Landshut, Landestheater Niederbayern, 30.11. – Kundgebung für Theatererhalt, IOCO Aktuell, 23.11.2019

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Landestheater Niederbayern

Stadttheater Landshut / Theaterzelt © Peter Litvai - Landestheater Niederbayern

Stadttheater Landshut / Theaterzelt © Peter Litvai – Landestheater Niederbayern

Abschlusskundgebung zur Theater-Petition – 30.11.2019

Landestheater Niederbayern und Theaterfreunde Landshut in der Altstadt

Im Oktober 2019 informierte IOCO – Kultur im Netz, www.ioco.de, daß der Betrieb des Stadttheater Landshut, des Niederbayerischen Landestheater und damit die Vielfalt der Kultur der ganzen Region gefährdet ist. Über eine Petition (link hier) wird für den Erhalt des Stadttheater Landshut geworben. IOCO unterstützt diese Petition. Der Stadtrat von Landshut wird am 6. Dezember 2019 über die Zukunft des Theaters entscheiden. NB: Landshut ist mit 72.000 Einwohnern die größte Stadt Niederbayerns (größer als Passau).

Abschlußkundgebung zum Erhalt des Theater Landshut – 30.11.2019

Innerhalb weniger Wochen haben über 18.300 Menschen die Petition „NEIN ZUM AUS für das Landestheater! JA zur Sanierung“ unterschrieben – fast 9.000 davon aus der Stadt und dem Landkreis Landshut. Die Einschreibungs-Frist endet am 1. Dezember 2019 – anschließend soll in der ersten Dezember-Woche die Petition offiziell an den Landshuter Oberbürgermeister Alexander Putz übergeben werden. Bevor es soweit ist, laden das Landestheater Niederbayern und die Theaterfreunde Landshut alle Unterschreiber aber auch solche, die sich noch eintragen wollen, am Samstag, 30. November ab 12.00 Uhr in die Landshuter Altstadt (neben der Martins-Kirche) zu einer großen Abschlusskundgebung ein.

Stadttheater Landshut / HIER : ein Entwurf für neue Theater Landshut © bächlemeid architekten

Stadttheater Landshut / HIER : ein Entwurf für neue Theater Landshut © bächlemeid architekten

Mit den verschiedenen Mitteln des Theaters werden Mitarbeiter des Landestheaters, der Theaterfreunde aber auch viele weitere Unterstützer noch einmal deutlich machen, wie wichtig die zügige Weiterplanung und Sanierung des Theaters im Bernlochner-Komplex ist. Die Niederbayerische Philharmonie spielt den ersten und vierten Satz aus Antonin Dvoraks Sinfonie Aus der neuen Welt sowie die Ouvertüre zu den Meistersinger von Nürnberg. Gesangs-Solisten der Opern-Abteilung unterstützt von Mezzosopranistin Franziska Rabl singen thematisch zum Inhalt der Petition passende Arien und Ensembles wie Der Hölle Rache oder Nessun dorma und laden alle Besucher der Kundgebung zu einem gemeinsamen Va pensiero (Gefangenenchor aus Nabucco) ein.

Echte Welturaufführungen bringen die Schauspieler des Landshuter Ensembles und des Theaterjugendclubs zur Aufführung, darunter den „Gebäude-Stimmtisch“, im dem der Bernlochner, St. Martin und das Zelt die aktuelle Situation diskutieren. Auch die „Moritat vom Finanzloch“ und das „Märchen von der Theaterstadt“ werden erstmals vor Publikum vorgetragen. Schüler des Gymnasiums Seligenthal melden sich zu Wort und spielen als BrassMachine die Gemüter warm. Nico Torretta wird mit Michael Ausserbauer, Siegmar Zerrath und weiteren Musikern für Stimmung sorgen. Beim „Open Mic“ dürfen auch die anwesenden Besucher der Kundgebung (nach vorheriger Anmeldung) Ihre Sicht auf die Dinge schildern.

Das Dschungelbuch – eine herrliche Schauspielproduktion des Landestheater Niederbayern
youtube Trailer Landestheater Niederbayern
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Als Redner werden Intendant Stefan Tilch und sein Amtsvorgänger Johannes Reitmeier, Ursula Weger, Mitglied im Vorstand der Theaterfreunde Landshut, Dieter Fischer, früheres Mitglied im Schauspiel-Ensemble und inzwischen weit über die Grenzen Bayerns als Kaiser von Schexing bekannt, Regisseur und Kulturjournalist Thomas Ecker sowie weitere bekannte Gesichter aus der Landshuter Kulturszene und Bürgerschaft in kurzen Statements nochmals an die Stadt Landshut appellieren, die Sanierung zügig fortzusetzen.

Die Kundgebung findet bei jedem Wetter statt

—| IOCO Aktuell Landestheater Niederbayern |—

Dresden, Semperoper, Spielplan Januar 2020

November 19, 2019 by  
Filed under Oper, Premieren, Pressemeldung, SemperOper, Spielpläne

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Semperoper

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

Monatsspielplan Januar 2020

Der erste Monat des Neuen Jahres steht in der Semperoper ganz im Zeichen der mit Spannung erwarteten Neuproduktion von Richard Wagners »Die Meistersinger von Nürnberg« in der Inszenierung von Jens-Daniel Herzog. Die Koproduktion mit den Osterfestspielen Salzburg, dem Tokyo Bunka Kaikan und dem New National Theatre, Tokyo ist erstmalig am 26. Januar 2020 in Dresden in Spitzenbesetzung zu erleben: Unter der Musikalischen Leitung ihres Chefdirigenten, Christian Thielemann, begleitet die Sächsische Staatskapelle Dresden unter anderem Christa Mayer, Jacquelyn Wagner, Adrian Eröd, Vitalij Kowaljow und Georg Zeppenfeld sowie den Sächsischen Staatsopernchor Dresden. Sebastian Kolhepp brillierte bereits bei den Osterfestspielen in Salzburg bei seinem Debüt als David.

Die Dresdner Produktion wird begleitet von einem »Aktenzeichen« am 28. Januar 2020 unter dem Titel »Festwiesenspektakel im Wandel der Zeit« und dem SemperDialog »Wie politisch ist Oper?« am 31. Januar 2020, moderiert vom Leitenden MDR-Kulturredakteur, Andreas Berger.

In Semper Zwei kommt am 15. Januar 2020 »Cabaret« in der Inszenierung von Manfred Weiß zur Wiederaufnahme. Als Conférencier entführen Aaron Pegram und seine Kit Kat Boys and Girls das Publikum in das Berlin der Roaring Twenties, wo Julia Gámez Martín als Sally Bowles und Simeon Esper als Clifford Bradshaw die braunen Schatten aufziehen sehen.

Premiere: 26. Januar 2020: Richard Wagner »Die Meistersinger von Nürnberg«

Weitere Vorstellungen: 30. Januar sowie 2., 10. und 16. Februar 2020


Mi 01.01. 17:00 Die Fledermaus

Do 02.01. 19:00 Lucia di Lammermoor

Fr 03.01. 19:00 Der Freischütz
20:30 Semper Bar

Sa 04.01. 19:00 La bohème

So 05.01. 11:00 Kammerkonzert der Giuseppe-Sinopoli-Akademie
16:00 Der Freischütz

Do 09.01. 13:00 Die Fledermaus (Seniorenvorstellung)
20:00 3. Kammerabend

Fr 10.01. 19:30 Der Nussknacker

Sa 11.01. 19:00 Die Fledermaus

So 12.01. 11:00 6. Symphoniekonzert
19:30 Der Nussknacker

Mo 13.01. 20:00 6. Symphoniekonzert

Di 14.01. 20:00 6. Symphoniekonzert

Mi 15.01. 10.00 Gestatten, Monsieur Patipa!
19:00 Così fan tutte
19:00 Cabaret

Do, 16.01. 10:00 Gestatten, Monsieur Petipa!

Fr 17.01. 19:00 Der Nussknacker
20:00 Cabaret

Sa 18.01. 14:00 Der Nussknacker (Familienvorstellung)
18:00 Der Nussknacker
20:00 Cabaret

So 19.01. 14:00 Der Nussknacker (Familienvorstellung )
18:00 Der Nussknacker
20:00 Cabaret

Di 21.01. 17:00 Premierenkostprobe »Die Meistersinger von Nürnberg«
19:00 Cabaret

Mi 22.01. 19:00 Così fan tutte (Dresdentag)
19:00 Cabaret
19:30 Tanz:Film (Programmkino Ost)

Fr 24.01. 19:00 Die Zauberflöte

Sa 25.01. 19:00 La bohème

So 26.01. 15:00 PREMIERE Die Meistersinger von Nürnberg

Mo 27.01. 19:00 Così fan tutte
19:00 Cabaret

Di 28.01. 18:00 Aktenzeichen zu »Die Meistersinger von Nürnberg«:
»Festwiesenspektakel im Wandel der Zeit«
19:00 Cabaret
20:00 2. Aufführungsabend

Mi 29.01. 10:00 Gestatten, Monsieur Petipa!
19:00 Die Zauberflöte
19:00 Cabaret

Do 30.01. 10:00 Gestatten, Monsieur Petipa!
16:00 Die Meistersinger von Nürnberg

Fr 31.01. 19:00 La bohème
19:00 SemperDialog zu »Die Meistersinger von Nürnberg«:
»Wie politisch ist Oper«

 

—| Pressemeldung Semperoper Dresden |—

Luxor – Ägypten, Hatschepsut Tempel, AIDA : Interview mit Regisseur Sturm, IOCO Interview, 19.11.2019

November 18, 2019 by  
Filed under Hervorheben, IOCO Interview, Oper

Hatschepsut Tempel in Luxor bei Nacht © Oleksandr Shamov

Hatschepsut Tempel in Luxor bei Nacht © Oleksandr Shamov

AIDA – Hatschepsut Tempel von Luxor – 2019

Adelina Yefimenko spricht mit  Regisseur Michael Sturm  über dessen AIDA Inszenierung in Luxor

Adelina Yefimenko, (AY),: Michael, bekanntlich wurde AIDA zuerst nach einem Szenarium des Ägyptologen Auguste Mariette verfasst und inszeniert. Die Uraufführung der Oper von Giuseppe Verdi fand am 24. Dezember 1871 im Khedivial-Opernhaus in Kairo statt. Das ist eine sehr spannende und merkwürdige Geschichte einer italienischen Oper als Spätwerk des Reformators der Operngattung, die bis zur Gegenwart zum einen großen Teil der ägyptischen Identität anwuchs. Was ist für Sie in der Geschichte dieser Oper italienisch, bzw. europäisch und was ägyptisch? Wie verbinden sich diese zwei verschiedenen Mentalitäten in dieser Oper nach Ihrer Vorstellung?

Michael Sturm,  (MS): Es sind europäische Träume eines alten Ägypten, das es so nie gegeben hat und was Verdi auch nicht sonderlich interessierte. Er erfand sehr schöne neue Klangfarben, die sich gut im Wasser des Nils spiegeln. Das ist es dann auch schon. Die Welt, die Verdi erschuf, ist geprägt von religiösem Fanatismus, von nationalistischem Wahn und von der Liebe als solche, die in einer derartigen Welt nur absterben kann und im schwachen Hauch des Wortes „Frieden“ zu überleben hofft. Verdi dachte an seine Zeit, an den aufkommenden Kolonialismus, das morsche aber noch gefährliche Papsttum des Kirchenstaates. Und ich denke als Regisseur an Gewaltherrschaften, Regime und Gottesstaaten: ich denke, ich interpretiere, ob falsch, ob richtig, ich gehe in der Freiheit interpretierend spazieren. Und da begannen die Missverständnisse mit der Aida im heutigen Ägypten. Ich bekam sehr spät mit, dass Verdis AIDA als eine nationale Angelegenheit angesehen wird und die ägyptische Identität sich in der Oper widerzuspiegeln habe. Das schuf Missverständnisse und Konflikte. In die Öffentlichkeit wurde lanciert, dass ich diese Identität verletzen würde.

Regisseur Michael Sturm in Luxor © Mustafa Karim

Regisseur Michael Sturm in Luxor © Mustafa Karim

AY:  Wenn wir an die Entstehungsgeschichte des Werkes zurückdenken, erinnert man sich sofort, dass Verdi vom regierenden Khediven Ismail Pascha den Auftrag erhielt, eine ägyptische Hymne zu schreiben. Diese Idee lehnte der Komponist aber mehrfach ab. Die Behauptung, dass AIDA zur Eröffnung des Suezkanals komponiert worden, ist obsolet und nicht ganz korrekt. Aber der Konflikt zwischen der künstlerische Freiheit, nach der Verdi selbst strebte, und der Vorstellungen des ägyptischen Herrschers ist nicht neu und wiederholt sich immer wieder. Eine konträre Parallele zur dieser historische Situation sehe ich jetzt, als die ägyptische Regierung Ihre erste Regie für AIDA abgelehnte. Damals plante Khedive die Verdis Komposition einer Oper „in ausschließlich ägyptischem Stil“ für das neue Theater. Die neue ägyptische Regierung wollte von Ihnen ein neues Regiekonzept doch auch „im ausschließlich ägyptischem Stil“? Ist es ein Kompromiss für Sie die erste Regie für  AIDA in einer „Schublade“ zu schließen und ein neuer Weg, bzw. einen neuer Blickwinkel auf die Oper AIDA (Staatsforderung und Zensur angemessen) zu schaffen?

MS:  Man muss nun wissen, dass es einen privaten Geschäftsmann als Produzenten gab, der eine neue AIDA am Hatschepsut Tempel zeigen wollte, die erste AIDA nach dem Attentat von 1997. Er, der als Fremdenführer selbst Opfer dieses Attentates war, gab uns den Auftrag, Neues zu schaffen. Die Oper Cairo, die bisher immer für eine AIDA in Ägypten herhalten musste, wurde nicht angefragt. Im Nachhinein ergaben sich daraus zusätzliche Schwierigkeiten.

AY: Um Ihr Regie-Konzept zu entwickeln, sind Sie mehrmals nach Luxor gereist. Übrigens, Verdi war nie in Ägypten. Wie wichtig war für Sie von Ort zu erkunden, wie die menschliche Tragödie über die Liebe, Eifersucht, Heimat und Tod in die spektakuläre Kulisse des Hatschepsut-Tempels des altägyptischen Pharaonenreiches integriert wird? Welche Inspirationsquelle öffnete Ihnen den Nil – endlos wie der Tod?

MS:  Die Inspirationen haben wir uns alle vor Ort geholt, wir sind durch das Land gereist, sind in Pyramiden gestiegen, durch Tempel aller Zeitepochen gewandelt, haben Museen besichtigt, viele Menschen kennengelernt und gesprochen. Der Nil hat seinen Zauber und der Tempel der Pharaonin Hatshepsut eine leuchtende Kraft, irgendwie wärmend und mit offenen Armen, sehr speziell, besonders und sehr weiblich. Ein weiblicher Ort. Oberhalb ihres Tempels im Felsen hinter ihr wollten wir den Nil als visueller Effekt entspringen lassen, fettFilm mit Torge Möller sollte da ran. Das Wasser sollte über den Tempel, seine beiden Rampen und den langen Weg in Richtung Publikum fließen. Links vom Fluss sollte eine grüne Welt voller Palmen entstehen, rechts davon die lebensfeindliche Wüste sein. Die Äthiopier als assoziierbare rotschattierte Schmetterlinge hatten ihr Areal in der Oase, die Ägypter als tiefdunkle blaue Krähen in der Wüste. In unserer Tierfabel hätten sich im Triumphmarsch die Krähen aufgemacht die Oase zu überfallen, die Schmetterlinge gefangen zu nehmen und ihnen die Flügel zu stutzen. Der Tempel hätte in seinen ursprünglichen Farben geleuchtet, ein Sandsturm die ganze Geschichte unter sich begraben. Mit Howard Carter als Forscher und Tutanchamun-Ausgräber, der sich in die Rolle des Radames hinein träumt.

Hatschepsut Tempel Luxor / AIDA hier Radames © Oleksandr Shamov

Hatschepsut Tempel Luxor / AIDA hier Radames © Oleksandr Shamov

AY:  Fühlten Sie sich bei der Vorbereitungen ein wenig wie ein Ägyptologe? Oder verlegen Sie die Handlung in andere Zeiten und Räume, um neue Schichten von Bedeutungen freizulegen?

MS:  Man wird selbst zu Howard Carter, es ist unglaublich faszinierend in diese alte Zivilisation einzutauchen und sie mitzunehmen in die eigenen Gedanken. 3000 Jahre als eine Nation, allein diese Zahl macht Staunen und Schweigen. Es ist schon ein Unterschied ägyptische Sammlungen in unseren Museen zu sehen oder es vor Ort zu erleben. Und allein Hatshepsut, welch eine emanzipierte Frau, wie modern – vor 5000 Jahren.

AY: Und dieses Konzept wurde verneint? Warum? Welche radikale, vielleicht auch provokative Idee Ihrer ersten Inszenierung scheiterte durch die ägyptische Staats-Zensur?

MS: Als es um die Kostüme ging wollte man eine Altägyptischen Variante haben und alle Inszenierungsdetails wissen. Eine unerquickliche Diskussion, die dazu führte, dass ich anschließend erst einmal draußen war. Es sollte und wollte nicht provozieren, es war nur anders als gewohnt und erwartet. Man hat einen Begriff wie „Interpretation“ und bewertet ihn grundverschieden. Vor dem Brückenbau zwischen den Kulturen sollte man zuerst die Fundamente, auf denen die Brückenpfeiler stehen sollen, auf ihre Festigkeit prüfen und dann kann man bauen. Dann klappt es auch mit der Brücke des Verstehens, des Miteinanders. Nur so hat das letzte gesungene Wort der Oper eine Chance überhaupt gesungen zu werden, um nachklingen zu können in den Herzen der Menschen. PACE ist das Zauberwort, Frieden!

AY:  Inwiefern korrespondieren Ihre Ideen, bzw. hier die so genannte zweite „traditionelle“ Regie für Luxor, mit den Ideen Ihrer ersten Regie? (Ob die wirklich traditionell ist oder vortäuschend traditionell? Klischeehaft? Pseudoägyptisch?) Oder Sie stellen ganz neues Konzept dar?

MS:  Die nunmehrige AIDA ist kein Kompromiss, sie ist etwas ganz anderes. Mit den ursprünglichen Ideen hat das nichts mehr zu tun.

AY: In AIDA zeigt Verdi deutlich seine antiklerikale Haltung. Die Wissenschaftler, die behaupten, dass Verdi „musikalisch wie dramatisch deutlich ausgedrückt, ist, dass hinter dem Unglück der Liebenden und hinter dem Thron als treibende Kräfte die Priester stehen. Nicht der König ist der wahre Machtträger, sondern der Oberpriester. An allen wichtigen Wendepunkten trifft der Oberpriester Ramphis die Entscheidungen“. (Erhart Graefe). Kommt in Ihrer Inszenierung diesen Schwerpunkt zum Ausdruck?

MS: Ramphis ist das eigentliche Machtzentrum, er steht in seinem Fanatismus für nichts weniger als einen Gottesstaat, der König hat da wenig zu bieten. Und der Gegenspiel von Ramphis ist Amonasro, ebenfalls ein gewissenloser Fanatiker und Nationalist ist, der versucht seine Tochter zu manipulieren. Männliche Linien, die in Hass und Untergang münden. Die Frauen sind es, die Akzente setzen, insbesondere Amneris mit ihrer Erkenntnis, dass es über den Tod der Liebe hinaus den Hoffnung auf Frieden geben muss.

AIDA – 2019 im Hatschepsut Tempel von Luxor
youtube Trailer von Yasser Mustafa
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AY:  In einer Zeitschrift habe ich eine Anzeige entdeckt, die lautet: „Erleben Sie Giuseppe Verdis AIDA vor der Kulisse des Hatschepsut-Tempels in Luxor! … Ihr Studiosus-Reiseleiter öffnet für Sie die Tore ins alte Ägypten!“ Für mich klingt dies ein bisschen kurios, absonderlich und stellt die Frage: was ist letztendlich die Oper AIDA für zeitgenössische Ägypter? Dient die Oper um eine Menge von Touristen nach Luxor zu locken oder ist die Oper AIDA wirklich ein kulturelles und musikalisches Ereignis für Ägypter? Welches Ereignis musikalischer oder touristischer Art ist auch AIDA in Luxor für Europäer, die nach Luxor kommen?

MS: Mit der AIDA soll ein Tor nach Ägypten geöffnet werden, und ja, es ist ein Lockmittel. Klingt doch auch gut, was die Macher einer bekannten Reederei mit ihren rotlippigen Traumschiffen bestimmt bestätigen würden.

AY: Welche ägyptischen Komponisten könnten Verdi folgend am Hatschepsut-Tempel, einen anderen Tempel in Luxor oder im Khedivial-Opernhaus in Kairo seine Oper zum authentischen Ereignis für das Ägyptische Volkes machen? Oder macht solche besonderen Ereignisse nur Verdis AIDA in Ägypten möglich?

MS: Was der Nachbar sagt, der Mitarbeiter denkt, die Journalisten schreiben, das ist in Ägypten sehr wichtig. Es sind viele Faktoren, die eine Rolle spielen. Vielleicht noch eine Geschichte zum Schluss. Als in Suez vor einigen Jahren eine AIDA im Beisein der Präsidenten Ägyptens und Äthiopiens stattfand, kam es nach der Aufführung zu erheblichen Missstimmungen, so wurde mir erzählt. Der Grund: im Triumphmarsch sollen die äthiopischen Gefangenen zu hart angegangen worden sein.

AY:: Im Finale des ersten Regie-Vorhabens wollten Sie eine Gestalt der Mumie zeigen, die sich von ihrem Gewande befreit. Sollte diese auferstehende Mumie das Befreiungs-Symbol für Ägypten andeuten?

MS: Das kann man so sehen. Sie hätte flüchten sollen, wäre aber wieder eingefangen worden. Wenn man in einer tragischen Oper auch mal lachen kann, warum nicht.

AY:  In AIDA 2019 in Luxor haben 150 Musiker aus der Ukraine teilgenommen. Das Dirigat übernahm die ukrainische Star-Dirigentin Oksana Lyniv, die das ukrainische Orchester INSO-LVIV leitete, und die ägyptischen und äthiopischen Völker wurden vom berühmten ukrainischen Chor DUMKA gesungen. Ihre Zusammenarbeit mit der ukrainischen Künstler führte schon die Produktion von Lohengrin am Nationalen Opernhaus in Lemberg zur explosiven Resonanz in den ukrainischen und deutschen Medien.

Was bedeutet für Sie solche Kooperationen, die eine sehr breite Perspektive für alle Sinne – künstlerische, kulturell-geographische, religiöse und sozialpolitische – verspricht? Welche künftigen Pläne dieser Kooperation können Sie verraten?

MS: Meine Rückkehr zum Projekt AIDA war Mitte Oktober. Ich musste von heute auf morgen ein völlig neues szenisches Konzept auf die Beine stellen und traf mich in Luxor vor den Proben mit meinen beiden Mitarbeitern Karla Staubertova und Andrey Maslakov. Am Tisch entwarfen wir den szenischen Plan, beide agierten danach wie von mir erwartet als Team in flacher Hierarchie. Licht, Technik, Ablauf, Organisation, szenische Proben und schließlich auch die Kostüme teilten wir untereinander auf. Seltsam, dass in der ukrainischen Medien meine Name als Regisseur dieser Produktion AIDA nicht erwähnt wurde.

Von der künstlerischen Leistungsstärke konnte ich mir schon einen Überblick verschaffen, er ist wirklich sehr gut. In Luxor waren es insbesondere Orchester, Chor und die beiden musikalischen Leiterinnen Oksana Lyniv und Margarita Grynyvetska, die mich künstlerisch sehr überzeugten. Großartige Sänger und Instrumentalisten und wunderbare Dirigentinnen, die visionär arbeiten und diesem Weg alles unterordnen. Dabei der DUMKA-Chor wirklich herausstach, der auch durch seine Bescheidenheit und Demut ein besonderes Plus erwarb. In Zukunft plane ich mit Chor DUMKA einen szenischen Elias von Mendelssohn. Das wäre doch was!

AY:  Wie sieht Ihr Gesamtfazit aus?

MS: Rückblickend muss ich bei diesem verrückten Projekt sagen, dass die letztlich zur Aufführung gebrachte Lesart die Richtige für Anlass, Ort und Umstände war. So sehr Schmetterlinge und Krähen, Ausgräber und Mumien richtig gewesen wären, umso falscher wären sie zu diesem Zeitpunkt dort gewesen. In den kommenden Jahren werde ich diese Aida mit Inhalt füllen und sie verbessern. Schritt für Schritt im Dialog mit meinen ägyptischen Freunden und Gesprächspartnern. Man mag irritiert sein über die gesamten Umstände, doch bewirken kann man nur mit langem Atem, mit viel Geduld und Muße, im Miteinander und im Wir.

Biografie Michael Sturm

Michael Sturm, *1963, wuchs in Hamburg auf. Er studierte Musiktheater-Regie bei Götz Friedrich an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Hamburg. Seine Ausbildung erweiterte er durch die Zusammenarbeit u.a. mit Harry Kupfer, Ruth Berghaus und Achim Freyer, den er als Teilnehmer an der Bühnenklasse am Bauhaus Dessau kennenlernte. Seither wirkt er als Regisseur, Dramaturg und Autor.

Als Regisseur wirkte Michael Sturm u.a. an den Staatstheatern in Kassel und Saarbrücken, der Staatsoper in Hamburg, an den Bühnen in Linz, Bremen und Dessau. Gastspiele führten ihn an das Nationaltheater Prag, nach Albanien an die Opera Tirana, an die ungarischen Opernhäuser in Debrecen und Szeged, sowie das Mazedonische Nationaltheater Skopje.

Zu seinen wichtigsten Arbeiten zählt Michael Sturm Die verkaufte Braut, 1995 im ehemaligen Konzentrationslager Theresienstadt aufgeführt, Brundibár an der Wiener Kammeroper 1999, Fidelio in Tirana/Albanien 2007 und im Jahr 2008 die Uraufführung der Oper Gegen die Wand am Theater Bremen. Diese Produktion erhielt 2009 den „Europäischen Toleranzpreis“.

„Lohengrin“ inszenierte er in Saarbrücken/Luxemburg mit Constantin Trinks, für MEZZO-TV erfolgte 2008 Cileas „Adriana Lecouvreur“. Gemeinsam mit Ji?i B?lohlávek erarbeitete er am Nationaltheater Prag Mozarts „Cosi fan tutte“. 2017 wurde er zum „International Opera Festival“ ins irische Wexford mit Jacopo Foroni´s Margherita eingeladen. Hervorzuheben ist die polnische Erstaufführung von Richard Wagner´s „Die Meistersinger von Nürnberg“ am Teatr Wielki Poznan und „Aida“ im Herbst 2019 vor dem Hatshepsut Tempel von Luxor.

—| IOCO Interview |—

 

150 Jahre Wiener Staatsoper – CD / DVD Naxos / Orfeo, IOCO Rezension, 25.09.2019

September 25, 2019 by  
Filed under IOCO - CD-Rezension, Wiener Staatsoper

Staatsoper Wien © IOCO

Staatsoper Wien © IOCO

Wiener Staatsoper

150 Jahre Wiener Staatsoper – Naxos CD/DVD

von Marcus Haimerl

Am 25. Mai 2019 feierte die Wiener Staatsoper ihr 150-jähriges Jubiläum mit der Premiere einer einer Neuinszenierung von Richard Strauss Frau ohne Schatten, welche 100 Jahre zuvor ihre Uraufführung hier feierte. Zudem war der Komponist gemeinsam mit Franz Schalk von 1919 bis 1924 Direktor des Haus am Ring.

Zum 150-jährigen Jubiläum der Staatsoper veröffentlichte Orfeo eine CD-Box mit den großen Aufführungen und Premieren der Wiener Staatsoper. Die CD-Box umfasst 20 CDs sowie 2 Bonus CDs von 1955 bis 2016 mit Aufnahmen von Wozzeck (Berg), Fidelio (Beethoven), Elektra (Strauss), Le Nozze Di Figaro (Mozart), Il Viaggio A Reims (Rossini), Tristan und Isolde (Wagner), Eugen Onegin (Tchaikovsky), Ariadne auf Naxos (Strauss) sowie Un ballo in maschera (Verdi).

150 Years Wiener Staatsoper / CD -DVD © NAXOS / ORFEO

150 Years Wiener Staatsoper / CD -DVD © NAXOS / ORFEO

WOZZECK (Alban Berg)

Alban Bergs „Wozzeck“ war neben Fidelio (Beethoven), Don Giovanni (Mozart), Die Frau ohne Schatten (Strauss), Aida (Verdi), Die Meistersinger von Nürnberg (Wagner) und Der Rosenkavalier (Strauss) eine der insgesamt sieben Opern mit denen die Wiener Staatsoper nach der Zerstörung in den letzten Tagen des zweiten Weltkriegs und dem anschließenden Wiederaufbau  1955 feierlich wiedereröffnet wurde.  Zur herausragenden Besetzung zählte neben Walter Berry als Wozzeck und Christel Goltz als Marie, Max Lorenz (Tambourmajor), Murray Dickie (Andres), Peter Klein (Hauptmann) und Karl Dönch (Doktor). In bestmöglicher Qualität erlebt der Zuhörer hier nicht nur eine packende Umsetzung von Alban Bergs Werk, sondern auch ein außergewöhnliches Zeitdokument aus der Geschichte der Wiener Staatsoper.

FIDELIO (Ludwig van Beethoven)

Aus dem Jahr 1962 stammt die zweite Aufnahme der CD-Box. Bei Beethovens Freiheitsoper „Fidelio“ stand auch gleich der damalige Direktor des Hauses, der Dirigent Herbert von Karajan, am Pult des Orchesters der Wiener Staatsoper. Die herausragende Christa Ludwig gestaltete die Partie der Leonore, ihr damaliger Ehemann Walter Berry deren Gegenspieler Don Pizzaro. Sensationell Jon Vickers als Florestan. Auch der Rest der Besetzung zählt zu den Besten ihrer Zeit: Eberhard Wächter als Don Ferrando, Gundula Janowitz als Marzelline, Waldemar Kmentt als Jaquino, Walter Kreppel als Rocco und Kostas Paskalis und Ljubomir Pantscheff als Erster und Zweiter Gefangener. Auch diese Aufnahme ist ein besonderes Zeitdokument, handelt es sich hier doch um eine der seltenen Live-Aufnahmen Karajans, einem Verfechter von Studioaufnahmen.

ELEKTRA (Richard Strauss)

In der Direktionszeit Egon Hilberts entstand im Dezember 1965 die Aufnahme von Richard Strauss „Elektra“ als Live-Mitschnitt einer der intensivsten Aufführungen dieses Werkes im Haus am Ring. Unter dem mitreißenden Dirigat von Karl Böhm versammelten sich die Größen des Wagner- und Strauss-Gesangs auf einer Bühne. Birgit Nilsson gab eine atemberaubende Elektra, Regina Resnik die Klytemnästra, der Wiener Publikumsliebling Leonie Rysanek war in der Partie der Chrysothemis zu hören. Bei den Herren erlebte man Wolfgang Windgassen als Aegisth und Eberhard Waechter als Orest.  Mit der Aufzeichnung einer dieser drei Vorstellungen zwischen dem 16. und 22. Dezember 1965 gelang Karl Böhm mit dem gesamten Ensemble eine Referenzaufnahme dieser Oper.

LE NOZZE DI FIGARO (Wolfgang Amadeus Mozart)

Eine weitere der seltenen Live-Aufnahmen Herbert von Karajan fällt in die erste Amtszeit von Egon Seefehlner.  Mit Mozarts „Le nozze di Figaro“, einer der drei Da Ponte-Opern, holte Herbert von Karajan im Mai 1977 die besten Sänger ihrer Zeit auf die Bühne. Tom Krause als Conte d’Almaviva und Anna Tomowa Sintow als Contessa, Ileana Cotrubas als Susanna, José van Dam als Figaro und Frederica von Stade als Cherubino machen aus Mozarts Oper einen wahren Hörgenuss. Auch diese Aufnahme markiert einen Meilenstein der Geschichte der Wiener Staatsoper.

IL VIAGGIO A REIMS (Gioachino Rossini)

Erst im Januar 1988 fand die Erstaufführung von Rossinis Oper “Il viaggio a Reims” statt und erlebte auch nur 10 Vorstellungen an der Wiener Staatsoper, fünf Vorstellungen fanden im Rahmen des Japan-Gastspiels im Bunka Kaikan in Tokio statt. In der Direktionszeit von Claus Helmut Drese und unter dem Dirigat des Generalmusikdirektors Claudio Abbado fand diese denkwürdige Premiere statt. Es sangen Cecilia Gasdia (Corinna), Lucia Valentini-Terrani (Marchesa Melibea), Lella Cuberli (Contessa di Folleville), Montserrat Caballé (Madama Cortese), Frank Lopardo (Cavalier Belfiore), Chris Merritt (Conte di Libenskof), Ferruccio Furlanetto (Lord Sidney), Ruggero Raimondi (Don Profondo) und Enzo Dara (Barone di Trombonok). Mit dieser hochkarätigen Besetzung zählten diese Aufführungen zu den besonderen Juwelen in der Geschichte der Wiener Staatsoper, an die sich heute noch viele Besucher dieser Vorstellungen gerne zurückerinnern.

TRISTAN UND ISOLDE (Richard Wagner)

„Tristan und Isolde“ war, neben „Lohengrin“ und „Parsifal“ eine der drei Neuinszenierungen einer Wagner Oper in der Amtszeit von Dominique Meyer.  Anlässlich des 200. Geburtstags des Komponisten löste die spannende Inszenierung David McVicars jene Günter Krämers aus dem Jahr 2003 ab. Peter Seiffert sang hier einen besonders intensiven Tristan an der Seite von Nina Stemme als Isolde. Stephen  Milling als König Marke, Jochen Schmeckenbecher als Kurwenal, Janina Baechle als Brangäne, Eijiro Kai als Melot , Carlos Osuna als Hirt und Marcus Pelz als Steuermann rundeten das großartige Ensemble rund um den damaligen Generalmusikdirektor Franz Welser-Möst am Pult des Orchesters der Wiener Staatsoper ab.

EUGENE ONEGIN (Pyotr Ilyich Tchaikovsky)

Im April 2013 kamen die Fans der Ausnahmesängerin Anna Netrebko auf ihre Kosten. In Tchaikovskys „lyrische Szenen“ fand sich unter dem Dirigat Andris Nelsons ein großartiges Sängerensemble ein. Neben einer fulminanten Anna Netrebko als Tatyana, sang Dmitri Hvorostovsky die Titelpartie. Zoryana Kushpler (Larina), Alisa Kolosova (Olga), Aura Twarowska (Filipjewna) und Dmitry Korchak (Lensky) vervollständigten das homogene Ensemble rund um Anna Netrebko. Gleichzeitig gilt diese Aufnahme auch als wichtiges Tondokument des zu früh verstorbenen russischen Baritons Dmitry Hvorostovsky.

ARIADNE AUF NAXOS (Richard Strauss)

2012 übernahm die Wiener Staatsoper die Sven-Eric Bechtolfs Inszenierung von Richard Strauss „Ariadne auf Naxos“ von den Salzburger Festspielen. Die vorliegende Aufnahme entstand zwei Jahre später. Unter dem Dirigat Christian Thielemanns sang zum vorletzten Mal Soile Isokoski in einer Produktion an der Wiener Staatsoper die Partie der Primadonna/Ariadne, zum letzten Mal sang sie die Partie der Marschallin im Rosenkavalier nur einen Monat später. Der viel zu früh verstorbene Johan Botha bleibt als Tenor/Bacchus in einer seiner seltenen Aufnahmen in Erinnerung. Der ebenfalls erst kürzlich verstorbene Kammerschauspieler Peter Matic verkörpert auf ideale Weise den Haushofmeister. Wunderbar ergänzt wird dieses Ensemble durch Jochen Schmeckenbecher (Musiklehrer), Sophie Koch (Komponist), Daniela Fally (Zerbinetta) sowie Marcus Pelz, Adam Plachetka, Carlos Osuna, Jongmin Park, Rachel Frenkel und Olga Bezsmertna. Auch bei diesem Tondokument zeigt sich schon sehr früh die Bedeutung für die Geschichte des Hauses.

UN BALLO IN MASCHERA (Giuseppe Verdi)

Die letzte Gesamtaufnahme dieser Box widmet sich einem Meisterwerk des italienischen Komponisten Giuseppe Verdi. 1986 hob sich der Vorhang für Luciano Pavarotti als Gustaf III in der Inszenierung von Gianfranco de Bosio, die 2016 ihre 90. Reprise an der Staatsoper erlebte: Als Gustaf III. hörte man den polnischen Tenor Piotr Beczala, als Renato Anckarström den russischen Bariton Dmitri Hvorostovsky in einem seiner letzten Auftritte an der Wiener Staatsoper. Mit einer großartigen Krassimira Stoyanova als Amelia, Nadia Krasteva als Ulrica, Hila Fahima als Oscar, Alexandu Moisiuc (Graf Horn), Sorin Coliban (Graf Warting), Igor Onishchenko (Cristiano) und Thomas Ebenstein (Richter/Diener) genoss das Publikum einen großartigen Opernabend, den es hier nachzuhören gibt.

BONUS CDs „Legendary Voices Of The Wiener Staatsoper“

Alleine die beiden Bonus CDs, ein Best Of der großartigsten Sänger der Wiener Staatsoper, rechtfertigt den Kauf dieser CD Box.

Aus Mozarts „Entführung aus dem Serail“ besticht die Königin der Koloraturen, Edita Gruberova, als Constanze mit „Martern aller Arten“ aus dem Jahr 1979. 1968 singen Adolf Dallapozza, Walter Berry und Eberhard Waechter „La mia Dorabella capace non è“ aus „Così fan tutte“. Mit Donna Annas Arie „Crudele! Ah no, mio bene“ aus Don Giovanni beendet Edita Gruberova den Mozart-Teil der CD.

Mit dem Ausschnitt „Aber der Richtige“ aus Richard Strauss’ Oper „Arabella“ führen Lisa della Casa, die Arabella des 20. Jahrhunderts in der Titelpartie und Anneliese Rothenberger als Zdenka ins Jahr 1964 zurück. Aus dem Jahr der feierlichen Wiedereröffnung stammt die Aufnahme aus dem „Rosenkavalier“, dem Duett Marschallin/Octavian „Wie Du warst! Wie Du bist“ mit Sena Jurinac und Maria Reining.

Der deutsche Komponist Richard Wagner ist mit Ausschnitten aus „Der fliegende Holländer“, „Die Walküre“ und „Lohengrin“ vertreten. In „Wie aus der Ferne längst vergang’ner Tage“ erlebt man Julia Varady als Senta und Franz Grundheber als Holländer. 1992 sangen Placido Domingo als Siegmund und Waltraud Meier als Sieglinde „Keiner ging“ aus der Walküre, Johan Botha als Lohengrin und Cheryl Studer als Elsa sind in „Atmest du nicht mit mir…“ aus „Lohengrin“ zu hören.

Mit einem Ausschnitt aus der musikalisch herausragenden Produktion von Dmitri Shostakovich „Lady Macbeth von Mzensk“ mit Angela Denoke unter dem Dirigat von Ingo Metzmacher endet die erste CD.

Die zweite CD widmet sich schwerpunktmäßig dem italienischen Komponisten Giuseppe Verdi, Ausschnitte aus seinen Opern „Simone Boccanegra“, „La Traviata“, „Don Carlo“, „Aida“ und „Otello“ dominieren auf dieser CD.

1969 sangen Eberhard Waechter und Nicolai Ghiaurov gemeinsam in Verdis „Simone Boccanegra“. Zu hören ist der Ausschnitt „Suona ogni labbro il mio nome“. Mit „Parigi o cara“ berührten Ileana Cotrubas als Violetta und Nicolai Gedda als Alfredo 1971 in „La Traviata“. Ein Jahr zuvor sangen Gundula Janowitz (Elisabetta) und Franco Corelli (Don Carlo) „Io vengo a domandar“ in Verdis „Don Carlo“. Zwei verschiedene Besetzungen in den 90er Jahren bieten die Aufnahmen der „Aida“: „Fu la sorte dell’armi a tuoi funesta“ mit Julia Varady als Aida und Marjana Lipovsek als Amneris, sowie „La fatal pietra sovra me si chiuse“ mit Mirella Freni als Aida und Luciano Pavarotti als Radamès.  1987 waren Anna Tomowa-Sintow als Desdemona und Plácido Domingo in der Titelpartie in Verdis „Otello“ unter dem Dirigat von Zubin Mehta zu hören.

Unter dem wunderbaren Dirigat von Carlos Kleiber strahlten die Weltstars Mirella Freni und Luciano Pavarotti 1985 in Giacomo Puccinis „La Bohème“.

Ein besonderer Genuss erwartet die Zuhörenden am Ende der CD: Unter dem Dirigat von Pinchas Steinberg erlebt man die griechische Mezzosopranistin Agnes Baltsa in ihrer Paraderolle der Carmen in der gleichnamigen Oper Georges Bizets an der Seite von Plácido Domingo als Don José im fulminanten finalen Aufeinandertreffen der beiden Protagonisten „C’est toi? C’est moi?“.

Alleine beim Hören dieser beiden Bonus CDs gibt es dann doch einige Produktionen, die man gerne als Gesamtaufnahme hören möchte.

Insgesamt ist die schön gestaltete CD-Box ein musikalischer Ausflug in die Geschichte der Wiener Staatsoper nach der Wiedereröffnung 1955 und bringt mehr als hörenswerte Aufnahmen dieser Zeit mit herausragenden Sängerinnen, Sängern und Dirigenten. Die limitierte CD-Box mit insgesamt 22 CDs ist um rund 100 Euro im Handel erhältlich. Auch auf Grund einiger Aufnahmen, die bisher noch nie veröffentlicht wurden, kann man den Kauf dieser Box nur empfehlen.

—| IOCO CD-Rezension |—

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