München, Bayerische Staatsoper, Figaros Hochzeit von W. A. Mozart, IOCO Kritik, 07.11.2017

November 7, 2017 by  
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Bayerische Staatsoper München

Bayerische Staatsoper München Foto: © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper München Foto: © Wilfried Hösl

Le nozze di Figaro von Wolfgang Amadeus Mozart

 „Schwierige Türen“

Von Hans-Günter Melchior

Wolfgang Amadeus Mozart in Wien © IOCO

Wolfgang Amadeus Mozart in Wien © IOCO

Alle kennen Figaros Hochzeit. Alle Männer. Sei es als Traum, sei es als Realität. Ein junge Frau, die man auch gerne mal in den Armen hielte, heiratet ihren Geliebten/Verlobten. Und man hält an seinem Traum fest. Bei manchen erfüllt er sich sogar: als außereheliche Beziehung.  Und alle Frauen kennen Figaros Hochzeit. Sie heiraten zwar, könnten sich aber ganz gut vorstellen, in den Armen dessen, der sie so heiß begehrt, ein wenig zu ruhen – und so weiter.

Das ist es, was Mozart wusste!

Und deshalb kennen – fast – alle die Geschichte, die Mozart und sein Librettist Lorenzo da Ponte daraus gemacht haben. Vor allem Mozarts wunderbare, erotisierende Musik, die zwischen die Zeilen des Librettos schlüpft und ins Seelenleben der Protagonisten und der Zuhörer eindringt. Dass man am Ende sagt: So ist es, genau so. Als wäre es ich.

Ganz kurz und zur Erinnerung:

Susanna (Olga Kulchynska), Kammermädchen der Gräfin Almaviva (Federica Lombardi) heiratet Figaro (Alex Esposito), den Kammerdiener des Grafen Almaviva (Christian Gerhaher). Letzterer stellt aber der schönen Susanna nach, pocht zwar nicht ausdrücklich, aber doch faktisch auf dem ius prima noctis (Recht der ersten Nacht), einem „Gesetz“, das er gerade, offenbar in einer aufklärerischen Anwandlung, abgeschafft hat. Er verletzt dabei die Gefühle seiner Gattin auf das Nachhaltigste. Diese schmiedet mit ihrem Kammermädchen Susanna einen Plan: Susanna lockt den Grafen am Hochzeitsabend in den Park. Dort trifft er aber auf die als Kammermädchen Susanna verkleidete eigene Frau, während Susanna als Gräfin verkleidet ihren eifersüchtigen Ehemann Figaro narrt und erotisch reizt. Als der Schwindel auffliegt, zerfließen die männlichen Hauptpersonen, insbesondere der Graf, vor Reue und richten sich in der „gottgewollten“ Ordnung ein.

Bayerische Staatsoper / Le nozze di Figaro - hier Olga Kulchynska als Susanna und Alex Esposito als Figaro © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Le nozze di Figaro – hier Olga Kulchynska als Susanna und Alex Esposito als Figaro © Wilfried Hösl

Dazwischen ereignet sich allerlei komödiantischer Schnickschnack, ein wenig überdrehte Komik. Marcellina (Anne Sofie von Otter, die sehr schön Mozarts  in den musikalischen Fluss eingebautes Lied „Abendempfindung an Laura“ in deutscher Sprache vorträgt), eine gräfliche Angestellte, erhebt Rechte auf Figaro, beruft sich auf einen Vertrag, der ihr eine von Figaro zu zahlende Mitgift oder die Heirat mit diesem zuspricht. Sie wird von Bartolo (Manuel Günther), einem Arzt aus Sevilla, bei dem sie früher angestellt war, unterstützt. Als sie ihren vertraglichen Anspruch einklagen will, stellt sich heraus, dass sie Figaros Mutter und Bartolo dessen Vater ist. Na ja.

Durch die gesamte Oper irrlichtert – dies allerdings eine überaus wichtige Figur (eine Frauenrolle) –: Cherubino (Solenn´Lavanant-Linke) als lebendes Beispiel unerfüllter Sexualität. Die Gräfin und Susanna ordnen ihm zunächst die Aufgabe zu, als Mädchen verkleidet, den Grafen zu verführen. Als der argwöhnische Graf die Verkleidungszeremonie stört und zum Scheitern bringt, flüchtet Cherubino mit einen Sprung durchs Fenster in Garten. Er wird von dem Gärtner Antonio (Milan Siljanov) dabei beobachtet, was zu komischen Verwicklungen führt, weil Figaro behauptet, er sei es gewesen, der aus Angst vor dem wütenden Grafen aus dem Fenster gesprungen sei.

Don Curzio (Dean Power), ein stotternder Richter (gibt es sowas wirklich?!), soll das Urteil vollziehen, durch das Figaro zur Heirat mit Marcellina oder zur Zahlung einer Mitgift verpflichtet werden soll. Eine kleine Partie. Babarina (Anna El-Khashem), Tochter des Gärtners Antonio, war dem Grafen bereits zu Liebesdiensten, sie stellt ihn vor der Gräfin bloß, indem sie ihre Gelegenheitsbeziehungen offenbart.

Bayerische Staatsoper / Le nozze di Figaro - hier Alex Esposito als Figaro © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Le nozze di Figaro – hier Alex Esposito als Figaro © Wilfried Hösl

In der Aufführung der Bayerischen Staatsoper sind alle Personen nicht das, was sie sind. Der Graf ist kein richtiger, autoritärer und über den Dingen stehender Herrscher, sondern ein eher Getriebener, ziemlich triebgesteuerter Wicht. Und Figaro und Susanna sind nicht so richtig geduckte Untergebene, sondern selbstbewusste Angestellte, die mit dem Grafen umspringen als befänden sie sich mit ihm auf Augenhöhe. Auch die Gräfin hat so ihre Mucken, sie macht sich mit ihrem Kammermädchen gemein und man hat den Eindruck, dass sie Figaro ganz gern sieht. Und Marcellina und ihre Helfer sind echte und moderne Bürger, die in Auftreten und Reden durchaus in der Lage sind, ihre Rechte zu verteidigen.

Alle eint so etwas wie unerfüllte Liebe. Vor allem aber ein sexuelles Bedürfnis, das quer durch die Standesränge – und durch die tradierten Ordnungscodices geht. Nicht nur der Graf verzehrt sich in einem Begehren, das ihn im Grunde erniedrigt. Selbst von Susanna hat man, folgt man dem Regisseur Christof Loy, durchaus den Eindruck, dass sie sich einer Liaison mit dem Grafen nicht besonders nachhaltig widersetzen würde. Die beiden turteln miteinander und kommen sich gefährlich näher. Das ist durchaus kein Fall von #Me Too, von missachteter sexueller Selbstbestimmung der Frau, nein, das alles geschieht durchaus gesetzeskonform, weil freiwillig, in beiderseitiger Übereinstimmung. Und wie Figaro seiner Susanna, die er ja für die Gräfin hält (!), an die Wäsche geht, offenbart mehr als geheime Wünsche –, Wünsche, die aus der gerade verbindlich gemachten Beziehung zur Angetrauten streben.

Das wird auch musikalisch deutlich. Schon im ersten Akt kommt es nur schwer zum Duett zwischen Susanna und Figaro. Während er das Zimmer vermisst und die Maße vor sich hinbrummelt, schwärmt sie von ihrem neuen Hut. Erst nach und nach kommen die beiden musikalisch zusammen. Und so geht es durch die ganze Oper weiter, es überwiegt zwischen den beiden das Streitbar-Dialogische. Ganz offen bekennt sich freilich nur die exemplarische Figur Cherubino zur bindungsfreien sexuellen Lust –, ein allgegenwärtiger Kobold, dem Mozart die herrlichsten Arien zuordnete (Non so più cosa son, cosa faccio…, ich weiß nicht, was ich bin, was ich tue…; und Voi che sapete… Sagt holde Frauen…).

Bayerische Staatsoper / Le nozze di Figaro - hier Olga Kulchynska als Susanna und Anne Sofie von Otter als Marcelline © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Le nozze di Figaro – hier Olga Kulchynska als Susanna und Anne Sofie von Otter als Marcelline © Wilfried Hösl

Mit der erotischen Färbung des Werks haben Mozart und Da Ponte die politisch-kämpferische Vorlage Beaumarchais entschärft und ins Psychologische transponiert. Einzig in Figaros Arie: „Se vuol ballare, signor Contino…Will der Herr Graf den Tanz mit mir wagen…“, flammt der sozial- und gesellschaftskritische Kern des ursprünglichen Stoffes auf, eine Schlüsselszene. Die einzig wirklich Kampfansage von unten nach oben.

Stilgebendes Element der Inszenierung sind die Türen. Im ersten Akt sind sie so niedrig, dass man nur in gebückter Haltung eintreten kann. Dann werden sie immer größer. Im dritten Akt ist die Türklinke so hoch angebracht, dass man sich auf die Zehenspitzen stellen muss, um sie zu erreichen. Und im vierten Akt füllt eine riesige Tür bis unter die Decke den Bühnenraum aus, wo zuvor der Ausschnitt eines Gemäldes von Fragonard dominierte. Ganz klein sind die Personen vor diesem wie aus einem Vergrößerungsglas herausgefallenen Monstrum, das nur einen kleinen Spalt offen lässt, hinter dem die Schwärze der Nacht obskure Handlungen verschlingt.

Assoziationen an Kafka drängen sich auf. In der „Verwandlung“ ist ständig von Türen die Rede, die schwer zu öffnen und grundsätzlich immer verschlossen zu halten sind. Und in der Erzählung „Vor dem Gesetz“ bewacht ein Türsteher lauter offene Türen zum Gesetz hin, durch die zu gehen der einzige Besucher sich nicht traut und schließlich gleichsam unerlöst wartend stirbt. Vielleicht weil er weiß, dass er dem Gesetz nicht gewachsen wäre. Es sind bewusst schwierige Türen in dieser Aufführung. Hindernisse. Barrieren vor der Überwindung der Ordnung, vor dem, was sich hinter ihr an sie sprengenden Sehnsüchten verbirgt. Und doch lassen sie Schlupfwinkel offen. Ein philosophisch kluger Einfall der Regie, der die Ambivalenz des Geschehens verdeutlicht.

Constantinos Carydis leitet das hervorragend disponierte Staatsorchester (die Bläser!)  mit anfeuernder Gestik. Die straffen Tempi schaffen es, dass die Musik ins Blut geht. Und sie treiben die Darsteller zu Höchstleistungen an. Großer und anhaltender Jubel.

Le nozze di Figaro an der Bayerischen Staatsoper, weitere Vorstellungen: 10.11.2017; 15.7.2018, 17.7.2018

 

 

 

Leipzig, Oper Leipzig, Spielplan Oktober 2017 – Tosca, My fair Lady und mehr, IOCO Aktuell

August 18, 2017 by  
Filed under Oper Leipzig, Pressemeldung, Spielpläne

Oper Leipzig

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Spielplan OKTOBER 2017 –  Oper Leipzig

01 Oktober 2017  SONNTAG  
11:00 Familienführung | Opernhaus
14:00 Oper zum Mitmachen Brüderchen, komm tanz mit mir | Probebühne Opernhaus
15:00 Die lustige Witwe – Lehár | Musikalische Komödie
18:00 ToscaPuccini – WIEDERAUFNAHME | Opernhaus


02 Oktober 2017  MO
19:30 Die Schoff – Baumann & Clausen (Gastspiel) | Opernhaus


03 Oktober 2017
15:00 My Fair Lady –  Loewe / Lerner | Musikalische Komödie
18:00 Lobgesang (Ballett) Schröder / Mendelssohn Bartholdy | Opernhaus


04 Oktober 2017
11:00 Knusper, knusper, Knäuschen … Humperdinck | Konzertfoyer Opernhaus
14:00 Familienführung (Schulferien) | Opernhaus
20:00 Nachhall Musikalische Komödie im Museum | Museum der bildenden Künste


06 Oktober 2017
10:00 Peter und der Wolf – Prokofjew | Venussaal Musikalische Komödie
11:00 Knusper, knusper, Knäuschen … Humperdinck | Konzertfoyer Opernhaus


07 Oktober 2017
11:00 Knusper, knusper, Knäuschen … Humperdinck | Konzertfoyer Opernhaus
14:00 Öffentliche Hausführung | Opernhaus
19:00 Der Freischütz –  Weber | Opernhaus
19:00 My Fair Lady –  Loewe / Lerner | Musikalische Komödie


08 Oktober 2017
11:00 Knusper, knusper, Knäuschen … Humperdinck | Konzertfoyer Opernhaus
11:00 Peter und der Wolf –  Prokofjew | Venussaal Musikalische Komödie
15:00 My Fair Lady –  Loewe / Lerner | Musikalische Komödie
18:00 Don Carlo –  Verdi | Opernhaus


9 Oktober 2017
14:00 Oper zum Mitmachen spezial:   Nussknacker und Mäusekönig |
Probebühne Opernhaus


10 Oktober 2017
14:00 Oper zum Mitmachen spezial –   Nussknacker und Mäusekönig |
Probebühne Opernhaus
18:00 MuKo Werkstatt zu »Die große Sünderin« | Musikalische Komödie


11 Oktober 2017
14:00 Oper zum Mitmachen spezial –   Nussknacker und Mäusekönig |
Probebühne Opernhaus


12 Oktober 2017
14:00 Oper zum Mitmachen spezial –   Nussknacker und Mäusekönig |
Probebühne Opernhaus
19:00 Le nozze di Figaro  –  Mozart | Opernhaus


13 Oktober 2017
19:30 Tosca  –  Puccini | Opernhaus


14 Oktober 2017
11:00 Enoch Arden Strauss – STRAUSS-WOCHENENDE | Konzertfoyer Opernhaus
19:00 Salome Strauss – STRAUSS-WOCHENENDE | Opernhaus
19:00 Die große Sünderin  –  Künneke – PREMIERE | Musikalische Komödie


15 Oktober 2017
11:00 Master Class mit Brigitte Fassbaender zu Richard Strauss –
STRAUSS-WOCHENENDE | Opernhaus
15:00 Die große Sünderin –  Künneke | Musikalische Komödie
18:00 Don Carlo  – Verdi | Opernhaus


17 Oktober 2017
19:30 Die große Sünderin  –  Künneke | Musikalische Komödie


18 Oktober 2017
10:00 Babykonzert | Konzertfoyer Opernhaus
18:30 Leipziger Ballett Werkstatt zu »Johannes-Passion« | Opernhaus


20 Oktober 2017
10:00 Babykonzert | Konzertfoyer Opernhaus
19:30 Salome –  Richard Strauss | Opernhaus
21:30 Nachtführung | Opernhaus


21 Oktober 2017
15:00 Muko Plauderei mit Chefdirigent Stefan Klingele | Konzertfoyer Opernhaus
19:00 Die Piraten –  Gilbert & Sullivan | Musikalische Komödie
20:00 41. Leipziger Jazztage An Evening with Pat Metheny | Opernhaus


22 Oktober 2017
11:00 Jürgen-Hart-Satire-Matinee Lachmesse Leipzig 2017 (Gastspiel) | Opernhaus
15:00 Die Piraten –  Gilbert & Sullivan | Musikalische Komödie
16:30 Ur-Krostitzer-Lachmesse-Gala Lachmesse Leipzig 2017 (Gastspiel) | Opernhaus
20:00 Ur-Krostitzer-Lachmesse-Gala Lachmesse Leipzig 2017 (Gastspiel) | Opernhaus


24 Oktober 2017
10:00 Babykonzert | Venussaal Musikalische Komödie


27 Oktober 2017
19:30 Johannes-Passion (Ballett) Schröder / J. S. Bach – PREMIERE | Opernhaus


28 Oktober 2017
15:00 Musikalischer Salon Pièces de Salon | Konzertfoyer Opernhaus
19:00 Le nozze di Figaro  –  Mozart | Opernhaus
19:00 Kleine Komödie Frank Wedekind-Abend | Venussaal Musikalische Komödie


29 Oktober 2017
11:00 Familienführung | Opernhaus
15:00 Feuer, Wasser, Sturm (Kinderchor) | Konzertfoyer Opernhaus
18:00 Der Freischütz  –  Weber | Opernhaus


31 Oktober 2017
15:00 Johannes-Passion (Ballett) Schröder / J. S. Bach | Opernhaus
15:00 Die große Sünderin  –  Künneke | Musikalische Komödie
18:30 Halloween-Gruselführungen Viertelstündliche Führungen | Musikalische Komödie


Änderungen vorbehalten! PMOL

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Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Saisonstart im September und Oktober 2017

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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

 

Saisonstart in Düsseldorf und Duisburg
Oper und Ballett am Rhein im September und Oktober 2017

 


Fr 08.09. – 20.00 Uhr                  3. Haniel Klassik Open Air auf dem Vorplatz des Theaters Duisburg


So 17.09. – 17.00 Uhr                „Rossini à la carte“ zur Wiederaufnahme von Rossinis „La Cenerentola“ in der legendären Inszenierung von Jean-Pierre Ponnelle: Rahmenpro­gramm und Aufführung zum Saisoneröffnungspreis von 25 bzw. 20 €


Sa 23.09. – 19.30 Uhr                 PREMIERE: Ballett am Rhein – b.29 im Opernhaus Düsseldorf: George Balanchine: Mozartiana / Martin Schläpfer: Konzert für Orchester / Jerome Robbins: The Concert


Sa 23.09. – 19.30 Uhr                 Giacomo Puccini: Turandot – Wiederaufnahme im Theater Duisburg


Do 28.09. – 18.00 Uhr                Familienopernwerkstatt zur Premiere von „Gullivers Reise“ im Theater Duisburg


Di 03.10. – 14.00-18.00 Uhr      Maus-Türöffner-Tag: Das Theater Duisburg und die neue Familienoper entdecken – der Eintritt ist frei.


Di 03.10. – 18.00 Uhr                 Premiere: „Gullivers Reise“ von Gerald Resch – die neue Familien­oper (empfohlen ab 6 Jahren) im Theater Duisburg


Mi 04.10. – 19.30 Uhr                „Die Zauberflöte“ von W. A. Mozart in der weltweit erfolgreichen Inszenierung von Barrie Kosky und „1927“ – Wiederaufnahme im Opernhaus Düsseldorf


Do 05.10. – 19.00 Uhr                „Il trittico“ von Giacomo Puccini in der Inszenierung von Dietrich W. Hilsdorf – Wiederaufnahme im Theater Duisburg


Sa 14.10. – 19.30 Uhr                 „Die Entführung aus dem Serail“ von W. A. Mozart – Wiederaufnahme im Opernhaus Düsseldorf


Sa 14.10. – 19.30 Uhr                 Premiere: Ballett am Rhein – b.32: Martin Schläpfers „Petite Messe solennelle“ zur Musik von Gioacchino Rossini im Theater Duisburg


So 15.10. – 19.30 Uhr                „Meisterklasse“: Konzert des Opernstudios der Deutschen Oper am Rhein zum Abschluss des Meisterkurses bei Marius Vlad im Maxhaus, Düsseldorf


Mo 16.10. – 17.00 Uhr               Opernwerkstatt: Gespräch und Probenbesuch zur Premiere von Alban Bergs „Wozzeck“ (Eintritt frei)


Fr 20.10. – 19.30 Uhr                  PREMIERE: Alban Bergs Oper „Wozzeck” in der Inszenierung von Stefan Herheim. Musikalische Leitung: Axel Kober.


So 22.10. – 11.00 Uhr                „Symphoniker im Foyer“ zur Premiere von „Wozzeck“: Die Sopranistin Heidi Elisabeth Meier und Mitglieder der Düsseldorfer Symphoniker präsentieren Kammermusik und Lieder des Komponisten Alban Berg.


Do 26.10. – 18.00 Uhr                Opernwerkstatt: Gespräch und Probenbesuch zur Premiere von „Das Rheingold“ im Theater Duisburg (Eintritt frei)


Sa 28.10. – 18.30 Uhr                 „Les Contes d’Hoffmann“ von Jacques Offenbach in der Inszenierung von Christof Loy: Wiederaufnahme der im Opernhaus Düsseldorf


So 29.10. – 18.30 Uhr                „Le nozze di Figaro“ von W. A. Mozart in der Inszenierung von Michael Hampe: Wiederaufnahme im Theater Duisburg


Di 31.10. – 18.30 Uhr                 „Lucia di Lammermoor“ von Gaetano Donizetti in der Inszenierung von Christof Loy – Wiederaufnahme im Opernhaus Düsseldorf


Am 8. September startet die Deutsche Oper am Rhein mit einem dichten und vielseitigen Programm in die  neue Spielzeit 2017/18. Für große Opern-Emotionen unter freiem Himmel und bei freiem Eintritt sorgt an diesem Freitagabend ab 20.00 Uhr das 3. Haniel Klassik Open Air auf dem Opernplatz in Duisburg. Bereits zum dritten Mal in Folge ermöglicht das Duisburger Familienunternehmen gemeinsam mit den Duisburger Philharmonikern und der Deutschen Oper am Rhein ein stimmungsvolles Klassik-Erlebnis, das mit den „Special Guests“ Victor Smolski und Peter Bursch’s All Star Band bis zu sinfonisch-rockigen Klängen reicht. Der Entertainer Götz Alsmann moderiert den Abend, den Generalmusik­direktor Axel Kober musikalisch leitet.

Mit der Wiederaufnahme der legendären „La Cenerentola“-Produktion von Jean Pierre Ponnelle feiert die Deutsche Oper am Rhein am Sonntag, 17. September, im Opernhaus Düsseldorf den Spielzeitstart als musikalische und kulinarische Rossini-Delikatesse. Ab 17.00 Uhr lädt das Haus zu einem unterhaltsamen Rahmenpro­gramm mit dramaturgischen Rossini-Petitessen und italienischen Gaumenfreuden ein. Um 18.30 Uhr beginnt die Vorstellung von „La Cenerentola“ zum Spielzeitstart-Sonderpreis von 25 und 20 Euro auf allen Plätzen.

Zwei Opern- und zwei Ballettpremieren stehen im September und Oktober im Zentrum des Programms: Mit der Premiere am 23. September holt das Ballett am Rhein seine erfolgreichen Produktion b.29 ins Opernhaus Düsseldorf. Zwei Meister­werke der amerikanischen Neoklassik – George Balanchines letztes großes Ballett „Mozartiana“ und Jerome Robbins virtuose Parodie „The Concert“ – umrahmen Martin Schläpfers Ballett „Konzert für Orchester“ zu energiegeladener Musik von Witold Lutos?awski. Im Theater Duisburg folgt am 14. Oktober die Premiere von b.32, Martin Schläpfers neueste, abendfüllende Kreation zu Gioacchino Rossinis „Petite Messe solennelle“.

Die erste Opernpremiere gehört den jungen Zuschauern ab 6 Jahren: Gerald Reschs neue Familienoper „Gullivers Reise“ kommt im Rahmen der Kooperation „Junge Opern Rhein-Ruhr“ am 3. Oktober, um 18.00 Uhr im Theater Duisburg auf die Bühne. In der fantasievollen Ausstattung von Tatjana Ivschina erzählt Regisseur Marcelo Diaz von den wundersamen Begegnungen des jungen Gulliver mit den winzig kleinen Bewohnern der Insel Lilliput. Die musikalische Leitung hat Lukas Beikircher. Karten für die Premiere sind für 18 Euro (Erwachsene) oder 10 Euro (Kinder) erhältlich. „Türen auf!“ heißt es am 3. Oktober schon von 14.00 bis 18.00 Uhr: Die Deutsche Oper am Rhein macht mit beim Maus-Türöffner-Tag, an dem Kinder ab 4 Jahren im Theater Duisburg viel entdecken und ausprobieren können. Mit dabei ist Malte Arkona: Der beliebte Fernseh­moderator und Pate der Jungen Oper am Rhein will um Punkt 14.30 Uhr wissen, was auf der Bühne passiert, bevor sich der Vorhang zur Premiere von „Gullivers Reise“ hebt. Der Eintritt zum Maus-Türöffner-Programm ist frei.

Am Freitag, 20. Oktober, begrüßt Generalintendant Christoph Meyer die Zuschauer zur ersten Opernpremiere der neuen Spielzeit im Opernhaus Düsseldorf: Regiestar Stefan Herheim inszeniert mit Alban Bergs „Wozzeck“ ein Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts. Der Norweger, der inzwischen drei Mal zum Opernregisseur des Jahres gekürt wurde und in Düsseldorf bereits mit seiner Inszenierung von Händels „Xerxes“ begeisterte, setzt das um Verbrechen, Schuld und Strafe kreisende Drama mit erstklassigen Solisten wie Bo Skovhus (Wozzeck), Camilla Nylund (Marie), Matthias Klink (Hauptmann) sowie Corby Welch (Tambour­major) und Sami Luttinen (Doktor) in Szene. Generalmusik­direktor Axel Kober übernimmt die musikalische Leitung. Direkten Bezug auf die Neuproduktion nehmen die „Opernwerkstatt“ zu „Wozzeck“ am 16. Oktober um 17.00 Uhr und die Matinee der „Symphoniker im Foyer“ am 22. Oktober um 11.00 Uhr – beide im Foyer des Düsseldorfer Opernhauses.

Nicht weniger als acht Stücke aus ihrem großen Repertoire bringt die Deutsche Oper am Rhein zum Spielzeitstart auf ihre beiden Bühnen: Rossinis „La Cenerentola“, die beiden Mozart-Opern „Die Zauberflöte“ und „Die Entführung aus dem Serail“ sowie Offenbachs „Les Contes d’Hoffmann“ und Donizettis „Lucia di Lammermoor“ sind im Opernhaus Düsseldorf ­zu sehen, während Puccinis Opern „Turandot“ und „Il trittico“ sowie Mozarts „Le nozze die Figaro“ ins Theater Duisburg zurückkehren. Dort gibt die Deutsche Oper am Rhein am 26. Oktober um 18.00 Uhr mit der „Opernwerkstatt“ bereits einen Ausblick auf die „Rheingold“-Premiere am 4. November. Mit dem ersten Teil der Tetralogie in der Neuinszenierung von Dietrich W. Hilsdorf startet Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ mit einer neuen Sängerbesetzung und den Duisburger Philharmonikern unter der Leitung von Axel Kober im Theater Duisburg.

 

Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein

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Chemnitz, Kreuzkirche, Sächsisches Mozartfest 2017, IOCO Kritik, 15.05.2017

Mai 16, 2017 by  
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Sächsisches Mozartfest

„Mozart und Böhmen in Chemnitz“

26. Sächsisches Mozartfest 2017 – Mitteleuropäisches Mozart-Festival

Von Guido Müller

Am 12. Mai 2017 eröffnete das 26. Sächsische Mozartfest 2017 zum Thema Mozart und Böhmen in Chemnitz in der Kreuzkirche mit einem mitreißenden Konzert des Mendelssohn Kammerorchesters Leipzig unter der glänzenden Leitung des tschechischen Dirigenten Václav Luks mit der herausragenden slowakischen Sopranistin Simona Šaturová.

Chemnitz / Sächsisches Mozartfest 2017 © Wolfgang Schmidt / Sächsisches Mozartfest

Chemnitz / Sächsisches Mozartfest 2017 © Wolfgang Schmidt / Sächsisches Mozartfest

Das auch musikalisch grenzüberschreitende, in den kommenden zwei Wochen sowohl in Sachsen wie in Tschechien stattfindende Mozart-Fest geht auf die große Zeit des politischen und kulturellen Umbruchs in Mitteleuropa 1989/90 zurück, als ein paar mozartbegeisterte Mitglieder der Robert-Schumann-Philharmonie im damaligen Karl-Marx-Stadt der DDR den Kontakt zum Salzburger Mozarteum suchten. Durch den bereits löchrig werdenden Eisernen Vorhang knüpften sie musikalische und kollegiale Beziehungen. Es war die emotional bewegte Zeit, als auf dem Balkon der bundesdeutschen Botschaft in Prag Außenminister Genscher den ausreisewilligen DDR-Bürgern die Möglichkeit zur Ausreise verkündete.
Damals studierte der 1970 in Pilsen geborene Dirigent und Musikpädagoge Václav Luks an der Akademie der musischen Künste in Prag Horn und Cembalo. Die Öffnung der europäischen Grenzen erlaubte es ihm sich an der weltberühmten Schweizer Schola Cantorum Basiliensis in den Fächern Historische Tasteninstrumente und Historische Aufführungspraxis weiter in der Erforschung Alter Musik zu spezialisieren. Als Hornsolist konzertierte er seitdem in führenden Spezialensembles wie der Akademie für Alte Musik Berlin. Schon früh spielte Luks aber auch regelmäßig bei den Mozart-Aufführungen des Prager Ständetheaters mit, der Uraufführungsstätte von Mozarts Don Giovanni.

 Chemnitz / Vaclav Luks - Simona Šaturová © Wolfgang Schmidt / Saechsisches Mozartfest

Chemnitz / Vaclav Luks – Simona Šaturová © Wolfgang Schmidt / Saechsisches Mozartfest

Nachdem Václav Luks 2005 nach Prag zurück gekehrt war, entwickelte er das Kammerorchester Collegium 1704 und den Chor Collegium Vocale zu einem Spitzen-Barockensemble. Luks wurde zum führenden Ausgräber und Botschafter der böhmischen Alten Musik seines Landes, auch mivielen preisgekrönten Aufnahmen vor allem von Jan Dismas Zelenka und Josef Myslivecek.
Im Rahmen des Internationalen Musikfestivals Prager Frühling etablierte Luks sich mit seinen Ensembles als ein international geschätzter Bach-Dirigent, der regelmäßig auch zu allen wichtigen Bach-Festivals, zu den Salzburger Festspielen sowie nach Berlin, Amsterdam, London, Versailles, Luzern und Utrecht eingeladen wird. 2008 gründete Luks die seitdem äußerst erfolgreiche Konzertreihe Musikbrücke Prag-Dresden mit innovativen Programmen Alter Musik.

Das Sächsische Mozartfest konnte somit keinen geeigneteren Preisträger für den Sächsischen Mozartpreis 2017 gewinnen als Václav Luks. Er bedankte sich mit einem ganz auf Mozarts Prager Erfolge abgestimmten Programm, das er mit dem Mendelssohn Kammerorchester Leipzig einstudiert hatte.
Dieses professionelle Kammerorchester bildete sich 1997 aus Absolventen der Leipziger Musikhochschule. Seine jugendliche und überschwängliche Musizierfreude passt hervorragend zur pädagogischen Disziplin, zum Präzisionswillen und der ansteckenden Musizierlust von Václav Luks, der das Publikum auch in Chemnitz wieder zu Ovationen und Jubel hinreißen sollte.

Zeigte der Auftakt mit der festlichen Ouvertüre zu Mozarts Prager Krönungsoper La Clemenza di Tito (KV 621) von 1791 noch leichte Schwierigkeiten des Orchesters, sich auf die hallige Akustik der Kreuzkirche einzustellen, so war jede Unsicherheit mit dem großen Auftritt der Sopranistin Simona Houda-Šaturová aus Bratislava verschwunden. Šaturovás silbriger und schmerzerfüllter, dramatischer Koloratur-Sopran verzauberte zunächst mit der höhensicheren Rondo-Arie der Donna Anna Crudele? – Ni mi dir aus dem 1787 in Prag uraufgeführten Don Giovanni (KV 527). Hier zeigte sich bereits, warum die stilsichere und technisch perfekte Mozart-Sängerin seit 2010 an allen großen Opernhäusern von Brüssel bis Dresden, Paris bis Wien, Buenos Aires bis Athen gefragt ist.
Vor einigen Jahren entdeckte ich Simona Šaturová am Aalto-Theater Essen als perfekte Konstanze in Mozarts Entführung aus dem Serail, die alle drei großen Arien der Konstanze, von denen oft eine wegen der extremen unterschiedlichen stimmlichen Anforderungen an die Sängerin gestrichen wird, von ihr in allen Affekten fast ununterbrochen hintereinander gesungen.
Simona Šaturovás herausragende Kunst der differenzierten Darstellung hochdramatischer Affekte in emotionalen und stimmlichen Grenzsituationen zeigte sie in Chemnitz in der von Mozart für seine Prager Freundin Josefina Dušek 1787 komponierten großen Konzertarie Bella mia fiamma, addio (KV 528). Diese sich aus dem Da-Capo-Schema lösende Arie ist ein wahres Musterstück für stimmliche Fertigkeiten mit ihren Sprüngen und chromatischen Besonderheiten. Diese Abschiedsarie durchmißt die Mozart so gemäßen Entgrenzungen von Klage und Traurigkeit, die er wohl in einer privaten Widmungsarie noch stärker zum Ausdruck bringen konnte als in öffentlichen Opernaufträgen. Wie mit einem Silberstift, je nach geforderten weichen oder harten Pastellstiften zeichnet die Stimme von Simona Šaturová alle emotionalen Farben und Ausdruckswerte dieses Höhepunkts von Mozarts Kompositionskunst für die weibliche Stimme.

Mit dem Alleluja und seinen Kolloraturtrillern aus der bekannten Motette von Mozart als Zugabe bedankte sich Frau Šaturova beim mit lauten Brava-Rufen applaudierenden Publikum.

Lässt sich eine solche opernmäßige dramatische Stimmung noch steigern? Václav Luks erreichte dies nach der Laudatio und Überreichung des Mozartpreises mit dem von ihm zu einem herausragend homogenen Klangkörper geformten Mendelssohn Kammerorchester Leipzig mit ihrer Aufführung der sogenannten Prager Sinfonie. Am 19.1.1787 war diese Sinfonie Nr. 38 D-Dur (KV 504) im Rahmen einer für Mozart veranstalteten Akademie im Prager Nationaltheater (heute Ständetheater) uraufgeführt worden.
Bereits die ausgedehnte langsame Einleitung der Sinfonie, ruhig fließend und zugleich mit enormer Innenspannung musiziert, lässt ein musikalisches Drama erwarten, das der vorausgegangenen Oper Le Nozze di Figaro und allem dem folgenden Don Giovanni ebenbürtig ist.

Das Theatralische, Leidenschaftliche, Erhabene und Komische klingt hier im ersten Satz wie in Opernensembles an, so wie Luks die Bläser und Streicher miteinander kommunizieren lässt. Transparent und mit größter Dynamik im Detail der Kontraste von hell und dunkel baut Luks mit seinem Orchester die Spannung auf. In der Durchführung des ersten Satzes wird die Innenspannung durch einen kontrapunktischen Sturm voran getrieben, den der Kenner Bachs und Zelenkas auf das Feinste und Logischste heraus arbeitet. Besonders herausragend die Trompeten und Holzbläser.

Noch deutlicher wird die Wirkung des Szenischen vergleichbar den großen Mozart-Da-Ponte-Opern im zweiten langsamen Satz geradezu zelebriert. Auch ohne Gesang und Bühnenbild zaubert Mozart uns hier geradezu ein „Dramma giocoso“ vor Augen, das bereits die Abgründe des „Don Giovanni“ vorweg nimmt. Hier wird die Verschmelzung vom instrumentalem und theatralischen Denken manifest. Besser als durch Luks und die Instrumentalsolisten des MKL kann diese Klangrede Mozarts kaum dargestellt werden.
Danach führt uns der virtuos und atemlos rasende Kehraus des Finales der Sinfonie wie so oft in den Opern Mozarts in eine Buffo-Welt des äußerlichen fröhlichen Feierns, die zumindest musikalisch nach den Dramen dieses Konzerts wieder hergestellt scheint. Mozart hinterlässt uns aber dabei mit mehr Fragen als mit Lösungen so wie der überraschende Schlußakkord der Sinfonie.

Großer, nicht enden wollender Applaus des Publikums. Der so uneitel auftretende tschechische Dirigent Vaclav Luks macht auch mit diesem Konzert deutlich, warum er zu den herausragenden Dirigenten und Musikpädagogen seiner Generation gehört, der seine mit größter Disziplin und Detailfreude verbundene unermessliche Musizierfreude an die Musiker wie das Publikum weiter zu geben vermag.

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