Frankfurt, Oper Frankfurt, SOPRANISTIN NICOLE CABELL – Liederabend, 8.5.2018

Mai 4, 2018 by  
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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Sopranistin  NICOLE CABELL

Siebter Liederabend der Spielzeit 2017/18  –  US Sopranistin Nicole Cabell
Dienstag. 8. Mai 2018,  20.00 Uhr

Oper Frankfurt / Liederabend - Nicole Cabell © Erika Dufour

Oper Frankfurt / Liederabend – Nicole Cabell © Erika Dufour

Gold und Samt und Seide – purer Luxus liegt in der Stimme von Nicole Cabell: so nobel im Timbre, so ungemein reich an Farben, so makellos in der Phrasierung, so glamourös und glaubhaft in der Erscheinung; das überzeugte nicht nur die hochkarätige Jury in Cardiff, die ihr 2005 den Titel BBC Cardiff Singer of the World verlieh. Seitdem hat die gebürtige Kalifornierin eine umwerfende Karriere hingelegt, die sie zur absoluten Königsklasse der lyrischen Sopranistinnen zählen lässt. Partien wie Mozarts Gräfin, Donna Elvira und Pamina, Puccinis Mimì und Musetta, Verdis Violetta Valéry, Donizettis Adina, Bizets Leïla sowie Bellinis und Gounods Julia zählen u.a. zu ihrem Repertoire. Überwiegend ist Nicole Cabell auf dem nordamerikanischen Kontinent an Häusern wie der Metropolitan Opera in New York, der Chicago Lyric Opera oder der San Francisco Opera zu erleben, aber auch in Europa gab sie aufsehenerregende Debüts: Händels Alcina am Grand Théâtre de Genève, Mimì an der Pariser Opéra National, zuvor Prinzessin Eudoxie (La Juive) am Royal Opera House Covent Garden in London – wo sie auch Violetta sang –, Bizets Micaëla (Carmen) und Donna Elvira (Don Giovanni) an der Deutschen Oper Berlin. In Australien debütierte sie in der weiblichen Hauptpartie von Gershwins Porgy and Bess mit dem Sydney Symphony Orchestra.

Anlässlich ihres Liederabends präsentiert Nicole Cabell, begleitet von Simon Lepper am Klavier, Lieder von Fernando Obradors, Maurice Ravel, Benjamin Britten und Ricky Ian Gordon sowie Spirituals

Karten zum Preis von € 15 bis 95 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf) sind bei unseren üblichen Vorverkaufsstellen, online unter www.oper-frankfurt.de oder im Telefonischen Vorverkauf 069 – 212 49 49 4 erhältlich.


Achter und letzter Liederabend in dieser Spielzeit: 12. Juni 2018
Tanja Ariane Baumgartner, Mezzosopran

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Liederabend-Reihe der Oper Frankfurt der Saison 2018 / 19 

Günther Groissböck, Bass 11. September 2018
Hanna-Elisabeth Müller, Sopran 20. November 2018
Luca Salsi, Bariton 18. Dezember 2018
Ludovic Tézier, Bariton 22. Januar 2019
Stéphanie d’Oustrac, Mezzosopran 26. März 2019
Edita Gruberová, Sopran 23. April 2019
Michael Porter, Tenor 07. Mai 2019
Michel Spyres, Tenor 18. Juni 2019;

—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—

 

Frankfurt, Oper Frankfurt, DAS RHEINGOLD, April & Mai 2018

April 17, 2018 by  
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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Wiederaufnahme DAS RHEINGOLD

Vorstellungen: 19., 22. April, 1., 6. Mai 2018

Vorabend des Bühnenfestspiels Der Ring des Nibelungen von Richard Wagner
Text vom Komponisten
Mit deutschen und englischen Übertiteln
Musikalische Leitung: Sebastian Weigle

Inszenierung: Vera Nemirova
Szenische Leitung der Wiederaufnahme: Orest Tichonov
Bühnenbild: Jens Kilian
Kostüme: Ingeborg Bernerth
Licht: Olaf Winter
Video: Bibi Abel
Dramaturgie: Malte Krasting
Wotan: James Rutherford Fricka: Claudia Mahnke
Donner: Brandon Cedel Freia: Sara Jakubiak
Froh: AJ Glueckert Erda: Tanja Ariane Baumgartner
Loge: Kurt Streit Woglinde: Elizabeth Reiter
Alberich: Jochen Schmeckenbecher Wellgunde: Judita Nagyová
Fasolt: Alfred Reiter Floßhilde: Katharina Magiera
Fafner: Andreas Bauer
Statisterie der Oper Frankfurt; Frankfurter Opern- und Museumsorchester

Oper Frankfurt / Das Rheingold - v.l.n.r. Kurt Streit (Loge) und James Rutherford (Wotan) © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Das Rheingold – v.l.n.r. Kurt Streit (Loge) und James Rutherford (Wotan) © Barbara Aumüller

Nachdem der Vorabend der Tetralogie Der Ring des Nibelungen von Richard Wagner (1813-1883) am 2. Mai 2010 auf Jens Kilians bereits legendärer „Frankfurter Scheibe“ Premiere gefeiert hatte, waren sich Publikum und Presse einig, Zeugen eines verheißungsvollen Auftakts geworden zu sein. So urteilte die Kritikerin der Stuttgarter Nachrichten: „Vera Nemirova lässt es mächtig menscheln, Sebastian Weigle schafft zum analytischen Zugriff der Regisseurin eine zwingende musikalische Entsprechung, und unter den Sängern sind Kurt Streit als agiler, schneidend hell timbrierter Loge und Jochen Schmeckenbecher als enorm präzise sprechender und singender Alberich die Besten.“ SWR2 schloss sich an: „Fortsetzung folgt. Und die scheint vielversprechend zu werden, angesichts des außerordentlich ästhetischen, sängerdarstellerisch packenden Regiekonzepts, das Vera Nemirova in ihrem Rheingold vorgelegt hat.“ Nun ist die Produktion in ihrer vierten Wiederaufnahme an der Oper Frankfurt zu erleben, wobei geplant ist, dass sich der Ring in den kommenden Spielzeiten mit weiteren Einzelaufführungen der folgenden Tage erneut schließen soll.

Oper Frankfurt / Das Rheingold - v.l.n.r. Judita Nagyová (Wellgunde), Katharina Magiera (Flosshilde), Elizabeth Reiter (Woglinde) und Jochen Schmeckenbecher (Alberich) © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Das Rheingold – v.l.n.r. Judita Nagyová (Wellgunde), Katharina Magiera (Flosshilde), Elizabeth Reiter (Woglinde) und Jochen Schmeckenbecher (Alberich) © Barbara Aumüller

Zum Inhalt: Am Beginn ruht das Rheingold, bewacht durch die drei Rheintöchter, auf dem Grund des Flusses. Der Zwerg Alberich muss der Liebe entsagen, um den Schatz rauben zu können. Aus dem Gold schmiedet er sich einen Ring, der ihm die Macht verleiht, die Welt zu beherrschen. Derweil entdeckt Göttervater Wotan den Raub des Goldes. Er hatte seinerzeit den Riesen Fasolt und Fafner für den Bau der Burg Walhall die Jugendgöttin Freia als Lohn versprochen, ohne diesen wirklich zahlen zu wollen. Der Feuergott Loge versucht, den beiden eine andere Belohnung anzubieten und macht sie auf den Schatz aufmerksam. Sie willigen in den Tausch ein und wollen Freia ziehen lassen, sobald sie das Gold erhalten haben. Wotan und Loge steigen nach Nibelheim hinab und überlisten dort Alberich, indem sie ihn dazu verleiten, sich mit Hilfe des von seinem Bruder Mime geschmiedeten Tarnhelms in eine Kröte zu verwandeln. Daraufhin wird Alberich von den Göttern gefangengenommen und nur unter Herausgabe des Schatzes wieder freigelassen. Als Alberich seine aussichtslose Lage erkennt, verflucht er den Reif. Die Macht der Verwünschung wird sogleich ersichtlich: Im Streit um die Teilung des Schatzes erschlägt Fafner seinen Bruder. Zuletzt warnt Erdenmutter Erda Wotan vor der Götterdämmerung.

Oper Frankfurt / Das Rheingold - v.l.n.r. Kurt Streit (Loge) und James Rutherford (Wotan) © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Das Rheingold – v.l.n.r. Kurt Streit (Loge) und James Rutherford (Wotan) © Barbara Aumüller

Unter der musikalischen Leitung von GMD Weigle kommt es zu ausschließlich aus dem Ensemble stammenden Neubesetzungen, darunter Brandon Cedel (Donner), AJ Glueckert (Froh), Michael McCown (Mime), Andreas Bauer (Fafner), Sara Jakubiak (Freia), Tanja Ariane Baumgartner (Erda), Elizabeth Reiter (Woglinde) und Judita Nagyová (Wellgunde). Mit der Produktion vertraut sind neben den eingangs genannten Sängern auch James Rutherford (Wotan) – nunmehr als Gast – sowie Alfred Reiter (Fasolt), Claudia Mahnke (Fricka) und Katharina Magiera (Flosshilde) aus dem Ensemble.

Oper Frankfurt / Das Rheingold - v.l.n.r. AJ Glueckert (Froh), Brandon Cedel (Donner), Kurt Streit (Loge), James Rutherford (Wotan) und Statist der Oper Frankfurt © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Das Rheingold – v.l.n.r. AJ Glueckert (Froh), Brandon Cedel (Donner), Kurt Streit (Loge), James Rutherford (Wotan) und Statist der Oper Frankfurt © Barbara Aumüller

Wiederaufnahme: Freitag, 13. April 2018, um 19.30 Uhr im Opernhaus
Weitere Vorstellungen: 19., 22. April, 1., 6. Mai 2018
Alle Vorstellungen beginnen um 19.30 Uhr

—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—

Frankfurt, Oper Frankfurt, Wiederaufnahme LA SONNAMBULA, 20.04.2018

April 11, 2018 by  
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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

LA SONNAMBULA von Vincenzo Bellini

Text Felice Romani, nach dem Libretto von Eugène Scribe

La Somnambule ou L’Arrivée d’un nouveau seigneur (1827) von Jean-Pierre Aumer
In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Oper Frankfurt / La sonnambula - Brenda Rae (Amina) und Chor der Oper Frankfurt © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / La sonnambula – Brenda Rae (Amina) und Chor der Oper Frankfurt © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / La sonnambula - Kihwan Sim (Rodolfo) und Brenda Rae (Amina) © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / La sonnambula – Kihwan Sim (Rodolfo) und Brenda Rae (Amina) © Barbara Aumüller

La sonnambula von Vincenzo Bellini (1801-1835) in einer Neuinszenierung von Tina Lanik versetzte bei der Premiere am 30. November 2014 das Publikum in einen wahren Belcanto-Taumel, dem sich auch die berichtende Presse nicht entziehen konnte. So war im englischen Fachmagazin Opera zu lesen: „Brenda Rae (…) hat nun die Rolle der Amina ins Visier genommen und sich mit ihrer Leistung bereits jetzt als eine der führenden Darstellerinnen dieser Partie etabliert. Sie beeindruckte mit Sicherheit, perfekten Koloraturen, makelloser Linien- und Atemkontrolle; ihre strahlenden hohen Töne krönten eine Stimme über alle Register hinweg.“ Und der Deutschlandfunk berichtete: „Orchester und Chor unter der koreanischen Dirigentin Eun Sun Kim bekommen die Leichtigkeit, den schwerelosen Schwung und die tänzerische Unbekümmertheit der Komposition bestens hin.“ Nun wird die Produktion aus der Spielzeit 2014/15 zum ersten Mal wiederaufgenommen.

Zum Inhalt: In einem Schweizer Bergdorf soll die Verlobung der jungen Waise Amina mit dem reichen Gutsbesitzer Elvino gefeiert werden. Doch das Mädchen wird am Vorabend der Festlichkeiten im Zimmer des Grafen Rodolfo entdeckt, so dass Elvino sie der Untreue bezichtigt und sein Heiratsversprechen löst. Erst als die verzweifelte Amina wie in Trance vor die Dorfgemeinschaft tritt, kann Rodolfo durch die Erläuterung des Phänomens des Schlafwandelns die Situation aufklären. Amina erwacht, und das Paar fällt sich erleichtert in die Arme.

Vincenco Bellini Grabstätte in Paris © IOCO

Vincenco Bellini Grabstätte in Paris © IOCO

Wie bereits erwähnt liegt die musikalische Leitung der Wiederaufnahme erneut bei Eun Sun Kim, die in Frankfurt schon mit Puccinis La Bohème (2012 und 2015) sowie mit zwei konzertanten Aufführungen von Emmerich Kálmáns Die Csárdásfürstin (2014) zu erleben war. Zu ihren aktuellen Plänen gehören u.a. Bizets Carmen am Opernhaus Zürich und Dvoraks Rusalka an der San Francisco Opera. Die amerikanische Sopranistin Brenda Rae gehörte von 2008 bis 2017 zum Ensemble der Oper Frankfurt, wo sie unbestritten zu den Publikumslieblingen zählte. Nun singt sie in der laufenden Saison 2017/18 erstmals wieder im Haus am Willy-Brandt-Platz, und zwar als Gilda in Verdis Rigoletto sowie erneut als Schlafwandlerin Amina.

Zu ihren aktuellen Gastengagements gehören zudem Zerbinetta in Strauss’ Ariadne auf Naxos an den Staatsopern von Berlin und München sowie Cunegonde in Bernsteins Candide an der Santa Fe Opera. Auch Ensemblemitglied Kihwan Sim (Rodolfo) ist wieder mit von der Partie. Zu seinen aktuellen Frankfurter Aufgaben gehören Procida in Die sizilianische Vesper und Sparafucile in Rigoletto. Neu besetzt hingegen ist der rumänische Tenor Ioan Hotea (Elvino). Besonders dem Hessischen Staatstheater Wiesbaden verbunden, wird er dort aktuell als Ferrando in Così fan tutte und als Don Ottavio in Don Giovanni zu erleben sein. Zudem gastiert er in naher Zukunft als Ernesto in Donizettis Don Pasquale an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf-Duisburg und an der Staatsoper Stuttgart. Zu den Neubesetzungen aus dem Ensemble gehört Katharina Magiera (Teresa), während Elizabeth Sutphen (Lisa), Thesele Kemane (Alessio) und Jaeil Kim (Ein Notar) zu den Mitgliedern des Opernstudios der Oper Frankfurt zählen.

Musikalische Leitung: Eun Sun Kim, Inszenierung: Tina Lanin, Szenische Leitung  : Hans Walter Richter, Bühnenbild: Herbert Murauer, Kostüme: Stefan Hageneier, Licht: Olaf Winter, Chor: Tilman Michael, Dramaturgie: Mareike Wink

Amina: Brenda Rae, Elvino: Ioan Hotea, Rodolfo: Kihwan Sim, Lisa: Elizabeth Sutphen,
Teresa: Katharina Magiera, Alessio: Thesele Kemane, Ein Notar: Jaeil Kim, Chor der Oper Frankfurt; Frankfurter Opern- und Museumsorchester

Wiederaufnahme: Freitag, 20. April 2018, um 19.30 Uhr , Weitere Vorstellungen: 28. April, 5., 10. (18.00 Uhr), 12. Mai 2018Falls nicht anders angege, ben, beginnen diese Vorstellungen um 19.30 Uhr,

—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—

Frankfurt, Oper Frankfurt, Enrico von Manfred Trojahn, IOCO Kritik, 10.02.2018

Februar 11, 2018 by  
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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Enrico von Manfred Trojahn

„Narren sind die, die mitmachen“

Dramatische Komödie Manfred Trojahn und Claus H. Henneberg,  nach Enrico IV von Luigi Pirandello

Von Ljerka Oreskovic Herrmann

Obwohl es aus dem „vorigen“ Jahrhundert stammt, ist dieses Stück ein Spiegelbild unserer Zeit. Pirandellos Enrico erlebte 1922, Trojahns Oper 1991 (in Schwetzingen) seine Uraufführung. Und es ist zuvorderst eine wunderbare Geschichte für das Theater, um Maskerade im sprichwörtlichen und übertragenen Sinne, um liebgewonnene Rollen und folgenschwere Aktionen, die keine Erlösung gewähren.

Oper Frankfurt / Enrico - hier Holger Falk als Enrico und Juanita Lascarro als Marchesa Matilda Spina © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Enrico – hier Holger Falk als Enrico und Juanita Lascarro als Marchesa Matilda Spina © Barbara Aumüller

Doch wie kam es dazu? Ein Maskenfest bei Belcredi, Enricos Freund, auf dem Enrico als deutscher Kaiser Heinrich IV. und seine angebetete Matilda als Markgräfin Mathilde von Toskana erscheinen, endet tragikomisch, weil realitätsverlustig. Enrico, der Ver-rückte, der nach einem Sturz vom Pferd glaubt, Heinrich IV. – Italienisch Enrico – zu sein, ist nicht der vom Pfad der Vernunft abgekommene Irre, sondern all die andern, die ihn im Wahn beglaubigen. Sie sind die wahren Narren – in unserer Zeit scheint sich das sogar zu perpetuieren, denn was glauben wir nicht alles, was uns minütlich als „wahre“ Begebenheit präsentiert wird. Ein „Wahn-Sinn“, der dann umso schneller um sich greift, je weniger er plausibel dafür umso spektakulärer wirkt. Das Spektakuläre ist nicht, dass sich der „irrsinnige“ Enrico für die Inkarnation des Salierkönigs aus dem 11. Jahrhundert – berühmt wegen seines Canossa-Gangs – hält, sondern das Unvermögen seiner Umgebung diesen über 20 Jahre sich hinziehenden Spuk zu beenden. Und so spielen sie allesamt „Komödie“, ob im historisierten oder modernen Kostüm; zwei lebensgroße Portraits von Enrico und Matilda, links und rechts auf der Bühne platziert, markieren die Spielfläche und den Handlungsrahmen. Die Verkleidung überdeckt dabei nur mühsam alte Konflikte, und die erhoffte „Heilung“ macht aus der Komödie ein Drama.

Bertoldo, der neue Diener wird eingewiesen, als Gäste eintreffen. Es sind Marchesa Matilda Spina und Barone Tito Belcredi, Carlo di Nolli, ein Arzt und Matildas Tochter. Die Idee ist, Enrico mittels Schocktherapie, sprich Konfrontation mit der Vergangenheit, zu heilen, und dafür kleiden sich alle in historische Kostüme. Frida, die ihrer Mutter Matilda fast aufs Haar gleicht, trägt das Kleid von damals (und auf dem Portrait). Carlo, ein Neffe Enricos und Fridas Verlobter, hat sich als Heinrich IV. kostümiert und beide sollen anstelle der Portraits treten. Derweil tragen Matilda und Frida Probleme aus. Belcredi ist ohnehin skeptisch ob des Gelingens, so dass sich alle vorerst zurückziehen. Das Spiel nimmt eine neue Wendung, weil Enrico (im Jutegewand) seinen Dienern – außer dem treuen Giovanni – gesteht, dass er an dem Wahn festhält, um die anderen zu entlarven. Endlich ist es soweit: Frida und Carlo haben die verabredeten Plätze eingenommen, als Enrico erscheint und Frida, seine vermeintliche Matilda, für sich beansprucht. Belcredi, seine Täuschung durchschauend, stellt sich ihm in den Weg. Enrico zieht die Waffe seines Neffen Carlo und sticht zu, Belcredi stirbt. Enrico rettet sich, um unbehelligt weiterzuleben, nun in die lebenslange „Wahnsinns-Rolle“. Und die anderen? Sie werden ebenso nicht mehr aus der Nummer herauskommen können, das Spiel mit dem Wahn, der Kostümierung und Demaskierung hat sich in tödlichen Ernst gewandelt.

Oper Frankfurt / Enrico - hier Holger Falk als Enrico © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Enrico – hier Holger Falk als Enrico © Barbara Aumüller

Während die Musik antreibt, peitscht, die Schraube weiterdreht, hält die Szene manchmal inne: eine Musik, die auf das finale Ende zu prescht, das Bühnenspiel dagegen wie ein retardierendes Moment für einen Sekundenbruchteil das Geschehen anhält – daraus entsteht ein beeindruckendes Spannungsgefüge, was sich auch auf das Publikum überträgt und die Konzentration förmlich mit Händen zu greifen ist. Tobias Heyders Regie ist dieses Kunststück gelungen, mit der Musik und doch eigenständig von ihr das Spiel um Rollen, Maskeraden und Täuschungen des Lebens darzustellen und bis zum unausweichlichen Ende die Spannung zu halten. Britta Tönnes Bühnenbild verströmt den Hauch der Geschichte ohne jedoch antiquiert zu wirken: Die riesige Rund-Bibliothek im Hintergrund und noch deutlicher die Ahnentafel stellen eine Verbindung zu Heinrich IV. und zur Vorgeschichte her. Verena Polkowskis Kostüme reichen von modern und den mit wenigen Handgriffen und Umhängen durchgeführten Wechsel hin zur historischen Anmutung. Eniricos Kutte kommt dabei eine doppelte Bedeutung zu, denn sein Träger ist ein „aus der Zeit“ gefallener Mensch: Sie verweist vordergründig auf die lange zurückliegende Historie, vor allem auf den sich in der Kleidung ausdrückenden Irrsinn Enricos. Während Enricos’ Äußeres wahnhafte Züge offenbart, zeugt seine Sprache und sein Gesang vom Gegenteil. Holger Falk ist ein grandioser Enrico, stimmlich und darstellerisch souverän und überzeugend bis in jede Faser seiner Kutte – er dominiert das Geschehen, auch dann wenn er nicht auf der Bühne ist.

Juanita Lascarro gibt eine wunderbar schrille Marchesa Matilda Spina, die ihre Unruhe und das Bedauern über den Verlust ihrer Jugend schwer verbergen kann, und doch auch schöne lyrische Momente hat. Sebastian Geyer zeigt Belcredi, den Dritten im Bunde in dieser Geschichte um Begehrlichkeiten und Zurückweisungen als kühlen und rationalen (besonders im Sprachduktus) Gegenspieler Enricos. Angela Vallone spielt Frida als genervt-trotzige Tochter, die ihrer Mutter ziemlich zusetzt. Theo Lebow zeigt Carlo di Nolli als einen von der Situation etwas überforderten jungen Mann. Dietrich Volle ist der hochtrabende und vermeintlich „alles-im-Griff-habende“ Dottore, Dogus Güney der behutsame und treue Diener Giovanni und nicht zu vergessen sind die hervorragenden vier Diener. Allen voran Peter Marsh (in einer sehr hohen Tenorpartie) als Landolfo, Samuel Levine als Bertoldo, Björn Bürger als Arialdo und Frederic Jost als Ordulfo.

Oper Frankfurt / Enrico - hier v.l. Peter Marsh als Landolfo, Samuel, Levine als Bertoldo, Björn Bürger als Arialdo, Frederic Jost als Ordulfo, Juanita Lascarro als Marchesa Matilda Spina, Holger Falk als Enrico, Dietrich Volle als Dottore © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Enrico – hier v.l. Peter Marsh als Landolfo, Samuel, Levine als Bertoldo, Björn Bürger als Arialdo, Frederic Jost als Ordulfo, Juanita Lascarro als Marchesa Matilda Spina, Holger Falk als Enrico, Dietrich Volle als Dottore © Barbara Aumüller

Diese Diener, die Trojahn in Anlehnung an die vier Gespielen der Zerbinetta in der Ariadne auf Naxos, kreierte und auch Richard Strauss musikalisch zitiert, sind ähnlich wie diese agil und bemüht ihrem Herrn zu Diensten zu sein. Sobald sie aber die alten Gehröcke anziehen, ist es als bleibe die Zeit stehen, sie verharren beinahe wie eine Schutztruppe um Enrico gruppiert. Dieses Spielen verdankt sich der genauen und guten Zusammenarbeit zwischen „Graben“ und Bühne. Graben in Anführungszeichen, weil es im Bockenheimer Depot tatsächlich keinen gibt und sich die Bühne auf Augenhöhe des Dirigenten befindet. Deshalb geht das große Lob an das (verkleinerte) Opernhaus- und Museumsorchester unter der Leitung von Roland Böer, der in Frankfurt kein Unbekannter ist. Wie er mit dem Orchester immer wieder die Stimmung der Protagonisten auf der Bühne aufgreift, vorantreibt, die Einzelstimmen (so z.B. die Trompete) mit den anderen Instrumenten zusammenführt und dennoch nie das Geschehen auf der Bühne aus dem Blick verliert, ist beeindruckend. Trojahns Musik steckt voller Anspielung auf die Werke des 20. Jahrhunderts, der Text von Claus H. Henneberg stellt die eindringliche Frage nach Identität und der Rolle, die jeder im Leben spielt.

Ein großartiger, packender Abend, der mit großem Applaus, auch für den anwesenden Komponisten Manfred Trojahn, belohnt wurde.

—| IOCO Kritik Oper Frankfurt |—

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