Darmstadt, Staatstheater Darmstadt, John Dew im Führungs-Strudel, IOCO Aktuell, 23.01.2012

Januar 23, 2012  
Veröffentlicht unter IOCO Aktuell, Staatstheater Darmstadt

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Staatstheater Darmstadt

Pikanter Führungs-Strudel und die Konsequenzen

Das etwas betulich scheinende Staatstheater Darmstadt ist recht erfolgreich, zumindest in der Auslastung: In der Spielzeit 2010/11 wurde in der Sparte Oper eine respektable Auslastung von 79,1% (73.540 Besucher) erreicht. Äußerlich schien bis zum November 2011 die Darmstädter Theater Welt im Lot.

Der heile Schein war trügerisch:

  • Im November 2011 werden Besetzungsstreitigkeiten zwischen Intendant Dew und Generalmusikdirektor Trinks bekannt, die pikanterweise die jeweiligen Lebenspartner betreffen: John Dews Ehemann Sven Ehrke und Constantin Trinks Lebensgefährtin Alexandra Lubchansky.
  • 6. 12. 2011: Die hessische Kunstministerin Eva Kühne-Hörmann nimmt, bei vorsichtigem Rückhalt für Dew erstmals Stellung: „Die Stimmung am Theater ist außerordentlich aufgeheizt….von Unterstellungen und Lagerbildung….“ Heinrich Grosse-Brockhoff wird zum 21.12. als neutraler Aufklärer angekündigt. Trinks werden gleichzeitig zahlreiche auswärtige Dirigate vorgeworfen.
  • 16.12.2011: Constantin Trinks reicht seine vorzeitige Kündigung ein, welche das Ministerium ablehnt.
  • 20.12.2011: Constantin Trinks wird vom Ministerium freigestellt, um den Spielplan  der Weihnachstage nicht zu gefährden.
  • 13.1.2012: John Dews Ehemann Sven Ehrke kündigt seinen Vertrag mit dem Staatstheater Darmstadt fristlos. Ehrke: „Er sei über Monate zur Zielscheibe von Angriffen und Vorwürfen geworden…“.

19.1.2012: Auf einer Pressekonferenz stellen die hessische Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann und der Darmstädter OB Jochen Partsch erste Ergebnisse der Untersuchungen von Heinrich Grosse-Brockhoff vor.

Darin: Nicht strafbar aber unerquicklich, wie das Staatstheater Darmstadt zur Beschäftigungsbühne von Partnern der Geschäftsführung wurde: Nicht nur John Dew brachte seinen Ehemann Sven Ehrke und Constantin Trinks seine Lebenspartnerin Alexandra Lubchansky unter. Auch Operndirektor Georg Heckel fand für seine Frau, die Sopranistin Adréana Kraschewski, eine sehr attraktive Beschäftigung: Sie singt zur Zeit in der Lustigen Witwe die Partie der Hanna Glawari. Über Anwälte und Presse, so Grosse-Brockhoff, tobte innerhalb des Theaters eine Schlammschlacht zu Besetzungsfragen. Das Verwandte Rollen am eigenen Theater erhalten sei zwar nicht unüblich; deren Häufung im Theater Darmstadt sei das Problem. Zudem, so Grosse-Brockhoff, pflege John Dew einen autoritären Führungsstil, welcher alles seinem künstlerischen Willen unterordnet. Diese Wertung wird von Eva Kühne-Hermann geteilt: „John Dew habe Grenzen überschritten und schwere Fehler begangen. Da sich John Dew jedoch entschuldigt habe und Ehemann Sven Ehrke inzwischen gekündigt habe ergeben sich zur Zeit keine Anhaltspunkte, welche juristisch eine außerordentliche Kündigung rechtfertigen würden“. Der Vertrag von John Dew läuft noch bis 2014, ein Nachfolger wird bereits gesucht.

Grosse-Brockhoff empfahl zudem die Einsetzung eines Ombudsmannes, welcher John Dew und den Mitarbeitern bis 2014 als Mediator zur Verfügung steht.. Als weiteren Problembereich nannte Grosse-Brockhoff in seinem Bericht das Verhalten von GMD Constantin Trinks und dessen Anwalt: Trinks habe ein Vier-Augen-Gespräch mit einem Kollegen heimlich aufgenommen und als Beweis für Mobbing am Theater verwendet. Sein Anwalt wiederum hat, unter dem Vorwand einer eigenen Untersuchung von Theatern, die Mitarbeiter des Theater Darmstadt gezielt zur Illoyallität angestiftet.

Der Bericht Grosse-Brockhoffs, so die hessische Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hermann, habe sehr zur Versachlichung der Diskussion beigetragen, „man wünsche sich schnellst möglich wieder ein konstruktives Arbeitsklima“. Besetzungen mit Partnern von Leitungspersönlichkeiten des Theaters seien ab sofort verboten.

Das John Dew nach solch öffentlicher Demontage noch erfolgreich am Theater Darmstadt arbeiten kann, erscheint höchst zweifelhaft. Die Verweise der Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hermann zur Fortdauer der Beschäftigung wirken erneut realitätsfern. Die Freistellung von John Dew scheint zum Wohle der Kunst wie der Mitarbeiter am Staatstheater Darmstadt geboten. Im Fall Dew mißlingt erneut  die organisatorische Verbindung von Intendanz mit künstlerischen Kompetenzen.  IOCO / Viktor Jarosch / 23.1.2012

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