in Giuseppe Verdis La Traviata zu Violetta wurde © IOCO

Alphonsine Plessis Grabmal in Paris, die Kameliendame, welche in Giuseppe Verdis La Traviata zu Violetta wurde © IOCO

Donnerstag, 15. März 2018: Giuseppe Verdi: La Traviata

Freitag, 16. März 2018: Giacomo Puccini: Madama Butterfly

Samstag, 17. März 2018: Giuseppe Verdi: Messa da Requiem

Sonntag, 18. März 2018: Giuseppe Verdi: La Traviata

Sonntag, 18. März 2018, Elbphilharmonie: 7. Philharmonisches Konzert (ausverkauft)

Montag, 19. März 2018, Elbphilharmonie: 7. Philharmonisches Konzert (ausverkauft)

Dienstag, 20. März 2018: Giuseppe Verdi: Messa da Requiem

 Riccardo Massi - Cavaradossi © Benjamin Ealovega

Riccardo Massi – Cavaradossi © Benjamin Ealovega

Mittwoch, 21. März 2018: Giacomo Puccini: Tosca

Donnerstag, 22. März 2018: Giuseppe Verdi: La Traviata

Freitag, 23. März 2018: Giuseppe Verdi: Messa da Requiem

Samstag, 24. März 2018: Giacomo Puccini: Tosca

Sonntag, 25. März 2018: Giuseppe Verdi: Aida

Dienstag, 27. März 2018: Giuseppe Verdi: Messa da Requiem

Mittwoch, 28. März 2018: Giuseppe Verdi: Aida

Donnerstag, 29. März 2018: Giacomo Puccini: Tosca

Samstag, 31. März 2018: Giuseppe Verdi: Messa da Requiem

Mittwoch, 4. April 2018: Giacomo Puccini: Tosca

Donnerstag, 5. April 2018: Giuseppe Verdi: Aida

Freitag, 7. April 2018: Giacomo Puccini: Tosca

Mittwoch, 11. April 2018: Giuseppe Verdi: Aida

Samstag, 14. April 2018: Giuseppe Verdi: Aida

Dienstag, 17. April 2018: Giacomo Puccini: Tosca (ausverkauft)

München, Bayerische Staatsoper, Un ballo in maschera – Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 06.02.2018

März 7, 2018 by  
Filed under Bayerische Staatsoper, Hervorheben, Kritiken, Oper

Bayerische Staatsoper München

Nationaltheater München © Wilfried Hösl

Nationaltheater München © Wilfried Hösl

Un ballo in maschera von Giuseppe Verdi

„Das Schicksal der Liebe“

Von Hans-Günter Melchior

Liebe kann Schicksal sein. Sie kann aber auch ein Schicksal haben. In Verdis Oper Un ballo in maschera, besser bekannt als Ein Maskenball, ist beides der Fall.

Riccardo (Jean-Francois Borras), Gouverneur von Boston, liebt Amelia (Anja Harteros), die Ehefrau seines Freundes und Sekretärs Renato (Simone Piazzola). Er bereitet einen Maskenball vor und freut sich, dass Amelia auf der Gästeliste steht.

Amelia liebt Riccardo, wirft sich jedoch diese Liebe vor und fühlt sich schuldig wie eine Ehebrecherin, obwohl es nicht zum Ehebruch gekommen ist. Sie will von dieser Liebe „geheilt“ werden. Sie sucht den Rat der Wahrsagerin Ulrica (Okka von der Damerau), die ihr ein Kraut empfiehlt, das an einem geheimen Ort wächst. Riccardo, der gemäß richterlichem Urteil Ulrica wegen Zauberei aus der Stadt weisen soll, zuvor aber ihre Kräfte erproben will, belauscht die beiden und beschließt, den geheimen Ort aufzusuchen. Zuvor weissagt ihm Ulrica, er werde von der Hand jener Person getötet werden, die ihm nach dem Besuch bei ihr zuerst die Hand schüttele. Riccardo schlägt diesen Spruch in den Wind, lacht über die Wahrsagerin  und den Schrecken der Umstehenden („Ist sie Scherz oder Wahnsinn, eine solche Weissagung: Doch wie muss ich über ihre Leichtgläubigkeit lachen!“).  Bei einer sich an den Besuch bei Ulrica anschließenden Begegnung begrüßt Renato seinen Chef als Erster arglos per Handschlag.

Bayerische Staatsoper / Un ballo in maschera hier- Pjotr Beczala als Riccardo_Anja Harteros als Amelia, George Petean als Renato im Hintergrund © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Un ballo in maschera hier- Pjotr Beczala als Riccardo_Anja Harteros als Amelia, George Petean als Renato im Hintergrund © Wilfried Hösl

Riccardo und Amelia treffen sich an dem geheimen Ort und gestehen sich – Amelia eher widerstrebend – ihre Liebe. Renato kommt hinzu, entdeckt das (noch nicht vollzogene) Liebesverhältnis. Er schließt sich einer zum Mord an dem Gouverneur entschlossenen Gruppe an und erschießt Riccardo –, die Prophezeiung Ulricas hat sich erfüllt. Im Todeskampf verzeiht Riccardo ihm.

Der Regisseur Johannes Erath (Bühne: Heike Scheele) kommt mit einem einzigen Bühnenbild aus. In der Mitte der Bühne steht ein Doppelbett, das an der Decke gespiegelt wird: ein Männerkopf starrt auf das Geschehen wie ein Spion, dem nichts entgeht. Man begreift sofort: das, was sich hier schicksalhaft vollzieht, kann nicht gut ausgehen.

Abgeschlossen wird die Bühne nach hinten durch eine wie eine überdimensionierte Wendeltreppe anmutende Konstruktion. Sie mutet an wie in den freien Raum geschleudert und erstarrend stehengeblieben, robust und funktional und zugleich von einer vergänglichen Künstlichkeit. Auf ihr wird getanzt, Ulrica entlässt von ihr herab düstere Beschwörungen und dunkle Hinweise auf Mythisches. Eine Verbindungslinie zur Außenwelt.

Über das Bett darf freilich gerätselt werden. Es gewinnt eine gewisse Logik, wenn man es als Ort der Träume definiert. Und in der Tat: Riccardo ist ein Träumer. Ein Tag- und Nachtträumer, der an seinem Glück festhält und sich darin durch die Realität weder beirren noch aufhalten lässt. Dass er den Tod findet, ist freilich nicht nur die Folge verbotener Liebe. Er hat, wie Ulrica feststellt, eine Hand, die schon viele Kriege führte. Wer Kriege führt, ist eo ipso seines Lebens nicht sicher.

Bayerische Staatsoper / Un ballo in maschera © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Un ballo in maschera © Wilfried Hösl

Die Musik unterstützt den Tagträumer. Es ist eine Musik, die sich wie beschwichtigend, erregend, optimistisch und sehr bewusst hell über den schwarzen Hintergrund der Handlung legt –, als wisse sie nichts von dieser oder wolle davon nichts wissen. Bald schwelgt sie im beinahe Operettenhaften, leicht und leichtsinnig, in der Glücksentschlossenheit Riccardos, der allen Widerständen zu trotzen gewillt ist, bald gleitet sie mit ihren harmonischen Brechungen, den Tonartwechseln und kontrapunktischen Kühnheiten, den ironischen Untertönen und lautmalerischen Eigenheiten (komponiertes Lachen, das als Kunstlachen kein wirkliches Lachen sein darf) über ins Widerständige und Querstehende.

Eine Fundgrube für Musikwissenschaftler. Ein großes Werk voller Raffinesse und ausgetüpfelter musikalischer und lebenskluger Weltweisheit, das man mehrere Male hören muss, um es ganz zu begreifen.  Manchmal wird die Oper mit Wagners Tristan und Isolde verglichen. Das kann allenfalls im Hinblick auf die verbotene Liebe zwischen Riccardo und Amelia Geltung beanspruchen, musikalisch gibt es da keine Verwandtschaft.

Freilich greift die Handlung tief zuweilen in die Mottenkiste der Weissagungen und Wunder. Als führe sie die Musik, die einfach da ist und prinzipiell keine andere Aufgabe hat, als da zu sein, zwangsläufig ins Surreale. Dennoch hat sie einen realen, historischen Hintergrund: die Ermordung des schwedischen Königs Gustave III, ebenfalls ein Träumer und Lebenssüchtiger wie Riccardo, im Jahre 1792. In Neapel, wo das Werk uraufgeführt werden sollte, regte sich Widerstand gegen ein Stück, das einen Königsmord behandelt. Auch in Rom hatte man Einwände. Deshalb spielt die Handlung kurioserweise in Boston.

Überzeugend wie immer das Bayerische Staatsorchester unter der Leitung von Asher Fisch. Man hörte die Feinheiten.

Bayerische Staatsoper / Un ballo in maschera © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Un ballo in maschera © Wilfried Hösl

Halten zu Gnaden: für mich war der Star des Abends, das Hocherlebnis zum Erlebnis, die Amira von Anja Harteros. Ich weiß und stimme zu, von dem Philosophen Hans-Georg Gadamer belehrt: man soll nicht einem – modern gewordenen – Stimmenfetischismus huldigen und darüber das Werk vernachlässigen oder sogar ganz aus dem Blick geraten lassen (s. Hans-Georg Gadamer: Die Aktualität des Schönen). Bei dieser Sängerin könnte man aber zum Stimmenfetischisten werden (beglückend und berührend die Arie im 2. Akt; dann das Duett mit Riccardo!). Wunderbar ihre Ausdruckskraft, ihre Souveränität und stimmlich-voluminöse Größe, ihre Persönlichkeit. Die anderen Protagonisten waren dagegen nicht mehr, immerhin aber auch nicht weniger als solide Gesangshandwerker mit gelegentlichen Mühen in der Höhe. Allenfalls Simone Piazzolas Renato und die Ulrica vermochten stimmlich an Anja Harteros zu wachsen.

Un ballo in maschera an der Bayerischen Staatsoper

Keine weiteren Vorstellungen in der laufenden Spielzeit 2017/18

Hamburg, Staatsoper Hamburg, Facebookseite „Gemeinsam in die Oper“, IOCO Aktuell,

Februar 20, 2018 by  
Filed under IOCO Aktuell, Staatsoper Hamburg

Hamburgische Staatsoper © IOCO

Hamburgische Staatsoper © IOCO

„Gemeinsam in die Oper“
Staatsoper Hamburg blamiert sich mit neuer Facebookseite

von Klaus J. Loderer

„Das war mit Abstand die kürzeste Gruppenmitgliedschaft meines Facebook-Lebens“ berichtet M.W. (Opernfan aus Offenbach) am 16. Februar 2018. Was ist passiert? Er wurde zur Facebookgruppe „Gemeinsam in die Oper“ hinzugefügt. Dort trifft er einige Bekannte. Und sofort tun sie das, was sie immer tun auf Facebook. Sie diskutieren angeregt über Oper, genauer gesagt über die Staatsoper Hamburg. Denn genau auf jenes Opernhaus bezieht sich diese Gruppe.

Facebook-Seite der Staatsoper Hamburg

„Gemeinsam in die Oper“

Es wird gelacht, geplant und gelästert, wie das Opernfreunde untereinander im Social Media eben so tun. Der Tonfall ist ausgelassen. Man witzelt darüber, dass man während langweiliger Stellen in der Oper Skat spielen könnte. Da dieses Kartenspiel nicht allen geläufig ist, einigt man sich auf Mau-Mau. Und dann schlägt M.W. auch noch das Spiel vor, „wer erkennt die Oper in der wir gerade sitzen“. Es werden die – niedrigen – Auslastungszahlen des Opernhauses diskutiert. Auch exponierte Persönlichkeiten der Staatsoper, die unter den Fans unter Kosenamen wie „Känguru“ und „Schrumpfkopfäffchen“ bekannt sind, bekommen ihr Fett weg.

Hamburgische Staatsoper hier GMD Kent Nagano und Intendant Goerges Delnon © IOCO

Hamburgische Staatsoper hier GMD Kent Nagano und Intendant Goerges Delnon © IOCO

Plötzlich stellte M.W. fest, dass er nicht mehr kommentieren kann. Er ist aus der Gruppe entfernt worden. Auch den anderen Diskutanten geht das so. Da diese Herrschaften allerdings untereinander auch anderweitig vernetzt sind, fällt schnell auf, dass sie alle aus der Gruppe entfernt wurden. Man ist in der Staatsoper Hamburg wohl „not amused“ über eine offene Diskussion. Immerhin erklären sich auch gleich einige Freunde von ihnen solidarisch und verlassen freiwillig die Gruppe.

Die Facebookgruppe Gemeinsam in die Oper wurde von der Staatsoper Hamburg eingerichtet, damit sich Opernfreunde für einen Opernbesuch verabreden können. Das ist tatsächlich eine schöne Idee, denn mancher hat vielleicht das Problem, dass er gerne in die Oper gehen möchte, aber niemanden kennt, der diese Freude teilt. So kann man auf dieser Seite andere Opernfreunde kennenlernen. Die Gruppe hat derzeit immerhin mehr als 200 Mitglieder. Sie soll aber schon wesentlich mehr Mitglieder gehabt haben. Allerdings wurden nun unliebsame Mitglieder entfernt. Interessanterweise sind darunter nicht nur Leute, die seit Jahrzehnten regelmäßig die Hamburger Staatsoper besuchen, sondern auch Opernblogger, die intensiv über das Haus berichten.

Um unliebsame Diskussionen auf der Seite ganz zu unterbinden, hat die Staatsoper Hamburg die Statuten zu Facebook-Beiträgen geändert. Der einleitende Text beginnt sehr freundlich. Allerdings folgen dann recht ausführliche Verhaltensmaßregeln – genauer gesagt Verbote. So soll man sich zwar verabreden, aber das bitte kurz und bündig und ohne Smalltalk: „Zeit für private Konversationen gibt es in der Pause im Foyer oder auf anderen Plattformen“. Über Oper soll man wohl nicht sprechen auf dieser Opernhausseite. Ach so. Eine Opernhausseite ist das ja nicht. Es soll ja nur eine Datingplattform sein. Aber da gibt es amüsantere.

Die Unterhaltungen der Opernfreunde, die ja nur für Gruppenmitglieder zu lesen waren, geht nach deren Verbannung von der Staatsopern-Seite „Gemeinsam in die Oper“ nun öffentlich zu lesenden Diskussionen freudig weiter und sorgten bei einem breitem Publikum für Aufsehen.

Hamburg, Staatsoper Hamburg, Fidelio von Ludwig van Beethoven, IOCO Kritik, 02.02.2018

Februar 4, 2018 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper

staatsoper_logo_rgbneu
Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

  Fidelio von Ludwig van Beethoven

 „Befreiungsoper im Umfeld  der biederen (?) 50er Jahre“

Von Patrik Klein

Hamburgs Staatsopernintendant Georges Delnon inszeniert nach eigener Aussage ausnahmsweise eine Produktion an seinem Haus selbst. Er nimmt sich Beethovens politisch unverhüllte Befreiungsoper Fidelio vor und löst damit die damals überaus kontrovers aufgenommene Regie von Hans Neuenfels aus dem Jahr 2004 unter der musikalischen Leitung von Ingo Metzmacher ab. Delnons Inszenierung ist für eine Koproduktion mit dem Teatro Communale di Bologna vorgesehen.

Fidelio ist die einzige Oper von Ludwig van Beethoven in zwei  Akten (in der Urfassung unter dem Titel Leonore jedoch in drei Akten). Das Libretto schrieben Joseph Sonnleithner, Stephan von Breuning und Georg Friedrich Treitschke. Als Vorlage diente ihnen die Oper Léonore ou L’amour conjugal , die 1798 in der Komposition von Pierre Gaveaux entstand. Die Uraufführungen der ersten beiden Fassungen des Fidelio fanden am 20. November 1805 bzw. am 29. März 1806 am Theater an der Wien statt. Die endgültige Fassung wurde dann am 23. Mai 1814 im Wiener Kärntnertortheater präsentiert. In dieser Fassung wurde der Text überarbeitet und die Handlung straffer gestaltet. Ferner wurden die tragischen Züge der Hauptpersonen verstärkt, und die Grundidee des Werkes trat nun deutlicher hervor, nämlich die Überhöhung der konkreten edlen Tat Leonores.

Staatsoper Hamburg / Fidelio - hier Don Pizarro, Marzelline und Jaquino © Arno Declair

Staatsoper Hamburg / Fidelio – hier Don Pizarro, Marzelline und Jaquino © Arno Declair

War zum Beispiel bei Mozart die Gesellschaftskritik noch in den Verwirrspielen eines scheinbar aufgeklärten Zeitalters versteckt, so bringt der revolutionäre Bürger Beethoven die neuen Ideale von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit auf die Bühne. Bei dem recht populären und besonders in letzter Zeit häufig gespieltem Werk stellt sich hiermit erneut die Frage: Hat Beethovens einzige Oper an Aktualität und Relevanz seit über 200 Jahren verloren? Wie realistisch ist der Glaube an den Einfluss der Liebe und der Menschlichkeit in einer Welt voller Gewalt und Machtexzesse? Antworten auf diese Fragen werden von Georges Delnon auf den ersten Blick kaum erkennbar gegeben.

Ging Hans Neuenfels in seiner Inszenierung von 2004 von einer radikalen Umdeutung in einer grotesken Show des Scheiterns und einem „Aus der Traum von Friede, Freiheitaus, so muss man Georges Delnons Sichtweise mühevoll suchen. Im Opernjournal der Staatsoper Hamburg, in den Blogs der Dramaturgen (Klaus-­Peter Kehr, Johannes Blum), auf Plakaten und in Interviews wird wenig bis nichts im Vorfeld verraten. Während der Ouvertüre steht auf dem schwarzen Bühnenvorhang: Ich hatte einen Traum. Es war ein Albtraum. Als ich erwachte, war Alles wieder in Ordnung„. Die Inszenierung nun zeigt dem aufgeschlossenen, vorurteilsfreien Beobachter einen Blick in die sagen wir einmal 50er Jahre in einem Überwachungsstaat. Auf der Bühne erblicket man ein geräumiges Wohnzimmer mit zeitgemäßer Ornamentiktapete, großer Terrassenfront und überdimensionaler Gardine (Bühne: Kaspar Zwimpfer; Kostüme: Lydia Kirchleitner; Licht: Michael Bauer; Video: fettFilm). Ausstattungselemente sind eine für die damalige Zeit klassische Musiktruhe der Firma Nordmende namens Fidelio, ein Klavier, ein Schreibtisch mit mechanischer Schreibmaschine, an der vor allem Rocco seine Korrespondenzen gestaltet und Tischgruppierungen mit einigen Stühlen. Es wird ein biedermeiersches Idyll gezeichnet, in der sich die handelnden Personen familiär von der Außenwelt, die durch Machtexzesse und Gewalt geprägt ist, abschotten. Dieses Idyll wird von der linken Bühnenseite gelegentlich jäh gestört und durchbrochen von langsam bis in die Bühnenmitte hineinfahrende Logistikregale. Sie legen den Blick frei auf Bücher, Akten und Gefangene. Florestans Gefängnis befindet sich in einem Art Sarkophag. Durch die riesige Glaswand schaut man videobebildert in Wälder mit unterschiedlicher Farbstimmung, in denen Rehe und zum Beispiel der „böse Wolf“ überdimensional groß und in weiß bei Florestans Arie „Gott, welch Dunkel hier in hellstem Licht erscheinen. Eine Kernaussage oder Deutung der Befreiungstat Leonores findet man scheinbar nicht. Die Charaktere der Handlung werden sehr persönlich, ja sogar intim gezeichnet mit ihren individuellen Absichten und Abgründen im Überwachungsstaat und Familienidyll. Die Sänger agieren meist an der Rampe in dem dunkel wirkenden Bühnenbild oder vor schwarzen Bühnenvorhängen fast wie bei einer konzertanten Aufführung. Zum Finale ein verklärter Einmarsch der Gefangenen, der mittlerweile auch in weiß gekleideten Schergen des Don Pizarros und ein Vermischen mit allen Beteiligten der Oper. Don Pizarro wird von zwei Beteiligten über die Terrasse nach draußen geführt. Aus dem düster nebelverhangenen graue Wald entspringt wieder frühlingshaftes Grün als Zeichen der Hoffnung. Zur Premiere am 28.1.2018 wurde die gesamte Regie dieses Fidelio mit weitgehend heftigen Missfallenskundgebungen beurteilt.

Staatsoper Hamburg / Fidelio - hier im Vordergrund Don Pizarro, Ensemble © Arno Declair

Staatsoper Hamburg / Fidelio – hier im Vordergrund Don Pizarro, Ensemble © Arno Declair

Die Komposition nicht die Handlung übernimmt bei dieser Regie das Primat der Aufführung.  Nach Eindrücken in der Generalprobe und – dem Vernehmen nach in der missratenen Premiere – dirigiert Kent Nagano sein Staatsorchester „auf Sicherheit“. Nur sehr wenige Einsätze kommen unklar für Orchester, Chor und auch Solisten. Flott klingt es zum Beispiel bei der ausgewählten längeren dritten Konzertouvertüre Leonore. Hier erhält das Orchester lautstarken Beifall. Sicher und deutlich langsamer, die Sänger- und Choreinsätze betonender führt Nagano durch die Partie. Die Chorszenen (Einstudierung Eberhard Friedrich) insgesamt geraten zu sehr schönen musikalischen Höhepunkten. Die Sängerinnen und Sänger des Abends gestalten durchweg auf ordentlichem Niveau und machen den musikalischen Eindruck über weite Strecken hörenswert.

Die schönsten stimmlichen Momente des Abends gehören Fidelio und Rocco. Simone Schneider ist Ensemblemitglied am Staatstheater am Gärtnerplatz in München gewesen und derzeit an der Staatsoper Stuttgart engagiert. Sie gestaltet die Titelpartie mit großem Einsatz, hoher Textverständlichkeit und schön dunkel gefärbtem Timbre. In den mittleren Lagen klingt ihre Stimme sehr lyrisch; sauber und kraftvoll gelingen ihr auch die Spitzentöne. Sie hat es auch etwas leichter, da sie zum Beispiel die Arie Abscheulicher, wo eilst Du hin?“ beinahe wie konzertant alleine vor herabgelassenem Bühnenvorhang gestalten kann. Falk Struckmann (Rocco) gehört zu den bedeutendsten Bassbaritonen seines Fachs. Er ist in Hamburg gerne gesehener Gast seit seinem Debüt in der Spielzeit 1994/95. Er sang hier unter anderem in Mathis der Maler, Rheingold, Die Walküre, Siegfried, Fidelio (in der Neuenfelsinszenierung als Don Pizarro), Tosca und Salome. Falk Struckmann gibt den Gefängniswärter mit prachtvollem, besonders schwarz gefärbten Klang mühelos und feinstartikulierend. Er erhält vom Publikum am Ende auch den größten Beifall. Christopher Ventris (Florestan) gehört zu Großbritanniens erfolgreichsten Tenören und ist vor allem für sein Wagner-Repertoire bekannt, auf das er seine internationale Karriere in den letzten zwanzig Jahren fokussiert hat. Mit dem Florestan feiert Christopher Ventris nun an der Hamburgischen Staatsoper sein Debut. In der zweiten Vorstellung hat er jedoch einen rabenschwarzen Tag erwischt. Er singt die Partie zwar kraftvoll, aber gestemmt und viel zu sehr gepresst, so dass ihm bei der Arie „Gott, welch Dunkel hier“ die Stimme mehrfach wegbricht. Mit großer Mühe steht er seine Rolle bis zum Ende durch. Werner Van Mechelen (Don Pizarro) ist ein vielseitiger belgischer Bass-Bariton mit breitem Lied-, Konzert- und Opernrepertoire, das von Barockpartien über Mozart- und deutsches bzw. italienisches Repertoire bis hin zu modernen Komponisten mit vielen Uraufführungen reicht. Erst im Sommer des vergangenen Jahres konnte man sein Debut bei den Bayreuther Festspielen verzeichnen (IOCO Kultur im Netz berichtete), wo er einen erfolgreichen Klingsor im Parsifal in der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg darstellte. Als „Stasi-Chef“ Don Pizarro kann er in Hamburg nahtlos an seinen Bayreutherfolg anknüpfen. Er singt sehr textverständlich mit hohem Einsatz und ist bemüht die dunklen Seiten des Gefängnisleiters herauszustellen. Ein wenig prägnanter bösartig hätte es jedoch noch sein können.

Don Ferrando ist der türkische Bariton Kartal Karagedik, der seit der Spielzeit 2015/16 Ensemblemitglied der Hamburgischen Staatsoper ist. Seine zu Beginn noch recht unauffällige Wirkung entwickelte er durch kluge Rollenauswahl und Debuts an kleineren und mittleren Opernhäusern zu einer mittlerweile tragenden, flexibel agierenden und klangschönen Ausstrahlung. Als Don Ferrando hat er die undankbare Aufgabe, erst am Ende der Oper und nur recht kurz aufzutreten. Er gestaltet seinen Part jedoch sehr schön lyrisch, textverständlich und mit feiner Stimmführung.

Staatsoper Hamburg / Fidelio- hier Schlussszene mit Chor und Ensemble © Arno Declair

Staatsoper Hamburg / Fidelio – hier Schlussszene mit Chor und Ensemble © Arno Declair

Mélissa Petit (Marzelline) war von 2010 bis 2013 Mitglied des Internationalen Opernstudios der Staatsoper Hamburg. Seit der Spielzeit 2015/16 gehört Mélissa Petit zum Ensemble des Zürcher Opernhauses und debütierte mittlerweile auch an der Opéra Bastille in Paris und den Bregenzer Festspielen. Mélissa Petit gibt die Marzelline mit fein geführter Stimme und  schönem dunklen Klang.

Thomas Ebenstein, seit 2012 Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper, gibt den Jaquino solide mit schöner Spieltenorstimme und großem Einsatz.

Zur Premiere dieses Fidelio waren die Rezensionen weitgehend höchst negativ. IOCO möchte sich diesen Philippiken nicht anschließen. Das Publikum in der zweiten fast ausverkauften Aufführung des Fidelio reagierte mit sehr freundlichem Applaus auf alle musikalisch Beteiligten.

Fidelio an der Staatsoper Hamburg: Weitere Aufführungen: 4.2.2018; 6.2.2018; 9.2.2018; 27.4.2018; 2.5.18; 5.5.2018 und 9.5.2018

Nächste Seite »