Dankbarkeit für einen besonderen Menschen

Dankbarkeit für einen besonderen Menschen

Eike sammelte offensichtlich Partner für seine IOCO-Leidenschaft, wie andere ausgesuchte Preziosen oder seltene Briefmarken.

Wir lernten uns vor knapp drei Jahren über eine gemeinsame Bekannte kennen und schätzen,- womit ich vermutlich einer der "jüngsten" Zuwächse im Team wurde.

Am Telefon überredete (überzeugte) er mich mit Eloquenz, fachliche Expertise und einem "Feuer" für die Sache, die keinen Zweifel an meiner von ihm erwarteten Zusage bei mir zulassen wollten. Als frisch pensionierter Kapellmeister aus dem Nordwesten stieß ich zu vier Dutzend weiterer Kollegen im gesamten deutschsprachigen Raum und darüber hinaus.

Von Anfang an war es über den Äther und später im persönlichen Kontakt sein ausgesprochener Wunsch, mit allen Schreibenden in der IOCO-"Familie" unmittelbar im Kontakt zu stehen. Da konnten Telefonate auch mal die Stundengrenze überschreiten.

Lebhaft bleiben mir im Kopf kulturpolitische Austausche mit Eike zu vielfältigsten Themen wie z.b. russische Musik in Zeiten des Ukrainekriegs, Fragen zum Nepotismus an deutschen Theatern, die Bedeutung von Britten als Pazifist sowie Erörterungen zum schmalen Grat zwischen Verriss und Hofberichterstattung.

Aufgeschlossen war er allem, was an ihn herangetragen wurde. Er war ein Ermöglicher, kein Verhinderer. Dass er meiner Idee von flankierenden, geländernden Essays zu (vor allem) seltenen Repertoire-Perlen unmittelbar zustimmte, war eine kolossale Motivation, noch tiefer in zentrale Fragen einzutauchen.

Unsere erste und leider einzige persönliche Begegnung hatten wir in Düsseldorf, wo wir zur Mittagszeit an einem Sonntag verzweifelt ein Café suchten. Auf den Wanderungen durch die nicht gerade schöne Innenstadt fabulierten wir über zahlreiche Aspekte von IOCO und der Kulturszene, bis wir uns endlich in einer Altstadtkneipe bei einem Bier, dem weitere folgten, laben konnten.

Eike hatte Humor, einen feinen Sinn für Ironie, viel Sachkenntnis, Einfühlungsvermögen und eine grenzenlose Liebe zu allem, was mit der großen Bandbreite von IOCO zusammenhängt.

Er ermunterte, lobte, begeisterte sich und andere; er strahlte in der persönlichen Begegnung und aus der Ferne.

Seine letzten Audios und Videos erreichten mich im Spätherbst und ließen mich verstört, tief traurig und mit Zweifeln an der Gerechtigkeit des menschlichen Lebens zurück.

Letztlich bleibt aber die Dankbarkeit, diesem Menschen begegnet zu sein und der Auftrag, sein Opus in seinem Sinne fortführen zu dürfen.

Eike als Fixstern wird IOCO am Kulturhimmel weiter begleiten!

R.I.P. lieber Eike

oder wie Hermann Hesse sagen würde:

"Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde

Uns neuen Räumen jung entgegen senden,

Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.

Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!"

(Thomas Honickel, IOCO Nordwest/Oldenburg, Bremen und umzu)