Berlin, Staatsoper Unter den Linden, Staatsoper mit zwei Ring-Zyklen, Oktober 2019

Staatsoper unter den Linden

Staatsoper Unter den Linden - Im Traum © Max Lautenschläger

Staatsoper Unter den Linden – Im Traum © Max Lautenschläger

  Zwei Ring-Zyklus – Oktober 2019

  Inszenierung Guy Cassiers – Musikalische Leitung Daniel Barenboim

Noch vor der Saisoneröffnungspremiere DIE LUSTIGEN WEIBER VON WINDSOR in der Regie von David Bösch und unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim am 3. Oktober stehen ab morgen zwei Aufführungszyklen von Wagners Der Ring des Nibelungen auf dem September-Spielplan der Staatsoper Unter den Linden. Alle Vorstellungen werden von Daniel Barenboim dirigiert, es spielt die Staatskapelle Berlin.

Die vom belgischen Theatermacher Guy Cassiers und seinem Team (Enrico Bagnoli, Tim Van Steenbergen und Sidi Larbi Cherkaoui) in Szene gesetzte Ring – Produktion entstand zwischen 2010 und 2013 als Koproduktion der Berliner Staatsoper mit dem Teatro alla Scala di Milano in Zusammenarbeit mit dem Toneelhuis Antwerpen und wird nun erstmals im sanierten Opernhaus Unter den Linden zu erleben sein.

RING – ZYKLUS I  
DAS RHEINGOLD Sa 7. 9. 2019 18.00 Uhr
DIE WALKÜRE So 8. 9. 2019 16.00 Uhr
SIEGFRIED Mi 11. 9. 2019 16.00 Uhr
GÖTTERDÄMMERUNG So 15. 9. 2019 16.00 Uhr

Die vier Vorstellungen werden in zwei Zyklen präsentiert: DAS RHEINGOLD am 7. und 21. September, DIE WALKÜRE am 8. und 22. September, SIEGFRIED am 11. und 26. September, GÖTTERDÄMMERUNG am 15. und 29. September 2019.

Zu den Sängerensembles der vier Abende gehören u. a. Michael Volle, Iréne Theorin, Andreas Schager, Waltraud Meier, Falk Struckmann, Simon O’Neill, Anja Kampe, Stephan Rügamer, Ekaterina Gubanova, Anna Larsson, Anna Samuil, Jochen Schmeckenbecher, Roman Trekel und Matti Salminen. Bei GÖTTERDÄMMERUNG singt darüber hinaus der Staatsopernchor.

RING – ZYKLUS II
DAS RHEINGOLD Sa 21. 9. 2019 18.00 Uhr
DIE WALKÜRE So 22. 9. 2019 16.00 Uhr
SIEGFRIED Do 26. 9. 2019 16.00 Uhr
GÖTTERDÄMMERUNG So 29. 9. 2019 16.00 Uhr

Eine Werkeinführung findet jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Apollosaal statt. – Die Wiederaufnahme wird unterstützt durch den Verein der Freunde und Förderer der Staatsoper Unter den Linden Tickets sowie weitere Informationen unter Telefon 030 20 35 45 55 und www.staatsoper-berlin.de

—| IOCO Aktuell Staatsoper unter den Linden |—

Berlin, Staatsoper Unter den Linden, 2019/20: Barocktage, Premieren, Kinderorchester und mehr, IOCO Aktuell, 16.08.2019

Staatsoper unter den Linden

Staatsoper Unter den Linden - Im Traum © Max Lautenschläger

Staatsoper Unter den Linden – Im Traum © Max Lautenschläger

Staatsoper Unter den Linden –   Die  Saison 2019/20

– IOCO stellt vor –

Die Akzente der Berliner Staatsoper Unter den Lindender Spielzeit 2019/20: Sieben Premieren im Großen Haus; das Format LINDEN 21 (zwei Uraufführungen, eine Deutschen Erstaufführung, zwei Wiederaufnahmen); die zweiten BAROCKTAGE vom 1. bis 10. November 2019, mit Fokus auf Scarlatti und Purcell; die 25. Ausgabe der FESTTAGE (4. bis 12. April 2020, mit dem Beginn eines neuen Mozart-Da-Ponte-Zyklus’ und zyklischer Aufführung sämtlicher Sinfonien von Beethoven). Dazu bietet das Programm 28 wiederaufgenommene Musiktheaterwerke sowie mehr als 70 Konzerte. Insgesamt präsentiert die Staatsoper Unter den Linden 2019/20 über 300 Veranstaltungen, zudem zahlreiche Projekte der Jungen Staatsoper. Darüber hinaus feiert die Staatskapelle Berlin 2020 ihr 450-jähriges Bestehen: Ein Jubiläum, das in den Spielzeiten 2019/20 sowie 2020/21 im Fokus stehen wird.

 Staatsoper Unter den Linden / Daniel Barenboim © Christian Mang

Staatsoper Unter den Linden / Daniel Barenboim © Christian Mang

SIEBEN PREMIEREN – André Heller inszeniert Rosenkavalier

Bei den sieben Premieren der Spielzeit 2019/20 wird es sechs Regie-Hausdebüts geben: Erstmals inszenieren an der Berliner Staatsoper David Bösch, Romeo Castellucci, Damián Szifron, André Heller, David McVicar sowie Vincent Huguet. Die siebte Premiere inszeniert Claus Guth, der damit seine sechste Regiearbeit am Haus zeigt. Bei den Premieren von LINDEN21 werden zudem Letizia Renzini, Pauline Beaulieu und Thom Luz ihr Hausdebüt an der Staatsoper Unter den Linden geben.

Daniel Barenboim wird in der Spielzeit 2019/20 die Eröffnungspremiere von Otto Nicolais DIE LUSTIGEN WEIBER VON WINDSOR am 3. Oktober 2019 in der Regie von David Bösch dirigieren. 1849 an der Berliner Staatsoper (der damaligen Königlichen Hofoper Berlin) uraufgeführt, kehrt das Werk nun mehr als 30 Jahre nach der letzen Inszenierung wieder ans Haus zurück. René Pape gibt als Sir John Falstaff sein Rollendebüt, daneben sind u. a. Michael Volle, Pavol Breslik und Anna Prohaska zu erleben. Das Falstaff-Thema wird sich auch im weiteren Programm wiederfinden, mit der Wiederaufnahme von Verdis FALSTAFF sowie beim I. Abonnementkonzert mit Elgars Symphonischer Studie Falstaff.

Die Zauberflöte2019/20 auf dem Spielplan der Staatsoper
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Der argentinische Filmregisseur Damián Szifron, der mit seinem Film Wild Tales – Jeder dreht mal durch 2015 für den Oscar als Bester fremdsprachiger Film nominiert wurde, wird in der kommenden Spielzeit sein Opernregiedebüt geben. Gemeinsam mit Daniel Barenboim wird er Camille Saint-Saëns’ SAMSON ET DALILA (24. November 2019) erarbeiten. In den Titelrollen sind Brandon Jovanovich, der damit sein Haus- und Rollendebüt gibt, sowie Elena Garanca zu erleben.

Die FESTTAGE-Premiere, unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim, wird am 5. April 2020 Mozarts COSÌ FAN TUTTE sein. Diese Neuproduktion bildet den Auftakt eines Mozart-Da-Ponte-Zyklus’ zu den FESTTAGEN 2020 bis 2022, den Daniel Barenboim gemeinsam mit dem französischen Regisseur Vincent Huguet realisiert. Zum Ensemble zählen Elsa Dreisig (Rollendebüt Fiordiligi), Marianne Crebassa (Rollendebüt Dorabella), Paolo Fanale (Ferrando), Gyula Orendt (Guglielmo), Ferruccio Furlanetto (Don Alfonso) und Barbara Frittoli (Rollendebüt Despina).

Das Rheingold – 2019/20 auf dem Spielplan der Staatsoper
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 Daniel Barenboim wird zwei Mal Wagners RING-Tetralogie dirigieren, der in der Regie von Guy Cassiers zum ersten Mal Unter den Linden zu erleben ist, sowie die Wie-deraufnahmen von Verdis FALSTAFF (Januar / Februar 2020) und Bizets CARMEN (März 2020), die in der Regie von Martin Kušej nach neun Jahren wieder zu sehen ist. Im Konzertprogramm wird der Generalmusikdirektor vier Abonnementkonzerte der Staatskapelle Berlin gestalten. Des Weiteren dirigiert er 2019/20 den Zyklus sämtlicher Beethoven-Sinfonien während der FESTTAGE, die Konzerte zum Jahreswechsel und ein Gastspiel der Staatskapelle Berlin in Paris.

Neben COSÌ FAN TUTTE wird es in der kommenden Spielzeit mit IDOMENEO (22. März 2020) eine weitere Mozart-Neuproduktion geben, dirigiert von Simon Rattle, der diese Oper zu seinen Lieblingswerken zählt. Erstmals arbeitet Rattle dabei mit Regisseur David McVicar zusam-men. Protagonisten sind u. a. Andrew Staples (Idomeneo), Magdalena Kožená (Idamante), Anna Prohaska (Rollendebüt Ilia) und Olga Peretyatko (Rollendebüt Elettra). Ein verstärkter Fokus auf Mozart zeigt sich auch im weiteren Programm mit den Wiederaufnahmen von DIE ZAUBERFLÖTE, DON GIOVANNI, LE NOZZE DI FIGARO sowie im Konzert- und Jugendprogramm.

Der fliegende Holländer2019/20 auf dem Spielplan der Staatsoper
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Mit Richard Strauss’ DER ROSENKAVALIER (9. Februar 2020) wird der Multimedia-künstler André Heller seine erste Oper inszenieren. Die musikalische Leitung übernimmt der Ehrendirigent der Staatskapelle Berlin, Zubin Mehta. Als Bühnenbildnerin konnte die österrei-chische Malerin Xenia Hausner gewonnen werden. Die Kostüme gestaltet der österreichische Modedesigner Arthur Arbesser. René Pape gibt hierbei sein Rollendebüt als Baron Ochs auf Lerchenau, ihm zur Seite stehen u. a. Camilla Nylund (Feldmarschallin), Michèle Losier (Rollendebüt Octavian), Roman Trekel (Herr von Faninal) und Nadine Sierra (Rollendebüt Sophie).

Dem Komponisten und Dirigenten Richard Strauss, der 20 Jahre als Hofkapellmeister und GMD an der Berliner Hofoper tätig war, ist in der Spielzeit 2019/20 ein Schwerpunkt gewidmet, der sich neben der Neuproduktion von DER ROSENKAVALIER in der Wiederaufnahme von SALOME sowie im Konzertprogramm, insbesondere in der Kammermusik, fortsetzt.

Mit CHOWANSCHTSCHINA von Modest Mussorgsky wird eine Oper des russischen Re-pertoires gespielt, die erstmals seit 1958 wieder an der Staatsoper Unter den Linden Premiere feiert. Vladimir Jurowski, Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin und künftiger GMD der Bayerischen Staatsoper, wird mit dieser Neuproduktion sein Hausdebüt geben und die Staatskapelle Berlin zum ersten Mal dirigieren. Regie führt Claus Guth (7. Juni 2020), mit u. a. Mika Kares (Rollendebüt  Fürst Iwan Chowanski), Sergey Skorokhodov (Fürst Andrei Chowanski), John Daszak (Fürst Wassili Golizyn), Vladislav Sulimsky (Bojar Schaklowity), Alexey Tikhomirov (Dosifei), Marina Prudenskaya (Marfa), Andrea Danková (Susanna), Gerhard Siegel (Schreiber) und Anna Samuil (Emma).

Rigoletto 2019/20 auf dem Spielplan der Staatsoper
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BAROCKTAGE – 1. – 10. November 2019

IL PRIMO OMICIDIO von Alessandro Scarlatti ist die BAROCKTAGE-Premiere am 1. November 2019. René Jacobs dirigiert damit seine 27. Neuproduktion am Haus. Diesmal leitet er das belgische Ensemble B’ROCK ORCHESTRA, das erstmals an der Staatsoper Unter den Linden zu erleben ist. Für Regisseur Romeo Castellucci ist es ein Berliner Operndebüt. Zum Ensemble zählen Kristina Hammarström (Caino), Olivia Vermeulen (Abel), Brigitte Christensen (Eva), Thomas Walker (Adamo), Benno Schachtner (Voce di Dio) und Arttu Kataja (Voce di Lucifero). Die Premiere ist eine Koproduktion mit der Opéra national de Paris und dem Teatro Massimo, Palermo. Die BAROCKTAGE finden 2019 vom 1. bis 10. November statt und widmen sich in der zweiten Ausgabe Alessandro Scarlatti und Henry Purcell im Spannungsfeld zwischen dem italie-nischen und dem englischen Barock. Neben der Premiere sind die Wiederaufnahmen von Purcells DIDO & AENEAS und KING ARTHUR zu erleben sowie die LINDEN 21-Uraufführung LOVE, YOU SON OF A BITCH – eine Stückentwicklung von Letizia Renzini, bei der Werke von Alessandro und Domenico Scarlatti mit Live-Elektronik verschmelzen (Uraufführung: 25. Oktober, weitere Vorstellungen im Oktober sowie während der Barocktage). Das weitere Programm umfasst einen Round table sowie 16 Konzerte, die sich ebenfalls schwerpunktmäßig den beiden Komponisten Scarlatti und Purcell widmen. Zu den Gästen des Festivals zählen u. a. die Akademie für Alte Musik unter Fabio Biondi mit Raffaella Milanesi, Roberta Invernizzi, Sonia Prina und Aaron Sheehan als Solisten, Le Concert des Nations unter Jordi Savall, der RIAS Kammerchor unter Robert Hollingworth, The Talis Scholars unter Peter Phillips, die Accademia Bizantina unter Ottavio Dantone mit Serena Sáenz Molinero und Delphine Galou als Solistinnen, sowie Christian Zacharias, Dorothee Oberlinger, Margret Köll und Jean Rondeau.

LINDEN 21 – 2 Uraufführungen

LINDEN 21 umfasst die Produktionen und Projekte des Spielplans, die den vielfältigen Formen zeitgenössischen Musiktheaters nachspüren. 2019/20 wird es dabei zwei Uraufführungen, eine Deutsche Erstaufführung sowie zwei Wiederaufnahmen – USHER von Claude Debussy / Annelies Van Parys in der Regie von Philipp Quesne sowie HIMMELERDE, ein Maskenmusiktheater von Familie Flöz und der Musicbanda Franui – geben.

Die erste LINDEN 21-Produktion der neuen Spielzeit wird am 25. Oktober 2019 im Alten Orchesterprobensaal die Uraufführung von LOVE, YOU SON OF A BITCH, eine Stückentwicklung von Letizia Renzini, sein. Arbeiten von ihr waren u. a. bei der Biennale Venedig, im Tanzeshus Stockholm, dem Royal Opera House London und der Philharmonie Luxembourg zu sehen.

Obwohl Hans Werner Henze und Hans Magnus Enzensberger viel über eine kleine Fassung ihrer 1974 uraufgeführten Fernsehoper LA CUBANA diskutierten, kam es vor Henzes Tod 2012 nicht zur Realisierung dieses Projekts. Mit LA PICCOLA CUBANA (Deutsche Erstaufführung: 28. April 2020, Alter Orchesterprobensaal) kommt die kammermusikalische Fassung dieses Werks – um die Varietésängerin Rachel vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Umbrüche im vorrevolutionären Kuba – in einer Einrichtung von Jobst Liebrecht, unter der musikalischen Leitung von Peter Ruzicka und in der Regie von Pauline Beaulieu erstmals zur Aufführung. LA PICCOLA CUBANA ist eine Koproduktion mit den Osterfestspielen Salzburg, wo das Werk Anfang April 2020 uraufgeführt wird.

Thom Luz, der in diesem Jahr bereits zum dritten Mal zum Theatertreffen eingeladen ist und 2014 von Theater heute zum Nachwuchsregisseur des Jahres gewählt wurde, ist ein Grenz-gänger zwischen Sprech- und Musiktheater. Gemeinsam mit dem Musiker und Arrangeur Mathias Weibel hat Luz in den letzten Jahren eine Theatersprache entwickelt, die Stille, Bewegung, Text und Musik zu dichten, atmosphärischen Raumkompositionen verbindet. Die 1682 von dem Musiker und Musiktheoretiker Andreas Werckmeister formulierten Grundlagen zur wohltemperierten Klavierstimmung werden zum Ausganspunkt ihrer ersten Arbeit an der Staatsoper, in der sie sich unter dem Titel WERCKMEISTER HARMONIEN mit dem Schaffen und der Auf lösung von Ordnungen beschäftigen und nach einer Wahrheit im Zweifel suchen, im Raum zwischen den schwarzen und weißen Tasten (Uraufführung: 19. Juni 2020, Apollosaal). Die Produktion findet in Kooperation mit dem Theater Gessnerallee Zürich statt.

Staatsoper für Alle – Auch 2020 – Mit Sonderkonzert zum 450-jährigen Bestehen der Staatskapelle
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JUBILÄUM  – 450 JAHRE STAATSKAPELLE BERLIN

2020 blickt die Staatskapelle Berlin auf ihr bereits 450-jähriges Bestehen zurück. Grund genug dieses Jubiläum im Kalenderjahr 2020 – über die Spielzeiten 2019/20 sowie 2020/21 hinweg – zu feiern: Bereits mit den Konzerten zum Jahreswechsel am 31. Dezember 2019 und 1. Januar 2020 wird das Jubiläumsjahr eingeläutet, das zu Anfang der Spielzeit 2020/21 mit einer FESTWOCHE im September seinen Höhepunkt findet – u. a. mit Sonderkonzerten wie STAATSOPER FÜR ALLE, dem KONZERT FÜR BERLIN in Kooperation mit der Senatsverwaltung für Kultur und Europa und einem großen Geburtstagsfest in der Staatsoper Unter den Linden. Das Jubiläum wird über die Auftritte hinaus mit einer Buchpublikation, einer CD-Edition sowie einer Ausstellung zur Geschichte der Staatskapelle bedacht. Außerdem kommt es im Februar 2020 zum Abschluss der Symposionsreihe 450 Jahre Staatskapelle Berlin.

K O N Z E R T P R O G R A M M

Die Staatskapelle Berlin spielt in Berlin 16 große Sinfoniekonzerte mit acht Program-men – im Opernhaus Unter den Linden sowie in der Philharmonie. Vier Doppeltermine stehen unter der Leitung von Daniel Barenboim. Die weiteren Abonnementkonzerte werden geleitet von Zubin Mehta, Antonio Pappano, Herbert Blomstedt und Lahav Shani, der beim ersten Abonnementkonzert unter der Leitung von Daniel Barenboim ebenfalls als Solist am Klavier zu erleben ist. Weitere Solistinnen und Solisten sind Lisa Batiashvili (Violine), Martha Argerich ( Klavier), Yuja Wang ( Klavier), Pinchas Zukerman (Violine), Renaud Capuçon (Violine), Christian Schmitt (Orgel) sowie die Mezzosopranistin Elena Garanca. Die Sinfoniekonzerte schlagen dabei immer wieder Querverbindungen zum Opernprogramm, z. B. mit Edward Elgars Symphonischer Studie Falstaff« mit einem Camille Saint-Saëns gewidmeten Programm, mit Modest Mussorgskys Bildern einer Ausstellung sowie mit mehreren Werken von Mozart. Beim VII. Abonnementkonzert kommt Benjamin Attahirs Violinkonzert mit Renaud Capuçon als Auftragswerk der Daniel Barenboim Stiftung zur Uraufführung.

Anlässlich des Beethoven-Jahrs bringen die Staatskapelle Berlin und Daniel Barenboim während der FESTTAGE 2020 alle neun Sinfonien Beethovens an vier Terminen zyklisch zur Aufführung. Ergänzt wird das Konzertprogramm durch ein Klavierrecital mit András Schiff, das sich Beethoven und Mozart widmet. Ebenfalls wieder während der FESTTAGE ist das Opernkinderorchester zu erleben. Unter der Leitung von Max Renne spielen die Kinder Auszüge aus den 2019/20-Premieren IDOMENEO, COSÌ FAN TUTTE und SAMSON ET DALILA sowie aus CARMEN.

Die 16 BAROCKTAGE-Konzerte (1. bis 10. November) widmen sich schwerpunktmäßig den Komponisten Scarlatti und Purcell. Zu den Gästen des Festivals zählen u. a. die Akademie für Alte Musik unter Fabio Biondi mit Raffaella Milanesi, Roberta Invernizzi, Sonia Prina und Aaron Sheehan als Solisten, die Scarlattis Oratorium La Vergine addolorata zur Aufführung bringen, Le Concert des Nations unter Jordi Savall, der RIAS Kammerchor unter Robert Hollingworth, The Talis Scholars unter Peter Phillips, die Accademia Bizantina unter Ottavio Dantone mit Serena Sáenz Molinero und Delphine Galou als Solistinnen, sowie Christian Zacharias, Dorothee Oberlinger, Margret Köll und Jean Rondeau. Unter der Leitung von Matthias Wilke spielen Mitglieder der Staatskapelle Berlin innerhalb des Festivals zwei Konzerte der Reihe Preußens Hofmusik mit Werken von Purcell.

Für junge Menschen von 6 bis 9 Jahren wird es ein Kinderkonzert mit Mitgliedern der Akademie für Alte Musik geben. Die Konzerte finden im Apollosaal, im Großen Saal sowie im Pierre Boulez Saal statt. Im November 2019 werden die Staatskapelle Berlin und ihr Generalmusikdirektor Daniel Barenboim mit den vier Sinfonien von Johannes Brahms in der Philharmonie de Paris zu Gast sein.

Bei den Konzerten zum Jahreswechsel am 31. Dezember 2019 und 1. Januar 2020 erklingt Beethovens Sinfonie Nr. 9 unter der Leitung von Daniel Barenboim, mit Elena Stikhina, Marina Prudenskaya, Andreas Schager und René Pape als Solisten sowie mit dem Staatsopernchor. Des Weiteren wird mit Mozarts Klavierkonzert B-Dur KV 450 das Jubiläumsjahr 450 Jahre Staatskapelle Berlin eingeläutet, das 2020 gefeiert wird und zu Anfang der Spielzeit 2020/21 mit einer FESTWOCHE seinen Höhepunkt f indet.

Die Staatskapelle Berlin wird unter der musikalischen Leitung von Ilan Volkov die Uraufführung des Staatsballetts von Georg Friedrich Haas’ SYM-PHONIE MMXX in der Choreographie von Sasha Waltz zur Aufführung bringen (Uraufführung: 25. April 2020).

Die zehn Kammerkonzerte mit Mitgliedern der Staatskapelle Berlin widmen sich 2019/20 dem kammermusikalischen Schaffen von Richard Strauss, der mit der Geschichte der Staatskapelle Berlin eng verbunden ist und das Orchester als Hof kapellmeister und GMD weit über 1000 Mal in Oper und Konzert dirigierte. Die selten zu hörenden Kompositionen werden in Beziehung gesetzt zu Werken seiner Zeitgenossen und Vorbilder.

Zu den weiteren Konzerten zählen das Klimakonzert des Orchesters des Wandels, das Adventskonzert mit dem Kinderchor, Konzerte im Pierre Boulez Saal, die Konzertreihe Preußens Hofmusik, die Museumskonzerte im Bode-Museum, Kinderkonzerte, Konzerte mit dem Interna-tionalen Opernstudio und der Orchesterakademie bei der Staatskapelle Berlin, Chorkonzerte sowie Sonderprogramme mit Gästen.

2019/20 finden Liedrecitals mit u. a. Angela Gheorghiu, Philippe Jaroussky und Renée Fleming im Großen Haus sowie mit Ensemblesolistinnen und -solisten der Staatsoper Unter den Linden im Apollosaal statt.

Le Nozze di Figaro2019/20 dem Spielplan der Staatsoper
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KINDER- UND JUGENDPROGRAMM

Seit Februar 2018 sind 88 Kinder, 7 bis 12 Jahre alt, Mitglied im Opernkinderorchester. In enger Zusammenarbeit mit den Berliner Musikschulen ermöglichen die Staatsoper und die Staatskapelle Berlin damit Kindern eine Teilhabe am professionellen Opernbetrieb und unterstüt-zen sie so in ihrer individuellen Entwicklung. Zweimal monatlich nehmen die Kinder an gemein-samen Stimmproben mit Musikpädagoginnen und -pädagogen, Musikerinnen und Musikern der Staatskapelle Berlin sowie an Orchesterproben unter der Leitung von Max Renne teil. Unter seiner musikalischen Leitung werden die jungen Musikerinnen und Musiker 2020 in drei Konzerten eine Brücke zum Opernprogramm 2019/20 schlagen, mit Auszügen aus IDOMENEO, COSÌ FAN TUTTE, CARMEN und SAMSON ET DALILA (12. April im Rahmen der FESTTAGE sowie 21. und 26. April 2020).

Das Kinderopernhaus Berlin, das inzwischen in vielen Schulen fest verankert ist, gehört ebenso wie das Opernkinderorchester zum Herzstück der Educationarbeit an der Staatsoper. Im Ursprungsbezirk Lichtenberg, ebenso aber auch in Marzahn und Reinickendorf existieren regionale Zentren, an insgesamt zehn Orten sind Schul-AGs initiiert worden, während in der Staatsoper Unter den Linden seit der Spielzeit 2018/19 die Fäden zusammenlaufen. Insgesamt werden Hunderte von Kindern aus allen Berliner Bezirken erreicht, die zum Teil erstmals mit der Kunstform Oper in Berührung kommen. In der Spielzeit 2019/20 beschäftigt sich das Kinderopernhaus Berlin mit dem jungen Mozart. Unter Anleitung erfahrener Profis aus der Opernwelt erarbeiten die Kinder dabei selbst eine Oper, auf Anregung und unter Verwendung von Mozarts Musik.  Unter dem Titel FINTA MIT FINTEN – DER JUNGE MOZART KOMPONIERT wird diese Produktion am 29. Mai 2020 im Alten Orchesterprobensaal Premiere feiern.

Als Kinderopernproduktion wird SCHNEEWITTCHEN von Wolfgang Mitterer nach Engelbert Humperdinck in der Inszenierung von Constanze Albert wieder zu erleben sein (Wieder-aufnahme: 13. März 2020). In ihrer gemeinsamen Produktion HOMO DEUS beschäftigen sich der Jugendklub und der Jugendchor mit Biotechnik, Cyborgs und künstliche Intelligenz und suchen nach der Absurdität und Poesie in der Welt der Zukunft (Premiere: 15. Mai 2020).

Für die Altersgruppen 3 – 5 Jahre, 6 – 9 Jahre und 10 – 12 Jahre werden Kinderkonzerte angeboten, die ebenfalls in Festivals wie die BAROCKTAGE eingebunden sind. Das weitere Angebot umfasst Workshops, Probenbesuche, die Kompositionswerkstatt, Projekte wie Rhapsody in School oder TUSCH – Theater und Schule, ein Opernreporter-Projekt, den Jugendklub sowie den Jugendchor.

—| IOCO Aktuell Staatsoper unter den Linden |—

Minden, Stadttheater Minden, Der Ring des Nibelungen – Richard Wagner, IOCO Aktuell, 14.08.2019

Stadttheater Minden

Stadttheater Minden © Stadttheater Minden

Stadttheater Minden © Stadttheater Minden

 Der Ring des Nibelungen –  2019Stadttheater Minden

Zyklus I – 12. September 2019  Rheingold,  15. September – Walküre, 19. September  – Siegfried, 22. September 2019 –  Götterdämmerung.
Zyklus II  – 26.9;  29.9.; 3.10; 10. Oktober 2019

Mit den Premieren von Das Rheingold am 9. September 2015, Die Walküre am 9. September 2016, Siegfried am 8. September 2017, Götterdämmerung am 6. September 2018 hat der Richard-Wagner-Verband-Minden in einer Gemeinschafts-produktion mit dem Stadttheater Minden und der Nordwestdeutschen Philharmonie das Opus Magnum des Musiktheaters schlechthin, Richard Wagners Operntetralogie Der Ring des Nibelungen in einer mustergültigen und viel beachteten Inszenierung auf die Bühne gebracht.

„Das Wunder von Minden“ –   IOCO  Buchbesprechung
über den Ring des Nibelungen am Stadttheater Minden

2019 wird der Ring in Minden zum Abschluss der fünfjährigen Produktion noch einmal in zwei vollständigen Zyklen aufgeführt. Die insgesamt acht Vorstellungen werden vom 12. September bis zum 6. Oktober 2019 jeweils donnerstags und sonntags im Stadttheater Minden zu erleben sein.

Stadttheater Minden / Der Ring des Nibelungen - Das Rheingold - hier : die Rheintoechter © Dorothee Rapp

Stadttheater Minden / Der Ring des Nibelungen – Das Rheingold – hier : die Rheintoechter © Dorothee Rapp

Das künstlerische Leitungsteam mit Dirigent Frank Beermann, Regisseur Gerd Heinz, Bühnen- und Kostümbildner Frank Philipp Schlößmann und dem Videokünstler Matthias Lippert wird in dieser vollständigen Aufführungsreihe noch einmal die künstlerische Quintessenz der Arbeit der vergangenen Jahre ziehen und den großen Bogen, den Richard Wagners Nibelungensaga vom Rheingold bis zur Götterdämmerung schlägt, in direkter Abfolge erfahrbar machen.

Das in den vergangenen Jahren zusammengewachsene und inzwischen bestens eingespielte Ensemble aus vielversprechenden Talenten und international gefeierten Solisten wird die Vorzüge des „Mindener Modells“ dabei noch einmal voll zur Geltung bringen: Die Sänger agieren vor dem Orchester und erreichen nicht nur eine deutlich verbesserte Klangbalance, sondern auch eine so große Textverständlichkeit, dass dieses Modell in den vergangenen Jahren auch von anderen Festivals und Opernhäusern übernommen wurde.

Stadttheater Minden / Der Ring des Nibelungen - Die Walkuere © Friedrich Luchterhandt

Stadttheater Minden / Der Ring des Nibelungen – Die Walküre © Friedrich Luchterhandt

Die bisherigen Mindener Opernproduktionen (Der fliegende Holländer 2002, Tannhäuser 2005, Lohengrin 2009, Tristan und Isolde 2012, Das Rheingold 2015, Die Walküre 2016, Siegfried 2017, Götterdämmerung 2018) haben sich dabei zu einer wahren Talentschmiede entwickelt und sind für Sänger wie Andreas Schager, Andreas Hörl, Dara Hobbs, Thomas Mohr oder Anne Schwanwilms ein wichtiger Schritt zu einer großen internationalen Karriere gewesen. Sie werden von der Nordwestdeutschen Philharmonie begleitet und unterstützt, die sich bei den bisherigen Mindener Produktionen einen Ruf als Spitzenorchester erworben hat.

Auch die noch junge Generation zukünftiger Opernfans aus Minden und Umgebung wird Teil des Projektes sein: Die Generalproben vom 2. bis 9. September 2019 sind gleichzeitig als Schulaufführungen (mit Werkerläuterungen vor jedem Aufzug) konzipiert und werden von Schülern besucht, die aus den Schulen des gesamten Kreises und auch der weiter umliegenden Region kommen. Sie werden schon seit geraumer Zeit in themenbezogenen Workshops auf den Ring vorbereitet. Zusätzlich werden Schüler als Komparsen in die Produktion eingebunden sein.

Für auswärtige Besucher wird darüber hinaus ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Einführungsvorträgen, weiteren kulturellen Veranstaltungen und touristischen Angeboten bereitgehalten.

Stadttheater Minden / Der Ring des Nibelungen - hier : Die Goetterdaemmerung © Christian Becker

Stadttheater Minden / Der Ring des Nibelungen – hier : Die Goetterdaemmerung © Christian Becker

Der Erfolg der bisherigen acht Produktionen 2002 bis 2018 war beim Publikum und in den Medien gleicher- maßen überwältigend. Es berichteten u. a. www.ioco.de, IOCO – Kultur im Netz, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Die Welt“, „Der Spiegel“, NDR, WDR, SWR, Deutschlandfunk. Die Ring-Produktion wird darüber hinaus auch unter der Internet-Adresse www.ring-in- minden.de umfassend erläutert und dokumentiert.

—| Pressemeldung Stadttheater Minden |—

Bayreuth, Bayreuther Festspiele 2019, Parsifal – Richard Wagner, IOCO Kritik, 03.08.2019

August 3, 2019 by  
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Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Bayreuther Festspiele

Parsifal – Ein Bühnenweihfestspiel – Richard Wagner 

 – Reinheit ohne Religion –

von Randi Dohrin

Richard Wagner © IOCO

Richard Wagner © IOCO

…“Ein Mensch, der etwas wie den Parsifal geschaffen hat, könne nicht mehr lange leben, der sei fertig, habe alles gegeben!“…  Worte des Leipziger Theaterdirektors August Förster, der der Uraufführung dieses ergreifenden Werkes am 26. Juli 1882 in Bayreuth beiwohnte. Richard Wagner verstarb wenige Monate später am 13. Februar 1883 in Venedig. …

Der Parsifal ist ein Mysterium des Glaubens mit liturgischen Szenen und nicht mit einer gewöhnlichen Oper vergleichbar. Wagner bediente sich christlicher Motive, die durch seine verklärende und gleichzeitig klare Parsifal-Musik eine schwebend religiöse Atmosphäre erhalten. Einzigartig gelang ihm die Synthese zwischen Religion und Musikkunst, mit der er ein neues Ganzes, sein Bühnenwerk Parsifal schuf. Es erhielt von ihm die respektvolle Bezeichnung Bühnenweihfestspiel.

Die geistliche Wesensart dieses Werkes führte zu einem kompletten Applausverbot, das Wagner jedoch nie eingefordert haben soll. Die begeisterten Besucher dieses großartigen Festspielabends, hätte man auch nicht von seinem anerkennenden Beifall dieser gelungenen Inszenierung abhalten können. Deutlich wurde in der Vergangenheit nicht, ob Wagner mit seinem Parsifal einen neuen Zugang zur Religiosität schaffen wollte, trotz aller Hinterfragungen der Kulturszene.

Die Interpretation des Regisseurs Uwe Eric Laufenberg gibt zumindest eine recht klare Antwort auf die Bedeutung der Religionsausübung: Er bezweifelt sie!

Durch die ergreifende Szene zum Schluss des letzten Aktes, offenbart sich diese Skepsis; in Laufenbergs Inszenierung legen Muslime, Juden und Christen die charakteristischen Kennzeichen ihres Glaubens in den Sarg des verstorbenen Titurel, dem Gründer der Gralsritterschaft. Der Bass Wilhelm Schwinghammer als Titurel überzeugte vollendet in dieser Rolle.

Bayereuther Festspiele 2019 / Parsifal hier Ryan MacKinny als Amfortas © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayereuther Festspiele 2019 / Parsifal hier Ryan MacKinny als Amfortas © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Die Befreiung von religiösen Dogmen, deutet Laufenberg mit nackten, tanzenden, gemischt geschlechtlichen Personen unter einem Bühnenwasserfall an. Die Sexualität ist also nicht mehr unrein.

Laufenberg folgt in seiner Neudeutung offenbar den Worten des Dalai Lama:Ich denke an manchen Tagen, dass es besser wäre, wenn wir keine Religionen mehr hätten.“ Sie befinden sich, nicht ohne Grund, im PARSIFAL Programmheft.

Wagners Parsifal- Vertonung gehört zu den herausragenden Meisterwerken der Spätromantik, kraftvoll, aber gleichbleibend künstlerisch edel. Es ist das späteste Werk des geistreichen und gleichzeitig umstrittenen Komponisten Wagner, in welchem er die beherrschende Stellung seiner dramatischen Ideen unanfechtbar untermauert und ihm meisterhaft die Kongenialität zwischen Musik, Handlung und Text gelingt. Er wollte mit seinem Lebensabschieds-Werk …“eine entrückende Wirkung auf das Gemüt ausüben.“…, und in der Tat, sein Parsifal beseelt, wie am 30. Juli 2019, während der mehr als vierstündigen Aufführung, spürbar wurde.

Das Bühnenweihfestspiel sollte ausschließlich im Festspielhaus auf dem Grünen Hügel in Bayreuth inszeniert werden, das in den Jahren 1872–75, nach Entwürfen Richard Wagners, von Otto Brückwald errichtet wurde, wohl für seinen Parsifal oder Parsifal für das Festspielhaus. – Weltweit verfügt es über die beste Akustik im Vergleich zu anderen Opernhäusern, die durch die harte Holzbestuhlung nicht beeinträchtigt und deshalb auch nicht durch Polsterstühle ausgetauscht wird. Für einige Musikerohren dürfte der „gedeckelte“ Graben allerdings eine gewisse Zeit der Umgewöhnung benötigen.

Bayreuther Festspiele 2019 / Parsifal © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele 2019 / Parsifal © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Wagner wollte keineswegs, dass der religiöse Charakter seiner Oper durch Aufführungen an kleineren Bühnen geschmälert wird und verfügte ein alleiniges Aufführungsrecht für das Bayreuther Festspielhaus. Ab Januar 1914 jedoch, wurde der Parsifal, wie alle Werke Wagners, auch an anderen Bühnen regelmäßig präsentiert; die gesetzliche Schutzfrist des Bestimmungsrechtes war abgelaufen.

Der Komponist und Dichter Richard Wagner hatte zu seinen Lebzeiten einen großen Einfluss auf das gesamte Bühnenleben. Seine damaligen revolutionären Anregungen sind heute zu einer deutlich erweiterten, leider nicht immer vorteilhaften, Selbstverständlichkeit geworden und zwar auf allen Gebieten des Theaters. Er erwartete, dass seine Musikschöpfungen mit bedingungsloser Hingabe und Achtung vor dem Kunstwerk von allen Mitwirkenden umgesetzt werden. Dieser, von Bayreuth ausgehende Ensemblegeist, übertrug sich äußerst positiv auf andere Opernbühnen.

Die Dichtung PARZIVAL von Wolfram von Eschenbach entstand zwischen 1200 und 1210; sie ist ein Versroman der mittelhochdeutschen höfischen Literatur und war die Grundlage für Wagners dreiaktiges musikdramatisches Werk, da ihn das Mysterium des Grals nicht mehr aus dem Kopf ging; für ihn stellte der heilige Gral, in dem sich das Kreuzesblut Christi befunden haben soll, eine Verbindung zu Jesus von Nazareth und der Menschheitserlösung dar. In seinem Bühnenweihfestspiel wird das lebensspendende Gefäß und der heilige, unbesiegbare Speer, von den keuschen Grals-Rittern in ihrer Burg behütet und regelmäßig vom Gral-König Amfortas enthüllt. 1877 änderte Wagner den Namen der mittelalterlichen Sagengestalt Parzival in Parsifal um.

Bayreuther Festspiele 2019 / Parsifal hier Elena Pankratova als Kundry und Andreas Schager als Parsifal © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele 2019 / Parsifal hier Elena Pankratova als Kundry und Andreas Schager als Parsifal © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Die Keuschheit der Gralsritter ist im Parsifal ein übersteigertes Muss, ähnlich dem bis heute geltenden Zölibat katholischer Priester. Der mögliche Gedanke, mittels Keuschheit zur Reinheit zu gelangen, um die Menschen erlösen, aus ihrer Zerrissenheit zu holen oder gar retten zu können, bleibt bis heute eine von vielen unbeantworteten Fragen, ebenso, ob eine Verbindung der Grals-Sage zum christlichen Glauben vorhanden ist.

Von der Bedeutung der Musik als Brücke zur Religion, soll Wagner überzeugt gewesen sein und das wurde, unter der musikalischen Leitung von Semyon Bychkow an diesem Festspielabend, zutiefst bestätigt. Bychkow erhielt am Schluss der Oper – verdient – tosenden Applaus für seine musikalische Leitung. Zarte bis kraftvolle Orchesterklänge mit wechselnden Tempi, gaben den Sängern den notwendigen Klangteppich und Raum. Das Tempo im 3. Aufzug hätte sich der ein oder andere vielleicht etwas bewegter gewünscht, so erhielt die Musik eine fast stehende Schwere; ein Tempoideal für den Parsifal gibt es jedoch nicht und schwankt fast immer von Aufführung zu Aufführung.

Fantastisch war auch das hohe Niveau des Chores unter der Leitung von Eberhard Friederich, der eine fulminante Leistung mit einer guten Textverständlichkeit bot. Der Parsifal ist ohne die beeindruckenden Chorszenen der Gralsritter nicht vorstellbar und war in der gebotenen Qualität ein wahrer Ohrenschmaus.

Andreas Schager als Parsifal sang mit kraftvollem Metall und einem besonders schönen Timbre fesselnd die Titelpartie. Parsifal ist ihm auf den Leib geschrieben. Besonders deutlich wird das, als er seine wahre Bestimmung, während der Verführungskünste der Kundry erkennt und sie wütend wegstößt. Er beendet als wissend gewordener Heilsbringer den barbarischen Opferkult der Gralsritter und versöhnt die Religionen. Den überdimensionierten Gral in dieser Inszenierung, enthüllt er jedoch nicht.

Die vielfältige Gestalt der dienenden und äußerst zwielichtigen Kundry, wurde von Elena Pankratova stimmlich und darstellerisch perfekt gestaltet. Nach dem es ihr gelingt, gegen Klingsor zu rebellieren, verliert sie endlich ihre innere Zerrissenheit. Ihre warme, wandelbare Stimme setzte sie verführerisch lyrisch oder hochdramatisch und immer ausgeglichen ein, auch wenn die Textverständlichkeit nicht ganz vorhanden war.

Bayreuth 2016 – ParsifalRichard Wagner
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Überragend besetzt, war die große Basspartie des Gurnemanz mit Günther Groissbeck. Gurnemanz ist ein weiterer Gründer und Wächter der Gralsritterschaft, neben Titurel, der Parsifal zum Gralskönig salbt. Brillant, bei gleichbleibend klangvollen Gesangsbögen, gelangen ihm die Spitzentöne – ohne eine Spur der Forcierung.

Amfortas wird als das Opfer des archaischen Opferkults der Gralsritter gezeigt, die förmlich das Blut aus seiner Wunde zu ihrer Stärkung trinken, obwohl es nicht rein ist; mit den körperlichen Qualen des Amfortas finden sie sich offenbar empathielos ab. Ryan McKinny verkörpert darstellerisch authentisch den Bariton-Part des gequälten und leidenden Amfortas, stimmlich adäquat der Rolle angepasst.

Klingsor, als Herrscher eines Zaubergartens mit den verführerisch singenden Zaubermädchen Katharina Konradi, Ji Yoon, Mareike Morr Alexandra Steiner, Bele Kumberger und Marie Henriette Reinhold, ist voller Hass gegen die Gralsritter, da sie ihn nicht in ihrem Orden haben wollen. Um zu der erforderlichen Keuschheit zu gelangen, kastrierte er sich selbst und scheut auch nicht die knallende Peitsche seiner Selbstgeißelung. Er befiehlt Kundry, alle Ritter zu verführen, damit sie ihre Reinheit verlieren. Eindrucksvoll, überzeugend und stimmgewaltig gestaltete Derek Welton den hasserfüllten Klingsor mit seinem voluminösen Bass.

Das Bühnenbild von Gisbert Jäkel verdeutlicht und unterstützt kongenial die Auslegung des Regisseurs Uwe Eric Laufenberg. Die Kostüme von Jessica Karge veranschaulichen und runden das Geschehen ab, und Reinhard Traub intensiviert die szenische Dramatik mit gekonnten Lichteffekten.

Ein großer Parsifal-Abend, dieser zum letzten Mal in Bayreuth gespielten Inszenierung, wurde begeistert vom Festspiel-Publikum angenommen und mit donnerndem Applaus honoriert.

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