Laubach, Schloss Laubach, Opera meets nature – Benefizkonzert, IOCO Kritik, 03.09.2020

Opera meets nature in Schloss Laubach © Ingrid Freiberg

Opera meets nature in Schloss Laubach © Ingrid Freiberg

Opera meets nature

 Opera meets nature – Schloss Laubach

von Ingrid Freiberg

Unter dem Motto Bayreuth fällt 2020 Corona-bedingt aus – die Künstler kommen nach Laubach findet in der Herrenscheune des Grafenschlosses ein einzigartiges Konzert statt. Der bezaubernden Gräfin Celina und dem – wie sich nach dem Konzert zeigt – auch stimmlich präsenten Graf Karl Georg zu Solms-Laubach glückt ein Wunder: Sie können Andreas Schager, der im Bayreuther Ring des Nibelungen die Rolle des Siegfried singen sollte, sowie Michael Volle, in diesem Jahr in Bayreuth für die Rolle des Hans Sachs vorgesehen, Gabriela Scherer, Lidia Baich und Alexandra Goloubitskaia nach Laubach locken.

Nibelungenwald mit Eichen und Eschen

Das Schloss Laubach ist eine der wenigen Residenzen, die noch heute von der ursprünglichen Gräflichen Familie bewohnt, bewirtschaftet und erhalten wird. Die Familie der Grafen zu Solms-Laubach ist gleichermaßen in der heimischen Region tief verwurzelt, wie mit dem Adel und Hochadel in ganz Europa verbunden. Die Förderung künstlerischen Schaffens ist gelebte Tradition. Schon in vergangenen Jahrhunderten haben Vorfahren des heutigen Grafen kreatives Talent erkannt und unterstützt. Ob es ihnen aber gelungen wäre, Weltstars und Gäste an einem Sommerabend in einer derart liebevollen und perfekten Art und Weise zu begrüßen, ist zu bezweifeln, und ob es ihnen gelungen wäre, Kunst mit Nachhaltigkeit zu verbinden auch: Der weltberühmte Tenor Andreas Schager gründete mit Freunden den Verein Opera meets nature, der das Ziel verfolgt, geeignete Flächen mit möglichst robusten Laubhölzern aufzuforsten. In den kommenden Jahren sollen an verschiedenen Stellen sogenannte Nibelungenwälder entstehen. Nach Wiesbaden stellt nun Graf zu Solms-Laubach, Diplom-Forstwirt, 1,5 Hektar Waldfläche dafür zur Verfügung. Die Setzlinge sind bereits 1,20 bis 1,50 Meter groß und damit relativ widerstandsfähig. Der Erlös aus dem Konzert wird ausreichen, über 1.000 Eichen und Eschen zu pflanzen.

Opera meets nature in Schloss Laubach / © Ingrid Freiberg

Opera meets nature in Schloss Laubach / © Ingrid Freiberg

Musikalisches Feuerwerk aus Glanzleistungen

Das klug zusammengestellte Programm, das auf eine Pause eingeht, in der das Publikum bei bestem Wetter ein Picknick nach englischer Art im weitläufigen Schlosspark einnimmt, lässt schon beim Lesen aufhorchen! Bis zur Pause sind Arien aus Tannhäuser, Walküre, Lohengrin und Siegfried sowie das Albumblatt WWV 94, das Richard Wagner für Pauline Metternich geschrieben hat, zu hören. Es gibt Stimmen, so differenziert, so warm, dass man in ihnen versinkt: Michael Volle verfügt über eine solche. Seiner subtilen Körpersprache, seiner ausdrucksvollen Bariton-Stimme gelingt es, anrührend wie dramatisch aufwallend, flehend-innig und äußerst klug, auch bekannter Opernliteratur eine eigene Farbe zu verleihen (Blick ich umher in diesem edlen Kreise… / Wie Todesahnung / O Du mein holder Abendstern). Eindrucksvoll, einfach überwältigend!

Opera meets nature in Schloss Laubach / hier :  die Geigerin Lidia Baich © Ingrid Freiberg

Opera meets nature in Schloss Laubach / hier : die Geigerin Lidia Baich © Ingrid Freiberg

Von einer Glanzleistung zur anderen! Es ist kaum möglich, die Intensität dieses Abends zu beschreiben, zu erfassen: Der stimmgewaltige Andreas Schager überzeugt zunächst in anrührender Weise und trifft zweideutig und doch eindeutig mit der Arie Winterstürme wichen dem Wonnemond… mitten ins Herz. Ganz anders sein Hoho! Hohei! Schmiede mein Hammer…, wo sein unfassbar großer Tenor voll zum Erblühen kommt. Hemdsärmelig schlägt er auf den Amboss, schmiedet das Schwert Nothung, ein Siegfried mit ungebremster Urgewalt! Gabriela Scherer, lebendig, intensiv, lässt sich tief ein mit ihrem reinen Sopran (Dich, teure Halle, grüß‘ ich wieder / Einsam in trüben Tagen), der ebenso aus der Musik wie aus ihr selbst kommt. Kein Ton, kein Wort ist ohne Sinngebung gesungen! Einfach wunderbar! Gekrönt und ermöglicht wird die Sogwirkung dieses Konzertabends von den beiden Instrumentalistinnen, Alexandra Goloubitskaia am Flügel und Lidia Baich, die eine der Meisterwerke des Geigenbauers Jean Baptiste Vuillaume aus dem Jahr 1860 spielt. Ihr Zusammenspiel lässt keine Wünsche offen…

Unglaublich intensiv und wohltönend…

Nach dem leiblichen Genuss im als englischer Landschaftsgarten angelegten Schlosspark – umgeben von einer einzigartigen Schlosskulisse – eröffnet der Graf mit einem kurzen Waldhornstück den zweiten Programmteil des Konzertes: Puccini, Verdi, Tschaikowski, Léhar und Kálmán… Als Ehrerbietung an das Geburtstagskind Beethoven spielen Lidia Baich und Alexandra Goloubitskaia  die Sonata für Violine und Klavier op. 12 Nr. 1 und entsprechen dem Wunsch des Komponisten ein echtes Team ohne Haupt- und Nebenrolle zu bilden, eine echte Herausforderung. Mit Vissi d’arte… betört Gabriela Scherer – sie sendet ihren Gesang den Sternen am Himmel. Ich habe keine Angst vor der berühmten Arie Nessum dorma…, ich habe Panik, kokettiert Andreas Schager. Interpreten, deren Stimmen im Gedächtnis sind, lässt er an diesem Abend vergessen…

Opera meets nature in Schloss Laubach / hier :  die Künstler © Ingrid Freiberg

Opera meets nature in Schloss Laubach / hier : die Künstler © Ingrid Freiberg

Nach stürmischem Applaus betritt Michael Volle ebenso launisch die Bühne: Ein Bariton arbeitet den ganzen Abend, dann kommt ein Tenor, singt zweimal das hohe C und das Publikum rastet aus! Nicht wissend, dass das Publikum anderer Meinung ist. È sogno? O realtà? Pointiert haucht er dem prallen Bühnencharakter Ford Leben ein… ganz im Sinne von Verdi und Shakespeare. Mélodie op. 42 Nr. 3, Souvenir d’un lieu cher (Erinnerung an einen lieben Ort) von Tschaikowski ist kaum besser aufgehoben als bei den Künstlerinnen Lidia Baich und Alexandra Goloubitskaia. Die russische Seele der beiden schwingt sehnsuchtsvoll mit. Schmachtend und wunderschön erklingt Lippen schweigen…, das das Ehepaar Scherer und Volle auch in Corona-Zeiten sehr innig darbieten darf. Vor Komm, Zigan… verrät Lidia Baich (Foto oben) dem Publikum, dass Andreas Schager eine finstere Vergangenheit als Operettentenor habe. Er entgegnet, Wagner müsse so gesungen werden wie Operette, die sich nur dadurch unterscheide, dass sich die Protagonisten am Ende der Operette grundsätzlich in die Arme fallen und Champagner trinken. Immer wieder gibt es Überraschungen, künstlerische Glücksfälle: Ein operettenseeliger weltbekannter Wagner-Tenor und eine Europäische Musikerin des Jahres, der die Auszeichnung 1998 von Lord Yehudi Menuhin persönlich überreicht wurde, spielen hingebungsvoll eine feurige Zigeunerweise! Den gesamten Abend begleitet kongenial Alexandra Goloubitskaia, die bereits auf eine beachtliche Weltkarriere zurückblicken kann, am Flügel. Unfassbar, mit scheinbar tausenden von Händen ersetzt sie bravourös ein ganzes Orchester. Vor dieser Leistung gilt es, sich zu verneigen…

Der Überschwang des Publikums steigert sich, als Gräfin Celina zu Solms-Laubach bekannt gibt, dass sich ihr in vorderster Reihe mit seiner Braut sitzende Bruder verlobt habe und ihnen die Künstler*innen Dein ist mein ganzes Herz zueignen wollen. Danach schimmert so manches Tränchen… Der Beifall will kein Ende nehmen! Mit der Zugabe Im Feuerstrom der Reben sprüht ein himmlisch‘ Leben... Es lebe Champagner der Erste! wird das rauschhafte Konzert mit standing ovations beendet.

—| IOCO Kritik Opera meets nature |—

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