Duisburg, Deutsche Oper am Rhein, Premiere Die Walküre 31.05.2018

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Deutsche Oper am Rhein

Theater Duisburg © IOCO

Theater Duisburg © IOCO

 

Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“
„Die Walküre“ – Premiere in neuer Besetzung in Duisburg

 

Die Walküre“ hat Premiere im Theater Duisburg: Am Donnerstag, 31. Mai (Fronleichnam), um 17.00 Uhr präsentiert die Deutsche Oper am Rhein Teil 2 von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“. Mit einer neuen hochkarätigen Sängerbesetzung und den Duisburger Philharmonikern unter der Leitung von General­musik­direktor Axel Kober wird die Neuinszenierung von Dietrich W. Hilsdorf noch einmal ganz neu erlebbar.

Der schwedische Tenor Daniel Frank und Ensemblemitglied Sarah Ferede debütieren als Siegmund und Sieglinde, das Wälsungenpaar, dem Lukas Konieczny als Hunding gegenübersteht. Wie in „Das Rheingold“ führen James Rutherford und Katarzyna Kuncio als Wotan und Fricka die Götterfamilie an. Die Mezzosopranistin Heike Wessels hat sich am Nationaltheater Mannheim die großen Wagner-Partien ihres Fachs erarbeitet und kommt als Walkürentochter Brünnhilde ins Spiel.


„Die Walküre“ von Richard Wagner
Premiere am Donnerstag, 31. Mai 2018, 17.00 Uhr, im Theater Duisburg

Erster Tag des Bühnenfestspiels „Der Ring des Nibelungen“ – Text vom Komponisten
In deutscher Sprache mit Übertiteln
Dauer: ca. 5 Stunden, zwei Pausen – empfohlen ab 16 Jahren
Musikalische Leitung: Axel Kober Kostüme: Renate Schmitzer
Inszenierung: Dietrich W. Hilsdorf Licht: Volker Weinhart
Bühne: Dieter Richter Dramaturgie: Bernhard F. Loges
Siegmund: Daniel Frank Gerhilde: Jessica Stavros
Hunding: Lukasz Konieczny Ortlinde: Katja Levin
Wotan: James Rutherford Waltraute: Romana Noack
Sieglinde: Sarah Ferede Siegrune: Zuzana Sveda
Brünnhilde: Heike Wessels Roßweiße: Maria Hilmes
Fricka: Katarzyna Kuncio Grimgerde: Katharina von Bülow
Helmwige: Anke Krabbe Schwertleite: Evelyn Krahe
Orchester: Duisburger Philharmoniker


„Die Walküre“ im Theater Duisburg :
Do 31. Mai – 17.00 Uhr (Premiere) / So 10. Juni – 17.00 Uhr / So 17. Juni – 17.00 Uhr / So 24. Juni – 17.00 Uhr
Der Ring des Nibelungen – die weiteren Premieren:
SIEGFRIED: Sa 7. April 2018 – Opernhaus Düsseldorf / Sa 26. Januar 2019 – Theater Duisburg
Götterdämmerung: Sa 27. Oktober 2018 – Opernhaus Düsseldorf / So 5. Mai 2019 – Theater Duisburg

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Frankfurt, Oper Frankfurt, DAS RHEINGOLD, April & Mai 2018

April 17, 2018 by  
Filed under Oper, Oper Frankfurt, Pressemeldung

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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Wiederaufnahme DAS RHEINGOLD

Vorstellungen: 19., 22. April, 1., 6. Mai 2018

Vorabend des Bühnenfestspiels Der Ring des Nibelungen von Richard Wagner
Text vom Komponisten
Mit deutschen und englischen Übertiteln
Musikalische Leitung: Sebastian Weigle

Inszenierung: Vera Nemirova
Szenische Leitung der Wiederaufnahme: Orest Tichonov
Bühnenbild: Jens Kilian
Kostüme: Ingeborg Bernerth
Licht: Olaf Winter
Video: Bibi Abel
Dramaturgie: Malte Krasting
Wotan: James Rutherford Fricka: Claudia Mahnke
Donner: Brandon Cedel Freia: Sara Jakubiak
Froh: AJ Glueckert Erda: Tanja Ariane Baumgartner
Loge: Kurt Streit Woglinde: Elizabeth Reiter
Alberich: Jochen Schmeckenbecher Wellgunde: Judita Nagyová
Fasolt: Alfred Reiter Floßhilde: Katharina Magiera
Fafner: Andreas Bauer
Statisterie der Oper Frankfurt; Frankfurter Opern- und Museumsorchester

Oper Frankfurt / Das Rheingold - v.l.n.r. Kurt Streit (Loge) und James Rutherford (Wotan) © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Das Rheingold – v.l.n.r. Kurt Streit (Loge) und James Rutherford (Wotan) © Barbara Aumüller

Nachdem der Vorabend der Tetralogie Der Ring des Nibelungen von Richard Wagner (1813-1883) am 2. Mai 2010 auf Jens Kilians bereits legendärer „Frankfurter Scheibe“ Premiere gefeiert hatte, waren sich Publikum und Presse einig, Zeugen eines verheißungsvollen Auftakts geworden zu sein. So urteilte die Kritikerin der Stuttgarter Nachrichten: „Vera Nemirova lässt es mächtig menscheln, Sebastian Weigle schafft zum analytischen Zugriff der Regisseurin eine zwingende musikalische Entsprechung, und unter den Sängern sind Kurt Streit als agiler, schneidend hell timbrierter Loge und Jochen Schmeckenbecher als enorm präzise sprechender und singender Alberich die Besten.“ SWR2 schloss sich an: „Fortsetzung folgt. Und die scheint vielversprechend zu werden, angesichts des außerordentlich ästhetischen, sängerdarstellerisch packenden Regiekonzepts, das Vera Nemirova in ihrem Rheingold vorgelegt hat.“ Nun ist die Produktion in ihrer vierten Wiederaufnahme an der Oper Frankfurt zu erleben, wobei geplant ist, dass sich der Ring in den kommenden Spielzeiten mit weiteren Einzelaufführungen der folgenden Tage erneut schließen soll.

Oper Frankfurt / Das Rheingold - v.l.n.r. Judita Nagyová (Wellgunde), Katharina Magiera (Flosshilde), Elizabeth Reiter (Woglinde) und Jochen Schmeckenbecher (Alberich) © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Das Rheingold – v.l.n.r. Judita Nagyová (Wellgunde), Katharina Magiera (Flosshilde), Elizabeth Reiter (Woglinde) und Jochen Schmeckenbecher (Alberich) © Barbara Aumüller

Zum Inhalt: Am Beginn ruht das Rheingold, bewacht durch die drei Rheintöchter, auf dem Grund des Flusses. Der Zwerg Alberich muss der Liebe entsagen, um den Schatz rauben zu können. Aus dem Gold schmiedet er sich einen Ring, der ihm die Macht verleiht, die Welt zu beherrschen. Derweil entdeckt Göttervater Wotan den Raub des Goldes. Er hatte seinerzeit den Riesen Fasolt und Fafner für den Bau der Burg Walhall die Jugendgöttin Freia als Lohn versprochen, ohne diesen wirklich zahlen zu wollen. Der Feuergott Loge versucht, den beiden eine andere Belohnung anzubieten und macht sie auf den Schatz aufmerksam. Sie willigen in den Tausch ein und wollen Freia ziehen lassen, sobald sie das Gold erhalten haben. Wotan und Loge steigen nach Nibelheim hinab und überlisten dort Alberich, indem sie ihn dazu verleiten, sich mit Hilfe des von seinem Bruder Mime geschmiedeten Tarnhelms in eine Kröte zu verwandeln. Daraufhin wird Alberich von den Göttern gefangengenommen und nur unter Herausgabe des Schatzes wieder freigelassen. Als Alberich seine aussichtslose Lage erkennt, verflucht er den Reif. Die Macht der Verwünschung wird sogleich ersichtlich: Im Streit um die Teilung des Schatzes erschlägt Fafner seinen Bruder. Zuletzt warnt Erdenmutter Erda Wotan vor der Götterdämmerung.

Oper Frankfurt / Das Rheingold - v.l.n.r. Kurt Streit (Loge) und James Rutherford (Wotan) © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Das Rheingold – v.l.n.r. Kurt Streit (Loge) und James Rutherford (Wotan) © Barbara Aumüller

Unter der musikalischen Leitung von GMD Weigle kommt es zu ausschließlich aus dem Ensemble stammenden Neubesetzungen, darunter Brandon Cedel (Donner), AJ Glueckert (Froh), Michael McCown (Mime), Andreas Bauer (Fafner), Sara Jakubiak (Freia), Tanja Ariane Baumgartner (Erda), Elizabeth Reiter (Woglinde) und Judita Nagyová (Wellgunde). Mit der Produktion vertraut sind neben den eingangs genannten Sängern auch James Rutherford (Wotan) – nunmehr als Gast – sowie Alfred Reiter (Fasolt), Claudia Mahnke (Fricka) und Katharina Magiera (Flosshilde) aus dem Ensemble.

Oper Frankfurt / Das Rheingold - v.l.n.r. AJ Glueckert (Froh), Brandon Cedel (Donner), Kurt Streit (Loge), James Rutherford (Wotan) und Statist der Oper Frankfurt © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Das Rheingold – v.l.n.r. AJ Glueckert (Froh), Brandon Cedel (Donner), Kurt Streit (Loge), James Rutherford (Wotan) und Statist der Oper Frankfurt © Barbara Aumüller

Wiederaufnahme: Freitag, 13. April 2018, um 19.30 Uhr im Opernhaus
Weitere Vorstellungen: 19., 22. April, 1., 6. Mai 2018
Alle Vorstellungen beginnen um 19.30 Uhr
Preise: € 15 bis 105 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Pressemeldung Oper Frankfurt

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Chemnitz, Theater Chemnitz, Aris Argiris – Lupe Larzabal im Gespräch, IOCO Interview, 05.04.2018

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Theater Chemnitz

Theater Chemnitz © Dieter Wuschanski

Theater Chemnitz © Dieter Wuschanski

  Sänger- und Musikerfamilie Aris Argiris und Lupe Larzabal

Im Gespräch mit Patrik Klein

IOCO: Frau Larzabal, Herr Argiris, seien Sie auch im Namen der großen IOCO – Gemeinde herzlich begrüßt. Ich freue mich sehr auf unser Gespräch.
Nach den überaus erfolgreichen Partien des Wotans/Wanderers in der Trilogie des verkürzten Ringes in Wien über den Jahreswechsel 2017/18 nun der erste Walküren-Wotan als allererster Sänger mit griechischer Abstammung an der Oper in Chemnitz mit großartigem Erfolg gestern Abend. Wie fühlen Sie sich und wie ist es Ihnen ergangen?

Aris Argiris: Ich bin noch völlig gefangen und am Tag nach einem solchen Erfolg träumt man sich noch in die Musik. Ich möchte diesen Geschmack des Erfolges nutzen, um weitere Schritte nach vorne machen zu können, indem ich noch mehr lerne und mich weiter entwickeln und mich somit noch weiter verbessern kann. Es ist für mich eine Motivation nach einem Erfolg weiter zu machen. Das geht mir übrigens auch so bei weniger guten Erfolgen. Auch hier habe ich das unbedingte Bedürfnis weiter an mir zu arbeiten. Dass ich als erster Grieche den Wotan geben durfte war mir schon sehr wichtig, weil wir Griechen ja in der Opernwelt eine recht kleine aber mit legendären Sängern versehene Gruppe sind. Da waren oder sind ja einige „Milestones“  der Opernwelt dabei, wie Maria Callas, Nicola Zaccaria, Nicola Moscona, Agnes Baltsa.

 Aris Argiris (links) und Lupe Larzabal mit IOCO Korrespondent Patrik Klein Mitte) © Sofia Argiris

Aris Argiris (links) und Lupe Larzabal mit IOCO Korrespondent Patrik Klein (Mitte) © Sofia Argiris

Ich freue mich nun sehr, dass ich, Grieche, mich traute, dieses Wagnis einzugehen; dass verschienene Theater mir diese Partie ermöglicht haben und mich in Zukunft in weiteren Wagnerrollen berücksichtigen werden. Das heißt natürlich auch, dass ich mein bisheriges Repertoire um Rigoletto, Scarpia und Jago weiter pflegen werde. Diese Partien helfen mir, Wagnerpartien zu vertiefen. Die italienische Schule bietet eine gute Grundlage für  Wagneropern. Neben meiner Mentorin Daphne Evangelatos hatte ich das große Glück, den weltbekannten Bariton Josef Metternich kennenzulernen. Metternich erläuterte mir  dies eindrücklich. So habe ich, den Rigoletto gesungen und den Holländer einstudiert. Meinen Gesangsstudenten versuche ich zu vermitteln, dass sich auch Fritz Wunderlich  stark an der italienischen Schule orientierte. Die Behandlung der Konsonanten, die „gesungen“ und nicht „gespuckt“ werden, ist in der italienischen Schule von besonderer Bedeutung. Singt man die Konsonanten, so wird der Klang ganz automatisch voller, feiner und ist leichter zu erzeugen.

IOCO: Wie liefen die Proben hier in diesem wunderbaren und traditionsbehafteten Opernhaus in Chemnitz ab?

AA: Die Probenphase in den letzten beiden Monaten mit tollen Kolleginnen und Kollegen war etwas schwierig, weil die in Deutschland grassierende Grippe-Epidemie auch uns getroffen hat. Ich musste über einen Monat mit einer akuten Bronchitis kämpfen und unbedingt an diesen aufwändigen Proben teilnehmen. Ich musste sehr aufpassen meine SängerkollegInnen nicht anzustecken (trotz inniger Umarmungen mit Brünnhilde). Alle zehn Minuten hatte ich Hustenanfälle, was sehr unangenehm war. Somit brauchte ich viel Geduld und Nerven, um die Marathonpartie des Wotans in der Probenphase durchzustehen. Zum Glück wurde ich rechtzeitig wieder fit und nun froh und glücklich.

IOCO: Wie war die Zusammenarbeit mit den Beteiligten Künstlern?

AA: Geduld. Geduld. Geduld und Verständnis unter KollegInnen. Mit intensiver Teamarbeit haben wir auf Erfolg hingearbeitet. In einem Stück wie der Walküre, die eine Art Universum mit zusammenhängenden Planeten darstellt, ist gute Teamarbeit entscheidend. Wenn ein Element der Inszenierung fällt, schadet dies überproportional der gesamten Prodution. Das haben wir mit viel Verständnis von der Regisseurin Monique Wagemakers ganz gut hinbekommen. Monique ist eine wunderbare Regisseurin, eine wahre Bildzauberin. Wir hatten eine sehr schöne Zusammenarbeit; kontroverse  Ansichten wurden engagiert diskutiert aber im Team geregelt. Frau Wagemakers auch Anregungen von mir in ihr Gesamtkonzept übernommen.

IOCO: Das Regiekonzept des Chemnitzer Ring verteilt die Produktionen wie bereits das Opernhaus Stuttgart auf breite Schultern, auf vier Regisseurinnen. Wie ist Ihre Einstellung zum Konzept von Monique Wagemakers?

AA: Gott sei Dank sind wir bei dieser Produktion weg von den zum Teil skandalösen und blödsinnigen mit unverständlichen Symbolen überfrachteten und sich als Regisseur wichtigmachenden Wagnerinterpretationen. Das Stück ist wichtig und nicht der Regisseur. Wagner hat alles in seiner Musik und im Text vorgegeben. Das Drama, die Beziehungen zwischen den handelnden Charakteren, die Theatralik; das alles ist vorhanden und muss nur umgesetzt werden. Manchmal bin ich natürlich auch ein Kind vom deutschen Regietheater. Im Theater Chemnitz ist es zwar auch modern, aber nicht um modern sein zu müssen. Es ist keine Skandalinszenierung, bei der es klammheimlich oft darum geht,  den Regisseur in den Vordergrund zu rücken. Hier galt das Motto: „Sei modern und vertraue Deinen Künstlern“. Mir gefällt dieser Ansatz auch deshalb gut, weil meine Fragen an die Konzeption beantwortet und berücksichtigt wurden.

Aris Argiris © Patrik Klein

Aris Argiris © Patrik Klein

IOCO: Wie haben Sie sich auf die große Rolle des Wotans in der Walküre vorbereitet?

AA: Zunächst habe ich mit meinem Freund und Coach, dem Pianisten Peter Bortfeldt  intensiv geübt. Er hat mir viel geholfen und wir hatten dabei viel Spaß, was mir wichtig ist. Ich habe viel über Wagner gelesen, um seine Figur des Wotans besser zu verstehen. Es gab Momente des Zweifel, wo ich mich fragte, was Wagner wollte, was er meinte.  Ich hatte auch eine Phase, wo ich Wotan hasste. Ich verstehe, leide mit ihm; doch wie er sein Leib und Blut ausnutzt für eigene Interessen mißbrauchte, ist furchtbar. So gab es Phasen, wo ich keine Empathie mit der Partie des Wotan hatte. Aber ich habe es zugelassen, ihn in meinem Inneren „durchlaufen“ zu lassen. Er reflektiert stark die griechische Mythologie und Götterwelt. Die menschliche Ebene der Götter sieht man dort genauso. Wagner war wohl auch gebannt von der griechischen Antike, wo menschliche Tiefe und Dramatik eindeutig vorhanden ist. Als ich in Wagners Villa Wahnfried war begegnete ich dort vielen Wurzeln griechischer Kultur. Die amphitheaterförmige Form des Festspielhauses hat Wagner aus griechischen Idealen abgeleitet. Mehr als zehn verschiedene Walküre – Aufnahmen habe ich gehört, mit Dirigenten wie Leinsdorf, Kempe, Levine, Barenboim, Knappertsbusch, Karajan, Boulez, Thielemann; habe die Darsteller genau studiert, um ihren individuellen Stil zu erkennen. Herbert von Karajans italienisch anmutende Interpretation beeindrucktete mich dabei besonders.

IOCO: Wer ist Ihr Wotan – Vorbild?

AA: Das ist ganz klar Thomas Stewart (Karajan), weil seine Stimme meiner ähnlich ist. Er ist kein so sehr tiefer Bass, ein sehr intelligenter Sänger, ein „Italiener“ sozusagen. Er ist ein Artikulationsgenie, obwohl er ja kein Deutscher ist und riskiert sehr viel durch feinste Pianostellen. George Londons große dämonische Wucht des Klanges hat er nicht, aber wie er Wotans Gebrochenheit und seine Wut, die Eifersucht und seinen Plan in seinem Klang integriert ist für mich das vorbildliche an ihm. Auch George London hat mich sehr beeindruckt, aber später haben mir dann detaillierte Farben etwas gefehlt. In dieser Art versuche ich mich dem Wotan zu nähern. Natürlich nicht genau sagen, wie es in ein paar Jahren sein wird, wenn ich diese Partie weiter entwickele.

IOCO: Neben der Aufgabe als Gesangsprofessor an der Universität der Künste in Berlin haben Sie viele Gastauftritte in Ihrem Fach an großen und namhaften Bühnen in Europa und Übersee zusammen mit internationalen Gesangsstars der Branche. Sie sind ein überaus gefragter und geschätzter, viel beschäftigter Bariton. Sie haben eine liebe, sehr musikalische Familie im Rheinland und sind ständig unterwegs. Wie bekommt man das Alles unter einen Hut?

AA: Das geht mit vollem gegenseitigen Verständnis und, es klingt zwar etwas romantisch, ist aber wahr: mit viel Liebe. Ich habe eine fantastische Familie, meine beiden Töchter Sofia und Francisca und meine Frau, die selbst Sängerin ist. Sie war meine erste Schülerin bei der ich meine ersten „Experimente“ machen durfte. Sie ist Dirigentin, Chorleiterin, Eventmanagerin und ein enormes Multitalent. Ich kann singen und unterrichten; sie kann viel mehr als das. Ich versuche, im Rahmen meiner Möglichkeiten zu helfen und (auch während der freien Tage innerhalb einer Probenzeit) zu Hause bei der Familie zu sein, um bei den vielen organisatorischen Aktionen mitzuhelfen. Denn ohne meine Familie existiere ich nicht. Ohne sie würde ich nicht gut singen können. Es ist eine enorme logistische Herausforderung, das alles unter einen Hut zu bekommen. Wir haben unsere Smartphonekalender synchronisiert, damit wir optimal die Termine koordinieren können. Das erleichtert uns auch die Planung der Veranstaltungen im Künstlerstudio meiner Frau in Bonn (Agora Artist Studio). Auch beim ständigen Pendeln zwischen Bonn und Berlin an die Uni hilft uns das sehr. Ich bin bis 2020 nun ausgebucht und versuche ein angemessenes Gleichgewicht zu finden zwischen Gesang und meiner Professur als Gesangslehrer in Berlin.

IOCO: Sie werden oft begleitet und unterstützt von drei hinreißenden Damen. Ihre Frau Lupe Larzabal und die beiden Töchter sind bei den Proben und Auftritten und geben Ihnen ganz besonderen Rückhalt. Frau Larzabal, Sie sind auch auf spannenden, musikalischen Pfaden unterwegs. Was machen Sie in dieser Hinsicht?

LL: Ich sehe mich in drei Bereichen unterwegs: Als Frau, Mutter und Künstlerin. Als Frau von Aris habe ich es oft nicht leicht wegen der nur kurzen Zeit seiner Anwesenheit zu Hause mit allen Dingen klarzukommen. Aber in einer Künstlerbeziehung muss man das irgendwie so organisieren, dass nur eine Person viel unterwegs ist und die zweite eher im Umkreis der Heimat, also in der Region Bonn bleibt, zumal wenn da noch zwei Kinder sind. Ich unterstütze Aris zu einhundert Prozent und er ist für mich ein großer Künstler. Wir haben uns im Theater in dieser Situation kennengelernt in Bonn bei einer Produktion von La Bohème. Ich möchte, dass er seine Kunst weiter entwickeln kann. Würden wir es anders angehen, wäre es für uns beide traurig. Dann halten wir nun in den Zeiten, wo er unterwegs sein muss durch und freuen uns auf das Wiedersehen. Als Mutter habe ich zwei Theaterkinder, die kommen oft mit mir dann mit, wenn wir Aris nachreisen. Sie sind oft in der meisten Zeit in der Garderobe oder dürfen auch schon mal, wenn die Inszenierung nicht zu heftig ist in den Zuschauerraum. Sie sind von Papa auch sehr begeistert.

Er ist ihr Held. Aris ist ein lieber Vater und wenn er dann zu Hause ist, ist er ganz für uns da. Ich erinnere mich an eine kurze Rückkehr aus London von einer tollen Produktion an Covent Garden, wo er unserer kleinen Sofia als Baby die Windeln wechselte. Real Life und Künstlerleben treffen dann hart aufeinander und bilden einen schönen Kontrast. Als Künstlerin genieße ich vollkommen das, was ich mache. Ich leite zur Zeit zwei Chöre. Einen ganz neuen Frauenchor mit Jazz- und Barbershopmusik (a capella Musik aus den 20er Jahren) sowie einen Chor für lateinamerikanische Musik, den ich 2015 gegründet habe. Der heißt Voces de las Américas. Wir haben ein sehr schönes Repertoire und haben schon viele Konzerte in Bonn und sogar im Kölner Dom mit der berühmten Misa Criolla zusammen mit Aris als Solist gegeben. Zum Beispiel bereiten wir gerade ein Konzert vor von Orffs Carmina Burana, mit Aris als Solist für eine Präsentation in Italien. Der argentinische Komponist Martin Palmeri hat mit dem Stück Misatango zwei musikalische Welten zusammengebracht, katholische Liturgie und Tango. Ein Chorfestival in Siegburg und Köln wird organisiert für 2019, und mit mehreren Chören gemeinsam wird dort dieses Stück aufgeführt. Zuständig dafür ist unser neuer Verein Deutsch-Hispanoamerikanische Gesellschaft LiberArte Bonn e.V. Wir haben noch viele weitere Ideen, die in der Zukunft realisiert werden. Dann unterrichte ich noch klassischen Gesang in unserem Künstlerstudio Agora artists studio in Bonn. In diesem Kulturzentrum finden auch die Chorproben und verschiedene Veranstaltungen statt, wie Ausstellungen, das Treffen der Opernfreunde Bonn, eine Tangoakademie, eine spanische Theatergruppe und Masterclasses mit Aris Argiris. Außerdem bin ich auch als Sängerin tätig. Letzten März habe ich für den WDR in einer barock-spanische Operettenproduktion für eine Aufnahme gesungen. Das Beste: Aris konnte beim Konzert im Zuschauerraum dabei sein.

IOCO: Herr Argiris, was sind Ihre Zukunftspläne? Auf was können sich Freunde und Wegbegleiter in Zukunft freuen?

AA: Früher musste ich oft Partien singen, die ich eigentlich nicht wollte. Das hat mich viel Kraft gekostet und einige negative Erfahrungen gebracht. Zum Glück plane ich mit meiner  Agentur die Weiterentwicklung meines Rollenportfolios, das aus einer Mischung aus den bewährten dramatischen italienischen und weiteren Partien des deutschen Repertoires bestehen wird. Es wird noch mehr Auftritte im Wagnerfach geben, die ich auch bald bekanntgeben kann. Es wird die Bösewichte in Hoffmanns Erzählungen in Wien geben, Rigoletto in Schottland, im Sommer wird eine CD Das Wunder der Heliane aus Freiburg bei Naxos erscheinen. Nächstes Jahr werden wir von einer weiteren recht unbekannten Oper eine Aufnahme machen. Von meinen Don Giovannis, Figaros und Escamillos werde ich mich verabschieden, weil das im Theaterbetrieb nur schwer kombinierbar ist.
Auch vorstellen kann ich mir eine Position als Intendant eines Opernhauses. Vor kurzem war ich bereits für ein Haus im engeren Bewerberkreis, konnte aber aus Termingründen den geforderten Businessplan nicht innerhalb der geforderten Zeit vorlegen. Ich bin mir sicher, dass das einmal kommen wird; dort werde ich dann, ohne Zusatzgehalt, auch als Sänger aktiv sein.

IOCO:  Frau Larzabal, Herr Argiris, danke für das wunderbare Gespräch.

Aris Argiris und Lupe Larzabal © Patrik Klein

Aris Argiris und Lupe Larzabal © Patrik Klein

Biografie Lupe Larzabal

Guadalupe Larzabal studierte Gesang und Bass in der Hochschule für Volksmusik EPM in Buenos Aires, Argentinien nach ihrem Mathematik und- Physikstudium an der Hochschule für Mathematik und- Physik-Lehre Mariano Acosta in Buenos Aires. Sie ließ ihre Stimme von den Opernsängern Marta Blanco (in Argentinien) und Aris Argiris (in Deutschland) ausbilden. Musiktheorie und Komposition studierte sie bei Prof. Maria del Carmen Aguilar und José Luis Larzabal. Guadalupe Larzabal war Stipendiatin des Juventus Lyrica Buenos Aires für das Jahr 2002 und des Buenos Aires Lírica für das Jahr 2003. Sie erarbeitete sich ein umfangreiches Konzertrepertoire, darunter “Messias” von Händel, “Stabat Mater” von Pergolesi und Dvorak, die “Krönungsmesse” von Mozart und die “Nelsonmesse” von Haydn, und sie gastierte an der Scala de San Telmo, im Teatro Avenida, im Teatro Colón und in verschiedenen anderen Konzerthäusern von Buenos Aires. Ihr Debüt als Opernsängerin gab sie 2001 als Mitglied des Ensembles des Juvents Lyrica Verbandes in “Les mamelles des Tiresias” von Francis Poulenc. Es folgten Mercedes und die Titelpartie in “Carmen” (Bizet) und Flora Bervoix in “La Traviata” (Verdi) und Gertrud in “Romeo et Juliette” von Gounod. Erda in Wagners “Rheingold”, Dritte Dame in “Zauberflöte” und Farnace in “Mitridate Re di Ponto” sind ebenfalls wichtige Repertoirepartien. 2003 zog Guadalupe Larzabal nach Deutschland, wo sie privat Gesangsunterricht bei Prof. Alastair Thompson (King’s Singers) in Köln nahm. Als Solistin gastiert sie in Oratorien und Opernkonzerten in Deutschland und in Argentinien. Mit dem argentinischen Gitarristen und Komponisten Jorge Cardoso tritt sie jedes Jahr seit 2007 in Spanien, Italien und Frankreich auf. 2011 war sie als Tisbe in “La Cenerentola” von Rossini, als Pisana in “I due Foscari” von Verdi und als Marchese in La Fille du Regiment von Donizetti zu erleben. 2012 debütiert sie als Olga in “Eugen Onegin” von Tschaikowski und Die alte Nonne in “Sancta Susanna” von Hindemith. Sie singt die Operngala bei den Schlossfestspielen Heidelberg. 2013 stand für die Alt-Solistin die Oper “Dionysos” von Wolfgang Rihm am Theater und Orchester Heidelberg auf dem Programm, außerdem debütierte sie in Argentinien als Azucena in “Il trovatore” von Verdi. In Mai 2013 gründete sie CantArte, ein Vokalensemble, das sich zum Ziel gesetzt hat, a-cappella-Musik in all ihren Stilrichtungen und Epochen aufzuführen.
2014 begann sie, künstlerische Events zu veranstalten (u.a. Misa Criolla von Ariel Ramirez, Sankt-Antonius-Festival in Siegburg, Barockmusik aus Lateinamerika und Opera goes Band!).
2015 gründet sie LiberArte Bonn um internationale Kulturprojekte zu konzipieren und zu organisieren. Mit LiberArte Bonn wird zusammen mit Konzertmeisterin Andrea Keller ein besonderes Programm uraufgeführt: “Begegnung – Tänze der neuen und alten Welt” mit lateinamerikanischer Barockmusik, die im Laufe des 16. Und 17. Jahrhunderts in “Neu-Spanien” entstand und zum ersten Mal in Deutschland präsentiert wird. Guadalupe Larzabal leitet seit 2015 den Chor Voces de las Américas.

Im Juli 2016 dirigierte sie die Misa Criolla von Ariel Ramírez zum ersten Mal im Kölner Dom zu der Zweihundertjahrfeier der Unabhängigkeits Argentiniens. Als Solist war Aris Argiris zu hören. Mit dem Chor Voces de las Américas präsentierte sie die Misa Criolla zum ersten Mal in der Pauluskirche in Bremerhaven zusammen mit den Tenören Arturo Martin und Thomas Burger. Unter ihrer musikalischen Leitung präsentierte sie im Dezember 2017 zusammen mit dem „ensemble amadeus bonn“, dem Bandoneonisten Pato Lorente und dem argentinischen Pianisten Sebastián Rodriguez die Misatango von Martín Palmeri. Seit Oktober 2017 betreibt sie in Bonn das Künstlerstudio Agora Artist Studio.

Aris Argiris –  Biografie

Aris Argiris  stammt aus Athen, studierte er in seiner Heimatstadt Marketing und Sprachen, Saxophon und Musiktheorie sowie Gesang bei Kostas Paskalis, Frangiskos Voutsinos und Despina Calafati.Nach Engagements am Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen, am Theater Dortmund, an der Oper Bonn war er bis der Spielzeit 2010/2011 Ensemblemitglied an der Oper Frankfurt. 2011 gastierte er in der Arena di Verona als Figaro in Rossinis „Il Barbiere di Siviglia“ und in St. Petersburg als Renato(Un ballo in maschera). 2016/2017 Opera di Montreal (Jago in „Otello“), Gärtnerplatztheater München (Amonasro in „Aida“) Athens Festival in Herodes Atticus (Amonasro in „Aida“), Gluck International Festival (Orest in „Iphigenie auf Tauris“ / R. Strauss Fassung), Musiktheater im Revier (Scarpia in „Tosca“), Semperoper Dresden (Figaro in „Il Barbiere di Siviglia), Vlaamse Opera und Les Theatres de la Villes de Luxembourg (Paolo in „Simon Boccanegra“), Theatre de la Monnaie (Sharpless in „Madama Butterfly“), Theater Freiburg (Der Herrscher in „Das Wunder der Heliane“

2017/18 Theater an der Wien (Wotan/Wanderer in „Der Ring des Nibelungen“), Theater Chemnitz (Wotan in „Die Walküre), Scottish Opera („Rigoletto“)
2013/14/15 gastierte er in Theater St. Gallen (Escamillo in „Carmen“), Theater Bern (Jochanaan in „Salome“), Musiktheater im Revier („Rigoletto“), Theater an der Wien (Figaro in „La mere coupable“), Israel philharmonic Orchestra (Escamillo in „Carmen“, renato in „UN ballo in maschera“, Kindertotenlieder von G. Mahler), Staatsoper Hamburg (Escamillo in „Carmen“), Teatro San Carlo di Napoli (Escamillo in „Carmen“), Theatre de la Monnaie (Lescaut in „Manon Lescaut), Essen Aalto Musiktheater (Francesco in „I Masnadieri“), Israel Philharmonic Orchestra (Jago in „Otello“), Theater Bonn (Scarpia in Tosca), San Diego Opera (Renato in „Un Ballo in Maschera“), Savonlinna Opera Festival (Escamillo in „Carmen“).
2012 gastierte er in Tokio (Marcello in „La Bohéme“), am Theater an der Wien (Four Villains in „Hoffmanns Erzählungen“), Oper Bonn (Graf Luna /Il Trovatore), Teatro Colon (Dandini/La Cenerentola), Staatsoper Berlin (Nardo/La finta giardiniera) ect.
Als Escamillo in Bizets „Carmen“ war er 2011 im ersten 3-D Opernfilm zu erleben. Aufgezeichnet wurde die Inszenierung dieser Oper 2010 im Royal Opera House Covent Garden London.
1999 erhielt er das Maria-Callas-Stipendium in Athen und setzte sein Gesangsstudium in der Meisterklasse von Prof. Daphne Evangelatos an der Hochschule für Musik und Theater in München fort.
Im Jahr 2002 war Aris Argiris Preisträger des Internationalen Gesangswettbewerbs der Kammeroper Schloss Rheinsberg und sang die Titelpartie in Mozarts Don Giovanni.
2007 wurde er von der griechischen Vereinigung der Musik- und Theaterkritiker als bester junger Künstler Griechenlands ausgezeichnet.
Gastengagements führen ihn u.a. an die Opernhäuser in:
Athens(Staatsoper, Athens Music Hall), Hamburg (Staatsoper), Stuttgart(Staatsoper), Stockholm(Royal Opera), Leipzig (Gewandhaus, Oper), Berlin (Deutsche Oper, Komische Oper, Staatsoper), London(Royal Opera House), Bruxelles (Theatre de la Monnnaie), Tokyo (NNT), Antwerpen-Gent(Vlaamse Oper), Oper Bonn, San Diego Opera, Opera de Lima (Peru), Teatro Colon (Buenos Aires),St. Petersburg (Mikhailovsky Theatre), Dresden (Semperoper),Wien (Theater an der Wien, Volksoper), Buenos Aires (Teatro Colon) etc .
Zu seinen wichtigsten bisher gesungenen Partien gehören neben dem Don Giovanni u. a. Scarpia (Tosca), Rigoletto (G. Verdi), Amonasro (G. Verdi), Renato (Un ballo in maschera), Jochanaan (Salome), Figaro (Il Barbiere di Siviglia), Escamillo (Carmen), G. Germont (La Traviata), Marcello (La Bohéme), Rodrigo di Posa (Don Carlo), Conte d’Almaviva (Le nozze di Figaro), Lord Enrico Asthon (Lucia di Lammermoor), Frank/Fritz (Die tote Stadt), Valentin (Faust), Francesco (I Masnadieri), The Four Villains (Les Contes d’Hoffman).
Der Bariton arbeitete unter anderem mit den Dirigenten:
Zubin Mehta, Massimo Zanetti, Kurt Masur, Christian Thielemann, Yakov Kreizberg, Gustav Kuhn, Donato Renzetti, Manfred Honeck, Walter Attanasi, Graeme Jenkins, Carlo Franci, Antonello Allemandi, Patrick Lange, Carlo Rizzi ect.
Mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen hat er „Ariadne – Dithyrambos für Bariton und Orchester“ von Siegfried Matthus und die Arie des Holofernes aus der Matthus-Oper „Judith“ auf CD (Label Genuin) eingespielt.

Baden – Baden, Festspielhaus – Osterfestspiele 2018, Parsifal von Richard Wagner, IOCO Kritik, 03.04.2018

April 4, 2018 by  
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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Parsifal von Richard Wagner

Glanzvoller Abschied in Grau

Von Uschi Reifenberg

Mit Richard Wagners Weltabschiedswerk, dem Bühnenweihfestspiel Parsifal, nahm auch Sir Simon Rattle, scheidender Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, Abschied von den Osterfestspielen Baden-Baden. Sechs Jahre lang verwandelten der Stardirigent und das Weltklasse Orchester alljährlich zur Osterzeit die Stadt an der Oos in ein glanzvolles Mekka für Festivalbesucher aus aller Welt. Einmalig an den Osterfestspielen in Baden-Baden ist, dass die Berliner Philharmoniker über eine Woche lang quasi omnipräsent in vielfältigsten Besetzungen an unterschiedlichen Spielorten die ganze Stadt bespielen und in Kammermusikbesetzungen, Kinderoper, Sinfoniekonzerten oder großer Oper zu hören sind.

Wagners letztes Werk, sein „Opus summum“ und wohl auch sein vielfältigstes und rätselhaftestes, ist ein einzigartiges Konglomerat aus philosophischen, weltanschaulichen und religiösen Thesen und in seiner Vieldeutigkeit durchlässig für die unterschiedlichsten Deutungen.Die Welt in ihrer existenziellen Ausweglosigkeit wird geschildert mit Fragen zu Leid, Vergänglichkeit, Tod, aber auch zu Erneuerung und Erlösung, Wagners Lebensthema.

Nach Wagners Auffassung hatte die Religion ihre Funktion in der säkularisierten Gesellschaft des 19. Jahrhunderts eingebüßt und nun sollte an ihre Stelle die Kunst treten, um die metaphysischen Bedürfnisse als Sinn- und Deutungslieferant zu bedienen. Wagner schreibt 1880: „Man könnte sagen, dass da, wo die Religion künstlich wird, der Kunst es vorbehalten ist, den Kern der Religion zu retten…“ Wagner als Religionsstifter und Parsifal als Kunstwerk, das die erlösungsbedürftige Menschheit zu erneuern im Stande wäre. 1882 wurde der Parsifal im Bayreuther Festspielhaus uraufgeführt. Wagner verfügte, dass sein Werk nur dort zur Aufführung kommen sollte. 30 Jahre lang sollte es auch so sein.

Festspielhaus Baden-Baden / Parsifal - hier: Stephen Gould als Parsifal und Ruxandra Donose als Kundry © Monika Rittershaus

Festspielhaus Baden-Baden / Parsifal – hier: Stephen Gould als Parsifal und Ruxandra Donose als Kundry © Monika Rittershaus

Der verdeckte Orchestergraben, der sogenannte “mystische Abgrund“, erzeugt jenen einzigartigen Mischklang, der nur in Bayreuth zu erleben ist und für welchen Wagner den Parsifal geschaffen hat. Im Festspielhaus Baden-Baden, dem größten Opern- und Konzerthaus Deutschlands, gelingt Sir Simon Rattle auch ohne verdeckten Orchestergraben ein Klangwunder der besonderen Art. Sir Simon näherte sich – wie er in einem Interview erwähnte – der Parsifal Partitur sozusagen retrospektiv aus der Sicht des Komponisten Claude Debussy, der sich, gemäß dem traditionellen Tonsatz, ein Orchester ohne Bass- Fundament wünschte.

Klanggemälde, befreit von jeder Erdenschwere

Gleichsam gelingt dem Dirigenten und seinem Orchester ein impressionistisches Klanggemälde, befreit von jeder Erdenschwere, weich strömend und mit sensibelster Ausbalancierung. Samtige Streicherklänge, ätherische Holzbläsersoli scheinen aus dem Nichts zu entstehen und sich wieder zu verflüchtigen, Linien bis in feinste Verästelungen durchgehört. Transparenz und kammermusikalische Ausformung sind Rattles besonderes Anliegen. Manchmal scheint die Musik aber auf der Stelle zu treten und man hätte sich mehr Stringenz und Zielorientiertheit, mehr dramatischen Zugriff und Auskostung der wagnerischen Höhepunkte gewünscht.

Festspielhaus Baden-Baden / Parsifal - hier: Franz-Josef Selig als Gurnemanz © Monika Rittershaus

Festspielhaus Baden-Baden / Parsifal – hier: Franz-Josef Selig als Gurnemanz © Monika Rittershaus

Für die Inszenierung konnte die 82-jährige Regie-Legende Dieter Dorn gewonnen werden. Der mit Preisen hochdekorierte, ehemalige Intendant der Münchner Kammerspiele, inszenierte bereits 1990 in Bayreuth (Der fliegende Holländer), 1993 an der MET ( Tristan und Isolde) und 2014 in Genf ( Der Ring des Nibelungen). Dieter Dorn bleibt mit seiner Parsifal Inszenierung nah am Text und erzählt die Geschichte linear als eine zeitlose Parabel, ohne ihr gewaltsam eine Deutung aufzuzwingen, aber auch, ohne Antworten zu geben. Im Zentrum der Handlung steht für ihn Kundry, Wagners ambivalenteste Frauenfigur, die schon während des Vorspiels einsam am Boden kauert. Als ihr von seltsamen Gestalten verschiedene weibliche Requisiten angeboten werden, Symbole für unterschiedlichste Identitäten, lehnt sie ab. Am Ende bleibt sie als Einzige vor dem geschlossenen Vorhang zurück und blickt fragend ins Publikum. Gefangen im ewigen Kreislauf, ausgesperrt und auf Erlösung hoffend?

Richard Wagner Büste in Bayreuth © IOCO

Richard Wagner Büste in Bayreuth © IOCO

Für das Gralsgebiet im 1. und 3. Akt finden Dieter Dorn und seine Bühnenbildnerin Magdalena Gut einen offenen, werkstattartigen Raum, der an eine Probebühne erinnert, in welcher riesige Holzplatten und Rampen aufgebaut sind. Auf den Holzplatten sind skizzierte Landschaften zu erkennen, sie werden von gesichtslosen Gestalten in grauen, zerlumpten Gewändern (Kostüme: Monika Staykova), hin- und hergeschoben.
Die vorherrschende Farbe für alle 3 Akte ist grau in verschiedenen Abstufungen (Lichtregie: Tobias Löffler). Die Gralsgemeinschaft scheint eine Gesellschaft der Kraftlosen, Ziellosen zu sein, in Auflösung begriffen, unfähig zur Erneuerung, in Beckettscher Manier in der ewigen Wiederkehr des Gleichen verharrend. Ein schöner Regieeinfall ist der Tod des textgetreu auftretenden Schwanenpaares, der, vom sich ins Gralsgebiet verirrenden, unwissenden, reinen Toren Parsifal absichtsvoll verursacht wird.

Für die Gralsenthüllung im 1. Akt werden die Holzgerüste zu einer Art Theater- Zuschauergalerie zusammengeschoben, auf welcher die Gralsritter wie Theaterbesucher Platz nehmen und der qualvollen Zeremonie des leidenden Amfortas unbeteiligt beiwohnen. Der Gral ist ein strahlend weiß leuchtender Kelch, der in einem Holzschränkchen hereingetragen wird. Anschließend werden Brot und Wein verteilt wie bei einer Armenspeisung. Das Zauberschloss im 2. Akt wird dargestellt durch riesige Zinnen, auf welchen Klingsor in eine weiße Kristallkugel starrt. Dieses Tableau ist in blaues Licht getaucht und lässt kurzzeitig Raum für Magie und Mystik. Die Blumenmädchen mit ihren grell bunten Blumen Accessoires – der einzige Farb Lichtblick dieser Inszenierung – werden nun wieder von der Einheitsfarbe grau kontrastiert. Kundry versucht als blonde Diva in weiß Parsifal zu verführen, der Speerwurf Klingsors wird durch einen gelungenen Lichteffekt in Szene gesetzt.

Im 3. Akt befinden wir uns wieder im Werkstatt Provisorium, in welchem nun die Holzgerüste genauso beschädigt wirken wie die Bewohner und von diesen noch ziel- und planloser hin und her geschoben werden. Gurnemanz, nun lemurenhaft- gespenstisch wirkend, holt Kundry ins Leben zurück, indem er sich ihr erotisch nähert. Parsifal findet als schwarzer Ritter in voller Rüstung zurück ins Gralsgebiet und der Karfreitagszauber erblüht lediglich im Orchestergraben, vom Schnürboden weiße Papierschnipsel herunterwehen und von Erneuerung und Erlösung künden. Die Zusammenführung von Speer und Kelch, Amfortas‘ Heilung und Parsifals Enthüllung des Grals als neuer Heilsbringer, kann die Gralsgemeinschaft aber scheinbar nicht in jene Zukunft führen, die der in ihren Grundfesten erstarrten Gesellschaft die erlösende Erneuerung bringen könnte.

Festspielhaus Baden-Baden / Parsifal - hier: Gerald Finley als Amfortas © Monika Rittershaus

Festspielhaus Baden-Baden / Parsifal – hier: Gerald Finley als Amfortas © Monika Rittershaus

Gesungen wird in dieser Produktion wie erwartet auf hohem Niveau. Franz – Josef Selig ist ein Bilderbuch Gurnemanz mit hell timbriertem, in allen Lagen ausgeglichenem Bass, idealer Textverständichkeit und ohne Ermüdungserscheinungen. Zeigt er sich im 1. Akt noch als viril-jugendlicher Lehrmeister, so findet er im 3.Akt zu jenem schmerzvoll- resignativen Weltwissen, das den reifen Wagner Helden Ihre jeweils ureigene Prägung verleiht. Steven Gould, einer der besten Wagner Tenöre unserer Zeit, präsentiert sich in der Rolle des Parsifal in Bestform. Als jugendlich- naiver reiner Tor bis zum mitleidvoll- Wissenden schlägt er einen glaubhaften Entwicklungsbogen und lässt die große Erweckungsszene im 2. Akt mit heldischer Strahlkraft und erschütternder Intensität zu einem Höhepunkt werden. Die Figur der Kundry – Wagners komplexe Frauengestalt- wird von Ruxandra Donose in der Herzeleide-Erzählung mit schönem lyrischen Timbre und feinen Legatobögen versehen. Die dämonisch-zwielichtige Seite, die Zerrissenheit dieser erlösungssüchtigen Verführerin bleibt Donose in ihrer Interpretation allerdings schuldig.
Evgeny Nikitin im Rocker Outfit ist als bezopfter Klingsor eine Idealerscheinung. Mit schneidender Diktion und stählernem Bariton versprüht er jede Menge Dämonie und lässt an stimmlicher Ausstrahlung nichts zu wünschen übrig. Gerald Finley als Amfortas ist in der Darstellung seines Leidens ein idealer Schmerzensmann mit exemplarischer Textausdeutung und perfekter Phrasierung. In seiner großen Klage im 1. Akt kann er allerdings mit seinen Erbarmen- Rufen wenig Mitleid hervorrufen.

Robert Lloyd als siecher Gralskönig Titurel ist mit immer noch mächtigem Bass eine Idealbesetzung und die perfekt ausbalancierten und herrlich singenden Blumenmädchen sind eine pure Freude. Der Philharmonia Chor Wien (Leitung: Walter Zeh) wartet mit mächtiger Klangkultur auf.

Das Publikum spendete begeistert Beifall und stehende Ovationen nach dieser letzten Parsifal Vorstellung, vor allem für Orchester und Dirigent und freut sich auf ein Wiedersehen mit den Berliner Philarmonikern im nächsten Jahr.

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