Salzburg, Salzburger Festspiele, Don Giovanni im Haus für Mozart, IOCO Kritik, 06.09.2016

September 6, 2016  
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Salzburger Festspiele

Don Giovanni in Salzburg: Ildebrando D’Arcangelo ist der überzeugend liebestolle Don Giovanni, vor nichts Halt machend, vor nichts Respekt habend. Als verführerischer Südländer mit kräftigem Bassbariton (die Champagnerarie gelingt mit Bravour), präziser und leidenschaftlicher Darstellung, umgarnt“

Salzburg / Haus für Mozart © Salzburger Festspiele -Andreas KolarikSalzburg / Haus für Mozart © Salzburger Festspiele -Andreas Kolarik

Salzburger Festspiele

 Don Giovanni:   „Der Teufel ist immer und überall“

 Salzburger Festspiele 2016

Salzburg / Salzburger Festspiele - Don Giovanni 2016 © Salzburger Festspiele - Ruth Walz

Salzburg / Salzburger Festspiele – Don Giovanni 2016 © Salzburger Festspiele – Ruth Walz

Don Giovanni, die erste Oper der Triologie des Musikgenie Wolfgang A. Mozart mit dem unendlich lebenserfahrenen Lorenzo Da Ponte entstand 1786. Lorenzo Da Pontes eigene Vita ist der Schlüssel zum alle Normen der Zeit brechenden Libretto des Don Giovanni: 1749 als Kind jüdischer Eltern nahe Venedig geboren; zum katholischen Glauben konvertiert, 1770 in Venedig zum Priester geweiht, Professor für Literatur in Treviso. Eine von vielen  Liebesaffären führte in ein Mordkomplott, weshalb Da Ponte Italien verlassen musste. Ab 1782 erfolgreicher Librettist in Wien, 1793 Impressario am King’s Theater in London. 1834 starb Da Ponte mit 89 Jahren in New York, als Buchhändler.

Wolfgang Amadeus Mozart © IOCO

Wolfgang Amadeus Mozart © IOCO

Da Ponte kannte gesellschaftliche Stände, moralische Werte seiner Zeit und deren Bruchstellen allzu gut, letztere hat er oft selbst genutzt. Da Ponte war zeitweilig der lebende Don Giovanni. Seine Lebenserfahrungen brachte er ein in seine Opern mit Mozart.  Streng waren die ständischen Vorgaben der Zeit mit denen Don Giovanni so radikal bricht. Lorenzo Da Ponte und Mozart zusammen hatten den Mut, Erfahrung und künstlerischen Genius, dies lasziv sinnliche wie diabolische Thema in ihrem Don Giovanni bleibend für die Weltbühne zu bereiten.

Sven Erik Bechtolf inszenierte den Don Giovanni für die Salzburger Festspiele bereits 2014; nur mit mäßigem Zuspruch. Vielleicht waren es Akustik und Bühnentechnik der Felsenreitschule. 2016 wurde diese Inszenierung wieder aufgenommen. Doch im Haus für Mozart und mit größerem Zuspruch. Um 1920, in einem edel getäfelten Hotel (Bühne Rolf Glittenberg) findet die Handlung mit wenigen Bühnenbildern statt: An einer Lobby-Bar sitzend oder einen dominantem Treppenaufgang zu erotischen Zimmern führend. Der Chor übernimmt sowohl die Rollen des Hotelpersonals als auch der Gäste. Auf der Treppe ist viel Bewegung, Wirrwarr, Handlung; gelassen wie hektisch geht es dort hinauf und hinunter. Abgedunkeltes Licht deutet frivoles Ambiente im Hotel an. Regisseur Bechtolf versteigt sich in seiner Inszenierung in ein übersexualisiertes Welt-Dogma. Sein merkwürdig fixiertes Credo im Programmheft sagt: Da uns nichts mehr heilig ist, ist uns auch nichts unheilig“. Erkenntnis, Veränderung oder Erlösung, die Triebfedern Mozarts und Da Pontes, finden sich in seinem Don Giovanni nicht. Als  allgegewärtige Inkarnation des Bösen trägt Don Giovanni in der Bechtolf  Inszenierung beständig ein Teufelskäppchen mit sich herum. Skurril. Selbst nach Don Giovannis Feuertod, unter den geläuterten wie erstarrt stehenden  Protagonisten, sucht wieder ein Teufelchen nach Opfern.

Salzburg / Don Giovanni 2016 - Leporello und Don Giovanni © Salzburger Festspiele - Ruth Walz

Salzburg / Don Giovanni 2016 – Leporello und Don Giovanni © Salzburger Festspiele – Ruth Walz

Ildebrando D’Arcangelo ist der überzeugend liebestolle Don Giovanni, vor nichts Halt machend, vor nichts Respekt habend. Als verführerischer Südländer mit kräftigem Bassbariton (die Champagnerarie gelingt mit Bravour), präziser und leidenschaftlicher Darstellung, umgarnt Don Giovanni im Schlangenmantel. Außer Donna Anna (Carmela Remigio), auch da sind Zweifel, kann Don Giovanni keine Frau widerstehen. Ihr Vater, Commendatore (Alain Coulombe) wird Zeuge des Tete-à-Tete Don Giovannis mit seiner Tochter. Mit der Kraft Don Giovannis, der das Messer in der Hand Donna Annas führt, ersticht er/sie den Commendatore. Die Teufelskappen Don Giovannis  symbolisieren etwas penetrant die Nähe zur Infamie zur Unterwelt.

Salzburg / Don Giovanni 2016 - Valentina Nafornita als Zerlina © Salzburger Festspiele - Ruth Walz

Salzburg / Don Giovanni 2016 – Valentina Nafornita als Zerlina © Salzburger Festspiele – Ruth Walz

Luca Pisaroni, als Leporello mit wohltimbrierten Bassbariton, harmoniert optisch wie stimmlich mit seinem  Herrn und Meister. In diesem Hotel geht es lebendig zu, es wird nie langweilig. Das Brautpaar Zerlina (Valentina Narfonita) und Masetto (Jurii Samoilov) gehören auch zum Personal. Don Giovanni läßt sich auch diese junge Braut Zerlina nicht entgehen. Valentina Narfonita, überzeugt als eine zauberhafte Zerlina, bildhübsch und stimmlich. Zerlina besänftigt ihren misstrauischen, mit kultiviertem Tenor singenden Masetto.   Carmela Remigio als Donna Anna ergänzt das wunderbare Ensemble  durch weichen lyrischem Sopran. Ihr Verlobter Don Ottavio (Paolo Fanale) verspricht mit lyrischer Timbre zu rächen. Zwischen allen Machenschaften der Hochzeitsgesellschaft nutzt Don Giovanni jede Gelegenheit, Gier und Vergnügen zu befriedigen.  Alain Coulombe gibt dem rächenden Komtur / Steinernen Gast mit schwerem Bass höchst eindrucksvolle Stimme und Statur. Don Giovanni  vollführt seine Höllenfahrt bei gleißendem Rotlicht. Um, im Sinne des Bechtolfs, als symbolisches Teufelchen im letzten Bild unter erstarrten Protagonisten nach neuen Opfern für das „ewig Böse“ zu suchen.

Musikalisch begleiten die Wiener Philharmoniker mit dem jungen Dirigenten Alain Altinoglu mit einfühlsamem, frischem Tempo, aber auch mit der notwendigen Dynamik durch diese bedeutende Mozart/Da Ponte-Oper. Der Applaus des Premieren-Publikums für Ensemble und Dirigat war einhellig und eindrucksvoll.   IOCO / Daniela Zimmermann / 31.08.2016

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