Duisburg, Deutsche Oper am Rhein, Götterdämmerung – Ring des Nibelungen, 17.11.2019

November 11, 2019 by  
Filed under Deutsche Oper am Rhein, Oper, Premieren, Pressemeldung

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Deutsche Oper am Rhein

Theater Duisburg © IOCO

Theater Duisburg © IOCO

Götterdämmerung –  Szenische Premiere in Duisburg

 Premiere 17. November 2019

Innerhalb von sechs Tagen den ganzen Ring erleben: Am Dienstag, 12. November 2019, beginnt mit Das Rheingold die erste zyklische Aufführung von Richard Wagners  Ring des Nibelungen im Theater Duisburg.

Endlich ist es soweit: Vom 12. bis 17. November 2019 ist der gesamte Ring des Nibelungen von Richard Wagner  erstmals szenisch im Theater Duisburg zu erleben. Er schließt am Sonntag, 17. November 2019, mit der szenischen Premiere der Götterdämmerung, dem letzten Teil des vierteiligen Zyklus. In opulenten Bildern entfalten Regisseur Dietrich W. Hilsdorf und sein Team den Nieder­gang einer göttlichen Herrscherdynastie vor dem Hintergrund der politischen, industriellen und sozia­len Entwick­lungen des 19. Jahrhunderts.


Götterdämmerung – Hilsdorf – Inszenierung – hier in Düsseldorf
Youtube Trailer der Deutschen Oper am Rhein
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In musikalischer Hinsicht geriet der vierteilige Ring bereits in der vergangenen Spielzeit zu einem umjubelten Triumph für das Sänger­ensemble und die Duisburger Philharmoniker unter Generalmusik­direktor Axel Kober: Infolge des großen Wasserschadens im Theater Duisburg diente die benachbarte Mercatorhalle im Mai 2019 als Ausweichquartier für vier konzertante Aufführungen.

Auf der Bühne des Duisburger Theaters stellen jetzt erneut zahlreiche Ensemblemitglieder der Deutschen Oper am Rhein und hochkarätige Gäste ihre Wagner-Kompetenz unter Beweis. Die Partien gestalten u. a. James Rutherford (Wotan), Linda Watson (Brünnhilde), Raymond Very (Loge), Michael Weinius (Siegmund), Sarah Ferede (Sieglinde und Waltraute), Corby Welch (Siegfried), Florian Simson und Cornel Frey (Mime), Stefan Heidemann (Alberich), Sami Luttinen (Hunding und Hagen), Bogdan Baciu (Gunther) und Sylvia Hamvasi (Gutrune). Orchestral begleitet werden sie von den Duisburger Philharmonikern unter der Leitung von Axel Kober.

Der Ring des Nibelungen  im Theater Duisburg:
Dienstag, 12. November, 19.30 Uhr: Das Rheingold
Mittwoch, 13. November, 18.00 Uhr: Die Walküre
Freitag, 15. November, 18.00 Uhr: Siegfried
Sonntag, 17. November, 17.00 Uhr: Götterdämmerung (Szenische Premiere)

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Landshut, Stadttheater Landshut, Niederbayerisches Landestheater gefährdet – Petition für Erhalt, IOCO Aktuell, 03.11.2019

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Landestheater Niederbayern

Stadttheater Landshut / Theaterzelt © Peter Litvai - Landestheater Niederbayern

Stadttheater Landshut / Theaterzelt © Peter Litvai – Landestheater Niederbayern

Kulturelle Vielfalt in Niederbayern in Gefahr

Online-Petition: Zum Erhalt des Landestheater Niederbayern

von  Sylvie Döring

Seit dem Oktober 2019 steht auf dem Spielplan des Stadttheater Landshut eine ganz besondere Tragödie: Nahezu fünf Jahren ist das Stadttheater Landshut wegen Sanierungsarbeiten geschlossen. Aufführungen finden seither in einem Notbehelf, einem großen Theaterzelt am Stadtrand von Landshut statt. Seit Beginn der Odyssee: 2014 müssen die kulturell notleidenden Bürger von Landshut in die Zeltnotlösung, Foto, „Theater erleben.“ Diese Ersatzspielstätte wurde mittlerweile ebenfalls zum Sanierungsfall; man kämpft dort mit großen Temperaturschwankungen, gegen Ungeziefer aus einer nicht funktionierenden Kanalisation, gegen Wetterunbillen und gegen störende Lärmbelästigung. Diese nur schwer erträgliche Unbill hatten die Bürger bisher weitgehend klaglos in Kauf genommen.

Stadttheater Landshut / HIER : das seit 2014 bestehende Provisorium © Konrad Krukowski / Landestheater Niederbayern

Stadttheater Landshut / HIER : das seit 2014 bestehende Provisorium © Konrad Krukowski / Landestheater Niederbayern

Nun hat der Stadtrat von Landshut die Mittel für die Sanierung des Theaters erneut blockiert:  Noch im Februar 2019 wurde zur Neugestaltung des Theaters Vorschläge eines Architekturwettbewerbs gefeiert; mit einer voraussichtlichen Fertigstellung schon 2024 wurden gerechnet: Tempi passati: Die Stadt Landshut erklärt nun, die Kosten für die Sanierung des Stadttheaters nicht mehr finanzieren zu können. Eine große Enttäuschung für die Bürger der Stadt Landshut wie die Mitarbeiter des Stadttheater Landshut.

Petition für den Erhalt des Theater Landshut und des Niederbayerischen Landestheater

Machen Sie mit – unterzeichnen auch Sie die Petition:  HIER !

Mit dieser Entscheidung der Stadt Landshut ist auch der Bestand des Landestheater Niederbayern als Ganzes gefährdet. Denn das Stadttheater Landshut ist mit dem Stadttheater Passau und Theater am Hagen, Straubing in einem kulturellen Städtebund als Landestheater Niederbayern verbunden: Nur gemeinsam, als Landestheater Niederbayern, schaffen sie es, der Bevölkerung der Region  vielseitiges, modernes und faszinierendes Theater, den Bürgern der Region kulturelle Vielfalt zu bieten. Das Verhalten des Stadtrats der Stadt Landshut gefährdet so die Bereitstellung eines modernen, vielfältigen Kulturangebots für die Bevölkerung der gesamten Region. Zudem sind die Arbeitsplätze der im Theater Landshut und im Niederbayerischen Landestheater tätigen Mitarbeiter  gefährdet.

IOCO stützt diese Petition – IOCO wird auch unterzeichnen

Kulturelle moderne Vielfalt ist grundsätzlich bedeutsam und prägend für Bild, Umgang und Erscheinung einer Bevölkerung, einer Stadt. Weite Teile der Bevölkerung identifizieren sich heute mit ihrem Theater Landshut. Viele Landshuter wollen jetzt kämpfen; sie erhalten Unterstützung sogar vom Bayerischen Kunstminister Bernd Sibler, der gegenüber dem BR und der PNP äußerte, wie wichtig das Theater Landshut für die Kultur und Bevölkerung dieser Region ist und dass es zum kulturellen Reichtum im Freistaat Bayernbeiträgt.

Die Akzeptanz in der Bevölkerung für das Landestheater Niederbayern ist immens: die  Auslastung beträgt über 70% in Landshut und 90% extrem hohe in Passau. Intendant Stefan Tilch  führte hierzu im Interview mit dem BR aus: „Wir haben wachsende Zuschauerzahlen, 5.000 mehr in der letzten Spielzeit. Wir haben entgegen jedem Trend auf Bundesebene wachsende Abonnenten-Zahlen, allein der Freundeskreis des Theaters ist auf über 1.000 gestiegen.“

So klein das Theater Landshut allein auch sein mag, es stemmt in Zusammenarbeit mit dem Landestheater Niederbayern immer wieder fast Unmögliches. Unter anderem umjubelte Produktionen von Tristan und Isolde, Der Rosenkavalier mit Juliane Banse als Marschallin, sowie aktuell Der Ring des Nibelungen lassen auch über die Grenzen von Niederbayern hinaus von sich hören.

Stadttheater Landshut / HIER : ein Entwurf für neue Theater Landshut © bächlemeid architekten

Stadttheater Landshut / HIER : ein Entwurf für neue Theater Landshut © bächlemeid architekten

Es ist nicht auszumalen, welch eine kulturpolitische Tragödie es wäre, wenn es das Landestheater Niederbayern oder das Theater Landshut nicht mehr gäbe. Man entzieht damit einer ganzen Region den Zugang zu Kultur, zu kultureller Bildung und Teilhabe am kulturellen Leben. Auch Kultur ist Infrastruktur und Infrastruktur ist immer auch Staats- und Stadtaufgabe.  Am 6. Dezember 2019 wird über den nächsten Haushalt und damit über ein Überleben dieser wunderbaren Theater entschieden. „Wenn dieser Stop beschlossen wird, gibt es dieses Theater nicht mehr!“, so Stefan Tilch im Interview mit BR2.

Damit das nicht geschieht, haben Verantwortliche des Landestheater Niederbayern und der Bevölkerung eine Online-Petition gestartet. Diese richtet sich an Landshuts Oberbürgermeister Alexander Putz mit der Forderung, die Sanierung des Stadtheater nicht weiter zu verschleppen, Mittel für die Sanierung bereit zu stellen, gegebene Versprechen und die Pflicht, die Bevölkerung mit kultureller Vielfalt zu versorgen einzuhalten.    Zeichnen auch Sie diese Petition:  HIER!

Noch gibt es Hoffnung. Bitte zeichnen Sie für den Erhalt des Landestheaters Niederbayern:  Hier!

—| IOCO Aktuell Landestheater Niederbayern |—

 

Coburg, Landestheater Coburg, Premiere DAS RHEINGOLD – Richard Wagner, 29.09.2019

September 27, 2019 by  
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Landestheater Coburg

Landestheater Coburg © Andrea Kremper

Landestheater Coburg © Andrea Kremper

DAS RHEINGOLD –  Der Ring des Nibelungen 

Von der Welten Anfang und Ende: Richard Wagners Das Rheingold feiert Premiere im Landestheater Coburg.  Mit Richard Wagners Das Rheingold findet am Sonntag, 29. September um 18:00 Uhr im Großen Haus die erste Musiktheater-Premiere in der Spielzeit 2019/2020 statt. Nach fast 55 Jahren wagt sich das Landestheater Coburg mit diesem Spielzeitauftakt wieder an eine Aufführung des kompletten „Ring“-Zyklus, der über vier Jahre hinweg um einen Teil wachsen wird.

Landestheater Coburg / das Rheingold © Sebastian Buff

Landestheater Coburg / das Rheingold © Sebastian Buff

Macht oder Liebe? Der Nibelung Alberich entscheidet sich für Ersteres: Er entsagt der Liebe, entreißt den Rheintöchtern ihr Gold und schmiedet daraus einen Ring, der seinem Besitzer „maßlose Macht“ verleiht. Doch nach Macht giert auch der Göttervater Wotan, der sich wider alle Gesetze durch eine List des Rings bemächtigt. Daraufhin verflucht Alberich den Ring: „Wer ihn besitzt, den sehre die Sorge, und wer ihn nicht hat, den nage der Neid.“ Die ersten Opfer des Fluchs sind die Riesen Fasolt und Fafner, die Wotan den Ring als Bezahlung für den Bau der Götterburg Walhall abringen: neiderfüllt tötet Fafner seinen Bruder. Ein packendes Intrigen- und Machtspiel zwischen Göttern, Riesen, Nibelungen und Menschen entbrennt, welches das natürliche Gleichgewicht der Welten ins Wanken bringt.

Regisseur und Bühnenbildner Alexander Müller-Elmau, der alle vier Teile des „Rings“ in Szene setzen wird, interessiert an Das Rheingold die Entstehung von Kultur und Bewusstsein: Erzählt wird diese über den Göttervater Wotan, der eine reflektierte Person mit Neigung zum Spirituellen ist, aber auch machtgeil und grausam, sowie den Nibelung Alberich, der auf einer kindlichen Entwicklungsstufe aufgrund von Zurückweisung der Liebe entsagt und nach dem Schmieden des Rings nur noch nach materiellem Reichtum und Macht strebt. Letztlich aber scheitern alle. Das zu Eigen machen der Natur und der Welt, das mit dieser Gier nach Macht einhergeht, hat eine menschliche Komponente und ist sehr aktuell. Alexander Müller-Elmau sieht die Menschen heute in einem Zeitenumbruch leben: „Wir verstehen immer mehr, was wir alles nicht beherrschen“, u.a. etwa im Hinblick auf die derzeitigen Klimaentwicklungen.

Alexander Müller-Elmau zeichnet sich auch für das Bühnenbild von Das Rheingold verantwortlich. Dabei war es ihm wichtig, „keinen illusionistischen Raum zu gestalten, sondern einen Bühnenraum, der durch die Verschiebung von Objekten, Material und Veränderungen des Lichts sehr unterschiedliche Atmosphären schaffen kann. Und bei dem man durch offene Umbauten sieht, wie er sich verändert.“ Kostümbildnerin Julia Kaschlinski hat Kostüme entworfen, in denen sich Elemente der nordischen Mythologie mit unserer heutigen Zeit verzahnen und dadurch Kunstfiguren entstehen.

Landestheater Coburg / das Rheingold © Sebastian Buff

Landestheater Coburg / das Rheingold © Sebastian Buff

Die Musikalische Leitung übernimmt Generalmusikdirektor Roland Kluttig. Da die Originalbesetzung des Orchesters doppelt so groß wie der Coburger Orchestergraben ist, führt das Philharmonische Orchester Landestheater Coburg unter seiner Leitung eine reduzierte Orchesterfassung – eine Mischfassung aus der „Coburger Fassung“ (1906) und der sogenannten „Lessing-Fassung“ (1943 entstandene Fassung des GMD Gotthold Ephraim Lessing, der u.a. auch in Coburg dirigierte) – auf.

Dank der großzügigen Unterstützung von Brose ist es möglich, diese Produktion auf die Bühne des Landestheaters zu bringen.


DAS RHEINGOLD
Vorabend des Bühnenfestspiels Der Ring des Nibelungen von Richard Wagner

Musikalische Leitung Roland Kluttig, Inszenierung und Bühne Alexander Müller-Elmau, Kostüme Julia Kaschlinski, Lichtdesign Markus Stretz, Dramaturgie Dorothee Harpain

Mit:  Wotan Michael Lion, Donner Marvin Zobel, Froh Peter Aisher, Loge Simeon Esper, Alberich Martin Trepl, Mime Dirk Mestmacher, Fasolt Felix Rathgeber, Fafner Bartosz Araszkiewicz, Fricka Kora Pavelic, Freia Olga Shurshina, Erda Evelyn Krahe, Woglinde Dimitra Kotidou, Wellgunde Laura Incko, Floßhilde Emily Lorini

Statisterie des Landestheaters Coburg, Philharmonisches Orchester Landestheater Coburg

Premiere Sonntag, 29. September 2019 18:00 Uhr, Weitere Vorstellungen, Do, 03.10.2019, 18:00 Uhr, Di, 08.10.2019, 19:30 Uhr, So, 20.10.2019, 18:00 Uhr, Fr, 01.11.2019, 18:00 Uhr, Mi, 20.11.2019, 19:30 Uhr, Mi, 04.12.2019, 19:30 Uhr, Do, 09.01.2020, 19:30 Uhr, Fr, 31.01.2020, 19:30 Uhr (zum letzten Mal in dieser Spielzeit)

—| Pressemeldung Landestheater Coburg |—

Minden, Stadttheater Minden, Götterdämmerung – Der Ring des Nibelungen, IOCO Kritik, 24.09.2019

September 24, 2019 by  
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Stadttheater Minden

Stadttheater Minden © Stadttheater Minden

Stadttheater Minden © Stadttheater Minden

Götterdämmerung – Ringzyklus am Stadttheater Minden

– „Starke Scheite schichtet mir dort!“ –

von Sebastian Siercke / Patrik Klein / Karin Hasenstein

Minden, die Stadt im Osten Nordrhein-Westfalens, die hauptsächlich für ihren Dom und die Nähe zur Porta Westfalica und dem Kaiser Wilhelm Denkmal bekannt ist, macht in diesem Jahr erneut auf sich aufmerksam mit Werken Richard Wagners im beschaulichen 528 Zuschauer fassenden Stadttheater an der Weser. Nicht nur eine Produktion, sondern gleich vier Werke des berühmten deutschen Komponisten stehen erstmalig auf dem Programm, nachdem sie in den Jahren zuvor jeweils für sich alleine neu aufgeführt wurden.

 Götterdämmerung – Erster zyklischer Ring in Minden – Fulminantes Ende

2018 fasste man folgerichtig den wagemutigen Entschluss, Richard Wagners Tetralogie Der Ring des Nibelungen in 2019 zyklisch zu präsentieren. Das ist für ein Haus dieser Größe wahrlich „ein Wunder“. Und das schien noch nicht genug, denn man entschied, 2019 sogar zwei Ring-Zyklen innerhalb von je 11 Tagen aufzuführen. So etwas kann nur funktionieren, wenn alle normalen Rahmenbedingungen einer Kleinstadt ausgehebelt werden und besondere Energien am Werke sind. Dem Richard Wagner Verband Minden ist dies in ungeahnter Weise vorzüglich gelungen, alle Kräfte der Stadt zu bündeln, Gelder durch Sponsoren aufzutreiben und vorhandenes Personal zu nahezu übermenschlichen Leistungen zu motivieren. Richard Wagner hätte das sicher gefallen.

Stadttheater Minden / Götterdämmerung © Friedrich Luchterhandt

Stadttheater Minden / Götterdämmerung © Friedrich Luchterhandt

IOCO – Kultur im Netz ist beim ersten Ringzyklus 2019 vor Ort, kann die ganz besondere Atmosphäre erleben, von den Ereignissen berichten. Sowohl in den sozialen Medien, als auch bei den Kollegen von www.ioco.de, dreht sich für die Zeit, in der auf dem Dach des Stadttheaters eine Wagnerflagge weht und die Stadt voller Besucher erscheint, alles um den berühmten Komponisten aus Leipzig. Ein Rahmenprogramm mit Vorträgen und Ausstellungen lockt die einquartierten Besucher und die Einwohner von Minden zu umfangreicher Beschäftigung mit dem Komponisten. Ganz Minden ist plakatiert mit Ringmotiven. Wotans Auge scheint einen jeden jederzeit und überall zu verfolgen.

Am Nachmittag der Vorstellungen erblickt man gut gekleidete Zuschauerinnen und Zuschauer, die durch den Ort schlendern und zu den hell leuchtenden weißen Fassaden des schmucken Stadttheaters pilgern. Man erblickt Damen in Abendgarderobe, Herren in Smoking und sogar Gehrock, erlebt auf dem Balkon des Stadttheaters den Posaunenchor der Schaumburg-Lippischen Landeskirche, der ganz wie in Bayreuth mit jeweils drei Fanfaren die Pausen beschließt. Im Foyer wird man von freundlichen Helfern begrüßt und bekommt ein Programmheft, das Maßstäbe setzt und allerlei Merchandising-Produkte angeboten. Man darf sich beinahe wie auf dem Grünen Hügel in Oberfranken vorkommen.

Stadttheater Minden / Götterdämmerung - hier : die Rheintöchter zum Schlussapplaus © Patrik Klein

Stadttheater Minden / Götterdämmerung – hier : die Rheintöchter zum Schlussapplaus © Patrik Klein

Alles das wäre wenig, wenn nicht auf der Bühne aufregendes, spannendes Musiktheater gespielt und dazu auf einem hohen Niveau musiziert würde.

Man betritt den Zuschauerraum und steht vor der Bühne. Kein Orchestergraben trennt das Publikum vom Geschehen. Die Bühne wird umrahmt von einem großen Quadrat, in das ein Kreis eingestellt ist, was unmittelbar an die Gestaltung der LP-Boxen des alten Solti – Ringes erinnert. Die eigentliche Bühne, die Fläche, die dort hauptsächlich bespielt wird, hat die Grundfläche eines wohlbemessenen Wohnzimmers. Das Orchester sitzt dahinter, auf der Bühne, abgeteilt durch einen Gazevorhang, der auch als Projektionsfläche für die handlungsunterstreichenden Videos dient.

Das Stadttheater Minden hat nicht nur kein eigenes Ensemble, es hat auch kein eigenes Orchester. Dazu kommt die Nordwestdeutsche Philharmonie aus Herford, ein Landesorchester Nordrhein-Westfalens, ein Klangkörper aus der ersten Liga der deutschen Orchesterlandschaft.

Die Nordwestdeutsche Philharmonie hat unter der Leitung von Frank Beermann einmal mehr ihren Ruf als Spitzenorchester bestätigt. Absolut souverän und hoch konzentriert führte Beermann die 80 Musiker durch die über fünf Stunden Musik.
Dabei lotete er gekonnt alle dynamischen Anforderungen der Partitur vom zarten Pianissimo des Englischhorn zu Beginn im Gesang der Nornen über das Forte im vierstimmigen Herrenchor in zweiten Aufzug bis hin zum Fortefortissimo im Trauermarsch im dritten Aufzug. Die scharfen Staccato-Akkorde im schweren Blech ließen den Zuschauerraum erzittern und man wünschte sich dieses Orchester in einem größeren Theater oder Konzertsaal.
Die NWD Philharmonie überzeugte mit großem Farbenreichtum in den Holzbläsern ebenso wie mit außerordentlicher Brillanz im Blech. Insbesondere die Hörner, zum Beispiel der Siegfriedruf, ein heikles Horn-Solo sowie die zusätzliche Bühnenmusik ließen keine Wünsche offen.

Frank Beermann begleitete die Solisten einfühlsam und mit großer Kenntnis der Partitur. Dass er dabei die Solisten im Rücken hatte und nicht wie sonst im Opernbetrieb vor sich auf der Bühne, führt dazu, dass diese das Dirigat nur vom Monitor abnehmen können, was für die Sänger nicht so ungewöhnlich ist, was aber auch bedeutet, dass der Dirigent die Sänger nicht sieht. Trotzdem waren alle Einsätze sicher und präzise und die gesamte Darbietung wirkte enorm harmonisch und perfekt eingespielt.

Auch die Dynamik innerhalb des Orchesters hat Beermann gut ausbalanciert. Wo Solostimmen, z.B. Flöte oder Klarinette, vorkommen, waren sie zu hören und gingen nicht im Orchesterapparat unter. Zauberhaft auch die Harfe zum Ende des dritten Aufzuges.

Als Fazit bleibt festzustellen: dieser wunderbare Klankörper sollte viel häufiger große romantische Oper spielen!

Stadttheater Minden / Götterdämmerung - hier : das Ensemble zum Schlussapplaus © Patrik Klein

Stadttheater Minden / Götterdämmerung – hier : das Ensemble zum Schlussapplaus © Patrik Klein

Die Inszenierung des Abends gestaltet Gerd Heinz, der hauptsächlich vom Sprechtheater kommt und offensichtlich eine ganz andere Herangehensweise ans Musiktheater hat, als der übliche Opernregisseur. Hier wird das Werk auf die Bühne gebracht. Kein Umdeuten in abstruse oder andere Richtungen, kein „Wir verlegen die Handlung in eine andere Zeit“, die dann gerne mit wohlbekannten Uniformen bebildert wird, keine abgegriffene Kapitalismuskritik. Diese Götterdämmerung spielt im Jetzt. Ein zeitloses Irgendwann-Jetzt, sind doch Handlung und Aussage des Werkes ebenso zeitlos und allgemeingültig. Jede kleinste Bewegung, jede Geste, jedes Minenspiel ist feinst durchdacht, die Sänger auf der Bühne dadurch fast noch mehr Schauspieler als Sänger. Ein solches Zusammenspiel von Musik und Geschehen auf der Bühne hat man selten erlebt!

Stadttheater Minden / Götterdämmerung - hier : das Ensemble zum Schlussapplaus © Patrik Klein

Stadttheater Minden / Götterdämmerung – hier : das Ensemble zum Schlussapplaus © Patrik Klein

Da der kleine Orchestergraben nicht als solcher benutzt werden kann, ragt in ihn die Bühnenkonstruktion hinein, mit rege bespielten Treppen nach unten ergibt sich eine ungewohnte Dreidimensionalität der Bühne. Das Publikum sitzt quasi mitten im Geschehen, unmittelbar vor den Protagonisten des Dramas auf der Bühne.

Die Sängerriege ist exquisit besetzt. Große Stimmen sind es – allesamt. Siegfried und Brünnhilde, zwei Mörderpartien, die so manchen Weltstar gelegentlich in die Knie zwingen, werden hier dargebracht, als gäbe es kaum Leichteres zu singen auf der Welt.

Thomas Mohr gibt nicht nur den Siegfried in der Götterdämmerung, nein er ist an allen vier Opernabenden dabei. Beim Rheingold gibt er den Loge, beDie Walküre schlüpft er in den halbstarken Siegmund, in Siegfried ist er der junge Gesandte Wotans, der Brünnhilde aus magischem Schlaf erweckt. Thomas Mohr singt und gestaltet mit durchschlagskräftigem Tenor, der genauso die zarten Partien fein nuanciert bieten kann, wie die wütenden Ausbrüche ohne dabei forciert oder auch nur angestrengt zu klingen. Eine schier unglaublich große Leistung!

Dara Hobbs als Brünnhilde überflutet das Werk mit ihrem wundervoll geführten Sopran, der bruchlos von der Tiefe bis in die Spitzen kommt und dabei noch beachtliche Ausdrucksmöglichkeiten bietet. Dazu kommt bei ihr eine bewundernswerte Textverständlichkeit. Selbst wenn man den Text nicht mittlerweile auswendig kennt, kann man jedem Wort folgen. In der zweiten und dritten Szene des dritten Aufzuges, gegen Ende eines sehr langen Abends, präsentiert Dara Hobbs ihr “Starke Scheite schichtet mir dort”, als hätte sie soeben frisch ausgeruht die Bühne betreten. Mit großer Ruhe und reichlich Reserven singt sie diese lange und anspruchsvolle Szene. Ihr dramatischer Sopran ist extrem fokussiert und perfekt geführt und auch in der hohen Lage noch warm timbriert. Dara Hobbs begeisterte das Publikum mit ihrer kontinuierlich grosartigen Leistung und erhielt verdient unzählige Bravi.

Stadttheater Minden / Götterdämmerung - hier : Thomas Mohr, Siegfried, zum Schlussapplaus © Patrik Klein

Stadttheater Minden / Götterdämmerung – hier : Thomas Mohr, Siegfried, zum Schlussapplaus © Patrik Klein

Renatus Mészár als Gunther, der genau wie Thomas Mohr an jedem der vier Abende zu sehen und zu hören ist,  nämlich als Wotan und Wanderer bildet mit Magdalena Anna Hofmann als Gutrune, einen stimmlich wie darstellerisch sehr kontrastreichen Gegenpart zu dem Heldenpaar.  Die Schwärze in seiner Stimme als Wotan und Wanderer reduzierend, kann Renatus Mészár als Gunther die schlankeren Töne wirkungsvoll erklingen lassen. Auch Magdalena Anna Hofmann, die in der Walküre bereits als lyrisch-dramatische Sieglinde überzeugt hat,  gelingt eine eindrucksvolle Interpretation der Gutrune. Das Gibichungenpaar steht Brünnhilde und Siegfried  in der Bühnenwirkung in nichts nach.

“Schläfst du, Hagen, mein Sohn?”  Nein, ganz und gar nicht! Andreas Hörl ist als Hagen stets hellwach. Sein voluminöser Bass ist gut geführt und er verleiht dem Widersacher Siegfrieds mit viel Variabilität eine große Glaubwürdigkeit. Andreas Hörl verfügt über einen dunkel gefärbten Bass, den er sehr flexibel einzusetzen weiß. Er scheut sich nicht, die ganze Bandbreite von Schönklang bis hin zu “schmutzigen” Tönen auszunutzen und erzielt damit eine große Überzeugungskraft. Nicht nur stimmlich beeindruckt Hörl, auch darstellerisch besticht er durch enorme Bühnenpräsenz vom ersten bis zum letzten Moment, als Hagen erkennen muss, dass der Ring an die Rheintöchter verloren ist.

Im zweiten Aufzug tauchen im Hintergrund in den oberen Bereichen die Mannen der Gibichungen auf. In dunkler Kleidung gehalten, stehen sie hinter dem Gazevorhang und singen kraftvoll und artikulationsgenau von der Jagd und vom Kampf. Der Herrenchor setzt sich zusammen aus dem Wagner Chor Minden 2019 und dem Ersten Deutschen Freien Opernchor (Coruso), Einstudierung Thomas Wirtz.

Sensationell an diesem denkwürdigen Abend der Ringvollendung ist die Waltraute von Kathrin Göring. Als Fricka im Das Rheingold und Die Walküre, in der Kathrin Göring  zusätzlich eine  der acht Walküren übernahm, fegt sie panisch und angstzerfressen auf und über die Bühne und bietet eine Dramatik in der Stimme, wie man sie selten live erleben kann. Schauer konnten einem bei ihrer Erzählung über den Rücken laufen, eine  ganz große Leistung!

Bösewicht und Nibelungenzwerg Alberich, dargestellt von Heiko Trinsinger, lässt seinen schwarz gefärbten Bariton wort- und stimmgewaltig, anknüpfend an die Leistung beim Rheingold und im Siegfried verströmen.

Tiina Pentinen, Christine Buffle und Julia Bauer als Nornen und Rheintöchter runden das Ensemble sehr wohlklingend und ansehnlich ab.

Folgerichtig ist das Publikum nach dem langen Abend enthusiastisch infiziert, dankt mit Jubel, herzlichem Applaus, Bravorufen und „Standing Ovations“ den über sich hinausgewachsenen Musikern und Sängern am Stadttheater Minden.

Man mag den Beteiligten und den Verantwortlichen wünschen, dass der Kater nach solch berauschenden Stunden und Tagen schnell vergehen wird und dass man sich für alle Wagnerfreunde in und um Minden in den nächsten Jahren überlegt, doch erneut ein bislang noch nicht aufgeführtes Werk in Minden zu wagen. Wie wäre es mit einem Parsifal?

—| IOCO Kritik Stadttheater Minden |—

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