Tobias Kratzer – Regisseur des Jahres 2020, IOCO Interview, 23.10.2020

Oktober 22, 2020 by  
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Tobias Kratzer - hier Regisseur im Interview mit IOCO / Adelina Yefimenko © Tobias Kratzer

Tobias Kratzer – hier Regisseur im Interview mit IOCO / Adelina Yefimenko © Tobias Kratzer

Tobias Kratzer – Regisseur des Jahres 2020

im Interview mit Dr. Adelina Yefimenko / IOCO

Im Beethoven-Jahr 2020 sollten in der ganzen Welt viele neue Fidelioaufführungen stattfinden. Die Pandemie stoppte viele dieser Pläne, das Beethoven-Jahr als „Freude, schöner Götterfunken“ zu feiern und zu würdigen.

An der Royal Oper London jedoch fand die Premiere der Oper Fidelio kurz vor dem Covid19-Lockdown – am 1.03.2020 – statt. Alle sechs Vorstellungen, mit Weltstars auf der Bühne, siehe Video unen, in London waren lange im Voraus ausverkauft. Die Regie führte der deutsche Regisseur Tobias Kratzer. Am 17. März 2020 sollte die Aufführung live im Kino weltweit übertragen werden und es wurde auch eine DVD-Aufnahme geplant. Wegen des angeordneten Lockdowns wurde dieser Termin jedoch abgesagt, aber einige Zeit später, am 26. Juli 2020 fand doch eine BBC-Übertragung der Generalprobe statt, die im Raum Großbritannien 9 Monate lang verfügbar ist. In der Hoffnung, dass auch diese Londoner Fidelio –Inszenierung nach dem Pandemie-Ende wieder aufgeführt wird, traf die Musikwissenschaftlerin und Autorin der Online-Zeitung – IOCO Kultur im Netz- Dr. Adelina Yefimenko den Regisseur Tobias Kratzer in München. Am 10.10.2020 fand die Besprechung mit dem Ideenträger und Musiktheatermacher des neuen Londoner Fidelio  statt.

Adelina Yefimenko (AY): Lieber Herr Kratzer, die zwei ersten Fragen an Sie scheinen wahrscheinlich sehr allgemein. Es ist aber wichtig sie zu stellen, bevor wir das Gespräch über Ihre Fidelio –Interpretation anfangen: 1) welche Bedeutung hat für Sie als deutscher Regisseur der Name Beethoven im Beethoven-Jubiläumsjahr 2020; 2) wann haben Sie sich mit dem Beethoven –Werk das erste Mal auseinander gesetzt?

Tobias Kratzer (TK): Beim ersten Teil ihrer Frage muss ich Sie vielleicht etwas enttäuschen. Weder Jubiläumsjahre noch die Nationalität des Komponisten oder gar meine eigene spielen üblicherweise eine Rolle, wenn ich ein Werk inszeniere. Da geht es mir zuerst einmal um die innere Struktur, die Brüche, auch die Wirkung des Stückes. Bei Wagner mag das vielleicht noch etwas anders sein, aber nicht bei einem so universellen Komponisten wie Beethoven. Wobei: vielleicht ist ja gerade auch dieser Wunsch nach Universalität, nach dem ganz großen Weltentwurf, der Fidelio kennzeichnet, wiederum etwa sehr Deutsches… Zum zweiten Teil ihrer Frage: ich kenne das Stück schon sehr lange, eigentlich schon seit meiner Kindheit. Und wenn man sich wie ich professionell mit Musiktheater beschäftigt, hat man es -zumindest geht es mir da so- auch immer im Hinterkopf. Ich halte es in dem großen Anspruch, den es für die gesamte Gattung „Oper“ formuliert, tatsächlich für eine Art Wasserscheide in der Geschichte des Musiktheaters.

AY:: Ist „Fidelio“ in London Ihre erste Inszenierung dieser Oper? Warum haben Sie entschieden, Beethovens „Fidelio“ im Royal Opernhaus in London und nicht in einem Opernhaus in Deutschland auf die Bühne zu bringen?

TK: Ich habe Fidelio schon einmal im Schwedischen Karlstad inszeniert, damals als dritter Teil einer Revolutions-Trilogie. Das Stück folgte dabei auf den Barbier von Sevilla und auf Le nozze di Figaro und der Clou bestand darin, dass die meisten Personen in Fidelio dadurch eine Vorgeschichte hatten. Wer im Figaro noch unter der Herrschaft des Grafen stand, hatte jetzt, nach der Revolution, plötzlich eine neue Funktion. Aus dem Gärtner Antonio bei Mozart wurde so beispielsweise der Kerkermeister Rocco, aus seiner Tochter Barbarina wurde Marzelline, die sich ähnlich wie Barbarina in Cherubino nun schon wieder in eine Figur mit geschlechtlicher Ambivalenz verliebte. Vor allem aber saßen Graf und Gräfin bei mir als Gefangene der Revolution im Gefängnis und sangen die Rollen, die hier üblicherweise Chorsoli übernehmen. Für London habe ich das Stück nun noch einmal autonom gedacht. Meine Entscheidung, nach der Sie fragen, war aber wie so oft vor allem der Angebotslage geschuldet. Es gab eine Anfrage aus London, die Besetzung war toll und ich hatte Zeit. So habe ich zugesagt. Hätte ich ein spannendes Angebot aus Deutschland für dieses Stück gehabt, hätte ich darüber natürlich auch nachgedacht, es aber sicherlich ein wenig anders inszeniert. Nicht nur die Regietradition allgemein, sondern auch die Rezeptionsgeschichte des Werkes ist ja von Land zu Land sehr unterschiedlich.

AY: : Fidelio ist die einzige Oper Beethovens und eines der wichtigsten Kompositionen im Gesamtwerk des deutschen Genies. Dieses Werk offenbart viele Botschaften für die Gegenwart und Zukunft, in denen die Oper die Schattenseiten der Revolution, die Machtgier und die schmähliche Rolle politischer Manipulation zeigt. Was ist die Botschaft Ihrer Inszenierung? Welche Fragen stellt Ihr Konzept neu in dieser „Befreiungsoper“?

TK:  An einer „Botschaft“, noch dazu im Singular, bin ich im meinen theatralen Arbeiten meistens nicht so interessiert. Viel spannender sind ja die Ambivalenzen und Paradoxien eines Stückes und auch das Nebeneinander verschiedener Haltungen. Bei Fidelio war es mir einerseits wichtig, auch die Nebenfiguren, die im 2. Akt oft vergessen werden, genauer zu betrachten. Leonore und Florestan erscheinen ja manchmal fast wie Allegorien, als larger than life. Aber welche Auswirkungen hat das Vorbild Leonores auf Marzelline, auf Jacquino? Ist die Empathie, die Leonore zeigt, wirklich an „Gattenliebe“ gebunden, so wie es der Untertitel des Stückes nahelegt? Oder müsste sie nicht eigentlich weiter reichen – so wie es Leonore im 2. Akt selbst formuliert, wenn sie singt: „wer Du auch seist, ich will dich retten“. Andererseits hat mich auch die Rolle des Chores besonders interessiert, der ja immer auch als eine Art Spiegelbild der Zuschauer funktioniert. Auch hier stellt sich die Frage danach, was Leonores Tat eigentlich für Auswirkungen hat. Brauchen oder missbrauchen wir sie nur als eine Art Symbolfigur, die uns gewissermaßen freispricht von der Notwendigkeit eigenen Handelns? Oder müsste sie sich nicht, wie das ja auch musikalisch geschieht, gleichsam in einem Kollektiv von Handelnden auflösen?

AY:  Wie genau erarbeiten Sie die dramaturgisch unbequeme Konstruktion des Fidelio, seine so genannte „dramaturgische Sackgasse“, die für alle Regisseure immer problematisch war?

Tobias Kratzer © Tobias Kratzer

Tobias Kratzer © Tobias Kratzer

TK: Ich habe versucht diese sehr spezielle Struktur des Stückes nicht als „Sackgasse“ zu sehen, sondern sie als Konstituens des Werkes zu begreifen und zu versuchen, sie produktiv erlebbar zu machen. Das klingt etwas theoretisch. Aber im Grund gehe ich immer so vor. Ich analysiere sehr genau die Struktur eines Werkes und überlege dann, welches die Erfahrungsmöglichkeit für ein Publikum ist, die genau dieses Werk bietet. Manchmal ist es dann hilfreich, einzelne Szenen dramaturgisch zu glätten, ihnen einen flüssigeren Handlungsverlauf zu verleihen. Manchmal scheint es mir sinnvoller mit solchen Brüchen sehr offensiv umzugehen. Im Fidelio war letzteres der Fall.

AY:  Die Personen in Ihrer Version Beethovens „Fidelio“ kreisen in den Sphären der historischen Ideale und Probleme der Zeit der Französischen Revolution. Über allen diesem politischen Wahn steht aber die ehrliche Treue von Frau und Mann – Leonore und Florestan. Wie wichtig ist es für Sie, diese historische Zeit des Fidelio auf der Bühne zu deuten. Wie wichtig ist es für Ihre Charaktere kollektiv und für die Schicksale der einzelnen Protagonisten (Leonore und Florestan, Marzelline und Jaquino, Rocco, Don Pizarro und Minister Don Fernando), wie ihr Leben und Handeln von den Zeitumständen abhängt?

TK: : Mir war vor allem wichtig im 1. Akt zu zeigen, welcher historischen Zeit die Ideale entstammen, von denen das Stück erzählt. Und dann im 2. Akt quasi die Probe aufs Exempel zu machen, inwieweit sie heute noch Gültigkeit haben – oder auch wie allgemeingültig sie sind. Das heißt auch, dass die Protagonisten im 1. Akt sehr genau und realistisch gezeichnet sind; Pizarro etwa als eine Art Schreibtischtäter à la Robespierre, der mit einem Federstrich töten und seine Gegner auf die Guillotine schicken kann. Im 2. Akt ging es mir dann weniger um historische Bedingtheiten als vielmehr um Grundmuster der Empathie.

AY:  Wenn ich einer der beste Wagnersängerin Lise Davidsen als Leonore zuhöre, muss ich gleich über die Beethoven –Einflüsse auf das Wagnerwerk denken. Gleichfalls ist bekannt, dass „als Vorläuferin der Senta“ Beethovens Leonore kaum in Frage kommt. Es gibt aber auch die Meinung, dass „Leonore in allen Fassungen eine Nachfolgerin Fiordiligis ist“. Wie ist Ihre Meinung dazu …?

TK:  Eine sehr komplexe Frage, die ich nur sehr kurz beantworten will. Man könnte sagen, auch die Hörner in Leonores großer Arie kommen direkt aus der Felsenarie von Fiordiligi. Ansonsten sehe ich zwischen den beiden Stücken wenig Verbindendes. Es ist ja auch bekannt, dass Beethoven die „Così“ nicht unbedingt geschätzt hat. Mit Wagners Heldinnen teilt Leonore dafür die nicht unproblematische Eigenschaft, teilweise mehr Allegorie als lebender Mensch zu sein. Da kann und muss die Regie dann manchmal ein bisschen helfen. Aber sängerisch ist Leonore vermutlich die schwierigste der genannten Partien.

Fidelio – Einführung mit den Protagonisten auf der Bühne, ua. Jonas Kaufmann
youtube Trailer Royal Opera House London
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AY: Wie wichtig ist für Sie, selbst die Personen-Regie auf der Bühne zu führen? Wie viel Freiheit lassen Sie den Sänger*innen auf der Bühne?

TK:  Ein Konzept ist nur so gut, wie die Personen-Regie, die es ermöglicht. Insofern stehen beide Aspekte des Regieführens für mich völlig gleichberechtigt nebeneinander. Ich weiß immer sehr genau, welche Ziele die Figuren in einer Szene haben und welche szenischen Ankerpunkte ich ansteuere. Der Weg dorthin, und das meint die konkreten Bewegungsabläufe auf der Bühne genauso wie die innere Entwicklung einer Figur, wird mit den Sängerinnen und Sängern zusammen auf der Probe erarbeitet.

AY:  Im ersten Akt wurde der Eintritt von Pizarro mit dem spektakulären Auftritt eines echten Pferdes betont. Spielt für Sie das Pferd eine symbolhafte Rolle, wie z.B. für Romeo Castelucci? Oder eher die historische Rolle einer bewaffneten Macht?

TK:  Als ich im 2. Akt meiner Götterdämmerung ein lebendes Pferd als Grane auf der Bühne hatte, war es auch ein sehr konkretes Symbol für die fixe Idee von Männlichkeit, an denen sich Hagen abzuarbeiten hatte. Für die Virilität Siegfrieds, die Hagen zugleich beneidete wie auch ersehnte. Das Pferd im Fidelio ist dagegen eher Lokalkolorit und dient der Beglaubigung des historischen Realismus. Aber natürlich ist jedes Objekt oder jeder Vorgang auf der Bühne zugleich immer auch symbolisch oder zumindest symbolisch lesbar. In diesem Kontext kann man das Tier auch als Gegenpol zu dem kleinen Kanarienvogel sehen, den Marzelline bei uns hegt und pflegt. Oder als Einbruch von Unwägbarkeit in eine geordnete Welt. Ich überlasse die Deutung hier aber jedem einzelnen. Eindeutige Symbole finde ich eher langweilig.

AY:: Im zweiten Akt haben sie einen Teil des Londoner Publikums, das im ersten Akt mit den historisierenden Kulissen des epischen Theaters zufrieden war, ziemlich überrascht. Und ich dachte: so kommt Tobias Kratzer als Schöpfer der hervorragenden Bayreuther Regie des Tannhäuser „2019“ans Licht. Ihre bahnbrechende Idee, mehrschichtige Bühnenaktionen und neue Kontexte, auch Ihre exzellenten Kamera-Experimente haben Sie in der Kritikerumfrage der Zeitschrift Opernwelt als Regisseur des Jahres gewürdigt. Meine Frage betrifft aber nicht Ihre Stellung zu den Kritiker, sondern zum Publikum. Das ist nicht zufällig, dass das Opernpublikum in Ihren Inszenierungen in die Handlung eingezogen wird und an dieser Handlung partizipiert. Mögen Sie das Opernpublikum? Sind Sie auch kritisch einem zu solchen Publikum als „Zuschauer von Leiden“, das Kekse oder Schokolade während der Aufführung zu naschen wagt, während sich das große menschliche Drama zwischen Leonore und Florestan potenziert?

TK:  Ich glaube nicht, dass es mir als interpretierender Künstler zusteht mein Publikum zu bewerten. Oper kann auf vielfältige Weise rezipiert werden und ich verurteile keine davon. Natürlich freut man sich, wenn eine Zuschauerin oder ein Zuschauer versucht tief in die Gedankenwelt eines Stückes einzudringen und meine Inszenierung dabei hilfreich oder inspirierend findet. Aber wenn jemand einfach mal wieder seinen alten Hochzeitsanzug tragen, sein Date ausführen oder einen Geschäftspartner beindrucken möchte, dann sind das ja ebenso legitime Gründe für den Kauf einer Opernkarte. Ich werde deshalb aber auch nicht weniger anspruchsvoll oder unterhaltsam inszenieren als ich das sonst versuche. Im konkreten Fall des „Fidelio“ geht es ja auch nicht allein um Opernbesucher an sich. Das Publikum auf der Bühne verstehe ich auch als Metapher für das Verhalten unserer gesamten westlichen Gesellschaft. Und das Schicksal von Leonore und Florestan steht stellvertretend für viele Ungerechtigkeiten weltweit, von denen wir zwar wissen, die zu betrachten uns alleine aber noch nicht zum Handeln bringt.

Fidelio am Royal Opera House, Arie Mir ist so wunderbar …. mit Forsythe, Davidsen, Zeppenfeld, Tritschler;

youtube Trailer Royal Opera House London
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AY:  Es ist vollkommen klar, dass in Ihrer Inszenierung nicht der Minister als Deus ex machina auf der Bühne erscheint, sondern eine Frau. Es ist auch erstaunlich, dass bei Beethoven die einzige starke Person und der echte Held der Oper Fidelio eine Frau ist. Sie gehen aber noch weiter. In Ihrer Version agieren zwei starke Frauen. Leonore rettet ihr Ehemann Florestan und Marzelline rettet Fidelio / Leonore vor Don Pizarro. Weil Sie will, dass ihr Fidelio lebt, sogar wenn ihr Fidelio in Wirklichkeit Leonora ist? Sollen wir den Pistolen-Schuss Marzelline als Zeichen der bedingungslosen Menschenliebe einer Frau verstehen, die ursprünglich von Beethoven nicht als Heldin (so wie Leonora) gesehen wurde?

Tobias Kratzer: Ein klares: ja!

AY:  Nach Ihrem ersten Tannhäuser fühlten Sie sich wahrscheinlich noch so, wie Wagner: „Ich bin der Welt noch einen Tannhäuser schuldig.“ Sind Sie noch der Welt einen Fidelio schuldig? Welche Wunschoper wird Sie in der Zukunft beschäftigen?

TK: Um ehrlich zu sein, hatte ich nach meinem ersten Tannhäuser nicht unbedingt erwartet, das Stück so bald darauf noch einmal zu inszenieren. Und ähnlich geht es mir nun auch mit Fidelio. Aber ich lasse mich überraschen. Wunschopern habe ich ohnehin keine. Ich finde es meistens schöner mit Stücken konfrontiert zu werden, die ich bisher noch nicht so auf dem Schirm hatte. Sich etwas Fremdem empathisch anzunähern, anstatt immer nur dem Alt-Vertrauten zu begegnen, ist ja auch im echten Leben die deutlich spannendere Option.

Adelina Yefimenko: Lieber Herr Kratzer, auch in Namen unserer großen IOCO – Kultur Community möchte ich für dies aufschlussreiche und interessante Gespräch bedanken.

—| IOCO Interview |—

Hagen, Theater Hagen, DIE BLUME VON HAWAII – Paul Abraham, 24.10.2020

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Theater Hagen

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

DIE BLUME VON HAWAII –  Paul Abraham

Premiere  SAMSTAG, 24. OKTOBER 2020, 19.30 UHR

Als nächste Premiere im Theater Hagen steht am 24. Oktober 2020 (19.30 Uhr, Großes Haus) die Neuinszenierung der Operette Die Blume von Hawaii von Paul Abraham auf dem Programm.

IOCO wird die Premiere besuchen und berichten

Der Komponist Abraham und seine Librettisten siedelten dieses Werk in Hawaii an: In dem paradiesisch anmutenden Inselstaat regt sich Widerstand gegen die Annexion durch die Amerikaner. Die Hoffnung der Hawaiianer wächst, als Prinzessin Laya aus Europa zurück in ihre Heimat kommt – sie soll den Prinzen Lilo-Taro heiraten und mit ihm gemeinsam den Thron besteigen. Doch Laya hat inzwischen ihr Herz an Kapitän Stone verloren. Und dann gibt es noch Buffy, Bessie, Jim Boy, Suzanne Provence und Raka, die alle auf der Suche nach ihrem Liebesglück sind … – wird es ein Happy End geben?

Theater Hagen / Die Blume von Hawaii - Angela Davis und Kenneth Mattice © Klaus Lefebvre

Theater Hagen / Die Blume von Hawaii – Angela Davis und Kenneth Mattice © Klaus Lefebvre

Die 1931 in Leipzig uraufgeführte Die Blume von Hawaii spielt frech und humorvoll mit Südsee-Klischees und Kulturkonflikten. Musikalisch bewegt und begeistert das Stück mit schlagerartigen Nummern, schmissigen Tänzen, jazzigen und lyrischen Klängen sowie exotischen Klangfarben, die u.a. durch den Einsatz von Instrumenten wie Hawaii-Gitarre, Ukulele und Banjo erzeugt werden – Ohrwürmer sind garantiert!

Der erstmals am Hagener Theater arbeitende österreichische Regisseur Johannes Pölzgutter und sein Team bringen diese überaus unterhaltsame Operette mit Tempo, Witz und Poesie auf die Bühne. In Zusammenarbeit mit Rasa Akelaityte gestaltete Pölzgutter auch das von Martin Gehrke beleuchtete Bühnenbild. Die Kostüme kreierte Susana Mendoza, und als Choreograph ist Sean Stephens mit dabei, der in Hagen zuletzt das Musical „In den Hights von New York“ choreographierte. Für die musikalische Einstudierung und Leitung dieser Produktion zeichnet der 1. Kapellmeister und stellvertretende Generalmusikdirektor Rodrigo Tomillo verantwortlich.

Auf der Bühne sind zu erleben: Maciej Michael Bittner, Angela Davis, Richard van Gemert, Alina Grzeschik, Alexander von Hugo, Insu Hwang, Kenneth Mattice, Penny Sofroniadou, alternierend mit Elizabeth Pilon, Götz Vogelgesang, Frank Wöhrmann sowie weitere Mitglieder des Chors des Theaters Hagen und Tänzerinnen des Balletts Hagen.

Es spielt das Philharmonische Orchester Hagen.
Die Dauer dieser Aufführung beträgt ca. 2 ½ Stunden inklusive einer Pause
Die Premiere ist ausverkauft.

Weitere Vorstellungen: 21.11. (19.30 Uhr), 31.12.2020 (15.00 + 19.30 Uhr), 9.1. (19.30 Uhr), 20.1. (19.30 Uhr), 30.1. (19.30 Uhr), 18.2. (19.30 Uhr), 30.5. (18.00 Uhr), 6.6. (15.00 Uhr), 13.6. (15.00 Uhr), 23.6. (19.30 Uhr), 4.7.2021 (18.00 Uhr)

Die Stunde der Kritik: Samstag, 21.11.2020, im Anschluss an die Vorstellung, Theatercafé – Eintritt frei – Zu Gast: Dr. Monika Willer (Westfalenpost) sowie der Paul Abraham-Spezialist Klaus Waller

Karten an der Theaterkasse, unter Tel. 02331 / 207-3218, per Email theaterkasse@stadt-hagen.de oder unter www.theaterhagen.de

—| Pressemeldung Theater Hagen |—

Nationaltheater-Orchester Mannheim – Turangalila-Symphonie von Olivier Messiaen, IOCO CD-Rezension, 20.10.2020

OEHMS Classics OC 472 / Turangalia-Sinfonie gespielt vom Nationaltheater-Orchester Mannheim © OEHMS Classics

OEHMS Classics OC 472 / Turangalia-Sinfonie mit dem Nationaltheater-Orchester Mannheim © OEHMS Classics

Nationaltheater-Orchester Mannheim  –  Turangalila-Symphonie – Olivier Messiaen

 CD  OehmsClassics OC 472

 von Uschi Reifenberg

Der französische Komponist Olivier Messiaen, 1908 Avignon – 1992 Clichy ebi Paris, Frankreich, war eine der faszinierendsten und schillerndsten Musikerpersönlichkeiten des 20.Jahrhunderts und hat zweifellos die Neue Musik nach 1945 ganz entscheidend mitgeprägt. Er war nicht nur Orgelvirtuose, musiktheoretischer Erneuerer, Klangfarbenmystiker, Synästhet und ein begnadeter Kompositionslehrer. Messiaen widmete sich auch mit Passion dem Studium der Natur und der Vögel, deren unterschiedliche Gesänge er detailliert analysierte, aufschrieb und in seine Kompositionen integrierte. Seine Inspiration bezog er unter anderem aus fernöstlichen Kulturen, indischen Rhythmen, dem Studium der Sterne und vor allem aus seinem tief im Katholizismus verwurzelten Glauben: „Es ist unbestreitbar, dass ich in den Wahrheiten des katholischen Glaubens diese Verführung durch das Wunderbare hundertfach, tausendfach multipliziert wiedergefunden habe, und es handelte sich nicht mehr um eine theatralische Fiktion, sondern um etwas Wahres“, so Messiaen.

In seiner Turangalîla-Sinfonie, eine der monumentalsten und anspruchsvollsten Tonschöpfungen der europäischen Nachkriegszeit, sind diese vielgestaltigen und zum Teil widersprüchlichen Themen in einzigartiger Weise verarbeitet. Sie bildet in ihrer Komplexität, den 10 Sätzen und den rund 80 Minuten Spieldauer nicht nur für die ca 100 ausführenden Musiker, sondern auch für die Zuhörer eine ganz besondere Herausforderung.

Die Musikalische Akademie des Nationaltheater Orchesters Mannheim unter der Leitung von GMD Alexander Soddy hat nun mit einer CD Live Einspielung der Turangalîla-Sinfonie vom November 2019 im Mannheimer Rosengarten, in der Vor- Coronazeit, als die Konzert- und Opernwelt noch weitestgehend in Ordnung war, für Oehms-Classics diese Herausforderung mit Bravour bestanden und eine eindrucksvolle Interpretation geliefert.

Nationaltheater-Orchester Mannheim hier mit Alexander Soddy © Christian Kleiner

Nationaltheater-Orchester Mannheim hier mit Alexander Soddy © Christian Kleiner

In diesem 2. Akademiekonzert stand ein Herzensprojekt von GMD Alexander Soddy auf dem Programm – die Turangalîla-Symphonie von Messiaen. Über hundert Musiker bringen das monumentale Werk zur Aufführung; Teil dieser großen Besetzung sind unter anderem elf Schlagwerker, ein Flügel und Ondes Martenot.

Das Wort Turangalîla stammt aus dem Sanskrit und umfasst zwei Begriffe, deren weit gefächerte Bedeutungsebenen auf die vielfältige Ausdruckswelt des Werkes verweisen. Turanga bezeichnet die verrinnende Zeit, die davoneilt, sie ist Rhythmus und gleichzeitig Bewegung. Lîla bedeutet Spiel, sowohl das Spiel der Schöpfung als auch der Zerstörung, das Eingreifen der göttlichen Macht in das kosmische Geschehen. Lîla bedeutet aber auch die Liebe in ihrer leidenschaftlichen, sinnlichen und geistigen Ausprägung. „… Turangalîla schließt somit gleichzeitig die Bedeutungen Liebesgesang, Freudenhymne, Zeit, Bewegung, Rhythmus, Leben und Tod ein“, so  Messiaen.

Diese allumfassende Liebe ist Teil von Messiaens persönlicher Auseinandersetzung mit dem Tristan Mythos, jenem mittelalterlichen Epos über die grenzensprengende Liebe von Tristan und Isolde, der nicht nur Richard Wagner in seinem Musikdrama ein Denkmal setzte. Die Turangalîla-Sinfonie bildet das Mittelstück von Messiaens Tristan-Trilogie und thematisiert in ihrer Satzfolge die Entwicklung der Liebeszustände vom zarten Liebeslied über die kontemplative Seelenruhe im Liebesgarten bis hin zum ekstatisch-dionysischen Freudentaumel des Finalsatzes.

Messiaen komponierte seine einzige Sinfonie kurz nach Ende des 2. Weltkriegs in den Jahren 1946 bis 1948, und setzte nach den eigenen Erfahrungen als Kriegsgefangener in seiner Komposition mit der Verherrlichung der Liebe und der Freude einen Kontrapunkt zum Leid des Krieges: „Die Turangalila-Sinfonie ist eine Hymne an die Freude, […] jene Freude, wie sie nur der ermessen kann, dem in tiefem Elend Ahnung von ihr zuteil geworden ist“, Messiaen.

Als Auftragswerk des Dirigenten Sergej Koussevitzky für das Boston Symphonie Orchestra wurde die Turangalîla-Sinfonie 1949 von Leonard Bernstein uraufgeführt und gilt mittlerweile als einer der populärsten Klassiker der Sinfonik in der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts.

Generalmusikdirektor Alexander Soddy © Christian Kleiner

Generalmusikdirektor Alexander Soddy © Christian Kleiner

So exotisch, monumental und ausgefallen wie die inhaltliche Ausrichtung, ist auch die Orchesterbesetzung, die Messiaen vorschreibt. Der Streichersatz ist auf 70 Streichinstrumente erweitert, die teilweise solistisch aufgeteilt sind, dazu kommt ausgedehntes opulentes Schlagwerk, das allein 10 Spieler fordert. Hinzugefügt ist ein kleines Gamelan Ensemble, das mit Celesta, Glockenspiel und Vibraphon nach indonesischem Vorbild besetzt ist.

Dem Soloklavier kommt eine zentrale Bedeutung zu. Der Klavierpart ist extrem virtuos, oft perkussiv eingesetzt und erinnert mit seinen ausgedehnten und schwierigen Kadenzen an ein Klavierkonzert, es übernimmt aber auch die für Messiaen stets bedeutsamen Vogelstimmen. Als besonderes Highlight kann man die selten zu hörenden Ondes Martenot (musikalische Wellen) erleben, ein früher Vorläufer des Synthesizer. Dieses in den 1920-er Jahren entwickelte und von Messiaen sehr geschätzte einstimmige elektronische Musikinstrument erzeugt irisierende, sphärische Klänge, Glissando und Vibrato.

Alexander Soddy,dem Nationaltheater-Orchester Mannheim,sowie den Solisten Tamara Stefanovich am Klavier und Thomas Bloch an den Ondes Martenot gelingt es in beeindruckender Weise, das ganze Klanguniversum der Messiaenschen Partitur zutage zu fördern mit ihrer Polystilistik, den übereinander gelagerten Rhythmen, dem Klangfarbenrausch und der sinnlich-süßlichen Melodienseligkeit. Das Spannungsverhältnis von „Zartheit und Heftigkeit, Liebe und Ungestüm“ (Messiaen), sowie Transparenz und Wucht der Klangmassen werden von Alexander Soddy – vor allem im Aufbau der großen Architektur – detailliert ausgelotet und perfekt ausbalanciert.

Das Ondes Martenot - hier Thomas Bloch am Ondes Martenot © Musikalische Akademie

Das Ondes Martenot – hier Thomas Bloch am Ondes Martenot © Musikalische Akademie

Der Zuhörer wird in eine Klangwelt hineingezogen, welche „die Begrenzungen der Zeit und ihre Allgegenwart spürbar“werden lassen will, in der die gewohnten Ordnungsprinzipien außer Kraft gesetzt sind und wo „übernatürliche Mysterien“ neue Erfahrungshorizonte erschließen. Da werden Klangblöcke aufeinander geschichtet und Strukturen gemeißelt, vertrackte Rhythmen in aberwitzigen Tempi gegeneinander gestellt, Schmerz und Tod werden durch unerbittliche Tam-Tam Schläge zur tragischen Gewissheit. In impressionistisch grundierte Klangflächen tröpfeln kristalline, zarte Klavierfiguren. Die Ondes Martenot mit ihren oszillierenden Effekten fügen dem Gesamtklang eine exotische Qualität hinzu, die betörende und zugleich verstörende Wirkung hat. Immer wieder hört man Vogelstimmen oder jazzige Themen, die an Gershwin erinnern. Derbe Tanzrhythmen peitschen in furioser Manier dazwischen, Stillstand und Versunkenheit wechseln sich ab mit einem dionysisch-stampfenden Gestus à la Sacre du printemps von Strawinsky. Ein Spiel der Farben und Formen in grellen Wechseln und überraschenden Wendungen, von Soddy und den hervorragenden Solisten und Musiker*innen des Nationaltheater Orchesters glänzend zum Ausdruck gebracht.

Aber auch traditionelle Formaspekte sind konstituierender Bestandteil dieser Komposition wie beispielsweise vier Leitmotive, die das ganze Werk durchziehen. Gleich in der Einleitung (Introduction) werden zwei Themen vorgestellt, zuerst das mächtige „Statuen-Thema“, hier von Posaunen und Tuba mit eherner Wucht in den Raum gestellt, dann das Blumenthema, von den Klarinetten sensibel und anmutig kontrastiert. Das Klavier besticht mit einer hochvirtuosen Kadenz, die Schlaginstrumente des Gamelan Ensembles sorgen für exotische Klangfarben. Später hinzu kommen das choralartige „Liebesthema“ und das in vielfachen und harmonisch wechselnden Schattierungen erscheinende „Akkordthema“.

Wunderbar atmosphärisch gelingen vor allem auch die ruhigen Passagen in den „Liebesgesängen“ l und ll („Chant d‘amour l und ll“), mit zart nuancierten Englischhorn- und Oboenphrasen und samtweichen Streicherteppichen. Man wird in den geheimnisvoll – romantischen „Garten der Liebe“ (Jardin du sommeil d‘amour,) geführt, in dem die Liebenden in die überirdisch schönen Gesänge der Ondes Martenot eintauchen, und umgeben von Vogelstimmen weltentrückt im Dämmerschlaf verweilen, „…wecken wir sie nicht“, so Olivier Messiaen.

—| IOCO CD-Rezension |—

München, Gasteig Carl-Orff-Saal, Voice of the Violin – Ukrainische Wochen, IOCO Kritik, 17.10.2020

Oktober 17, 2020 by  
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Voice of the Violin - Ukrainische Wochen in München © Natalia Spiech / Generalkonsulat der Ukraine München

Voice of the Violin – Ukrainische Wochen in München © Natalia Spiech / Generalkonsulat der Ukraine München

Voice of the Violin im Gasteig

Voice of the Violin  –  Ukrainische Wochen in Bayern

 von Dr. Adelina Yefimenko

Dr. Adelina Yefimenko ist Professorin für Historische Musikwissenschaft an der Ukrainischen Freien Universität München und der M. Lysenko-Nationale-Musikakademie – Lviv, Ukraine

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Die Ukrainischen Wochen in Bayern wurden am 9 Oktober 2020 unter dem Patronat des Generalkonsulats der Ukraine in München mit dem Konzert Voice of the Violin eröffnet. Dieses Konzert begeisterte 120 Gäste im Carl-Orff-Saal des Gasteig, München. Die Anzahl der Teilnehmer war coronabedingt reduziert.

Der Klang dreier Geigen entwickelte sich zu einer spannenden musikalischen Reise durch verschiedene Länder wie Deutschland, Frankreich, England und die Ukraine. Beflügelt durch diese musikalische Spannung zwischen West-und Osteuropa öffnete sich die Seele und entfaltete sich die Virtuosität der drei Geiger aus drei verschiedenen Ländern. Als Ergebnis vereinte sich deutsche Musikphilosophie, eleganter französischer Charme, moderne englische Musik und eine ukrainische Musik, die sowohl mit ihrer historischen als auch zeitgenössischen multikulturell-ethnischen Neuartigkeit immer noch in Westeuropa als Terra Incognita wahrgenommen wird.

Warum haben sich die drei Musiker – Natalia Raithel aus der Ukraine und Deutschland, Wahlheimat München, Ivan Dukhnych aus der Ukraine und der Schweiz und George Hlawiczka aus England – für den Klang der Geige entschieden?

Voice of the Violin - Die Musiker auf der Bühne © Natalia Spiech / Generalkonsulat Ukraine in München

Voice of the Violin – Die Musiker auf der Bühne © Natalia Spiech / Generalkonsulat Ukraine in München

In Voice of the Violin vereinten sich die Musiker in erhabener und transparenter Dreistimmigkeit, die die Wertschätzung jedes Komponisten in diesem Konzertprogramm unterstrich – unabhängig davon, ob der Künstler berühmt, weniger bekannt oder sein Name gar in Vergessenheit geraten ist. Der Mensch, seine Name und seine Taten leben solange, wie die Erinnerung daran bestehen bleibt. Der Komponist lebt solange, wie seine Werke von den Musikern zum Klang erweckt werden.

Es ist hinlänglich bekannt, dass die Streichinstrumente eine besondere Fähigkeit haben, den Klang der menschlichen Stimmen zu imitieren. In ihrem gesamten Wesen kommt die Violine dem Klang der Gesangstimme am nächsten. Neue Forschungsergebnisse stützen sogar die Hypothese, dass die ersten Geigenbauer den menschlichen Gesang zum Vorbild nahmen. Historisch also wurde die Violine zur Nachahmung des menschlichen Gesangs geschaffen und bis jetzt deckt sie nachweislich das größte Spektrum der menschlichen Gefühle ab, die nicht nur die Stimme der Menschen, sondern auch die Stimmung der ganzen Menschlichkeit ausstrahlen.

Dazu muss man zusätzlich erwähnen: die exakte vokale Dreistimmigkeit gilt als eine der wichtigsten Quellen der professionellen ukrainischen Musik. Seit dem 17. Jahrhundert schöpfen das ukrainische geistliche Liedgut sowie die Gesangs-Lyrik aus dem Ursprung der Kompositionslehre der dreistimmigen Gattung Kant. Im 20.Jahrhundert wurde durch die herausragenden Konzertauftritte der drei ukrainischen Sängerinnen –Geschwister Bajko – diese wichtige musikalischen Tradition der Ukraine – nämlich, die Dreistimmigkeit – weltweit bekannt.Im Konzertprogramm Voice of the Violin präsentierten die Musiker die große Vielfalt und den Variantenreichtum dieser Dreistimmigkeit über das Spiel mit den drei Geigen. Eine breite Palette der Stilrichtungen vom Barock über Romantik, Biedermeier, Neofolklorismus bis zur Minimal Musik wurde in einem Klangzauber der verschiedenen Epochen und Länder inszeniert.

 Voice of the Violin - hier vl. George Hlawiczka Natalia Raithel, Adelina Yefimenko, Ivan Dukhnych © Natalia Spiech / Generalkonsulat Ukraine in München

Voice of the Violin – hier vl George Hlawiczka Natalia Raithel, Adelina Yefimenko, Ivan Dukhnych © Natalia Spiech / Generalkonsulat Ukraine in München

Einige der Werke, sowohl des Genius Johann Sebastian Bach (meditative Adagio aus Sonate für Violine Solo C-Dur) oder Franz Schubert-Ernst (dramatische Grand Caprice „Der Erlkönig“) als auch des ukrainischen Komponisten Oleksander Znosko-Borowski (herrliche „Improvisation und Melodie“ für 2 Violinen und Viola), wurden in der Bearbeitung der bekannten Geigerin Natalia Raithel für 3 Violinen neu arrangiert.

Die Romanze „Wohin ich auch ginge“ des ukrainischen Komponisten Stephan Spiech, der in München lebte und der ein Anhänger des Biedermeier-Stils sowie der ukrainischen Kirchenchormusik war, wurde für 3. Violinen in der Bearbeitung des zeitgenössischen ukrainischen Komponisten aus Lemberg Myroslaw Wolynskyj zum ersten Mal in diesem Konzert „Voice of the Violin“ präsentiert.

Auch der orchestrale „Tanz der Huzulen“ des berühmten ukrainischen Komponisten Myroslaw Skoryk, konzipiert für drei Violinen von dem Cellisten Sergej Drapkin, beeindruckte mit einem bemerkenswerten Klang, der die archaischen Quellen aus der huzulischen Folklore im Lichte eines originalen persönlichen Stils des Komponisten zeigte. Diesen Tanz vervollständigte Myroslaw Skoryk zu einem selbstständigen Werk nach dem großen Erfolg seiner Filmmusik zur Filmproduktion „Feuerpferde – Schatten vergessener Ahnen“ des Regisseurs Sergei Paradschanow.

Nur Wenige wissen, dass die Genialität von Skoryk und Paradschanow von weltbekannten Regisseuren wie Federico Fellini, Akira Kurosawa, Michelangelo Antonioni, Andrzej Wajda geschätzt wurde und dass dieser Film auf der Liste für die Bewerbung zu den Medien-Wissenschaften der Harvard Universität steht.
Andere Werke wie die des deutschen Komponisten Friedrich Hermann („Capriccio für 3 Violinen“ Op.2), des französischen Komponisten Charles Auguste de Beriot („Duo Concertante“ N3 für 2 Violinen) und des britischen Komponisten Paul Trapcus waren in der originalen Fassung zu hören.

Alle diese Kompositionen wurden nicht zufällig in einem Programm präsentiert. Jeder Komponist hat mit seinem Werk die Stimme seines Volkes und die vielfältige stilistische Innovationen seines Landes individuell reflektiert. Auch die Künstler, die zum Anlass dieses Konzert-Programms, trotz der Schwierigkeiten in der Zeit der Pandemie, endlich zusammen und live musizieren konnten, sind alle freie, bekannte Künstler ihres Landes. Jeder machte eine großartige Kariere, gewann internationale Wettbewerbe, gründete eigene Orchester, Ensembles sowie forschende und musikpädagogische Institutionen.

Die Entstehungsgeschichte der musikalischen Freundschaft dieser drei Musiker ist sehr spannend. Natalia Raithel, Ivan Dukhnych und George Hlawiczka kamen nach Indien als Solisten und Mitwirkende der Mumbai-Philharmonie (NCPA-Philharmonie Orchester). Dabei entstand die Idee, in Europa ein eigenes Konzept für 3. Violinen zu gestalten. Und so entstand als erstes der Leitgedanke dieses Programms – Voice of the Violin. Der erste Auftritt fand vor einem Jahr in Lemberg auf dem Podium des Mirror-Saals der Nationalen Lviv-Oper statt. Und dies Jahr erklang Voice of the Violin in der Schweiz (Basel) und in Deutschland (München).

Unbedingt muss erwähnt werden, dass das Konzert Voice of the Violin ein originales und einzigartiges Genre im Repertoire der Streichinstrumente zum Ausdruck bringt, da es sich von den üblichen Streicher-Besetzungen eindrucksvoll unterscheidet. Es gibt zahlreiche bekannte Duette, Quartette oder Quintette, doch diese aufgespürten Stücke für drei Violinen sind eine wunderbare Entdeckung in diesem Konzert.

Bestimmt gibt es noch viele weitere wunderbare und immer noch nicht bekannte Perlen im Violine-Repertoire zu entdecken, die uns auf eine neue spannende Reise zusammen mit Voice of the Violin führen wird. Das Konzertprogramm Voice of the Violin auf der Bühne des Carl-Orff-Saal des Gasteig wurde zum großen Erfolg und zu einer erfreulichen Erkenntnis: die Musik; es lebt in aller Zeit, ist ewig und bleibt für neue Herausforderungen offen und kreativ. Lassen wir uns von neuen Entdeckungsreisen der Musiker in der Post-Pandemie-Welt überraschen! Das Violintrio bereitet das Projekt Voice of the Violin aktuell für eine CD Aufnahme vor.

Informationen über die Musiker:

Natalija Raithel ist Gewinnerin internationalen Wettbewerben, eine weltweit erfolgreiche Kammermusikerin und Spielpartnerin von Giora Feidman, die auch sehr erfolgreich als Pädagogin tätig ist. Natalija Raithel spielt die Violine von Johannes Baptista Zanoli (alte italienische Schule).
George Glawiczka tritt weltweit als Sologeiger und Dirigent auf. Er war Konzertmeister an der Philharmonie Orchester Mumbai und leitet sein eigenes Orchester I Maestri mit Hauptsitz in London. George Hlawiczka spielt die Violine von Antonio Vinaccia (Gagliano school).
Ivan Dukhnych studierte in der Schweiz und Deutschland als Geiger und Organist. Er ist seit 2015 Leiter der Haliciana Schola (Institut für historische Aufführungspraxis) in Lemberg. Seit 2017 unterrichtet Ivan Dukhnych an der Nationalen Musik-Akademie in Lemberg/ Lviv Violine und Orgel. Ivan Dukhnych spielt die neue, vor einem Monat gebaute Violine von Orest Putsentela (der zeitgenössische ukrainische Geigenbauer).
Das Konzert organisierte die ukrainische Familie Spiech aus München.

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