Verona, Arena di Verona, AIDA: Kunst und Kult für Jedermann, IOCO Aktuell, 26.08.2014

August 29, 2014  
Veröffentlicht unter Arena di Verona, Kritiken

 

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Arena di Verona

 

 

Arena di Verona / pubblico © Ennevi, Courtesy of Fondazione Arena di Verona

Arena di Verona / pubblico © Ennevi, Courtesy of Fondazione Arena di Verona

AIDA – In der Arena di Verona
Euphorische Erfahrungen in altrömischem Amphitheater

Von Viktor Jarosch

Zum 100. Geburtstag des populärsten aller Opernkomponisten, Giuseppe Verdi, begannen 1913 im 2.000 Jahre alten römischen Amphitheater, der Arena die Verona die ersten Opernfestspiele. Mit AIDA. Über 550.000 Besucher jährlich in gut 50 Aufführungen machen die Festspiele in Verona zum größten Opernereignis der Welt. Große Opern  sorgen in jeder Festspielsaison dafür, dass im Parkett und über 45 Ränge alle 22.000 Plätze der Arena gefüllt sind. Tickets gibt es für € 20 bis €200. Laue Lüfte, Sternenhimmel und tausende zur Ouvertüre in der beginnenden Dämmerung flackernde Kerzen sind die Zugaben zu unvergesslichen Erfahrungen.


Arena di Verona / pubblico e candeline © Ennevi, Courtesy of Fondazione Arena di Verona

Arena di Verona / pubblico e candeline © Ennevi, Courtesy of Fondazione Arena di Verona

Arena di Verona / pubblico © Ennevi, Courtesy of Fondazione Arena di Verona

Arena di Verona / pubblico © Ennevi, Courtesy of Fondazione Arena di Verona

Arena di Verona / pubblico © Ennevi, Courtesy of Fondazione Arena di Verona

Arena di Verona / pubblico © Ennevi, Courtesy of Fondazione Arena di Verona

 

 

 

 


 

So liegt ein eigener Geist über der Arena di Verona. Oper fürs Volk komponierte Giuseppe Verdi vor über 100 Jahren, Oper fürs Volk bietet heute die Arena: Lebensfreude, nicht dunkle Anzüge, nicht Ernst oder Fachdiskussionen prägen den Besuch der Arena.

Julia im Casa di Giullietta © IOCO

Julia im Casa di Giullietta © IOCO

Viele Besucher genießen zuvor Veronas Altstadt und das Casa di Giulietta, in dem sich Romeo und Julia einst ewige Liebe schworen. Andere bereiteten sich in einem der nahe gelegenen Restaurants auf den Open-Air Event vor. Zahlreiche Arena-Besucher kennen Opern nur vom Hörensagen und freuen sich fröhlich, unaufgeregt, ohne jede Scheu auf einen Klassik- Abend der Superlative. Getränketaschen, Kissen und Kameras gehören ebenso zur Ausstattung wie Polohemd, Abendgarderobe und Pullover zur Bekleidung. Auch für Veronesen gehört ein Arena-Besuch zu gesellschaftlichem Selbstverständnis. Das spektakuläre Ambiente im abendlichen altrömischen Amphitheater, drei lange Pausen und lautes Rufen bestens bestückter Pausenverkäufer verraten, die Arena di Verona und ihre Opern sind mehr als Kulturgenuss: Lebensfreude und der humane, menschennahe Geist Giuseppe Verdis breiten sich aus. Klassische Musik, wunderbare Akustik, prachtvolles Bühnengeschehen sind deren Transformationsriemen.

Arena di Verona / Aida © Ennevi, Courtesy of Fondazione Arena

Arena di Verona / Aida © Ennevi, Courtesy of Fondazione Arena

Giuseppe Verdi und AIDA bestimmen seit 1913 bis heute die Spielpläne der Arena. Zur Tradition gehört, dass Verdi Opern zwei Drittel des Spielplanes ausmachen: AIDA bestimmt ein Drittel, andere Verdi Opern wie Macht des Schicksals, Nabucco, Troubadour ein zweites Drittel. AIDA ist das meistaufgeführte Werk des Opernfestivals mit einem Rekord von 615 Darstellungen in 54 Opernsaisonen. Oper von Puccini, Rossini, Bizet und anderen Komponisten und runden den Spielplan der Arena ab. Beimischungen sind Gala-Abende; so führte, bis 2014, auch Placido Domingo durch einen Verdi-Abend.

Arena di Verona / Aida © Ennevi, Courtesy of Fondazione Arena

Arena di Verona / Aida © Ennevi, Courtesy of Fondazione Arena

Die Handlung der Oper kennt man: Die äthiopische Prinzessin AIDA, Sklavin im feindlichen Ägypten, liebt den ägyptischen Heerführer RADAMES. Ein unauflöslicher Konflikt nimmt seinen Lauf und endet operngerecht im gemeinsamen Liebestod.
In der Arena wird AIDA seit 2013 in zwei Inszenierungen angeboten: Neben der spektakulären, klassischen Inszenierung wurde 2014 von Juni bis Anfang August die postmoderne Produktion des Katalanen La Fura dels Baus gespielt. IOCO besuchte, etwas süchtig, Mitte August 2014 erneut die unvergängliche, „AIDA 1913 historisch“-Inszenierung des Regisseurs Gianfranco de Bosio aus 1982.

Arena di Verona / Aida © Ennevi, Courtesy of Fondazione Arena

Arena di Verona / Aida © Ennevi, Courtesy of Fondazione Arena

Diese „historische AIDA“ ist der ersten AIDA Produktion in der Arena des Veroneser Architekten Ettore Fagiuoli aus 1913 nachempfunden. Die Regie von de Bosio “übertrifft” in gewissem Sinne die Original-Inszenierung des Architekten Ettore Fagiuoli. In den neunziger Jahren schafft de Bosio in Zusammenarbeit mit dem Bühnenbildner Rinaldo Olivieri ein szenisches Detail, das nur in den Entwürfen von Anfang des Jahrhunderts erscheint: Das imposante Schleierdach, das im vierten Akt die Schlussszene überragt und die Gruft von Aida und Radamès eindrucksvoll umhüllt.

Arena di Verona / Aida © Ennevi, Courtesy of Fondazione Arena

Arena di Verona / Aida © Ennevi, Courtesy of Fondazione Arena

Der Monumentalstil dieser AIDA findet mit riesigen Dimensionen in der Arena ideale Bedingungen. Üppigkeit und Farbenpracht leben sich Obelisken, Sphinxen, gigantischen Aufbauten und fantasievollen, altägyptischen Kostümen aus. Die perfekte Choreographie von Susanna Egri, sie betreut diese Inszenierung seit 1982, steuert ein Ensemble von über 200 Darstellern von Sänger-innen, lebendigen Pferden, Heerscharen, Streitwagen, Ballettkorps und Statisten, welche mit beständig wechselnden, faszinierenden Bilderfluten auf der Bühne und in der Arena einen Kontrapunkt zur sonst gewohnten Dominanz der Solisten bilden.

Arena di Verona / Aida © Ennevi, Courtesy of Fondazione Arena

Arena di Verona / Aida © Ennevi, Courtesy of Fondazione Arena

Dirigent Daniele Rustioni führte sein Orchestra Dell´Arena di Verona mit auffälliger Präzision. Interaktion mit den Solisten, den riesigen Chören und dem Ballett verlief entspannt wie prägnant. Trotz riesiger Arena-Maße nutzte Rustioni die wunderbare Akustik der Arena  zu zauberhaften Crescendi wie Piani. Und wurde nach jeder Pause aus den Katakomben kommend, von Rängen mit lautstarkem „Bravo Maestro“ begrüßt.

Die Besetzung des 16. August 2014 war mit Monica Zanettin (AIDA), Marco Berti (Radames), Anita Rachvelishvili (Amneris), Marco Vratogna (Amonasro), Dmitry Beloselsky (Ramfis) und Andrea Mastroni (Il Re) in allen Partien hervorragend. Und doch bannten im spektakulären Ambiente des Amphitheaters die großartig einstudierten Chöre (Armando Tasso) wie andere choreographische Preziosen mindestens ebenso sehr. Die Darsteller des Abends, selbst die tragenden Solisten wie AIDA, Amneris und Radames werden vom berauschenden Bühnengeschehen in der Arena di Verona aufgesogen, sie werden Teil im großen Glanz der Aufführung.

Arena die Verona / AIDA Applaus und letztes Bild Grab © IOCO

Arena die Verona / AIDA Applaus und letztes Bild Grab © IOCO

Sänger, Chor, Tänzer, Darsteller, auch die Statisten, die in altägyptischem Kostüm mit großem Cymbal das Ende der Pausen ankündigt, ale werden in Verona vom Publikum immer wieder menschlich anrührend wie stürmisch gefeiert. Erst recht, wenn nach 24 Uhr das Opernfest endet. Der Beifall von 20.000 Besuchern bleibt unvergesslich. Ebenso die Erkenntnis, dass AIDA in der Arena di Verona  nicht nur wunderbares Opernerlebnis ist; bunte italienische Lebensfreude zeigt sich in all ihren mitreißenden Formen..

Sie planen für 2015 einen Besuch der Festspiele 2015 ?  Die  93. Opernfestspiele in der Arena di Verona werden vom 19. Juni bis 6. September 2015 stattfinden

 

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