Baden-Baden, Festspielhaus, Jonas Kaufmann – Das Lied von der Erde, IOCO Aktuell, 10.01.2019

logo_baden_baden

Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Jonas Kaufmann  –  Das Lied von der Erde

Für sein Konzert in Festspielhaus Baden-Baden hat Jonas Kaufmann ein Werk ausgesucht, dass ihn schon sehr lange begleitet: Am 20. Januar 2019, 19 Uhr, wird er im Festspielhaus Gustav Mahlers sinfonischen Zyklus Das Lied von der Erde singen. Das Besondere: Jonas Kaufmann singt nicht nur die Tenorstimme, sondern übernimmt auch die Bariton-Partie.

Gustav Mahler Grabmal © IOCO

Gustav Mahler Grabmal © IOCO

An seine erste Begegnung mit Gustav Mahlers Lied von der Erde kann sich Jonas Kaufmann noch genau erinnern: „Es war die Klemperer-Aufnahme mit Fritz Wunderlich und Christa Ludwig, und ich war derart hingerissen von dem Stück, dass ich mir sofort die Noten besorgt und versucht habe, den Tenorpart zu singen.“ Gerade einmal 20 Jahre alt war er da, und dem Stück einfach noch nicht gewachsen. „Mit Wunderlichs grandioser Wiedergabe im Ohr habe ich mich mit Innbrunst in dieses ‚Trinklied vom Jammer der Erde‘ gestürzt – und war nach der ersten Seite stockheiser. Das ist nun wirklich nichts für Anfänger!“ Jahre habe es gedauert bis er sich der schwierigen Tenor-Partie gewachsen fühlte. Denn in dem vielfarbig schillernden Stück werden die Sänger mit einem Orchestersatz konfrontiert, der ihnen neben ausgefeilter Gesangstechnik auch die letzten Reserven abverlangt. „Aber wenn man’s kann“, so der gebürtige Münchner, „ist es jedes Mal die reinste Ekstase.“

Jonas Kaufmann © Gregor Hohenberg - Sony Classical

Jonas Kaufmann © Gregor Hohenberg – Sony Classical

Begleitet von dem Sinfonieorchester Basel und unter der musikalischen Leitung von Jochen Rieder wird Jonas Kaufmann nun mit Mahlers Lied von der Erde in Baden-Baden erwartet, wobei der Sänger in der „Symphonie für Tenor- und eine Alt- oder Baryton-Stimme“ (Mahler) beide Partien übernehmen wird. „Bei Aufführungen habe ich mich oft gefragt, warum man für diese sechs Lieder eigentlich zwei Sänger braucht. Natürlich gibt es in den Stücken sehr starke Kontraste und auch deutliche Unterschiede in der Stimmlage; trotzdem habe ich gedacht, dass es doch reizvoll wäre, bei allen Unterschieden auch den großen Bogen vom Anfang bis zum Ende zu spannen. Außerdem liebe ich die tieferen Lieder so sehr, dass ich bei Aufführungen oft sehr eifersüchtig den Bariton- und Mezzo-Kollegen gelauscht habe, vor allem mit Blick auf das letzte Lied, den ‚Abschied‘.Kaufmann, der über ein ausgeprägt baritonales Timbre verfügt (und der auch schon für einen erkrankten Kollegen die Basspartie des Komturs im Finale von Mozarts ‚Don Giovanni‘ gesungen hat), bereitet die tiefere Lage keine Probleme: „Wenn ich daran denke, dass Renata Scotto meine Stimme mit einem Cello verglichen hat, dann werden mir meine Mezzo- und Bariton-Kollegen hoffentlich verzeihen, dass ich in ihr Revier eingedrungen bin.“

[ Von Jonas Kaufmann wurden verschiedene Aufnahmen bei der Sony Classical veröffentlicht ]

Vor Mahlers Weltabschiedswerk, das nach dem katastrophenartigen Höhepunkt des letzten Satzes mit offenem Ende in der Unendlichkeit zu verhallen scheint, hat Jochen Rieder, der Dirigent des Abends im Festspielhaus, Luciano Berios „Rendering“ gestellt, eine Rekomposition von Franz Schuberts letztem Sinfonieentwurf. Luciano Berio beschrieb sein Werk nicht als „Vollendung oder Rekonstruktion“, sondern als eine „Restaurierung“, die mit ihrer „Auffrischung der alten Farben“ den „Richtlinien einer modernen Freskorestaurierung“ folge: „Die Skizzen sind durch ein sich ständig wandelndes musikalisches Gewebe verbunden, immer ‚pianissimo‘ und ‚fern‘, untermischt mit Anklängen an das Spätwerk Schuberts […] und durchsetzt mit polyphonen Passagen aus Fragmenten derselben Skizzen. Dieser musikalische ‚Zement‘ bildet den fehlenden Zusammenhang und füllt die Lücken zwischen den einzelnen Entwürfen.“

Sinfonieorchester Basel © Matthias Willi

Sinfonieorchester Basel © Matthias Willi

Der Tenor Jonas Kaufmann gilt als einer der berühmtesten Tenöre unserer Zeit. Nach dem Gesangsstudium in seiner Heimatstadt München und ersten Engagements ging er 2001 an die Oper Zürich. Von dort aus begann seine internationale Karriere, mit Auftritten bei den Salzburger Festspielen, an der Pariser Oper, in Covent Garden, an der Mailänder Scala und an der Metropolitan Opera New York. Sein Debüt im Festspielhaus Baden-Baden gab er 2009 in Strauss’ Rosenkavalier unter der Leitung von Christian Thielemann. Auch mit Mahler war er schon im Festspielhaus zu erleben: 2012 mit den Kindertotenliedern und 2014 mit einem Mahler-Liederabend.

Der Dirigent Jochen Rieder, den seine klassische Laufbahn als Kapellmeister von Karlsruhe über Bremen ans Opernhaus Zürich führte, verbindet mit Jonas Kaufmann eine lange musikalische Zusammenarbeit. Gemeinsam traten sie weltweit in renommierten Häusern auf und in ihrer Zusammenarbeit entstanden mehrere erfolgreiche CD- und DVD-Produktionen.

Das Sinfonieorchester Basel ist eines der ältesten und zugleich innovativsten Orchester der Schweiz und genießt eine starke überregionale und internationale Ausstrahlung. In eigenen Konzertreihen, im Theater Basel sowie bei Gastspielen im In- und Ausland beweist es immer wieder aufs Neue seine hohe Klangkultur. Chefdirigent ist seit der Konzertsaison 2016/17 der Brite Ivor Bolton. Im Festspielhaus Baden-Baden war das Sinfonieorchester Basel zuletzt im November 2017 im Konzert mit Daniel Hope zu Gast.

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—

Gera, Theater und Philharmonie Thüringen, Oedipe – George Enescu, 10. Februar 2019

T&PhilThüringen_logo_300

Theater und Philharmonie Thüringen

Theater und Philharmonie Thüringen / Oedipe - Timo Rößner (Laios, König von Theben mit dem eben geborenen Oedipe auf dem Arm) hinter ihm Ulrich Burdack (Hohepriester) Frank Ernst (Ein Hirte) - rechts knieend Damen und Herren des Opernchors © Ronny Ristok

Theater und Philharmonie Thüringen / Oedipe – Timo Rößner (Laios, König von Theben mit dem eben geborenen Oedipe auf dem Arm) hinter ihm Ulrich Burdack (Hohepriester) Frank Ernst (Ein Hirte) – rechts knieend Damen und Herren des Opernchors © Ronny Ristok

Monumentaloper Oedipe – Gera und Altenburg

In der Spielzeit 2017/18 bewältigte Theater&Philharmonie Thüringen die Mammutaufgabe und brachte unter begeistertem Zuspruch von Publikum und Fachpresse die Oper Oedipe des genialen Rumänen George Enescu auf die große Bühne im Theater Gera. Hier folgen nun zwei weitere Aufführungen am Sonntag, 10. Februar 2019 um 14.30 Uhr und letztmalig am Sonntag, 17. Februar 2019 ebenfalls 14.30 Uhr.

Zur Premiere im Großen Haus das Altenburger Landestheaters kommt die Inszenierung dann am Sonntag, 24. Februar 2019 um 18.00 Uhr. Dort folgt eine weitere Vorstellung am Freitag, 1. März 2019 um 19.30 Uhr sowie die letzte Aufführung am Donnerstag 28. März 2019 um 14.30 Uhr.

Theater und Philharmonie Thüringen / Oedipe - Sébastien Soulès (Ödipus), davor Merope © Ronny Ristok

Theater und Philharmonie Thüringen / Oedipe – Sébastien Soulès (Ödipus), davor Merope © Ronny Ristok

Atmosphärisch dicht und farbenprächtig erzählt Enescu einen unsterblichen Menschenmythos: die Geschichte des Ödipus von der Geburt bis zum Tod. Das 1936 in Paris uraufgeführte Meisterwerk geriet in den Schatten des 2. Weltkriegs und wurde seither nur sehr selten aufgeführt. Die neue Thüringer Inszenierung schufen Kay Kuntze als Regisseur, Duncan Hayler als Ausstatter für Bühne und Kostüme sowie Laurent Wagner als Musikalischer Leiter. Für die anspruchsvolle Titelpartie wurde der Franzose Sébastien Soulès engagiert.

Die monumentale Komposition des Rumänen George Enescu (1881-1955) basiert auf den antiken Dramen Oedipus Tyrannos und Oedipus auf Kolonos von Sophokles, geht jedoch recht frei mit den Vorlagen um. So beginnt die Oper bereits bei Ödipus’ Geburt; eine besondere Bedeutung kommt auch dessen Begegnung mit der Sphinx zu. Oedipe gilt als das Meisterwerk Enescus. Die Oper, so der Komponist, muss „ihren Schwung behalten. Kein Pathos, keine Wiederholungen, kein unnötiges Geschwätz. Die Handlung muss sich schnell entwickeln.“ Quelle seines Kompositionsstils ist die Volksmusik seiner rumänischen Heimat. Dies manifestiert sich in einer ständig changierenden Melodie, Harmonie und Klangfarbe, die den Hörer von Anfang bis Ende einnimmt.

Theater und Philharmonie Thüringen / Oedipe - Sébastien Soulès (Ödipus), Béela Müller (Jokaste) © Ronny Ristok

Theater und Philharmonie Thüringen / Oedipe – Sébastien Soulès (Ödipus), Béela Müller (Jokaste) © Ronny Ristok

Ödipus ist der Enthüllungskrimi in der griechischen Mythologie: Ein Orakel verkündet, dass der Sohn des Lajos seinen Vater töten und seine Mutter heiraten wird. Die entsetzten Eltern lassen den Neugeborenen mit zusammengebundenen Füßen in der Wüste aussetzen. Er wird aber von einem Hirten gerettet und nach Korinth gebracht, wo er als Sohn des Königs aufwächst. Als Ödipus das Orakel von Delphi aufsucht, wird auch ihm das Schicksal geweissagt, den Vater zu töten und die Mutter zu ehelichen. Um dem zu entgehen, flieht er von seinen vermeintlichen Eltern aus Korinth und trifft dabei auf seinen leiblichen Vater Lajos, den er nach einem heftigen Streit im Kampf tötet. Er befreit Theben von der grausamen Sphinx und heiratet die Witwe des Lajos, seine Mutter, mit der er vier Kinder zeugt. Anzeichen verdichten sich, dass sich der einstige Orakelspruch erfüllt haben könnte. Unerbittlich forscht Ödipus nach der Wahrheit. Als er die Zusammenhänge begreift, sticht er sich die Augen aus. Mit seiner Tochter Antigone begibt er sich auf eine lange Wanderschaft.

In den Partien: Sébastien Soulès als Ödipus, Béela Müller als Jokaste, Johannes Beck als Kreon, Kai Wefer als Theiresias,  Ulrich Burdack als Hohepriester/ Phorbas/ Wächter, Frank Ernst als Hirte,  Timo Rößner als Laios, Heain Youn (Mitglied Thüringer Opernstudio) als Sphinx/ Merope, Alejandro Lárraga Schleske als Theseus, Miriam Zubieta als Antigone.

Der Opern-, Kinder- und Jugendchor singt in der Einstudierung von Gerald Krammer. Es tanzt das Kinder- und Jugendballett von Theater&Philharmonie Thüringen.

Die Aufführung erfolgt in französischer Sprache mit deutschen Übertiteln.

Am Donnerstag, 21. Februar 2019 um 18.30 Uhr lädt Chefdramaturgie Felix Eckerle zu einer Soiree in das Lindenau-Museum Altenburg ein. Hierbei geben Beteiligte Einblicke in die Opernproduktion. Der Eintritt ist frei.

Das Lindenau-Museum Altenburg eröffnet mit einer Vernissage am Donnerstag, 7. Februar 2019 um 18.30 Uhr die Kabinettausstellung „Die rätselhafte Sphinx“. Diese von Prof. Dr. Ulrich Sinn kuratierte Schau beleuchtet Darstellungen und Deutungen des Sphinx-Mythos von der Antike bis zur Gegenwart.

Zur Wiederaufnahme im Theater Gera am 10. Februar 2019 um 14.30 Uhr wird Theater&Philharmonie Thüringen der Preis der Deutschen Theaterverlage 2018 verliehen.

Anlässlich der Altenburger Premiere von „Oedipe“ am 24. Februar 2019 und vor dem Hintergrund der EU-Ratspräsidentschaft Rumäniens ab Januar 2019 wird der Rumänische Botschafter Emil Hurezeanu Persönlichkeiten aus dem kulturpolitischen Umfeld nach Altenburg einladen.

Karten an der Theaterkasse, Telefon 0365-8279105 oder 03447-585160, online buchen unter www.tpthueringen.de

—| Pressemeldung Theater und Philharmonie Thüringen |—

Baden bei Wien, Stadttheater Baden, Der Zigeunerbaron – Johann Strauss, IOCO Kritik, 03.01.2019

Januar 4, 2019 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Operette, Stadttheater Baden

baden.jpg

Bühne Baden

Baden bei Wien Stadttheater © IOCO

Baden bei Wien – Das Stadttheater am Abend © IOCO – Kultur im Netz

Der Zigeunerbaron – Johann Strauss Sohn

– Hommage an die ungarische Reichshälfte der k.u.k. Monarchie –

Von Marcus Haimerl

Der Walzerkönig Johann Strauss in Wien © IOCO

Der Walzerkönig Johann Strauss in Wien © IOCO

Eigentlich wollte Johann Strauss Sohn mit dem Zigeunerbaron die Hofoper erobern und obwohl das Werk durchaus Charakteristika einer Spieloper aufweist, fand die Uraufführung 1885 dann doch nur im Theater an der Wien statt. Eine zeitgenössische Karikatur mit der Überschrift „Strauß am Scheidewege“ zeigt den Komponisten mit einer Waage in einem Ballon über den Dächern von Wien. Der Librettist Ignaz Schnitzer und der Autor der zugrunde liegenden Novelle „Sáffi“, Mór Jókai, stehen vor dem Opernhaus, beobachten Strauss und unterhalten sich: „Vor lauter Hin- und Her-Balanciren ist der Waag‘ schon ganz schlecht. Jetzt bin ich nur neugierig, auf welcher Seite wir durchfallen werden.“

Der Zigeunerbaron –  Johann Strauss
Youtube Trailer der Bühne Baden
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Eine Sorge, welche das Regieduo Volker Wahl und Michaela Ronzoni offensichtlich nicht hatten; geht es doch, wie die beiden im Programmheft verrieten, eher darum zu zeigen, dass „ein Werben für den Krieg gleichsam ein Werben für den Tod“ ist. Ob die von Johann Strauss Sohn komponierte Musik und in Folge auch das Publikum eine solche Interpretation verträgt, schien nicht die erste Sorge von Wahl und Ronzoni gewesen zu sein.

Den „Gedanken eines Regieteams“ im Programmheft ist zu entnehmen, dass beiden auch bekannt ist, dass der Zigeunerbaron aus der Feder des Walzerkönigs ursprünglich nichts anderes war als eine „Hommage an die ungarische Reichshälfte der k.u.k. Monarchie“, in welcher das Militär keineswegs kritisiert wurde, sondern ganz im Gegenteil, eine herausragende Stellung innehatte. Von dieser Stellung blieb in der Badener Inszenierung leider nicht viel übrig.

Bühne Baden / Der Zigeunerbaron - hier: Regina Riel als Zigeunerin Saffi Czipra und Bea Robein als Czipra © Christina Husar

Bühne Baden / Der Zigeunerbaron – hier: Regina Riel als Zigeunerin Saffi Czipra und Bea Robein als Czipra © Christina Husar

Herausragend bleibt hier nur die sowohl stimmliche als auch darstellerisch bestechende Leistung des von Thomas Weinhappel mit großer Akkuratesse verkörperten Grafen Homonay, welcher hier einen Hauch von k.u.k. Monarchie versprühen darf. Mit seinem wohlklingenden Bariton lässt er auch das allzu plakative Totenkopf-Emblem mit Knochen und Skeletten an den Uniformen der Militärs einigermaßen vergessen. Als Indiana Jones des Rokoko“ sieht das Regieteam die Figur Barinkays, den Inhalt als eine Fantasy-Geschichte. Dies erklärt vermutlich auch die sehr eigentümlich anmutende Ausstattung von Stefanie Stuhldreier. Wenn Kostüme und Perücken sich nicht einfach nur mit Geschmacklosigkeit begnügen, erinnern sie an Figuren aus der Film-Serie Pirates of the Caribbean.

Bühne Baden / Der Zigeunerbaron - hier : Sébastien Soulès als Kálmán Zsupán und Thomas Weinhappel als Graf Homoway © Christina Husar

Bühne Baden / Der Zigeunerbaron – hier : Sébastien Soulès als Kálmán Zsupán und Thomas Weinhappel als Graf Homoway © Christina Husar

Glücklicherweise beweist auch das restliche Ensemble, wie lebendig Operette heute noch sein kann und bietet dem Publikum musikalische Höchstleistungen. Bea Robein ist nicht nur stimmlich herausragend, sondern auch eine hervorragende Darstellerin der Czipra. Als Sándor Barinkay kehrte der ehemalige Hausherr Sebastian Reinthaller mit frischem, höhensicherem Tenor auf die Bühne der Bühne Baden zurück. Regina Schörg, der ihre Mirabella mit viel Witz und leidenschaftlicher Darstellung außerordentlich glückt, weiß das Publikum ebenso zu überzeugen wie Sébastien Soulès als Schweinezüchter Kálmán Zsupán mit schöner, sonorer Stimme. Vor einem Monat reüssierte der französische Bass-Bariton noch als Don Pizzaro in Beethovens Fidelio in Baden, aktuell darf er auch Humor zeigen.

Bühne Baden / Der Zigeunerbaron - hier : Ensemble © Christina Husar

Bühne Baden / Der Zigeunerbaron – hier : Ensemble © Christina Husar

Regina Riel gewinnt mit ihrem kräftigen Sopran und schöner, breiter Mittellage als Zigeunerin Saffi ihren Sándor Barinkay. Als Buffo-Paar bestechen Alice Waginger als Arsena mit wunderbaren Koloraturen und einer besonderen Portion Humor und Mahdi Niakan, als liebenswertes Muttersöhnchen Ottokar. Eine ebenso großartige Leistung erlebt man auch von Thomas Zisterer als königlicher Komissär Conte Carnero. Aufhorchen ließ auch der junge albanische Bariton Branimir Agovi als Zigeuner Pali und Eugen, dem Assistent Conte Carneros.

Das Orchester unter Franz Josef Breznik, der Chor und das Ballett der Bühne Baden liefern sehr gute Leistungen und machen gemeinsam mit dem gesamten Ensemble aus einer halbherzigen Inszenierung mit moralischer Keule des Regieteams, doch noch eine herzeigbare Operette.

Der Zigeunerbaron am Stadttheater Baden; weitere Vorstellungen 4.1.; 5.1.; 12.1.; 13.1.; 26.1.; 27.1.; 31.1.2019

—| IOCO Kritik Bühne Baden |—

Buch-Rezension, „Das Wunder von Minden“ – Ring des Nibelungen, IOCO Rezension, 28.12.2108

Stadttheater Minden

Stadttheater Minden © Stadttheater Minden

Stadttheater Minden © Stadttheater Minden

  „Das Wunder von Minden“ –  IOCO – Buchbesprechung
 Richard Wagner Opern  am  Stadttheater Minden

Von Patrik Klein

Im September 2018 wurde am Stadttheater Minden die Produktion des Ring des Nibelungen von Richard Wagner vollendet. Das wagemutige Wagner-Projekt der Kleinstadt Minden wurde belohnt: Die Produktionen an Stadttheater Minden führten zu einem unerwarteten überregionalen Erfolg.

Stadttheater Minden / Der Ring des Nibelungen -  Das Rheingold - hier :  die Rheintoechter © Dorothee Rapp

Stadttheater Minden / Der Ring des Nibelungen – Das Rheingold – hier : die Rheintoechter © Dorothee Rapp

IOCO Kultur im Netz sprang erst 2017 auf den fahrenden Mindener Kultur-Zug:  IOCO Korrespondent Guido Müller berichtete über Siegfried– link HIER, Sebastian Siercke über die Götterdämmerung – link HIER.

Die Stadt Minden besitzt ein sehr kleines Stadttheater; ohne Ensemble mit wenigen Mitarbeitern in Verwaltung und Technik. Allerdings besitzt man in Minden einen mutigen Wagner-Verband mit Visionen, ungeheurer Energie und Tatendrang. Zum größten Teil aus Spenden finanziert ging man im Jahre 2002 in Zusammenarbeit mit dem Stadttheater und der Nordwestdeutschen Philharmonie das Wagnis ein, die Opern Richard Wagner in auffällig hoher Qualität, nach und nach auf die kleine Bühne des Hauses zu bringen.

Stadttheater Minden / Der Ring des Nibelungen - Die Walkuere © Friedrich Luchterhandt

Stadttheater Minden / Der Ring des Nibelungen – Die Walkuere © Friedrich Luchterhandt

Im Abstand von einigen Jahren wurden die Opern Der fliegende Holländer, Tannhäuser, Lohengrin sowie Tristan und Isolde mit beachtlichem Erfolg auf die Bühne in Minden gehoben. 2015 fasste man dann die größte Herausforderung eines Opernbetriebes überhaupt in den Fokus und plante Richard Wagners Opern-Tetralogie Der Ring des Nibelungen in den folgenden Jahren aufzuführen. Jedes Jahr im September gelang eine Premiere mit Das Rheingold, Die Walküre, Siegfried und schließlich 2018 mit Götterdämmerung.

Stadttheater Minden / Der Ring des Nibelungen - hier :  Die Norddeutsche Philharmonie © Christian Becker

Stadttheater Minden / Der Ring des Nibelungen – hier : Die Norddeutsche Philharmonie © Christian Becker

Durch die Positionierung des Orchesters auf der hinteren Hauptbühne (man nennt es heute sogar landläufig das „Mindener Modell„) und damit der Nutzung der Spielfläche unmittelbar vor den Reihen im Parkett, gelang musikalisch ein sängerunterstreichender Klang sowie eine intime Nähe zum Publikum, die zu musikalisch aller höchster Qualität beitrug. Im Herbst 2019 sollen sogar zwei Aufführungen des kompletten Zyklus des Ringes erfolgen.

Nun erschien der in schwarzem Leinen gehaltene Bildband Der Ring in Minden des J.C.C. Bruns Verlag. So wie im Bühnenbild enthalten lugt ein großer roter Kreis als Symbol des Ringes auf der Titelseite. Darunter in Gold unterlegt befindet sich der Titel und das Logo vom Richard Wagner Verband Minden.

Der 240seitigeBildband mit vielen Informationen und reichlich Fotos der vier Produktionen wurde von Orchestergeschäftsführer Christian Becker und Doris Reckwell für die Nordwestdeutsche Philharmonie herausgegeben. Das Buch stellt auch im Besonderen eine Anerkenntnis dar für Frau Dr. Jutta Hering-Winckler, die als Vorsitzende des Mindener Wagner Verbandes und als permanenter Impulsgeber einen wesentlichen Anteil am Zustandekommen der Aufführungen hatte.

Die Texte kommen von Dirigent Frank Beermann (Warum der Ring in Minden? Das Wagnerwunder an der Weser), Regisseur Gerd Heinz (Wagners Ring des Nibelungen; das Jahrhundertwerk im Mindener Modell), Bühnenbildner Frank Philipp Schlössmann (seine Maxime: „Gross kann ich, Klein ist die Herausforderung“), Video-Künstler Matthias Lippert (Die Videosequenzen; Bewegliches Licht für den Ring in Minden), Lichtdesigner und Bühnengestalter Michael Kohlhagen (Eine sportliche Aufgabe; die Lichtgestaltung beim Ring in Minden) und der Journalistin Doris Reckewell („Die Frage stell mal lieber nicht“;  Ein Gespräch mit Jutta Winckler).

Stadttheater Minden / Der Ring des Nibelungen - hier : Die Goetterdaemmerung © Christian Becker

Stadttheater Minden / Der Ring des Nibelungen – hier : Die Goetterdaemmerung © Christian Becker

In den Beiträgen werden die Konzeption des Regieteams um Gerd Heinz, die musikalischen und räumlichen Besonderheiten des Hauses und all die kleinen Widrigkeiten und Herausforderungen der Umsetzung anschaulich beschrieben. Alle Mitarbeiter an dem Projekt gehen permanent an ihre Grenzen und manchmal auch darüber hinaus. Der Geist eines gemeinsamen Erfolgswillens, den man als Außenstehender nur erahnen kann, wird hier plastisch in all seinen Formen und Farben beschrieben.

Leser des Buchs Das Wunder von Minden werden sich wünschen, an diesem  fordernden Projekt mitgewirkt zu haben. Da dies leider nicht mehr möglich ist, wird der Besuch einer für 2019 geplanten Ring – Aufführungen zum großen Wunsch. Das Buch ist mit viel Sachkenntnis, Humor und spannend geschrieben. Mit einer Portion „Schmunzeln“ kann man es in wenigen Stunden verschlingen. Eine besondere Empfehlung von IOCO Kultur im Netz.


Stadttheater Minden / Der Ring des Nibelungen © Christian Becker

Stadttheater Minden / Der Ring des Nibelungen © Christian Becker

Der Ring in Minden, herausgegeben von der Nordwestdeutschen Philharmonie, J.C.C. Bruns Verlag, 240 Seiten, 44.90 Euro, erhältlich im Buchhandel und bei Express-Ticketservice, ISBN 978-3-00-060989-3

Der Ring des Nibelungen:  2019 am Stadttheater Minden; zwei Zyklen des Mindener Rings sind vorgesehen:

Zyklus I startet am 12. September 2019 mit Rheingold, wird am 15. September mit Walküre, 19. September mit Siegfried fortgesetzt und endet schließlich am 22. September mit der Götterdämmerung.
Zyklus II folgt am 26. und 29. September 2019 sowie am 3. und 10. Oktober.
IOCO Kultur im Netz plant vom ersten Ringzyklus im September 2019 zu berichten.

—| IOCO Kritik Stadttheater Minden |—

Nächste Seite »