Münster, LWL Museum Kunst und Kultur, Passion und Leidenschaft – Ausstellung, IOCO Ausstellungen, 08.10.2020

 Landesmuseum Münster mit Lichtplastik von Otto Piene. © Hanns Butterhof

Landesmuseum Münster mit Lichtplastik von Otto Piene © Hanns Butterhof

Landesmuseum Münster

  Passion und Leidenschaft : Im Bann der großen Gefühle

Landesmuseum Museum Münster prunkt mit Passion und Leidenschaft in der abendländischen Kunst

von Hanns Butterhof

Münster Kunstmuseum / Ausstellung Passion und Leidenschaft - hier: Laokoon empfängt die Besucher © Hanns Butterhof

Münster Kunstmuseum / Ausstellung Passion und Leidenschaft – hier: Laokoon empfängt die Besucher © Hanns Butterhof

Das LWL – Museum für Kunst und Kultur in Münster widmet sich in seiner neuen Ausstellung Passion Leidenschaft mit zweihundert Exponaten in sechs Sälen umfassend den großen Gefühlen von Liebe und Hass bis Entsetzen und Verzweiflung.

Schon beim Betreten des ersten Saals ist der Besucher überwältigend mit einer Nachbildung der prominenten Laokoon-Gruppe konfrontiert, die in Gestalt und Mimik pure Emotion ist. Allerdings stellt sich auch sofort die Frage, ob der Titel der Ausstellung wohl passt; von Leidenschaft kann bei dem angestrengt und hoffnungslos um sein und das Leben seiner Söhne ringenden Mann nur schwer die Rede sein.

Treffender ist der Untertitel der Ausstellung, die umfassend das Versprechen einlöst, Die Kunst großer Gefühle zu zeigen, etwa Ekstase, Verzückung, Liebe, Begierde, Scham und Trauer.

Münster Kunstmuseum / Ausstellung Passion und Leidenschaft - hier : Der Schmerzensmann des Meisters IPS erzeugt Mitgefühl © Hanns Butterhof

Münster Kunstmuseum / Ausstellung Passion und Leidenschaft – hier : Der Schmerzensmann des Meisters IPS erzeugt Mitgefühl © Hanns Butterhof

Die sechs Säle repräsentieren mit internationalen Leihgaben einen zweitausendjährigen künstlerischen Umgang mit den menschlichen Gefühlen und ihrem gestischen und mimischen Ausdruck. Erstrecken sich die Zeugnisse von der Antike bis zur Gegenwart, so liegt die Keimzelle der Ausstellung im Mittelalter, bei der Passion, den Leiden Christi. In einem violett gehaltenen Saal zielen die Darstellungen des Schmerzensmannes und seiner trauernden Mutter unmittelbar auf das Mitfühlen mit den Leidenden. Nirgends sonst in der Ausstellung ist die Verbindung von Leidenschaft und Leiden so eng und wird die Anmutung an das Publikum so deutlich, selber die großen Gefühle zu empfinden.

Viel aus dem mittelalterlichen Ausdrucksrepertoire hat sich, aus dem christlichen Zusammenhang gelöst, bis in die Kunst der Gegenwart erhalten wie der hoffnungsfroh zum Himmel gerichteten Blick oder der geschundene Mensch. Portraits von blutenden und nach Schlägen verschwollenen Frauen rufen noch immer unmittelbar fraglos das Mitgefühl herauf.

Münster Kunstmuseum / Ausstellung Passion und Leidenschaft - hier : Pauwels Franck zeigt Varianten der Liebe © Hanns Butterhof

Münster Kunstmuseum / Ausstellung Passion und Leidenschaft – hier : Pauwels Franck zeigt Varianten der Liebe © Hanns Butterhof

Als Herzstück der Ausstellung beleuchtet ein rosa-rot gehaltener Saal die weiten Gefilde der Liebe, die nach heutigem Sprachgefühl am engsten mit Leidenschaft verbunden ist. Von Lust und Begehren, von Adam und Eva spannt sich der Bogen in ausdrucksstarken Bildern bis hin zu Eifersucht und Lustmord. Doch auch die entgegengesetzten Emotionen wie Verachtung und Hass, die sich in Krieg und Kampf durch die ganze Menschheits- und Kulturgeschichte bis ins Heute ziehen, finden ihren Platz. Es sind in einem blau gehaltenen Saal eindringliche und verstörende Bilder bis hin zu einem von Donald Trump, das ihn des schamlosen Missbrauchs des Gefühls anklagt.

Am Ende der Ausstellung kann sich das Publikum von einem Gesichts-Erkennungs-Apparat Alter, Geschlecht und Gefühlslage bestimmen lassen, dessen Programmierung vielleicht auf zweitausend Jahre Erforschung der großen Gefühle und ihres Ausdrucks in der abendländischen Kunst zurückgeht.

 Ausstellungsdauer  Passion und Leidenschaft  –  9.10.2020 bis 14.2.2021

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr, am 2. Freitag im Monat bis 24.00 Uhr. – Information unter: lwl-museum-kunst-kultur.de

Eintritt: 13,00 €, ermäßigt 6,50 €. Am Eröffnungstag 9.10. von 10.00 bis 24.00 und am zweiten Freitag im Monat ab 18.00 Uhr Eintritt frei.

Im Deutscher Kunstverlag ist ein über 300 Seiten starker, reich bebilderter Katalog zur Ausstellung für 29,00 € erschienen.

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