München, Gärtnerplatztheater, DIE ZIRKUSPRINZESSIN – Emmerich Kálmán, IOCO
Ein schillerndes Operetten-Comeback: Die Zirkusprinzessin begeistert am Gärtnerplatztheater mit prachtvoller Ausstattung, mitreißendem Zirkusflair, starken Stimmen und Emmerich Kálmáns unverwüstlicher Musik – ein Abend voller Charme, Humor und Herz.
von Daniela Zimmermann
Die Zirkusprinzessin – Ein köstliches Revival im Gärtnerplatztheater
Mit der Wiederaufnahme von Der Zirkusprinzessin kehrt eine der schillerndsten Operetten Emmerich Kálmáns als Spielzeitpremiere an das Staatstheater am Gärtnerplatz zurück. Das Libretto von Alfred Grünwald und Julius Brammer entfaltet auch heute noch seinen Charme, und unter der Regie von Josef E. Köpplinger erstrahlt die Inszenierung auch in dem inzwischen renovierten Haus, in voller Pracht. Viele Sänger der Premiere von 2014, damals in einem wirklichen Zirkus, dem Zirkus Krone, aufgeführt, sind erneut präsent. Neuen, frischen Glanz bekommt die Aufführung durch die Neubesetzung der Rolle der Fedora mit Andreja Zidaric, des Toni mit Peter Neustifter und Martin Hausberger als Zirkusdirektor.
Das Zirkustreiben auf der Bühne ist zauberhaft lebendig und mitreißend. Das Ballett des Staatstheaters in den bunten, liebevoll zusammengestellten Zirkuskostümen von Marie-Luise Walek, wirbelt akrobatisch und lustig über die Bühne, sodass man sich unmittelbar im Zirkus in St. Petersburg wähnt. Rainer Sinells Bühne ist eine echte Zirkusarena, die das Publikum mitten ins Geschehen zieht. Die Operette entstand 1927 in einer wirtschaftlich sehr schweren Zeit, und gerade ihre Leichtigkeit, die schönen Melodien und die aufwendigen Kostüme, machten sie zu einem Riesenerfolg. Die revueartige Inszenierung, die humorvollen Intrigen, die Missverständnisse und das Happy End begeistern damals wie heute.

Die Handlung entfaltet sich mit Fedora (großartig: Andreja Zidaric), der schönen und reichen Witwe, die auf Befehl des Zaren heiraten soll, um ihre Besitzungen in russischem Besitz zu halten. Prinz Sergius Wladimir, bestens verkörpert von Erwin Windegger, zählt zu ihren Anwärtern. Auch unter den Husaren gibt es zahlreiche Verehrer. Und dann gibt es noch Mister X, gesungen und gespielt mit perfektem Gesang und eindrucksvoller Bühnenpräsenz von Daniel Prohaska. Dieser Mister X trägt eine Maske, um unerkannt zu bleiben, und ausgerechnet er allein, weckt Fedoras Interesse. Anlässlich eines glanzvollen Gesellschaftsabends schmiedet Prinz Sergius Wladimir aus verletzter Eitelkeit den Plan, Mister X öffentlich zu entlarven und als Rivalen öffentlich bloßzustellen. Sein Vorhaben misslingt und trägt schließlich zur Auflösung der Liebesverwicklungen bei. Trotz der gravierenden Standesunterschiede, die dieser großen Liebe anfänglich im Wege stehen, siegt letztlich, zur Freude aller, die Liebe.
Eine weitere liebenswerte und für humoristische Einlagen sorgende Person ist die amerikanische Zirkusreiterin Miss Mable Gibson, gesungen und gespielt von Nadine Zeintl, die sich als echtes Wiener Madl entpuppt und statt Englisch einen Wiener Dialekt spricht, der an My Fair Lady erinnert. Ihr richtiger Name ist Liese. Toni Schlumberger, Sohn einer angesehenen Hoteliersfamilie, gibt sich als Sohn Erzherzogs Karl aus, und meint damit den Namen des Hotels seiner Eltern. Doch wer versteht das schon, denn damit öffnen sich die Türen des Adels für ihn in St. Petersburg. Aber Toni hat nur Augen und ein Herz voller Liebe für seine Liese. Er umwirbt sie geschickt und die beiden tanzen einen ungarischen Shimmy, der charmant in einer spontanen Hochzeit mündet.
Im dritten Akt landen alle in Wien, und natürlich in einem der Restaurants, der Familie Schlumberger. Hier treffen alle Mitwirkenden zusammen und Rainer Sinells Bühnenbild schafft die attraktive Räumlichkeit dafür. Toni Schlumberger muss seiner energischen Mutter, von Siegrid Hauser glaubwürdig verkörpert, seine Heirat mit Liese (Miss Mable) beichten. Humorvoll werden Familienstand, Liebesgeschichten und alte Verbindungen, wie die des Robert Meyer dargestellten Oberkellners Pelika, zu Frau Schlumberger, verknüpft. Das St. Petersburger Zirkusbesitzerehepaar, zu alt für die Leitung des Zirkusses, übergibt diesen an Mister X, der schließlich als Zirkusdirektor standesgemäß wird, und Fedora fällt glücklich in seine Arme.

Die Musik von Emmerich Kálmán bleibt das Herzstück des Abends. Das Orchester des Staatstheaters entfaltet unter der sicheren Leitung von Oleg Ptashnikov, die üppigen Melodien in voller Klangpracht, von schwungvollen Tänzen bis zu gefühlvollen Arien. Die Duette und Ensembles strahlen voller Lebensfreude und das wiederum überträgt sich auf das Publikum. So verbinden sich das bunte Zirkustreiben, die romantischen Verwicklungen sowie der musikalische Hochgenuss zu einem bezaubernden Gesamterlebnis, das die Schönheit und Fröhlichkeit dieser Operette auch heute noch so lebendig macht.