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# Wuppertal, Oper Wuppertal, Die Zauberflöte - Sarastro ist ein Wuppertaler, IOCO Kritik, 16.09.2020
- URL: https://www.ioco.de/wuppertal-oper-wuppertal-die-zauberfloete-sarastro-ist-ein-wuppertaler-ioco-kritik-16-09-2020/
- Published: 2020-09-16T08:00:01.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:04:36.000Z
- Author: Viktor Jarosch
- Tags: Oper & Operette, Konzert & Liederabend, Premieren, Klassik, wolfgang amadeus mozart, Pressemeldungen & Nachrichten, Kritiken, Mozart, Premiere, Wuppertal

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[Wuppertaler Bühnen](http://www.wuppertaler-buehnen.de/?ref=ioco.de)

![Opernhaus Wuppertal © Andreas Fischer](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/02/opernhaus-wuppertal-c-andreas-fischer.jpg)

Opernhaus Wuppertal © Andreas Fischer

# ***Die Zauberflöte* – Wolfgang Amadeus Mozart**

## ***Wuppertal - Die neue Heimat von Sarastro, Pamina und Tamino***

von **Viktor Jarosch**

**Die Zauberflöte,** 1791 geschaffen von **Wolfgang Amadeus Mozart** und seinem Librettisten **Emanuel Schikaneder,** begeistert ungebrochen seit dem Jahr ihrer Uraufführung die Kulturliebhaber aller Länder, sei es in Seoul, Los Angeles oder München, Wuppertal oder Berlin: **Die Zauberflöte** ist die populärste, meist inszenierte Oper weltweit. **Mozarts** abgeklärt zeitlose Musik, seine symbolhaften Akkorde, seine rätselhaft mystisch-phantastische Welt rührt jedes Jahr Millionen Besucher. Am Nektar dieses populären Werkes saugen seit 1791 zwangsläufig Legionen von Theater, Regisseuren, Dirigenten, Sänger/nnen.

Die **Oper Wuppertal** eröffnete am **13\. September** seine Spielzeit 2020/21 mit der **Zauberflöte.** Die Besucher feierten ein homogen starkes Ensemble und eine technisch ungewöhnliche wie sprudelnd vielschichtig kreative Neuinszenierung: Viele aktuelle und schräge Bezüge zu Wuppertal machen denn diese Produktion zudem zu einem humorig inspirierenden Event für Einheimische. Nach den Corona-Erfahrungen des abgelaufenen Jahres 2020 könnte diese ***Zauberflöte*** auch emotionaler Gesundbrunnen sein. Die **Oper Wuppertal** – kultureller Richtunggeber der Region und für viele kleinere Theater - zeigt in diesen Zeiten der Pandemie vor kleinem Publikum keine gekürzte, sondern **eine vollumfängliche Aufführung** **der** **Zauberflöte** und von ganz besonderer Art. **Chapeau!**

![Oper Wuppertal / Die Zauberflöte - hier : Die Königin der Nacht und die Drei Damen werden zur Ouvertüre von Sarastro aus dem Opernhaus geworfen - sind erzürnt © Jens Grossmann](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/09/oper_wuppertal_die_zauberfloete-c__jens_grossmannneu.jpg)

Oper Wuppertal / Die Zauberflöte - hier : Die Königin der Nacht und die Drei Damen werden zur Ouvertüre von Sarastro aus dem Opernhaus geworfen - sind erzürnt © Jens Grossmann

Klassisch gestaltete Inszenierungen der **Zauberflöte** sind seit Jahren wenig aktuell. Eine speziell Wuppertaler **Zauberflöte** hatte der Wuppertaler Opernintendant **Berthold Schneider** schon in seiner Programmplanung gefordert. Regisseur **Bernd Mottl** inszeniert denn auch an der **Oper Wuppertal** eine Produktion, welche die Handlung auf der Bühne durch auffällig moderne Technik (Film, Video) und zahllos skurrile wie lokale Wuppertaler Bezüge neben der wunderbaren Musik **Mozarts** – auch - zu einem Erlebnis der Sinne macht. Ein **Déjà-vu:** Schon in der gelungenen Neuproduktion des **Liebestrank** der **Oper Wuppertal** im Februar 2020 spielte die **Stadt Wuppertal** in Form eines Statisten, des riesigen rosa Elefanten **Tuffi,** beständig mit.

**Bernd Mottl** bricht gerne mit klassischen Regieansätzen; an der **Oper Wuppertal** wird die **Zauberflöte** zum Volkstheater für Musical Fans wie Opernliebhaber; eine moderner Leichtigkeit gewidmete Animationsshow, musikalisch untermalt von Mozarts Komposition: **Bernd Mottl** schafft in seiner **Die Zauberflöte** ein Volkstheater, im welchem, von Film- und Videotechnik brillant gestützt, Märchen und Alltagsrealität mit **Mozarts** klassischer Komposition beständig changieren; gestützt durch die Bühne und Kostüme von **Friedrich Eggert** und der Dramaturgie von **Sina Dotzert.** Das stellenweise bewusst kulissenhafte Bühnenbild greift die Ästhetik bekannter Entwürfe **Karl Friedrich Schinkels** zu **Mozarts** Singspiel auch in ironischer Brechung – auf.

Momente opulenten Ausstattungstheaters, so die antik *„heiligen Hallen“* und die ehrwürdigen Talare des **Sarastro** und der ***Priester*** wechseln beständig, subtil wie laut, mit modern skurrilem Spiel. **Jörn Hartmann** zeigt dazu auf einem großen Bühnenschleier beständig aktuelle Filme, Videos, die als zentrales ästhetisches Mittel und als Brücke für Handlungsstränge der Lebensrealität der Wuppertaler begleiten, so am Döppersberg oder auf der Nordbahntrasse. Hervorragend gesteuerte Übergänge zwischen Video und Bühnengeschehen changieren reales Spiel und digitale Fiktion. Die stete Wechsel zwischen Ironie, plattem Alltag und klassischer Erhabenheit, lassen den Besucher, so auch mich, öfters grübeln, ob man wirklich im Theater ist oder nicht vielleicht doch in einem **Fantasy-Film.** Aus einer Zauberwelt kommend deutet **Bernd Mottl,** im Hier und Heute spielend, das **Wuppertaler Opernhaus** zu jenem „*Weisheitstempel“* um, der Mittelpunkt von Streit und Machtintrigen zwischen der Königin der Nacht und Sarastro ist.

![Oper Wuppertal / Die Zauberflöte - hier : Die 3 Knaben auf der Bühne und gleichzeitig Schwebebahn fahrend © Jens Grossmann](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/09/oper_wuppertal_die_zauberfloete__c__jens_grossmannneuneuneu.jpg)

Oper Wuppertal / Die Zauberflöte - hier : Die 3 Knaben auf der Bühne und gleichzeitig Schwebebahn fahrend © Jens Grossmann

Die Ouvertüren und die dann folgenden Handlungen werden beständig durch Vdeossequenzen und Filme auf einem riesigen, **11 x 8 Meter** großen, technisch vielschichtigen **Bühnenschleier,** kein Vorhang, gestützt, karikiert, begleitet.

Zur Ouvertüre des 1\. Aktes leuchtet auf diesem Bühnenschleier der Sternenhimmel des Weltalls auf. Die Erdkugel; dank **Google Earth Satelliten-Karte**, steigt langsam auf und lenkt den Blick des Besuchers auf langsam größer werdende Erdteile; auf Länder, Städte, Ortsteile um letztlich, gestochen scharf, die **Oper Wuppertal** von oben zu zeigen. Dann, unmerklich, dem Bühnenschleier erneut sei Dank, wandelt sich die Projektion in einen Film über reales Leben in Wuppertal: Eine riesige Schwebebahn fährt vorüber, Radfahrer, Fußgänger fahren, laufen an der Oper vorbei.

Die erste **Handlung** der **Zauberflöte** zeigt sich ebenfalls schon zur Ouvertüre auf dem Bühnenschleier: Die **Drei Damen** und die ***Königin der Nacht,*** in ehrwürdiger Kleidung, werden - Foto oben - aus der Oper geworfen, während **Sarastro** grinsend hinter einem Fenster der Oper zuschaut. Die **Drei Damen** und die **Königin der Nacht** stehen auf, schlendern nun durch Wuppertal, kleiden sich modern ein, kaufen sich einen Imbisswagen, nennen diesen **BurgerQUEEN,** verkaufen sodann Burger …..

Dieser Imbisswagen, die **BurgerQUEEN,**  findet sich in vielen Szenen der Handlung auf der Bühne wieder. Nach Ende der Vorstellung verabschiedet er mitsamt den **Drei Damen** vor den Türen des Opernhauses die Besucher auf ihrem Nachauseweg. Skurril wie originelle Facetten begleitet sodann durch die gesamte Handlung der Inszenierung; im ersten Bild, zu **Taminos** Arie „*Zu Hilfe, zu Hilfe, sonst bin ich verloren...*“ fährt (Video) hinter ihm eine riesige Schwebebahn über die Bühne, stoppt, zeigt „*Betriebsstörung“* an. Derweil dann, aber ganz real auf der Bühne, **Papageno** als Strassenkünstler mit einem bunten Fahrrad auftaucht und seine Rezitative als packender Bauchredner mit einer Plüschente austauscht und die Bühne im Handstand (Kompliment) wieder verläßt. Doch auch gewohnte Klassik wird präsent, wenn der antike gestaltete **Tempel der Weisheit** mit pastoral feierlich gekleideteten Priester Würde, Milde ausstrahlt. Der Facettenreichtum der Inszenierung ist insgesamt sehr vielschichtig und entzieht sich so einer knappen Wiedergabe.

Das Programmheft der **Oper Wuppertal** kündigt diese speziellen Charakter der **Zauberflöte** schon in der Beschreibung des **1\. Aufzug** an: „***Märchenprinz Tamino landet auf dem Grifflenberg und fürchtet sich … vor der Schwebebahn“.***

Die Inszenierung von **Bernd Mottl** erhält in seiner Besonderheit alle Ingredienzien zum Volkstheater für Musical- oder Theater-Fans wie Opernliebhaber; den Spielplan der **Oper Wuppertal** wird diese auffällige Inszenierung mit Sicherheit auf Jahre zu finden sein und bestätigt erneut die Entscheidung der Wuppertaler Stadtoberen, welche vor einigen Jahren die mutige Entscheidung gegen ein **Stagionesystem** und für ein Repertoiresystem mit eigenem Ensemble für die **Oper Wuppertal** trafen: welches alle Formen von Kultur in Wuppertal dauerhaft halten, fördern sollte. Dies – eigene, neue, junge - Ensemble der **Oper Wuppertal** „schulterte“ diese so anspruchsvolle Oper, **Zauberflöte,** stimmlich und darstellerisch homogen wie hervorragend und bestätigt die Richtigkeit der damaligen Entscheidung: **Die Zauberflöte** der **Oper Wuppertal** verdeutlicht es: Kultur hat – selbst in Corona-Zeiten - in Wuppertal eigene, lokale, hohe Kompetenz; gibt der Stadt einen eigenen Charakter.

![Oper Wuppertal / Die Zauberflöte - hier : Sarastro und die Priester im Tempel der Weisheit © Jens Grossmann ](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/09/oper_wuppertal_die_zauberfloete__c__jens_grossmneu.jpg)

Oper Wuppertal / Die Zauberflöte - hier : Sarastro und die Priester im Tempel der Weisheit © Jens Grossmann

Der Besucher ist in dieser Produktion gefordert; zurücklehnen und nur genießen ist nicht angesagt. Natürlich lockt das vielschichte und bunt skurrile Geschehen auf der Bühne und auf dem riesigen wie ungewohnten Bühnenschleier die Sinne der Besucher an, lenkt ab von **Mozarts** Weltgeist, von dem musikalischen Geschehen, von Orchester und Stimmen ab..

Doch: **George Petrou,** Barock-Spezialist, in der Rolle der Musikalischen Leitung und erstmalig an der **Oper Wuppertal,** und das **Sinfonieorchester Wuppertal** harmonierten, integrierten sich nahezu zärtlich in das komplexen Bühnengeschehen und führten das harmonische Ensemble unauffällig sicher.

**Sangmin Jeon** strahlte als **Tamino** mit kräftig höhesicherem Tenor von Beginn an , siehe oben, große Bühnenpräsenz aus. **Simon Stricker** als **Papageno** wiederum gewinnt schon im ersten Bild als Bauchredner und Artist das Publikum; seine vielschichtige Partie des **Papageno** gestaltete er ebenso überzeugend mit satt-sicherem Bariton, begleitet von der stimmlich wie darstellerisch ebenso gut begleiteten **Anne Martha Schuitemaker** als **Papagena.** **Nina Koufochristou** meisterte ihre dramatisch anspruchsvollen Koloraturen der **Königin der Nacht** fast lyrisch klingend mit überraschender Gelassenheit. **Sebastian Campione,** als **Sarastro** bereicherndes Mitglied des Ensemble verlieh mit wohl timbrierten Bass seinen großen Arien den klassisch schweren ehrwürdigen Charakter; in darstellerischen Episoden verleiht **Campione** seiner Partie des **Sarastro**  humorige Züge. **Ralitsa Ralinova** als **Pamina** war stimmlich wie darstellerisch sehr präsent.. Die **Drei Damen** dieser ***Zauberflöte,* Elena Puszta, Iris Marie Sojer, Joslyn Rechter** verdienen der besonderne Erwähnung, begleiten sie doch die Besucher der **Oper Wupperta**l schon zur Ouvertüre, auf dem Bühnenschleier sichtbar. Ihre folgenden Arien gestalten sie sicher; durch bunte choreographische Einlagen haben auch sie Anteil an dem speziellen Charakter dieser Produktion. Die Verabschiedung der Besucher der nach Ende der Vorstellung auf dem Opernvorplatz, die **Drei Damen** vor ihrem **BurgerQUEEN** grüßend, wurde so zum Sahnehäubchen einer inspirierend modern skurrilen Inszenierung, welche diese **Zauberflöte** für Jahre zu einem Wuppertaler Wahrzeichen, einem kulturellen Aushängeschild macht.

![ Oper Wuppertal / Die Zauberflöte - hier : der Schlussapplaus vorne vl Tamino, Papageno, Pamina © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/09/zauberfloete-in-wuppertal-schlussapplaus-neu.jpg)

Oper Wuppertal / Die Zauberflöte - hier : der Schlussapplaus vorne vl Tamino, Papageno, Pamina © IOCO

Das Publikum feierte diese lokal Wuppertalerische Deutung der **Zauberflöte** mit ungeteilt großem Beifall. So auch das hauseigene Ensemble, welches alle Partien dieser großen Oper so formidabel besetzen kann.

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NB: Die Inszenierung kommt später in der Spielzeit auch in einer verkürzten Fassung für Schulklassen in der Reihe **»Große Oper Klein«** zur Aufführung. Unter dem Titel »Seitenwechsel« übernimmt dann am Ende der Saison statt des Sinfonieorchesters mit dem Instrumental-Verein Wuppertal erstmals ein Laienorchester bei einer Opernaufführung den Orchesterpart.

**Die Zauberflöte** an der **Oper Wuppertal;** die weiteren Vorstellungen: 20.9.; 26.9.; 16.10.; 24.10.; 25.10.; 8.11.; 6.12.; 12.12.;2020; 30.01.2021 und mehr

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