Linz, Landestheater Linz, Premiere TOD IN VENEDIG VON BENJAMIN BRITTEN, 19.05.2018

Mai 18, 2018 by  
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Landestheater Linz

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

DEATH IN VENICE (TOD IN VENEDIG)
OPER IN ZWEI AKTEN VON BENJAMIN BRITTEN

Text von Myfanwy Piper nach der gleichnamigen Novelle von Thomas Mann
In englischer Sprache mit Übertiteln
Koproduktion mit der Opéra Nice Côte d’Azur und dem Theater Bonn

Premiere Samstag, 19. Mai 2018, 19.30 Uhr
Großer Saal Musiktheater

Die weiteren Vorstellungstermine: 22., 25. Mai; 1., 7., 19. Juni; 2., 6. Juli 2018


ZUM STÜCK


Thomas Manns Novelle Der Tod in Venedig aus dem Jahr 1911 gehört zweifelsohne zu den Höhepunkten der deutschen Literatur. Das Schicksal des alternden Dichters Gustav Aschenbach, der im von der Cholera heimgesuchten Venedig auf den schönen Knaben Tadzio trifft und sich in ihn verliebt, transportiert viel von Thomas Manns eigener Lebenssituation. Gleichzeitig lässt sich diese Geschichte aber auch als Abgesang auf die europäische Kultur am Vorabend des Ersten Weltkrieges lesen. Es ist diese spannende Mischung aus Realem und Fiktionalem, aus dunklem Triebhaften und klarer Rationalität, aus interpretatorischer Varianz und sprachlicher Eleganz, die an Manns Novelle immer wieder aufs Neue fesselt.

Somit verwundert es nicht, dass es ausgerechnet der Komponist Benjamin Britten war, der aus diesem Stoff eine Oper machte. Denn auch Britten war Zeit seines Lebens nachgerade besessen von dem Gedanken an die Faszination und die Bedrohung kindlich-jugendlicher Unschuld. Und so schuf er mit seiner letzten Oper Death in Venice eines seiner dichtesten und dramaturgisch innovativsten Werke. Dabei fasst Britten die seelischen Verunsicherungen, die Aschenbach durch die Begegnung mit Tadzio erfährt, in eine Tonsprache, die ebenso konzentriert wie emotional bewegend ihre Wirkung nicht verfehlt. Tonsprache, die ebenso konzentriert wie emotional bewegend ihre Wirkung nicht verfehlt.

Unter dem Strich wirft Thomas Manns Erzählung Der Tod in Venedig mehr Fragen auf, als sie beantwortet, worin nicht zuletzt ihr Rang und ihr Reiz mitbegründet liegen. So mag man bei der Lektüre dieser Erzählung mutmaßen, ob der glückliche Ehemann und Respekt einflößende Familienvater Thomas Mann mit Der Tod in Venedig seine Homosexualität öffentlich gemacht hat.

War Thomas Mann also schwul? Darüber haben sich etliche Biografen und Exegeten den Kopf zerbrochen, ohne eine eindeutige Antwort zu erhalten. Eine mögliche These hierzu könnte lauten, dass Thomas Mann nicht homosexuell war, sondern sich nur von schönen jungen Knaben angezogen fühlte. Auch diese Aussage klingt platter und banaler, als sie in Wirklichkeit ist.

Von solch einer homoerotischen Sichtweise einmal abgesehen, kann man Thomas Manns Novelle Tod in Venedig, die am Vorabend des Ersten Weltkriegs entstanden ist, aber auch als einen prophetisch anmutenden Abgesang auf die europäische Kultur lesen – eben sinnbildlich dargestellt am Leidensweg eines kultivierten Dichters, der sich selbst immer mehr den dunklen Mächten eines dionysischen Chaos überantwortet.

Oder man kann die Erzählung als allgemeingültige Parabel über das Hinterfragen oder gar Scheitern von selbst gewählten Lebensentwürfen verstehen. Denn Der Tod in Venedig ist auch die Geschichte eines Menschen, der gegen Ende seines Lebens bemerken muss, dass er vielleicht in den zurückliegenden Jahren manche Weiche in seiner Biografie falsch gestellt hat. Im Falle von Aschenbach besteht die Tragik darin, dass er dies eben zu spät erkennt. Somit kann man Thomas Manns Der Tod in Venedig auch als eine Aufforderung begreifen, sich selbst und seine Vorstellungen vom Leben immer wieder auf den Prüfstand zu stellen, um dann gegebenenfalls eine neue Richtung einzuschlagen, bevor es zu spät ist. Insofern kommt Thomas Mann in seiner Novelle zu derselben Erkenntnis, wie sein Altersgenosse und Kollege Rainer Maria Rilke, der seine Reflexion über das Apollinische in dem Gedicht Archaïscher Torso Apolls mit der Aufforderung enden lässt: „Du musst dein Leben ändern.“


BIOGRAFIEN


ROLAND BÖER MUSIKALISCHE LEITUNG Roland Böer war von 2002 bis 2008  Kapellmeister an der Oper Frankfurt. 2009 übernahm er die musikalische Leitung des Cantiere Internazionale d’Arte di Montepulciano und ist seit 2015 auch dessen künstlerischer Leiter.

Er gastierte am Teatro alla Scala in Mailand, dem Teatro dell’Opera di Roma, dem Royal Opera House und der English National Opera in London, am Théâtre de la Monnaie in Brüssel, an der Deutschen Oper und der Komischen Oper Berlin, den Opernhäusern Stockholm und Kopenhagen, dem Teatro Petruzzelli di Bari, der Opéra National du Rhin in Straßburg, der Wiener Volksoper, dem Stadttheater Bern, der Polnischen Staatsoper Warschau und dem Tschechischen Nationaltheater Prag. Eine regelmäßige Zusammenarbeit verbindet ihn zurzeit mit der Oper Frankfurt, der Opéra de Nice und dem Teatro dell’Opera di Firenze.

Er leitete die Filarmonica della Scala und das Orchester der Accademia di Santa Cecilia, das Orchester des Maggio Musicale Fiorentino, das London Symphony Orchestra, das Oslo Philharmonic Orchestra, das Radiosinfonieorchester Frankfurt und das Rundfunkorchester des Bayerischen Rundfunks, die Bamberger Symphoniker, die Deutsche Radio Philharmonie sowie das Royal Liverpool Philharmonic Orchestra und das Orchestre Philharmonique de Luxembourg. Er dirigierte außerdem das Ensemble Modern, Northern Sinfonia, das Scottish Chamber Orchestra und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen.

Aufnahmen erfolgten für EMI und Opera Rara (beide mit dem Philharmonia Orchestra London), für BBC Scotland (mit dem BBC Scottish Symphony Orchestra) und den Bayerischen Rundfunk (Bamberger Symphoniker). Eine DVD mit Roland Böers Debüt am Teatro alla Scala mit Die Zauberflöte in der Produktion von William Kentridge ist bei OPUS ARTE erschienen.

Zukünftige Engagements umfassen Neuproduktionen von Elisir d’Amore an der Opéra de Nice und Enrico (Manfred Trojahn) an der Oper Frankfurt, Sinfoniekonzerte mit dem Orchestra di Padova e del Veneto und der Neuen Philharmonie Frankfurt, sowie eine Neuproduktion von Death in Venice am Landestheater Linz.


HERMANN SCHNEIDER INSZENIERUNG Hermann Schneider wurde 1962 in Köln geboren. Er studierte Germanistik, Philosophie, Musik- und Theaterwissenschaften in Tübingen und München und schloss diese Studien 1987 mit dem Magister Artium ab.
Bereits während seines Studiums assistierte Hermann Schneider sowohl im Schauspiel als auch im Musiktheater an verschiedenen deutschen Theatern. Von 1987 bis 1991 war er als Regieassistent und Spielleiter am Stadttheater Aachen engagiert und debütierte dort 1990 als Opernregisseur. Seither hat er über 60 Inszenierungen im Musiktheater und Schauspiel an zahlreichen deutschen Theatern sowie in Wien, Frankreich und London erarbeitet. Seine letzte Regie an der Opera Côte d’Azur in Nizza, Benjamin Brittens Death in Venice, wird 2018 am Landestheater Linz als Koproduktion zu sehen sein.

 Von 1993 bis 1995 war er Chefdramaturg, Regisseur und dann Intendant am Theater Eisenach, ab 1996 bis 2001 Leiter des Studios der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg. Von 2004 bis Dezember 2015 war Schneider Intendant des Mainfranken Theaters Würzburg.
Hermann Schneider fungiert in Gremien des Deutschen Bühnenvereins. Seit 2011 ist er Mitglied der Chambre professionelles des directions de l’opera (CPDO) in Paris, der französischen Intendantengruppe. Außerdem arbeitet er regelmäßig in Montréal in beratender Funktion mit internationalem Opernnachwuchs.
Von 1990 bis 2001 hatte Hermann Schneider Lehraufträge an den Musikhochschulen Köln/Aachen sowie Düsseldorf inne. 2001 wurde er als Professor und Leiter der Opernschule an die Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar berufen.

Neben der Theaterarbeit und dem Unterricht arbeitet Hermann Schneider als Autor, insbesondere von Libretti, und veröffentlicht mit namhaften Komponisten wie Jörg Herchet, Michael Obst, Anton Plate, Klaus Schulze und Gerhard Stäbler. Seit der Spielzeit 2016/2017 ist Hermann Schneider Intendant des Landestheaters Linz.


BERND FRANKE BÜHNE Der Bühnenbildner Bernd Franke studierte an den staatlichen Kunstakademien von Düsseldorf und Stuttgart bei Prof. Karl Kneidl und Prof. Jürgen Rose.
Neben Festengagements als Bühnen- und Kostümbildner am Stadttheater Gießen und am Stadttheater Würzburg arbeitete er als Gast u. a. an den Theatern von Lübeck, Oberhausen, Koblenz, Aachen, Darmstadt, Bern sowie an der Finnischen Nationaloper Helsinki und der Volksoper Wien.


IRINA BARTELS KOSTÜME Irina Bartels, in Wuppertal geboren, studierte Mode in Hamburg und assistierte zunächst frei an den Hamburger Kammerspielen, dem Thalia Theater und beim NDR.

Nach einer festen Assistenz am Schauspiel Frankfurt ist sie seit 2004 national wie international als freischaffende Kostümbildnerin für Schauspiel und Oper tätig. Sie war u. a. als Kostümbildnerin für die Inszenierungen Don Carlos am Schauspiel Essen, Besuch der alten Dame, sowie Wunschkinder am Schauspiel Bochum, Das siebte Kreuz am Schauspiel Frankfurt (R.: Anselm Weber) und Iphigenie /Occident Express (R.: Anna Badora) am Volkstheater Wien tätig.

Produktionen an Opernhäusern waren u. a. L’Heure Espagnole an der Oper Frankfurt (R.: David Hermann), Death in Venice an der Opéra Nice Côte d’Azur (R.: Hermann Schneider, Koproduktion mit dem Landestheater Linz), sowie diverse Produktionen in der Regie von Katharina Thoma. Dazu gehören La Finta Gardiniera sowie Martha an der Oper Frankfurt, L’Eliogabalo und Boris Godunov an der Oper Dortmund, Adriana Lecouvreur am Badischen Staatstheater Karlsruhe, Ariadne auf Naxos für das Glyndebourne Opera Festival, Hans och Greta (Oper Göteborg), Un Ballo in Maschera (Royal Opera House London) sowie La Clemenza di Tito an der Opéra National du Rhin in Strasbourg.


IVAN ALBORESI CHOREOGRAFIE Ivan Alboresi, seit der Spielzeit 2016/2017 Ballettdirektor des Theater Nordhausen, absolvierte nach seinem Abitur am Fremdsprachen-Gymnasium Cadorna in Turin eine Tanzausbildung an der Accademia del Teatro Nuovo di Torino und an der John Cranko Akademie in Stuttgart. Seine Engagements als Tänzer führten ihn u. a. an die Theater Wiesbaden, Ulm und St. Gallen. 2001–2014 war er festes Mitglied der Ballettcompagnie des Mainfranken Theaters Würzburg. Er arbeitete mit Choreographen wie Heinz Spoerli, Youri Vámos, Ben van Cauwenbergh, Anna Vita, Birgit Scherzer, Ralf Rossa und Roberto Scafati. In Würzburg begann Ivan Alboresi auch selbst choreographisch zu arbeiten. Er schuf eigene Ballette und choreographierte im Musiktheater, darunter für Die Fledermaus, Orfeo ed Euridice und Die Zauberflöte. Zu seinen Inszenierungen gehören u. a. Hello, Dolly!, Jekyll & Hyde, Sunset Boulevard, Kiss me, Kate, Dracula und Maske in Blau. Seine Arbeit als Choreograph und Regisseur, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde, führte ihn an die Opéra Nice Côte d‘Azur, das Theater Erfurt, das Mainfranken Theater Würzburg, das Theater Hof sowie die Theater Ulm und Freiberg/Döbeln.


Musikalische Leitung Roland Böer
Inszenierung Hermann Schneider
Bühne Bernd Franke
Kostüme Irina Bartels
Video Paulo Correia
Choreografie Ivan Alboresi
Dramaturgie Christoph Blit
Nachdirigat Takeshi Moriuchi
Choreinstudierung Csaba Grünfelder

Gustav von Aschenbach, Schriftsteller Hans Schöpflin
Der Reisende, auch
Der ältliche Geck, Der alte Gondoliere,
Der Hotelmanager, Fremdenführer in Venedig,
Der Coiffeur des Hauses,
Der Führer der Straßensänger,
Die Stimme des Dionysos Martin Achrainer
Die Stimme des Apollo James Laing

Deutsche Mutter, Bettlerin Vaida Raginskyt?
Glasbläser, Straßensänger Domen Fajfar
Deutscher Vater Jochen Bohnen
Englischer Angestellter im Reisebüro Ulf Bunde
Schiffssteward, Restaurantkellner Joschko Donchev
Zeitungsverkäuferin, Straßensängerin,
Erdbeerverkäuferin Theresa Grabner
Priester in San Marco Tomaz Kovacic
Dänische Frau Sarolta Kovacs-Führlinger
Russische Mutter Kateryna Lyashenko
Englische Frau Gabriele Salzbacher
Französisches Mädchen Kathleen Louisa Brandhofer
Spitzenverkäuferin Margaret Jung Kim
Französische Mutter Isabelle Wernicke-Brîncoveanu
Russischer Vater Boris Daskalov
Russisches Kindermädchen Joanna Müller
Hotelportier Mathias Frey
Zwei Amerikaner Bonifacio Galván, Jonathan Whiteley
Zwei Gondolieri Bonifacio Galván, Tomaz Kovacic
Lido Bootsmann, Hotelkellner Ville Lignell
Polnischer Vater Tomaz Kovacic
Gondoliere Jin Hun Lee
Die polnische Mutter Anna Hinterreiter-Lyubavina*** |
Hannelore Schiller***
Tadzio, ihr Sohn Jonatan Salgado Romero*
Ihre beiden Töchter Paula Kernreiter**, Paula Rosenauer** |
Malina Hönlinger***
Die Erzieherin Tatiana Pichler*** | Hannelore Schiller***
Jaschiu, Tadzios Freund Edward Nunes*
Tadzios Freunde Filip Löbl*, Urko Fernandez Marzana*,
Lorenzo Ruta*

Chor des Landestheaters Linz
* Mitglieder der Tanzkompanie TANZLIN.Z
** Mitglieder der OÖ. Tanzakademie
*** Statisterie des Landestheaters Linz

—| Pressemeldung Landestheater Linz |—

Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Requiem für Auschwitz, 19.06.2018

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

»Requiem für Auschwitz« am 19. Juni im Großen Haus

Zum Gedenken an die Deportation von Roma und Sinti in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau vor 75 Jahren ist am Dienstag, den 19. Juni 2018, um 20 Uhr das »Requiem für Auschwitz« mit den Roma und Sinti Philharmonikern, Gesangssolisten, Chor und Orgel im Großen Haus des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden zu hören.

Mit dem »Requiem für Auschwitz« soll ein lebendiges Denkmal der Versöhnung und des gegenseitigen Respekts geschaffen werden. Der Komponist Roger Moreno-Rathgeb leistet damit im Namen der Sinti und Roma einen musikalischen Beitrag zur Erinnerung an alle Opfer. Er hat die Emotionen und wesentlichen Fragen über Auschwitz in eine ebenbürtige Menge von Motiven umgewandelt, die sich in verschiedenen Instrumenten und Gesang ausdrücken. Die Komposition enthält Gebete für und von den Opfern selbst. Schülerinnen und Schüler werden im Konzert beispielhaft die Namen der Wiesbadener Sinti verlesen, die am 8. März 1943 nach Auschwitz deportiert wurden.

Die Roma und Sinti Philharmoniker sind ein Projektorchester unter dem Dach des Philharmonischen Vereins der Sinti und Roma Frankfurt am Main e.V. Sie bestehen aus professionell ausgebildeten roma- und sintistämmigen Musikerinnen und Musikern, die hauptberuflich in Sinfonie- und Opernorchestern Europas engagiert sind. Das Orchester steht unter der künstlerischen Leitung des Dirigenten Riccardo M Sahiti.

Das Konzert hat zahlreiche Unterstützer: das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland, das Land Hessen und die Stadt Wiesbaden (Kulturamt und Ortsbeiräte), das Dokumentationszentrum Deutscher Sinti und Roma Heidelberg, der Landesverband Hessen Deutscher Sinti und Roma Darmstadt sowie der gemeinnützige Kulturfonds Frankfurt RheinMain, das Hessische Staatstheater Wiesbaden, die Stiftung Flughafen Frankfurt/Main für die Region, die Holger Koppe-Stiftung, die Nassauische Sparkasse, die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, das Evangelische Dekanat (Haus an der Marktkirche), das Bistum Limburg, der Förderverein Roma Frankfurt am Main e.V., die Martin-Niemöller-Stiftung e.V., das Zentrum Ökumene EKHN Frankfurt am Main, Monique und Emil Mangelsdorff und weitere Privatspender.

Zusätzliche Gesprächskonzerte:

Montag, 18. Juni 2018, 12 Uhr, Naumannsaal Wiesbaden (Haus an der Marktkirche, Schlossplatz 4) und Dienstag, 19. Juni 2018, 11 Uhr, Großes Haus im Hessischen Staatstheaters Wiesbaden

Komposition Roger Moreno-Rathgeb Musikalische Leitung Riccardo M Sahiti

Lisa Rothländer Sopran Manja Raschka Mezzosopran Yongkeun Kim Tenor Gun Wook Lee Bariton Roma und Sinti Philharmoniker und Frankfurter Singakademie

(Einstudierung Jan Hoffmann) Orgel Samuel Kummer

—| Pressemeldung Hessisches Staatstheater Wiesbaden |—

Wiesbaden, Hessisches Staatsheater, Internationale Maifestspiele 2018, IOCO Aktuell, 12.05.2018

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Internationale Maifestspiele  Wiesbaden 2018

– Die Welt zu Gast in Wiesbaden –

von Ingrid Freiberg

Unter dem Motto Ein Traum voll Lust und Freude veranstaltet das Hessische Staatstheater Wiesbaden vom 30.4. bis 31.5. die Internationalen Maifestspiele 2018: Von Verdis »Maskenball«, der  kulina­risch wie spannend die Festspiele eröffnet, bis zur­ Oper Vom Ende der Unschuld von Stephan Pfeiffer (Das Libretto zitiert Texte von Dietrich Bonhoeffer und aus der Bibel) im Schlachthof, die die Passion der Programmgestalter für Neue Musik weiterführt. Vom Schauspiel bis zum Tanz, von der Performance bis zum Lieder­abend, von Kammerkonzerten und Lesungen bis hin zur Jungen Woche. Die Götterdämmerung, bringt das »Ring«­Projekt des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden zum  Abschluss!

“Ein Fest voll Lust und Freude – wir wollen es feiern und doch darüber nicht vergessen, dass wir in Zeiten leben, die gewaltige politische Herausforderungen an uns alle stellen.” so Intendant Uwe-Eric Laufenberg in seiner Begrüßung, zur Vorstellung des unendlich reichen und vielschichtigen Programms 2018. “Während dieser vier Wochen können Theaterbegeisterte aus Nah und Fern renommierte Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Welt in Wiesbaden ge­nießen. Neben Theatern und Ensembles setzt auch die Junge Woche wieder besondere Akzente,” so Volker Bouffier, Ministerpräsident von Hessen.

Hessisches Staatstheater / Die Antigone des Sophokles - Uwe-Eric Lauferg, Intendant @ Monika Forster

Hessisches Staatstheater / Die Antigone des Sophokles – Uwe-Eric Lauferg, Intendant @ Monika Forster

Gala-Aufführungen im Großen Haus / Termine

Ein Maskenball
Eröffnet wurde das traditionsreiche Festival am 30. April 2018 mit der Premiere von Verdis Ein Maskenball unter der Musikalischen Leitung von GMD Patrick Lange und in der Inszenierung von Beka Savic. Adina Aaron singt Amelia, Renato der polnische Tenor Arnold Rutkowski Riccardo und Vladislav Sulimsky vom Mariinsky Theater. Ulrica ist – nach ihren 55 Züricher und Brüsseler Auftritten in dieser Rolle – die kanadische Altistin Marie Nicole Lemieux(Fr, 18. Mai 2018)

Hessisches Staatstheater / Tannhäuser - hier : Sabina Cvilak als Elisabeth und Lance Ryan als Tannhäuser © Monika Forster

Hessisches Staatstheater / Tannhäuser – hier : Sabina Cvilak als Elisabeth und Lance Ryan als Tannhäuser © Monika Forster

Tannhäuser
Die Titelpartie in der neuen Tannhäuser-Inszenierung übernimmt im Mai Klaus Florian Vogt, der diese Partie bereits bei den Opernfestspielen 2017 in München sang.  (So, 27. Mai 2018)

 Arabella
Als Arabella ist die großartige Strauss-Sängerin Maria Bengtsson zu erleben. (Di, 22. Mai 2018)

Der Liebestrank
Pretty Yende,
die im Liebestrank 2017 an der Met New York sang, brilliert als Adina neben Ioan Hotea, Levy Sekgapane und Patrick Carfizzi auch in Wiesbaden.  (So, 20. Mai 2018 / Sa, 26. Mai 2018)

Hessisches Staatsthetaer / Der Liebestrank - hier: Patrick Carfizzi © Karl-Bernd Karwasz

Hessisches Staatsthetaer / Der Liebestrank – hier: Patrick Carfizzi © Karl-Bernd Karwasz

Götterdämmerung
Catherine Foster, Johannes Martin Kränzle, Lance Ryan und Albert Pesendorfer stehen in der Festspielaufführung der »Götterdämmerung« auf der Bühne. (Mo, 21. Mai 2018)

Der Fliegende Holländer
Als »Der fliegende Holländer« kommt Egils Silins in einer weiteren Wagner-Partie nach Wiesbaden.  (Sa, 19. Mai 2018)

Joyce Didonato
»Wenn Joyce singt, wird die Welt heller«, sagt der Komponist Jake Heggie über Joyce DiDonato. Der mit dem Echo Klassik als »Sängerin des Jahres 2017« geehrte Weltstar ist mit seinem bewegenden Programm »In War and Peace – Harmony through Music« Gast in einem Gala-Konzert  (Do, 24.05.2018)

Historie der Maifestspiele

Die Gründung der Maifestspiele basierte auf einer Idee von Richard Wagner, der in (Wiesbaden-) Biebrich zeitweilig Wohnung bezogen und dort Teile seiner Meistersinger komponiert hatte. In dieser Zeit spielte Wagner sogar mit dem Gedanken, auf der Adolfshöhe sein eigenes Festspielhaus zu errichten. Erst später entschied er sich für Bayreuth.

Wilhelm II. wollte es Wagner und dem bayerischen König Ludwig II. nachtun. Er gründete die Kaiserfestspiele in Wiesbaden, deren Protektor und Mäzen er bis 1914 war. Im Mai des Jahres 1896 wurden auf seinen Wunsch erstmals eine Reihe ausgewählter Werke in zweiwöchigen Festspielen aufgeführt. Ein Theater- und Gesellschaftsfest wurde ins Leben gerufen, das schnell zu internationalem Ansehen gelangte und den Ruf Wiesbadens mitbegründete.

Der Monarch finanzierte die Festspiele in großzügigster Weise, verlangte dafür aber auch die Erfüllung aller seiner Wünsche, nahm sogar Einfluss auf die künstlerische Gestaltung. In den ersten Festspieljahren nutzte der Kaiser das Wiesbadener Hoftheater als Huldigungsstätte zu größerem Ruhm des Hauses Hohenzollern. So beauftragte er den Kölner Josef Lauff, eine Tetralogie über die Hohenzollern-Dynastie zu schreiben. Szenischer Luxus, exotische Feerien, malerische Tableaux und kolossale Massenarrangements erregten das Entzücken des Publikums sowie der Presse und entsprachen den Vorlieben des Kaisers.

Zwischen 1867 und 1914 besuchten Wilhelm I. und Wilhelm II. 48 mal die Stadt. Mehrfach galten die Wiesbaden-Besuche dem Zusammentreffen mit befreundeten Herrschern. Die drei “Entrevues” mit Zar Nikolaus II. (1896, 1897, 1903) hatten vornehmlich “familiären” Charakter; politische Themen waren von untergeordneter Bedeutung.

In den 1930er Jahren mündeten die Festspiele unter Hitler in die eher unrühmlichen Gaukulturwochen. Mit dem Untergang des „Dritten Reiches“ wurde das Kapitel der Wiesbadener Maifestspiele zunächst geschlossen.

Bedeutung der Festspiele für Wiesbaden

Durch regelmäßige Kurbesuche des Kaisers blühte die Kurstadt um die Jahrhundertwende auf. In der Wilhelminischen Ära wurden u. a. das Kurhaus, das Theater sowie der Bahnhof errichtet. Die Stadtviertel wurden größer und die Einwohnerzahl Wiesbadens stieg erstmals auf über 100.000 Einwohner.

Kaiser Wilhelm II. besuchte die Stadt regelmäßig zur Sommerfrische. Im Gefolge des kaiserlichen Hofstaates kamen zahlreiche Adlige, Künstler und wohlhabende Unternehmer in die Stadt. Viele von ihnen ließen sich auch nieder. Durch die Anwesenheit des Kaisers und des Berliner Hofes erhielten die Festspiele internationale Bedeutung. Sie wurden zum wichtigsten Kultur- und Finanzfaktor der Bäderstadt.

In der Kaiserzeit expandierte der Zeitungsmarkt. Es gab eine große Nachfrage nach bunten privaten Geschichten. Zur Befriedigung dieses Bedürfnisses war Wilhelm II. genau der Richtige. Die Medien und der Kaiser hatten sich gefunden… Wiesbadener Tageszeitungen ließen bis kurz vor Redaktionsschluss Raum, um die Ankunft hochrangiger Gäste – oft  Entourage von Wilhelm II. – zeitnah anzuzeigen. Durch die Angabe, in welchem Hotel die Persönlichkeiten abgestiegen waren, entstand eine Art Partnerbörse für galante Abenteuer, Ehen wurden angebahnt.

Spielbank, Hotels (an die heimischen Thermalquellen angeschlossen), Restaurants, Geschäfte und Gewerbetreibende profitierten vom kaiserlichen Besuch. So bekam z. B. die Firma Adrian, die das gesamte Gepäck des Hofstaates einschließlich des Silbers für die festliche Tafel zu transportieren hatte, 1914 den Titel “Hofspediteur seiner Majestät”.

Internationale Maifestspiele Wiesbaden / Der Tod eines Handlungsreisenden - hier : Ulrich Matthes © Arno Declair

Internationale Maifestspiele Wiesbaden / Der Tod eines Handlungsreisenden – hier : Ulrich Matthes © Arno Declair

Neugründung der Festspiele

1950 wurden die Festspiele als Internationale Maifestspiele neu gegründet: statt national nun international! Das Besondere dieser nach Bayreuth ältesten deutschen Festspiele sind die repräsentativen Gesamtgastspiele aus vielen Ländern. Oper, Ballett und Schauspiel, Produktionen für Kinder und Jugendliche sowie für Freunde der musikalischen Moderne stehen auf dem Programm. Im Jahr 1952 zählte das Festival zu den Gründerorganisationen der European Festivals Association.

Während der alle zwei Jahre veranstalteten Theaterbiennale „Neue Stücke aus Europa“, die seit dem Jahre 2008 in Zusammenarbeit mit dem Staatstheater Mainz stattfindet, werden innerhalb des zehn Tage andauernden Festivals Inszenierungen von neuen Theaterstücken in der Originalsprache gegeben und für die Zuschauer ins Deutsche übersetzt.

Die Internationalen Maifestspiele bilden in jedem Jahr den Kulturhöhepunkt der Stadt Wiesbaden, das Festival lädt die Welt ein und bietet einem internationalen Publikum die Begegnung mit der Landeshauptstadt Wiesbaden und dem Land Hessen.

Einladung

Eines der schönsten Theater in Deutschland  begrüßt seine Festspielbesucher – immer noch kaiserlich anmutend – mit Bediensteten in Livree. Die Abendgarderobe ist im Vergleich zu dieser liebenswürdig altmodischen Geste weitaus moderner. Sah man in den 60er- und 70er Jahren fast ausschließlich lange Abendkleider, kann man nun eine bunte Vielfalt bewundern – oft den Farben des Monat Mai entsprechend, der sich in Wiesbaden mit seinen blütenreichen Parkanlagen besonders herrlich präsentiert…

Ist es gelungen, Sie zu einem Besuch der Internationalen Maifestspiele zu verlocken?

 —| IOCO Aktuell Hessisches Staatstheater Wiesbaden |—

Mainz, Staatstheater Mainz, Uraufführung ARGO – Jose M. Sanchez-Verdu, 20.05.2018

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Staatstheater Mainz

Staatstheater Mainz © Andreas Etter

Staatstheater Mainz © Andreas Etter

ARGO  –  José M. Sánchez-Verdú

Premiere – 20. Mai 18 Uhr – Kleines Haus

Das sagenumwobene Schiff Argo ist vor allem durch den Raub des Goldenen Vlieses bekannt. Jason fuhr gemeinsam mit fünfzig Helden, darunter Orpheus und der weniger bekannte Butes, nach Kolchis. Als die Sirenen die Argonauten mit ihrem Gesang bezwingen wollten, schützte Orpheus die Männer durch seinen eigenen Gesang. Nur Butes stürzte sich ins Meer. „Die Antike und die Geschichte des Mittelmeers als zeitlicher und geographischer Raum (Pelagos) sind kontinuierlich Referenzpunkte meiner Arbeit als Komponist. Geboren im äußersten Süden von Spanien (Al-Andaluz), faszinieren mich Geschichte, Literatur, Mystik und Musik dieses Territoriums. Das Mittelmeer (Mare nostrum) als Raum der Begegnungen, der Bewegungen, der Suche, des Austauschs, der Kulturen und Religionen, aber auch der Katastrophen, des Krieges und des Todes.“ (José M. Sánchez-Verdú)

Der Komponist bezieht in seinen musikalischen Projekten oft Licht und Raum gedanklich mit ein. Auch für sein neues Musiktheater ARGO wird die Bühne zum „Metainstrument“. Das Libretto schrieb der Autor Gerhard Falkner, der mit seinem ersten Roman 2016 für den Deutschen Buchpreis nominiert wurde.

Musikalische Leitung: Hermann Bäumer, Inszenierung: Mirella Weingarten, Licht: Ulrich Schneider, Video: Christoph Schödel, Chor: Sebastian Hernandez-Laverny, Ausstattung: Etienne Pluss, Dramaturgie: Ina Karr

Butes: Jonathan de la Paz Zaens, Orpheus: Alin Deleanu, Odysseus: Brett Carter,
Jason: Martin Busen, Aphrodite: Maren Schwier

Chor des Staatstheater Mainz, Philharmonisches Staatsorchester Mainz, Live-Elektronische Realisation: SWR Experimentalstudio, Klangregie: Joachim Haas, Sven Kestel, Constantin Popp

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