Münster, Theater Münster, NRW-Theatertreffen – „Vorsicht, zerbrechlich“, IOCO Aktuell, 13.06.2019

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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

NRW-Theatertreffen – Teil 2 – Das Theater als menschlicher Erfahrungsraum

 Regiepreis – Schuld und Sühne von  Fjodor Dostojewski

von Hanns Butterhof

Die zweite, deutlich aktuell und politischer angelegte Halbzeit des NRW-Theatertreffens ging mit der Verleihung der Preise für die beste Regie, das beste Ensemble, den besten Schauspieler, einen Förderpreis und den Publikumspreis zu Ende. Dabei gingen die politischen Stücke nahezu leer aus.

Das Theatertreffen bot viel und tolle Schauspielkunst. Wie eine Würdigung der Jury für alle Schauspieler galt der Preis für das beste Ensemble dem des Schlosstheaters Moers, das in der Regie von Ulrich Greb fulminant Zur schönen Aussicht Ödön von Horváths aufgeführt hatte: bankrotte, wertevergessen kriminelle Europäer, zusammengedrängt in den Speisesaal eines Hotels und umgeben von einer mitverschuldeten Katastrophe, in der die einzig Entkommene nur im Schutzanzug überleben konnte.

Bei aller fesselnden Dynamik des Spiels konnte Zur schönen Aussicht kaum berühren, zu statisch und comicmäßig verfremdet war der böse Blick auf das sterbende Europa. Zu statisch war auch Thomas Melles  Bilder von uns des Schauspiels Wuppertal in der Regie von Henri Hüster. Sehr aktuell geht es um Missbrauch durch katholische Patres. Doch die Opfer werden nur in ihren verschiedenen Abwehrposen gezeigt, nicht in ihrem inneren Prozess zu diesen hin. Da bleiben ihre Masken undurchdringlich und die Gesichter dahinter kommen nicht nahe. Das gleiche Ergebnis hat Heiner Müllers Hamletmschine, das Nava Zuckerman für das Theater Krefeld und Mönchengladbach inszeniert hat. Selbst wenn sich die Schauspieler als Privatpersonen in die Aufführung einbringen und das Publikum mehrfach die Spielstätte wechseln muss, bleibt das Gefühl, die eigene Geschichte werde behandelt, bis auf wenige bewegende Szenen aus.

Theater Münster / NRW Theatertreffen 2019 - hier :  Preisverleihung © Oliver Berg

Theater Münster / NRW Theatertreffen 2019 – hier :  Preisverleihung © Oliver Berg

Mit Heinrich von Kleists Lustspiel Der zerbrochene Krug (youtube Trailer unten) gelang Laura Linnenbaum vom Düsseldorfer Schauspiel fesselnd, das Publikum mit irrer Komik in die Verdrängung des Missbrauchs hineinzuziehen, den das Stück verhandelt. Erst der drastische Schluss mit einem weiteren Missbrauch lässt das Lachen im Halse stecken und das Publikum betroffen zurück.

Dass Unterwerfung nach Michel Houellebecq vom Schauspiel Bochum in der Regie von Johan Simons ein fesselndes, berührendes Stück ist, liegt nicht nur an dem blendend aufspielenden Ensemble und der passend vermüllten Bühne. Die Erfahrungen, Werte und Zweifel des Protagonisten werden die des Zuschauers, der  aus den eigenen Gewissheiten heraus- und umgetrieben wird. Das Aktuell-Politische ist nicht der Handlung aufgepfropft oder auf Figuren verteiltes Statement, sondern Selbstbefragung des Publikums. Theater wird so nicht auf Mehrheiten ausgerichtet demokratischer, sondern menschlicher Erfahrungsraum.

Der zerbrochene Krug  –  Heinrich von Kleist
youtube Trailer Schauspielhaus Düsseldorf
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Unter viel Beifall ging der Preis der Jugendjury für das beste Stück an Der Theatermacher vom Schauspiel Dortmund mit dem von der Fachjury, bestehend aus der Kulturjournalistin Natalie Bloch, der Autorin Svenja Viola Bungarten, der Intendantin des Landestheaters Schwaben, Dr. Kathrin Mädler, dem Feuilleton-Redakteur bei den Westfälischen Nachrichten, Harald Suerland, sowie dem Theaterkritiker Sascha Westphal.  als bester Schauspieler gekürten Andreas Beck. Den Preis für die beste Regie erhielt Bert Zander vom Theater Oberhausen für Schuld und Sühne. Der Förderpreis ging an Julia Sylvester von der  Burghofbühne Dinslaken für ihre berührende Rolle als Oskar in Extrem laut und unglaublich nah, dem auch der Publikumspreis zugesprochen wurde.

—| IOCO Aktuell Theater Münster |—

Bochum, Ruhrtriennale 2017, Festival der Künste – Start 18. August 2017

August 10, 2017 by  
Filed under Ballett, ioco-art, Konzert, Pressemeldung, Ruhrtriennale

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Ruhrtriennale

Ruhrtriennale 2017:  Mit Cambreling, Warlikowski, Hannigan in Bochum

Start 18. August – Jahrhunderthalle Bochum – Pelléas et Mélisande

Vom 18.8. bis 30.9.17 zeigt die Ruhrtriennale rund 135 Veranstaltungen bei 40 Produktionen, davon 28 Eigen- und Koproduktionen, 22 Uraufführungen, Neuinszenierungen, Deutschlandpremieren und Installationen in 14 verschiedenen Spielstätten der Region.

Ruhrtriennale / (vlnr): Hannah Bernauer, Übersetzerin, Barbara Hannigan, Sopranistin und Dirigentin, Johan Simons, Intendant der Ruhrtriennale 2015-2017, Jan Vandenhouwe, Chefdramaturg der Ruhrtriennale 2015-2017 Jahrhunderthalle Bochum © Caroline Seidel/ Ruhrtriennale 2017

Ruhrtriennale / (vlnr): Hannah Bernauer, Übersetzerin, Barbara Hannigan, Sopranistin und Dirigentin, Johan Simons, Intendant der Ruhrtriennale 2015-2017, Jan Vandenhouwe, Chefdramaturg der Ruhrtriennale 2015-2017 Jahrhunderthalle Bochum © Caroline Seidel/ Ruhrtriennale 2017

Finaljahr der Intendanz von Johan Simons – Festival der Künste thematisiert Utopien und Zukunftsvisionen – Tickets zu einzelnen Terminen noch erhältlich

Am 18. August startet die Ruhrtriennale 2017 mit der ersten Oper der Moderne in eine Spielzeit, die sich Utopien und Zukunftsvisionen widmet. Eröffnet wird das Festival in der Jahrhunderthalle Bochum mit Pelléas et Mélisande. Im dritten und letzten Jahr der Intendanz von Johan Simons bietet die Ruhrtriennale ihrem Publikum sechs Wochen voller Musiktheater, Musik, Tanz, Schauspiel und Installationen. Das Ruhrgebiet wird zum Schauplatz zeitgenössischer Kunst.

Johan Simons, Intendant der Ruhrtriennale, und Dr. Vera Battis-Reese, Geschäftsführerin der Kultur Ruhr GmbH, berichteten in der Jahrhunderthalle Bochum von den letzten Vorbereitungen kurz vor Beginn der Saison 2017. Besonderer Gast der Pressekonferenz war die kanadische Starsopranistin Barbara Hannigan, die in der Eröffnungsproduktion der diesjährigen Ruhrtriennale die Mélisande verkörpert.

Johan Simons, Intendant der Ruhrtriennale 2015–2017

Ruhrtriennale / Johan Simons, Intendant der Ruhrtriennale 2015-2017 © Caroline Seidel/ Ruhrtriennale 2017

Ruhrtriennale / Johan Simons, Intendant der Ruhrtriennale 2015-2017 © Caroline Seidel/ Ruhrtriennale 2017

„Freude“, „schöner“, „Götterfunken“. Mit diesen drei Begriffen beschließe ich meine Zeit als Intendant der Ruhrtriennale. Seit ich künstlerischer Leiter dieses wunderbaren Festivals geworden bin, hat sich die Welt sehr verändert, wirkte manchmal wie aus den Fugen. Doch spüre ich nun eine positive Energie, ein Wiederentdecken Europas und seiner Kraft. Und vielleicht können wir mit künstlerischen Götterfunken unserem Publikum ein paar Hoffnungsschimmer schenken.“

Kurz vor Festivalbeginn läuft auch der Vorverkauf auf Hochtouren. So hält Dr. Vera Battis-Reese, Geschäftsführerin der Kultur Ruhr GmbH, fest: „Mit dem bisherigen Ticketvorverkauf sind wir sehr zufrieden. Zu den besonders nachgefragten Produktionen gehören Pelléas et Mélisande, Three Stages, Bach. Cellosuiten und Cosmopolis. Nichtsdestotrotz gibt es noch Karten, auch für andere Produktionen und zu Terminen unter der Woche. Wie in den letzten beiden Jahren bespielen wir auch in diesem Jahr eine neue Spielstätte und sind erneut in Dinslaken. Mit „Projecting [Space[“ werden wir eine Tanz-Uraufführung in die Zentralwerkstatt der Zeche Lohberg bringen.“


Programmhighlights der ersten Ruhrtriennale-Woche

Zum dritten und letzten Mal lädt ab dem 18.8. das Kunstdorf The Good, the Bad and the Ugly von Atelier Van Lieshout auf dem Vorplatz der Jahrhunderthalle Bochum das Publikum und alle Neugierigen zum Entdecken und Verweilen ein. Das Kunstdorf kehrt mit bekannten und neuen Arbeiten zurück und ist für den gesamten Zeitraum das Festivalzentrum der Ruhrtriennale. Einen Staat im Dorf rufen die Teenager des Nachwuchsproduktionsbüros der Ruhrtriennale, Mit Ohne Alles, aus: Zum zweiten und letzten Mal wird mit Teentalitarismus mitten in Bochum ein Teenager-Machtgebiet errichtet. Die Festspielrede zum Auftakt der Ruhrtriennale hält Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller. Im Anschluss wird die Jahrhunderthalle Bochum mit Pelléas et Mélisande, unter der musikalischen Leitung von Sylvain Cambreling und inszeniert von Krzysztof Warlikowski, zum Ort existenzieller Verlorenheit. Die kanadische Starsopranistin Barbara Hannigan singt die weibliche Titelpartie.

Ruhrtriennale / (vlnr): Barbara Hannigan, Sopranistin und Dirigentin, und Johan Simons © Caroline Seidel/ Ruhrtriennale 2017

Ruhrtriennale / (vlnr): Barbara Hannigan, Sopranistin und Dirigentin, und Johan Simons © Caroline Seidel/ Ruhrtriennale 2017

Der 19.8. beginnt mit der Eröffnung der Installation Truck Tracks Ruhr – The Compilation in der Mischanlage der Zeche Zollverein in Essen. Die Produktion von Urbane Künste Ruhr nach einem Konzept von Rimini Protokoll und loekenfranke ist eine audio-visuelle Gesamtkomposition aller sieben Alben des Erfolgsprojekts „Truck Tracks Ruhr“. Die Installation kann bei freiem Eintritt besucht werden. Ab 18 Uhr erklingt elektronische Musik in und um die Jahrhunderthalle Bochum bei der dritten und letzten Ausgabe von Ritournelle. Partygänger- und NachtschwärmerInnen feiern bei der Festivalnacht der elektronischen Musik mit zahlreichen Live-Acts wie Nicolas Jaar, Sohn oder Mykki Blanco.

Ab dem 20.8. spannt die Ruhrtriennale den musikalischen Bogen von Monteverdi bis Folkrock. In der Maschinenhalle der Zeche Zollern in Dortmund führt Philippe Herreweghe das Collegium Vocale Gent am 20.8. durch die Klangkathedrale von Monteverdis religiösem Meisterwerk, der Marienvesper. Krzysztof Warlikowski, Barbara Hannigan und Reinbert de Leeuw führen einmalig am 20.8. Socrate von Erik Satie in der Bochumer Jahrhunderthalle auf. Eine einzigartige Gelegenheit, das selten gespielte Werk eines der originellsten Komponisten des 20. Jahrhunderts in einem neuen Setting zu erleben. Mit einem immersiven Konzert des belgischen Quartetts Zwerm beginnt am 21.8. die montägliche Konzertreihe im Maschinenhaus der Essener Zeche Carl. Am 23.8. gastiert Kurt Wagner mit Lambchop und der kanadischen Folkband Timber Timbre für ein Konzert in der Jahrhunderthalle Bochum.

Eine besondere musikalische Kombination verspricht der Programmbeitrag von ChorWerk Ruhr unter der musikalischen Leitung von Florian Helgath: Mit Memoria verbindet ChorWerk Ruhr am 25.8. in der Maschinenhalle der Dortmunder Zeche Zollern Werke von Tomás Luis de Victoria, John Cage und Morton Feldman. Kein Licht. (2011/2012/2017), die Auftragsarbeit und internationale Koproduktion für die Ruhrtriennale, wird am 25.8. in der Gebläsehalle des Landschaftspark Duisburg-Nord uraufgeführt. Philippe Manourys Komposition nach einem Text von Elfriede Jelinek nimmt das Publikum mit in eine Welt nach dem Super-GAU. Die musikalische Leitung übernimmt Caroline Peters. Inszeniert wird die Oper mit Caroline Peters in einer der Hauptrollen von Nicolas Stemann.

Trilogien waren ein wichtiges Motiv der Intendanz von Johan Simons und die auf drei Teile angelegten Produktionen kommen 2017 zum Abschluss. So auch die erste Tanz-Trilogie der Ruhrtriennale. Der Choreograf Richard Siegal, dessen Arbeiten für die Spielzeiten 2015-2017 auf Dantes Göttlicher Komödie fußen, zeigt u. a. mit der Uraufführung El Dorado ab dem 25.8. zum ersten Mal alle drei Teile an einem Abend bei PACT Zollverein. Anne Teresa De Keersmaeker kehrt 2017 auch in das Ruhrgebiet zurück. Ihre neueste Choreografie, Bach. Cellosuiten, wird am 26.8. in der Maschinenhalle der Zeche Zweckel uraufgeführt. Begleitet werden die fünf TänzerInnen von Rosas von dem gefeierten Cellisten Jean-Guihen Queyras.

In diesem Jahr wartet das Refektorium auf dem Vorplatz der Jahrhunderthalle Bochum zum letzten Mal mit einem vielfältigen und gänzlich kostenlosen Programm auf. Ab dem 20.8. finden Lesungen, Kinoabende, Performances oder Partys statt. Unter dem Titel The End of Everything is a New Beginning findet am 26.8. eine Veranstaltung gemeinsam mit der innogy-Stiftung für Energie & Gesellschaft statt. 2017 lädt Johan Simons ab dem 27.8. um 12 Uhr zu Johans High Noon. An fünf Sonntagen empfängt der Ruhrtriennale-Intendant KünstlerInnen der Ruhrtriennale zum Gespräch. Seine Gäste beim ersten High Noon am 27.8. sind Anne Teresa De Keersmaeker und Sylvain Cambreling.

—| Pressemeldung Ruhrtriennale |—

Bochum, Ruhrtriennale, Programm-Highlights der Festivalwoche eins, 17.08.2016

August 16, 2016 by  
Filed under Pressemeldung, Ruhrtriennale, Spielpläne

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Ruhrtriennale

Programm-Highlights der Festivalwoche eins

In der ersten Festivalwoche wartet die Ruhrtriennale mit viel Musik auf. Heute beginnen die Konzerte im Maschinenhaus in Essen mit Emptyset einem Künstlerduo aus Bristol. Am 17.8. lässt der russische Chor MusicAeterna in der Dortmunder Zeche Zollern die Renaissance-Motette Spem in alium von Thomas Tallis erklingen. In Stockhausens Carré finden sich das ChorWerk Ruhr und die Bochumer Symphoniker am 18. und 19.8. in der Jahrhunderthalle Bochum ein. Das erste Symposium mit der RWE-Stiftung für Energie & Gesellschaft lädt alle Interessierten am 20.8. zur Diskussion in das Refektorium. Das Thema: Maschinenmensch und Menschmaschine.


Musik     –   Konzert im Maschinenhaus
Emptyset
15.8.: 20.00 Uhr, Maschinenhaus Essen —  25 €, erm. 12,50 €
ruhr3.com/kon

Das aus Bristol stammende Künstlerduo Emptyset arbeitet an der Grenze von musikalischer Komposition und installativer Kunst. Im Rahmen der Montagskonzerte im Maschinenhaus präsentieren Emptyset eine ortsspezifische Performance, die sich auf die Beziehung zwischen Architektur, Klang und Licht konzentriert. Ihre eigens entwickelten elektronischen Instrumente stehen dabei in direkter Interaktion mit visuellen Reizen, die im Rahmen einer Installation gleichermaßen auf psychische wie körperliche Reaktionen der ZuschauerInnen abzielen.


Musik   –   Spem in alium
Thomas Tallis / Henry Purcell / Alfred Schnittke / György Ligeti
Musikalische Leitung: Vitaly Polonsky
Mit: Chor MusicAeterna
16. | 17.8.: 20.00 Uhr, Maschinenhalle Zeche Zollern, Dortmund — 20 / 30 / 40 €, erm. ab 10 €
ruhr3.com/spe

Die Motette Spem in alium schrieb Thomas Tallis für acht fünfstimmige Chorgruppen. Aus 40 unabhängigen Stimmen webt der Komponist ein überwältigendes vielstimmiges Geflecht, einen Klangozean, in dem wir ab und zu eine Spur einzelner Stimmen auffangen, bevor sie wieder in der Menge abtauchen. Unter der Leitung seines Chordirigenten Vitaly Polonsky kombiniert der russische Chor MusicAeterna, der zum Ensemble des Opernhauses Perm gehört, Vokalmusik von Thomas Tallis und Henry Purcell mit zeitgenössischen Werken von György Ligeti und Alfred Schnittke.


Refektorium  –  Film: Café Waldluft
Regie: Matthias Koßmehl
17.8.: 19.30 Uhr, Refektorium, Vorplatz der Jahrhunderthalle Bochum — freier Eintritt
ruhr3.com/ref

„Wen Gott lieb hat, den lässt er fallen in dieses Land“ – die Aufschrift auf der Holztafel zu Beginn des Films ist Programm: Berchtesgaden zeigt sich von seiner schönsten Seite. Imposant erhebt sich der Watzmann vor dem Café Waldluft, einem Hotel mit Tradition. Nur sind heute kaum noch Touristen zu Gast, sondern Asylbewerber aus Syrien, Afghanistan und Sierra Leone. Um die jungen Männer kümmert sich „Mama“ Flora, eine gestandene Wirtin, pragmatisch wie gottergeben. Einheimische, Touristen und Flüchtlinge kommen gleichermaßen zu Wort. Heimat und Fremde, Freude und Verzweiflung liegen in Matthias Koßmehls preisgekröntem Film eng nebeneinander. Café Waldluft zeigt mit ungeschöntem Blick, wie Integration funktionieren kann.


Musik  –  Carré
Karlheinz Stockhausen
Mit: Bochumer Symphoniker, ChorWerk Ruhr
18. | 19.8.: 20.00 Uhr, Jahrhunderthalle Bochum — 35 €, erm. 17,50 €
ruhr3.com/car

In Carré des deutschen Avantgarde-Komponisten Karlheinz Stockhausen setzen vier Orchester und vier Chöre dem Zuhörer von verschiedenen Seiten zu. Aufgrund der ungewöhnlichen Aufstellung im Raum sind die gewaltigen Klangwanderungen von Carré nur selten live zu erleben. In einer langen Konzertnacht mit Stockhausens Raummusik führen das ChorWerk Ruhr und die Bochumer Symphoniker das monumentale Meisterwerk unter der Leitung von vier Dirigenten auf. In der Bochumer Jahrhunderthalle können Stockhausens raumgreifende musikalische Rituale perfekt zur Geltung kommen.


Forum & Dialog
Maschinenmensch und Menschmaschine – Das Ende einer Beziehung?
Mit: Joep van Lieshout, Moritz Simon Geist (Sonic Robots), Stephan Balzer, Thomas Wagner, Falk Garbsch
20.8.: 16.00 Uhr, Refektorium, Vorplatz der Jahrhunderthalle Bochum — freier Eintritt
ruhr3.com/ref

Das erste Symposium mit der RWE-Stiftung für Energie & Gesellschaft lädt alle Interessierten am 20.8. zur Diskussion in das Refektorium. Die Geschichte der Industrie ist auch eine Geschichte zwischen Mensch und Maschine. Seit der Aufklärung denken wir verstärkt darüber nach, ob der menschliche Geist nicht auch wie eine Maschine funktioniert und dementsprechend nachgebaut werden könnte. Damals kamen mit diesen Gedanken Ängste auf: Werden wir irgendwann nicht mehr unterscheiden können, was Mensch und was Maschine ist? Oder etwas näher an der Realität des Arbeiters: Wird der Mensch irgendwann zwangsläufig durch Maschinen ersetzt werden? Trotzdem gleicht das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine bis heute vor allem einer Liebesgeschichte: Etwa wenn die Hand des Mechanikers liebevoll über einen Motorblock streichelt. Oder wenn ehemalige Arbeiter mit Hingabe öffentliche Führungen durch die alten Industrieanlagen leiten, sich um „ihre“ Maschinen kümmern und sich um deren Fortbestand sorgen. Aber woher kommt dieser „Sexappeal“ der Maschinen?
Und was passiert, wenn die Digitalisierung uns schließlich ganz und gar von den Maschinen abgenabelt haben wird? Werden künstliche Intelligenzen bald besser denken können als der menschliche Geist? Können Touch-Screens und Mousepads das leisten, was die ölverschmierten Stahlgelenke an erotischer Anziehung einst boten?


Forum & Dialog  –  Johans High Noon I
Mit: Johan Simons, Björn Bicker und Joep van Lieshout.
21.8.: 12.00 Uhr, Refektorium, Vorplatz der Jahrhunderthalle Bochum — freier Eintritt
ruhr3.com/joh

Wenn die Sonne über Bochum am höchsten steht, lädt der Ruhrtriennale-Intendant am 21.8. um 12 Uhr zu Johans High Noon. An fünf Sonntagen empfängt Johan Simons KünstlerInnen der Ruhrtriennale zum Gespräch. Seine Gäste beim ersten High Noon am 21.8. sind Björn Bicker und Joep van Lieshout.

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Pressemeldung Ruhrtriennale

Stuttgart, Staatsoper Stuttgart, Viktor Schoner löst Jossi Wieler ab, IOCO Aktuell, 18.02.2016

Februar 18, 2016 by  
Filed under IOCO Aktuell, Staatsoper Stuttgart

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Oper Stuttgart

Stuttgart Opernhaus © A.T. Schaefer

Stuttgart Opernhaus © A.T. Schaefer

 Schoner folgt Wieler – Musiker folgt Regisseur

„Grau, teurer Freund, ist alle Theorie und…“:   Wo ist Stuttgart?

Jossi Wieler (64) fühlte sich als Intendant der Staatsoper Stuttgart nie wirklich wohl. Sein Herz schlägt für die Regie, die Bühne. Der Schweizer Wieler hat in Tel Aviv Regie studiert, war Regisseur in Düsseldorf, Heidelberg, Basel, Zürich, Wien und Stuttgart erfolgreich bevor er für 2011 – 2018 zum Intendant der Oper Stuttgart bestellt wurde. Spätestens seit 2015 wird öffentlich über diverse Wieler Nachfolger diskutiert. Auf Wielers Nachfolger warten ab 2018 komplexere, lebensnahe Jahre. Die Oper Stuttgart wird ab 2020 saniert. Ersatzspielstätten, Logistik und operative Kompentenz werden dann über Jahre das künstlerische Geschehen der Oper Stuttgart mitbestimmen. Alltag, Logistik und weniger eigene Regiearbeit? Wenig reizvoll für Regisseur Wieler, der der „grauen Theorie“ der Bühne verschrieben scheint, nicht aber realem Leben, „des Lebens grünem, goldnem Baum“. Anders der 2010 an die bedeutende aber seit Jahren sanierte Staatsoper Berlin berufene Kult-Intendant Jürgen Flimm. Flimm managed die Staatsoper aus der kleinen Ersatzspielstätte Schillertheater. Erfolgreich und motiviert wirkend! Sein Kollege Josef E. Köpplinger brilliert am dauersanierten Gärtnerplatztheater, flexibel wie mit großer Regiearbeit.

Nun hat Verwaltungsrat der Württembergischen Staatstheater auf Vorschlag einer Findungskommission Viktor Schoner, geboren 1974 in Aschaffenburg, die Bratsche ist Lieblingsinstrument, einstimmig ab Spielzeit 2018/19 zum neuen Intendanten der Staatsoper Stuttgart gewählt.  Kann Schoner Bühne und Leben?

Stuttgart / Viktor Schoner © W. Hoesl

Stuttgart / Viktor Schoner © W. Hoesl

Kunstministerin Theresia Bauer: „Mit Viktor Schoner wird in Stuttgart eine Intendantentradition seine Fortsetzung finden, die Oper auf der Basis exzellenter Ensembles und Solisten immer auch als zeitgenössische Kunstform verstanden hat.“
Oberbürgermeister Fritz Kuhn:Viktor Schoner überzeugte mit einem klaren künstlerischen Konzept, das auf internationalem musikalischen Niveau, aktuellen Regiehandschriften sowie einem vielfältigen Repertoire beruht.“    Theresia Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst: „Viktor Schoner ist in der Opernwelt international hervorragend vernetzt und brennt dafür, die Oper in Stuttgart auf höchstem künstlerischen Niveau fortzuführen. Dass er gleichzeitig die Kunstform Oper verstärkt in die Stadtgesellschaft tragen will und die Interimsspielzeiten während der Sanierung des Opernhauses auch als Chance begreift, hat überzeugt. Mit ihm wird in Stuttgart eine Intendantentradition seine Fortsetzung finden, die Oper auf der Basis exzellenter Ensembles und Solisten immer auch als zeitgenössische Kunstform verstanden hat.“

Oberbürgermeister Fritz Kuhn:Viktor Schoner überzeugte mit einem klaren künstlerischen Konzept, das auf internationalem musikalischen Niveau, aktuellen Regiehandschriften sowie einem vielfältigen Repertoire beruht. Wichtig ist ihm auch die Suche nach neuen Wegen, um diejenigen zu erreichen, denen der Zugang zur Oper bislang verschlossen blieb. Die Interimszeit während der Sanierungsphase versteht er als Chance, an einem neuen Spielort ein neues Publikum für die Kunstform Oper zu begeistern.“

Viktor Schoner: „Die einzigartige Stärke von Stuttgart ist die gewachsene Balance aus konsequent dramaturgisch innovativen Inszenierungen, herausragender musikalischer Qualität ohne Star-Allüre und einem neugierigen, kenntnisreichen Publikum, das zu seinem Ensemble- und Repertoirehaus steht. Intern gibt es einen Ensemblegedanken, der die künstlerischen Kollektive, die verschiedenen Gewerke, die Werkstätten ganz selbstverständlich einschließt und der eine unschlagbare Kraft darstellt, wenn alle am gleichen Strang ziehen. Das gibt es in dieser Form kein zweites Mal in Europa und damit auf der Welt. Diese Balance zu erhalten ist mein allererstes Ziel.“

Viktor Schoner war ein langjähriger enger Mitarbeiter von Gerard Mortier, dem vielleicht prägendsten Opernintendanten der letzten 30 Jahre. Er war sein persönlicher Referent bei den Salzburger Festspielen, baute mit Mortier die Ruhrtriennale auf und begleitete ihn in der Funktion als Leiter des künstlerischen Betriebsbüros an der Opéra National de Paris Bastille et Garnier. Zur Zeit wirkt Viktor Schoner an der Bayerischen Staatsoper München in der Funktion als Künstlerischer Betriebsdirektor sowie als Stellvertreter des Staatsintendanten. Durch seine beruflichen Erfahrungen ist er hervorragend in der internationalen Opernwelt vernetzt, sei es mit Solisten, Regisseuren oder Dirigenten.

In der Vergangenheit arbeitete Viktor Schoner als Chefdramaturg oder Produzent u.a. mit Robert Wilson, Alain Platel, Emir Kusturica, Christoph Marthaler, Patrice Chéreau, Johan Simon, Valery Gergiev, Kent Nagano und Theodor Currentzis zusammen.

Hintergrund:
Die Suche nach einem neuen Opernintendanten war notwendig geworden, nachdem der bisherige Intendant Jossi Wieler am 1. Oktober 2015 mitteilte, seinen bestehenden Vertrag aus privaten Gründen nicht über 2017/2018 hinaus verlängern zu wollen. Eine rasche Entscheidung über seine Nachfolge war deshalb im Verwaltungsrat der Württembergischen Staatstheater am 16. November 2015 beschlossen worden, da die die Vorbereitungszeit für eine neue Intendanz und Spielzeit mit zwei Jahren äußerst knapp bemessen ist.

Die Württembergischen Staatstheater werden gleichberechtigt von vier Intendanten geleitet. Der Vertrag des geschäftsführenden Intendanten Marc-Oliver Hendriks würde kürzlich bis 2022 verlängert, Armin Petras leitet das Schauspiel bis Sommer 2021 und Tamas Detrich tritt in der Spielzeit 2018/19 die Nachfolge des Ballettintendanten Reid Anderson an.

Die Findungskommission bestand aus:
• Ministerin Theresia Bauer MdL
• Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart Fritz Kuhn
• Helen Heberer MdL, SPD
• Sabine Kurtz MdL, CDU
• Iris Ripsam, Stadträtin CDU
• Andreas G. Winter, Stadtrat Bündnis 90/ Die Grünen
Die Findungskommission wurde fachlich beraten von Bernd Loebe, Intendant der Oper Frankfurt seit 2002. Bernd Loebe ist Vorsitzender der Deutschen Opernkonferenz (2010), Mitglied des Kuratoriums der Kulturstiftung der Deutschen Bank und Juror in internationalen Gesangswettbewerben.

Kurzbiografie VIKTOR SCHONER

Viktor Schoner, 1975,  war nach seinem Musikstudium viele Jahre enger Mitarbeiter von Gerard Mortier, dem vielleicht prägendsten Opernintendanten der letzten 30 Jahre. Viktor Schoner war sein Persönlicher Referent bei den Salzburger Festspielen, baute mit Mortier die Ruhrtriennale auf und war von 2004-2008 Leiter des Künstlerischen Betriebsbüros an der Opéra National de Paris Bastille et Garnier.

Seit 2008 ist Viktor Schoner an der Bayerischen Staatsoper München in der Funktion als Künstlerischer Betriebsdirektor sowie als Stellvertreter des Staatsintendanten tätig. Durch seine beruflichen Erfahrungen ist er hervorragend in der internationalen Opernwelt, seien es Sänger, Regisseure oder Dirigenten, vernetzt.

Viktor Schoner arbeitete u.a. mit Robert Wilson, Alain Platel, Emir Kusturica, Christoph Marthaler, Peter Sellars, Patrice Chéreau, Johan Simons, Krysztof Warlikowski, Valery Gergiev, Kent Nagano, Kirill Petrenko und Teodor Currentzis zusammen. PM-BWMfWFK