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Konzerthaus DortmundKritiken

Dortmund, Konzerthaus Dortmund, Der Fliegende Holländer, IOCO Kritik, 20.09.2013

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Redaktion
23. September 2013
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Konzerthaus Dortmund

Konzerthaus Dortmund © Daniel Sumesgutner
Konzerthaus Dortmund © Daniel Sumesgutner


Kritik

Richard Wagner Der Fliegende Holländer

Konzertante Aufführung am 20.09.2013

Rotterdam Philharmonic Orchestra, Yannick Nézet-Séguin

Konzerthaus Dortmund / Yannick Nezet-Seguin Rott © Nick Helderman
Konzerthaus Dortmund / Yannick Nezet-Seguin Rott © Nick Helderman

Es ist für jedes “Künstlerische Betriebsbüro“ mit Sicherheit der reinste Horror, wenn am Tag der Aufführung eine Absage erfolgt. Dann laufen die Drähte heiß und alles beginnt zu rotieren. So geschehen am letzten Freitag im Dortmunder Konzerthaus. Der vorgesehene Sänger der Titelpartie, der Russe Evgeny Nikitin, bekannt geworden durch seinen Rauswurf in Bayreuth (seine heiklen Tätowierungen gefielen den beiden dort regierenden Gralshüterinnen nicht), hatte aus gesundheitlichen Gründen abgesagt  und adäquater Ersatz musste gefunden werden.

Der Retter wurde im rumänischen Bukarest gefunden, in Gestalt des lettischen Baritons Egils Silins. Er sagte zu, jettete nach Dortmund und rettete die Vorstellung. Eine mutige Tat, die mit großem Erfolg gekrönt war.

Der 1961 in Riga geborene Silins studierte an der Lettischen Musikakademie und debütierte als Boitos Mefistofele an der Lettischen Nationaloper in Riga.

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Nachdem er aus dem renommierten “Belvedere Musikwettbewerb“ in Wien als Preisträger hervorging, wurde er für 3 ½ Jahre nach Frankfurt engagiert. Von 1993 – 96 war er in Basel und startete von dort eine rege Gastspieltätigkeit.

Seit 1996 ist er an der Wiener Staatsoper und der Volksoper. An der Staatsoper debütierte er als Sir Giorgio in “I Puritani“ (neben Edita Gruberova). Aktuell singt er Partien wie Scarpia, Klingsor, Jochanaan, Wotan und Holländer in Madrid, Zürich, Wien, Paris und Dresden.

Silins ist ein hochmusikalischer Gestalter. Die Stimme ist schlank und hat Biss und in der Höhe eine enorme Durchschlagskraft. Letztere ist im unteren Register nicht ganz so ausgeprägt. Mit größter Aufmerksamkeit begleiteten ihn der Dirigent und das Orchester, da ja schließlich kaum Zeit für Proben war. Aber man kam wunderbar zusammen und es wurde überhaupt eine tolle Vorstellung.

Das Rotterdam Philharmonic Orchestra, eigentlich ein reines Konzert-Orchester, zeigte viel Affinität zu Wagners romantischer Musiksprache. Gelegentliche Intonationstrübungen im Blech fielen da nicht ins Gewicht. Großartig sang und klang der Chor der Nederlandse Opera. Insbesondere die Frauenstimmen erfreuten durch Homogenität und enorme Stimmschönheit.

Motor der Aufführung war der junge kanadische Dirigent Yannick Nezét-Séguin. Seit dieser Spielzeit hat er eine “Residence“ am Dortmunder Konzerthaus. 2008 übernahm er die Leitung des Rotterdamer Orchesters. Er ist ein temperamentvoller, ausstrahlungsintensiver Kapellmeister, mit einer klaren, unmissverständlichen Schlagtechnik. Es war eine Freude ihm zuzusehen und noch mehr erfreute das Ergebnis. Dieser “Holländer“ unter seiner Leitung klang markant, hatte wunderbar zarte Momente, aber auch Ecken und Kanten. Zum Finale wurde es gelegentlich lauter als nötig. Aber sei`s drum, es war spannend und die Spannung ließ in keiner Phrase nach.

Außer Egil Silins in der Titelpartie und dem Chor, hatten die anderen Sänger auch großen Anteil an dieser qualitätvollen Aufführung.  Emma Vetter sang die Senta. Sie ist keine Hochdramatische, eher im Zwischenfach beheimatet. Die Schwedin verfügt über einen lichten, gut tragenden Sopran, der auch im Oberregister offen geführt wird und sie hatte noch Kraftreserven für das dramatische Finale. Die Stimme passte gut zu der des Holländers. Das große Duett der beiden war ein wirkliches Highlight.

Frank van Aken sang den Erik und gestaltete die Partie des unglücklichen Jägers musikalisch und differenziert im Ausdruck. Er war einige Jahre in Düsseldorf (sein Florestan und Erik dort sind noch in gut in Erinnerung) und ist seit 2006 im Ensemble der Oper Frankfurt im Heldentenor-Fach unentbehrlich. Einen sehr schönen, warmen Mezzosopran ließ die Polin Agnes Zwierko in der Rolle der Mary hören.

Den Steuermann sang Torsten Hofmann mit feinem, leichtem aber durchaus strahlkräftigem Tenor. Der Kiekser in der ersten Strophe seines Liedes war Pech. Franz-Josef Selig war als Daland verpflichtet. Sein balsamischer, warm getönter Bass, wie auch seine ausgezeichnete Artikulation, sind nach wie vor sein Markenzeichen. So auch in dieser Aufführung.

Lang anhaltender jubelnder Applaus für alle Mitwirkenden spendeten die zahlreich erschienenen Zuhörer.   IOCO / UGK / 20.09.2013

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