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# Wiesbaden, Rheingold-Preis 2019 - Johannes Martin Kränzle, Februar 2019
- URL: https://www.ioco.de/wiesbaden-rheingold-preis-2019-johannes-martin-kraenzle-februar-2019/
- Published: 2019-05-02T08:00:07.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:54:36.000Z
- Author: Ljerka Oreskovic Herrmann
- Tags: Konzert & Liederabend, Kritiken, Wiesbaden

![Johannes Martin Kränzle © Barbara Aumüller ](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/05/jmk_caumueller2018.jpg)

Johannes Martin Kränzle © Barbara Aumüller

[Johannes Martin Kränzle](http://www.johannesmartinkraenzle.de/?ref=ioco.de)

# **Johannes Martin Kränzle**

**Rheingold-Preis 2019 -** ***Richard Wagner-Verband Frankfurt***

von **Ljerka Oreskovic Herrmann**

# ***"Ich bin sicher, sie werden Sänger!"***

Recht hatte er, **Martin Gründler,** „der“ große (und 2004 verstorbene) Gesangspädagoge an der ***Hochschule für Musik und Darstellende Kunst*** in Frankfurt: Aus seinem „Schüler“ **Johannes Martin Kränzle** ist ein Sänger geworden und was für ein einer! Ein anderes denkwürdiges Zitat fiel von **Bernd Loebe,** Intendant der **Oper Frankfurt,** der die Laudatio auf sein ehemaliges Ensemblemitglied hielt. Tags zuvor hatte er sich mit **Antonio Pappano,** Musikdirektor am **Royal Opera House Covent Garden,** London, getroffen und folgende Grüße von **Pappano** an **Kränzle** auszurichten: *„Tell him: He’s the best!“* Und wie, um dies zu bestätigen, zählte **Loebe** die Partien auf, die der Bariton an der Oper Frankfurt gesungen hatte: dazu gehören u.a. **Eisenstein (Die Lustige Witwe), Traveller (Tod in Venedig)** oder **Ford (Falstaff).**

**Johannes Martin Kränzle** ist tatsächlich der Beste: 2018 erhielt er ein zweites Mal – nach 2011 – die Auszeichnung (Kritikerumfrage der Opernwelt) als bester Opernsänger des Jahres. In Frankfurt begann er in der Spielzeit1997/98 als Lescaut in **Hans Werner Henzes** Oper ***Boulevard Solitude*,** in der Regie von **Nicolas Brieger.** Ihm und auch **Christoph Loy** ist er bis heute verbunden, ja es ist sogar Freundschaft daraus geworden. **Loys** Inszenierung der ***Così fan tutte*** bezeichnet **Kränzle** als vielleicht beste Interpretation dieser Mozart-Oper, denn der Regisseur machte es eben nicht „wie alle“:

***Aus einem Totenhaus*  \- Leos Janacek** youtube TrailerOper Frankfurt - Kränzle hier als *Siskov*, Film Thiemo Hehl 2018 **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

Für **Kränzle** wurde **Don Alfonso** zur Paraderolle. Überhaupt hat er alle Mozartpartien an der **Oper Frankfurt** gesungen: ***Don Giovanni, Papageno*** – „nahezu unerreicht in der humanen Ausdeutung der Figur“ (***Loebe***) –, **Conte Almaviva, Guglielmo** und eben seinen unvergessenen und unnachahmlichen ***Don Alfonso***. Aber **Kränzle** ist nicht nur ein gefragter Mozartsänger, sondern verbucht als Wagner-Interpret ebenso große Erfolge. Sein Beckmesser in Glyndebourne, London, an der MET in New York oder auch Bayreuth setzt durchaus Maßstäbe, als Alberich wird er in London gefeiert. Und folgerichtig erhält **Johannes Martin Kränzle** für seine *„außerordentlichen Dienste als Wagnerinterpret und Liedsänger“* – so **Dirk Jenders,** Vorsitzender des **Richard-Wagner-Verbands Frankfurt** – den **Rheingold-Preis 2019** und die Ehrenmitgliedschaft im RWV Frankfurt. Die Bodenhaftung habe sich, so **Jenders,** diese Künstlerpersönlichkeit bewahrt. Bewahrheitet hat sich diese Aussage sogleich, denn **Kränzle** half ganz selbstverständlich beim Aufbau von Tisch und Stühlen für das Gespräch mit Moderatorin und Vorstandsmitglied des RWV **Hannelore Schmid**. Und man möchte hinzufügen, ganz beiläufig auch seinen feinen Sinn für Humor hat aufblitzen lassen.

Es war eine Veranstaltung der „Liebe“ – Liebe zur Musik. Im kurzweiligen Gespräch zwischen **Hannelore Schmid** und dem Preisträger zeigte sich einmal mehr, warum man ihn auswählte: Kränzle ist nicht nur ein herausragender Bariton, sondern ein Darsteller ersten Ranges, der sich seiner jeweilig neu einzustudierenden Partie allumfassend nähert: Auf   ***Šiškov*** aus **Leoš Janáceks *Aus einem Totenhaus*,** den er in der vergangenen Spielzeit an der Oper Frankfurt verkörperte und sich grandios einverleibte, hat er sich ein Jahr vorbereitet. Er ist nach Prag gefahren, hatte einen Sprachcoach und wollte wissen und verstehen, was er singt – Noten allein reichen nicht immer aus. Und Tschechisch – zur indoeuropäischen Sprachfamilie gehörend – ist nun nicht so geläufig in der Opernwelt wie Italienisch. Obwohl – da gibt es doch einige Opern!

![ Oper Frankfurt / Aus einem Totenhaus - hier : Joachim Martin Kränzle als Siskov © Barbara Aumüller](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/05/kaenzle-foto-rittershaus_150.jpg "Oper Frankfurt / Aus einem Totenhaus - hier : Joachim Martin Kränzle als Siskov © Barbara Aumüller")

Oper Frankfurt / Aus einem Totenhaus - hier : Joachim Martin Kränzle als Siskov © Barbara Aumüller

Dass **Kränzle** ein geschätzter Liedsänger ist, konnte er dann unter Beweis stellen. Dafür hat er sich die Lieder von **Bertold Brecht** und **Hans Eisler** ausgesucht: Was wohl auch ein bisschen dem Umstand geschuldet sein könnte, dass **Kränzle,** als Augsburger, an dem großen Sohn der Stadt – für Kränzle der höchste Dichter deutscher Sprache – gar nicht vorbei kommen kann. Es sind gebrochene Figuren, Liebestolle oder Gescheiterte an der Liebe. Wie in der Oper, wo **Kränzle** die zerrissenen Figuren am liebsten verkörpert, sind diese Liebeslieder ebenso von Zwiespältigkeit gezeichnet; vielleicht können sie aber auch als Folgeerscheinung von Menschen, die ihr Leben im Exil – wie Brecht und Eisler – zubringen mussten, verstanden werden. Die *Hollywood-Elegien* gaukeln kein Happy End vor, vielmehr sind sie melancholisch wie die Stadt, die nach Engeln benannt wurde, oder einfach wunderbare knappe bissige Vertonungen. **Kränzle** weiß auch hier um den Inhalt, jedes Lied wird in seiner Darbietung zu einem eigenen kleinen Kosmos und Ereignis. Er hat dieser Lieder für ein Streichquartett bearbeitet, was auf eine weitere Bandbreite dieser Künstlerpersönlichkeit verweist: die des Komponisten.

Die zehn ***Lieder um Liebe*** für mittlere Stimme und ein Streichorchester hat der Komponist **Kränzle** seiner Ehefrau und Mezzosopranistin **Lena Haselmann** gewidmet. Für die Preisverleihung war die Fassung mit Streichquartett zu hören. Die Liedertexte stammen wieder von **Brecht.** Diese Lieder, so **Kränzle,** zeigen die lyrische, zarte Seite **Brechts,** der bissig-ironische Stil der *Hollywood-Elegien* ist zugunsten eines behutsamen, sanften Duktus’ gewichen. Der Brechtschen Sprache kommt **Kränzle** entgegen – ja man spürt seine Liebe zum Dichter –, lässt sie aufblühen, seine Musik klingt heiter oder zuweilen auch forsch, manchmal sind Tangoanleihen – wie in *Liebeslied aus einer schlechten Zeit* – zu hören. Und es ist natürlich eine Liebeserklärung an seine Frau und ihre Stimme.

Musikalisch unterstützt wurde das Ehepaar **Haselmann-Kränzle** von den Musikerinnen des ***Malion-Quartett***. Das noch „junge“, 2017 gegründete Ensemble besteht aus Musikerinnen aus Frankfurt und Stuttgart: **Sophia Stiehler, Jelena Galic, Ulla Knuuttila** und **Bettina Kessler** spielten sich gleichwohl in die Herzen des vorwiegend aus Mitgliedern des Wagnerverbandes bestehenden Publikums.

Abgerundet wurde der Nachmittag mit Johannes Brahms und dem Sänger-Ehepaar **Haselmann-Kränzle:** Es erklangen **Brahms** Lieder op. 28, Nr. 2 und Nr. 3, Duette für Alt und Bariton, die der (unverheiratete) Hamburger Komponist zwischen 1860 und 1863 komponiert und ebenfalls einer Frau, **Amalie Joachim,** gewidmet hat. Ein schöner Abschluss, der mit viel Applaus belohnt wurde.

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