Kulturpolitik in Zeiten von Corona – Prof. Ullrich Mehlich, IOCO Interview Teil 2, 19.01.2021

Januar 19, 2021 by  
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Corona & Kulturpolitik © Süddeutsche Zeitung / Max-Planck-Geselschaft

Corona & Kulturpolitik © Süddeutsche Zeitung / Max-Planck-Geselschaft

Kulturpolitik in Zeiten der Coronakrise – Interview Teil 2 

Prioritäten der Regierung – das Recht der Bürger zum Widerstand – im Rahmen von Recht und Verfassung

Oxana Arkaeva spricht mit Prof. Ullrich Mehlich, Professor an der Hochschule für Verwaltung Kehl, über die Staatsgewalt zum Kulturgeschehen in den Zeiten von Corona

Die Autorin des Interviews legt Wert auf die originäre, authentische Art und Stil im sprachlichen Ausdruck der Interviewpartner*in. Daher sind stilistische und sprachliche Besonderheiten möglich.

Teil 1 des Interviews erschien am 13.1.2021 bei IOCO, link HIER!   zu Staatsgewalt, Einzigartigkeit der deutschen Verwaltungssystems, Überforderung der Gesundheitsämter, Relevanz und Anordnung der Kultur in der kommunalen Verwaltung und das Ermessenshandeln der Regierung. 

Oxana Arkaeva befragt im hier folgenden Teil 2 des Interviews Professor Ullrich Mehlich zur (Un-)Möglichkeit einer Umwandlung von freiwilligen Kulturabgaben in Pflichtabgaben, Verletzung der Grundrechte, den Staat als Kultur-Schulmeister, den Erfolg einer Verfassungsklage in München, die Theater als Bildungsstätte und Prognose für die kommenden Monate.

Professor Ullrich Mehlich, Professor an der Hochschule für Verwaltung Kehl © Hochschule für Verwaltung Kehl

Professor Ullrich Mehlich, Professor an der Hochschule für Verwaltung Kehl © Hochschule für Verwaltung Kehl

Interview Teil 2: Professor Ullrich Mehlich – im Gespräch mit Oxana Arkaeva

Zurück zu der Thematik der freiwilligen Abgaben für die Kultur. Vor paar Tagen habe ich von einem Kollegen gehört, dass nach der Wende, in Sachsen, diese freiwilligen Abgaben für die Kultur in einem Gesetz als nicht mehr freiwillige Abgaben festgehalten werden.

9. Warum sind diese Abgaben eigentlich freiwillig? Wäre es möglich diese Abgaben nach dem Beispiel des Kulturraumgesetzes aus Sachsen in die Pflichtabgaben umzuwandeln, und zwar deutschlandweit? Wenn nein, warum und wenn ja, was soll dafür geschehen?

Eine sehr komplexe Fragestellung. Das Abgabenrecht ist eine ganz spezielle Rechtsmaterie. Da bin ich jetzt nicht der ganz große Experte. Aber es ist so, wir bräuchten dafür (NB: für Kultur) erstmal eine entsprechende Gesetzgebungskompetenz, eine, die so etwas festlegen würde; hier das Recht Pflichtabgaben zu erheben, die die parlamentarischen Hürden in Deutschland nicht überwinden würden. Zum einem, weil sich die Kommunen, die Gemeinden, Landkreise gegen eine solche Verpflichtung wahrscheinlich in größtem Maße wehren würden. Zum anderem, weil es ihren Spielraum, ihre kommunalen Selbstverwaltung – die heilige Kuh der Städte und Gemeinden – berühren würde, wenn man hier vorschreiben würde. Rein theoretisch wäre sowas durchaus denkbar. Man müsste die Gesetzgebungskompetenz im Grundgesetz bzw. in den jeweiligen Landesverfassungen entsprechend ändern. Meines Erachtens würde das politisch nicht funktionieren, weil es die Spielräume der Gemeinden einschränken würde.

Vor kurzem wurde auf der Webseite des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg ein Promo-Video rausgebracht, dass mir fast wie ein Propagandavideo erschien. In diesem Video, nicht mehr verfügbar, wird ein 26-jähriger Balletttänzer aus Zürich gezeigt, der während der Pandemie zu seinem ursprünglich gelernten Beruf als Arzt zurückgekehrt ist. Weil er als Tänzer eben nicht mehr arbeiten konnte.

Oxana Arkaeva, Autorin © Oxana Arkaeva

Oxana Arkaeva, Autorin © Oxana Arkaeva

10. Ist es ihrer Meinung nach eine durch die Blume Ansage, ein dezenter Hinweis an die Kulturschaffenden, sich einen neuen, einen sicheren Beruf zu suchen? Was hat sich die Landesregierungen dabei gedacht?

Es steht der Politik meines Erachtens in keinster Weise an, sich in diesen Zeiten schulmeisterlich den Menschen, die in Bedrängnis sind, solche Ratschläge zu geben. Das muss jeder für sich selber entscheiden. Wenn dieses Video so tatsächlich im Umlauf war, grenzt es fast an Geschmacklosigkeit. Dafür ist Politik nicht da, den Menschen in irgendeiner Weise, durch die Blume oder wie auch immer, den Weg zu weisen in einer Art und Weise, die meines Erachtens nicht akzeptabel ist. Also, da haben sie sich ordentlich verhoben.

Grundrechte. Recht auf Berufsausübung und Kunstfreiheit: beide sind in Art. 5 und Art. 12 BGB festgehalten.

11. Liegt hier ihrer Meinung nach, eine rechtlich begründbare Verletzung dieser Grundrechte vor und insbesondere bei Selbständigen? Ist das Theater, als staatlich subventionierte öffentliche Einrichtung, in der Pflicht zu Handeln und diese Künstler zum Beispiel unterstützen? Kann das Theater dazu gezwungen werden? Wenn ja, durch wen? Wenn nicht, warum?

Ich habe bereits erwähnt, dass durch die Pandemie und Maßnahmen, insbesondere aufgrund des Infektionsschutzes und der Corona Verordnung, massive Grundrechtsbeschränkungen erfolgt sind. In dem von Ihnen angesprochenen Bereich Art. 5 BGB, die Kunstfreiheit, und Art. 12 BGB, sind die Berufsausübungsfreiheit auch massiv beschränkt. Es geht so weit, dass wir gerade bei den Kulturschaffenden, aber gleichermaßen bei den Gastronomen, Hoteliers, in der Tourismusbranche praktisch ein sogenanntes faktisches Berufsverbot haben. Dies ist, rechtlich gesehen, nur in sehr eingeschränktem Maße, und nur in Bezug auf eine bestimmte Zeitdauer überhaupt zulässig; wie die Gerichte, die sich mittlerweile mit solchen Sachen beschäftigen, auch die Bundeskanzlerin in ihren Interviews, wie auch die Ministerpräsidenten immer wieder in Bezug auf die Entscheidungen, die sogenannte Verhältnismäßigkeit als wichtigstes Regulativ erwähnen. Man kann sich jetzt fragen, ob das Ziel des Staates, den Gesundheitsschutz so hoch zu bewerten, dass alle anderen, Kunst, Gastronomie etc. massive Einschränkungen bis hin zu einem faktischen Berufsverbot erleben, rechtlich zulässig ist. Ich würde sagen, dass im Moment, insbesondere vor dem Hintergrund der zweiten Pandemiewelle, das dies wohl noch in verhältnismäßigem Maße möglich ist. Man kann darüber streiten, und es wird Gerichtsurteile diesbezüglich geben. Unter diesen Umständen aber sind diese Rechte beschränkt. Dies ist grundsätzlich zulässig, wenn die Bedingungen, die Umstände und die Einschränkungen verhältnismäßig sind. Und davon ist im Moment noch auszugehen.

Sie sagen, dass jeder einzelne Bürger in Deutschland sich gegen die Staatsgewalt zu Wehr setzen kann. Gerade hat die Regierung einen neuen härteren Lockdown beschlossen; vor paar Tagen hat eine Gruppe international renommierter Musiker und Musikerinnen gegen die pauschale Schließung von Konzert- und Opernhäusern eine Verfassungsklage erheben wollen. Am 7. Dezember 2020 sollte hierzu beim Bayerischen Verwaltungshof in München ein Antrag eingehen, welcher mittlerweile aus organisatorischen Gründen zurückgezogen wurde; u.a., weil die Pandemie sich sehr schnell entwickelt und eine andere gesetzliche Grundlage sich etabliert hat.

12. Ihrer Meinung nach, wird es überhaupt zu einer Klage kommen? Kann oder wird diese Klage ein Erfolg haben?

Wir haben in dem Vorspann schon angesprochen, dass die Bundesrepublik Deutschland ein Verwaltungsgerichtsystem hat, welches in Europa, möglicherweise weltweit seinesgleichen sucht. In keinem Mitgliedstaat der Europäischen Union können die einzelnen Bürger sich so effizient gegen staatliche Entscheidungen bei Gericht zur Wehr setzen wie bei uns. Ich bin ein bisschen ein Fan dieses Verwaltungsgerichtsystems, weil es wirklich hervorragend funktioniert. Da wurde wirklich an alles gedacht. Ich habe es vorhin schon gesagt, dass es mich gewundert hat, dass die Bürger im ersten Lockdown nicht mehr die Gerichte angerufen haben. Denn die Verwaltungsgerichte haben die Funktion, als neutrale Instanz die Staatsgewalt einzudämmen. Sie überwachen die Ausübung der Staatsgewalt. Das machen sie sehr gut. Im zweiten Lockdown haben wir schon deutlich mehr Anrufungen der Verwaltungsgerichte. Es gibt verschiedene Verfahrensarten wie man gegen die Corona-Entscheidung vorgehen kann. Es kommt darauf an, um was für Entscheidungen es sich handelt. Es gab bereits eine Gerichtsentscheidung, wo, Corona Verordnungen der einzelnen Länder teilweise aufgehoben wurden. Ich nehme an, dass eine solche Klage beim Verfassungsgericht – da müsste man genau die Details kennen – im Moment wegen der Beschränkungen der Kultur, beziehungsweise Berufsausübungsfreiheit, nur bedingt Erfolg haben kann. Weil, wie ich es vorhin sagte, aufgrund der derzeitigen Entwicklung der Infektionsschutz doch vorrangig ist.

Letztendlich ist das für die Gerichte egal welche es sind, das Verfassungsgericht oder  Verwaltungsgericht, nichts anderes wie eine Abwägung. Sie wägen ab, ob es verhältnismäßig ist, dass dem Gesundheitsschutz unter diesen Bedingungen sozusagen die Berufsausübung, die Kultur, die Kunstfreiheit, ich sag es mal so,  geopfert oder zeitweilig so eingeschränkt werden, dass es im Ergebnis einem faktischen Berufsverbot gleichkommt. Im Moment hat diese Klage, meiner Einschätzung nach, noch nicht große Aussicht auf Erfolg. Das kann sich aber ändern, je länger dieser Zustand dauert. Je mehr sich auch die Umstände verändern, kann es durchaus so sein, dass die Gerichte zum Ergebnis kommen, dass jetzt diese Maßnahmen nicht mehr verhältnismäßig sind. Im Moment würde ich sagen, hat eine Klage relativ wenig Aussicht auf Erfolg.

Es ist insbesondere schade, weil gerade Theater, die Veranstaltungsorte, Gastronomie, und Hotels alles Mögliche  getan haben die Hygieneauflagen nicht zu 100 sondern zu 200 Prozent zu erfüllen. Viele Theater sagen: „Wir haben uns diesbezüglich so eingerichtet, dass wir unser Haus als eines der sichersten Orte überhaupt ansehen“.

 

Corona und die Relevanz der Kultur – Oxana Arkaeva im Gespräch mit  Ullrich Mehlich
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13. Falls die Klage Erfolg haben sollte, wie kann so ein Erfolg aussehen? Kommen da Entschädigungen an die Betroffenen?

Ich sehe es ähnlich wie Sie, dass die Gastronomie-, Theater-, die Kinobetreiber mit ihren durchdachten Konzepten sehr viel getan haben. Ich bin kein Virologe, aber ich glaube, dass man sich unter dieser Voraussetzung in einem Hotel, in einem Theater, bei diesen Abständen nicht anstecken kann. Es ist eben eine politische Entscheidung gewesen. Ob es richtig abgewogen worden ist, damit werden Gerichte sich beschäftigen. Obwohl ich es im Moment nicht glaube, kann es durchaus sein, dass die Gerichte diese einseitige Bewertung (der Situation) möglicherweise als nicht rechtens ansehen, zumindest dauerhaft nicht rechtens sein kann. Im Prinzip kann man da letztlich nur abwarten. Es wäre sinnvoll, dass die Klagen eingereicht werden, um diese Frage wirklich zu klären, bis hin auch zum höchsten Gericht. Entschädigungen wird es wohl nicht geben, weil es natürlich keine schuldhafte Geschichte war. Ich gehe immer noch davon aus, dass die Politik nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt hat. Es wird wohl keine zusätzlichen Schadenersatzansprüche geben. Aber der Staat tut, meines Erachtens, bereits relativ viel im finanziellen Bereich (gemeint ist die Überbrückungshilfen z. B.). Ob wir uns dies in dieser Form überhaupt leisten können, weiß ich nicht. Ob es immer die Richtigen erwischt, dass wage ich zu bezweifeln. Da wird mit der Gießkanne ausgekippt. Das werden Fragen sein, die man später wirklich im Detail noch überprüfen muss; inwiefern hier diese Subventionierung, diese Unterstützung bestimmter Berufszweige zielführend, verhältnismäßig, gerecht waren.

Ich habe Sie bereit davor gefragt, ob die Theater als öffentliche Einrichtungen verpflichtet sind, zu handeln. Zum Beispiel gegenüber den selbständigen Künstlern, die dort als Freischaffende arbeiten und an vielen Häusern, für bereits geleistete Arbeit, teilweise auch für noch nicht geleistete Arbeit überhaupt keine Entschädigung bekommen haben. Weil es dieses berufliche Verbot gibt.

14. Wenn wir an das Recht einzelner Bürger in Deutschland, sich gegen diese Staatsgewalt gerichtlich wehren zu können, zurückdenken, wäre es möglich für einen einzelnen Künstler oder einen einzelnen Selbständigen sich auf diese Art und Weise gegen diese Staatsgewalt, gegen den Berufsverbot zu wehren? Welche Konsequenzen könnte das für den Staat aber auch die betroffenen Selbstständigen haben?

Man soll differenzieren. Für die Künstler, die angestellt sind, zum Beispiel in einem Sinfonieorchester, ändert sich nichts. Sie werden letztendlich weiterbezahlt wie Beamte, bzw. in die Kurzarbeit geschickt; die Selbständigen nicht. Ich bin zu wenig ein Arbeitsrechtler, aber ich würde sagen, sie(die Selbständigen Anm. Autor) haben keinen Rechtsanspruch. Sprich: Wenn die Arbeit nicht geleistet werden kann, warum auch immer, entstehen auch keine Vergütungsansprüche. Den Rest muss das Arbeitsgericht klären. Als Selbständiger ist man in einer extrem schlechten Position. Und daran wird sich wahrscheinlich auch nicht allzu viel dran ändern.

Das Einzige, was wirklich hilft, sind staatliche Subventionen. Diese aber kommen häufig nicht an, weil die bürokratischen Hürden zu hoch sind. Ich glaube eher, dass es, je länger es dauert, doch schlimmer wird. Auf Dauer wird man sich diese Subventionierung nicht mehr leisten können. Der Haushalt wird einfach überstrapaziert und es wird es so sein, dass diese Schulden, noch nie hat der Staat so eine Neuverschuldung gehabt wie dieses Jahr aufgrund von Corona, auf die zukünftige Generation abgeladen werden. Es wird in Zukunft, wenn diese Pandemie noch weiter so läuft, noch deutlich enger werden. Der Staat wird auch nicht mehr in der Lage sein, dass, was er bisher – vielleicht nicht besonders -zielgenau – finanziell geleistet hat, zu erbringen. Also, wir können alle wirklich nur hoffen, wirklich nur hoffen, dass dieser Zustand in absehbarer Zeit endet.

Sie haben die Kultur als einen Freizeitbetrieb definiert. Der Deutsche Kulturrat hat es geschafft, in neuen Ergänzungen zum Infektionsschutzgesetz, die Theater und kulturellen Veranstaltungsorte aus der Sparte der Freizeitbetriebe herauszunehmen und in der Sparte Bildungseinrichtungen zuzuordnen.

15. Rechtlich gesehen öffnet diese Anpassung u. U. neue Handlungsperspektiven für Städte, Kommunen, Theater, Kulturschaffende und sonstige Verantwortliche und Akteure. Bedeutet dies, dass man bald wieder spielen darf?

Dies ist schon eine interessante Aussage. Meines Erachtens ist es schon so, dass eben die Kultur im weitesten Sinne doch eher in Richtung Bildung geht als nur in den Bereich Freizeitbeschäftigungen wie Fußball spielen. Oder, wenn ich wieder vorher sportliche Betätigung unterstrich, glaube ich trotzdem nicht, dass es an der grundsätzlichen Bewertung gegenüber dem Infektionsschutz viel ändern wird; egal ob das jetzt eine Freizeitbeschäftigung ist, die auch wichtig ist, das menschliche Dasein oder eine Bildungs-Einrichtung beziehungsweise die Bildung fördert. Unterm Strich wird man sagen müssen und auf den Ausgangspunkt zurückkommen, je stärker das Infektionsgeschehen, je höher der Gesundheitsschutz gefordert ist, je mehr werden alle anderen Belange, nicht nur Kultur nachrangig behandelt werden. Das ist wirklich der Knackpunkt   dieser Abwägungsentscheidungen.  Was ist aus Sicht der politisch Handelnden im Moment wichtiger? Dass man damit einen ganzen Berufszweig oder mehrere Berufszweige möglicherweise dauerhaft vernichtet? Es ist wohl im Moment noch so, dass dies auch eben in Kauf genommen wird. Davon gehe ich jetzt mal aus.

16. Würden Sie zum Schluss an dieser Stelle vielleicht eine Art Prognose wagen? Wie es mit der Kultur und der kulturellen Verwaltung nach der Pandemie weitergehen wird?

Ich gehe davon aus, dass je länger diese Pandemie anhält, je länger werden die Einschränkung anhalten. Je länger dieses, in Anführungszeichen, faktische Berufsverbot für den Kulturschaffenden besteht, werden viele nach dem Ende der Pandemie wohl nicht mehr in der Lage sein werden, ihren Beruf auszuüben, weil die Grundlage weggebrochen ist. Das wird sicherlich so sein. Es wird die Gastronomie und Tourismus gleichermaßen treffen. Es wird alles anders aussehen. Das Kulturleben wird meines Erachtens etwas eingeschränkt sein, weil bestimmte Akteure möglicherweise nicht mehr dabei sind. Eine positive Seite hat aber diese Pandemie. Nämlich, in diesen trüben Zeiten, in denen wir uns gerade bewegen, merken doch meines Erachtens alle Menschen, dass ohne die Kultur das Leben deutlich trister ist, dass dies ein Lebensbestandteil ist. Dass man zukünftig die Kultur deutlich mit höherer Wertigkeit betrachtet. Wenn wir sie dann wieder haben, vielleicht in etwas anderer Form und mit weniger Akteuren, dann glaube ich, dass wir eine deutlich höhere Wertschätzung der Kultur haben werden. Und, möglicherweise, bestimmte rechtliche, gesetzliche Änderungen, die diesen höheren Status durchaus untermauern. Denn wenn etwas mal weg war, wenn man es vermisst hat, ist es wie sonst im Leben, man ist hinterher, wenn man es wieder hat, deutlich dankbarer und weiß es viel besser wertzuschätzen.

Oxana Arkaeva:  Lieber Herr Professor Mehlich, für dies umfangreiche und informative Interview danke ich Ihnen.

—| IOCO Interview |—

Wien, Wiener Staatsoper, Wiener Opernball 2021 – auch abgesagt – eine Aufmunterung, IOCO Aktuell, 18.01.2021

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

 65. Wiener Opernball 2021 – abgesagt – Eine  IOCO Aufmunterung

Irdische Lebensfreude – in kulturellem Großereignis – wird wieder kommen

Auch der für den 11. Februar 2021 geplante 65. Opernball der Wiener Staatsoper wurde aufgrund der aktuellen COVID-19 Sitiuation abgesagt. Der neue Direktor der Staatsoper, Bogdan Roscic, erklärte dazu: : »Es tut uns allen sehr leid, dass der Opernball, der im Jahreskreislauf der Wiener Staatsoper einen solchen Fixpunkt darstellt, aufgrund der aktuellen Lage abgesagt werden musste. Diese Absage betrifft natürlich auch die traditionell im umgebauten Saal stattfindende Zauberflöte für Kinder, bei der   insgesamt 7.000 junge Besucherinnen und Besucher bei uns sind………

W.A.Mozart: DIE ZAUBERFLÖTE FÜR KINDER
youtube Trailer Wiener Staatsoper
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Doch Erinnerungen an den auf der Welt einzigartigen Opernball der Wiener Staatsoper leben zur Zeit umso aktueller. IOCO  stellt deshalb seinen Besuchern, welche zur Zeit oft  „einsam in trüben Tagen“  Inspirationen, Normalität suchen, den Opernball der Wiener Staatsoper und seine Historie vor. Der vielfach als „Höhepunkt der Ballsaison“ bezeichnete Wiener Opernball  fand 2020 zum 64. Mal nach dem Zweiten Weltkrieg statt. Der 65. Opernball im Februar 2021 ist abgesagt, doch, die Inspiration, das Schöne, der Geist des Wiener Opernballes als Inbegriff von Lebensfreude wird wieder kommen! Genießen Sie also den hier folgenden Opernabll 2020!

Der 64. Wiener Opernball – Tempi passati
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Der letzte Operbanll, der  64. Wiener Opernball am 20.2.2020 war wie jedes Jahr für 5.150 Ballgäste, für Millionen Zuschauer in aller Welt geliebter Höhepunkt irdischer Lebensfreude. Karten für dies kulturelle Großereignis waren wie jedes Jahr seit Monaten ausverkauft: eine einfache Eintrittskarte kostete €315. Eine Bühnenloge für 12 Personen und freiem Blick auf das „Tanzparket“ war kein „für ein Schmankerl“: €23.600. Die Kleiderordnung gilt schon immer für alle Besucher: für Damen ist ein „großes, langes Abendkleid“, für Herren ein Frack vorgeschrieben. Junge Wiener gedachten den Ballabend mit einem Schmäh ein wenig aufzumischen und entsandten Darth Vader, natürlich mit Helm und Umhang, in original Star War-Kostüm zum 64. Wiener Opernball. Doch selbst der außerirdische Darth Vader, weil ohne Frack, schaffte es nicht, in die Staatsoper eingelassen zu werden.

Die lange Liste offizieller Prominenz auf dem Opernball führte Österreichs Bundespräsident Alexander van der Bellen an; der ehemalige, nun an das Teatro alla Scala gewechselte Operndirektor Dominique Meyer, Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek, die niederösterreichische Landeshauptfrau (Ministerpräsidentin) Johann Mikl-Leitner, Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck, Finanzminister Gernot Blümel, Europaministerin Karoline Edtstadler, griechischer Vizepräsident der EU-Kommission, Salzburgs Landeshauptmann  Wilfried Haslauer, Wiens Bürgermeister Michael Ludwig begleiteten van der Bellen.  Richard „Mörtel“  Lugner, 87, alljährlich geliebtes Objekt der Boulevardpresse, wurde  begleitet von der italienischen Schauspielerin  Ornella Muti begleitet. Viele andere Wiener Prominente wie 2020 der Regisseur und Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky, Zauberkünstler Magic Christian, Alexandra Swarovski, Klemens Hallmann sind jedes  Jahr auf diesem Höhepunkt der Wiener Ballsaison anzutreffen.

Im Zeitraffer – Die vorbereitung fü den Wiener Opernball
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Die Gestaltung der Staatsoper zum Opernball  bestimmt jedes Jahr ein Leitthema: 2020 war es die „sternflammende“ Königin der Nacht aus Wolfgang Amadeus Mozarts Die Zauberflöte; sie war omnipräsent, im Parkett, auf der Bühne und in allen Rängen der Staatsoper. In Anlehnung an ihren Nachtgarten taucht sich die Oper in dunkle Violett-Töne. Spezielle Lokale bieten dazu auf allen Rängen eigene Kunst und Köstlichkeiten:  Die Negroni Secret Bar im Herzen der Wiener Staatsoper im 20er-Jahre-Stil gestaltet mit SWING-Musik  das neue Jahrzehnt ein.  .

Um 20.40 war Einlass der Ballgäste, welche den strengen Dresscode (Damen mit großen, langen Abendkleid, Herren mit schwarzem Frack) beachten müssen. Offiziell eröffnet wird der  Opernball um  22.00 Uhr  mit der FANFARE von Karl Rosner, der österreichischen Bundeshymne, und der Europahymne von Ludwig van Beethoven. Der Einzug des des Jungdamen- und Jungherren-komitees,  144 Debütantenpaare aus elf verschiedenen Ländern, folgt  dann zu den Klängen der POLONAISE A-Dur von Frederic Chopin. Erstmals auf dem Ball der Bälle tanzte unter großem Medieninteresse auch ein gleichgeschlechtliches Debütant/innenpaar aus Baden-Württemberg, Iris Klopfer und Sophie Grau zur Eröffnung mit: Sophie Grau in männlicher Kleidung, Iris Klopfer zog das weiße Ballkleid vor; beide erhoffen sich, dass in Zukunft mehr Paare in anderen Konstellationen auf dem Opernball zugelassen werden.

—| IOCO Aktuell Wiener Staatsoper |—

Natalie Clein – Joseph Haydn – Cello-Konzerte, IOCO CD Besprechung, 16.01.2021

Natalie Clein - Joseph Haydn - Cello Concerte - OEHMS classics © OEHMS classics

Natalie Clein – Joseph Haydn – Cello Concerte – OEHMS classics © OEHMS classics

Natalie Clein  – Joseph Haydn –  Cello-Concertos
Ungewöhnliche Instrumentation und Humor

OEHMS classics CD – BestellNr. OC 1895 – Barcode 4260330918956

von   Ljerka Oreskovic Herrmann 

Die Autorin beschrieb in einer vorangegangenen IOCO Publikation die ORFEO CD CARE PUPILLE – Samuel Mariño mit Georg Friedrich Händel – Christoph Willibald Gluck Kompositionen, in welcher Michael Hofstetter die musikalische Leitung hat.

Die nun besprochene Oehms Classics CD bzw. styriarte bei der Michael Hofstetter ebenfalls die musikalische Leitung innehat, ist ein Live-Mitschnitt von 2017 aus Graz von der styriarte – ein alljährliches steirisches Festival zur Pflege der klassischen und Alten Musik und mit dem recreation Großes Orchester Graz. Dieser rückt Joseph Haydn (1732-1809)  in den Mittelpunkt, so dass die musikalischen Formsprachen und Richtungen des 18. Jahrhunderts auf den beiden CD-Einspielungen von Hofstetter zum Leben erweckt werden: Angefangen mit Händels und Glucks Arien der Opera seria hin zum Konzert der Wiener Klassik eines Haydn. Dieser war übrigens auch ein London-Reisender: Mehrere Mal nach 1790 besuchte er die britische Metropole und wurde dort begeistert empfangen.

Haydn Gedenktafel in Wien "Nicht ganz werde ich sterben" © IOCO

Haydn Gedenktafel in Wien „Nicht ganz werde ich sterben“ © IOCO

Der Weg zum Ruhm war für Haydn allerdings beschwerlicher, der öffentliche Erfolg stellte sich erst spät in seinem Leben ein. Seine beiden für das Cello komponierten Konzerte stehen in diesem historischen Kontext und haben eine wechselvolle Beurteilung und späte Anerkennung erfahren. Das erste Cellokonzert in C-Dur komponierte Haydn wohl um 1765 in Eisenstadt, als er die Vizekapellmeisterstelle beim Fürsten Esterházy bekleidete; das zweite in D-Dur entstand 1783 in Esterháza in der Nähe des Neusiedler Sees, wohin der Fürst seine Residenz mitsamt der 30 Musiker umfassenden Kapelle, inzwischen unter Haydns alleiniger Leitung, verlegt hatte. Das letztgenannte ist, mit zwei Oboen, zwei Hörnern und Streichern von Haydn ungewöhnlich instrumentiert, das bekannteste und deshalb wohl auch als Eröffnungsstück gewählt worden. Es hat drei Sätze, erfordert vom Solisten bzw. Solistin – aufgrund der häufig hohen Lage – eine enorme spieltechnische Fertigkeit, doch auch die für Haydn so typisch humorvollen Töne finden sich im letzten Satz, dem Rondo, ein.

Auch für das erste Cellokonzert setzte Haydn neben den Streichern Hörner ein; es hat ebenso drei Sätze, weist jedoch mit seiner barocken Orchester-Ritornelle in der Einleitung des ersten Satzes einen stärkeren Bezug zum vergangenen musikalischen Erbe auf – und so stellt sich plötzlich eine ungeahnte Verbindung zwischen zwei zeitlich und räumlich unterschiedlichen CD-Einspielungen (jedoch unter derselben musikalischen Leitung) ein. Das Cello spielt im zweiten Satz durchweg in hoher Lage, um im finalen Satz mit dem Orchester eine homophone Gesamtstruktur erklingen zu lassen.

Die Kunst und das Erleben

Eingespielt hat sie Hofstetter mit dem recreation Großes Orchester Graz und einer Solistin, die dafür nicht nur über das richtige Instrument verfügt, sondern auch mit der Musik des 18. Jahrhundert bestens vertraut ist: Natalie Clein, einer aus England stammenden und seit Jahren erfolgreich auf internationalen Bühne konzertierenden Cellistin, deren musikalischer Fokus durchaus die Musik des 18. Jahrhunderts in den Blick nimmt. Sie hat eigens für dieses Konzert Darmsaiten, anstelle der üblichen Stahlsaiten, auf ihrem 1777er Guadagnini-Cello aufziehen lassen. Auch benutzt Clein einen leichteren Bogen, um, wie sie schreibt, „die zeitgenössische Artikulation leichter zu erreichen“. Und sie setzt die Tradition, „Kadenzen in der Aufführung zu improvisieren“ fort, eine Praxis die zur Zeit Haydns Usus war und die für diese Aufnahme von ihr stammen und eine sogar „tatsächlich als Improvisation“ entstanden ist.

Das mitreißende Hörerlebnis rechtfertigt ihre Wahl, denn nicht nur entstand ihr Cello in jener Zeit, die im Rückblick als die epochemachende Wiener Klassik verstanden wurde, Clein vermag es diese musikalische vergangene Welt aufleben zu lassen, ohne den leisesten Hauch von „Antiquiertheit“. Im Gegenteil, ihr Cello (wie auch das Orchester) klingt geradezu jung und frisch, Haydns Musik ist es sowieso, sie lässt den Ton aufblühen, wie es die menschliche Stimme vermag, der ja bekanntlich das Cello am nächsten kommt. Eine Binsenwahrheit, deshalb jedoch nicht weniger wahr. Die Freude an der musikalischen Kunst Haydns wie auch dem gemeinsamen Musizieren kann man selbst beim Zuhören der CD nachempfinden. Dabei erweist sich Michael Hofstetter als ein Dirigent, der seinen Solisten – ob es sich um einen Sänger oder eine Cellospielerin handelt – Freiraum, Luft zur Entfaltung gibt und den Gesamtklang mit dem Orchester zur vollen Geltung bringt.

Joseph Haydn Gemälde aus 1791 von Thomas Hardy © Wikimedia Commons

Joseph Haydn Gemälde aus 1791 von Thomas Hardy © Wikimedia Commons

Abgerundet wird der Mitschnitt des Konzertes mit dem zweiten Satz von Haydns Symphonie Nr. 13 in D-Dur: „Adagio cantabile“. In diesem 1763 komponierten viersätzigen Orchesterwerk – es knüpft hervorragend an die beiden Cellokonzerte an – lässt Haydn im zweiten Satz ein Solo-Cello auftreten; vermutlich hat er es für den Cellisten und seinen Patensohn Joseph Weigl geschrieben. Natalie Clein erliegt nicht der Versuchung, falsche Sentimentalität oder übergroße Emotion zu beschwören, sie spielt nicht effekthaschend, stattdessen entfaltet sie den Ton langsam, lässt ihn sachte aufblühen, das Orchester bleibt dabei ein ebenso sachter und behutsamer Begleiter. Es verströmt ein positives Gefühl, diese Live-Aufnahme, den Applaus des Publikums, zu hören, in einer Zeit, in der das Live-Erlebnis gänzlich abhanden gekommen ist. Auch wenn man nicht dabei war, stellt sich bei einem das – schöne und schmerzlich vermisste – Gefühl ein, etwas von der Atmosphäre zu erahnen, die einem gelungen Konzertabend innewohnt.

Darstellende Kunst lebt vom Kontakt, dem Austausch mit dem Publikum – es ist das eigentliche Fundament, nur so kann Neues entstehen und Altes weitergeführt werden; nur so kann der Künstler, die Künstlerin, Fähigkeiten und Talente darbieten, sie im Zusammenspiel mit anderen, aber auch mit dem Publikum überprüfen und neue Möglichkeiten der Darstellung ausloten.

Darstellende Kunst entsteht durch das „als ob“, einer Behauptung, die, wenn sie gelingt, wie hier die Zeit Haydns oder eines Glucks und Händel hör- und erlebbar zu machen, zur Wahrheit gereift, jene auf dem Podium und jene im Publikum zu einer Einheit verschmelzen kann und sich das Gefühl einstellt, etwas Außerordentlichem beigewohnt zu haben. Und sie ist diejenige Kunstform, die den unmittelbaren Kontakt zur kulturellen Vergangenheit und die Brücke zur Zukunft schlägt – nur wenn wir das „Alte“ sehen und hören, können wir den künstlerischen, technischen und handwerklichen (nicht nur beim Instrumentenbau) Weg ermessen, der dafür zurückgelegt werden musste, um sich stetig weiter zu entwickeln; sie prosperiert nicht einfach im luftleeren Raum oder in den Weiten des Universums, sondern braucht die Reibung mit den jeweils vorhanden Rahmenbedingungen und Gegebenheiten. Kunst entsteht mit jeder Aufführung aufs Neue im Hier und Jetzt. Deshalb brauchen wir sie.

—| IOCO CD-Rezension |—

Kulturschaffende in Not – Opera Factory Freiburg, IOCO Aktuell, 15.01.2021

Januar 15, 2021 by  
Filed under Hervorheben, Opera Factory Freiburg

Klaus Simon, Vorstand der Opera Factory Freiburg © Anke Nevermann

Klaus Simon, Vorstand der Opera Factory Freiburg © Anke Nevermann

Kulturschaffende in Not – Opera Factory Freiburg – Ein Hilferuf

von Viktor Jarosch

Die Corona-Pandemie stürzt die nicht durch staatliche Subventionen abgesicherte freie Kulturszene in unverschuldete wirtschaftliche Nöte. IOCO Kultur im Netz, www.ioco.de setzt sich ausdrücklich für die freie Kulturszene ein; so hier für die Opera Factory Freiburg, welche – siehe Schreiben unten – in einem Hilferuf an den Gemeinderat der Stadt Freiburg Unterstützung sucht.

HINTERGRUND: Die Opera Factory Freiburg (bis 2014: Young Opera Company) ist eine freie Organisation, die Musiktheater und Kammeropern in hoher musikalischer und szenischer Qualität produziert. Die Zusammenarbeit mit jungen als auch erfahrenen Künstler*innen soll die Ansprüchen der Stücke spiegeln sowie ein Forum für internationale Talente bieten. In den Produktionen treten Künstler*innen aus ganz Europa auf.

Im Juli 2019 feierte die Opera Factory Freiburg ihr 25-jähriges Jubiläum mit einer Produktion um Gustav Holsts Kammeroper Sävitri, die 2021 auch mit dem SWR als Koproduzenten auf CD eingespielt wurde. Über die neueste Opernproduktion im Oktober 2020 von Jay Schwartz‘ Kammeroper Narcissus & Echo schrieb Peter Schlang, IOCO,: „Und manch große, etablierte und komfortabel am staatlichen Subventionstopf vor sich hindämmernde städtische oder staatliche Kultureinrichtung kann und sollte sich die kleine, aber feine Opera Factory Freiburg als Vorbild nehmen!“


 Kulturschaffende in Not der Region FREIBURG unterstüzen? Klicken Sie HIER !

mitmachen.freiburg.de  –  online-Beteiligung der Stadt Freiburg

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 Opera Factory Freiburg – Schreiben an den Gemeinderat der Stadt

Antrag um Erhöhung der Unterstützung – Dezember 2020

Sehr geehrte Stadträte des Freiburger Gemeinderats,

wie Sie wahrscheinlich wissen, hat die Opera Factory Freiburg für den Doppelhaushalt 2021/22 nach 10 Jahren erstmals einen Erhöhungsantrag gestellt. Wir werden seit 2011 institutionell gefördert, zunächst mit 15.000 €, durch die dynamische Erhöhung sind wir 2020 nun bei 16.070 € angelangt. (Diese Dynamik ist ja ab 2021 leider erst mal gestoppt worden.) Unser Antrag sieht eine Erhöhung auf 50.000 € vor. Nur mit dieser Summe können wir beim Land Baden-Württemberg die schon längst anvisierte Landesförderung beantragen, die wir langfristig zur Existenzsicherung brauchen, u.a. um eine adäquate Bewältigung der rundum ständig steigenden Kosten zu sichern.

Gerade in der freien Szene sind diese zunehmend existenzbedrohend und Corona tut sein Übriges. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, den Antrag mit Ihnen besprechen zu können, da von Ihrer Entscheidung abhängt, ob es die Opera Factory Freiburg in Zukunft überhaupt noch geben kann. Deshalb bitten wir Sie um einen Gesprächstermin im Neuen Jahr, damit Sie die Dringlichkeit und die Hintergründe zu unserer Arbeit und unserem Antrag besser einschätzen können.

Unsere Produktionen sind in der freien Szene in ganz Baden-Württemberg ohne Konkurrenz, da sich niemand sonst außerhalb der Stadt- und Staatstheater diesem Zweig des modernen Musiktheaters in dieser Intensität und Nachhaltigkeit widmet. Damit trägt die Opera Factory Freiburg mit ihrem Namen zur Bedeutung von Freiburg als Kulturstadt bei. Sie hat sich mit hochwertigen Produktionen (+ preisgekrönten CD-Aufnahmen) regional und international einen Namen gemacht. Ihre Premieren werden auch überregional von der Fachpresse und den großen deutschen Zeitungen rezensiert. Dazu zwei aktuelle Pressestimmen, die auf die besondere Qualität unserer Arbeit An diverse Fraktionen des Gemeinderats der Stadt Freiburg hinweisen:

2018 schrieb Alexander Dick (Badische Zeitung) zu unserer Produktion von Viktor Ullmans Der Kaiser von Atlantis: Die Opera Factory beschert der Musikstadt Freiburg eine nicht mehr wegzudenkende Farbe.“.

Narcissus & Echo –  Opera Factory Freiburg
youtube E-WERK Freiburg e.V.
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2020 schrieb Peter Schlang, überregionaler Kritiker von IOCO, nach dem Besuch unserer diesjährigen Opernproduktion von Java Schwartz‘ Narcissus & Echo: Und manch große, etablierte und komfortabel am staatlichen Subventionstopf vor sich hindämmernde städtische oder staatliche Kultureinrichtung kann und sollte sich die kleine, aber feine Opera Factory Freiburg als Vorbild nehmen! “ 

Gegenüber einem Staats- oder Stadttheater kommen wir mit sehr wenig Geld aus, da wir mit allen Künstlern nur mit Produktionsverträgen arbeiten und somit kaum laufende Kosten haben. Dennoch ist der Erfolg unserer Produktionen nicht langfristig zu leisten, da uns adäquate langfristige Fördersicherheit von Seiten des Landes fehlt. Die Projektförderung des LAFT BW stößt angesichts der Größe unserer Produktionen von 35.000 bis 70.000 € an ihre Grenzen, wie bereits jüngst zweimal unglücklicherweise geschehen. Der Fortbestand der Opera Factory ist ernsthaft bedroht, wenn nicht eine umfassendere und verlässliche Förderung durch Stadt und Land gewährleistet werden kann.

Wir würden Sie deshalb ersuchen, unseren Antrag zu unterstützen. Gern würde sich eine kleine Abordnung von uns mit Vertretern Ihrer Fraktion zusammensetzen und die Details erläutern. Bitte machen Sie uns einfach Terminvorschläge für Januar 2021.

Mit freundlichen Grüßen,

Opera Factory Freiburg e.V.

Klaus Simon, Künstlerischer Leiter / 1. Vorsitzender – Dr. Ansgar Jödicke, 2. Vorsitzender – Dr. Cornelius Bauer-Kassenwart

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