München, Gärtnerplatztheater, DER GRAF VON LUXEMBURG - Franz Lehár, IOCO

Operette oder Musical? Lehárs „Graf von Luxemburg“ erlebt in Peter Lunds moderner Fassung eine spritzige Verwandlung: Identitätsspiel, Pariser Glanz und beschwingte Musik verschmelzen zu einem mitreißenden Abend voller Esprit und großer Emotionen.

München, Gärtnerplatztheater, DER GRAF VON LUXEMBURG - Franz Lehár, IOCO
Staatstheater am Gärtnerplatz © Christian POGO Zach

von Daniela Zimmermann

Operette oder doch Musical

Mit Der Graf von Luxemburg schuf Franz Lehár 1909 eine Operette, die ganz im Geist ihrer Zeit stand, beschwingt, elegant und voller Esprit. Das Libretto von Alfred Maria Willner und Robert Bodanzky bedient sich klassischer Operettenmotive wie Verwechslung, Scheinehe und gesellschaftlicher Maskerade. In der jetzigen Fassung für das Staatstheater hat Peter Lund dem Werk einen frischen, modernen Schwung verliehen, ohne den Charme des Originals zu verlieren.

Lund aktualisiert die Geschichte für die heutige Zeit. Aus dem „echten“ Grafen wird ein gewitzter Hochstapler – ein Kammerdiener, der die Abwesenheit seiner Herrin, der Gräfin von Luxemburg, nutzt, um selbst in die Rolle des Grafen zu schlüpfen. Diese Verschiebung passt hervorragend zum Genre und verstärkt den spielerischen Umgang mit Identität und Schein.

Daniel Prohaska (René Graf von Luxemburg), Andreja Zidaric (Angèle Didier) © Anna Schnauss

Die Handlung spielt in Paris der Jahrhundertwende, einer Welt zwischen Glanz und Unbeschwertheit. Im Mittelpunkt steht René, Kammerdiener der Gräfin, ein verarmter Lebemann, der sich auf ein lukratives Geschäft einlässt. Fürst Basil Basilowitsch, vollkommen verliebt in die Sängerin Angèle, die er heiraten möchte, benötigt für diesen Schritt eine standesgemäße Ehe seiner zukünftigen Frau auf Zeit. René, der vorgibt, ein Graf zu sein, geht diese Scheinehe ein, ohne seine Braut je gesehen zu haben. Ein Paravent trennt die beiden bei der Trauung. Als sich René und Angèle später begegnen, verlieben sie sich ineinander, ohne von ihrer bereits bestehenden Verbindung zu wissen. Intrigen, Verwechslungen und emotionale Verwicklungen führen schließlich zu einem glücklichen Ende, in dem die Liebe über alle gesellschaftlichen Konventionen hinweg triumphiert.

Das Bühnenbild von Jürgen Franz Kirmer, entfaltet auf der Drehbühne ein lebendiges, farbenprächtiges Paris. Vom Eiffelturm über die schwungvolle Showtreppe bis zum Zugabteil, zur Mansarde und zum Hotel. Alles ist stilvoll und detailreich gestaltet und vermittelt das Flair der gehobeneren Gesellschaft. Besonders eindrucksvoll gerät die große Showtreppenszene, in der der Chor als elegante Ballgesellschaft im Stil der 1920er Jahre auftritt und Angèle als großen Star feiert. Die Choreinstudierung von Dovilė Šiupėnytė sorgt für Präzision und Lebendigkeit.

Sophia Keiler (Juliette Vermont), Peter Neustifter (Armand Brissard), Erwin Windegger (Fürst Basil Basilowitsch) © Anna Schnauss

Die Kostüme von Daria Kornysheva unterstreichen dieses Bild auf eindrucksvolle Weise. Sie sind elegant, exklusiv und durchweg stimmig schön. Sowohl die Herren als auch die Damen erscheinen in besonders geschmackvoll gewählten Gewändern, die das Gesamtbild dieser Inszenierung entscheidend mitgestalten.

Musikalisch wird der Abend von Michael Brandstätter getragen, der Lehárs Partitur mit Schwung und klanglicher Transparenz interpretiert. Die Musik entfaltet sich heiter, fließend, beschwingt und trägt maßgeblich zur Stimmung des Abends bei.

In den Hauptrollen überzeugt ein spielfreudiges Ensemble. Daniel Prohaska gestaltet den René mit gesanglicher Perfektion und mit tänzerischer Eleganz, dazu seine Gestik und die spürbare Leichtigkeit. Hier kann er seine besondere Begabung für das Operettenfach voll ausleben, so erlebt man ihn ganz in seinem Element. An seiner Seite begeistert Andreja Zidaric als Angèle, die als umjubelter Bühnenstar glänzt. Sie überzeugt nicht nur darstellerisch, sondern auch gesanglich mit strahlender Bühnenpräsenz. Ihre klare Linienführung und ihre mühelose Leichtigkeit, machen ihre Ausnahmestellung glaubhaft.  

Als charmantes und engagiertes Künstler- und Freundespaar überzeugen auch Sophia Keiler und Peter Neustifter als Juliette und Armand. Dagmar Hellberg verleiht der Gräfin vom Luxemburg eine freche, erotische und selbstbewusste Ausstrahlung. Besonders reizvoll ist die Figur des Fürsten Basil von Basilowitsch, dargestellt von Erwin Windegger. Ein Mann, der glaubt, mit Geld alles managen zu können, und der doch am Ende seiner Jugendliebe, der Gräfin von Luxemburg (großartig Dagmar Hellberg), wiederbegegnet, und alle vorangegangenen Pläne vergessen lässt. Die beiden finden rasch zueinander und bilden ein hinreißend charmantes und spielfreudiges „Seniorenpaar“, das sowohl gesanglich als auch darstellerisch begeistert.

Dagmar Hellberg (Gräfin Mathilde von Luxemburg), Tanzensemble © Anna Schnauss

Die Handlung wird durchweg flott, lebendig, musikalisch beschwingt wiedergegeben, mit tänzerischer Eleganz und einer mitreißenden Beschwingtheit, die bisweilen an ein Musical erinnert. Der Zauber von Paris durchzieht den ganzen Abend.

Am Ende steht ein großer Erfolg, eine überaus mitreißende Aufführung, getragen von einer wunderbaren Stimmung auf der Bühne und im Publikum. Zu Recht gefeiert mit anhaltenden Ovationen.

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