Nachruf für Eike Jarosch – Gründer von IOCO – Kultur im Netz
von Daniela Zimmermann
Eike Jarosch ist gestorben. Mit ihm verliert IOCO nicht nur seinen Gründer, sondern viele von uns einen Freund, einen Ideengeber und einen Menschen, der Kultur mit Leidenschaft und unglaublichem Engagement lebte.
Sein Berufsleben war geprägt von Erfolg und Verantwortung. Viele Jahre wirkte Eike als Manager bei der Metro, und auch nach seiner Pensionierung wurde seine Erfahrung noch gefragt, wenn er kurzfristig Unternehmen unterstützte. Doch trotz, oder vielleicht gerade wegen dieser erfüllten Karriere, reifte in ihm der Wunsch, noch einmal etwas ganz Eigenes zu schaffen. Sein Ziel war die Kultur.
So entstand IOCO – Kultur im Netz. Eike wollte Oper, Operette, Konzerte und Musicals im Internet sichtbar machen, überregional, unabhängig und getragen von einer engagierten Gemeinschaft. Er suchte und fand eine Kultur-Community in ganz Deutschland: Menschen, die seine Begeisterung teilten und bereit waren, ihr Urteil und ihr Können einzubringen.
Unsere eigene Begegnung war ein Zufall und doch auch typisch für ihn. An der Rezeption eines Salzburger Hotels fragte er nach einem guten Restaurant. Es war spät, ich war gerade angekommen, und am Ende gingen wir gemeinsam essen. Aus diesem Abend wurde ein ganzer gemeinsamer Sonntag in Salzburg bei herrlichstem Sonnenschein und voller Gespräche. Dann trennten sich unsere Wege.
Zwei Jahre später war ich beruflich in Düsseldorf. Eike fiel mir wieder ein, ich hatte seine Telefonnummer behalten. Als ich ihn anrief war die Freude groß. Bei einem langen Spaziergang am Rhein erzählte er mir begeistert von seiner Vision: IOCO war gerade entstanden. Dann bat er mich für sein neues Kulturforum zu schreiben. Natürlich würde er mich dabei begleiten. Wir spazierten öfters miteinander, diskutierten viel und aus dieser Zusammenarbeit wurde Freundschaft
Ich war die erste Autorin bei IOCO. Es lief besser, als wir beide es erwartet hatten, und vor allem ich entwickelte eine große Freude am Schreiben. Über sehr viele Jahre habe ich intensiv für IOCO gearbeitet und bin bis heute ein Teil davon geblieben. Unsere Freundschaft wuchs, getragen von wiederkehrenden Begegnungen, aber vor allem von einer sehr intensiven Telefonfreundschaft. Lange Gespräche, viel Lachen, große Offenheit.
Mit Sorge habe ich miterlebt, wie seine Kräfte schwanden. Wie die Hände nicht mehr wollten, jede einzelne Verschlechterung Thema unserer Gespräche wurde. Eike, der Aktive, für den das Fitnesszentrum über Jahre ein zweites Zuhause war, verlor durch den Muskelschwund nach und nach seine Selbstständigkeit. Es war traurig und kaum zu begreifen. Schließlich musste er sich von vielem verabschieden und in ein Pflegeheim ziehen. Er nahm all das ohne großes Klagen an, mit einer stillen Würde, die tief beeindruckte.
Über Alexa hielten wir Kontakt, bis auch das nicht mehr möglich war.
Nun ist Eike gegangen. Ich bin sehr traurig. Über all die Jahre ist er mir ein Herzensfreund geworden. Ich hätte ihm noch sehr ein paar gute, erfüllte Jahre gewünscht. Doch angesichts einer Krankheit, die ihn immer hilfloser machte, ist das Sterben-Dürfen auch etwas Tröstliches.
Eike wusste, dass IOCO weiterlebt. Das war ihm wichtig und das hat ihm das Loslassen erleichtert. Als Gründer, als Freund, als Mensch wird er fehlen.
Ich werde ihn vermissen.