Köln, Oper Köln, Sanierung €253, Etat € 35: Gespräch mit Intendant Laufenberg, IOCO Aktuell

Dezember 30, 2011  
Veröffentlicht unter IOCO Aktuell, IOCO Interview, Oper Köln


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Oper Köln © IOCO

Oper Köln © IOCO

Wegen der hohen Aktualität bringt  IOCO nachfolgend ein bereits im November 2011 mit Intendant Uwe Eric Laufenberg geführtes Interview. Die in dem Interview thematisierten
Finanzprobleme der Oper Köln eskalierten – April 2012.     IOCO  21.4.2012


Künstlerischer Höhenrausch trotzt finanziellem Blindflug

von Viktor Jarosch

Oper Köln / Intendant Uwe Laufenberg © IOCO

Oper Köln / Intendant Uwe Laufenberg © IOCO

Die Oper Köln ist eines der großen Musiktheater Deutschlands: 1.343 Sitzplätze, ca. 600 Beschäftigte, rund 250 Vorstellungen. Die Oper Köln ist beliebt: Die Vorstellungen sind mit 90% ausgelastet; ein absoluter Spitzenwert, in Deutschland nur von der Bayerischen Staatsoper, München und der Semperoper, Dresden getoppt.  Vergleich: Die Auslastung an der benachbarten Rheinoper in Düsseldorf liegt gerade mal bei 76%. 230.000 Kölner finden alljährlich zur Oper Köln. Anja Harteros, Claudia Rohrbach, Klaus Florian Vogt, Miljenko Turk, Mojca Erdmann, Matti Salminen, Mirko Roschkowski: Große Sänger, formidable Künstler zog die Oper Köln in ihren Bann.

Heile Welt in der Oper Köln? Weit gefehlt. Seit Wochen wird die Öffentlichkeit Kölns und der Republik mit Sanierungsfragen, Etatverwerfungen und Personalquerelen an der Kölner Oper  heimgesucht.  Grund für  IOCO,  Viktor Jarosch, am 22.11.2011 bei Opernintendant  Uwe Eric Laufenberg  direkt nachzufragen.

IOCO:  Die Presse berichtet viel über die Oper Köln. Leider konkurrieren in den Überschriften künstlerische Erfolge wie La clemenza di Tito auffällig laut mit  profanen Sanierungs- und Etatverwerfungen.  Wie sehen Sie Ihr heutiges Arbeitsumfeld in Köln?

Laufenberg: Mit der künstlerischen Arbeit an der Oper Köln bin ich sehr zufrieden. Mein Team ist motiviert und arbeitet sehr professionell, die Zusammenarbeit mit dem Gürzenich-Orchester und Markus Stenz funktioniert wunderbar. Die hohen Besucherzahlen sind unser unbestechlicher Gradmesser.  90% Auslastung bestätigen uns gute Arbeit. Insoweit fühle ich mich in Köln sehr wohl.

IOCO:  Die Sanierung von Opernhaus und Schauspielhaus verschlingt € 253 Millionen. Die  technischen und logistischen Herausforderungen müssen gigantisch sein. Wird diese Sanierung erfolgreich umgesetzt?

Laufenberg:  Davon bin ich überzeugt. Die Sanierung der beiden Theater stellt für die Stadt Köln und alle Beteiligten ein Mammutprojekt dar. Aber, das Sanierungskonzept steht endlich, nach vielem hin und her. Ich bin optimistisch, daß die Rahmenbedingungen, Fristen und Budget, eingehalten werden. Ein kompetentes Projektteam, geleitet von Andreas Fischer, wurde eingerichtet. Es berichtet mir und anderen Verantwortlichen über den Sanierungsfortschritt 14-tägig.  Deshalb, und wegen weiterer begleitender organisatorischer Maßnahmen, bin zuversichtlich, daß wir am 28. August 2015 eine spektakuläre Wiedereröffnung der sanierten Häuser feiern werden.

Allerdings stellt die Sanierungsphase gleichermaßen extreme Anforderungen an unsere künstlerischen Kollegen, unser Ensemble, Bühnentechniker, Regie, Dramaturgen. Auch in den „Sanierungs“ – Jahren wollen wir über 200 Vorstellungen pro Jahr produzieren.  5 Spielorte, 6 Spielstätten  werden unendliche Anforderungen an die Organisation stellen: Spezielle Kassen- und Reservierungssysteme, Transport von Kulissen, Dekoration und Kostümen, 6 Bühnentechniken, Sicherheitsvorschriften, Bewerbung der Aufführungen. Die Problemliste ist endlos. Sie macht uns aber nicht mutlos.

Doch unser wichtigstes Ziel ist, daß uns in den kommenden Jahren unsere 230.000 Besucher weiterhin die Treue halten.  Eigenwillige aber reizvolle Spielpläne sollen uns helfen, die Attraktivität der Oper Köln in der Übergangszeit erhalten.

IOCO: Kommen wir zu den angeblichen Etatverwerfungen, den vermeintlichen Etatüberschreitungen. Was ist passiert? Wie laufen die Verwaltungsprozesse zur Einhaltung und Sicherung Ihres Etats an der Oper Köln ?

Laufenberg: Die Bühnen der Stadt Köln, also die Bühnen von Schauspiel und Oper am Offenbachplatz,  wurden von 1995 bis 2009 von einer Generalintendanz mit einem Etat geleitet, welcher beide Sparten zusammenfasst. 2009 wurde diese Organisationsform geändert, es wurden drei gleichberechtigte Werkleiter bestellt, der Schauspielintendant, der Opernintendant und der „Verwaltungsdirektor“, dem naturgemäß die wirtschaftlichen Prozesse unserer Theater zugeordnet sind. Die öffentliche Diskussionen entstanden mit der organisatorischen Trennung von  Schauspiel und Oper,  da eine parallele Aufteilung der Etats in Schauspiel und Oper bis heute unterblieben ist.  Ein mir vertraglich zugeordneter künstlerischer Etat besteht und ist weitgehend  eingehalten.

IOCO: Ihr Haus, die Oper Köln, hat einen Etat von ungefähr € 35 Millionen. Als Verantwortlicher mit 600 Beschäftigten verfügen Sie über Budgets, monatliche Ergebnisrechnungen! Eine Oper, wie jedes Wirtschaftsunternehmen, muß Organisationsklarheit und stringente Steuerungsmechanismen besitzen.  Wie steuern Sie Etat, Zuschüsse, Einnahmen dieses wirtschaftlichen Großgebildes ?

Laufenberg: Ich muß widersprechen. Verabschiedete Opernetats gibt es seit der Spielzeit 2010/11  nicht.  Formal betrachtet, kann ich keinen Etat überziehen, da ein verabschiedeter Plan nicht besteht. Der oft zitierte Etat von € 34.5 Mio, davon Zuschüsse der Stadt Köln € 28 Mio und Einnahmen € 6,5 Mio, sind nicht in einem Wirtschaftsplan festgeschrieben. Zwar besteht ein Letter of Intent, nach dem ein Etat bereit gestellt werden soll, der auch internationalen Ansprüchen gerecht wird. Nur, dieses Letter of Intent ist bis heute nicht umgesetzt.  Folglich wird unser Haus zur Zeit nicht nach einem gemeinsam abgestimmten  Wirtschaftsplan gesteuert.  Auch erhalte ich unterjährig nur sehr wenige kaufmännische Informationen. Regelmäßige Budgetgespräche, Abweichungsanalysen zu unseren Zahlen werden nicht mir geführt. Ein gültiges Organigramm, welches die Zuständigkeiten innerhalb  der Bühnen der Stadt Köln insgesamt regelt, besteht ebenfalls seit 2009 nicht. Die öffentlichen Diskussionen über Zuschusshöhen und vermeintliche Deckungslücken sind bedauerliche aber natürliche Folgen dieser Organisationsmängel.

IOCO: Wir möchten hier nachfassen. Als künstlerisch verantwortlicher Leiter veranlassen Sie mit Ihren Mitarbeitern Aufwendungen von über € 35 Millionen, Sie beschäftigen 600 Mitarbeiter, Sie machen phantastische Kunst. Wir können nicht glauben, daß Sie kein Organigramm, keinen Wirtschaftsplan haben, daß Sie nicht regelmäßig, jedoch mindestens vierteljährlich umfassend über alle betriebswirtschaftlichen Facetten Ihres Hauses unterrichtet werden.

Laufenberg: Leider ist dies die Situation. Und solange keine transparente Etatsicherheit besteht, kein zeitnaher betriebswirtschaftlicher Austausch erfolgt,  werden unangenehme Zungenschläge und Publikationen unsere künstlerisch so erfolgreiche Arbeit an der Oper Köln vergrätzen. Natürlich wünsche und glaube ich, daß diese gravierenden  Organisationsmängel bald behoben sein werden.

IOCO:  Herr Laufenberg, wir danken für das Gespräch.
Für  IOCO  führte das Gespräch  Viktor Jarosch  am  23.11.2011

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