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# Winterthur, José Cura - Argentinische Lieder - Liederabend, IOCO Kritik 24.02.2021
- URL: https://www.ioco.de/winterthur-jose-cura-argentinische-lieder-liederabend-ioco-kritik-24-02-2021/
- Published: 2021-02-23T16:00:25.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:06:14.000Z
- Author: Renate Publig
- Tags: Sonstiges, Kritiken, Oper & Operette

![Stadthaus Winterthur © Musikkollegium Winterthur](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2021/02/stadthaus-winterthur-neu.jpg)

Stadthaus Winterthur © Musikkollegium Winterthur

# **José Cura – Argentinische Lieder**   **Musikkollegium Winterthur - Barbora Kubiková, Gitarre**

***Klanggewordene Passion - 9\. Februar 2021***

von **Renate Publig**

Es sind sowohl für kunstaffine wie für kunstschaffende Menschen herausfordernde Zeiten. Für beide Seiten ein kompletter Lockdown … quasi der „geistigen Gastronomie“. Streaming muss uns darüber hinweghelfen, auch wenn es, wenn mir ein Verweilen in diesen Analogien gestattet sei, dem Abholen der lukullischen Genüsse aus dem Lieblingsrestaurant gleicht. Und dennoch: Sich an derartigen Genüssen zu erfreuen, ist Balsam für die Sinne – hier für die Geschmacksknospen, da für die Musikseele.

![José Cura © Musikkollegium Winterthur](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2021/02/mann-neu.jpg)

José Cura © Musikkollegium Winterthur

Reisebeschränkungen, Lockdown, müßig zu erwähnen, was diese Einschränkungen für einen Künstler bedeuten. Nicht nur in finanzieller Hinsicht. Verheerend, Musik nicht ausüben zu dürfen und der Kontakte zum Publikum beraubt zu sein. So war es – pandemiebedingt – das erste Konzert seit März letzten Jahres, das **José Cura** geben durfte. Und welches Programm könnte diese spezielle Stimmung besser transportieren als Lieder aus **Curas** Heimat Argentinien? Die Werke von **Hilda Herrera, Carlos Guastavino, Felipe Boero, Carlos Lopez Buchardo** und **Alberto Ginastera** sind der Inbegriff von Wehmut und Melancholie. Eine Erklärung dafür hat **Cura** sofort parat: *„Bei diesen Stücken sprechen wir von einer Generation Argentinier, die entweder selbst noch Emigranten oder deren erste Nachkommen waren. Die Mentalität der heutigen Bevölkerung hat sich verändert, aber die Menschen damals waren von einer großen Sehnsucht nach ihrer ursprünglichen Heimat geprägt. Sie empfanden Traurigkeit, ihr Land zu verlassen, geliebte Menschen zurücklassen zu müssen und gleichzeitig versuchten sie einen Neubeginn in einem fremden Land. Das erklärt, warum die Nation sehr nostalgisch gestimmt war, was sich in der Musik widerspiegelt.“*

[**José Cura - Argentinischer Abend in Winterthur - LIVE Link HIER!**](https://www.operaonvideo.com/argentine-evening-with-jose-cura-winterthur-2021/?ref=ioco.de)

In all den Melodien schwang jedoch auch etwas Versöhnliches, ja, manchmal sogar ein Augenzwinkern mit. Das lag nicht zuletzt an **Curas** luxuriösem Samt-Timbre, mit dem er dieses Kaleidoskop an Emotionen selbst via Bildschirm vermitteln konnte. Zudem war der unbändige Wille regelrecht greifbar, aus der kulturellen Lage nicht nur das Beste zu machen, sondern an diesem Abend etwas Einzigartiges entstehen zu lassen. Kein Publikum? Doch, freilich! Sich gegenseitig Zuzuhören, miteinander Klänge zu verschmelzen, Gleichklang und Einklang, und wo nötig, etwas Würze durch Rhythmen – darum geht es in der Musik. Schließlich leitet sich das Wort „Komposition“ aus dem Lateinischen „componere“ ab, was so viel bedeutet wie „zusammenstellen, -setzen, -bringen.“ Es gelang **Cura** gemeinsam mit dem **Musikkollegium Winterthur,** der Pianistin **Elaine Fukunaga** und der Gitarristin **Barbora Kubiková** vortrefflich, die Menschen „da draußen“ an ihrer Passion für Musik teilhaben zu lassen – und somit alle zusammenzubringen.

![Musikkollegium Winterthur © Musikkollegium Winterthur](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2021/02/musiker-10.3.0-haimerl.jpg)

Musikkollegium Winterthur © Musikkollegium Winterthur

**Cura** führte charmant durchs Programm, erzählte von **Carlos Guastavinos** Faible für Zyklen – und sang fünf Lieder aus dessen Blumenzyklus. Er berührte mit seinen Interpretationen von u.a. *„Postal de Guerra“* von **Maria Elena Walsh** oder mit *„Canción al arbol del olvido“ (vom Baum des Vergessens* / **Alberto Ginastera**), *La rosa y el sauce (Die Rose und die Weide*) und *Se equivocó la paloma – von der Taube,* die sich täuschte (beides **Carlos Guastavino**). Und Vertonungen von **José Cura** selbst, die auf Texten von **Pablo Neruda** basieren, "klassische Lieder mit einem folkloristischen Touch“, so der auch in Komposition ausgebildete Sänger.

Die Bearbeitungen für Kammerorchester stammen von **Cura** selbst, verständlich daher, dass er dem hervorragend disponierten Musikkollegium Winterthur nuancierte Klangfarben in mal tröstenden, mal schmunzelnden, mal tieftraurigen Schattierungen entlocken konnte. Trotz der enormen akustischen Herausforderung, war doch das rund 20köpfige Kollektiv auf einer Fläche verteilt, auf der sonst ein volles Symphonieorchester Platz findet.

![Musikkollegium Winterthur © Musikkollegium Winterthur](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2021/02/iorchester-mg_neu.jpg)

Musikkollegium Winterthur © Musikkollegium Winterthur

Es sind sowohl für kunstaffine wie für kunstschaffende Menschen herausfordernde Zeiten. Für beide Seiten ein kompletter Lockdown … quasi der „geistigen Gastronomie“. Streaming muss uns darüber hinweghelfen, auch wenn es, wenn mir ein Verweilen in diesen Analogien gestattet sei, dem Abholen der lukullischen Genüsse aus dem Lieblingsrestaurant gleicht. Und dennoch: Sich an derartigen Genüssen zu erfreuen, ist Balsam für die Sinne – hier für die Geschmacksknospen, da für die Musikseele.

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