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# Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Maifestspiele 2020 - Tristan und Isolde, IOCO Kritik, 03.06.2020
- URL: https://www.ioco.de/wiesbaden-hessisches-staatstheater-maifestspiele-2020-tristan-und-isolde-ioco-kritik-03-06-2020/
- Published: 2020-06-03T08:00:13.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:03:20.000Z
- Author: Ingrid Freiberg
- Tags: Konzert & Liederabend, Kritiken, richard wagner, Philharmonie, SemperOper, johann sebastian bach, Wagner, Wiesbaden

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[Hessisches Staatstheater Wiesbaden](http://www.staatstheater-wiesbaden.de/?ref=ioco.de)

![Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/02/theater117ckaufhold.jpg)

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

 **Hessisches Staatstheater - *Internationale Maifestspiele 2020*** 

***Tristan und Isolde* – Richard Wagner**

von **Ingrid Freiberg**

## ***O sink hernieder, Nacht der Liebe…***

ist das Motto der diesjährigen Internationalen Maifestspiele 2020\. Wie kein anderes Werk der Opernliteratur führt **Richard Wagners** ***Tristan und Isolde*** die Liebe zwischen zwei Menschen in ihrer ekstatischsten Form vor. Der Komponist bemächtigt sich Schopenhauers Philosophie mit ihrer Verneinung des Willens zum Leben und beschwört volle Bewusstlosigkeit, gänzliches Nichtsein, Verschwinden aller Träume. **Wagner** schrieb an **Liszt**: *Da ich nun aber im Leben nie das eigentliche Glück der Liebe genossen habe, so will ich diesem schönsten aller Träume noch ein Denkmal setzen, in dem vom Anfang bis zum Ende diese Liebe sich so recht sättigen soll.* Und sättigen wollten sich auch die Festspielbesucher. Insgesamt drei Opernabende waren geplant. Dann kam Corona… und die Hoffnung schwand, sich dem Liebesrausch hingeben zu können. Zuweilen fordert Hoffnung, aber auch die Bereitschaft, im Scheitern eine Chance zu sehen, in der Niederlage eine neue Möglichkeit. Die Verantwortlichen, und hier im Besonderen der Intendant **Uwe Erich Laufenberg**, fanden unter strengen Vorgaben eine Möglichkeit, das ***Hessische Staatstheater Wiesbaden*** ab dem 18\. Mai 2020 wieder zu öffnen, was sogar in einem Artikel der **New York Times** Erwähnung fand.

![Hessisches Staatstheater / Tristan und Isolde hier: Andreas Schager als Trsitan und Catherine Foster als Isolde @ Andreas Etter](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/06/26938_2._tristan_isolde_schager-foster05_c_andreas_etterneu.jpg)

Hessisches Staatstheater / Tristan und Isolde hier: Andreas Schager als Trsitan und Catherine Foster als Isolde @ Andreas Etter

Als **Richard Wagner** zum ersten Mal eine ***Fidelio-Aufführung*** besuchte, stand für ihn fest, Musiker zu werden. Zeit seines Lebens bewunderte er die Werke seines Komponistenkollegen… Da war es nur folgerichtig, dass anlässlich des 250\. Geburtstages von **Ludwig van Beethoven** der Kopfsatz der ***Kreutzer-Sonate*** auf dem Programm stand, vorgetragen von **Lidia Baich** und **Alexandra Goloubitskaia**.

## ***Betörendes, einfühlsames Spiel***

Bewundernswert sind der unbändige Ausdruckswillen beider Künstlerinnen, ihre technische Meisterschaft, die sich gerade in einem ausgesprochen leichtfüßigen und gelenkigen Phrasieren offenbart, ihr absolut präzises Miteinander und die Kunst des gegenseitigen Einfühlens. Für den Konzertsaal hat **Wagner** viele Albumblätter komponiert. Daneben gibt es einige Bearbeitungen durch andere Komponisten, gespielt wird die von **August Wilhelmj**. Er galt als einer der größten Violinen-Virtuosen seiner Zeit, erlangte als gefeierter *Geigerkönig* und Konzertmeister Weltruhm und sah sich Zeit seines Lebens aufs engste mit Wiesbaden verbunden. Die Romanze von **Richard Wagner** betört durch den zarten Klang der Guarneri von **Lidia Baisch** und das einfühlsame Spiel von **Alexandra Goloubitskaia**.

![Hessisches Staatstheater / Tristan und Isolde hier :  Rene Pape @ Katzer Media Group](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/06/26783_pape_rene2_c_katzermediagroupneu.jpg)

Hessisches Staatstheater / Tristan und Isolde hier : Rene Pape @ Katzer Media Group

Das Vorspiel zu **Tristan und Isolde** erklingt - bei geschlossenem Vorhang – überraschenderweise vom Tonband in einer Aufnahme der ***Berliner Philharmoniker*** unter der Leitung von **Marek Janowski**. Es ist magisch, an den Tristan-Akkord zu rühren, seine unbeugsame Kraft zu entfachen, aus der das Drama keimt, es am Leben erhält, bis **Isolde** das ihre aushaucht. Die Musik des ***Tristan*** nimmt vom Gesang her ihren Ausgang, erfüllt sich aber im Orchester, das symphonische Ausmaße hat. Die Sprache der Instrumente ist wie ein zusätzliches Organ der Personen auf der Bühne. Was eine Figur fühlt, denkt und tut, findet in Melodien, Harmonien und Rhythmen seinen Ausdruck. Das ließ befürchten, dass die Reduzierung auf Klavierbegleitung die Wirkung der Oper entzaubern könnte. Doch weit gefehlt! **Alexandra Goloubitskaia** versteht es mit Bravour, das Fehlen des Orchesters vergessen zu lassen und begleitet mit unbeschreiblicher Verve:

1. A**ufzug, 3\. Szene** **Weh, ach wehe! Dies zu dulden!*  \-* ***Isolde, Brangäne***
1. **Aufzug, 2\. Szene *O sink‘ hernieder, Nacht der Liebe -* *Tristan, Isolde***
1. **Aufzug, 3\. Szene** **Rette dich, Tristan – Tatest du’s wirklich*  \-* ***Kurwenal, Tristan, Melot, König Marke, Isolde***
1. **Aufzug, 1\. Szene *Wo ich erwacht -* Tristan, Kurwenal**

3\. **Aufzug, 3\. Szene *Mild und leise wie er lächelt - Isolde***

## ***Stimmen mit außerordentlicher Strahlkraft***

**Andreas Schager** kehrt nach Wiesbaden zurück, wo ihm Fans - mit seinem Konterfei - einen tonnenschweren Findling platziert haben, in dem Nothung das Schwert der Hoffnung steckt. Freude und Erwartungen waren dementsprechend groß. Trotz vorgegebener Einschränkungen präsentiert sich einer der besten Heldentenöre im Liebesduett und in den Fieberträumen mit seiner alles überstrahlenden Stimme, in der Dramatik berührend, in der Lyrik überzeugend, mit leiser, attraktiv zurückgenommener Mittellage, sorgfältig und sinnvoll phrasiert. **Schager** versteht sich wie kaum ein anderer auf die Schmerzens- und Verrücktheits-Akzente mit wunderbarer Textverständlichkeit. Dabei ist ihm anzumerken, dass er das Bühnenspiel vermisst…

**Der Filme** (Pocahontas-Film *The New World* von **Terrence Malick**, Endzeitparabel *Children of Men* von **Alfonso Cuarón**, *Die letzte Frau* von **Marco Ferreri**), die **Gérard Naziri** während des Liebestraums auf eine Leinwand brachte, **bedarf es** bei diesen Weltklassesängern **nicht;** sie sind eher störend, schon deshalb, weil ein enger Bezug nicht erkennbar ist.

![Hessisches Staatstheater / Tristan und Isolde hier: Margarete Joswig, als Brangäne und Catherine Foster als Isolde @ Andreas Etter](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/06/26940_2_tristan_isolde_04isolde-brangaene_c_andreas_etter_150.jpg)

Hessisches Staatstheater / Tristan und Isolde hier: Margarete Joswig, als Brangäne und Catherine Foster als Isolde @ Andreas Etter

Klar artikulierend, mit Strahlkraft weiß **Catherine Foster *Isolde*** mit *Weh, ach wehe! Dies zu dulden!* zu überzeugen, sie steigert sich kraftvoll glühend im Liebesduett *O sink‘ hernieder, Nacht der Liebe…* und mit dicht gestalteten Gesangsbögen und mühelosem Abschwellen der Spitzentöne zum Innigsten bei *Mild und leise wie er lächelt*… spontan, berührend, aufrichtig, mit viel Farbe, in ihr brennt ein heftige lyrische Flamme. *…in des Welt-Atems wehendem All – ertrinken, versinken, unbewusst – höchste Lust!* sind ***Isoldes*** letzte Worte.

**René Pape** gehört zu den besten lyrischen Bässen und ist einer der größten ***König Marke***\-Interpreten aller Zeiten. Mit eleganter Ausdrucksweise gelingt es seiner unverwechselbaren Stimme, Gänsehaut zu erzeugen… Er lebt ***König Marke,*** ist die Verkörperung eines stimmlich hochsouveränen und darstellerisch vergeistigten Königs, zeigt die Erschütterung über den Verrat ***Tristans***. Die Stimme hat enormes Gewicht und elementare Kraft. Immer wieder überraschend: die tiefsinnige Phrasierung, die plastische Textdeutung. Mit opulentem Klang und Würde, samtiger Pracht entfaltet er den schmerzenden Monolog des Königs.

Der Dialog *Wo ich erwacht* zwischen ***Tristan*** und ***Kurwenal*** wird auch dank **Thomas de Vries** zu einem sängerischen Höhepunkt. Völlig unangestrengt, wunderbar leicht und sauber, doch voller Ausdrucksstärke ist er Tristans Getreuer, kein Untergebener, er ist ein Partner auf Augenhöhe. ***Brangäne* Margarete Joswig*, Isoldes*** Freundin, ist von der wild trotzenden **Isolde** mehr als einmal genervt. Sie vermag, zu explodieren… Die Mezzosopranistin singt dramatisch aufbrausend in ihrer fürsorglichen Liebe zu Isolde. Ihre Stimme hat ein unverwechselbares Timbre. Die Violinistin **Lidia Baich** überzeugt bei ***Brangänes*** Warnrufen mit sehr sinnlichem und intensivem Spiel. **Aaron Cawley** ***Melot*** verrät die Liebenden und gestaltet den Intriganten mit kräftigem Tenor.

**Nicht enden wollende Standing Ovations! Noch nie haben sich Publikum und Künstler so verbunden gefühlt – es war eine Befreiung von einem langen Leiden…**

\---| IOCO Kritik Hessisches Staatstheater Wiesbaden |---