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Mannheim, Musikalische Akademie, 2021/22 – die 243ste Spielzeit, IOCO Aktuell, 19.07.2021

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Redaktion
19. July 2021
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Der Rosengarten von Mannheim, Spielstaette der Musikalischen Akademie © Ben van Skyhawk
Der Rosengarten von Mannheim, Spielstaette der Musikalischen Akademie © Ben van Skyhawk

Musikalische Akademie Mannheim

Musikalische Akademie Mannheim – Spielzeit 2021/22 

  –  die Historie –  die Gegenwart – selbst-Erwirtschaftungsgrad – 90%

Die Geschichte:  Die in der Musikalischen Akademie organisierten Mitglieder des Nationaltheater-Orchesters Mannheim sind Veranstalter einer der ältesten Konzertreihen in Deutschland. Unter den Theater- und Symphonieorchestern sind die demokratische Struktur der Akademie und ihre damit verbundene programmatische sowie finanzielle Eigenständigkeit einzigartig. Sie sind entscheidend für die künstlerische Identität und das Selbstbewusstsein der Musiker. Achtmal im Jahr präsentiert sich heute das Orchester, das sonst im Operngraben erklingt, im Mozartsaal des Rosengartens (Bild).

1778 gründeten Bürger und Musiker Mannheims, orientiert am Pariser Vorbild, eine Académie des amateurs. Sie führte die Konzertreihe der Hofkapelle in eigener Regie weiter, nachdem der Kurfürst Mannheim verlassen hatte. Heute nimmt die Akademie neben den Musikern des Nationaltheater-Orchesters auch Fördermitglieder auf. Ein Kuratorium, besetzt mit Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik, von der Universität und den Hochschulen sowie aus dem musikalischen Leben Mannheims, begleitet und unterstützt die Arbeit des Vorstands der Akademie.

Kulturschaffen in der Eigenverantwortung der Künstler: Das ist in Mannheim Wirklichkeit, und es ist erwiesenermaßen ein erfolgreiches und nachhaltiges Konzept!

Musikalische Akademie Mannheim © Christian Kleiner
Musikalische Akademie Mannheim © Christian Kleiner

Die Spielzeit 2021/22  –  Die 243ste Spielzeit seit der Gründung

Die Musikalische Akademie des Nationaltheater-Orchesters Mannheim e. V. veranstaltet in ihrer 243. Saison acht Doppelkonzerte im Mozartsaal des Mannheimer Rosengartens. Generalmusik-direktor Alexander Soddy dirigiert vier Akademiekonzerte und darf sich gemeinsam mit dem Nationaltheater-Orchester auf herausragende Solistinnen und Solisten wie Noa Wildschut, Frank Peter Zimmermann oder Kirill Gerstein freuen. Die Konzerte finden jeweils montags und dienstags um 20 Uhr statt.

»Es liegen eineinhalb fordernde Jahre hinter uns. Auch wenn unser Verein über die Schlief3zeit keinesfalls untätig war -wir hoffen unbedingt, nächste Saison wieder regulär Publikum im grof3en Konzertsaal willkommen heif3en zu dürfen«, kommentierte Fritjof von Gagern, 1. Vorsitzender der Musikalischen Akademie. »Gemeinsam mit dem Mannheimer Rosengarten haben wir ein Hygienekonzept erarbeitet, das -auf wissenschaftlichen Studien basierend -eine gute und sichere Umsetzung unserer Veranstaltungen ermöglicht. Dazu kommt eine kontinuierlich steigende Impfquote in der Bevölkerung. Insbesondere auch mit Blick auf unser Akademiekonzert am 26. und 27. Juli 2021, das bereits mit einer Saalauslastung von 60 % durchgeführt werden kann, sind wir deshalb sehr zuversichtlich, unsere musikalischen Ideen in der kommenden Spielzeit plan-und programmgemäf3 realisieren zu können. Der Austausch mit dem Publikum hat uns Musikerinnen und Musikern ungemein gefehlt -und mit unseren neuen Programmen möchten wir Lust auf die neue Saison wecken.«

Nationaltheater Mannhein / Alexander Soddy © Miina Jung
Nationaltheater Mannhein / Alexander Soddy © Miina Jung

Die Konzertprogramme hat der Vorsitzende von Gagern gemeinsam mit Generalmusikdirektor Alexander Soddy erarbeitet: Im 1. Akademiekonzert 2021/21 erkundet das im Verein organisierte Orchester die satten Landschaften sowie den königlichen Glanz Britanniens. Neben Ralph Vaughan Williams’ Fantasia on a Theme by Thomas Tallis und Edward Elgars Symphonie Nr.1 vermag dabei auch Max Bruch in der Schottischen Fantasie mithilfe der virtuos arrangierten Klangfarben von Violine und Harfe eine typisch »schottische« Stimmung zu kreieren. Mit von der Partie ist Noa Wildschut, 20 Jahre jung und viel mehr als nur ein Shootingstar der Klassikszene: Gerühmt für Präzision und einen stets beseelten Geigenton, hat sie Bruchs Werk früh für sich entdeckt.

Frank Peter Zimmermann ist im Rahmen des 2. Akademiekonzerts 2021/22 wieder zu Gast in Mannheim, diesmal mit Bohuslav Martinus Suite concertante. Ergänzt wird dieses violinistische Feuerwerk von Bela Bartoks Rhapsodie Nr. 1; beide Werke erklingen zum ersten Mal bei den Akademiekonzerten. Darüber hinaus kann Sidney Corbetts Viofence and Longing, eine Auftragskomposition der Musikalischen Akademie, endlich aus der Taufe gehoben werden, nachdem das Werk 2019/20 situationsbedingt verschoben werden musste. Viofence and Longing kommuniziert auf besondere Weise mit dem letzten Programmpunkt des Abends: Unter anderem Ludwig van Beethovens Symphonie Nr. 4 diente als Inspiration für Corbetts brandneues Opus. Der amerikanische Komponist ist seit 2006 in Mannheim verwurzelt und fördert als Professor an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim Komponistinnen und Komponisten der jungen Generation.

Im 3. Akademiekonzert 2021/22 begibt sich das Nationaltheater-Orchester auf eine Reise nach Russland: Neben Rachmaninows vielgeliebtem Klavierkonzert Nr. 2 erklingt auch Tschaikowskis Symphonie Nr. 4, in der tragische Topoi, von Tschaikowskis Lebensgeschichte inspiriert, gewohnt kunstfertig verarbeitet werden. Die musikalische Leitung unterliegt Jordan de Souza, der als Erster Kapellmeister der Komischen Oper grosses Ansehen erlangt hat. Ihm zur Seite steht ein russischer Kosmopolit: Kirill Gersteins Klavierspiel besticht mit einem unverwechselbar-verjazzten Stil.

Musikalische Akademie – 240 Jahre Konzerte
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»Mit Worten ihn beschreiben hieße scheitern«, stellte der Künstlerische Beirat der Musikalischen Akademie nach seinem Debüt bei den Akademiekonzerten fest: Rafal Blechacz, zuletzt in der Spielzeit 2017 /18 bei der Musikalischen Akademie zu Gast, kehrt im 4. Akademiekonzert 2021/22 nach Mannheim zurück. Gemeinsam mit dem Dirigenten und Landsmann Michal Nesterowicz widmet er sich dabei einem polnischen Nationalschatz: Frederic Chopins Klavierkonzert Nr. 1. In der Kleinen Suite präsentiert wiederum der Komponist Witold Lutoslawski Polkas und andere Tanzweisen der polnischen Volksfeste. Von diesem Hörabenteuer zum nächsten geht es mit Mendelssohns »schottischer« Symphonie Nr. 3, die den Konzertabend mit wohlgelaunten – und, unter Berücksichtigung der Klarinette, die im Werk einen Dudelsack imitiert, wohl nicht gänzlich ernst gemeinten – Klängen beschließt.

Nicht erst, seitdem die Turangalila-Symphonie vom Mannheimer Publikum im November 2019 mit Begeisterung aufgenommen wurde, steht Olivier Messiaen bei GMD Alexander Soddy hoch im Kurs. Gemeinsam mit dem Nationaltheater-Orchester lässt er die farbenprächtige Musik des Franzosen im 5. Akademiekonzert 2021/22 mit L ‘Ascension doch nun erst recht aufs Neue erstrahlen. Daneben steht Anton Bruckners sechste Symphonie – Klangräume, die einer Kathedrale ähneln.

 Im 6.Akademiekonzert 2021/22 stof3en wiederum glitzernde Zauberwelten und Schauerromantik auf die transparente Musik Mozarts: Emmanuel Pahud, Soloflötist der Berliner Philharmoniker, interpretiert Mozarts elegant ausgestaltetes Konzert für Flöte und Orchester Nr.1 in G-Dur. Seinen Einstand bei der Musikalischen Akademie feiert auch Ivan Repusic, der Carl Maria von Webers Ouvertüre zu Oberon sowie Hector Berlioz’ Symphonie fantastique dirigiert.

Endlich kann auch das Dirigat Roberto Rizzi Brignolis nachgeholt werden: Während sein Schwerpunkt insbesondere auf dem italienischen Repertoire liegt – in der Metropolregion Rhein-Neckar hat sich Rizzi Brignoli durch seine Erfolge mit Giuseppe Verdis II Trovatore am Nationaltheater Mannheim profiliert-, bewegt er sich mit großer Stilsicherheit auch durch die klassische und romantische Epoche. Auf dem Programm des 7. Akademiekonzerts 2021/22 stehen daher Franz Schuberts Ouvertüre zu Die Zauberharfe sowie seine »tragische« vierte Symphonie, dazu gesellt sich Beethovens Eroica.

Während er dem Nationaltheater-Orchester bis 2023 als Chefdirigent der Akademiekonzerte verbunden bleibt, neigt sich Alexander Soddys Engagement als Mannheims Generalmusikdirektor dem Ende zu: Das krönende Finale seiner GMD-Zeit feiert die Musikalische Akademie mit Gustav Mahlers Auferstehungssymphonie. Nomen est omen: Zwei Chöre, die beiden Gastsolistinnen Anne Schwanewilms und Okka von der Damerau sowie das riesig besetzte Orchester sorgen für üppig gefüllte Bühnen.

Die Musikalische Akademie des Nationaltheater-Orchesters

Die in der Musikalischen Akademie organisierten Mitglieder des Nationaltheater-Orchesters Mannheim e. V. sind seit über 240 Jahren Veranstalter der Konzertreihe „Akademiekonzerte”. Unter den Theater-und Symphonieorchestern sind die demokratische Struktur der Akademie und ihre damit verbundene programmatische sowie finanzielle Eigenständigkeit einzigartig. Sie sind entscheidend für die künstlerische Identität und das Selbstbewusstsein der Musikerinnen und Musiker. In acht Doppelkonzerten pro Spielzeit präsentiert sich heute das Orchester, das sonst im Operngraben erklingt, im Mozartsaal des Mannheimer Rosengartens.

Wirtschaftliche Situation  –  Hoher selbst-Erwirtschaftungsgrad

Ein voller Saal ist überlebenswichtig für die Musikalische Akademie, die sich fast ausschlie~lich über den Verkauf von Eintrittskarten und Abonnements finanziert. Alle laufenden Kosten werden zu 90 % über Ticketeinnahmen gedeckt. Eine direkte Subvention erhält der Verein bislang nicht. Mit diesen Einnahmen müssen u. a. die Miete für den Mozartsaal im Rosengarten sowie Honorare für Gastdirigentinnen und -dirigenten respektive Solistinnen und Solisten bestritten werden. Enorme Anstrengungen der Akademie haben in den letzten Jahren zu einem stetigen Besucheranstieg geführt: Dem Verein gelang es, die Besucherauslastung des Mozartsaals von 71,2 % (Stand Saison 2015/16) auf 88,2 % (Stand nach 4 Konzerten Saison 2019/20)1 zu steigern. Zuletzt durfte die Akademie jährlich 27.000 Besucherinnen und Besucher und 2.700 Abonnentinnen und Abonnenten begrüßen.

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