Darmstadt, Staatstheater Darmstadt, Spielzeit 2019/20 – Abschied von den Helden, IOCO Aktuell, 27.08.2019

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Staatstheater Darmstadt

Staatstheater Darmstadt © IOCO

Staatstheater Darmstadt © IOCO

 

Das Staatstheater Darmstadt ist ein Mehrspartenhaus mit Musik- und Tanztheater, Schauspiel und Konzertwesen. Im Großen Haus stehen 956 Zuschauerplätze zur Verfügung, das Kleine Haus bietet 482 Zuschauern Platz, die Kammerspiele bieten bis zu 200 Zuschauerplätze.

Spielzeit 2019/20 – Abschied von den Helden

Mit dem Spielzeitmotto Abschied von den Helden sucht das Staatstheater Darmstadt in der Spielzeit 2019/2020 die Auseinandersetzung mit den klassischen Heldenerzählungen in Theater und Gesellschaft: in 29 Premieren in den Sparten Oper, Schauspiel und Ballett, darunter zwei Uraufführungen sowie zwei spartenübergreifende Projekte, und in mehreren Konzertreihen treten die Helden noch einmal auf – und ab.

„Die Grundmuster der klassischen Heldenreise finden sich in verblüffend vielen Kulturen, Märchen, Mythen und Religionen sowie in unendlich vielen beliebten Opern, Theaterstücken und Romanen.“, so Intendant Karsten Wiegand.Die Universalität dieser Erzählung, das Gemeinschaftsstiftende, so legt Mythenforscher Joseph Campbell nahe, wirkte jedoch nie so stark wie die ihm ebenso inhärente Machtlegitimation und Abgrenzung; und Campbell fand daher, dass ein Mythos fehlt, der erzählt, dass die ganze Erde die Heimat aller Menschen sei. Als Theatermacher*innen hat uns ebendies nun sehr gereizt: Mit den Mitteln des Theaters wollen wir daher in der nächsten Spielzeit mit einigen der Helden-erzählungen in Dialog treten und dabei erkunden, wie sich in einer Zeit des Wandels die Herzen langsam öffnen können für neue, unbekannte Erzählungen.

„Wir hinterfragen unsere guten alten Opernstoffe“, erklärt Operndirektorin Kirsten Uttendorf, „und fragen nach der Notwendigkeit eines einzelnen Auserwählten, der die Probleme angeht.“

Turandot erste Premiere im Spielplan 2019/20
youtube Trailer des Staatstheater Darmstadt
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In Turandot (Regie: Valentin Schwarz), am 31.8.2019 die erste Opern-Premiere der neuen Spielzeit, steht die Titelfigur in der Pflicht, das Kaiserreich zu sichern. Alle Kandidaten scheitern, bis ein Fremder den richtigen Weg geht.

Im Musical Catch me if you can (Regie: Gil Mehmert), Premiere 21.9.2019, nach dem weltbekannten Roman von Stan Redding, verfolgt Frank William Abagnale Junior seinen „amerikanischen“ Heldentraum.

In Fidelio (Regie: Paul-Georg Dittrich) Premiere 26.10.2019, überschreitet Leonore alle gesellschaftlichen Grenzen, um ihren Geliebten zu retten und wird zur Kämpferin für eine neue Welt. Lucia di Lammermoor (Regie: Dirk Schmeding) Premiere 7.12.2019, trifft auf festgefügte Familientra-ditionen und wird zur Handlangerin eines männlich definierten Familienzwists. In der Operette Frau Luna (Regie: Klaus-Christian Schreiber) Premiere 25.1.2020, durchlebt Franz Steppke seinen persönlichen Heldentraum, der ihn zum Mond führt und Lohengrin (Regie: Andrea Moses) Premiere 4.4.2020, hinterfragt die Suche nach einem Führer. Mit dem Doppelabend Twice through the heart / Trouble in Tahiti (Regie: Stephan Krautwald) 20.9.2019, Kammerspiele, treffen die Protagonisten auf aufgelöste Ideale und müssen ihren eigenen Weg finden. Und Zimmermanns Requiem für einen jungen Dichter (Regie: Karsten Wiegand) Premiere 16.5.2020, Großes Haus, fragt deutlich nach dem Neuen, indem es sich mit zwei Uraufführungen verbindet.

Drei Kinderopern laden auch das junge Publikum ein: Tschick (Regie: Kirsten Uttendorf) Premiere 21.2.2020 Kleines Haus, probt ein Antiheldentum, Schaf (Regie: Magdalena Schnitzler) Premiere 25.4.2020, Kammerspiele, lotet das Verhältnis von Herde und Individuum aus und in Die Zauberflöte für Kinder, Premiere 21.10.2019, Großes Haus, begleitet eine Gruppe von Kindern die Mutproben der Protagonisten. Generalmusikdirektor Daniel Cohen wird die musikalische Leitung bei Fidelio und Lohengrin innehaben.

„Die Zeiten der vielfach besungenen, heroischen Männer, die im Alleingang die Probleme ganzer Gemeinschaften lösen, sind unter den Vorzeichen der Globalisierung endgültig vorbei.“, findet Schauspieldirektor Oliver Brunner. Im Schauspiel zeigt Shakespeares Othello (Regie: Gustav Rueb) Premiere 14.9.2019, Kleines Haus, exemplarisch, wie sich eine Gesellschaft ihre Helden leiht und diese nach getaner Arbeit abserviert. Der Rassismus einer weißen Männergesellschaft und das tödliche Besitzdenken eines Mannes im Liebeswahn finden eine deutliche Sprache gegen naive Heldenverehrung. Gleichermaßen grundsätzlich untersucht das Doppelpass-Projekt Körpertreffer (Choreografie: Rafaële Giovanola) das, was ein menschlicher Körper auf der Bühne und ein solcher im digitalen Raum darstellt. Auch hier schwingt der Zweifel am heldisch Eindeutigen vernehmlich mit.

Der „local hero“ Büchner wird mit seiner satirischen Komödie Leonce und Lena (Regie: Julia Prechsl) Premiere 1.11.2019, Kleines Haus, auf die Frage nach dessen Geschlechterbildern untersucht, während Anton Tschechows Drei Schwestern (Regie: Katrin Plötner)Premiere 27.3.2019, Kleines Haus,  ihren Aufbruch in ein besseres Leben, ihren radikalen Neuanfang wohl verpassen werden. Die beiden jugendlichen Heldinnen in Dirk Lauckes Jugendstück Amy4Eva (Regie: Ulf Goerke) Premiere 23.11.2019, Kammerspiele, sind genau dazu bereit: Sie hauen von zu Hause ab, als es ihnen zu viel wird.

Staatsheater Darmstadt / Kiss me, Kate - auch 2019/20 auf dem Spielplan des Staatstheater © Nils Heck

Staatsheater Darmstadt / Kiss me, Kate – auch 2019/20 auf dem Spielplan des Staatstheater © Nils Heck

Mit Heiner Müllers Ödipus, Tyrann (Regie: Christoph Mehler) Premiere 12.10.2019, zeigen wir den klassischen Antihelden par excellence. Nicht sehen wollen, was ist, treibt es diesen Menschen von der höchsten Höhe in einen tiefen Abgrund. Shen Te, die Protagonistin aus Brechts Der gute Mensch von Sezuan (Regie: Christoph Mehler) Premiere 30.4.2020, Kleines Haus, wird ebenso zweifelhaft zur Heldin, wenn sie im Verlauf des Stückes das Böse in Verkleidung als Mann tut, um gut bleiben zu können. Mit der Adaption von Fatih Akins Aus dem Nichts (Regie: Friederike Heller) steht eine trauernde Mutter im Zentrum, die für ihre Gerechtigkeit bis zum Äußersten geht. Auch diese Heldin erscheint fragwürdig. Weitere Produktionen sind Anne Leppers Seymour (Regie: Matthias Rippert), die Digital Lecture Performance Protect me from what I want (von und mit Marina Miller und Arne Vogelgesang), die Buchan-Hitchkock Kriminalkomödie Die 39 Stufen (Regie: Antje Thoms) sowie das spartenübergreifende Projekt Ich schaue dich an (Regie: Baresh Karademir) von Alexandra Badea. Für das junge Publikum kommt mit Der Räuber Hotzenplotz (Regie: Jakob Weiss) Premiere 30.11.2019, Kleines Haus, eine Kasperlgeschichte von Otfried Preußler auf die Bühne sowie ein neues Live-Hörspiel von Eike Hannemann Billy Backe, Premiere 26.1.2020, Kammerspiele, nach dem Kinderbuch von Markus Orths.

Das Hessische Staatsballett und sein Direktor Tim Plegge suchen die Auseinandersetzung mit klassischen Erzählungen, indem sie sich mit den Klassikern der Ballettliteratur beschäftigen: In Tschaikowskis Der Nussknacker, Premiere 16.11.2019, Großes Haus, begibt sich Plegge zwischen all die Erwartungen, die allein der weltbekannte Titel auslöst und sucht seine eigene Interpretation des großen Stoffs. Die Choreografen Edward Clug und Bryan Arias widmen sich mit Le sacre du printemps, 29.2.2020, Großes Haus, einem weiteren Meilenstein der Musik- und Ballettgeschichte und werden uns neue, ungewöhnliche Perspektiven auf dieses Werk eröffnen. Das Gastspiel Don Quixote ergänzt diese Reihe um einen weiteren zweifelhaften Helden und zumAbschluss der Spielzeit werden mit Startbahn 2020, 3.7.2020, Kleines Haus, Choreografien der Ensemblemitglieder selbst zu sehen sein.

Die Konzertsaison widmet sich einsamen Helden und verkannten Künstler*innen, die unbe-irrbar oder zweifelnd an einem künstlerischen Weg festhielten. Hierfür stehen, so General-musikdirektor Daniel Cohen und Orchesterdirektor Gernot Wojnarowicz, Werke von Gustav Mahler, Alban Berg, Arnold Schönberg, Anton Bruckner, Sergej Rachmaninoff oder Richard Strauss. Musik von heute ist mit neueren Werken von Peter Eötvös und von Brett Dean vertreten, die klassische Moderne mit Varèse, Boulez, Schönberg, Berg, Bartók und Webern, die erste „Wiener Schule“ mit Beethoven, Mozart und Haydn. Debüts in Darmstadt wird es von Dirigenten wie Paolo Arrivabeni, Andris Poga, Ryan Bancroft und Vassilis Christopulus und Dirigentinnen wie Mei Ann Chen und Anna Rakitina geben. Neben einem Wiedersehen mit Annette Dasch und Alban Gerhardt, kann sich das Publikum auf Konzerte mit Michael Barenboim, Yulianna Andeeva und Mariam Batashvilli freuen. Die zehn Kammerkonzerte bieten Klavierabende, Alte Musik, Streichquartette und das jährliche Konzert der Kronberg Academy im Staatstheater. Fast alle Musiker*innen des Staatsorchesters sind in der Reihe „Soli fan tutti“ mit hochkarätiger Kammermusik zu hören. Für Familien, Kinder und Eltern mit Kleinkindern wird das bewährte Angebot von Familien, Schul- und Teddykonzerten weitergeführt. Und auch der „Lauschangriff“ in BAR der Kammerspiele wird fortgesetzt.

—| Pressemeldung Staatstheater Darmstadt |—

Kiel, Theater Kiel, Spielplan August-September 2019

August 12, 2019 by  
Filed under Konzert, Oper, Oper Kiel, Operette, Pressemeldung, Spielpläne

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Theater Kiel

Opernhaus Kiel / Blick über den Rathausplatz © VollwertBIT

Opernhaus Kiel / Blick über den Rathausplatz © VollwertBIT


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Premieren


AIDA auf dem Rathausplatz in Kiel © Janina Wilkens

AIDA auf dem Rathausplatz in Kiel © Janina Wilkens

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Samstag, 24. August | 20.00 Uhr | Rathausplatz
AIDA
Oper von Giuseppe Verdi
in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Das Sommerereignis in Kiel 2019 steht vor der Tür – im doppelten Sinne des Wortes! Ab 24. August geht es auf dem Rathausplatz italienisch-ägyptisch zu, »Aida« kommt, die Oper mit dem Triumphmarsch, die Sommeroper aller Sommeropern!
Die äthiopische Gefangene Aida und der ägyptische Heerführer Radamès lieben einander, obwohl ihre Länder Krieg gegeneinander führen. Wegen Aida weist Radamès nicht nur die ägyptische Prinzessin Amneris zurück, er begeht auch Landesverrat, wofür er zu einem perfi den Tod verurteilt wird. Als er die Gruft betritt, in der er lebendig eingemauert werden soll, wartet Aida dort auf ihn …
Musikalische Leitung Benjamin Reiners Regie Daniel Karasek
Bühne Lars Peter Kostüme Claudia Spielmann
Chöre Lam Tran Dinh Choreografi e Yaroslav Ivanenko
Mit Jule-Katrin Burghardt / Elisabeth Raßbach-Külz, Veronika Dzhioeva / Izabela Matula, Maria Gulik / Cristina Melis; Thorsten Grümbel, Fred Hoffmann, Stefano Meo, Sung Kyu Park / Mergen Sandanov sowie Opern- und Extrachor des Theaters Kiel,
Ballett Kiel, Philharmonisches Orchester Kiel


Sonntag, 8. September | 19.00 Uhr | Opernhaus
DIE VOLKSBÜHNENGALA
Kaum sind Aida und Radamès auf der Bühne des Rathausplatzes zum letzten Mal gestorben, da geht es drinnen im Opernhaus weiter, denn nicht nur Prinz Orlofsky »lädt gern sich Gäste ein«. In der Volksbühnengala servieren wir »Appetitmacher« aus den Werken, die Sie in der Spielzeit 2019 / 2020 bei uns erleben werden. Also fliegt die Fledermaus über die tote Stadt, besucht Lucia di Lammermoors Hochzeit, tanzt wie Eugen Onegin, dankt Gott mit Elias, feiert mit den Trojanern Karthago und seine ekstatischen Nächte und fi ndet erst mit einem Amerikaner in Paris den richtigen Rhythmus, um sich noch einmal an Aidas Triumphmarsch zu erinnern! Leitung und Moderation Benjamin Reiners
Mit Agnieszka Hauzer, Ks. Heike Wittlieb; Yoonki Baek, Norbert Ernst, Michael Müller-Kasztelan, Ks. Tomohiro Takada u. a. sowie dem Opernchor und dem Extrachor des Theaters Kiel Es dirigieren Benjamin Reiners u. a.


Freitag, 28. September | 19.30 Uhr | Opernhaus
Deutsche Erstaufführung
EIN AMERIKANER IN PARIS
Musical von George Gershwin
Songs in englischer, Dialoge in deutscher Sprache
Der amerikanische Soldat Jerry Mulligan bleibt nach Ende des zweiten Weltkriegs in Paris, um sich als freier Künstler zu erproben. Als er die junge Französin Lise Dassin kennenlernt, ist es um ihn geschehen – zum Leidwesen seiner Freunde und Konkurrenten Adam Hochberg und Henri Baurel.
Für welchen ihrer drei Verehrer wird sich Lise entscheiden? »I got rhythm«, »They can’t take that away from me«, »Stairway to Paradise« oder »Shall we dance« sind einige der Gershwin-Standards, die Eingang in die spektakuläre Bühnenversion des Filmklassikers von 1951 gefunden haben.
Der West End- und Broadway-Hit ist in Kiel in einer exklusiven Musical- Besetzung erstmals auf einer deutschen Bühne zu erleben, natürlich inklusive des titelgebenden Orchesterhits »An American in Paris«.

Musikalische Leitung Daniel Carlberg
Regie / Choreografi e Ricarda Regina Ludigkeit
Bühne Hans Kudlich Kostüme Gabriele Heimann
Mit Sheila Grant, Evita Komp, Leoni Kristin Oeffi nger, Angelika Ratej, Lynsey Reid, Léonie Thoms, Barbara Wanasek, Alice Wittmer; Hermann Bedke, Adam Cooper, Connor Dowling, Peter Lesiak, Max Meister, Claus Opitz, Robert Schmelcher, Sascha Stead, Andrea Viggiano, Lars Wandres


Wiederaufnahmen


Theater Kiel / Die Reise nach Reims © Olaf Struck

Theater Kiel / Die Reise nach Reims © Olaf Struck

Freitag, 6. September | 19.30 Uhr | Opernhaus
DIE REISE NACH REIMS
Oper von Gioachino Rossini
in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Absurdes Musiktheater trifft Zeichentrickfi lm, Wechselwirkung inbegriffen, Spaß pur! Auf dem Weg zur Krönung von Karl X. in Reims bleiben Reisende verschiedener Nationen stecken und müssen nun gemeinsam die Zeit totschlagen … Der für und auf die Musik entstandene Film übersetzt die musikalisch großartig ausgeschmückten »Nicht-Ereignisse« in eine Zeichentrickwelt, mit und in der die Sänger spielen!

Theater Kiel / Die Reise nach Reims © Olaf Struck

Theater Kiel / Die Reise nach Reims © Olaf Struck

Musikalische Leitung Moritz Caffi er / Sergi Roca
Regie und Konzeption Pier Francesco Maestrini
Cartoon und Konzeption Joshua Held Ausstattung Alfredo Troisi
Choreinstudierung Lam Tran Dinh Lichtgestaltung Carsten Lenauer
Mit Julie Caffi er, Tatia Jibladze, Hye Jung Lee, Rossella Ragatzu, Vigdis Bergitte Unsgård; Matteo Maria Ferretti, Fred Hoffmann, Anton Rositskiy, Ks. Jörg Sabrowski, Kemal Ya?ar u. a. sowie dem Opernchor des Theaters Kiel
Koproduktion mit dem Theater Lübeck,
Kooperation mit dem Teatro Filarmonico di Verona

Theater Kiel / Die Reise nach Reims © Olaf Struck

Theater Kiel / Die Reise nach Reims © Olaf Struck


Theater Kiel / Die Krönung der Poppea © Olaf Struck

Theater Kiel / Die Krönung der Poppea © Olaf Struck

Samstag, 14. September | 19.00 Uhr | Opernhaus
DIE KRÖNUNG DER POPPEA
Oper von Claudio Monteverdi
in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Mit »Ganz große Oper!« beendete die SHZ ihre Kritik zu Serena Sinigaglias begeistert aufgenommener Inszenierung des hochbarocken Musiktheater- Meisterwerks »Die Krönung der Poppea« über den zielstrebigen Aufstieg der machtgierigen Schönheit Poppea zur neuen Gemahlin Kaiser Neros, der nur durch erzwungenen Selbstmord und Verbannung ihrer Gegner möglich wird. Die bitterböse Satire auf Gewinnstreben und Rücksichtslosigkeit einer selbstverliebt eitlen Wohlstandsgesellschaft berührt durch die
eindringliche Menschlichkeit von Monteverdis Musiksprache.

Theater Kiel / Die Krönung der Poppea © Olaf Struck

Theater Kiel / Die Krönung der Poppea © Olaf Struck

Musikalische Leitung Alessandro Quarta Regie Serena Sinigaglia
Bühne Maria Spazzi Kostüme Daniela Cernigliaro
Mit Francesca Boncompagni, Adriana Di Paola, Caroline Nkwe, Tatia Jibladze, Hye Jung Lee, Lucia Napoli, Vigdis Bergitte Unsgård; Andrés Montilla-Acurero, Luca Cervoni, Matteo Maria Ferretti, Fred Hoffmann, Ivan Scherbatyh, Anton Schmalz,
Robert Manuel Zangari und der Statisterie des Theaters Kiel

Theater Kiel / Die Krönung der Poppea © Olaf Struck

Theater Kiel / Die Krönung der Poppea © Olaf Struck


OPER Extra


Samstag, 21. September | 17.00 Uhr | 1. Foyer Opernhaus
Operncafé: EIN AMERIKANER IN PARIS
Wie bringt man einen Film auf die Bühne? Und wie choreografi ert man
Gershwins Klassiker? Fragen und Antworten zum »Amerikaner in Paris«
gibt es wie immer beim Operncafé.


Montag, 23. September | 20.00 Uhr | 1. Foyer Opernhaus
GESCHICHTEN AUS DEM TRIOLENGITTER
Mary Bauermeister ist selber Künstlerin und gleichzeitig einzigartige Zeitzeugin der neuesten Musikgeschichte. Ob »Fluxus«, Kunst oder Musik – sie hat alle gekannt: Nam June Paik, Karlheinz Stockhausen, Ben Patterson, David Tudor, John Cage. Hier liest sie aus Ihrem Buch »Ich hänge im Triolengitter
– Mein Leben mit Karlheinz Stockhausen«. Der Kontrabassist Heiko Maschmann spielt Werke von John Cage und Stockhausen, gemeinsam werden Bauermeister und Maschmann Benjamin Pattersons Duo für Stimme und Streichinstrument darbieten.
In der Konzertreihe KLANGRAUSCHEN


Sonntag, 29. September | 11.00 Uhr | 1. Foyer Opernhaus
Operncafé: DIE TOTE STADT
Einen »Traum der Wiederkehr«, wie ihn der Witwer Paul in Korngolds Oper träumt, haben auch etliche Opernliebhaber geträumt. Ihr Traum wird jetzt wahr: Erich Wolfgang Korngolds »Die tote Stadt« kommt zurück nach Kiel! Die Regisseurin Luise Kautz und GMD Benjamin Reiners erläutern ihre Sichtweisen auf den schwelgerischen, spannenden, psychologisch ausgefeilten Opernhit der 1920 er Jahre.


Montag, 30. September | 20.00 Uhr | 1. Foyer Opernhaus
SECHS AUF EINEN STREICH
John Doig, Lukas Mimura (Violine), Marie Yamanaka, Hsinyi Liu (Viola), Frauke Rottler-Viain und Laura Barkauskaite (Violoncello) spielen Erwin Schulhoffs Streichsextett op. 45 und Antonín Dvo?áks Sextett op. 48. Beide Komponisten wurden in Prag geboren und von der Volksmusik ihrer Heimat geprägt. Dvo?ák (1841–1904) machte die böhmische Volksmusik erst »salonfähig «, Schulhoff (1894–1942) baute darauf auf, nachdem Dvo?ák ihn als Siebenjährigen »mit zwei Stück Schokolade zum Musikanten promovierte«.


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Theater Kiel / Generalmusikdirektor Benjamin Reiners© Gerhard Kühne.

Theater Kiel / Generalmusikdirektor Benjamin Reiners© Gerhard Kühne.

Sonntag, 15. September | ab 14.30 Uhr
Seegartenbrücke und Kieler Schloss
Phil.feiert!
Das philharmonische Antrittskonzert unseres neuen Generalmusikdirektors Benjamin Reiners ist für uns ein Grund zum Feiern – Feiern Sie mit … … und seien Sie bereits dabei, wenn Benjamin Reiners um 14.30 Uhr mit dem Schiff »MS Stadt Kiel« an der Seegartenbrücke ankommt! Nach einer musikalischen Begrüßung gibt’s auf dem Schlossplatz Cake & Coffee, bevor um 15.00 Uhr die Gesprächseinführung »Das Musikalische Quartett« beginnt.
Highlight des Tages ist dann das 1. Philharmonische Konzert um 16.00 Uhr im großen Saal, für dessen Dauer kostenfreie Kinderbetreuung angeboten wird. Im Anschluss daran heißt es: »Phil.feiert!« mit Fischbrötchen, Kieler Bier, Live-Jukebox und weiteren Überraschungen. Alle Einnahmen aus den Tagesveranstaltungen werden dem Förderverein »Konzertsaal am Kieler Schloss« gespendet. Ihre Kieler Philharmoniker und Ihr neuer GMD freuen sich auf Sie!


Mittwoch, 11. September | 18.00 Uhr | musiculum
KOMPONISTENPORTRAIT: SJ HANKE
von den Musikfreunden Kiel

Sonntag, 15. September | 16.00 Uhr | Kieler Schloss
Montag, 16. September | 19.30 Uhr | Kieler Schloss
(Nach dem Konzert am Montag: Philharmonischer Absacker mit Fischbrötchen
und Kieler Bier auf dem Schlossplatz, bei kühleren Temperaturen im Fördefoyer.)
Gesprächseinführung »Das Musikalische Quartett«
um 15.00 Uhr (Sonntag) bzw. 18.30 Uhr (Montag) im Festsaal
1. Philharmonisches Konzert
Ralph Vaughan Williams Serenade to music
Joseph Haydn Sinfonie Nr. 6 D-Dur »Le Matin«
SJ Hanke ropes and knots (Kompositionsauftrag der Musikfreunde Kiel
gemeinsam mit dem Theater Kiel)
Johannes Brahms Sinfonie Nr. 4 e-Moll op. 98
Caroline Nkwe (Sopran) Margaret Newcomb (Mezzosopran)
Michael Müller-Kasztelan (Tenor) Ks. Jörg Sabrowski (Bass-Bariton)
Opernchor des Theaters Kiel (Einstudierung Lam Tran Dinh)
Dirigent Benjamin Reiners
Sonntag, 29. September | 17.00 Uhr | musiculum
Kammerkonzert der Orchesterakademie
Sonntag, 29. September | 19.00 Uhr | St. Nikolaikirche Kiel
1. Mozart-Konzert
Werke von Johann Sebastian Bach und
Wolfgang Amadeus Mozart
Gesangssolisten, LandesJugendChor Schleswig-Holstein
Ensemble Schirokko
Dirigent Matthias Janz


Förderverein am Kieler Schloss


MUSIK GEHÖRT ZUM LEBEN,
WIE DER KONZERTSAAL ZU UNSERER STADT
Die Spannung war wochen- und monatelang groß. Am 1. Januar 2019 ist die Entscheidung dann gefallen. Stadt und Land haben den Konzertsaal sowie das Schlossareal gekauft. Das Schloss ist somit wieder in öffentlicher Hand. Der Förderverein Konzertsaal am Kieler Schloss e. V. hat sich das Ziel gesetzt, private Spenden für die Sanierung des Konzertsaales zu sammeln. Ein fulminanter Auftakt der Vereinsarbeit ist in Zusammenarbeit mit den Kieler Musikfreunden im Oktober letzten Jahres gelungen. »Kiel goes Elphi« – Das Benefi zkonzert in der Elbphilharmonie. Mehr solcher großen – und auch kleineren Spenden, sowie viel Einsatzbereitschaft und Tatkraft sind nötig, um unser sportliches Ziel von 4 Millionen Euro zu erreichen. Sie erinnern sich an Ihr schönstes Konzert und möchten, dass sich dieses einmalige Hörerlebnis wiederholt? Dies gelingt nur verbunden mit Ihrer Großzügigkeit!
Bitte spenden Sie für den Erhalt unseres Kieler Konzertsaales.
Vielen Dank. Ihr Förderverein Konzertsaal am Kieler Schloss e. V.


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Gastspiel des Theater Kiel
Lübeck-Premiere
Samstag, 21. September | 19.30 Uhr | Theater Lübeck (Großes Haus)
LA SYLPHIDE
Ballett von August Bournonville zur Musik von Herman Løvenskiold Das Ballett Kiel gastiert in dieser Spielzeit erneut mit einer Produktion am Theater Lübeck und bringt dort das Ballett »La Sylphide«, das 2017 in Kiel Premiere hatte, zurück auf die Bühne. Das romantische Ballett über einen schottischen Landjunker und dessen unerfüllbare Liebe zu einem Luftgeist ist eines der ältesten bis heute erhaltenen Handlungsballette und prägte das Bild der Ballerina, die rätselhaft, überirdisch und unberührt auf Spitze entschwebt. Die Kieler Inszenierung, die vom Ballettdirektor des Kopenhagener Tivoli Ballet Theatre Peter Bo Bendixen einstudiert wurde, orientiert sich an der originalen Choreografi e von August Bournonville aus dem Jahr 1836, die neben klassischem Ballett auch traditionelle schottische Tänze bietet. Wer »La Sylphide« in Kiel nicht sehen konnte, bekommt somit in Lübeck nun noch einmal die Gelegenheit dazu!
Eine Kooperation des Ballett Kiel mit dem Theater Lübeck Choreografi e August Bournonville Einstudierung Peter Bo Bendixen Musikalische Leitung Jan-Michael Krüger Ausstattung Heiko Mönnich Ballett Kiel
Philharmonisches Orchester der Hansestadt Lübeck
Statisterie des Theater Lübeck


BALLETT Extra


Samstag, 28. September | 10.00 Uhr | Ballettsaal Opernhaus
ÖFFENTLICHES TRAINING
Einen Blick hinter die Kulissen erhaschen und das Ballett Kiel aus nächster Nähe erleben: Diese Möglichkeit bietet das Öffentliche Training wieder im September. Nur fünfzig Zuschauer fi nden im Ballettsaal Platz, daher heißt es: schnell Karten sichern! Der Einlass erfolgt um 9.45 Uhr über die graue Eisentür am Opernparkplatz.


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Premieren

Freitag, 20. und Samstag, 21. September | 20.00 Uhr | Schauspielhaus
FAUST
Johann Wolfgang von Goethe
Ein großer Klassiker zum Spielzeitauftakt: »Da steh ich nun ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor.« Mit seinem unstillbaren Verlangen nach Erkenntnis gilt Faust als Sinnbild des modernen Menschen. Er möchte wissen, »was die Welt im Innersten zusammenhält.« Er hinterfragt und missachtet althergebrachte Regeln, fühlt sich von der Gesellschaft entfremdet und möchte in jeder Beziehung über sie hinauswachsen: Für die Erfüllung all seiner Wünsche ist er bereit, dem Teufel seine Seele zu überlassen. Mephisto, »ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft«, bemüht sich mit allen Mitteln seiner Zauberkunst um Fausts Seele und führt ihn dabei mitten hinein ins pralle irdische Leben, mit all seinen Verführungen und Abgründen, und hin zu Gretchen: Die junge Frau wird zur Projektionsfl äche faustischen Begehrens und schließlich zum Opfer seines Größenwahns.

Kein Werk nach der Luther-Bibel hat so viele Spuren in der deutschen Sprache und Geschichte hinterlassen wie Goethes »Faust«. Es gilt als das deutsche literarische Werk, als die Thematisierung des menschlichen Urkonfl ikts schlechthin: der Mensch als zugleich kreativstes und destruktivstes Wesen in der unüberbrückbaren Spannung zwischen gesellschaftlich und moralisch gesetzten Grenzen und deren permanenter Überschreitung.
Regie Annette Pullen Bühne Iris Kraft
Kostüme Barbara Aigner
Mit Maximilian Herzogenrath, Imanuel Humm, Tiffany Köberich,
Anne Rohde, Yvonne Ruprecht, Tristan Steeg


Sonntag, 22. September | 19.30 Uhr | Studio Schauspielhaus
AMSTERDAM
Maya Arad Yasur
Amsterdam: liberal, kosmopolitisch, angesagt. Menschen aus aller Welt und ihre Geschichten treffen hier aufeinander und mittendrin lebt eine israelische Komponistin, die eines Morgens eine unbezahlte Gasrechnung vor ihrer Haustür fi ndet. Und zwar eine aus dem Jahr 1944. Was hat es damit auf sich? Sie begibt sich auf Spurensuche und stößt dabei auf düstere Ereignisse aus der Vergangenheit, die sich während des Zweiten Weltkrieges in ihrem Wohnhaus zugetragen haben. Gleichzeitig wird sie selbst in ihrer vermeintlich so weltoffenen Umgebung immer stärker mit ihrem Selbstbild als Jüdin, mit Vorurteilen und Stereotypen konfrontiert. Leichtfüßig und tiefgründig lässt die junge israelische Autorin die Zuschauer*innen in eine packende Geschichte eintauchen, in der die Schatten der Vergangenheit immer weiter in die Gegenwart hineinwachsen.

Das 2018 mit dem Ersten Preis beim Stückemarkt des Berliner Theatertreffens ausgezeichnete Stück ist auf der einen Seite ein faszinierender Krimi und stellt auf der anderen Seite Fragen nach der Aufarbeitung von Geschichte, nach Erinnerungskultur heute und nach deren Auswirkung auf die eigene Identität.
Regie Josua Rösing Ausstattung Michael Lindner
Musik Thies Mynther
Mit Jennifer Böhm, Rudi Hindenburg, Ksch. Almuth Schmidt


SCHAUSPIEL Extra


Sonntag, 8. September | 11.00 Uhr | Bistro Entracte Schauspielhaus
VorOrt: FAUST
Mit Regisseurin Annette Pullen, Dramaturg Jens Paulsen und Mitgliedern
des Ensembles.

Sonntag, 22. September | 11.00 Uhr | Bistro Entracte Schauspielhaus
VorOrt: FRÜCHTE DES ZORNS
Mit Regisseur Malte Kreutzfeldt,


werftparkkiel*


junges theater
Premiere
Samstag 21. September | 18.00 Uhr | Junges Theater im Werftpark
DAS GESPENST VON CANTERVILLE
ab 6 Jahren
Sir Simon de Canterville ist ein Schlossgespenst, wie es sich gehört. Seit Jahrhunderten spukt er durch das Anwesen von Canterville, jagt den Bewohnern Angst und Schrecken ein und hegt und pfl egt den traditionellen Blutfleck in der Bibliothek. Doch als Familie Otis in das Schloss zieht, wird alles anders. Die glauben nicht an Gespenster! Eine Unverschämtheit! Unaufhörlich versucht Sir Simon de Canterville, ihnen das Gruseln beizubringen. Mit »Das Gespenst von Canterville« bringt das Junge Theater im Werftpark den 1887 erschienenen Klassiker des irischen Schriftstellers Oscar Wilde als unterhaltsames Stück für die ganze Familie auf die Bühne.


—| IOCO Kritik Theater Kiel |—

Wien, Wiener Staatsoper, Der Olymp der Musiktheater – Die Saison 2018/19, IOCO Aktuell, 11.07.2019

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Saisonabschluss der Wiener Staatsoper 2018/2019 
 Zahlen, Daten, Fakten

Die Wiener Staatsoper ist kultureller Olymp der Musiktheater Europas. Über 600.000 Besucher jährlich, eine Auslastung von regelmäßig über 98% erreicht kein anderes Musiktheater der Welt. Die Wiener Staatsoper veröffentlicht jedes Jahr einen öffentlich zugänglichen, umfassenden Geschäftsbericht. Für die Spielzeit 2017/18 veröffentlichte die Staatsoper Wien im Februar 2019 einen Geschäftsbericht der auf 123 Seiten  das künstlerische, operative, kaufmännische  Gebaren der Staatsoper beschreibt. Intendant Dominique Meyer betont und bespricht seit Jahren in seinen Pressekonferenzen   operative Eckdaten der Staatsoper im Detail; künstlerische Selbstverliebtheit ist Meyer fremd. Nun gab die Staatsoper Daten für die endende Saison 2018/19 bekannt.

Wiener Staatsoper / Intendant Dominique Meyer und Ballettchef Manuel Legris © IOCO

Wiener Staatsoper / Intendant Dominique Meyer und Ballettchef Manuel Legris © IOCO

 Eckdaten der Wiener Staatsoper zur endenden Saison 2018/19

In der Spielzeit 2018/2019 konnte die Wiener Staatsoper erneut einen Einnahmenrekord durch Kartenverkauf erzielen: 37.695.162,26 Euro (2017/2018: 35.298.761,91) – um 2.314.762,26 über den Plansoll. Die Sitzplatzauslastung betrug insgesamt 99,10% (2017/2018: 98,61%).

Insgesamt 622.081 Gäste (2017/2018: 608.955), besuchten 291 Opern-, Ballett-vorstellungen und Matineen auf der Hauptbühne (2017/2018: 292), 72 Vorstellungen im Studio Walfischgasse (2017/2018: 90) sowie 18 Matineen im Gustav Mahler-Saal (2017/2018: 20).

 Die 215 Opernvorstellungen erreichten eine Sitzplatzauslastung von 99,43%

Falstaff – Giuseppe Verdi
youtube Trailer der Staatsoper Wien
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Das Wiener Staatsballett verzeichnet 2018/2019 einen Besucherrekord: In der gerade zu Ende gegangenen Spielzeit konnte das Wiener Staatsballett erstmals 170.000 Besucher erreichen sowie zusätzlich 2.000 Besucher im Rahmen des St. Petersburg-Gastspiels im April 2019. Die Auslastung in der Wiener Staatsoper betrug 99,55% (2017/2018: 97,71%) sowie in der Volksoper Wien 87,01% (2017/2018: 72,17%). Ebenso erfreut sich das Wiener Staatsballett über Mehreinnahmen von insgesamt EUR 1.054.793,- durch Kartenverkäufe.

Noch viel mehr Opern- und Ballettliebhaber konnten mit den 47 Live-Übertragungen via WIENER STAATSOPER live at home erreicht werden sowie durch die TV-Übertragungen: Lucia di Lammermoor auf ORF 2 sowie Falstaff, Idomeneo, Tosca und Peer Gynt auf ORF III. Das Jubiläumskonzert am 26. Mai hat auf ORF III und ARTE rund eine Million Menschen verfolgt.

Erfreulich ist auch die Anzahl an verkauften Kinderkarten im Haupthaus und in der Walfischgasse: Insgesamt wurden 11.430 Kinderkarten (2017/2018: 13.469) ausgegeben Dazu kommen in beiden Spielzeiten rund 7.000 Kinder in den beiden Vorstellungen von Die Zauberflöte für Kinder am Tag nach dem Wiener Opernball.

—| Pressemeldung Wiener Staatsoper |—

 

Lüttich, Royal Opera de Wallonie, I Puritani – Vincenzo Bellini, IOCO Kritik, 21.06.2019

Opéra Royal de Wallonie-Liège © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège

I Puritani  –  Vincenzo Bellini

– Morgen graut noch über dem Grab von Vincenzo Bellini, als ……. –

von Ingo Hamacher

– Brava, bravo, bravissimo! – Das Lütticher Publikum ließ seiner Begeisterung nach jeder Musiknummer von Vincenzo Bellinis Belcanto – Oper I Puritani freien Lauf. Ovationen, Jubel und leidenschaftlicher Applaus waren kaum noch zu bremsen.  So schön war alles, was Auge und Ohr geboten wurde, dass sich niemand daran gestört hat, dass der Kopf im Grunde nicht verstand, was da gezeigt wurde.  Egal! Es war wunderbar.

I Puritani –  Vincenzo Bellini
youtube Trailer Opéra Royal de Wallonie Liègen
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Vincenzo Bellini Grabmal in Paris © IOCO

Vincenzo Bellini Grabmal in Paris © IOCO

Während Vincenzo Bellinis Musik den Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens bildet, weist das Libretto des an Theatererfahrung mangelnden Carlo Pepoli einige Ungereimtheiten und dramatische Schwächen auf.  Regisseur Vincent Boussard versucht daher eine biographischen Neudeutung, mit der er aber auch nicht für Klarheit sorgt: Er lässt Bellini zweimal leibhaftig auftreten. Noch vor der Ouvertüre wird er von einem Todesengel (die Tänzerin Sofia Pintzou) zu Klängen von Klaviermusik Franz Liszts erwürgt und begraben. Am Ende, wenn Bellini noch einmal auf der Bühne erscheint, wird er erschossen. Zwei verschiedene Todesarten?

Bellinis früher Tod im Alter von 33 Jahren hat zu zahlreichen Spekulationen und Gerüchten geführt. Paris 1835: In einem bis auf die Grundmauern ausgebrannten Theater wird eine Trauerfeier für den kürzlich verstorbenen Komponisten abgehalten.  Das bombastische Bühnenbild von Johannes Leiacker zeigt in bühnenfüllenden Ausmaßen die Ruinen eines Theaters mit zahlreichen Logen. Das Wüten des Feuers ist noch in verbrannten Überresten zu erkennen. Totes, schwarzes Laub weht über den Bühnenboden; ein schwarzer Flügel als Zeugnis der vergangenen Pracht steht in der Bühnenmitte.  Die Oper wird als Theater im Theater gespielt, zwei Akte lang hinter einem durchsichtigen Schleiervorhang.  Er deutet ein riesiges Guckloch an, dient als Fläche für Projektionen.

Bellinis Liebesleben war mit drei Frauen verbunden: die Tre Giuditte: der vornehmen Mailänderin Giuditta Cantù, die mit dem Seidenfabrikanten und Komponisten Fernando Turina verheiratet war; der Sängerin Giuditta Pasta, der ersten Amina, Norma, Beatrice; und Giuditta Grisi, für die er die Partien des Romeo und der Adalgisa schrieb. Da das Stück nur zwei Frauenrollen vorsieht, fügt Boussard eine zusätzliche, stumme Rolle ein, ein schwarzer Schatten Elviras, der als einer Art Engel des Todes die Handlung begleitet. Nach beeindruckenden Videoprojektionen von Isabel Robson treten zur Ouvertüre nach und nach der Chor und weitere Protagonisten des Stücks in die Theaterruine.  Die Kostüme von Christian Lacroix sind dabei vor allem bei den Frauen sehr aufwendig und opulent gestaltet.

Der Morgen graut über dem noch offenen Grab von Vincenzo Bellini.  Eine kleine Menschenmenge hat sich versammelt.  Die Trauer weicht einer Ballszene.  Es laufen die Vorbereitungen für die Hochzeit von Elvira,der Tochter des Puritanerführers Walton. Der Bariton liebt den Sopran, der aber lieber den Tenor hätte. Dieser jedoch entscheidet sich im Konflikt zwischen persönlichem Glück und Königstreue für die Ehre, was er am Ende mit dem Leben bezahlt.

Opera Royal de Wallonie / I Purtitani - hier :  Alexise YERNA als Enrichetta © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opera Royal de Wallonie / I Purtitani – hier : Alexise YERNA als Enrichetta © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Verliebte aus verfeindeten Lagern – das sind Elvira und Arturo, mitten im englischen Bürgerkrieg zwischen protestantischen Puritanern und königstreuen Katholiken um 1650.England zur Zeit der Machtkämpfe zwischen den Puritanern und den Anhängern des Königs Karls I., die die Puritaner für sich entscheiden konnten. König Karl I. wurde bereits hingerichtet.  Das Stück erzählt das Schicksal des königstreuen Lord Arturo, der am Tage seiner Liebesheirat mit Elvira – keine Selbstverständlichkeit, sie war bereits einem anderen versprochen – von einer geheimnisvollen Gefangenen in der Festung erfährt, in der er die Königswitwe erkennt, die zur Hinrichtung geführt werden soll.  Es gelingt Lord Arturo mit der durch den Hochzeitsschleier seiner Braut getarnten ehemaligen Königin zu fliehen.  Elvira fällt in der Annahme, ihr geliebter Arturo sei mit einer anderen Frau durchgebrannt, in den Wahnsinn.

Der flüchtige Lord Arturo kehrt zurück, um Elvira um Verzeihung zu bitten und ihr die wahren Gründe zu erklären.  Elvira scheint wieder zu Verstand zu kommen, jedoch als sich Arturos Verfolger nähern, verwirren sich ihre Sinne erneut. Durch den Schock der Todesgefahr, in die Arturo gerät, wird Elvira geistig wieder klar.  Sie wird sich des Verrats an ihr bewusst und handelt: Lieber tötet sie Arturo, als ihn nochmals zu verlieren.

Die Inszenierung findet zu einem interessanten Ende: Zum Schluss stehen wieder alle Darsteller auf der Bühne, gehen zum Bühnenrand und verbeugen sich. Während der Applaus verhallt erfahren sie vom Ende des Kriegs und Boussard gewährt den Darstellern – wenn auch verspätet – das von Bellini und Pepoli vorgesehene glückliche Ende. Schließlich fällt ein Schuss, und die Frau, die anfangs den Komponisten zu Fall gebracht hat, bricht tot hinter einem Vorhang zusammen. Bellini sagte einmal, dass ein gutes Libretto eines sei, das keinen rechten Sinn habe. Das enthusiasmierte Publikum flieht am Ende aus einem überhitzen Opernhaus.

Musikalisch lässt die Aufführung keine Wünsche offen.  Die hervorragende Sängerriege beschert mit wunderbaren Melodien den Zuschauern einen Glücksmoment nach dem nächsten und belegt, dass die Oper musikalisch wirklich ein Meisterwerk ist.  Zwei großartige Solisten geben in den Hauptrollen ihr Hausdebut:

Opera Royal de Wallonie / I Purtitani  - hier :  das Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opera Royal de Wallonie / I Purtitani – hier : das Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Lawrence Brownlee überragend als Lord Arturo Talbot; * 1972, Ohio, ist ein US-amerikanischer Tenor. Sein Debüt an der MET hatte er 2007. Dort wurde er auch in Rossinis Arminda und in der berühmten und herausfordernden Rolle des Tonio in La fille du régiment und als Arturo in Bellinis I Puritani gefeiert. Brownlee ist insbesondere für sein Belcanto-Repertoire bekannt.

ELVIRA: Zuzana Markova (* 1988), eine tschechische Koloratursopranistin, die international in Hauptrollen mit Schwerpunkt auf italienischen Belcanto-Rollen wie Donizettis Lucia di Lammermoor und Bellinis Elvira auftritt.  2014 sprang sie im letzten Moment in der Inszenierung von Frédéric Bélier-Garcia an der Opéra de Marseille als Lucia ein, als Eglise Guttierez krank wurde. Markovás Auftritt wurde als buchstäblich blendend beschrieben und auch in Lüttich bot sie Weltklasse.

Mario Cassi punktet als Riccardo mit markantem Bariton, der auch in den Höhen enorme Durchschlagskraft besitzt. Resolut sind die beiden Bässe (Lord Walton: Alexei Gorbatchev; Sir Giorgio: Luca Dall’Amico), alte Herren, die glauben, die Fäden in der Hand zu halten.

ENRICHETTA: Alexise Yerna, belgische Mezzosopranistin.

SIR BRUNO ROBERTON: Zeno Popescu, rumänischer Tenor. Großes leistet der von Pierre Iodice einstudierte Chor der Opéra Royal de Wallonie-Liège, der einiges auf und hinter der Bühne zu singen hat.

Diese letzte Oper der Saison 2018/19 wurde von der Lütticher Chefdirigentin Speranza Scappucci erstmalig dirigiert. Sie lieferte mit dem Orchester der Opéra Royal de Wallonie-Liègeein versiertes und emotionales Dirigat ab, das tief berührte.

REGIE: Vincent Boussard (erstmalig an der Royal Opera), * 1969, ist französischer Opern- und Theaterregisseur. Als Spezialist für frühe Opern wurde er bekannt für seine Versionen romantischer Opern, teilweise in internationaler Zusammenarbeit. Seine Produktionen sind weltweit verbreitet. Er hat mit einer großen Zahl namhafter Dirigenten gearbeitet, wie er auch regelmäßig zu Festivals wie den Salzburger Osterfestspielen, den Festspielen von Aix-en-Provence, den Innsbrucker Festspielen für Alte Musik, dem Festival dei due mondi in Spoleto und dem Festival Amazonas de Ópera eingeladen wird.

 Opera Royal de Wallonie / I Purtitani - hier :  das Zuzana MARKOVÁ - Lawrence BROWNLEE als Lord Arturo Talbot © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opera Royal de Wallonie / I Purtitani – hier : das Zuzana MARKOVÁ – Lawrence BROWNLEE als Lord Arturo Talbot © Opéra Royal de Wallonie-Liège

BÜHNE: Johannes Leiacker, * 1950 in Landshut,  ist deutscher Bühnen- und Kostümbildner. Er ist weltweit als Ausstatter im Opern- und Schauspielbereich tätig. Bis 2010 hatte Leiacker eine Professur an der Hochschule für Bildende Künste Dresden inne.

KOSTÜME: Christian Lacroix, 1951, Frankreich, ist französischer Modeschöpfer. Zwischen 1987 und 2009 war Lacroix Chef-Designer seiner eigenen Modemarke. Seit den späten 1980er Jahren ist er auch immer wieder als Kostümdesigner für Theater, Oper oder Ballet tätig. Eine langjährige Zusammenarbeit im Bereich der Oper verbindet den Designer mit dem Regisseur Vincent Boussard.

LICHT: Joachim Klein (Hausdebut), * 1963 in Frankfurt am Main, ist Lichtdesigner, der überwiegend für Opernproduktionen arbeitet. Seit 1994 ist er als Beleuchtungsmeister und Lichtdesigner an der Oper Frankfurt engagiert, gastiert aber auch regelmäßig an bedeutenden Opernhäusern in Europa und Nordamerika.

VIDEO: Isabel Robson (zum ersten mal in Lüttich); sie  studierte Bühnenbild in London und Video Postproduktion in Paris. Seit 2001 ist sie als Szenografin tätig; Videogestaltung für die Bühne ist seit über zehn Jahren ein Schwerpunkt ihrer Arbeit.

I puritani / Die Puritaner,  Musik: Vincenzo Bellini, Libretto: Carlo Pepoli, Literarische Vorlage: Têtes rondes et cavaliers von Jacques-François Ancelot und Xavier-Boniface Saintine, Uraufführung: 24. Januar 1835, Ort der Uraufführung: Théâtre-Italien, Paris;  I Puritani  spielt zur Zeit Oliver Cromwells in der Nähe von Plymouth, England.

I Puritani – Vincenzo Bellini; die weiteren Vorstellungen dieser Spielzeit am Royal Opera de Wallonie:  16.6.; 20.6.; 22.6.; 25.6.; 28.6.2019

—| IOCO Kritik Opéra Royal de Wallonie-Liège |—

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