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# Wuppertal, Oper Wuppertal, Hänsel und Gretel - Ein fröhlich, streitiger Familienalltag, IOCO Kritik, 26.12.2017
- URL: https://www.ioco.de/wuppertal-oper-wuppertal-haensel-und-gretel-ein-froehlich-streitiger-familienalltag-ioco-kritik-26-12-2017/
- Published: 2017-12-27T17:00:14.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:42:55.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, Wuppertal

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/06/logo_wuppertaler-buehnen_2.jpg)

[Wuppertaler Bühnen](http://www.wuppertaler-buehnen.de/?ref=ioco.de)

![Opernhaus Wuppertal © Andreas Fischer](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/02/opernhaus-wuppertal-c-andreas-fischer.jpg "Opernhaus Wuppertal © Andreas Fischer")

Opernhaus Wuppertal © Andreas Fischer

***Hänsel und Gretel* \- Engelbert Humperdinck** 

 **"Ein Familientag - In allen Facetten"**

Von **Viktor Jarosch**Deutschlands heimliche Nationaloper***Hänsel und Gretel*** steht um die Weihnachtszeit auf den Spielplänen vieler Theater. Komponist **Engelbert Humperdinck** (1854 – 1921), ein großer seiner Zunft, hatte 1879 in Italien **Richard Wagner** kennengelernt und bis zu dessen Tod in 1883 künstlerisch begleitet. 1882 wirkte **Humperdinck** an der Uraufführung des ***Parsifal*** mit. Nach **Ri** **chard Wagners** Tod bat **Cosima Wagner** **Humperdinck,** ihren Sohn **Siegfried** in Kompositionslehre zu unterweisen und auf die Leitung der Bayreuther Festspiele vorzubereiten. So vermittelt die spätromantische Märchenoper **Hänsel und Gretel** nicht nur menschliche Grundwerte, Geborgenheit und Harmonie. Die Nähe der Komposition zum Genius **Richard** **Wagner** ist zusätzlicher Ansporn für Regisseure. Dabei entsprang Oper **Hänsel und Gretel** geradezu einer Laune des *„Kompositionsgottes“.* **Adelheid Wette** **,** Schwester **Engelbert Humperdincks,** wollte aus der **Grimmschen** Märchenvorlage zu**Hänsel und Gretel** menschlich liebenswertes Haustheater schaffen: Gemeinsam mit Schwager **Hermann Wette** verminderte sie Grausamkeiten der **Grimmschen** Märchen mit eigenen, herzenden Versen, welche beherztes Handeln auch belohnen, fügt **Sand- und Taumännchen** hinzu und überzeugte ihren Bruder, dies zu vertonen. Ein „*Kinderstubenweihfestspiel“* nannte **Humperdinck** **Hänsel und Gretel,** seine Bayreuther Zeit karikierend. 1893 unter **Richard Strauss** in Weimar uraufgeführt zählt **Hänsel und Gretel**heute im deutschen Sprachraum wie weltweit zu den meist aufgeführten Opern. Hohe Ansprüche, Erwartungen wie Risiken begleiten so jede Neuinszenierung von[ ***Hänsel und Gretel.*** Die neue Produktion in Wuppertal löst ein dort seit 2006 gespieltes romantisches Märchen für Groß und Klein ab, ](https://ioco.de/2015/02/14/wuppertal-wuppertaler-buehnen-und-ewig-begeistert-haensel-und-gretel-ioco-kritik-12-02-2014/?ref=ioco.de)in dem Frohsinn und Lebensfreude über alltägliche Nöte siegten

![Oper Wuppertal / Hänsel und Gretel - hier Gretel frölich zu Hause © Bettina Stöß](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/12/gphaenselundgretel1fotos-bettina-stoess3neu.jpg "Oper Wuppertal / Hänsel und Gretel - hier Gretel frölich zu Hause © Bettina Stöß")

Oper Wuppertal / Hänsel und Gretel - hier Gretel frölich zu Hause © Bettina Stöß

Der französisch-italienische Regisseur **Denis Krief** sucht in seiner ***Hänsel und Gretel*** nicht märchenhafte Romantik-Seligkeit. **Kriefs** Interpretation ist denn dem Irdischen, dem Realen, der Familie als Ganzem, dem Unterbewussten nahe. Schon das erste Bühnenbild ist vielschichtig: Im Vordergrund der Bühne das riesig karge Zimmer der **Besenbinders** (Foto) durch dessen hintere Bretterwände Reales, Rohre und andere Gegenstände, der Alltag, das Leben erkennbar sind. Die im unbeschwerten Tollen von ***Hänsel* und** **Gretel** (***Gretel:*** „*Ich liebe Tanz und Fröhlichkeit.., ich bin kein Freund von Traurigkeit..“*) sichtbare Leichtigkeit verdrängen die Eltern zum Ende des ersten Bildes, wenn sie, die Knusperhexe „mit kreisender Flasche“ verspottend, auch andere Nöte als ihre Armut andeuten. 

![Oper Wuppertal / Hänsel und Gretel - hier Peter Besenbinder, die Flasche und Projektionen der Träume © Bettina Stöß](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/12/gphaenselundgretelwaldneu.jpg "Oper Wuppertal / Hänsel und Gretel - hier Peter Besenbinder, die Flasche und Projektionen der Träume © Bettina Stöß")

Oper Wuppertal / Hänsel und Gretel - hier Peter Besenbinder, die Flasche und Projektionen der Träume © Bettina Stöß

So besteht denn der Wald der Inszenierung *„in den sich die Kinder verirrten, ohne Stern und Mond“,* so die Sorge des Vaters, aus einer Vielzahl rechteckiger, mit Stoff bespannten Gerüste, in deren Hintergrund beständig schwarze-weiße Schattenrisse und Projektionen reitender Hexen jagen. **Krief** begleitet so die Handlung auf der Bühne mit dem Unbewussten, dem Unterbewusstsein. Auffällig so der „*Abendsegen“* des Märchens: Nicht „V*ierzehn Engel“,* begleiten ***Hänsel und Gretel*** in den Schlaf. Kein zu Herzen gehendes Ballett tanzender Engel sondern,von der Hexe entführte?, Kinder in Alltagskleidung spielen zum Schlaf von ***Hänsel und Gretel*** auf der Bühne; geben reale Kinderträume wieder (Choreographie **Amy Share-Kissiov**). Das folgende Hexenhaus ist nur eine spartanische vom Bühnenhimmel herabgelassene Holzwand, ohne bunten Lebkuchen oder Leckereien. Alle Illusion oder Romantik wird in der Inszenierung reduziert; Unterbewußtes, Reales, nicht Märchenwelten drängen durch die Handlung. **Denis Krief** interpretiert die Handlung **Hänsel und Gretel** in Wuppertal denn weniger als romantischen Kindertraum sondern als vielschichtige, aber gut endende Lebensepisode einer ganzen Familie. Gutes Ende andeutend schließt ***Peter Besenbinder*** denn die Oper auch erneut vieldeutig: Eine Schnapsflasche auf den Tisch wegstellend. 

![Oper Wuppertal / Hänsel und Gretel - hier schlafend nach dem Abendsegen im Wald © Bettina Stöß](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/12/hp1haenselundgretel-bettina-stoess-neu.jpg "Oper Wuppertal / Hänsel und Gretel - hier schlafend nach dem Abendsegen im Wald © Bettina Stöß")

Oper Wuppertal / Hänsel und Gretel - hier schlafend nach dem Abendsegen im Wald © Bettina Stöß

Die ungewöhnliche Inszenierung fordert das Ensemble gleichsam auf, die Wuppertaler Besucher auch darstellerisch einzufangen in einer Märchen- und Projektionswelt, welche sich von gewohnten Inszenierungen erheblich unterscheidet. Doch dies gelingt durch eine liebevolle, nicht provokative Choreopraphie wie auch stimmlich: **Catriona Morison** ist ***Hänsel*** mit frischem gut verständlichem Mezzo; **Ralitsa Ralinova** als ***Gretel*** mit warmen Sopran eine wunderbare spielfreudige Partnerin. **Alexander Marco-Buhrmester** als ***Peter Besenbinder***mit kraftvollem Bariton und **Belinda Williams** als sein Weib ***Gertrud*** mit sicherem dramatischem Mezzo sind die zerrissen, glücklichen Eltern. 

![Oper Wuppertal / Hänsel und Gretel - das grossartige Ensemble © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/12/haensel-gut1-ioco.jpg "Oper Wuppertal / Hänsel und Gretel - das grossartige Ensemble © IOCO")

Oper Wuppertal / Hänsel und Gretel - das grossartige Ensemble © IOCO

**Julia Jones** gibt mit ***Hänsel und Gretel*** eine starke erste Visitenkarte als Operndirigentin in Wuppertal ab. **Jones´** und das **Sinfonieorchester Wuppertal** lassen mit warmen impressionistischen Klängen beständig **Humperdincks** Nähe zum „romantischen“ **Richard Wagners** spüren. Das *„Knusperhaus der Polyphonie“,* seine Kontraste glühen zwischen einfachen Liedmotiven und kompliziertem Wagner-Stil, die Stimmen des Waldes irrlichtern „*mit ungeheurem Reichtum am Modulation“* (so **Cosima Wagner** zu **Humperdincks** Werk) durch das **Wuppertaler Opernhaus** und ergreifen. Dirigat und Orchester dieser Produktion verzauberten und befruchten so die komplexe Inszenierung auf der Bühne.Mit **Julia Jones** und dem **Sinfonieorchester Wuppertal** wird diese ***Hänsel und Gretel*** in Wuppertal zu einem empfehlenswerten Erlebnis. Das Publikum der ausverkauften **Oper Wuppertal** freute sich über eine denkwürdige Inszenierung, dessen ungewohnte Interpretationen zum anregenden Diskussionsstoff für viele Opernfreunde werded.