Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck, IOCO Kritik, 15.02.2018

Februar 16, 2018 by  
Filed under Deutsche Oper am Rhein, Hervorheben, Kritiken, Oper

logo_dor2.jpg

Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck

Ein deutsches Volksmärchen – Lebendig und unverformt

Von Susanne Resperger

An der Düsseldorfer Oper wurde im Januar 2018, leider, zum letzten Mal in dieser Saison, Hänsel und Gretel gespielt. Eine alte, zauberhafte und liebenswerte, aber auch kindgerechte Umsetzung dieser Oper. Und ein Blick ins Publikum zeigt viele Altersgruppen gemeinsam dieses Werk genießen: Eltern mit ihren Kindern, Großeltern mit ihren Enkeln.
Und hier zeigt sich das Verbindende der Oper. Neben mir saß ein gerade mal 3-jähriges Kind mit seiner Mutter, aufmerksam und gespannt und voller Freude. Das kleine Mädchen war nicht zum ersten Mal in der Vorstellung und freute sich auf diesen Abend. Überhaupt herrschte eine wunderbare Stimmung.

Wie oft sehe und lese ich Berichte von aktuellen Inszenierungen, welche zwar den Untertitel „Märchenspiel in drei Bildern“ trägt, aber in zeitgenössischer Kleidung und heutigem Ambiente spielt, dem märchenhaften nicht wirklich entsprechen .

Viele Menschen fragen, warum „moderne“ Regisseure sich oft scheuen, Hänsel und Gretel, dies wunderbare Märchenspiel mit den phantastischen Elementen, den Träumen, Zaubereien, Fabeltieren und Geistern  klassisch neu auszuformen; es zu gestalten, als das, was es sind: im unserem Kulturkreis über viele Jahrhunderte entstandene Fabel über Nöte, Träume, Unterbewußtem von großen und kleinen Wesen mitten aus dem Volk. Doch Hänsel und Gretel an der Rheinoper atmet Träume, Wünsche, Unterbewusstes.

Seit 1969 steht Andreas Meyer-Hannos Hänsel und Gretel -Inszenierung auf dem Spielplan der Deutschen Oper am Rhein. Und es ist lobenswert, wenn man die Nostalgie, welche in dieser Inszenierung liegt, auch ungeteilt an sich heran lässt. Nostalgie, etwas schal der Klang, hilft nur zu oft, seelische Ungleichgewichte wieder  aufzurichten. Die Hänsel und Gretel Produktion der Rheinoper ergreift so Groß und Klein.

Deutsche Oper am Rhein / Hänsel und Gretel © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Hänsel und Gretel © Hans Joerg Michel

Die Düsseldorfer Oper schreibt dazu: „Spielleiterin Esther Mertel hatte Hänsel und Gretel in der Spielzeit 2015/16 mithilfe der Bühnenbildskizzen, Kostümfigurinen und Fotos der Premiere liebevoll rekonstruiert und neu einstudiert. Auch die Möglichkeiten der Beleuchtung haben sich in den letzten vierzig Jahren verändert. Volker Weinhart hat basierend auf alten Aufzeichnungen mit neuen Mitteln ein märchenhaftes Lichtkonzept entwickelt, damit die von Jung und Alt geliebte Produktion in neuem Glanze erstrahlen lassen.“ Schön wenn sich ein Opernhaus die Mühe macht, auch alte Inszenierungen zu behalten. Die Mischung aus alten und neuen Produktionen in einem Repertoire macht für mich die Stärke eines Opernhauses aus.

Neuartig für mich der Beginn der Oper: man sieht während der Ouvertüre die ganze Familie beisammen, danach geht Peter fort um Geld zu verdienen. Ein kleiner, aber sehr feiner Auftakt. Die Besetzung der Rollen ist großartig Katarzyna Kuncio ist ein wunderbarer schlaksiger Hänsel mit angenehmer Mezzostimme. Die Gretel von Inga-Britt Andersson liebenswert und spielfreudig mit schönem Sopran. Renee Morloc gefällt als Mutter Gertud und ist ihrem Peter eine gute Partnerin.

Als Peter Besenbinder hat sich die Rheinoper an diesem Abend einen besonderen Künstler geholt: Franz Grundheber, Star der Opernhäuser, seit Jahrzehnten auf den großen Bühnen der Welt zu Hause. Franz Grundheber hatte die vorangehende Woche in Düsseldorf eine jungen Sänger/innen Meisterklasse gegeben und freute sich, an der Düsseldorfer Oper seinen Schülern auf der Bühne zu zeigen, was er eine Woche lang gelehrt und erklärt hatte.

Deutsche Oper am Rhein / Hänsel und Gretel - und das so verträumte Hexenhaus © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Hänsel und Gretel – und das so verträumte Hexenhaus © Hans Joerg Michel

Sein Peter Besenbinder ist in Gestik, Blick und Betonung des Textes ausgefeilt. Für ihn ein ganz besonderer Teil des Operngesanges, da man seiner Meinung nach mit den Worten und der Musik das vermitteln kann was Komponist und Textdichter aussagen wollten.

Meine Sitznachbarin meinte, dieser Sänger habe sie kalt erwischt. Sie wusste nicht wer auf der Bühne stehen würde, aber so einen Peter habe sie noch nie erlebt. So authentisch habe sie diese Rolle noch nie gesehen. Dass muss man eigentlich nicht mehr ergänzen. Dass er auch noch über eine wunderbare farbenreiche Stimme verfügt, welche in der Höhe leuchtet, macht die zusätzliche Faszination der Persönlichkeit dieses Künstlers aus. Sein Alter ist zu keiner Zeit der Vorstellung von Bedeutung.

Hier zeigt sich auch die Besonderheit eines generationsübergreifenden Ensembles. Es sei der Direktion der Rheinoper große Hochachtung gezollt, eine solches Wagnis einzugehen. Doch das Ergebnis gibt dem Haus recht. Interessiert man sich für Sänger und deren Qualitäten, kann man auch einen 80-jährigen Künstler auf die Bühne stellen und es wird ein voller Erfolg.

Deutsche Oper am Rhein / Hänsel und Gretel - hier mittig Franz Grundheber als Besenbinder © Zoebisch

Deutsche Oper am Rhein / Hänsel und Gretel – hier mittig Franz Grundheber als Besenbinder © Zoebisch

Eine tadellose Leistung auch von Johannes Preißinger, welcher sehr passend eine wirklich böse Hexe spielte. Ein Gegensatz zu dem liebens- und hörenswerten Sand- und Taumännchen von Aisha Tümmler.

Axel Kober führt die Düsseldorfer Symphoniker in teilweise schwelgerischem Wagnerklang, am Beginn waren lediglich kleinere Tempoabweichungen zu bemerken, welche die Routine aller Beteiligten aber rasch wieder ausgleichen konnte. Ein wunderbarer Abend mit viel Applaus, welcher vor allem dem Senior des Abends, natürlich aber auch allen Beteiligten gleichermaßen galt. Wer Franz Grundheber kennt, weiß dass er sich nie lange feiern lässt, sondern gleich wieder neben seinen Kollegen steht um den Applaus mit ihnen zu teilen.

 —| IOCO Kritik Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Hänsel und Gretel – Phantasievoll – Poetisch, IOCO Kritik, 29.12.2017

Dezember 30, 2017 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Nationaltheater Mannheim, Oper

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck

Phantasie und Poesie in NTM – Weihnachtsklassiker

Von Uschi Reifenberg

In der Weihnachtszeit und der Zeit zwischen den Jahren, wenn Märchenhaftes, Magisches und Mystisches einen größeren Raum einnehmen, darf an den Opernhäusern landauf- und landab Engelbert Humperdincks Märchenoper Hänsel und Gretel nicht fehlen. So auch am Nationaltheater Mannheim, wo sich die Inszenierung nach Wolfgang Blum aus dem Jahr 1970 auch nach über 300 Aufführungen ungebrochener Beliebtheit bei kleinen und großen Zuhörern erfreut. Auch in Zeiten von Computerspielen und iPod dürfte den meisten Kindern die Geschichte von Hänsel und Gretel geläufig sein. Das Märchen, basierend auf den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, erzählt vom mutigen Geschwisterpaar aus armen Verhältnissen, das aus Hunger und Not in den Wald flieht, die böse Hexe besiegt und die verzauberten Lebkuchenkinder vom Fluch der Hexe erlöst.

Nationaltheater Mannheim / Hänsel und Gretel - hier ausgelassen tanzend © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim / Hänsel und Gretel – hier ausgelassen tanzend © Hans Jörg Michel

Humperdincksopus magnum“, nach der textlichen Vorlage seiner Schwester Adelheid Wette, zählt sicher zu den bedeutendsten Werken des Musiktheaters. Seine musikalischen Mittel folgen den Prinzipien des durchkomponierten Musikdramas Richard Wagners und verweisen mit Leitmotivik, Textbehandlung und großer Orchesterbesetzung auf das Vorbild des Bayreuther Meisters. Humperdinck, der als Wagners Assistent in Bayreuth mitwirkte, sprach über seine Oper in Anlehnung an den Parsifal auch scherzhaft vom „ Kinderstuben- Weihfestspiel“.

Kompositorisch fand er in seinem Hauptwerk zu seinem eigenen Stil, der unter anderem in der Hinzunahme von Volksliedhaftem und einfachen melodischen Themen zum Ausdruck kommt. Die überaus beliebte Mannheimer Inszenierung verzichtet ganz auf vordergründige Aktualisierung oder intellektuelle Überformung und führt die Zuschauer mit den phantasievoll- poetischen Bühnenbildern von Herbert Stahl in eine ärmliche Wohnstube, einen magischen Zauberwald und zeigt im 3. Bild in einen veritablen Riesen- Backofen mit verführerischem Lebkuchenhaus.

Nationaltheater Mannheim / Hänsel und Gretel - hier der unendlich romantische Abendsegen © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim / Hänsel und Gretel – hier der unendlich romantische Abendsegen © Hans Jörg Michel

In der ausgefeilten Personenführung von Claudia Plaßwich agieren die Sängerdarsteller punktgenau und mit überbordender Spielfreude. Zu einem besonderen Höhepunkt gerät der Hexenritt auf dem Besen der prächtig kostümierten Rosina Leckermaul, der vor allem von den jüngeren Zuschauern mit lautstarkem Szenenapplaus belohnt wird.

Musiziert wird am Mannheimer Nationaltheater auf hohem Niveau. Thomas Berau als Vater überzeugt in seiner Auftrittsarie mit seinem heldischen Bariton und charakterisiert liebevoll den trinkfreudigen, aber dennoch verantwortungsbewussten Familienvater. Heike Wessels wartet mit hochdramatischen Spitzentönen auf und verleiht der Mutter sowohl gramvoll- leidende Züge als auch ausgelassene Unbeschwertheit im Duett mit ihrem Ehemann. Dass die Textverständlichkeit ein wenig leidet, mag man verzeihen.

Nationaltheater Mannheim / Hänsel und Gretel - hier die erlösten Kinder © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim / Hänsel und Gretel – hier die erlösten Kinder © Hans Jörg Michel

Maria Markina ist als Hänsel eine Idealbesetzung. Ihr Mezzo klingt warm und voll und ist zu beeindruckenden dramatischen Aufschwüngen fähig. Ebenso keine Wünsche offen lässt Astrid Kessler als Gretel, die ihren wunderschönen lyrischen Sopran in allen Lagen leuchten lässt und im Abendsegen mit hauchzartem piano verzaubert. Auch gestalterisch besticht sie durch Charme und Mädchenhaftigkeit. Iris Marie Sojer, aus dem internationalen Opernstudio, gastierte als Sandmännchen der Extraklasse. Ji Yoon als Taumännchen fügte sich ebenfalls glänzend ins Ensemble ein. Als Hexe zieht Uwe Eikötter wie gewohnt alle stimmlichen und darstellerischen Register und erntet zu Recht am Schluss begeisterten Beifall.

Am Pult führt Wolfgang Wengenroth das ausdrucksstark aufspielende Nationaltheater Orchester zu Bestform. Straffe Tempi im 1. Akt sorgen für volksliedhaft- unbeschwerte Leichtigkeit, was den fortlaufenden Fluss der Dialoge unterstützt. Im 2. Bild findet Wengenroth dann genügend Raum für die stillen, poetischen Momente und lässt die Holzbläser in den schönsten Klangfarben schimmern. Lediglich in der Traumpantomime hätte man sich vom Wagner- erfahrenen Orchester mehr Spannungsaufbau und Opulenz gewünscht.  Gewohnt zuverlässig sang und agierte der Kinderchor.

Das Publikum im restlos ausverkauften Opernhaus entließ alle Mitwirkenden erst nach langem Applaus

Hänsel und Gretel im Nationaltheater Mannheim:  Weitere Vorstellungen am 6.1.2108; 19.1.2018; 28.1.2018 (zum letzten Mal in dieser Spielzeit)

—| IOCO Kritik Nationaltheater Mannheim |—

Wuppertal, Oper Wuppertal, Hänsel und Gretel – Ein fröhlich, streitiger Familienalltag, IOCO Kritik, 26.12.2017

Dezember 27, 2017 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Wuppertaler Bühnen

logo_wuppertal_2

Wuppertaler Bühnen

Opernhaus Wuppertal © Andreas Fischer

Opernhaus Wuppertal © Andreas Fischer

Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck

 „Ein Familientag – In allen Facetten“

Von Viktor Jarosch

Deutschlands heimliche Nationaloper Hänsel und Gretel steht um die Weihnachtszeit auf den Spielplänen vieler Theater. Komponist Engelbert Humperdinck (1854 – 1921), ein großer seiner Zunft, hatte 1879 in Italien Richard Wagner kennengelernt und bis zu dessen Tod in 1883 künstlerisch begleitet. 1882 wirkte Humperdinck an der Uraufführung des Parsifal mit. Nach Richard Wagners Tod bat Cosima Wagner Humperdinck, ihren Sohn Siegfried in Kompositionslehre zu unterweisen und auf die Leitung der Bayreuther Festspiele vorzubereiten. So vermittelt die spätromantische Märchenoper Hänsel und Gretel nicht nur menschliche Grundwerte, Geborgenheit und Harmonie. Die Nähe der  Komposition zum Genius Richard Wagner ist zusätzlicher Ansporn für Regisseure.

Dabei entsprang Oper Hänsel und Gretel geradezu einer Laune des „Kompositionsgottes“. Adelheid Wette, Schwester Engelbert Humperdincks, wollte aus der Grimmschen Märchenvorlage zu Hänsel und Gretel menschlich liebenswertes Haustheater schaffen: Gemeinsam mit Schwager Hermann Wette verminderte sie Grausamkeiten der Grimmschen Märchen mit eigenen, herzenden Versen, welche beherztes Handeln auch belohnen, fügt Sand- und Taumännchen hinzu und überzeugte ihren Bruder, dies zu vertonen. Ein „Kinderstubenweihfestspiel“ nannte Humperdinck Hänsel und Gretel, seine Bayreuther Zeit karikierend. 1893 unter Richard Strauss in Weimar uraufgeführt zählt Hänsel und Gretel heute im deutschen Sprachraum wie weltweit zu den meist aufgeführten Opern. Hohe Ansprüche, Erwartungen wie Risiken begleiten so jede Neuinszenierung von Hänsel und Gretel. Die neue Produktion in Wuppertal löst ein dort seit 2006 gespieltes romantisches Märchen für Groß und Klein ab, in dem Frohsinn und Lebensfreude über alltägliche Nöte siegten

Oper Wuppertal / Hänsel und Gretel - hier Gretel frölich zu Hause © Bettina Stöß

Oper Wuppertal / Hänsel und Gretel – hier Gretel frölich zu Hause © Bettina Stöß

Der französisch-italienische Regisseur Denis Krief sucht in seiner Hänsel und Gretel nicht märchenhafte Romantik-Seligkeit. Kriefs Interpretation ist denn dem Irdischen, dem Realen, der Familie als Ganzem, dem Unterbewussten nahe. Schon das erste Bühnenbild ist vielschichtig: Im Vordergrund der Bühne das riesig karge Zimmer der Besenbinders (Foto) durch dessen hintere Bretterwände Reales, Rohre und andere Gegenstände, der Alltag, das Leben erkennbar sind. Die im unbeschwerten Tollen von Hänsel und Gretel (Gretel: Ich liebe Tanz und Fröhlichkeit.., ich bin kein Freund von Traurigkeit..“) sichtbare Leichtigkeit verdrängen die Eltern zum Ende des ersten Bildes, wenn sie, die Knusperhexe „mit kreisender Flasche“ verspottend, auch andere Nöte als ihre Armut andeuten.

Oper Wuppertal / Hänsel und Gretel - hier Peter Besenbinder, die Flasche und Projektionen der Träume © Bettina Stöß

Oper Wuppertal / Hänsel und Gretel – hier Peter Besenbinder, die Flasche und Projektionen der Träume © Bettina Stöß

So besteht denn der Wald der Inszenierung „in den sich die Kinder verirrten, ohne Stern und Mond“, so die Sorge des Vaters, aus einer Vielzahl rechteckiger, mit Stoff bespannten Gerüste, in deren Hintergrund beständig schwarze-weiße Schattenrisse und Projektionen reitender Hexen jagen. Krief begleitet so die Handlung auf der Bühne mit dem Unbewussten, dem Unterbewusstsein. Auffällig so der „Abendsegen“ des Märchens: Nicht „Vierzehn Engel“, begleiten Hänsel und Gretel in den Schlaf. Kein zu Herzen gehendes Ballett tanzender Engel sondern, von der Hexe entführte?, Kinder in Alltagskleidung spielen zum Schlaf von Hänsel und Gretel auf der Bühne; geben reale Kinderträume wieder (Choreographie Amy Share-Kissiov). Das folgende Hexenhaus ist nur eine spartanische vom Bühnenhimmel herabgelassene Holzwand, ohne bunten Lebkuchen oder Leckereien. Alle Illusion oder Romantik wird in der Inszenierung reduziert; Unterbewußtes, Reales, nicht Märchenwelten drängen durch die Handlung.

Denis Krief interpretiert die Handlung Hänsel und Gretel in Wuppertal denn weniger als romantischen Kindertraum sondern als vielschichtige, aber gut endende Lebensepisode einer ganzen Familie. Gutes Ende andeutend schließt Peter Besenbinder denn die Oper auch erneut vieldeutig: Eine Schnapsflasche auf den Tisch wegstellend.

Oper Wuppertal / Hänsel und Gretel - hier schlafend nach dem Abendsegen im Wald © Bettina Stöß

Oper Wuppertal / Hänsel und Gretel – hier schlafend nach dem Abendsegen im Wald © Bettina Stöß

Die ungewöhnliche Inszenierung fordert das Ensemble gleichsam auf, die Wuppertaler Besucher auch darstellerisch einzufangen in einer Märchen- und Projektionswelt, welche sich von gewohnten Inszenierungen erheblich unterscheidet. Doch dies gelingt durch eine liebevolle, nicht provokative Choreopraphie wie auch stimmlich: Catriona Morison ist Hänsel mit frischem gut verständlichem Mezzo; Ralitsa Ralinova als Gretel mit warmen Sopran eine wunderbare spielfreudige Partnerin. Alexander Marco-Buhrmester als Peter Besenbinder mit kraftvollem Bariton und Belinda Williams als sein Weib Gertrud mit sicherem dramatischem Mezzo sind die zerrissen, glücklichen Eltern.

Oper Wuppertal / Hänsel und Gretel - das grossartige Ensemble © IOCO

Oper Wuppertal / Hänsel und Gretel – das grossartige Ensemble © IOCO

Julia Jones gibt mit Hänsel und Gretel eine starke erste Visitenkarte als Operndirigentin in Wuppertal ab. Jones´ und das Sinfonieorchester Wuppertal lassen mit warmen impressionistischen Klängen beständig Humperdincks Nähe zum „romantischen“ Richard Wagners spüren. Das „Knusperhaus der Polyphonie“, seine Kontraste glühen zwischen einfachen Liedmotiven und kompliziertem Wagner-Stil, die Stimmen des Waldes irrlichtern „mit ungeheurem Reichtum am Modulation“ (so Cosima Wagner zu Humperdincks Werk) durch das Wuppertaler Opernhaus und ergreifen. Dirigat und Orchester dieser Produktion verzauberten und befruchten so die komplexe Inszenierung auf der Bühne.

Mit Julia Jones und dem Sinfonieorchester Wuppertal wird diese Hänsel und Gretel in Wuppertal zu einem empfehlenswerten Erlebnis. Das Publikum der ausverkauften Oper Wuppertal freute sich über eine denkwürdige Inszenierung, dessen ungewohnte Interpretationen zum anregenden Diskussionsstoff für viele Opernfreunde werded.

Bremen, Theater Bremen, Festtagsprogramm Weihnachten 2017, Dezember 2017

Dezember 21, 2017 by  
Filed under Pressemeldung, Spielpläne, Theater Bremen

logo_theater_bremen

Theater Bremen

Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg

Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg

 Festtagsprogramm am Theater Bremen

1. Weihnachtstag – Rusalka – Der Messias
2. Weihnachtstag Tom Sawyer, Hänsel und Gretel , Väter und Söhne

Auch in diesem Jahr hat das Theater Bremen für die Weihnachtsfesttage ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Insgesamt sind während der Feiertage fünf Produktionen zu sehen.


Rusalka
In seinem Musikdrama Rusalka, dessen Motive er dem reichen Fundus der Nixen-Literatur entnahm, widmet sich Antonin Dvorák unerfüllten Sehnsüchten und dem unbedingten Versuch, ein anderer zu sein – und sei es um den Preis der Selbstaufgabe. Die Regisseurin Anna-Sophie Mahler nähert sich mit ihrem psychologischen Ansatz dem Schicksal Rusalkas, das Dvorák in märchenhafte Gegensätze übersetzte. Rusalka ist am 1. Weihnachtstag, den 25. Dezember,  um 18 Uhr im Theater am Goetheplatz zu sehen.


Der Messias
Ein Schauspieler als Regisseur, dazu ein weiterer Schauspielerkollege und als Skript die komplette Weihnachtsgeschichte inklusive der Jungfrau Maria, dem Erzengel Gabriel, den Heiligen Drei Königen und dem kleinen Jesuskind! Die Weihnachts-Farce „Der Messias“ mit den Ensemblemitgliedern Guido Gallmann und Martin Baum zählt bereits seit acht Jahren zu den Fixpunkten des Weihnachtsprogramms am Theater Bremen und wird am 1. Weihnachtstag um 18.30 Uhr im Kleinen Haus gespielt.


Tom Sawyer
Regisseur Klaus Schumacher inszenierte mit Tom Sawyer das diesjährige Familienstück am Theater Bremen. Mit einem großen Ensemble erzählt Schumacher „Die Muff Potter-Version der Geschichte“; so der Untertitel des Stückes, das John von Düffel im Auftrag des Theater Bremen nach dem Roman von Mark Twain geschrieben hat und das die Geschichte aus der Perspektive des Sargtischlers Muff Potter erzählt. Jedes Jahr aufs Neue feiert Muff Potter den Tag, an dem Tom Sawyer und Huckleberry Finn ihm das Leben gerettet haben, indem er ihre gemeinsame Geschichte erzählt – die Geschichte von zwei Lausejungen und ihrem Mut zur Wahrheit. Am 2. Weihnachtstag, den 26. Dezember, wird „Tom Sawyer“ um 10 Uhr im Theater am Goetheplatz gespielt.


Hänsel und Gretel
Mit Hänsel und Gretel gelang es Engelbert Humperdinck, eine zeitlose Märchenoper zu schaffen. Die Oper handelt von Verzicht und Verführung, vom Fressen und Gefressen werden, aber auch vom Zusammenhalt eines Geschwisterpaares und dem ewigen Traum von einer Welt, in der Freiheit und Genuss ohne Maß und Reue zumindest für eine Weile uneingeschränkt möglich sind. Mit „Hänsel und Gretel“ hat Alexander Riemenschneider zum ersten Mal eine große Repertoireoper inszeniert. Am 2. Weihnachtstag, den 26. Dezember, wird die Märchenoper um 18 Uhr im Theater am Goetheplatz zu sehen sein.


Zum letzten Mal: „Väter und Söhne“   

Sie glauben an gar nichts, nennen sich selbst Nihilisten: Arkadij Kirsanow und Jewgenij Bazarow lassen einzig die Naturwissenschaft gelten. Während der eine jedoch die Konfrontation sucht, versucht der andere an die bestehende Ordnung anzuknüpfen. In Iwan Turgenjews Roman treffen Generationen und Weltanschauungen hart aufeinander. Klaus Schumacher, der in dieser Spielzeit für die Inszenierung von „Tom Sawyer“ zum wiederholten Male an das Theater Bremen zurückkehrte, widmete sich nach „Buddenbrooks“ einem weiteren großen Stoff der Weltliteratur. „Väter und Söhne“ wird am 26. Dezember um 18.30 Uhr zum letzten Mal im Kleinen Haus des Theater Bremen gespielt.

—| Pressemeldung Theater Bremen |—

Nächste Seite »