Portbou – Spanien, Walter Benjamin – Gedenkstätte, IOCO Aktuell, 30.03.2019

März 30, 2019  
Veröffentlicht unter IOCO Aktuell, Portraits

Walter Benjamin Gedenkstätte in Portbou - Die Passage der Hoffnungslosigkeit © Hanns Butterhof

Walter Benjamin Gedenkstätte in Portbou – Die Passage der Hoffnungslosigkeit © Hanns Butterhof

Walter-Benjamin-Memorial – Portbou, Spanien

Deutsches Denkmal für Flüchtlinge – Passage der Hoffnungslosigkeit 

von HANNS BUTTERHOF

Das einzige deutsche Denkmal für Flüchtlinge steht im nordspanischen Grenzort Portbou. Im Auftrag deutscher Bundesländer erbaute der israelischen Architekt Dani Karavan dort einen ausdrucksstarken  Gedenkort für den deutschen Philosophen Walter Benjamin (1892 – 1940). Der hatte sich 1940 in Portbou auf der Flucht vor deutscher Verfolgung das Leben genommen.

BENJAMIN – Oper von Peter Rudzicka – LINK HIER

Karavans aus drei Elementen bestehendes Ensemble aus kaltem Metall in der warmen mediterranen Landschaft lässt am unmittelbarsten Verfolgung und Ausweglosigkeit erfahren. In der zentralen Passage der Anlage führen steile Stahlstufen zwischen rostenden Metallwänden durch Fels, teilweise als Tunnel, abwärts bis hart an den Rand einer Klippe über dem Meer. Wer hinuntersteigt,  den ergreift ganz körperlich das Gefühl eines gehetzten Flüchtlings. Er sieht zwar das freie Meer vor sich, ist aber durch unüberwindliche Abgründe und wilde Strudel von der Rettung getrennt; ihm bleibt nur der Sturz in den Tod.

Vor den letzten Stufen ins Nichts wird der Weg durch eine Scheibe aus Panzerglas versperrt. In sie ist ein Benjamin-Zitat eingraviert, das zum „Gedächtnis der Namenlosen“ aufruft, die auf der Flucht und der Suche nach Asyl sind.

Walter Benjamin Affiche © Hanns Butterhof

Walter Benjamin Affiche © Hanns Butterhof

Der Bezug auf Walter Benjamin nimmt dem Denkmal jede allumfassende Beliebigkeit. Ihm war in Portbou jeder Rückweg abgeschnitten. Das Leben des ausgebürgerten Juden und unorthodoxen Kommunisten war durch die nach Südfrankreich vorrückenden deutschen Truppen und der ihnen folgenden Gestapo unmittelbar gefährdet. Er war genau in der Situation, für die der Asylartikel 16a im Grundgesetz geschaffen wurde.

Die genauen Umstände, die Benjamin zu seinem Selbstmord veranlassten, sind bis heute nicht restlos aufgeklärt. Er hatte auf Schleichwegen die Grenze nach Spanien schon überschritten. Doch der Bürgermeister von Portbou eröffnete ihm und seiner Emigrantengruppe, dass er alle aufgrund einer neuen Order aus Madrid zurück nach Frankreich abschieben müsse. Die Existenz einer solchen Order konnte nie bestätigt werden. Auch dass seine Begleiter ihre Flucht fortsetzen durften, nachdem Walter Benjamin sich das Leben genommen hatte, spricht für die Vermutung, dass es sich hierbei schlicht um eine versuchte Erpressung gehandelt hat.

Der Walter-Benjamin-Gedenkort weist in seiner ästhetischen Eindringlichkeit ausdrücklich auf das Schicksal politischer Flüchtlinge hin. Von ihm geht ein entschiedener Impuls aus, sich geschichtsbewusst auf den humanitären Kern des grundgesetzlichen Gebots zu besinnen, politisch Verfolgten ohne Obergrenzen Asyl zu gewähren

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