Baden-Baden, Festspielhaus, Grigory Sokolov spielt Brahms, 10.11.2019

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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

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Grigory Sokolov – Live-Künstler aus Überzeugung

Sonntag, 10. November 2019, 19 Uhr

Einer der weltweit bedeutendsten Pianisten ist wieder zu Gast im Festspielhaus: Am Sonntag, den 10. November 2019, 19 Uhr, kann man den russischen Meister Grigory Sokolov mit Klavierstücken von Johannes Brahms erleben.

Festspielhaus Baden-Baden / Sokolov Grigory © Mary Slepkova / Deutsche Grammophon

Festspielhaus Baden-Baden / Sokolov Grigory © Mary Slepkova / Deutsche Grammophon

Grigory Sokolov fühlt sich dem einzigartigen, unwiederholbaren Moment verpflichtet, der im Konzert das musikalische Kunstwerk, den Interpreten und das Publikum zusammenführt. Diese Hingabe an den musikalischen Vortrag ist ein entscheidender Aspekt, um die Ausdrucksschönheit und die Intensität seines Klavierspiels zu verstehen. Im Konzert begeistert und fesselt er sein Publikum, weil er, im Dämmerlicht sitzend, eins wird mit seinem Instrument, und seine Hingabe an die Musik ganz ohne Gehabe auskommt. Und weil er stets für überraschende Deutungen gut ist. Dabei basieren die Interpretationen des russischen Pianisten auf der fundierten Kenntnis eines umfangreichen Repertoires: Es reicht von Transkriptionen geistlicher Polyphonie des Mittelalters über Werke von Byrd, Couperin, Rameau und Bach zu Klaviermusik der Klassik und der Romantik – hier bilden Beethoven, Schubert, Schumann, Chopin und Brahms einen Schwerpunkt – bis hin zu Kompositionen des 20. Jahrhunderts von Prokofiev, Ravel, Scriabin, Rachmaninow, Schönberg oder Strawinsky.

Am 18. April 1950 wurde Grigory Sokolov in St. Petersburg geboren. Als Fünfjähriger begann er mit dem Klavierspiel, zwei Jahre später nahm er sein Studium bei Liya Zelikhman an der Zentralen Musikschule des Konservatoriums auf, mit zwölf Jahren gab er sein erstes Solokonzert. Als Sechzehnjähriger machte er Schlagzeilen über die Sowjetunion hinaus, als er 1966 die Goldmedaille des Internationalen Tschaikowsky-Wettbewerbs in Moskau gewann. Schon in den 1970er Jahren unternahm er ausgedehnte Konzertreisen in die USA und nach Japan, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion trat er international in den bedeutendsten Konzertsälen und bei renommierten Festivals auf. Als Konzertsolist arbeitete er mit New York Philharmonic, dem Concertgebouworchester Amsterdam, dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und weiteren namhaften Orchestern zusammen, bevor er sich entschloss, nur noch Klavierabende zu spielen. Er gibt etwa 70 Konzerte pro Saison, jede Spielzeit widmet er einem einzigen Programm. Nach seinem Auftritt 2017 mit Haydn und Beethoven gastiert er im Festspielhaus Baden-Baden am 10. November mit Klavierstücken von Johannes Brahms.

Die vier Klavierstücke op. 119 komponierte Johannes Brahms im Sommer 1893 in Bad Ischl, zusammen mit ihren Schwesterwerken, den sechs Klavierstücken op. 118. Die Kurstadt im Salzkammergut wurde zur Sommerfrische des alternden Brahms, dem es sichtlich Freude bereitete, in seiner kernig-bürgerlichen Manier sich dem aristokratischen Kaiserbad-Gehabe zu widersetzen. So hat ihn der Wiener Satiriker Daniel Spitzer beschrieben: „Geht man gegen zwei Uhr nachmittags in das Café Walter, so sieht man an einem Tische im Freien, Kaffee trinkend und Zigaretten rauchend, einen sehr kräftigen, untersetzten Fünfziger mit blondem Haar, die hoch geröteten Wangen von einem grauen Bart eingerahmt, und mit blitzenden blauen Augen, denen man ansieht, dass in der geistigen Werkstätte dieses Mannes fortwährend gehämmert und geschmiedet und niemals gefeiert wird. Er ist in größerer Gesellschaft sehr wortkarg und brummt nur zeitweilig eine ironische Bemerkung.“ Aus der „geistigen Werkstätte“ des Komponisten entsprangen in acht Ischler Sommern seine gesamten, wundervollen Spätwerke, darunter auch die Klavierstücke. Die Vier Klavierstücke Opus 119 schickte er zwischen Mai und Anfang Juli 1893 an Clara Schumann – eines nach dem andern, wie sie eben fertig wurden, als Sommerbotschaften an die ferne Freundin in Frankfurt. Obwohl er die Stücke scheinbar für sie geschrieben hatte, wurden sie doch nicht von ihr zur Uraufführung gebracht, sondern von ihrer Schülerin Ilona Eibenschütz. Die Kaufmannstochter aus Budapest reüssierte in Wien als Wunderkind und kam mit 14 Jahren nach Frankfurt, um bei Clara Schumann zu studieren. Anfang 1894, mit 21 Jahren, spielte sie in der St. James Hall in London die Uraufführung. Über den Titel der Sammlungen Opus 118 und 119 war sich Brahms lange im Unklaren: „Phantasiestücke ganz unmöglich“, schrieb er an seinen Verleger Fritz Simrock und schloss auch „Charakterstücke“ kategorisch aus. Am Ende blieb es bei der simpelsten Lösung: Klavierstücke. „Es bleibt wohl nichts übrig als ‚Klavierstücke’! Schließlich heißen ja die einzelnen Stücke auch immer mit denselben Namen: Intermezzi, Kapricen, Rhapsodien usw. Die Leute finden doch ihre Lieblinge heraus.“ Gelegenheit dazu bietet das Konzert von Grigory Sokolov am kommenden Sonntag im Festspielhaus Baden-Baden.Die vier Klavierstücke op. 119 komponierte Johannes Brahms im Sommer 1893 in Bad Ischl, zusammen mit ihren Schwesterwerken, den sechs Klavierstücken op. 118. Die Kurstadt im Salzkammergut wurde zur Sommerfrische des alternden Brahms, dem es sichtlich Freude bereitete, in seiner kernig-bürgerlichen Manier sich dem aristokratischen Kaiserbad-Gehabe zu widersetzen. So hat ihn der Wiener Satiriker Daniel Spitzer beschrieben: „Geht man gegen zwei Uhr nachmittags in das Café Walter, so sieht man an einem Tische im Freien, Kaffee trinkend und Zigaretten rauchend, einen sehr kräftigen, untersetzten Fünfziger mit blondem Haar, die hoch geröteten Wangen von einem grauen Bart eingerahmt, und mit blitzenden blauen Augen, denen man ansieht, dass in der geistigen Werkstätte dieses Mannes fortwährend gehämmert und geschmiedet und niemals gefeiert wird. Er ist in größerer Gesellschaft sehr wortkarg und brummt nur zeitweilig eine ironische Bemerkung.“ Aus der „geistigen Werkstätte“ des Komponisten entsprangen in acht Ischler Sommern seine gesamten, wundervollen Spätwerke, darunter auch die Klavierstücke. Die Vier Klavierstücke Opus 119 schickte er zwischen Mai und Anfang Juli 1893 an Clara Schumann – eines nach dem andern, wie sie eben fertig wurden, als Sommerbotschaften an die ferne Freundin in Frankfurt. Obwohl er die Stücke scheinbar für sie geschrieben hatte, wurden sie doch nicht von ihr zur Uraufführung gebracht, sondern von ihrer Schülerin Ilona Eibenschütz. Die Kaufmannstochter aus Budapest reüssierte in Wien als Wunderkind und kam mit 14 Jahren nach Frankfurt, um bei Clara Schumann zu studieren. Anfang 1894, mit 21 Jahren, spielte sie in der St. James Hall in London die Uraufführung. Über den Titel der Sammlungen Opus 118 und 119 war sich Brahms lange im Unklaren: „Phantasiestücke ganz unmöglich“, schrieb er an seinen Verleger Fritz Simrock und schloss auch „Charakterstücke“ kategorisch aus. Am Ende blieb es bei der simpelsten Lösung: Klavierstücke. „Es bleibt wohl nichts übrig als ‚Klavierstücke’! Schließlich heißen ja die einzelnen Stücke auch immer mit denselben Namen: Intermezzi, Kapricen, Rhapsodien usw. Die Leute finden doch ihre Lieblinge heraus.“ Gelegenheit dazu bietet das Konzert von Grigory Sokolov am kommenden Sonntag im Festspielhaus Baden-Baden.

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—

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