Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, b.35: Drei Mal Tanz der Gegenwart, 27.04.2018

April 19, 2018 by  
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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

b.35: Drei Mal Tanz der Gegenwart

Deutsche Oper am Rhein / Ohad Naharin  © Gadi Dagon

Deutsche Oper am Rhein / Ohad Naharin © Gadi Dagon

Eine eindrucksvolle Bandbreite heutiger Tanzsprachen vereint das Ballettprogramm b.35, vom Ballett am Rhein ab Freitag, 27. April, 19.30 Uhr auf die Bühne des Düsseldorfer Opernhauses gebracht. Eine Neueinstudierung von „Decadance“ des international für seinen „Gaga-Stil“ gefeierten Choreographen Ohad Naharin eröffnet das Programm. Erstmals zu Gast beim Ballett am Rhein ist ebenso der in Düsseldorf lebende Künstler Ben J. Riepe, dessen Uraufführung „Environment“ im Zentrum des Abends steht. Mit „Abendlied“ stellt schließlich Ballettdirektor Remus Sucheana seine dritte choreographische Arbeit vor. In der Ballettwerkstatt am Donnerstag, 19. April, um 18.30 Uhr im Opernhaus Düsseldorf gibt es bei freiem Eintritt Ausschnitte aus allen drei Stücken zu sehen. Dramaturgin Anne do Paço gibt gemeinsam mit den Künstlern in einem Podiumsgespräch Einblick in die Hintergründe.

Deutsche Oper am Rhein / Ben Riepe  © Gert Weigelt

Deutsche Oper am Rhein / Ben Riepe © Gert Weigelt

Deutsche Oper am Rhein / Remus Sucheana  © Max Brunnert

Deutsche Oper am Rhein / Remus Sucheana © Max Brunnert

„Decadance“ – über zwei Dekaden Tanzkunst sind die Basis für ein „work in progress“, in dem Ohad Naharin durch neue Kombinationen seine Werke immer wieder anders beleuchtet. In seinem unverwechselbaren Tanzstil treffen explosive Kraft und Wildheit auf zarteste Poesie und Verletzlichkeit, Rituelles steht im Kontrast zu Alltäglichem – Naharin schafft Tanz, der auf der Skala seiner Extreme an die Grenzen geht.

Zwischen Tanz, Performance und Bildender Kunst verortet der Düsseldorfer Künstler Ben J. Riepe seine Werke. In „Environment“ verschmelzen Tänzer mit ihrer Umgebung, stehen plötzlich fremd in einem neuen Umfeld, werden zu Protagonisten in bekannten Bildern oder lassen ihre Individualität in ihren Kostümen verschwinden.

In die Strudel des Lebens zwischen Licht und Schatten, Gut und Böse, Traum und Realität wirft dagegen Remus ?uchean? die Hauptfigur seiner Uraufführung „Abendlied“ zu einem Klaviertrio von Franz Schubert.

Ballett am Rhein – b.35: Naharin/Riepe/?uchean?

Premiere am Freitag, 27. April 2018, 19.30 Uhr im Opernhaus Düsseldorf

Weitere Termine im Opernhaus: 03.05. | 05.05. | 08.05. | 18.05. | 13.06.2018, jeweils um 19.30 Uhr

Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein

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Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, 9. Festliche Operngala – Deutsche AIDS-Stiftung, März 2018

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Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

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9. Festliche Operngala für die Deutsche AIDS-Stiftung

Reinerlös über 146.000 Euro

Als künstlerisches Ereignis und großen Benefiz-Erfolg feierten rund 1.300 Besucher die 9. Festliche Operngala für die Deutsche AIDS-Stiftung am Samstag, 3. März, im ausverkauften Düsseldorfer Opernhaus: Durch Eintrittsgelder, Spenden und den Erlös einer Stillen Auktion, die während des Dinners im Anschluss an das Konzert veranstaltet wurde, erzielte sie einen Reinerlös von mehr als 146.000 Euro. Im nächsten Jahr, am 23. März 2019, findet die 10. Festliche Operngala im Opernhaus Düsseldorf statt. Der Vorverkauf beginnt am 12. April 2018.

Deutsche Oper am Rhein / Standing Ovations für Bogdan Baciu, Brian Jagde, Michele Angelini, Nicholas Brownlee, Adela Zaharia, Leonardo Capalbo, Irene Roberts, Sascha Goetzel, Elsa Dreisig, Brenda Rae, Regula Mühlemann, Lea Desandre und die Duisburger Philharmoniker © Susanne Diesner

Deutsche Oper am Rhein / Standing Ovations für Bogdan Baciu, Brian Jagde, Michele Angelini, Nicholas Brownlee, Adela Zaharia, Leonardo Capalbo, Irene Roberts, Sascha Goetzel, Elsa Dreisig, Brenda Rae, Regula Mühlemann, Lea Desandre und die Duisburger Philharmoniker © Susanne Diesner

Der künstlerische Leiter Alard von Rohr hatte erneut elf international erfolgreiche Opernstars gewinnen können, ohne Gage zu Gunsten der Deutschen AIDS-Stiftung aufzutreten: Michele Angelini, Nicholas Brownlee, Leonardo Capalbo, Lea Desandre, Elsa Dreisig, Brian Jagde, Irene Roberts, Regula Mühlemann und Brenda Rae sowie Adela Zaharia und Bogdan Baciu aus dem Ensemble der Deutschen Oper am Rhein begeisterten das Publikum mit erst­klassigem Gesang, begleitet von den Duisburger Philharmonikern unter der Leitung des Wiener Gastdiri­gen­ten Sascha Goetzel. Klassik-Radio-Moderator Holger Wemhoff führte durch das abwechslungsreiche Programm.

Mit dem Erlös von 146.000 Euro hilft die Deutsche AIDS-Stiftung Frauen, Männern und Familien in Düsseldorf und Nordrhein-Westfalen in besonderen Notlagen. Ein Teil des Erlöses fließt auch in Hilfsprojekte, die den Alltag von Menschen mit HIV/AIDS erleichtern, wie Projekte des betreuten Wohnens oder Dolmetscherdienste für HIV-positive Migrantinnen und Migranten. Außerdem fördert die Stiftung das Programm DREAM in Mosambik. Dort werden HIV-positive Schwangere medizinisch betreut und erhalten HIV-Medikamente, damit sie das Virus nicht an ihre ungeborenen Babys weitergeben.

„Diese Gala macht viele Menschen glücklich, die die Hilfe der Stiftung brauchen. Denn ohne den Erfolg dieser Veranstaltung wären wir nicht in der Lage, so vielen betroffenen Menschen zur Seite zu stehen,“ sagte Ulrich Heide, Geschäftsführender Vorstand der Deutschen AIDS-Stiftung. Er dankte sehr herzlich den Besucherinnen und Besuchern der Gala, dem Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel für die erneute Übernahme der Schirmherrschaft, dem Team der Deutschen Oper am Rhein mit Generalintendant Christoph Meyer, allen Künstlerinnen und Künstlern, die für die gute Sache auf ihre Gage verzichten, den Duisburger Philharmonikern unter Leitung von Sascha Goetzel, dem Moderator Holger Wemhoff, dem künstlerischen Leiter Alard von Rohr, dem Kuratorium unter Vorsitz von Mark Frese sowie allen Sponsoren, Förderern, Partnern und Unterstützern.

Beim Gala-Dinner im Anschluss an das Konzert gab es zum zweiten Mal eine Stille Auktion. Die Gäste konnten Kunstwerke und besondere Erlebnisse ersteigern.

Unter dem Vorsitz von Mark Frese (CECONOMY AG) engagiert sich das Kuratorium der Festlichen Operngala Düsseldorf für den guten Zweck mit den Mitgliedern Carsten Fritz (Steigenberger Parkhotel Düsseldorf), Heinz-Richard Heinemann (Konditormeister), Dr. Volker Leienbach (Verband der privaten Krankenversicherung e.V.), Julia Piras (Bucherer 1888, Düsseldorf), Prof. Dr. med. Elisabeth Pott und Dr. jur. Hans-Michael Pott, Richard Alexander Schmitz (Ralf Schmitz GmbH & Co. KGaA) und Dr. Jürgen Schröder (McKinsey & Company). Zum Gelingen der Festlichen Operngala beigetragen haben außerdem die CECONOMY AG, die Stadtsparkasse Düsseldorf, die PKV – Verband der privaten Krankenversicherung, Bucherer Deutschland, KPMG und der Medienpartner Rheinische Post.

Spendenkonto der Deutschen AIDS-Stiftung: IBAN: DE85 3705 0198 0008 0040 04

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Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Walküre von Richard Wagner, IOCO Kritik, 06.02.2018

Februar 6, 2018 by  
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Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

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Walküre von Richard Wagner

  Regieclou:  Walküre überrascht mit listigem Wotan 

Von Hanns Butterhof

Man konnte gespannt sein, wie sich Der Ring des Nibelungen an der Düsseldorfer Rheinoper nach dem Rheingold – Vorabend entwickeln würde. Aber von einer Entwicklung war kaum etwas zu sehen, die im Rheingold prominent dem Feuerhalbgott Loge eingeräumte Rolle als listiger Strippenzieher und Geist des ewigen Werdens und Wandels verkümmert zu Herdfeuer und Kerzenlicht. Stattdessen wird nicht ohne Irritationen erzählt, wie ein noch listigerer Wotan seinen Plan scheitern lässt, mit Hilfe Siegmunds die Götter- und Menschenwelt zu retten, damit er mit Siegfried gelingt.

Dieter Richter hat für Die Walküre eine bunkerartige, düstere Einheitsbühne gebaut, die ihre dramaturgischen Tücken hat. Der große Esstisch auf der linken Bühnenseite lässt nur wenig Raum zum flackernden Herd auf der rechten Seite. Nach hinten hinaus, an der säulenartigen Esche vorbei bis zu der Reihe niedriger Fenster ist toter Raum, so dass sich das Geschehen mit der Tendenz zur Statik eines Kammerspiels familiär am Küchentisch ballt.

Kammerspiel am Küchentisch

Dietrich Hilsdorfs Regie mindert das dramatische Geschehen um immerhin die Weltrettung ins Unauffällige, Bürgerliche. Das beginnt schon mit der Ouvertüre, in der Hunding (Sami Luttinen) wie von der Jagd mit einem Gewehr bewaffnet nach Haus kommt. Er hängt seinen Mantel am Eschenstamm auf, wo ihm der Griff des Schwerts Nothung wie ein beliebiger Knauf als Garderobe dient. Seine routinierte Zärtlichkeit, die an einen aus dem Büro heimkehrenden Ehemann erinnert, stößt Sieglinde (Elisabet Strid ) widerwillig zurück, woraufhin sich Hunding ohne viel Aufhebens in sein Schlafzimmer zurückzieht. Das Schrecknis des Unglücks, das Sieglinde als Ehefrau in seinem Hause erleidet, wird so zum alltäglichen Schrecken bürgerlichen Ehelebens gemildert.

Deutsche Oper am Rhein / Die Walküre - hier Sami Luttinen als Hunding, Elisabet Strid als Sieglinde, Corby Welch als Siegmund © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Die Walküre – hier Sami Luttinen als Hunding, Elisabet Strid als Sieglinde, Corby Welch als Siegmund © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Hunding, den Sami Luttinen mit leicht orgelndem Bass gibt, ist kein böser, eher ein recht konventioneller Mensch. Mit dem vor ihm geflohenen, aber erstaunlicherweise nach ihm eintreffenden Siegmund (Corby Welch) setzt er sich, wenn auch das Gewehr stets griffbereit, an den Küchentisch, hört sich interessiert dessen Lebensgeschichte an und bietet ihm nicht nur Schutz für eine Nacht, sondern auch ein Glas Wein an.

Siegmund, der im langen, verdreckten und vom Kampf löchrigen Militärmantel (Kostüme: Renate Schmitzer) erst erschöpft am Herdfeuer nieder- und in Schlaf gesunken war, blüht angesichts der sich innig um ihn bemühenden Sieglinde und des Schwerts Nothung auf, das er ohne viel Mühe aus dem Stamm der Esche zieht. Jubelnd entdecken sie, dass sie Zwillinge sind und tauschen in kindlicher Unschuld ihre Kleider, bevor über ihre sündige Liebe schnell der Vorhang fällt.

Elisabet Strid ist als Sieglinde brilliant. Ihr kräftiger, jugendlich frischer Sopran ist auch in den Höhen unangestrengt und ungewöhnlich textverständlich. Ihr Spiel ist ausdrucksstark und fesselt gleichermaßen bei inniger Zärtlichkeit wie in aufloderndem Wahn. Auch Corby Welch überzeugt mit variablem, eher lyrischem als heldenhaft dramatischem Tenor, dem er darstellerisch als sehr umsorgend liebender, nicht ruppig-gewalttätiger Siegmund entspricht.

Deutsche Oper am Rhein / Die Walküre- hier Renée Morloc als Fricka, Simon Neal als Wotan, Linda Watson als Brünnhilde © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Die Walküre- hier Renée Morloc als Fricka, Simon Neal als Wotan, Linda Watson als Brünnhilde © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Der zweite Akt bringt dann mit einem von der Regie gesetzten Zeitsprung von sechs Monaten einen überraschenden Eingriff in den Ablauf der „Walküre“. Die Bühne ist nur wenig verändert, die Esche hat keine Krone, und von der Decke hängt unbewegt ein riesiger Ventilator herab. Die Fenster sind etwas höher geworden und das Feuer im Herd ist erloschen.

Der Zeitsprung ist ein Sprung aus der Realität, nur erklärlich als Blick in Wotans Gedanken von der Zukunft, die er sich während der Liebesnacht der Wälsungen macht: Am Tisch sitzen in trauter Eintracht Hunding, Siegmund und die schon sichtlich schwangere Sieglinde mit einigen Walküren. Man trinkt fröhlich, während der militärisch uniformierte Wotan (Simon Neal) in ausgelassener Stimmung auf dem Tisch tanzt. Er freut sich offensichtlich an dem werdenden Leben, fasst gerne auf Sieglindes deutlich gerundeten Bauch, in dem sich ihr Kind schon schmerzlich ungestüm zeigt. Der Walküre Brünnhilde (Linda Watson) erteilt er den Auftrag, Siegmund vor Hunding zu schützen, was wegen Nothung und der gegebenen Geselligkeit etwas überflüssig erscheint. Doch ihm vergeht gründlich das Lachen, als seine Gattin Fricka (Renée Morloc) hereinrauscht. Die würdevolle Matrone in festlich schwarzem Kleid durchkreuzt seine auf Siegmund gerichteten Hoffnungen und zwingt ihn als Hüterin der Ehe dazu, den inzestuösen Ehebrecher zu vernichten. Zerknirscht gibt Wotan klein bei und widerruft in einem spannungsreichen Disput mit der widerstrebenden Brünnhilde seinen Schutz-Befehl.

Im Orchester gewittert es gewaltig, als sich Wotan, der zwanghaft ordentlich Stühle und Gläser gerade rückt, als fremdbestimmt erfährt. Simon Neals variablem, schlanken Bariton stehen eindrucksvoll Schmerz, Wut oder Trauer zur Verfügung, dem Linda Watsons Brünnhilde berührend Zärtlichkeit und kraftvoll dramatische Widerständigkeit entgegensetzt.

Dass Hilsdorf den Akt sechs Monate nach dem Abend in Hundings Hütte spielen lässt, ist so irritierend wie die Familienkonstellation am Küchentisch. Vor allem wird anfangs nicht plausibel, wieso Sieglinde erst später durch Brünnhilde von ihrer Schwangerschaft erfährt. Wenn Hilsdorf diese Schwierigkeiten in Kauf nimmt, muss er einen schwerwiegenden Grund dafür haben. Der könnte darin bestehen, dass er so Raum für einen Wotan gewinnt, der weitsichtiger und noch durchtriebener ist als Loge. Wotan hatte bei seinen Planungen zur Weltrettung alles im Griff bis hin zum Inzest des Wälsungen-Paares. Und er weiß gewiss auch, dass Siegmund nicht der freie Held ist, den er braucht. So dürfte er auch Frickas Einwendungen gegen dessen Sieg über Hunding vorhergesehen, sogar eingeplant haben. Indem sein Plan mit Siegmund scheinbar scheitert, kommt er seinem Endziel ein Stück näher, ist doch erst der im Werden begriffenen Siegfried der Held, den er braucht. Da bekommt auch der Streit mit Brünnhilde, die seinem Befehl zuwider gehandelt hat, ihren Sinn. Was als Strafe erscheint, sie aus dem Kreis der Walküren auszustoßen und auf den flammenumloderten Felsen zu verdammen, erweist sich als kluge Vorsorge, sie für Siegfried aufzusparen, an dessen Werden und für dessen Wirken er vor Fricka und der Welt als nicht verantwortlich erscheint. Da dürfen die bunten Varieté-Lämpchen um den Bühnenrahmen einmal aufflammen, als würden sie dem Publikum zuzwinkern.

Deutsche Oper am Rhein / Die Walküre - hier Elisabet Strid als Sieglinde, Corby Welch als Siegmund © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Die Walküre – hier Elisabet Strid als Sieglinde, Corby Welch als Siegmund © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Das ist aufgeklärt und sinnig gedacht, irritiert aber die romantischen Erwartungen des Publikums erheblich, das dann mit dem Zeitsprung zurück in Hundings Hütte zurechtkommen muss. Dort setzt die Geschichte wieder ein, als Siegmund das Schwert erneut aus der Esche zieht und das Paar vor Hunding flieht. Recht gelassen ist dann Brünnhildes Gespräch mit Siegmund, das ihm den Tod verkündet. Hunding erschießt ihn ohne Zeichen von Grimm, eher weil das die Vollendung seiner Hilfe für die Stammesfreunde erfordert, konventionell zieht er vor dem Toten den Hut. Wenn Wotan ihn mit seiner letzten Geste verächtlich zu Boden streckt, trägt dies deutliche Züge von projiziertem Selbsthass des von Konventionen gebundenen Gottes. Derweil flieht die nun über ihre Schwangerschaft aufgeklärte Sieglinde mit Brünnhilde und den Trümmern Nothungs vor Wotans vermeintlicher Vernichtungswut.

Zwar ist zu Beginn des dritten Akts spektakulär das Rattern eines Hubschraubers über das Opernhaus zu hören, der sich dann abgestürzt und teilweise ausgebrannt im Kunstnebel auf der Bühne befindet, aber das Ende ist eher entspannt. Unter ausnehmend schönem Chorklang ihres Hojotaho führen die Walküren junge Männer in Militärhosen, nacktem Oberkörper und Hosenträgern zu Tisch, die außer kleineren Verwundungen wenig Heldenhaftes an sich haben. Mehr zur Lust mit ihren Helden geneigt als selber heldenhaft sind die Walküren, wenn sie der mit Sieglinde herbeijagenden Brünnhilde helfen sollen; keine wagt gegen Wotan aufzumucken. Nur Brünnhilde stellt sich seinem Zorn, auch um Sieglinde die Flucht zu decken, nachdem sie ihr noch die Trümmer von Nothung in die Hand gedrückt und ihr prophezeit hat, dass ihr Sohn das Schwert einst wieder schmieden wird. Und als diejenige, die Wotans tiefsten Willen weiß, weiß sie auch, dass dieser Sohn einst als Mann für sie bestimmt ist. Es ist Wotans Selbstgespräch mit ihr, in dem seine furchtbare Strafe so gestaltet wird, dass nur Siegfried als der von ihm gewünschte freie Held die Flammen durchdringt, in deren Schutz er sie einhüllt. Man sieht das Feuer vor den Fenster lodern, während Brünnhilde ruhig, wohl auf Siegfried wartend, am Küchentisch verbleibt.

Deutsche Oper am Rhein / Die Walküre - hier Katja Levin als Ortlinde, Maria Hilmes als Rossweisse, Katarzyna Kuncio als Waltraute, Evelyn Krahe als Schwertleite, Katharina von Bülow als Grimgerde © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Die Walküre – hier Katja Levin als Ortlinde, Maria Hilmes als Rossweisse, Katarzyna Kuncio als Waltraute, Evelyn Krahe als Schwertleite, Katharina von Bülow als Grimgerde © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Die Regie Dietrich Hildorfs ist nicht ohne Brüche und zielt selten auf den bloßen Effekt wie bei dem Hubschrauber. Meistens zeichnet er die Figuren differenziert und einfühlsam, vor allem zwischen Wotan und Brünnhilde entfaltet sich berührend ein reiches Gefühlsspektrum. Rätselhaftes wie schon im „Rheingold“ verwunderliche Übergaben der Erda-Perücken und vor allem der Zeitsprung im zweiten Akt irritieren, distanzieren bei aller Sinnhaftigkeit doch erheblich vom Geschehen und nagen an der Spannung, die sich um den Tisch herum sowieso nur mühsam entfaltet.

Axel Kober am Pult der Düsseldorfer Symphoniker trägt dem Regiekonzept weitgehend Rechnung. Er vermeidet den ganz großen Wagner-Sog, den er durch deutliche Generalpausen zusätzlich bremst. Sängerfreundlich entfaltet er die lyrischen Passagen und gestaltet mit dramatischen Steigerungen ein insgesamt farbenreiches, klangvolles Spiel.

Nach fünf Stunden mit erfreulich textverständlichem, zusäzlich deutsch übertiteltem Gesang gab es lang anhaltenden, auch im Stehen dargebrachten Beifall vor allem für Elisabet Strid, Linda Watson, Simon Neal und Corby Welch, ebenso für Axel Kober und die Düsseldorfer Symphoniker. Für das Regieteam teilte sich das Publikum in Buh!- und Bravo!-Rufer. Auf die Entwicklung des Hilsdorf-Rings in Siegfried darf man gespannt sein.

Die Walküre an der Rheinoper; Die nächsten Termine: 17.2.2018 um 17.00 Uhr, 4.3.2018 um 15.00 Uhr

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Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Premiere – Wo die wilden Kerle wohnen, 04.02.2018

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Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

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„Wo die wilden Kerle wohnen“

Die Familienoper von Oliver Knussen

Junge Zuschauer ab 6 Jahren lädt die Deutsche Oper am Rhein am Sonntag, 4. Februar, um 11.00 Uhr zur Premiere ein: Oliver Knussens fantastische Oper Wo die wilden Kerle wohnen kommt auf die Bühne des Düsseldorfer Opernhauses. Sie führt den kleinen Max auf eine Traumreise ins schaurig-schöne Reich der Fantasie. Dort begegnet er den „wilden Kerlen“ – seltsamen Kreaturen, mit denen Max die ungeheuerlichsten Abenteuer erlebt.

Deutsche Oper am Rhein / Wo die wilden Kerle wohnen -Statisterie (Doubles Wilde Kerle), Lavinia Dames (Max), Jule Langeder (Dienstmädchen) © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Wo die wilden Kerle wohnen -Statisterie (Doubles Wilde Kerle), Lavinia Dames (Max), Jule Langeder (Dienstmädchen) © Hans Jörg Michel

Die Welt, die Maurice Sendak in seinem berühmten Kinderbuch beschreibt, hat der britische Komponist Oliver Knussen Anfang der 1980er Jahre in einer expressiven Musik voll leuchtender Klangfarben ausgemalt. Wo die wilden Kerle wohnen ist ein Klassiker der Familienoper des 20. Jahrhunderts geworden– der junge Dirigent Jesse Wong bringt ihn in Düsseldorf zum Klingen. In der turbulenten Inszenierung von Philipp Westerbarkei verwandeln sich die Erwachsenen in Max’ Elternhaus in die Helden seiner Fantasie. Dazu hat Tatjana Ivschina, die seit 2009 alle Familienopern an der Deutschen Oper am Rhein ausstattet, eine feudale Villa als Bühnenbild sowie fantastisch-skurrile Kostüme und Masken entworfen. PMDOR

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