Hamburg, Staatsoper Hamburg, Molto agitato – eine Reise durch die Musikgeschichte, IOCO Kritik, 08.09.2020

September 7, 2020 by  
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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Molto agitato –  Saisoneröffnung unter Pandemiebedingungen

Regiedebut von Frank Castorf im Haus am Dammtor
Eine in Gewaltobsessionen badende Reise durch die Musikgeschichte

von Patrik Klein

Molto agitato…“sehr aufgeregt“ war der kulturinteressierte Opernfreund kurz vor der Veröffentlichung des Interimsspielplans der Saison 2020/21 der Staatsoper Hamburg nach fast sechsmonatiger zwangsbedingter Pandemiepause.

Am 8.3.2020 gab es die letzte auch von IOCO rezensierte Premiere von Vincenzo Bellinis Norma, link HIER, die noch eine zweite und letzte Aufführung ein paar Tage danach erlebte. Ein Otello mit José Cura in der Titelrolle vor bereits deutlich sparsamer besetzten Besucherreihen schloss sich final an.

Dann kam die Zwangspause, das kulturelle Drama, das Desaster der musikalischen Stille und der szenischen Bewegungslosigkeit, die Versendung der Festangestellten und des Ensembles in die Kurzarbeit und die Verbannung der Freischaffenden in die Existenznot oder noch Schlimmeres.

Staatsoper Hamburg / Molto agitato - hier : vorn Katharina Konradi, Georg Nigl, Jana Kurucová © Monika Rittershaus

Staatsoper Hamburg / Molto agitato – hier : vorn Katharina Konradi, Georg Nigl, Jana Kurucová © Monika Rittershaus

Das bisher bekanntgegebene Programm der neuen Saison wirkte statt molto agitato dann doch eher bescheiden, vorsichtig, ausgedünnt, eher verstörend als anlockend und wenig Mut ausströmend. „Jetzt erst Recht, wir machen was aus dieser Misere“ war nur schwerlich erkennbar. Stattdessen drei Kurzpremieren (molto agitato, Paul Abrahams Märchen im Grand Hotel und Arnold Schönbergs / Francis Poulencs Pierrot lunaire/La voix humaine), fünf Ballette (Ghost Light, Orphée et Eurydice, Ballett für Klavier und Stimme, Tod in Venedig und Matthäus-Passion) und zwei Repertoirestücke (Mozarts Zauberflöte und Cosi fan tutte) wohl auch in gekürzten Fassungen. Ab dem Jahreswechsel hofft man, das ursprünglich geplante Programm spielen zu können.

Mit nur einem Drittel an Zuschauern darf das „Große Haus“ gefüllt werden, selbstverständlich mit entsprechendem Hygienekonzept, neuer Klimaanlage und dem Verbot von Beifalls- und Missfallenskundgebungen, welches man in den neu veröffentlichten Servicekonditionen bekannt gab. Es sind erheblich weniger Spieltage als üblich angesetzt mit etlichen Spielplanlücken, die an anderen Orten gefüllt sind, wie in München an der Bayerischen Staatsoper, mit Liederabenden oder Kammerkonzerten.

Staatsoper Hamburg / Molto agitato - hier : Valery Tscheplanowa © Monika Rittershaus

Staatsoper Hamburg / Molto agitato – hier : Valery Tscheplanowa © Monika Rittershaus

Man könnte den Eindruck bekommen, dass hier ein finanziell angeschlagenes Haus einen Sanierungsversuch unternimmt: molto agitato.

Nach exakt 176 Tagen, 20 Stunden und etwa 7 Minuten, wie George Delnon in einer kurzen Ansprache in der ersten Reihe im Parkett stehend mitteilte, folgte nun Frank Castorfs Version dieses molto agitato als Saisoneröffnung statt seines ursprünglich geplanten Boris Godunow von Mussorgski.

Mit dem Regisseur wurde ein Projekt entwickelt, das auf die neue Lage in der Pandemie künstlerisch reagieren wollte. Konzert, Lied und Musiktheater von György Ligeti, Johannes Brahms, Georg Friedrich Händel und Kurt Weill lieferten die Stücke des Abends. Die höchst unterschiedliche Musik bildeten Werke aus der Neuen Musik, der Hochromantik, des Barocks und einer „Zeitoper“ unter dem musikalischen und sozialen Einfluss von Jazz und Unterhaltungsmusik.

Nouvelles Aventures von György Ligeti, Vier Gesänge op. 43 von Johannes Brahms, auseinandergerissen in zwei Teile, Händels Aci, Galatea e Polifemo sowie ein Vorspiel aus seinem Oratorium Salomo und schließlich Die sieben Todsünden von Kurt Weill bildeten den Kern der Saisoneröffnung in Hamburg. Eine Schauspielerin und vier Solist*innen  sowie eine zum Kammerorchester geschmolzene Staatsphilharmonie mussten sich den Graben und die Bühne teilen und unter Wahrung der Abstandsregeln musizieren.

Für seine berühmt-berüchtigten „Neuen Sichtweisen auf ein Stückist der Regisseur Frank Castorf immer wieder gerne engagiert worden. In den letzten Jahren gelangte seine Interpretation des Nibelungenringes in Bayreuth heftig unter Beschuss. Auch der Intendant der Staatsoper Hamburg George Delnon konnte der Versuchung nicht widerstehen, den intellektuellen DDR-Widerständler erstmalig nach Hamburg zu holen. Der Berliner Volksbühnenalleinherrscher am Rosa-Luxemburg-Platz, der für endlos lange Inszenierungen steht, in denen das ganze Abendland zwischen Aufklärung und Diktatur pendelt, hat wohl deutlich mehr Gegner als Freunde. Aber das macht ihm wohl wenig aus.

Staatsoper Hamburg / Molto agitato - hier : Matthias Klink, Georg Nigl, Katharina Konradi, Jana Kurucová, Valery Tscheplanowa © Monika Rittershaus

Staatsoper Hamburg / Molto agitato – hier : Matthias Klink, Georg Nigl, Katharina Konradi, Jana Kurucová, Valery Tscheplanowa © Monika Rittershaus

Castorf und sein Regieteam (Aleksandar Denic, Bühne; Adriana Braga Peretzki, Kostüme; Lothar Baumgarte, Licht; Andreas Deinert, Live-Kamera; Severin Renke, Live-Video und Kathrin Krottenthaler, Video) sahen das Stück als eine Art kleingeteiltes Mosaik, das sich im Laufe der Zeit zu einem Gesamtbild entwickelt. Sie fügten Texte und Spielszenen von Quentin Tarantino zum Thema Sex und Gewalt aus seinem ersten Film Reservoir Dogs ein, so dass aus summierten 70 Minuten Musik ein knapp zweistündiger Abend wurde.

Eine Schauspielerin (Valery Tscheplanowa) erklärte dem Publikum, dass das Böse, dass Alltagsgewalt von verbalen kleinsten Formen bis hin zur aktiven rohen, sadistischen Gewalt stattfindet. Dies aufzuzeigen, sei das Anliegen der Regie.

Zeitliche spannte sich dieser Faden von der alttestamentarischen Geschichte der Königin von Saba, die als Königin der Weisheit einem kriegerischen Umfeld gegenüber steht bis hin zur Gegenwart mit der Verbrennung der amerikanischen Flagge.

Inhaltlich begann Alltagsgewalt im Laut, wie bei Ligetis Stück zu vernehmen, bis hin zum Wort – also Gewalt durch Sprache. Sie fand sich auch verharmlost in den Texten der Stücke wieder. Letztendlich mündete sie in aktive, körperliche Gewalt. Was blieb war Schmerz ohne Perspektive auf Erlösung.

Staatsoper Hamburg / Molto agitato - hier : Jana Kurucová, Valery Tscheplanowa, Matthias Klink © Monika Rittershaus

Staatsoper Hamburg / Molto agitato – hier : Jana Kurucová, Valery Tscheplanowa, Matthias Klink © Monika Rittershaus

Man durfte sich an dieser Stelle bereits fragen, wo hier die Antwort oder Reaktion auf die momentane Lage in der Pandemie zu sehen war. Gezeigt wurden auf der komplett leergeräumten und bis auf die Brandmauer der Hinterbühne offenen riesigen Spielfläche etliche in der Ferne kleinteilige, musikalische und schauspielerische Szenen. Diese wurden mit hohem technischen Aufwand mit gezielt vergrößerten Details auf Videoprojektionsleinwände geworfen, die der Zuschauer dann verfolgen konnte. In den oberen Rängen konnten diese „ausgelagerten“ Szenen nicht gesehen werden. Peinlicherweise gelang die Projektion nach Vorne nur mit einer zeitlichen Verzögerung von etwa einer Sekunde, was bei den Großaufnahmen der Sänger und der Schauspielerin wie bei einem schlecht synchronisierten Film zunehmend nervte.

Musikalisch begann der Abend dann mit Händels Vorspiel zum dritten Akt aus dem Oratorium Salomo. Das kurze instrumentale Stück Die Ankunft der Königin von Saba erreichte Popularität, als es 2012 als Eröffnung zu den Olympischen Spielen in London erklang. In einem medienwirksamen Trailer, besuchte der damals amtierende James Bond Darsteller Daniel Craig die Queen und holte sie zu ihrer Eröffnungsrede ab. Auf der Hamburger Bühne tauchten erste Zitate aus Tarantinos Film auf, eine große USA-Fahne wurde sowohl auf der Bühne als auch auf den Videoleinwänden geschwungen und zerrissen. Das im Graben positionierte 17 Musiker starke Orchester geleitet von Kent Nagano wirkte trocken, spröde und wenig barocken Esprit ausströmend.

Für den nun folgenden Zeitensprung in die nahe Vergangenheit öffneten sich die Unterbühne, ein Klavier nebst dem acht Musiker starken Orchester wurde seitlich herein geschoben. Die drei Solisten (Sopran, Mezzosopran und Bariton) standen in glitzernden Kostümen an der Rampe und gaben die vielfältigen Laute sogar durch Rohre verfremdet wieder. Eine vierte Figur war schemenhaft im Hintergrund zu erkennen. György Ligetis  Nouvelles Aventures (1962 bis 1965) gilt in der Musikwelt als eine Art Theaterrevolution: Schnelle musikalische Schnitte zwingen den Betrachter sich permanent auf neue Situationen einzulassen. Es wurde gezeigt, wie sich die drei Solisten selbst wahrnehmen, und genau so konnte sie auch der Zuschauer fühlen in diesem Theater ohne Handlung, dafür mit einem weiten Assoziationsraum, der den Kosmos des Lebens entfalten soll.

Ein musikalischer Zeitsprung ins neunzehnte Jahrhundert folgte auf die neuen ungewohnten Klänge währendem ein zeitungslesender Amerikaner mit aufgesetzter ledernen Pestmaske in die Szene trat. Johannes Brahms Vier Gesänge op.43 für eine Singstimme (Tenor/Bariton) und Klavier. Castorf riss das letzte Lied  „Das Lied vom Herrn von Falkenstein“ aus dieser Reihe heraus und platziert es später vor dem Weill Stück. Die verbleibenden drei Lieder „Von ewiger Liebe“, „Die Mainacht“ und „Ich schell mein Horn ins Jammertal“  wurden nun von Matthias Klink (Tenor) gesungen und begleitet von Rupert Burleigh am Klavier. In den Liedern  geht es um die Sehnsucht zweier Liebender sich zu vereinen, was aber mit erheblichen Widerständen verbunden ist. In Rebellion enden die Klänge.

Der deutsche Tenor Matthias Klink begann 1995 seine Karriere im Ensemble der Kölner Oper und ist Freischaffender Sänger mit dem Schwerpunkt auf der klassischen Moderne und dem Konzert- und Liedgesang. Dem Hamburger Publikum ist er bekannt als Alwa in Bergs Lulu. Leider hatte er am Premierenabend einen rabenschwarzen Tag. Die an sich schön timbrierte Stimme hatte nicht das Volumen, um die riesige offene Fläche auf der Bühne und im Zuschauerraum zu fluten. Er bemühte sich zwar um Linie, forcierte und presste aber zu stark, was wiederum auch auf Intonation und Formgebung der Interpretation negativ wirkte.

Es folgte ein Kampf um die Flagge der USA mit Gesprächseinlagen aus dem Tarantinofilm, eine Anekdote zum Lachen, die sich auf einen Witz vom Frosch und dem ihn stechenden und tötenden Skorpion bezog und die Brücke zu Mat Damon mit Herbie Weinstein bilden sollte. Dann sprang die Regie wieder zur barocken Opernpracht. Georg Friedrich Händels Oper Aci, Galatea e Polifemo wurde von anderthalb stündiger Länge auf fünfzehn Minuten konzentriert und im Rampengesang von den drei Protagonisten vorgestellt. Im Hintergrund lief auf einer Videoleinwand in „Comicstripmanier“ naiv  die Geschichte im Zeitraffer ab.

Molto agitato – Saisoneröffnung 2020/21 an der Staatsoper Hamburg
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Die Nymphe  Galatea (Mezzosopran), eine Tochter des Meeresgottes Nereus, ist glücklich in den Schäfer Aci (Sopran), den Sohn des Königs Faunus von Latium, verliebt. Der einäugige Riese Polifemo (Bariton) begehrt sie ebenfalls. Er erschlägt Aci aus Eifersucht mit einem Felsblock. Galatea bittet Nereus, Acis Blut in eine silberne Quelle zu verwandeln und ihn als Flussgott weiterleben zu lassen, damit sie ihn im Wasser wiederfinden kann.

Stimmlich blieben hier kaum Wünsche übrig. Die aus Kirgistan stammende Sopranistin Katharina Konradi, Ensemblemitglied der Staatsoper Hamburg seit der Spielzeit 2018/19, avancierte bereits zum Publikumsliebling durch Rollen wie Pamina (Die Zauberflöte), Gretel (Hänsel und Gretel), Adele (Die Fledermaus), Susanna (Le Nozze di Figaro). Sie sang auch an diesem Premierenabend mit souveräner Stimmführung und überbordenden Emotionen. Mezzosopranistin Jana Kurucová, aus der Slowakei gebürtig und erst seit der letzten Saison Ensemblemitglied an der Staatsoper Hamburg (vorher Deutsche Oper Berlin) wartete mit schön gefärbten Timbre und starkem Ausdruck auf. Der österreichische Bariton Georg Nigl wurde 2015 von der Zeitschrift „Opernwelt“ als Sänger des Jahres ausgezeichnet. Mit Wozzeck (Wozzeck), Lenz (Jakob Lenz), Orfeo (L‘Orfeo), Papageno (Die Zauberflöte), Don Alfonso (Così fan tutte) u. a. hat er ein breit gefächertes Repertoire und singt an den großen Häusern Europas. Auch an diesem Premierenabend überzeugte er durch Intonationssicherheit und musikalisches Gespür.

Bevor Georg Nigl nun das vierte Lied aus der Brahms Liederfolge vortragen konnte, sprühte die Schauspielerin mit roter Farbe auf ein am Boden liegendes Banner die Worte „Sex and Lies“. Gewalt aus Szenen des bereits mehrfach zitierten Tarantinofilms folgten und gipfelten im brutalen Foltern eines Gefangenen, dessen Ohr abgeschnitten wird. Etliche Zuschauer verließen an dieser Stelle den Saal. Bryan Adams Song aus 2002 „Here I am“ bildeten den Übergang zu Kurt Weills Die sieben Todsünden, dem satirisches Ballett mit Gesang in sieben Bildern mit Prolog und Epilog in Bertolt Brechts Text.

Faulheit, Stolz, Zorn, Völlerei, Unzucht, Habsucht und Neid – in Weills Stück sind sie Lebens- und Leidensstationen der jungen Anna (dargestellt durch die fulminant auftrumpfende, preisgekrönte und durch Theater und Film bekanntgewordene Tänzerin und Schauspielerin Valery Tscheplanowa) , die sich für ihre Familie aufopfert, die unter den Belastungen ihrer unmenschlichen Umwelt bereits zerbrochen ist – und sich schizophren wahrnimmt als Anna 1 (die nüchtern Denkende im verbalen Ausdruck) und Anna 2 (die Schöne und Gefühlsvolle mit tanzenden Gesten; hier in Castorfs Regievorstellungen eine nackte Plastiksexpuppe). Anna wird in sieben Jahren durch sieben Städte in Amerika getrieben und in sieben nummernähnlichen Teilen dargestellt, von einer Familie, die auf ihre Kosten ein bequemes Leben führen will und ihr paradoxerweise Faulheit vorwirft. Anna endete schließlich im Epilog als zerstörter Mensch vor einer zuerst brennenden und dann gelöschten Fahne der USA. Nach dem finalen Quartett der Familie, dem Abgang aller ins Off, tauchte Anna mit neuer Fahne noch ein letztes Mal auf. Langsam erlosch die erhellte Bühne.

Staatsoper Hamburg / Molto agitato - hier : Schlussapplaus © Patrik Klein

Staatsoper Hamburg / Molto agitato – hier : Schlussapplaus © Patrik Klein

Kent Nagano dirigierte das kammermusikalisch aufgestellte Philharmonische Staatsorchester Hamburg bei Ligeti und Weill mit deutlichen Taktgebungen um Präzision bemüht. Bei diesen beiden Stücken lagen klar die orchestralen Stärken des Abends. Präzise und plastisch wirkte der Klang, die Abstimmung zum Bühnengeschehen funktionierte. Bei den barocken Stücken  dagegen spürte man, dass er in dieser Welt weniger beheimatet ist.

Das Publikum reagierte gemischt, diffus und unerwartet. Die sonst bei einer Castorf-Produktion zu erwartenden Buhs blieben aus. Der Applaus war verhalten, aber auch einige Bravos konnte man vernehmen. Etwa 15 Besucher haben das Haus im Laufe des Abends  vorzeitig verlassen. Ein Herr im 4.Rang schnarchte so laut, dass er mehrfach geweckt werden musste. Dieser Abend verlangte viel vom Besucher ab, sehr viel sogar. Das nach sechsmonatiger Pause zurückgekehrte Publikum hätte besseres verdient gehabt.

Molto agitato an der Staatsoper Hamburg;  weitere Termine: 08.09; 12.09; 15.09; 21.09; 23.09 und 26.09.2020

—| IOCO Kritik Staatsoper Hamburg |—

Hamburg, Staatsoper Hamburg, Zur Saisoneröffnung – Die Nase, IOCO Kritik, 12.09.2019

September 11, 2019 by  
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Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

 Staatsoper Hamburg zeigt zur Saisoneröffnung seiner Community – Die Nase

Nase, Nasen! Überall Nasen!

von Patrik Klein

Eines Morgens wacht der unbescholtene Petersburger Beamte Platon Kusmitsch Kowaljoff auf und hat keine Nase mehr. Die Nase ist einfach weg. Kowaljoff reibt sich verdutzt die Augen, doch der Albtraum hat gerade erst begonnen. Statt ihren angestammten Platz im Gesicht des ehrenwerten Mannes wieder einzunehmen, spaziert die Nase schamlos durch die Stadt. Sie sieht keinen Grund zu Kowaljoff zurückzukehren. Schließlich hat sie es geschafft, innerhalb kürzester Zeit in der Gesellschaft nach oben zu kommen; höher, als ihr ehemaliger Besitzer. Der verzweifelte, weil ohne Nase charakterlose Kowaljoff, sieht sich nicht nur dem Hohn und Spott seiner Mitmenschen ausgesetzt, sondern beißt sich an der vorherrschenden Bürokratie auch noch die Zähne aus. Bis die Nase auf einmal wieder da ist, als wenn nichts geschehen wäre…….

Die Nase – Dmitri Schostakowitsch
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Die Nase, eine Oper von Dmitri Schostakowitsch (*25.9.1906 St Petersburg – +9.8.1975 Moskau), ist dessen erstes erhaltenes Werk. Der russische Titel „Nos“ ist eine Umkehr des Wortes „Son“, Traum. Das Libretto stammt von Jewgeni Samjatin, Georgi Jonin, Arkadi Preiss und Dmitri Schostakowitsch selbst nach einer Novelle von Nikolai Gogol.

Gerade 22 Jahre alt war Dimitri Schostakowitsch, als er Die Nase komponierte. Bis zu seinem Lebensende sollte Die Nase sein witzigstes, aufregendstes und mutigstes Werk für das Musiktheater bleiben. Die Uraufführung fand am 18. Januar 1930 im Maly-Theater in Leningrad statt.

Auf politischen Druck wurde die Oper nach sechzehn Vorstellungen von den Spielplänen genommen; man warf ihr das Fehlen eines positiven Helden, den Einfluss westeuropäischer Kompositionsmethoden sowie Formalismus (Überbetonung der Form und Vernachlässigung des Inhalts) vor. Tatsächlich ist jedoch das politische Umfeld dafür verantwortlich. Die Jahre nach dem ersten Weltkrieg, die Wirren nach der Oktoberrevolution, sind von Unterdrückung und Bürgerkrieg geprägt. Dem totalitären System Stalins fallen mehr als 8 Millionen Menschen zum Opfer.  In der Sowjetunion wurde die Oper erst wieder 1974 gespielt. Die deutsche Erstaufführung fand 1963 in Düsseldorf statt.

Staatsoper Hamburg / Die Nase - hier : Bo Skovhus als Platon Kusmitsch Kowaljoff © Arno Declair

Staatsoper Hamburg / Die Nase – hier : Bo Skovhus als Platon Kusmitsch Kowaljoff © Arno Declair

2016 gab es eine vielbeachtete Produktion am Royal Opera House London in einer neuen englischen Übersetzung von David Pountney. Die musikalische Leitung hatte Ingo Metzmacher, die Inszenierung stammte von Barrie Kosky.

Gogols Erzählung Die Nase war die ideale Vorlage für Schostakowitschs Oper. Tragisches und Komisches, Reales und fantastisch Traumhaftes stehen hier unvermittelt nebeneinander. Die Banalität der Wünsche und Ängste des gesellschaftlichen Kleinbürgers werden scharf beleuchtet. Das Stück steht aber auch als Symbol für die hochtrabenden Ambitionen Kowaljoffs, die sich weit über seine tatsächliche gesellschaftliche Position erheben. Die Nase ist aber sicher auch eine Parabel für Schostakowitschs Weltverständnis: so geht es zu in einer Welt, in der der Teufel am Werke ist. Der Mensch wird durch den Verlust seiner Nase aus seiner Geborgenheit gerissen und verliert seine Selbstsicherheit. Durch das groteske Geschehen wird die Wirklichkeit entstellt. Der schöne Schein, die Fassade ist zerstört. Es ist schließlich alles nur ein grotesker Traum.

Staatsoper Hamburg / Die Nase © Arno Declair

Staatsoper Hamburg / Die Nase © Arno Declair

Alle Kräfte eines Opernhauses sind bei diesem aufwändigen Werk gefordert, denn es gilt nicht nur über 60 Rollen zu besetzen, sondern auch die Bühnenproduktion sieht sich hier mit dem überaus komplexen Bühnenbild und vielen schnellen Szenenwechseln auf ganz besondere Weise herausgefordert.

Die Staatsoper Hamburg verpflichtete zur Saisoneröffnung 2019/20 die Regisseurin und derzeitige Intendantin des Schauspielhauses Hamburg, Karin Beier mit der Inszenierung. Ihr standen Stéphane Laimé (Bühne), Eva Dessecker (Kostüme), Hartmut Litzinger (Licht)  und Meika Dresenkamp (Video) dabei zur Seite. Für die Choreografie verpflichtete man Altea Garrido.

Die Premiere der Oper wurde zeitversetzt „Open Air“ auf dem Jungfernstieg und auf dem Rathausmarkt im Stadtteil Harburg übertragen. Vorbeischlendernde Besucher und Einwohner Hamburgs sollten auf eine neue Opernsaison neugierig gemacht werden.  Man darf die Frage stellen, ob, die niedrige Auslastung des Staatsoper von 72% in der vergangenen Spielzeit 2018/19 vor Augen, mit diesem spannenden, aber wenig gespielten Werk zur Saisoneröffnung,  die Breite der Hamburger Bürgerschaft erreicht wurde.

Die Nase ist für das Regieteam in erster Linie eine Groteske, ist damit komisch und schrecklich zugleich. Es geschieht etwas Ungeheuerliches, ein Mann verliert sein Gesicht und damit seine Identität. Eine Megahysterie in seiner unmittelbaren Umgebung entsteht. Die Furcht vor dem Unerklärlichen, dem Unbekannten, dem Chaotischen kann dann folgerichtig nur in einer hysterischen und gewaltbereiten Masse überwunden werden.

Wenn am Ende der Hamburger Interpretation der Oper die Anfangsszene wiederkehrt und sich Kowaljoff schreiend in die Hose schaut um festzustellen, dass ihm seine Männlichkeit abhanden gekommen ist, dann kann das Stück, ähnlich einem Perpetuum Mobile, wieder von vorne beginnen.

Karin Beiers Team kreiert einen flexiblen Stahlgerüstbau auf offener, sich häufig drehender Bühne mit Stahlturm auf dessen Rückseite, an dem ein an einen Renaissance-Altar erinnernder Klapp-Bilderrahmen angebracht ist. Der Bühnenboden ist übersät mit roten Papierzetteln. Ein riesiger, überdimensionierter Rasierspiegel lässt nicht nur die Szenen beim Barbier überdeutlich erscheinen, sondern kommt dem Betrachter auch immer wieder als ein Symbol der totalitären Überwachung vor. Die metallenen Stangen erinnern an Gefängniszellen, Absperrungen und Mauern. Polizei, Mob und die Akteure der Oper werden hier eindrucksvoll und nachvollziehbar in Relationen gebracht. Die Zwischenräume machen auch die Beziehungen und Hintergründe transparent.

Zu Beginn wird Kowaljoff (Bo Skovhus) von Iwan Jakowlewitsch (Levente Páll) vor dem riesigen Friseurspiegel mit videoprojiziertem Riesenauge rasiert. Polizisten in Uniform und Maschinengewehren befinden sich im Hintergrund. Auf der rotierenden Bühne dreht sich eine Backstube mit Herd und heruntertropfenden Teigmassen ins Zentrum. Hellen Kwon alias Praskowja Ossipowna backt Brot und findet Kowaljoffs Nase im Teig.

Die Soldaten marschieren mittlerweile im Stechschritt über die Bühne. Ein riesiger Helikopter wird im Hintergrund auf die Bühnenrückseite projiziert. Der Nasenempfänger in Gestalt eines Staatsrates (Bernhard Berchtold) wird von Soldaten auf einer Sänfte in die Szene gebracht.

Ein Schlagwerkensemble dreht sich in Zuschauerposition und feuert wilde musikalische Trommelsalven ab. Kowaljoff krümmt sich vor Schmerzen angesichts seines bedeutenden Verlustes. Eine riesige Nase spaziert über die Bühne und beginnt mit ihm zu tanzen. Ein Polizist mit Engelsflügeln steht hinter einem Altar, der mit dutzenden leuchtenden Kerzen versehen ist. Ein sakraler Chor mit tanzenden Soldaten bringt die wandernde Nase ins Zentrum des Altars. Mittlerweile hat sich die Nase mit seinem neuen Besitzer, dem Staatsrat vereint. Sogar sein Bauch mutiert zur Nasenform.

Staatsoper Hamburg / Die Nase hier Schlussapplaus © Patrik Klein

Staatsoper Hamburg / Die Nase hier Schlussapplaus © Patrik Klein

Ein Polizeipförtner (Peter Galliard) erklingt warnend wie ein Menetekel aus dem ersten Rang. Eine Zeitungsredaktion mit acht skurrilen Mitarbeitern auf der sich permanent drehenden Bühne nimmt die Suchanzeige Kowaljoffs für seine verlorene Nase auf. Auf den Videoleinwänden erscheint er zudem mit riesiger Schweinenase im Gesicht. Es wird ihm geraten, für sein Problem zum Hals-, Nasen- und Ohrenarzt zu gehen, oder gar die Homöopathie zu bedienen. Vielleicht soll auch Schnupftabak helfen.

Auf einem Gazevorhang mit Videoprojektionen geht die Suche nach der Nase in Hamburgs Hafen, im alten Elbtunnel und am Rathaus erfolglos weiter. Ein russisches Volkslied mit Balalaika begleitet Kowaljoff bei seiner Trauer vor Gott angesichts seines dramatischen Verlusts, der ihn charakterlos und gesellschaftslos gemacht hat.

Da sich das Volk von seiner Ruhelosigkeit angesteckt hat, erfolgt ein Haftbefehl gegen ihn. Die mobil gemachten Polizisten tanzen im Ballettstil  mit skurril wackelnden Hinterteilen und immer dicker werdenden angeschwollenen Körpern. Sie mutieren zum Chor mit einem russischen Volkslied vor tanzender Nase. Es folgen aufgebrachte, zum Lynchen bereite, chaotische Massenszenen.

Plötzlich wird die Nase gefunden. Kowaljoff findet sie in einer Serviette. Aber sie will einfach nicht halten. Ärzte sollen helfen. Absurde Bilder von Medizinern in Trance und Angelruten stellen sich ein. Der Chefarzt (Levente Páll) rät ihm die Nase lieber in Spiritus einzulegen. Mutter und Tochter Podtotschina (Katja Pieweck und Athanasia Zöhrer) werden von ihm verflucht, weil er glaubt, dass sie für sein Schicksal verantwortlich sind.

Das Volk ist völlig irritiert und sucht hysterisch nach der Nase, bringt sich angesichts dieser dummen Geschichte in den Wahn. Im finalen Ballett mit Stalins Portrait zwischen den Menschenmasse, Polizeigarden und wehenden roten Fahnen wie bei einer sowjetischen Militärparade stimmt eine personifizierte Nase eine derbe Rede an. „Nieder mit dem stinkenden Getön. Rotzkotzend!“

An einer der roten Fahnen putzt er sich angewidert sein Riechorgan. Und siehe da! Plötzlich ist die Nase wieder an seinem ursprünglichen Platz in Kowaljoffs Gesicht. Das Volk tritt mit „Hitlergruß“ ab. Alle Figuren sind mittlerweile zum Platzen prall und fett geworden. Kowaljoff verdammt sie wie im Traum, „Leckt mich blöde Weiber!“, bevor er voller Entsetzen in seine Hose schaut. Mit einem Donnerschlag im Orchester fällt der Vorhang.

Schostakowitsch macht keinen Unterschied zwischen ernster und unterhaltsamer Musik. Ohne Tabu montiert er einen Choral hinter einen Galopp und ein verfremdetes Volkslied neben ein Lamento (Klagelied). Eine derbe Polka steht unverblümt neben zarten und filigranen Passagen und auf ausdrucksvolle Kantilenen folgt spielerische Leichtigkeit. Analytische Schärfe in der Darstellung und Präzision im Zusammenspiel bestimmen sowohl die markant ausgespielten rhythmischen Finessen des Werkes, wie auch den gewollt zum Ausdruck kommenden bissigen Sarkasmus. Kent Nagano arbeitet die Kontraste der Partitur wenig detailliert heraus, setzt eher auf dramatische Wirkung im Orchester und lässt häufig im Dauerforte und mit wenig Finesse und Präzision musizieren. Das geht wieder einmal mehr auf Kosten der Sängerfreundlichkeit; vom unterstützenden Kapellmeister ist das weit entfernt.

Es wird Deutsch gesungen (Übersetzung Ulrich Lenz) und der Gesang mit einigen gesprochenen Einlagen ergänzt, die sehr frei nach Schostakowitsch auch so manche „Hamburgensie“ enthalten. Der Chor der Staatsoper Hamburg (Einstudierung Eberhard Friedrich) agiert und musiziert den Vorgaben des Generalmusikdirektors entsprechend. Gesungen wird auf hohem Niveau, zumal die eingesetzten Tenöre permanent in den höchsten Registern agieren müssen. Stellvertretend für das gesamte Ensemble aus beinahe 60 Darstellern ist die Leistung des Hauptdarstellers Bo Skovhus zu nennen, der mit kraftvollem Spiel und Gesang im Zentrum dieses Werkes steht. Sowohl darstellerisch als auch musikalisch muss er an seine körperlichen Grenzen gehen. Mit hoher Stimmkraft bei textverständlichem Ausdruck und präziser Rollengestaltung liefert er einen superben Kowaljoff der Extraklasse.

Diese, besprochene, zweite Vorstellung an der Staatsoper Hamburg war bei weitem nicht ausverkauft. Es verlassen zudem einige Zuschauer während der Vorstellung im Dunkeln den Saal. Das weitgehend gelangweilt wirkende Publikum, das einige Male zum Schmunzeln gebracht wird und vor Allem nach dem Knalleffekt des Finales einige Lacher erzeugt, dankt dem gesamten Ensemble mit höflichem, kurzen Applaus.

Die Nase:  Premiere am 7.9.19; besuchte Vorstellung am 10.9.2019; weitere Termine: 13.9., 23.9., 26.9. (geschlossene Gesellschaft), 28.9.2019

Die Besetzung:

Platon Kusmitsch Kowaljoff, Kollegienassessor (Bariton) –  Bo Skovhus
Iwan Jakowlewitsch (Bass)  –  Levente Páll
Ossipowna, sein Frau (Sopran)  – Hellen Kwon
Ein Wachtmeister der Polizei (Tenor) –  Andreas Conrad
Die Nase in Gestalt eines Staatsrates (Tenor) – Bernhard Berchtold
Iwan, der Diener des Assessors (Tenor) –  Gideon Poppe
Alexandra Grigorjewna Podtotschina (Mezzosopran) – Katja Pieweck
Ihre Tochter (Sopran) –  Athanasia Zöhrer
Die alte Gräfin – Renate Spingler
Praskowja Ossipowna, Verkäuferin Hellen Kwon
Jarischkin, Michael Heim
Polizeipförtner, Pjotr Fjodorowitsch, Oberst, 2. Bekannter  – Peter Galliard
Wachmann, Taxifahrer, Iwan Iwanowitsch, 1. Bekannter – Stefan Sevenich
Diener der Gräfin, Spekulant,  Major  –  Julian Arsenault
1. Eunuche –  Sungho Kim
2. Eunuche – Tenorsolo in der Kirche, Hiroshi Amako
3. Eunuche – Dongwon Kang
4. Eunuche –  Sander De Jong
Hüsrev-Mirza – Kristov Van Boven

Musikalische Leitung: Kent Nagano,  Chorsolist*innen des Chores der Hamburgischen Staatsoper, Chor der Hamburgischen Staatsoper (Einstudierung: Eberhard Friedrich), Philharmonisches Staatsorchester Hamburg

—| IOCO Kritik Staatsoper Hamburg |—

Hamburg, Staatsoper Hamburg, Die Nase – Dmitri Schostakowitsch, IOCO Aktuell, 21.08.2019

August 21, 2019 by  
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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

7. September 2019 – Die Staatsoper Hamburg started in die neue Spielzeit

Die Nase von Dmitri Schostakowitsch  – Open-Air – Mitmachtanzprojekt

Mit der absurden Oper Die Nase von Dmitri Schostakowitsch eröffnet die Staatsoper Hamburg ihre neue Saison. Die Neuproduktion ist eine Inszenierung der Hamburger Schauspielhaus-Intendantin Karin Beier unter Musikalischer Leitung des Hamburgischen Generalmusikdirektors Kent Nagano. Darin geht es um die Nase des Beamten Kowaljow, die sich aus seinem Gesicht entfernt und als Politiker Karriere macht. Die Groteske über Identitätsverlust vereint Komisches und Schreckliches zugleich: Dass eine Nase ein Eigenleben führt, schürt in der Gesellschaft die Furcht vor dem Unbekannten und endet in einer Megahysterie. Zu erleben sind unter anderem: Bo Skovhus als Platon Kusmitsch Kowaljow, Levente Páll als Iwan Jakowlewitsch und Bernhard Berchtold als die Nase, in Gestalt eines Staatsrates, sowie die Ensemblemitglieder Helen Kwon, Renate Spingler, Katja Pieweck und Peter Galliard.

Die Nase – Saisoneröffnung der Staatsoper Hamburg
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Die Nase – Oper für alle: Open-Air-Übertragung

Zeitversetzt wird die Eröffnungspremiere Die Nase am 7. September ab 20.30 Uhr auf Leinwänden an drei Orten für alle Hamburgerinnen und Hamburger übertragen: Traditionell am Jungfernstieg im Rahmen des Binnenalster Filmfestes und in Zusammenarbeit mit dem Filmfest Hamburg, dem City Management Hamburg und dem „Verein lebendiger Jungfernstieg“, bereits zum zweiten Mal am Rathausmarkt Harburg und in diesem Jahr erstmalig auch in Bergedorf auf dem Freideck des Center-Parkhauses in Zusammenarbeit mit dem Marktkauf-Center.

Mittanzen: NaseAhoi!

Mit dem Partizipationsprojekt NaseAhoi! stimmt die Staatsoper Hamburg direkt am Jungfernstieg auf die Eröffnungspremiere ein: Am 7. September ab 20 Uhr können alle Tanzfreudigen zu Schostakowitschs schönsten Walzerklängen, dem Second Waltz, an der Binnenalster tanzen – alle sind willkommen: ob allein, als Paar oder Formation sowie Anfänger oder Profi, oder einfach nur zum Zugucken. Gut zu wissen: Um 19.00 Uhr und 19.30 Uhr gibt es zwei kostenlose Walzer-Auffrischungskurse in der Staatsoper Hamburg.

—| Pressemeldung Staatsoper Hamburg |—

Hamburg, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg, Philharmonische Akademie, August 2019

Staatsorchester Hamburg

 Elbphilharmonie Hamburg / Prominente Spielstätte _ Philharmonisches Staatsorchester Hamburg © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Prominente Spielstätte – Philharmonisches Staatsorchester Hamburg © Ralph Lehmann

 

Die Philharmonische Akademie 2019

Ein Open-Air-Konzert auf dem Hamburger Rathausmarkt und fünf Akademiekonzerte in der Elbphilharmonie stehen Ende August 2019 auf dem Programm. Ein großbesetztes oratorisches Konzertprojekt mit über 450 Hamburger Chorsängerinnen und Sängern präsentiert Kent Nagano an drei Abenden im Großen Saal der Elbphilharmonie. In zwei kammermusikalisch besetzten Konzerten im Kleinen Saal sind Musiker der Philharmoniker und das US-amerikanische Vokalensemble Chanticleer zu erleben.

Während die Philharmonischen Akademiekonzerte der vergangenen Jahre noch ganz im Zeichen der intimen musikalischen Arbeit innerhalb des Philharmonischen Staatsorchesters standen, öffnete sich 2018 mit dem „Rathausmarkt-Open-Air“ das Projekt bereits weit für das Hamburger Publikum. 2019 gehen Kent Nagano und die Philharmoniker noch einen Schritt weiter und laden Hamburger Chöre ein, gemeinsam ein großes oratorisches Programm in der Elbphilharmonie aufzuführen.

Das „Te Deum“ von Hector Berlioz zählt aufgrund seiner riesigen Chorbesetzung zu den selten zu erlebenden Werken der Musikliteratur. Grund genug für Kent Nagano, damit seine Reihe großdimensionierter oratorischer Werke in der Elbphilharmonie fortzuführen, zu denen in der Vergangenheit etwa Mahlers „Symphonie der Tausend“ zählte. Im Rahmen der Philharmonischen Akademie hat Hamburgs Generalmusikdirektor nun erstmals Hamburgerinnen und Hamburger eingeladen in einem Konzert des Philharmonischen Staatsorchesters mitzuwirken. Neben dem professionellen süddeutschen Chor „KlangVerwaltung“ sind elf weitere Chöre aus Hamburg und somit insgesamt über 450 Sängerinnen und Sänger an der Aufführung des „Te Deums“ beteiligt. Koordinativ unterstützt wird das Chorprojekt von der ehrenamtlich tätigen Hamburgerin Dr. Brigitte Mahn, die als begeisterte Chorsängerin ebenfalls mitsingt. Das Konzertprogramm, welches auch Mendelssohns „Walpurgisnacht“ umfasst, wird an drei Abenden vom 24.-26. August 2019 in der Elbphilharmonie zu erleben sein. Die drei Konzerte sind bereits ausverkauft (Restkarten ggf. an der Abendkasse).

Auch die beiden kammermusikalischen Akademieprogramme im Kleinen Saal der Elbphilharmonie am 25. und 27. August 2019 haben einen vokalen Schwerpunkt. Zu Gast ist das US-amerikanische Vokalensemble Chanticleer, das a-cappella-Repertoire von Hildegard von Bingen bis zu Tomás Luis de Victoria präsentiert und jeweils mit Kammermusikformationen des Philharmonischen Staatsorchesters im Wechsel auftritt.

Beschließen werden Kent Nagano und die Philharmoniker die diesjährige Philharmonische Akademie am 31. August 2019 wieder mit einem großen Open-Air-Konzert auf dem Hamburger Rathausmarkt. Bei freiem Eintritt präsentieren die Philharmoniker Gershwins populäre „Rhapsody in Blue“, Brahms erste Symphonie sowie weiteres Überraschungsprogramm. Die rund 2.500 Sitzplätze auf dem Rathausmarkt werden ab 19.00 Uhr freigeben.

Hintergrund

Kent Nagano hat die „Philharmonische Akademie“ zu Beginn seiner Amtszeit als Hamburgischer Generalmusikdirektor und Chefdirigent des Philharmonischen Staatsorchesters im Jahr 2015 ins Leben gerufen. Seitdem bilden diese Konzerte den Auftakt zur jeweils neuen Opern- und Konzertsaison. Nagano und die Philharmoniker verstehen darunter ein „offenes“ Projekt, ebenso experimentell ausgerichtet wie immer auch bedeutenden Komponisten, wichtigen Themen und musikalisch-inhaltlichen Erkundungen gewidmet. Die Musiker des Orchesters ordnen sich zu kleinen und größeren Gruppen, Kollektiven und Ensembles und begeben sich an Spielorte wie die Hamburger Hauptkirche St. Michaelis, das Planetarium oder das Hamburger Rathaus. 2018 spielten die Philharmoniker unter Kent Nagano erstmals open-air auf dem Hamburger Rathausmarkt und begeisterten rund 7.000 Zuhörer mit diesem musikalischen Geschenk an ihre Stadt.

Philharmonische Akademie 2017
youtube Trailer Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
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Übersicht über die Akademiekonzerte 2019


1. Akademiekonzert
Samstag, 24. August 2019, Elbphilharmonie, Großer Saal, 20.00 Uhr
Sonntag, 25. August 2019, Elbphilharmonie, Großer Saal, 19.00 Uhr
Montag, 26. August 2019, Elbphilharmonie, Großer Saal, 20.00 Uhr

Felix Mendelssohn Bartholdy: Die erste Walpurgisnacht op. 60
Hector Berlioz: Te Deum op. 22
Kent Nagano, Dirigent
Annika Schlicht, Alt
Pavel Cernoch, Tenor
Thomas E. Bauer, Bass
Alsterspatzen – Kinderchor der Hamburgischen Staatsoper
Jugendkantorei Volksdorf
Kinder- und Jugendsingschule St. Michaelis
Kinderkantorei Bergstedt und Volksdorf
Cappella Vocale Blankenese
Compagnia Vocale Hamburg
Franz-Schubert-Chor Hamburg
Hamburger Bachchor St. Petri
Kammerchor Cantico
stimmwerk hamburg
Vokalensemble conSonanz
Chor der KlangVerwaltung
Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
ausverkauft (ggf. Restkarten an der AK zu € 83,00 / 65,00 / 51,00 / 36,00 / 14,00)


2. Akademiekonzert
Sonntag, 25. August 2019, Elbphilharmonie, Kleiner Saal, 11.00 Uhr
Hildegard von Bingen: O frondens virga
Josquin des Prez: Sanctus & Benedictus aus: Missa La Sol Fa Re Mi
Charles Gounod: Petite Symphonie B-Dur für Bläser
Felix Mendelssohn Bartholdy: Jubilate Deo op. 69,2
Johannes Brahms: Motette „Es ist das Heil uns kommen her“ op. 29,1
Antonín Dvorák: Serenade d-Moll op. 44
Chanticleer
Mitglieder des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg
Karten € 35,00 / 28,00 / 21,00 / 12,00


3. Akademiekonzert
Dienstag, 27. August 2019, Elbphilharmonie, Kleiner Saal, 19.30 Uhr
Claudio Monteverdi: Madrigale
Carlo Gesualdo: Madrigale
Tomás Luis de Victoria: Motetten
Felix Mendelssohn Bartholdy: Oktett Es-Dur op. 20
Chanticleer
Mitglieder des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg
Karten € 35,00 / 28,00 / 21,00 / 12,00


Rathausmarkt-Open-Air
Samstag, 31. August 2019, Rathausmarkt, 20.00 Uhr
Johannes Brahms: Symphonie Nr. 1 c-Moll op. 68
George Gershwin: „Someone to watch over me“, „I got rhythm“, „Summertime“
George Gershwin: Rhapsody in Blue
sowie weiteres Überraschungsprogramm
Kent Nagano, Dirigent
Elbenita Kajtazi, Sopran
Oleksiy Palchykov, Tenor
Gilles Vonsattel, Klavier
Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Eintritt frei


Karten : Restkarten für die Konzerte im Großen Saal der Elbphilharmonie gibt es ggf. in der Woche vor den Konzertterminen beim Kartenservice der Hamburgischen Staatsoper, unter 040 35 68 68 sowie an der Abendkasse in der Elbphilharmonie.

Karten für die Konzerte im Kleinen Saal der Elbphilharmonie gibt es ebenfalls an den genannten Adressen sowie auch online unter www.staatsorchester-hamburg.de.

Der Eintritt für das Open-Air-Konzert ist frei. Die rund 2.500 Sitzplätze auf dem Rathausmarkt werden ab 19.00 Uhr freigeben.

—| Pressemeldung Staatsorchester Hamburg |—

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