Münster, GOP. Varieté-Theater, Wild Boys - klassisch-artistische Show, IOCO Kritik, 10.03.2020

Münster, GOP. Varieté-Theater, Wild Boys - klassisch-artistische Show, IOCO Kritik, 10.03.2020
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GOP Variete Theater Münster

GOP Varieté-Theater Münster © GOP Münster
GOP Varieté-Theater Münster © GOP Münster

Wild Boys -  GOP.  Varieté - Münster

Humorige klassisch-artistische Show mit vielen Waschbrettbäuchen

von Hanns Butterhof

Die Premiere der neuen Show Wild Boys am GOP Varieté – Theater Münster hält eine Überraschung bereit: Statt der angekündigten Rosemie moderiert Chantall den unterhaltsamen Wild Boys Varieté – Abend. Der Gegensatz könnte kaum größer sein, gibt sich Rosemie doch als skurrile, etwas in die Jahre gekommene schwäbische Hausfrau mit Kassenbrille und Dutt, während Chantall eine attraktive, mit weiblicher Dominanz und Peitsche spielende Berliner Pflanze ist.

Zogen die Wild Boys, die als älteste Show seit elf Jahren an diversen Häusern der GOP-Gruppe läuft, ihren Reiz aus dem Kontrast der älteren Dame Rosemie mit den sehr körperbetonten virilen Herren, so steht Chantall dem Sex-Appeal der Männer in nichts nach und stellt ihnen den weiblichen erfolgreich entgegen. Gleich zu Beginn der Show wird sie von den sieben „Boys“, die Anzüge ohne Hemd, dafür weiße Hüte und ebensolche Turnschuhe anhaben, auf Händen in den blauen Bühnennebel getragen.

Wild Boys - GOP Münster youtube Trailer des GOP Varieté-Theater [ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Ihre kurzfristig übernommene Moderation bewältigt Chantall routiniert, zaubert etwas mit der Peitsche und läuft bei einer witzigen Publikums-Mitmachaktion zu großer Form auf. Charmant führt sie durch die solide, von Karl-Heinz Helmschrot ohne besondere Geschichte als klassisch-artistisch inszenierte Show, in der die Waschbrettbäuche der Artisten schon fast die halbe Miete sind.

João Godinho an den Strapaten spannt sich so zwischen seine zwei Seile oder hängt sich am Nacken daran auf, dass sich die Vorstellung aufdrängt, in der Hölle könnten solche Verfahren angewandt werden; er aber spielt kraftvoll damit. Von paradiesischer Weichheit sind dagegen die Jonglagen Pavel Roujilos, die er in der feinen Choreographie von Aleks Uvarov mit silberglänzenden Bällen vollführt. Elegant beherrscht Jake Silvestro den Cyr und begeistert damit, freihändig im rollenden Rad zu stehen.

Rola Rola ist die Kunst, auf einem Brett zu stehen, das auf einer unsteten Rolle steht. Maxim Kriger schichtet aberwitzig Rolle auf Rolle und springt auf dem obersten Brett auch noch Seil. Man kann diesen Act noch so oft sehen, bei solcher Herausforderung für sein Gleichgewichtsgefühl stockt dem Publikum immer der Atem.

Kurz bricht der sympathische Gunnar Erik einen Weltrekord um zwei Sekunden, indem er aus einer Flasche mit blauer Flüssigkeit im Handstand in dreiundvierzig Sekunden fünf Gläser füllt – Chapeau!, und danach nur auf einer Hand stehend kunstvolle Figuren formt. Alexey Bitkine, durch und durch ein Macho, heizt dem Publikum mit einer rockigen Show am Vertikale Pole kräftig ein, bevor das Trio Bokafi mit seinen gewagten, vom Schleuderbrett in die Höhe der Bühne getriebenen vielfachen Salti den begeisternden Schlusspunkt des Abends setzt.

Stehend Beifall spendend beklatschte nach zwei Stunden ein intellektuell nicht gerade herausgefordertes, aber artistisch gut unterhaltenes Premierenpublikum Chantall und ihre wilden Jungs.    NB: Ab dem 3. März wird Rosemie wieder die Wild Boys moderieren.

Wild Boys im GOP-Varieté-Theater Münster ist bis zum 10. Mai 2020 immer Mittwoch bis Sonntag.  Karten unter É0251- 4909090 oder variete.de.

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