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Hamburg, Elbphilharmonie, Wiener Symphoniker – Philippe Jordan, IOCO Kritik, 29.11.218

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Michael Stange
30. November 2018
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Elbphilharmonie Hamburg

 Elbphilharmonie Hamburg / Prominente Kulturstätte © Ralph Lehmann
Elbphilharmonie Hamburg / Prominente Kulturstätte © Ralph Lehmann

Wiener Symphoniker – Brahms Violinkonzert – Dvoraks 9. Sinfonie

– Wiener Klangrausch mit Philippe Jordan –

Von Michael Stange

Mit dem Debut der Wiener Symphoniker in der Elbphilharmonie unter ihrem scheidenden Chef Philippe Jordan und dem Violinvirtuosen Nikolaj Szeps-Znaider hat ProArte zum Jahresausklang eines der hochkarätigsten europäischen Orchester nach Hamburg gebracht. Dies dürfte für Hamburg die letzte Gelegenheit gewesen sein, Philippe Jordan mit diesem den Wiener Symphonikern zu hören. Ab 2020 ist Jordan zum neuen Musikdirektor der Wiener Staatsoper bestellt; 2021 wird er von Andrés Orozco-Estrada als Chefdirigen der Wiener Symphoniker abgelöst.

Auf dem Programm standen Brahms Violinkonzert und Dvoraks 9. Sinfonie „Aus der Neuen Welt“. Durch das Programm führte der Intendant der Tonhalle Düsseldorf und der Düsseldorfer Symphoniker, Michael Becker.

Jordan und seinen Wiener Symphonikern gelang ein grandioser Konzertabend. Sie hörten einander zu, reagierten aufeinander und brachten gemeinsam die Musik zum Schweben. Beeindruckend das solistische Können und das leidenschaftliche Orchesterspiel. Die Partituren erklangen lebendig frisch. Es wurde emotional tief berührend, spannend und mitreissend musiziert. Die individuellen romantischen Klangfarben des Orchester paarten sich mit einer poetisch romantischen Spielweise, die ihresgleichen sucht.

Die Akustik der Elbphilharmonie brachte jedes Piano und Orchesterdetail zum Blühen und im Forte wurde unvergleichlicher Wirbel entfacht. Wesentlichen Anteil daran hatte der Violinist Nikolaj Szeps-Znaider. Er ist der bei den Wiener Symphonikern Artist in Residence und tritt bei seinen vierzehn “Wiener” Terminen nicht nur als Violinist in Erscheinung, sondern leitet auch als Dirigent das Orchester.

Johannes Brahms © IOCO
Johannes Brahms © IOCO

Jordan begann die Orchester-einleitung, den 1. Satz von Johannes Brahms Konzert, mit schwebenden Ton; innig, differenziert und verhalten. Die Violinen setzten zart und pastellfarben ein. Virtuos antwortet Szeps-Znaider in schwebend verhaltenem, sich leicht steigerndem Solo auf die Orchesterintroduktion. Seine Farben und Schattierungen waren farblich und klanglich vollendet akzentuiert auf den Orchesterklang abgestimmt. Orchester und Violinist loteten das Violinkonzert poetisch, vergnüglich mit farbenprächtiger Vielfalt aus. Die schwärmerische eigene Melodie des Violinsolos im 2 Satz nahm Szeps-Znaider mit sirrender Klangfreude und schwebte über den Pizzicati des Orchesters.

Das Rondo der Violine des 3. Satzes hat Brahms hat wohl besonders eingedenk der ungarischen Herkunft des Violinisten der Uraufführung Joseph Joachim als derb-volkstümliches Violinthema mit aufjauchzenden Akzenten komponiert. Szeps-Znaider mit seiner gleichsam suchend, tastend meditativen Spielweise und seiner intuitiven Aufnahme der Klangfarben des Orchesters erreicht hier eine berückende, erdenferne Schönheit. Er zeigte erneut, dass er einer der großen heutigen Violinisten ist. Mit klarem, frischen, fein durchstrukturierten, virtuosen Spiel umgarnte er die Zuhörer. Furios meisterte er die dramatischen Momente. Ein ungemein emotional berührender und uneitler Interpret. Auch das Orchester erreichte erdenferne Töne und war im Klang beispielloser Durchsichtigkeit.

Zugabe war gemeinsam mit den Streichern des Orchesters eine Variation von Johann Sebastian Bach des schwedischen Komponisten Anders Hillborg. Auch sie innig, poetisch und leicht melancholisch vorgetragen.

Im zweiten Teil begannen Dirigent und Orchester Dvoraks 9 Sinfonie „Aus der neuen Welt“ mit einer sinnlich sirrenden Einleitung mit prächtigem Streicherklang. Leicht tastend mit steigendem Elan fielen die Bläser ein und das ganze Orchester entwickelten ein Spiel, das die böhmische Erde atmete und im Saal abbildete. Die an amerikanische Spirituals und indianische Naturverbundenheit erinnernden Klangfarben sprühten und blitzten in atemberaubenden Tempo. Im frischen und lebendigen Tanzsatz des 3. Satzes und im 4. Satz mit seiner positiven Grundstimmung trumpften die Wiener Symphoniker mit einer Lebendigkeit, Spielfreude und Klangschönheit auf, die ihresgleichen sucht.

Schon nach dem Brahms Violinkonzert war das Publikum verzaubert. Erstaunlich auch, wie das Orchester bei seinem Debut die Elbphilharmonie nutze, um seine Trümpfe im großen Saal auszuspielen.

Welch eine Klangpracht, was für ein Abend. Glückliches Wien, das so exzellente Musiker beherbergt. Dank den Künstlern und Pro Arte  verbunden mit der Hoffnung auf baldiges Wiederhören der Wiener Symphoniker in der Elbphilharmonie.

—| IOCO Kritik Elbphilharmonie Hamburg |—


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