Hamburg, Interview mit Staatsopern-Tenor Dovlet Nurgeldiyev, 03.12.2016

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 Staatsoper Hamburg © IOCO

Staatsoper Hamburg © IOCO

 Tenor Dovlet Nurgeldiyev im Interview

IOCORedakteur Patrik Klein sprach am 23.11.2016 mit Dovlet Nurgeldiyev über die Herausforderungen eines Solo Tenors an  großen Opernbühnen Europas

 Tenor Dovlet Nurgeldiyev © Henriette Mielke

Tenor Dovlet Nurgeldiyev © Henriette Mielke

Dovlet Nurgeldiyev begann seine Gesangsausbildung in seinem Heimatland Turkmenistan und setzte sein Studium von 2001 bis 2005 in den Niederlanden am Konservatorium in Tilburg fort. Im September 2006 wurde der Tenor am Königlichen Konservatorium Den Haag aufgenommen, wo er sowohl seinen Bachelor als auch Master machte. Im September 2008 wurde er Mitglied des Internationalen Opernstudios der Staatsoper Hamburg, wo er ein umjubeltes Europadebüt als Fenton in Verdis Falstaff gab.

Von 2008 bis 2010 sang er in vielen weiteren Produktionen. Im November 2009 wurde Dovlet Nurgeldiyev beim Stella Maris-Wettbewerb mit einem der Hauptpreise – einer Aufnahme mit der Deutschen Grammophon – ausgezeichnet. Seit der Spielzeit 2010 gehört Dovlet Nurgeldiyev zum Ensemble der Hamburgischen Staatsoper, wo er für seine Debüts als Alfredo in „La Traviata“ und als Lensky in „Eugen Onegin“ bejubelt wurde. Im Herbst 2011 gab er in Hamburg eine Reihe von herausragenden Vorstellungen als Don Ottavio in einer Neuproduktion von „Don Giovanni“, für die er in der deutschen Presse und der Financial Times begeisterte Kritiken erhielt. Ebenso begeistert aufgenommen wurden seine Vorstellungen in einer weiteren Neuproduktion von „Don Giovanni“ an der Ungarischen Staatsoper in Budapest. 2012 feierte Dovlet Nurgeldiyev an der Hamburgischen Staatsoper große Erfolge mit seinen Rollen als Nemorino in Donizettis „L’Elisir d’Amore“ Ferrando in Mozarts“ Cosi fan tutte“ und als Vladimir Igorevich in einer neuen Produktion von Borodins „Prinz Igor“.

Im November 2013 gab er an der Staatsoper Berlin unter der Regie von Hans Neuenfels mit großem Erfolg sein Debüt als Belfiore in Mozarts „La finta Giardiniera“. Daran schloss sich im Dezember 2013 mit dem Requiem von Mozart ein beeindruckendes Bordeaux-Debüt an.

Im Januar 2014 folgten starke Gastauftritte als Lensky in einer neuen Produktion von „Eugen Onegin“ in Montpellier. Im September 2015 schloss sich sein erfolgreiches Debüt in der Frauenkirche Dresden mit Mozarts c-moll Messe unter Bertrand de Billy.
Ende der Spielzeit 2015/16 gab Dovlet Nurgeldiyev sein umjubeltes Debüt an der Bayerisches Staatsoper mit der Partie des Alfredo in La Traviata. An diese großen Erfolge knüpfte der Tenor auch zu Beginn der Spielzeit 2016/17 in Hamburg an, zum Beispiel als Narraboth in „Salome“ unter der Leitung von Kent Nagano. Für seinen Tamino in „Die Zauberflöte“ erhielt er nach der Premiere im September 2016 überragende Kritiken, darunter in der FAZ, wo ihm bescheinigt wurde, er sei ein „ausgezeichneter Tamino“.

 Rathaus Hamburg © IOCO

Rathaus Hamburg © IOCO

Patrik Klein (PK), IOCO: Dovlet, Du bist seit 2010 im Ensemble der Hamburgischen Staatsoper, singst dort viele Partien in deinem Fach und hast viele weitere Gastauftritte in ganz Europa. Wie geht es Dir damit?

Dovlet Nurgeldiyev: Ich fühle mich hier in der großartigen Stadt Hamburg sehr wohl. Die Hansestadt Hamburg gefällt mir mit ihren vielen Möglichkeiten, wie zum Beispiel dem Hafen, der Elbphilharmonie, dem Kontakt zu den vielen Menschen, die mir als Sänger an der Oper sehr nahe stehen und mit mir verbunden sind, sehr gut.
An der Hamburgischen Staatsoper fühle ich mich besonders wohl, weil ich an diesem großen Haus viele Partien singen kann, die zu meinem Stimmfach passen.

PK: Wie kann ich mir eine typische Arbeitswoche von Dir vorstellen?

 Dovlet Nurgeldiyev in der Staatsoper © Patrik Klein

Dovlet Nurgeldiyev in der Staatsoper © Patrik Klein

Dovlet Nurgeldiyev: Die Hamburgische Staatsoper ist ein großes Haus mit einem umfassenden Repertoirebetrieb von ca. 50 Opernproduktionen pro Saison. Wegen dieses vielseitigen Repertoires finden viele Proben vormittags und nachmittags auf den Probebühnen statt. Zusätzlich gibt es Orchester- und Generalproben auf der Hauptbühne in Kostüm und Maske. Das ist ein nennenswerter Aufwand, für den es Zeit und Geduld braucht.
Parallel dazu studiere ich neue Rollen mit einem speziellen Repetitor im Haus der Staatsoper. Das können Rollen sein, für die ich an der Oper zukünftig vorgesehen bin, aber auch Rollen, wo ich denke, dass ich sie studieren sollte. Das geschieht natürlich zuerst ganz alleine und ohne Repetitor. Erst wenn ich ein gewisses Maß an Eindringtiefe verspüre, gehe ich die Rolle mit dem Repetitor gemeinsam durch.
Manchmal ist es sogar so, dass ich an mehreren Produktionen gleichzeitig beteiligt bin und dazu Gastauftritte an anderen Häusern, wie zum Beispiel der Bayerischen Staatsoper u.a. habe. Ich bin praktisch in jeder Minute der Arbeitswoche mit irgendeinem Stück beschäftigt.
Dazu brauche ich ein hohes Maß an Konzentration und Organisationsvermögen. Aber gerade diese Herausforderung und Vielseitigkeit macht mir Riesenspaß. Und durch meine Engagements besuche ich ja auch immer wieder spannende Städte, zum Beispiel Berlin, München, Dresden, Budapest, Warschau, Montpellier. Details kann ich noch nicht sagen, aber es werden noch einige große Städte beziehungsweise Bühnen hinzukommen, die ich kennenlerne.   In meiner Freizeit spiele ich Fußball oder koche für meine Freunde.

PK: Da haben wir ja mit dem Kochen eine gemeinsame Leidenschaft. Du hast mit vielen berühmten Kolleginnen und Kollegen auf der Bühne gestanden oder sie im Rahmen deiner Sängertätigkeit getroffen. Wie war das mit Placido Domingo, José Carreras, Anna Netrebko und anderen?

Dovlet Nurgeldiyev: Singen macht mir unendlich viel Spaß. Ich habe immer wieder die Chance und Möglichkeiten gehabt Sängerinnen und Sänger mit großen Namen zu treffen oder gar mit ihnen zu studieren und gemeinsam auf der Bühne zu stehen.
Während meines Studiums in Holland hatte ich mal die Gelegenheit bei einem Galabenefizkonzert für die Leukämiestiftung von José Carreras mit ihm gemeinsam auf der Bühne zu stehen. Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen, zumal er mich sehr gelobt und mir viel Glück für meine Karriere gewünscht hat.
Oder ich hatte mein Debut an der Staatsoper Berlin 2013 als Belfiore (La Finta Giardiniera von Mozart). Parallel dazu wurde dort Il Trovatore mit Placido Domingo und Anna Netrebko gegeben. Das habe ich dann erstmals dort live gehört. Der Höhepunkt war dann ein Gespräch mit den beiden. Die Offenheit und Natürlichkeit der beiden hat mir sehr imponiert. „Du bist ein Tenor“ sagte Placido zu mir. Ich fragte woher er das weiß. „Dein Gesicht und Deine Ausstrahlung sagen mir das“ Und den Belfiore hatte er vor vielen Jahren in den USA gesungen. Wir haben uns lange darüber unterhalten. Das war ein großartiges Gefühl und eine wunderschöne Begegnung.

PK: Seit 2015 gibt es eine intensive Zusammenarbeit deinerseits mit dem neuen Generalmusikdirektor Kent Nagano. Man hört, dass die Zusammenarbeit mit dem Orchester wunderbar funktioniert. Wie erlebst Du den neuen „Stardirigenten“?

 Mozart Denkmal in Wien © IOCO

Mozart Denkmal in Wien © IOCO

Dovlet Nurgeldiyev: Für uns Sänger ist es sehr wichtig mit einem sehr guten Dirigenten zusammenzuarbeiten, der die Stimmen und die Stücke mit deren musikalischen Besonderheiten extrem gut kennt. Nagano hat auch immer wieder die Balance zwischen Orchester und Sängern im Fokus. Er sorgt unterstützend für unsere Sicherheit auf der Bühne, was gerade bei einem neuen Stück sehr wichtig ist. Es bereitet mir ein großes Vergnügen mit ihm zusammenzuarbeiten.

PK: Das Repertoire deiner Rollen ähnelt dem von Fritz Wunderlich. Wer ist dein Vorbild?

Dovlet Nurgeldiyev: Wenn ich eine neue Rolle einstudiere höre ich zuerst Aufnahmen von verschiedenen bekannten guten Sängern und entwickle daraus meine ideale Vorstellung von der Partie und deren Umsetzung. Fritz Wunderlich war aus meiner Sicht mehr als ein Sänger, er war ein überirdisches Geschenk und ein Phänomen. Er hat mein Herz geöffnet und wenn ich Musik mit ihm höre ist es, als wenn mein Herz schmilzt wie ein Eis in der Sonne.

PK: Du hast in der letzten Saison deine Paraderolle Alfredo in „La Traviata“ mit überragendem Erfolg und wundervollen Kritiken an der Bayerischen Staatsoper gegeben. Wie war das für Dich?

Dovlet Nurgeldiyev: Diesen Abend werde ich nie vergessen. Das war ein unbeschreibliches Gefühl dort in diesem ganz besonderen Haus auf der riesigen Bühne zu stehen und das großartige Gefühl mit den fantastischen Kolleginnen und Kollegen sowie dem leidenschaftlichen, frenetischen Publikum zu teilen.

PK: Du singst in der laufenden Saison in Hamburg rund 40 Vorstellungen als Tamino, Narraboth, Macduff, Nemorino, Le Chevalier (Dialogues des Carmelites) , Edgardo und Belmonte. Was wird uns die Zukunft bringen? Auf was können wir uns Opernliebhaber und die ganz eng mit Dir verbundene Hamburger „Fangemeinde“ freuen? Wie sehen Deine Pläne aus?

 Patrik Klein im Gespräch mit Dovlet Nurgeldiyev © Patrik Klein

Patrik Klein im Gespräch mit Dovlet Nurgeldiyev © Patrik Klein

Dovlet Nurgeldiyev: Ich freue mich darauf, einerseits weiterhin an der Hamburgischen Staatsoper zu singen, andererseits auch Gastauftritte an großen Bühnen in Europa zu haben. Anfang 2017 zum Beispiel werde ich am Polnischen Nationaltheater in Warschau den Lensky in Eugene Onegin geben. Weitere Auftritte werden dann in den Saisonankündigungen der jeweiligen Häuser im Frühjahr 2017 bekanntgegeben.

Patrik Klein: Lieber Dovlet, ich danke Dir ganz herzlich für das Gespräch und wünsche Dir alles Gute.


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