Halle, Oper Halle, Rundum-Mitmach-Oper: Der fliegende Holländer – Sacrifice, IOCO Kritik, 06.09.2017

September 7, 2017 by  
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Theater und Orchester Halle

Oper Halle © Falk Wenzel

Oper Halle © Falk Wenzel

Mitmach-Rundum-Oper zum Saisonauftakt 

Der fliegende Holländer – Sacrifice (UA)

Bilanz und Brisanz der neuen Intendanz 

Von Guido Müller

Auf besondere, intensive und kulturpolitisch diskutierte Weise steht das Publikum im Mittelpunkt des Musiktheaters der neuen Intendanz von Florian Lutz am Opernhaus Halle. Und das ist durchaus wörtlich zu verstehen, wie exemplarisch deutlich wird an seinen beiden Inszenierungen von Richard Wagners Der Fliegende Holländer und der Uraufführungsoper Sacrifice von Sarah Nemtsov und Dirk Laucke. Im Fliegenden Holländer sitzt das Publikum auf der Bühne auf Bänken und Sesseln umgeben vom Chor und den Solisten und wird auch schon mal zur Mitwirkung eingeladen. In Sacrifice befindet sich das Publikum auf der Drehbühne und fährt nicht nur langsam an den Szenen und vier Spielorten der Oper und am Orchester vorbei, sondern wird auch zum direkten Objekt der Oper, indem es durch Videoaufnahmen und Technik wie Beleuchtung in die Aufführung integriert wird.

Im Sinne einer offenen Gesellschaft und Neurorientierung des Musiktheaters weg von traditionellen Formen der herkömmlichen Guckkastenbühne geht es der neuen Intendanz sichtlich um das Aufbrechen des Theaters der vierten Wand. Lutz und sein Team zielen auf eine sehr viel stärkere partizipative und diskursive Einbeziehung des Publikums auch in die Inszenierungen, nicht nur in den unterschiedlichsten Angeboten rund um jede Vorstellung. Es soll nicht nur an die Fantasie und an die Sinne appelliert werden sondern Musiktheater soll zum Ort des politischen und gesellschaftlichen Diskurses werden. Also geht es auch um (gescheiterte) Utopien und verschiedene Wege in die menschliche Zukunft

Zum Ende der Spielzeit am Opernhaus Halle wurde zum vierten Mal die Raumbühne HETEROTOPIA von Sebastian Hannack errichtet, die sowohl das Bühnenhaus des Großen Haus wie den Orchestergraben und Zuschauerraum zusammenfasst. Hannack wurde u.a. mit dieser Arbeit vom Fachblatt Deutsche Bühne zum „Bühnenbildner der Saison 2017/18″ gewählt. Bespielt wurde die Raumbühne nun durch diese beiden Opern sowie durch das Schauspiel (Elfriede Jelinek, Wut), durch das Ballett (Grooving Bodies) und eine vierundzwanzigstündige Dauerperfomance zeitgenössischer Musik. Auch die Verbindung dieser Sparten zeichnet die neue Intendanz des Opernhauses aus.

Oper Halle / Raumbühne Heterotopia - Der Fliegende Holländer © Falk Wenzel

Oper Halle / Raumbühne Heterotopia – Der Fliegende Holländer © Falk Wenzel

Damit fand die erste Spielzeit des neuen Intendanten Florian Lutz mit seinem Dramaturgenteam Veit Güssow (stellvertr. Intendant) und Michael von zur Mühlen einen vom Publikum mit starker Zustimmung in den letzten beiden, zum Saisonabschluß ausverkauften Vorstellungen der Opern begeistert akklamierten Abschluss.
Florian Lutz und seinem Team ist es gelungen ein breites, vor allem auch neues, junges und neugieriges Publikum quer durch die Stadtgesellschaft und in allen Altersgruppen in die Oper zu ziehen.

Die Neuerungen riefen allerdings auch starken Widerspruch und teilweise Protest der Besucher und Abonnenten hervor. Skurril erscheint mir, dass gerade das durch Bühnenbildner umgestaltete Operncafé mit dem ursprünglichen Charme der DDR-Innenarchitektur dabei den heftigsten Protest der Besucher hervorrief.
Auslöser der Kontroversen war dann eine seit April 2017 heftig geführte öffentliche Debatte um angeblich starken Zuschauerrückgang und Einnahmen unter der neuen Intendanz Lutz. Doch wie sich kürzlich herausgestellt hat, sind weder der prozentuale Zuschaueranteil noch die Einnahmen unter der neuen Intendanz eingebrochen. Teilweise erhebliche finanzielle Lücken sind auf die Zeit vor ihm zurück zu führen und wurden seinerzeit vom Aufsichtsrat und der Stadt gedeckt. Im Regionalteil der Mitteldeutschen Zeitung waren in einem sehr ungewöhnlichen Vorgang nach der Hälfte der ersten Spielzeit zu angeblich unter Lutz erheblich eingebrochenen Geschäftszahlen lanciert worden, um öffentlich gegen die neue künstlerische Leitung und ihren künstlerischen Kurs zu agieren.

Der neue Geschäftsführer der Bühnen und Orchester Halle GmbH, Stefan Rosinski, enthielt sich auch öffentlich in einer an Geschäftsschädigung grenzenden Weise der Unterstützung der neuen Opernleitung. Stattdessen wetterte er in einem Aufsatz des Merkur im Mai 2017 gegen das „depressive Staatstheater“ und politisch ambitionierte Intendanten, der deutlich auf die neue künstlerische Leitung der Oper in Halle bezogen werden muss

Die Leiter der Oper, des Schauspiels und des Orchesters warfen ihm in einem Schreiben an den Aufsichtsrat eigenmächtiges Verhalten vor. Damit machten sie deutlich, wie vergiftet die Arbeitsatmosphäre ist. Diese Vorgänge werden mittlerweile in der Fachpresse und den Medien weit über die Region hinaus beachtet und kritisch erörtert. Ein solcher öffentlicher Versuch der Demontage einer neuen Intendanz und ihrer künstlerischen Arbeit zur Hälfte der Spielzeit erscheint mir ein sehr bedenklicher Vorgang und verleiht den Vorgängen besondere Brisanz.

Gleichzeitig mit dem Fliegenden Holländer und Sacrifice waren in dieser Auftaktspielzeit von Florian Lutz Produktionen des Musiktheaters aus vier Jahrhunderten zu erleben: Tosca von Giacomo Puccini, Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny von Kurt Weill, zum Reformationsjubiläum das Luther-Projekt mit anspruchsvollen Kantaten von Johann Sebastian Bach – unter Einbeziehung eines großen, nur für diese Produktion zusammen gestellten fast hundertköpfigen Chors aus Bürgern der Stadt Halle – und im Rahmen der Händel-Festspiele Georg Friedrich Händels Jephta. Diese neuen Produktionen wurden teilweise erheblich im Pro und Contra durch das Publikum diskutiert. Die Oper Halle rückt damit nach langen Jahren mäßiger Aufmerksamkeit endlich wieder in den Mittelpunkt kultureller Diskussionen in Halle und weit darüber hinaus.

In den beiden hier zu besprechenden Opern stehen jeweils junge Frauen im Mittelpunkt, die sich für ein utopisches Ziel aufopfern wollen und scheitern. In Wagners Großer Romantischer Oper ist es das Mädchen Senta in ihrer Sehnsuchtsgeschichte nach dem Fliegenden Holländer, die beredten musikalischen Ausdruck in ihrer großen Ballade findet.
Bei der Berliner Komponistin Sarah Nemtsov und ihrem in Halle aufgewachsenen Librettisten Dirk Laucke nach einer tatsächlichen Begebenheit sind es zwei heutige Mädchen, die sich mitten aus der deutschen Mehrheitsgesellschaft 2014/15 auf den Weg nach Syrien machen, um in den Dschihad zu ziehen. Sie drücken ihre Sehnsucht nach dem Ausbruch und ihre Opferbereitschaft in dem großen Eingangsduett der Oper auf Zeilen eines afghanischen Gedichtes aus. Darin wird die Schönheit, die Größe und Würde des Heimatlandes beschworen, bis in den Tod der Menschen, die für dieses Land sterben. Das Gedicht wird den Taliban zugeschrieben. Daher der Titel Sacrifice, „Opfer“.

Richard Wagner Büste in Bayreuth © IOCO

Richard Wagner Büste in Bayreuth © IOCO

Doch zunächst zu Richard Wagners Fliegendem Holländer. Damit hatte die neue Leitung die Spielzeit programmatisch eröffnet, denn diese Oper beginnt mit einer äußerst stürmischen Ouvertüre, geschrieben von einem späteren 1848er Revolutionär und in Dresden mit großem Erfolg uraufgeführt. Der junge Wagner hatte sich nichts Geringeres zum Ziel gesetzt, als durch seine musiktheatralischen Gesamtkunstwerke auch die Gesellschaft seiner Zeit umzustürzen. Nur kurz blinkt in einem Videotext während der Oper Wagners programmatisch-utopische Hoffnung auf eine Gesellschaft auf, die offener und kooperativer sein möge als heute.

Florian Lutz beläßt es vor Beginn der Aufführung erst einmal viel bescheidener als in Wagners sozial- und kunstrevolutionärem Ansatz damit, das Publikum an den Eingängen zum Bühnenhaus zunächst mit Augenbinden zu versehen. Dann werden wir Zuschauer als reine Zuhörer – sozusagen ihm und seinem Team am Anfang „blind vertrauend“ – in kleinen Gruppen von den Türen an Schiffstauen auf die Bühnenplanken geführt, die für Manche die Welt bedeuten, aber in Halle zum Glück nicht auch noch schwanken. Florian Lutz ist es sichtlich ein großes Anliegen das Musiktheater mit allen Sinnen zu einem neuen und intensiveren emotionalen und gedanklichen Abenteuer zu machen.

Ältere, gehbehinderte und ängstliche Premierenbesucher widerstrebten dem Wagnis, das möglicherweise Gefahr für Knochen und Ärgeres verhieß. Die anderen und mutig-neugierigen Besucher konnten wie ich blind die Ouvertüre erlauschen. Eine neue Dimension des Opernerlebens, da zunächst auch das Orchester und die Instrumente nicht zu verorten waren. Diese Idee des unsichtbaren Orchesters entspricht ja auch Wagners Intentionen, die er erst in seinem Bayreuther Festspielhaus realisieren konnte
Wir Zuschauer klammerten uns ans Seil, versuchten den Raum zu orten und die Instrumente, die rund um ums herum die hochromantische aufpeitschende Ouvertüre spielten. Mal glaubte ich, die Blechbläser stünden oben hinter mir, dann kamen sie plötzlich wieder von vorne. Und wo saßen denn die Streicher, rund um mich verteilt? Fast verlor ich während der etwa zehnminütigen Ouvertüre die Orientierung für oben und unten wie hinten und vorne.
Am Ende der Ouvertüre nahmen wir die Augenbinden ab. Wir fanden uns mitten im oder am Rande des Bühnenraums. Rund um uns Sitzgelegenheiten auf Bänken, Tische, ein alter Ford. Vor uns im Zuschaueraum war oben auf den über den Sitzreihen eingebauten Stufen einer halbrunden Arena eine festliche Tafel für einen sichtlich reichen Menschen hergerichtet. Dort sollte denn auch später der vermögende Kaufmann Daland den zukünftigen Holländer-Schwiegersohn als philantopischen Medienmogul empfangen, der zum ewigen Zwang der Vermehrung abstrakten Reichtum verflucht ist. Jetzt saßen aber wohl schon ein paar Zuschauer da oben, denen es sichtlich besser ging als uns Proletariern auf Bierbänken.
Um uns im Bühnenraum standen, saßen und begannen Mitglieder des Chores in orangenen Warn-Arbeits-Westen und Schutzhelmen zu singen. Und oben hingen in den Ecken der Bühne vier große Lautsprecher, über die der Klang des Orchesters eingespielt wurde, das im teilweise überdeckten Orchestergraben musizierte. Damit war zunächst erklärt, woher der mystische Rundumklang kam, in dem ich quasi Orientierung gesucht und keinen festen Ankerplatz gefunden hatte wie der über die Meere irrende Fliegende Holländer mit seiner Geistermannschaft.

Oper Halle / Raumbühne Heterotopia - Der Fliegende Holländer , Chor der Spinnerinnen © Falk Wenzel

Oper Halle / Raumbühne Heterotopia – Der Fliegende Holländer , Chor der Spinnerinnen © Falk Wenzel

Die Chormitglieder baten, dass wir uns Plätze suchten und während die Oper weiter lief, waren wir sozusagen im wahrsten physischen Sinne mitten drin. Auf vielen Plätzen lagen Arbeitswesten und Helme für uns, die wir anlegen sollten. Andere Plätze für Mitglieder der Upper Class waren an Esstischen oder auf bequemen Sesseln im Erdgeschoss eines mehrstöckigen Wohnzellenblocks an der rückwärtigen Bühnenseite, in dem in den verschiedenen gleich großen und engen Räumen wie im Plattenbau auf mehreren Etagen mit blonden Perücken ausgestattete Chorsängerinnen sich angeregt miteinander austauschten und sichtlich auf die Rückkehr ihrer Männer von der Arbeit freuten. Einige Opernbesucher legten ebenfalls blonde Perücken an und machten es sich in Cocktailsesseln bequem. Oder waren es doch Opernsänger? Später wurden sie mit Mixgetränken bedient. In einer Ecke der Bühne drängten sich Menschen stehend in ärmlicher Alltagskleidung auf engem Raum hinter einem Maschendrahtzaun. Einige trugen Kopftücher. Waren das auch verkleidete Opernbesucher wie wir, die einfach mit ihrer Gruppe Pech gehabt hatten, oder doch Chorsänger?

Die Handlung nahm ihren dramatischen Lauf mit dem Auftritt des Fliegenden Holländers, seinem Geschäft mit Daland und der unvermittelt aus der Gruppe junger Frauen heraustretend singenden Senta in einer Art Hippieoutfit, die mit ihrem Teddybär im Arm auf ihrem Bett Jungmädchenträumen nachhängt. Stark schwärmerisch, und wenig greifbar, unterscheidet sie sich stark mit ihrer Utopie von den an ihren konkreten Utensilien erkennbaren Hoffnungen der anderen jungen Frauen auf Ehe, Haushalt, sexuelle Erfüllung und Familie.

Mit zartem und klar fokussierten, dann immer lyrischer und schließlich sich hochdramatisch steigernden Sopran singt Anke Berndt die Ballade vom Fliegenden Holländer. Gerd Vogel singt den Holländer als Charakter-Heldenbariton mit viriler kräftiger und verführerischer Schönheit von seiner großartigen Auftrittsarie „Die Frist ist um“ bis zum packenden Finale „Erfahre das Geschick“. Ihr ergreifendes Duett „Wie aus der Ferne längst vergang’ner Zeiten“ wird zu einem Höhepunkt der Vorstellung.

Oper Halle/ Der fliegende Holländer - Anke Berndt als Senta © Falk Wenzel

Oper Halle/ Der fliegende Holländer – Anke Berndt als Senta © Falk Wenzel

Vokal strahlt der prollig gezeichnete Erik des Ralph Ertel und Svitlana Slyvia singt die Mary schön timbriert. Vladislav Solodyagin verleiht dem Daland ein markiges Profil.
Der Chor (Leitung Rustam Samedov) bewährt sich vokal und im Spiel in den unter diesen speziellen Raumbedingungen nicht einfachen Aufgaben der Abstimmung mit Dirigent und Orchester. Zum Höhepunkt wird das ausgelassene patriotische Volksfest der Seemänner und Frauen im dritten Akt, zu dem wir Zuschauer zu Bier und Würstchen vom Vorarbeiter (Steuermann: Robert Sellier) eingeladen werden, das in einem doppelchörigen Exzess außer Rand und Band gerät, wenn die provozierten Ausgegrenzten ihre Zäune einreißen und die Bühne stürmen. Die musikalische Leitung liegt bei Josep Caballé-Domenech in souverän-erfahrenen Händen über alle Klippen der Koordination dieser im ganzen Bühnen- und Zuschauerraum spielenden Oper hinweg. Die Staatskapelle Halle musiziert und begleitet brilliant und zuverlässig.

Zu einen alle Sinne und intellektuellen Kräfte fordernden, zutiefst beunruhigenden und nachwirkenden Erlebnis über pausenlose zwei Stunden wird die von der Oper Halle in Auftrag gegebene Uraufführungsoper Sacrifice der in Berlin lebenden Komponistin Sarah Nemtsov und ihres in Halle aufgewachsenen Librettisten Dirk Laucke. Mich hat keine zeitgenössische Oper so lange danach noch beschäftigt – auch aufgrund ihrer emotionalen und aktuellen Dimensionen. Das Werk wirft mit deutlichem Vorrang der Musik und Kompositionsstruktur gegenüber dem Textlichen in den Dialogen, Textfragmenten, Vokalisen, eingespielten Texten und Videos die brennenden politischen Fragen der Gegenwart in ihrer Gleichzeitigkeit auf, ohne einfache moralische Positionen oder Antworten bereit zu halten.

Es geht um Krieg, Terror, Einsatz für ein Ziel bis zur Selbstzerstörung, Flüchtlingselend und Ängste, menschliche Verrohung und Abstumpfung im Desaster der Medien und des Alltags in Wohnsilos, schließlich um Populismus und Suche nach Selbstvergewisserung und Lebenssinn in den Wüsten der Globalisierung. Erzählt wird dies an der tatsächlich geschehenen Geschichte von zwei jungen Frauen aus dem trostlosen Alltag von Sangerhausen (ein wirklicher Ort in Sachsen-Anhalt!) auf ihrem Weg in den Dschihad und ihrer unterschiedlich motivierten und erlebten Rückkehr, und den begleitenden Szenen von einem Elternpaar, Frontberichterstattern, einem syrischen Flüchtling, Pegida-Demonstranten und Krieg.

Oper Halle / Die Staatskapelle Halle und Michael Wendenerg © Falk Wenzel

Oper Halle / Die Staatskapelle Halle und Michael Wendenerg © Falk Wenzel

Die Komponistin Sarah Nemtsov schildert in einem Interview mit der Deutschen Bühne im Mai 2017 ihre Kompositionstechnik der klanglichen Strukturen und musikalischen Überschichtungen im Zusammenhang der Position der Zuschauer und Zuhörer auf der Drehbühne: „Ich habe beim Komponieren schon von mir aus in vier abstrakten Räumen gedacht: ein Ort für die Mädchen, ein Ort für die Journalisten, ein Ort für das Elternpaar, kein Ort für den Flüchtling Azuz und dann der Ort des Stummen Chores, den ich mir meist hinter dem Publikum gedacht habe. Aber das könnte auch ohne Drehbühne funktionieren, in einem traditionellen Aufbau. Trotzdem war es für mich am Ende wirklich ganz toll, das zusammen mit der Drehbühne, auf der das Publikum sitzt, zu denken. Dadurch wurde eine klangliche Struktur möglich, die sozusagen mit den Drehungen entsteht: Man hört etwas, dem man räumlich noch gar nicht zugewandt ist, aber dann fährt es ins Sichtfeld und wird dadurch auch klanglich noch mal anders wahrgenommen… Das war für mich äußerst inspirierend, das so zu denken, dadurch bin ich klanglich und kompositorisch auf Dinge gekommen, die mir sonst wahrscheinlich nicht eingefallen wären.“

Zum Problem der Koordinierung der Fahrten der Drehbühne mit der musikalischen Leitung der Komposition und mit den Szenen äußert sich der Regisseur Florian Lutz im gleichen Gespräch in der Deutschen Bühne im Mai 2017 über den Work in Progress:  „Als wir vor dieser Frage standen — also das war wirklich einer der Momente, wo wir unseren Ersten Kapellmeister Michael Wendeberg noch mal in ganz besonderer Weise schätzen gelernt haben. Da lag gerade die Partitur als Handschrift in A3-Ausgabe vor, wir haben uns mit ihm zusammengesetzt, und er hat uns dieses ganze große Werk quasi prima vista einmal vorgespielt. Das haben wir aufgenommen, und nach dieser Aufnahme haben wir dann die dreizehn Drehscheibenfahrten programmiert, sind das dann noch mal mit einem Pianisten durchgegangen, und dann konnten die Drehungen bis auf wenige Aufnahmen bis zur Premiere so bleiben. Dass diese provisorisch im Kämmerchen gemachte Aufnahme von Michael Wendeberg sich als so belastbar erwiesen hat — ja, das fanden wir ziemlich verblüffend. Aber es war so. Was einerseits dafür spricht, dass Michael Wendeberg das unglaublich gut antizipieren konnte, aber sicher auch dafür, dass das, was Sarah notiert hat, sehr realistisch umsetzbar ist. Das hat Michael auch immer gesagt: Das ist alles sehr strukturiert — macht euch keine Sorgen, das funktioniert!“

Hier leisten die gesamte Technik des Hauses, das Orchester, die musikalische Leitung und alle beteiligten Mitarbeiter der Oper Halle weit noch über das Übliche hinaus Großartiges und stehen mit allen Möglichkeiten hinter dieser zeitgenössischen Musiktheateraufführung, die atemberaubende Momente liefert. Die visuelle Reizüberflutung unserer medialen Gegenwart wird sehr sinnvoll und zugleich ästhetisch grandios um uns herum vermittelt durch mehrfache Monitore und Video-Leinwände, Web-Cams, Live-Cams, Überwachungskameras, Fernsehen, Nachrichten, Projektionen und LED-Screens. (Videokünstler Konrad Kästner)
Auf die politische Dimension des Werkes, der musikalischen Struktur und der Inszenierung geht der Dramaturg Michael von zur Mühlen in diesem Gespräch in der „Deutschen Bühne“ ein: „Ich finde, Sarahs Oper zeigt, dass Musiktheater mit einem politischen Thema in einer Dialektik umgehen kann, in einer Offenheit – eben nicht nur durch Einfühlung in die Figuren und durch Darstellung einer statischen „grausamen“ Welt, sondern durch Einordnung in historische Prozesse, die eine dialektische Zukunftsperspektive haben.“

Oper Halle/ Marie Friederike Schöder als Jana und Tehila Goldstein als Henny © Falk Wenzel

Oper Halle/ Marie Friederike Schöder als Jana und Tehila Goldstein als Henny © Falk Wenzel

Die jungen zunächst gelangweilten, dann für ihr Abenteuer samt restloser Aufopferung entbrannten Teenager Jana (Marie Friederike Schöder) und Henny (Tehila Goldstein) sind die vokal strahlend-packenden Führerinnen des Werkes. Kaum nach steht ihnen in seiner kurzen Rolle als Syrer Azuz der Bariton Gerd Vogel mit tief berührenden Vokalisen. Die kleinbürgerlichen Eltern werden hervorragend gesungen und gespielt durch Anke Berndt als verzweifelte, im Patriotismus Beruhigung suchende verängstigte Mutter und den Vater von Vladislav Solodyagin, der mit seinem sonoren Bassbariton Vertrauen erweckt, wenn er seiner Friedensutopie durch die Einladung der Flüchtlinge in seine enge Wohnung Leben verleihen möchte. Ohne irgendeine Peinlichkeit übertriebenen Aktualismus wird von beiden Sängerdarstellern wahres Musikdrama verkörpert. Auf der Seitenbühne werden die drei Kriegsberichterstatter von Nils Thorben Bartling, Sybille Kress und Frank Schilcher in ihrem Streit über die Moral und den Sinn ihres Tuns prägnant gesprochen.
Am Ende stehen wir als Zuschauer im Fadenkreuz eines Zielfernrohrs, das zu Beginn der Oper per Video noch Jagd auf Kämpfer im Nahen Osten gemacht hatte. Von oben fahren heiß und hell brennende Scheinwerferbatterien wie Sonnen in der Wüste ganz dicht auf unsere Köpfe herab. Haben wir uns vielleicht bis dahin noch als lediglich von der intensiven Musik gepackte und sonst unbeteiligte Zuschauer fühlen können, erfahren wir nun spätestens die Rolle des Opfers. Oder fühlen wie der Kriegsberichterstatter an der Front mit der mehrdeutigen Aufschrift auf seinem Körper „Ich kann keine Oper mehr sehen“.

Oper Halle/ Sacrifice - Nils Thorben Bartling als Journalist © Falk Wenzel

Oper Halle/ Sacrifice – Nils Thorben Bartling als Journalist © Falk Wenzel

Das groß u.a. mit solistischer Harfe, E-Gitarre, präpariertem Klavier und Sample-Keyboard, Streichern, Bläsern und Schlagwerk besetzte Orchester der glänzend disponierten und herausragend in allen Instrumentengruppen die großen Herausforderungen musizierenden Staatskapelle Halle fährt langsam zu mehrfachem Pianissimo in den Graben herab.
Zurück bleibt der Zuschauer in einer starken Verstörung durch ein großartiges Werk des zeitgenössischen Musiktheaters, das positiv erschüttert, da es nicht nur die Erfahrung der Fragmentierung vermittelt sondern auch wunderbare musikalische Momente der Hoffnung wie in der Arie Alive der Henny (Tehila Goldstein) mit der Möglichkeit einer Selbstfindung, der Bewusstwerdung eigener Freiheit und eigener Abwendung von ideologischen Verlockungen.

Großer befreiender Beifall, Bravorufe und Getrampel des Publikums für alle Beteiligten der Produktion.

Raumbühne HETEROTOPIA,  Der Fliegende Holländer in der Oper Halle: Die kommenden Vorstellungen: 29.9., 4./6./14.10.2017

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Klagenfurt, Stadttheater Klagenfurt, La Traviata und Lange Nacht der kurzen Musik, 14. – 15.09.2017

Stadttheater Klagenfurt

Stadttheater Klagenfurt

Stadttheater Klagenfurt © Stadttheater Klagenfurt / Helge Bauer

Stadttheater Klagenfurt © Stadttheater Klagenfurt / Helge Bauer

  Stadttheater Klagenfurt – Spielzeitbeginn

La Traviata und Lange Nacht der kurzen Musik

Nach Sanierungsarbeiten während der Sommerpause erstrahlt das Stadttheater Klagenfurt in neuem Glanz und startet mit Verdis La Traviata, in der Regie von Richard Brunel, am 14. September 2017 in die Spielzeit 2017/2018.

Stadttheater Klagenfurt / Bestuhlung © ArnoldPöschl

Stadttheater Klagenfurt / Bestuhlung © Arnold Pöschl

Die Geschichte von Violetta Valéry wird als das Schicksal einer Frau von heute erzählt. Sie versucht aus der schillernden Halbwelt der Pariser „High Society“ auszubrechen, indem sie eine Beziehung mit dem aus der Provinz stammenden Alfredo Germont eingeht. In der Titelrolle ist die irische Sopranistin Claudia Boyle zu sehen. Giedre Šlekyte leitet das Kärntner Sinfonieorchester.

Alexandre Dumas Grabstätte in Paris © IOCO

Alexandre Dumas Grabstätte in Paris © IOCO

Am Tag nach der Eröffnungspremiere feiert das Stadttheater Klagenfurt den Spielzeitbeginn mit Konzerten an verschiedenen Spielstätten im und um das Theater. Ein bunter Mix unterschiedlicher Musikstile, von Klassik über Pop und Jazz bis zur Volksmusik steht am Programm. Erstmals dabei auch eine musikalische Quizshow, zusammengestellt von unserer Dramaturgie. Mit: Kärntner Sinfonieorchester, Klakradl, Voxon, LEYYA, Chor des Stadttheaters Klagenfurt, Tanzlmusi, Singschule Carinthia, The Erlkings, Swinging Strings, musikalische Quizshow , half//half, After Show Party im Park Haus.

Ab 5. Oktober zeigt das Stadttheater Klagenfurt eine Uraufführung: Hier stehe ich – ich kann nicht anders. ist ein Theaterprojekt zu Martin Luther von Cesare Lievi. Es ist in Koproduktion mit Theatern in Rom und Bologna anlässlich des 500-jährigen Reformationsjubiläums entstanden. Die zwölf szenischen Fragmente werden von deutsch- und italienischsprachigen Darstellern gespielt.

Die Renovierungsarbeiten konnten während der Sommermonate abgeschlossen werden. Das Dach und die Bestuhlung des Zuschauerraums sind vollkommen neu: 25.000 Dachziegel wurden verarbeitet und 716 Stühle mit einem nahezu geräuschlosen Klappmechanismus in edlem Olivgrün sorgen für neuen Sitzkomfort. Die Kasse und das Abo-Büro wurden in minimalistisch – elegantem Schwarz-Weiß, inspiriert von der Jugendstilfassade des Hauses, von Architekt Günther Domenig gestaltet. Die Kosten für die Sanierung des Theaters belaufen sich auf knapp 1 Mio. Euro und werden aus den laufenden Budgets finanziert. Alle Aufträge für die Sanierungsarbeiten gingen an Kärntner Firmen.


Stadttheater Klagenfurt / La Traviata © Jean-Louis Fernandez

Stadttheater Klagenfurt / La Traviata © Jean-Louis Fernandez

La Traviata  von Giuseppe Verdi
Libretto von Francesco Maria Piave nach dem Drama La dame aux camélias
von Alexandre Dumas d. J.  , In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

PREMIERE 14. September 2017, 19.30 Uhr, weitere Vorstellungen 16.9.; 19.9.; 21.9.; 23.9.; 27.9.; 29.9.; 6.10.; 11.10.;  14.10.;  17.10.;  21.10.; 10.11.; 12.10.; 14.10.2017

Als „Walzer in drei Akten“ ist La Traviata mitunter charakterisiert worden. Dem Dreiertakt gewinnt Verdi in seiner berühmtesten Oper das gesamte Spektrum menschlicher Emotionen ab. Der französische Regisseur Richard Brunel kehrt nach dem überwältigenden Erfolg von Dialogues des Carmélites nach Klagenfurt zurück und inszeniert Verdis Meisterwerk. Die Titelrolle übernimmt Claudia Boyle.

Bei der Uraufführung 1853 im venezianischen Opernhaus La Fenice wurde La Traviata vom Publikum kühl aufgenommen. Ein zeitgenössischer Stoff auf der Opernbühne, noch dazu das Lieben und Sterben einer Edelkurtisane, gereichte zum Zeitpunkt der Erscheinung des Werkes noch zum Skandal. Neu war auch, dass anhand des Leidens der an Tuberkulose erkrankten Titelheldin Themen wie der Widerstreit zwischen bürgerlicher Wohlanständigkeit und dem frivolen Flitterglanz der „High Society“ verhandelt werden. Dem Widerstand der Zensoren zum Trotz ließ der bis heute anhaltende Siegeszug der „vom Wege Abgekommenen“ – so die wörtliche Übersetzung des Titels – nicht lange auf sich warten. Dies ist nicht nur auf Verdis unmittelbar mitreißende Musik zurückzuführen, sondern auch auf die Tatsache, dass sich in ihr die Höhen und Tiefen der modernen menschlichen Existenz spiegeln.

MUSIKALISCHE LEITUNG Giedre Šlekyte, REGIE Richard Brunel, BÜHNE Anouk Dell’ Aiera, KOSTÜME Axel Aust, LICHTDESIGN Laurent Castaingt, CHOR-EINSTUDIERUNG Günter Wallner,  DRAMATURGIE Catherine Ailloud-Nicolas, Markus Hänsel

Mit: Violetta Valéry Claudia Boyle, Flora Bervoix Iris van Wijnen, Annina Júlia Banyai , Alfredo Germont Giordano Lucá, Giorgio Germont Domenico Balzani, Gastone Joshua Owen Mills, Barone Douphol Nicholas Crawley, Marchese d´Obigny Josef Pepper, Dottore Grenvil Jisang Ryu , Giuseppe Thomas Tischler, Ein Diener Floras Jihoon Kwon, Chor und Extrachor des Stadttheaters Klagenfurt, Kärntner Sinfonieorchester

Weitere Vorstellungen: 16., 19., 21., 23.,27., 29. Sept; 6., 11., 14., 17., 21.Okt; 10.,12.,14. Nov 2017
Einführungsmatinee 03. September 2017, 11 Uhr, Bühne. Moderation Intendant Florian Scholz
Einführung zur Oper 25 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Galeriefoyer links


URAUFFÜHRUNG
Hier stehe ich – ich kann nicht anders“

Premiere 24.10.2017, weitere Vorstellungen

Theaterprojekt zu Martin Luther von Cesare Lievi, Zwölf szenische Fragmente / Auftragswerk des Stadttheaters Klagenfurt, Koproduktion mit Emilia Teatro Fondazione – Bologna und Associazione Teatro di Roma Aus dem Italienischen von Hinrich Schmidt-Henkel

„Hier stehe ich – ich kann nicht anders” soll Martin Luther vor den größten Autoritäten seiner Zeit, dem Kaiser und dem Papst, ausgesprochen haben. Für welche Überzeugungen stehen wir noch ein? Cesare Lievi geht mit vier deutsch- und vier italienischsprachigen SchauspielerInnen in zwölf szenischen Fragmenten auf eine theatralische Suche…

1517 veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen gegen den päpstlichen Ablasshandel und leitete damit das Zeitalter der Reformation ein. Was ist 500 Jahre danach von diesem historischen Ereignis, das die Kirche spaltete und den längsten Glaubenskrieg aller Zeiten auslöste, geblieben? Und welche Rolle spielt dieser Einschnitt in der Glaubensgeschichte Europas heute in unserem Alltag, in unserer Denk- und Lebensweise? Wie steht es heute um Gott, den Glauben, die Gnade, die Sakramente, die Erlösung, die Wahrheit und die Macht des Wortes? Sind diese Themen in unserem laizistischen und säkularisierten Weltbild noch aktuell? Führt der Glaube, vor allem der Glaube an einen einzigen Gott, zwingend zu Intoleranz und Fanatismus? Konnte Luthers einstmals revolutionärer Gottesbegriff überdauern? Tragen wir Menschen den göttlichen Funken für alle Ewigkeit in uns oder sind wir nichts weiter als vergängliche Wesen in einem kalten Universum?

Autor und Regie Cesare Lievi, Musik Mauro Montalbetti, Bühne Maurizio Balò, Kostüme Birgit Hutter, Lichtdesign Cesare Agoni, Dramaturgie Sylvia Brandl, Philine Kleeberg

Darsteller Valentina Bartolo, Bea Brocks, Irene Kugler, Alvia Reale I, Hendrik Arnst, Paolo Garghentino, Gregor Kohlhofer, Graziano Piazza

Premiere 24.10.2017; Weitere Vorstellungen: 7., 10., 12., 13., 18., 28. Oktober; 3., 8. November 2017,  Einführungsmatinee 24. September 2017, 11 Uhr, Bühne. Moderation Intendant Florian Scholz – Einführung vor Vorstellungsbeginn im Galeriefoyer links


Stadttheater Klagenfurt / Lange Nacht der kurzen Musik © Bauer

Stadttheater Klagenfurt / Lange Nacht der kurzen Musik © Bauer

STATT THEATER
WIENER STÄDTISCHE

Die lange Nacht der kurzen Musik

Feiern Sie mit uns den Spielzeitbeginn am Stadttheater Klagenfurt!,  15. September 2017, 19.00 – 24.00 Uhr,    EINTRITT FREI!

Am Tag nach der Eröffnungspremiere mit La Traviata feiert das Stadttheater Klagenfurt den Spielzeitbeginn mit Konzerten an mehreren Spielstätten im und um das Theater. Ein bunter Mix unterschiedlicher Musikstile, von Klassik über Pop und Jazz bis zur Volksmusik steht am Programm. Erstmals dabei auch eine musikalische Quizshow, zusammengestellt von unserer Dramaturgie. Mit: Kärntner Sinfonieorchester, Klakradl, Voxon, LEYYA, Chor des Stadttheaters Klagenfurt, Tanzlmusi, Singschule Carinthia, The Erlkings, Swinging Strings, musikalische Quizshow , half//half, After Show Party im Park Haus.


PROGRAMM


BÜHNE
19.00 Uhr Kärntner Sinfonieorchester
Das Kärntner Sinfonieorchester eröffnet – ganz der Tradition gemäß – auch in diesem Jahr die „Lange Nacht“. Unter Leitung von Günter Wallner werden Werke der Filmmusik – von Ben Hur bis Captain America zu hören sein. Und zur Einstimmung auf die Spielzeit gibt es bereits jetzt die schönsten Melodien aus Schwanensee.
21.00 Uhr Klakradl
Wenn das mit dem Salzburger Stier preisgekrönte Kabarettduo RaDeschnig mit den Musikern von [:klak] gemeinsame Sache macht, ist alles möglich: Jazz, traditionelles Kärntnerlied oder Filmmusik. Musikalische Virtuosität trifft auf bodenständige Texte und auf große Lyrik.


WIENER STÄDTISCHE FREILICHTBÜHNE GOETHEPARK
20.00 Uhr Voxon Die beliebte Kärntner A-capella-Band Voxon präsentiert mitreißenden Pop, Rock und Jazz in deutscher, englischer, slowenischer und italienischer Sprache – Rhythmus und Power, ganz ohne Instrumentalbegleitung.

21.00 Uhr Tanzlmusi Dass die Musiker des Kärntner Sinfonieorchesters sich nicht nur auf das klassische Repertoire verstehen, sondern auch auf traditionelle Volksmusik, beweist dieses Projekt. Bei Volksfeststimmung darf natürlich auch getanzt werden.
22.00 Uhr LEYYA Sphärisch-fließend, aber ebenso kraftvoll und impulsiv ist der Sound der Wiener/ Eferdinger Experimental/Elektronik-Pop-Formation LEYYA. Mit ihrer Kombination von feiner Melancholie und elektronischen Beats schaffen die FM4-Award-Gewinner LEYYA eigensinnige Klangwelten an der Grenze zwischen Kunst und Pop.


OBERES FOYER
20.00 Uhr Musikalisches Quiz Musikalische Quizshow, mit der Sie unser Dramaturgie-Team durch die Opern-Produktionen der neuen Saison aber auch durch die Unterhaltungsmusik des 20. Jahrhunderts führt. Raten Sie mit und gewinnen Sie Theaterkarten!


ORCHESTERPROBENRAUM
19.30 Uhr The Erlkings Ob in einem Bierlokal oder auf einer Konzertbühne: The Erlkings beweisen, dass man auch zu Goethe, Schiller und Schubert tanzen kann. Vier Multi-Instrumentalisten präsentieren frisch arrangierte Versionen von Schuberts Lied-Klassikern.
21.30 Uhr Swinging Strings-Quartett Von jazzigen Bearbeitungen bekannter Klassik-, Pop- und Rockhits über Swingjazz in der Tradition von Django Reinhard bis hin zu eigenen Kompositionen: die Swinging Strings überwinden Genregrenzen.


STADTPFARRKIRCHE ST. EGID
20.00 Uhr Singakademie Carinthia Die Singakademie Carinthia fördert seit 2013 junge Gesangstalente, die regelmäßig in den Opernproduktionen des Stadttheaters mitwirken. Entdecken Sie bei diesem Konzert das Talent der jungen Sängerinnen und Sänger.
21.00 Uhr Chor des Stadttheaters Klagenfurt Der Chor des Stadttheaters unter Leitung von Günter Wallner lädt in der Stadtpfarrkirche zu einem einzigartigen Klangerlebnis und setzt in seinem A-capella- Programm auf die Kraft der puren Stimme.


RESTAURANT OSCAR
20.00 Uhr half//half Stimmenmeer trifft auf zupfenden Herzschlag. Hier reicht der Jazz dem Pop die Hand und tanzt in der Klassik. Die Stimme: Sophie Eder, der Kontrabass: Mathias Krispin Bucher.


PARK HAUS
23.00 After Show Party Im Park Haus gegenüber vom Stadttheater wird nach dem letzten Konzert weitergefeiert. Mit DJ Nina Love und guter Stimmung wird hier die lange Nacht zum frühen Morgen.
Die Bars im Foyer des Stadttheaters und bei der Freilichtbühne sind ab 18.00 Uhr geöffnet. Die Konzerte dauern 50 bis 60 Minuten, ein Konzertwechsel ist für das Publikum jederzeit möglich.  PM Stadttheater Klagenfurt

Essen, Philharmonie Essen, Royal Concertgebouw Orchestra – Diana Damrau, 15.09.2017

September 6, 2017 by  
Filed under Konzert, Philharmonie Essen, Pressemeldung

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Philharmonie Essen

Philharmonie Essen / Diana Damrau © Michael Tammarano

Philharmonie Essen / Diana Damrau © Michael Tammarano

Royal Concertgebouw Orchestra begleitet Diana Damrau
Mozart-Arien und Dvoráks 8. Sinfonie am Freitag, 15. September 2017, um 19 Uhr

Eine Star-Sopranistin und ein Weltklasse-Orchester – glanzvoller kann eine Saison kaum beginnen. Zum Auftakt der neuen Spielzeit in der Philharmonie Essen präsentieren Diana Damrau und das Royal Concertgebouw Orchestra unter der Leitung von Thomas Hengelbrock am Freitag, 15. September 2017, um 19 Uhr ein exquisites Mozart-Programm: Neben der berühmten Arie der Gräfin aus „Le nozze di Figaro“ sind die Arie „L’amerò, sarò costante“ des Aminta aus der Oper „Il re pastore“ und die Konzertarie „Bella mia fiamma“ zu erleben. Das Orchester spielt zudem die Sinfonie Nr. 32 G-Dur (KV 318) und die Ouvertüre zu „Don Giovanni“. Uraufgeführt wurde Mozarts wegweisende Oper in Prag – womit die Brücke zu Antonín Dvoráks Sinfonie Nr. 8 geschlagen ist, die an diesem Abend als weiteres großes Orchesterwerk erklingt.

Diana Damrau sorgte in den vergangenen Jahren mehrfach für Begeisterung in der Philharmonie Essen – zuletzt mit einem fulminanten Meyerbeer-Programm und in der Spielzeit zuvor als bezaubernde „Lucia di Lammermoor“. Die aus Günzburg an der Donau stammende Sopranistin präsentiert ihr breit gefächertes Repertoire von der Mailänder Scala bis zur New Yorker MET und wurde unter anderem mit dem International Opera Award, mit mehreren ECHO-Klassik-Preisen und von der Zeitschrift Opernwelt 2008 als „Sängerin des Jahres“ ausgezeichnet.

Philharmonie Essen / Thomas Hengelbrock © Florence Grandidier

Philharmonie Essen / Thomas Hengelbrock © Florence Grandidier

Auch das traditionsreiche Royal Concertgebouw Orchestra ist regelmäßig in Essen zu Gast. Das im Amsterdamer Concertgebouw beheimatete Ensemble gehört zu den besten Orchestern der Welt. Komponisten wie Gustav Mahler, Richard Strauss und Igor Strawinsky standen mehrfach am Pult. Willem Mengelberg, Riccardo Chailly, Mariss Jansons und seit 2016 Daniele Gatti gehören zu den bedeutenden Chefdirigenten des Orchesters.

Gefördert von der Kulturstiftung Essen.

Karten (Preise: € 30,00 bis 85,00) und Infos unter T 02 01 81 22-200 und www.philharmonie-essen.de.

Pressemeldung Philharmonie Essen

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Gera, Theater und Philharmonie Thüringen, Russische Klänge im Konzert, 06. / 07.09.2017

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Theater und Philharmonie Thüringen

Theater und Philharmonie Thüringen /  Das Philharmonische Orchester Altenburg-Gera im konzertsaal der Bühnen der Stadt Gera unter Leitung seines Generalmusikdirektors Laurent Wagner © Sabina Sabovic

Theater und Philharmonie Thüringen /
Das Philharmonische Orchester Altenburg-Gera im konzertsaal der Bühnen der Stadt Gera unter Leitung seines Generalmusikdirektors Laurent Wagner © Sabina Sabovic

Russische Klänge im 1. Philharmonischen Konzert in Gera

In Kooperation mit den ACHAVA Festspielen Thüringen und Deutschlandradio Kultur

Im 1. Philharmonischen Konzert der neuen Spielzeit 2017/18 am 6. und 7. September um 19.30 Uhr im Konzertsaal der Bühnen der Stadt Gera schlägt das Philharmonische Orchester Altenburg-Gera unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Laurent Wagner russische Klänge an. Die Oktoberrevolution 1917 brachte auch für die Kultur weitreichende Veränderungen mit sich. In der Sowjetunion tätige Künstler wurden in den folgenden Jahrzehnten zensiert, verfolgt, mussten fliehen, leisteten Widerstand oder passten sich den staatlichen Vorgaben an. Auch 100 Jahre später sind die Auswirkungen dieser Ereignisse unverkennbar, in der Rückschau auf Leben und Werk einer großen Komponistengeneration – und in der Rezeption im Westen.

Das 1. Philharmonische Konzert stellt dabei beide Seiten gegenüber: die der Opfer und die der (scheinbaren) Täter. Chrennikov, Generalsekretär des Komponistenverbandes der Sowjetunion, setzte die Vorgaben des Machtapparats um. Zugleich engagierte er sich mutig gegen Antisemitismus und schützte verfolgte Komponisten. Mit der deutschen Erstaufführung seines 2. Klavierkonzerts wird der hierzulande eher unbekannte Komponist vorgestellt. Dennoch galt er als klarer Gegner der angeblich formalistischen Musik von Komponisten wie Chatschaturjan und Schostakowitsch, die jedoch wohl v. a. deswegen verfemt waren, weil sie zur musikalischen Elite des Landes gehörten.

Theater und Philharmonie Thüringen / Männerchor Kasan © privat

Theater und Philharmonie Thüringen / Männerchor Kasan © privat

Mit seinen großen lyrischen Bögen und der inniglichen Melodie verzaubert das Adagio aus dem berühmten Ballett Spartacus von Chatschaturjan seit jeher seine Zuhörer. Schostakowitschs 13. Sinfonie Babi Jar entstand in der Tauwetterperiode nach Stalins Tod. In der Schlucht Babi Jar erschoss 1941 ein SS-Kommando 34000 Juden. Das Mitfühlen mit den Opfern wird verknüpft mit der Anklage gegen russische Antisemiten. Die Uraufführung 1962 wurde zum tönenden Appell für ein friedliches Miteinander.

Jascha Nemtsov, Solist des Klavierkonzerts, ist Professor für Geschichte der jüdischen Musik an der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar und künstlerischer Leiter der ACHAVA Festspiele Thüringen. Der Männerchor des Gottesmutter-Klosters Kasan unter Leitung von Denis Rogov ist kultureller Botschafter der autonomen russischen Republik Tatarstan. Der Bassist Ulrich Burdack ist Mitglied des Solistenensembles von Theater&Philharmonie Thüringen. Das Konzert wird von Deutschlandfunk Kultur aufgezeichnet und am 6. Oktober ab 20 Uhr übertragen.

 

Aram Chatschaturjan (1903-1978):          Adagio aus dem Ballett Spartacus
Tichon N. Chrennikov (1913-2007):        Klavierkonzert Nr. 2 C-Dur op. 21
Dmitri Schostakowitsch (1906-1975):     Sinfonie Nr. 13 b-Moll op. 113 Babi Jar für Bass, Männerchor und Orchester

Pressemeldung Bühnen der Stadt Gera

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