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# Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, DER RING DES NIBELUNGEN - Richard Wagner, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/wiesbaden-hessisches-staatstheater-der-ring-des-nibelungen-richard-wagner-ioc/
- Published: 2024-03-01T10:37:19.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:57:58.000Z
- Description: DER RING DES NIBELUNGEN: Uwe Eric Laufenberg führt in seiner Inszenierung durch die Menschheitsgeschichte in zeitlichen, räumlichen und kulturspezifischen Abstufungen – von der Mythologie in den Orient zur altdeutschen Kneipe in einen Reitsaal ........
- Author: Ingrid Freiberg
- Tags: Kritiken, Oper & Operette, Wiesbaden

Der Ring des Nibelungen von Richard Wagner, Hessisches Staatstheater, Wiesbaden, 1\. April 2024.

***„Der Ring ist die Dichtung meines Lebens, all dessen was ich bin und all dessen was ich fühle.“ -* Richard Wagner**

***von Ingrid Freiberg***

Die Idee zur Tetralogie ***Der Ring des Nibelungen*** nahm mit dem im Herbst 1848 niederlegten Prosaentwurf zu ***Siegfrieds Tod*** erste konkrete Formen an. Vorausgegangen war eine intensive Beschäftigung mit Literatur, darunter der ***Edda***, dem ***Nibelungenlied*** und anderen nordischen Sagen, den klassischen Dramen eines ***Aischylos*** und ***Aristophanes***, den ***Deutschen Sagen der Brüder Grimm***… Der zentrale Gedanke vom Raub des Goldes, von der Gier nach Macht und Herrschaft und vom Missbrauch der Gesetze stammt noch aus der Zeit vor dem ***Dresdner Maiaufstand***. **Wagner** lernte den russischen Emigranten und Revolutionär **Michail Bakunin** kennen und fand durch diesen zu seiner These *„Eigentum ist Diebstahl“*. Er betätigte sich auch schriftstellerisch als anarchistischer Revolutionär *„Zerstören will ich die bestehende Ordnung der Dinge, welche die einige Menschheit in feindliche Völker, in Mächtige und Schwache, in Berechtigte und Rechtlose, in Reiche und Arme teilt, denn sie macht aus allem nur Unglückliche. Zerstören will ich die Ordnung der Dinge, die Millionen zu Sklaven von Wenigen und diese Wenigen zu Sklaven ihrer eigenen Macht, ihres eigenen Reichtums macht…“* Im Gegensatz zu **Bakunin**, der nicht nur die Vernichtung aller Kultureinrichtungen, sondern die Zerstörung alles Bestehenden forderte, wollte **Wagner** die Menschheit durch seine Kunst zum Besseren beeinflussen. Die politischen Erfahrungen waren der entscheidende Impuls für sein Werk, in dessen Mittelpunkt ein Held steht, der die Menschen von der durch die Macht des Geldes verursachten Unterdrückung befreien soll. Die Entstehungszeit umfasste die Jahre 1848 bis 1874; rund 26 Jahre, in denen sich Wagner vom 34jährigen Revolutionär zum 60jährigen gutsituierten Komponisten entwickelt hat.

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RICHARD WAGNER Denkmal in .... @ IOCO

 Im ***Ring des Nibelungen*** spiegelt sich **Wagners** eigenes Leben ebenso wider wie die politischen Veränderungen seiner Zeit. Neben **Siegfried**, *„dem gewünschten, gewollten Menschen der Zukunft“* tritt immer mehr ***Wotan*** als Katalysator von **Wagners** eigenen Ideen und Zweifeln in den Vordergrund. Schließlich gestaltete er die Tragödie des Gottes: *„Er gleicht uns aufs Haar, er ist die Summe der Intelligenz der Gegenwart, wogegen Siegfried der Mensch der Zukunft ist, der aber nicht durch uns gemacht werden kann und der sich selbst schaffen muss durch unsere Vernichtung.“* Diese Götter und Figuren entnahm **Wagner** seiner Zeit und schuf nach seinen Bildern und Visionen eine eigene mythologische Welt aus germanischen und griechischen Vorlagen. Vom Revolutionär ***Siegfried*** bis zum den eigenen Untergang als Basis für eine glückliche Menschheit heraufbeschwörenden ***Wotan***, führte ein Weg, der für ihndie Auseinandersetzung mit weiteren philosophischen Schriften beinhaltete.

Wie bei allen seinen Kompositionen hatte **Wagner** auch für den Beginn des **Rheingolds** rückblickend eine Mystifikation parat: *„Am Nachmittag heimkehrend, streckte ich mich todmüde auf einem harten Ruhebett aus, um die langersehnte Stunde des Schlafes zu erwarten. Sie erschien nicht; dafür versank ich in eine Art somnambulen Zustand, in welchem ich plötzlich die Empfindung, als ob ich in ein stark fließendes Wasser versänke, erhielt. Das Rauschen desselben stellte sich mir bald in musikalischen Klängen des ES-Dur-Akkords dar.“* Aus den 136 Takten des Es-Dur-Vorspiels in ***Rheingold*** entwickelt **Wagner** den Uranfang der Welt, seinen Kosmos der Motive – er nannte sie „*Gefühlswegweiser“* – die für die rekapitulierenden Erzählungen sowohl musikalisch als auch dramaturgisch erleuchtend sind. Diese *„Leitmotive“* sind alles andere als stereotype Erkennungsfloskeln, welche die Handlung nochmals auf der Ebene der Musik spiegeln. **Wagners** Musik ist stets mehrdeutig. Neue Stilmomente wie die unendliche Melodie, der dramatische rezitativisch-ariose Gesang anstelle geschlossener Arienformen, der weitgehende Verzicht auf den Chor sind eine Abkehr: Im **Ring** soll nicht die Einzelnummer bestechen, sondern die Kunst der Verwandlung. Die pausenlose Überblendung der Szenen verleiht den Aufzügen eine sinfonische Großform, aus der sich nur noch selten Einzelmomente herauslösen lassen: *Loges Erzählung, Siegmunds „Ein Schwert verhieß mir der Vater…“ und „Winterstürme“, Sieglindes „Der Männer Sippe…“, Brünnhildes Todesverkündigung, Siegfrieds Schmiedelieder…* Eher gelingt dies mit Szenenkomplexen, sinfonischen Einheiten wie dem „*Einzug der Götter in Walhall“, dem „1\. Aufzug der Walküre“, „Wotans Abschied“, dem „Feuerzauber“, „Wotans Weckrufer-Szene“, „Brünnhildes Erwachen“, „Siegfrieds Rheinfahrt“ und „Brünnhildes Schlussgesang“*. Das ***Rheingold*** mit dem falsch klingenden Einzug der Götter in Walhall, der bereits ihr Ende signalisiert, zeigt einen ersten Höhepunkt dessen, was **Wagner** mit seinem Orchester, das größer als je zuvor besetzt ist, an klanglicher Sensibilität und Psychologie, an interpretatorischem Raffinement und szenisch-magischer Naturbeschwörung bewirken kann.

***„Der Ring des Nibelungen ist als Überforderung Operngeschichte geworden: Das Scheitern in der Götterdämmerung ist zum Mantra des Werkes selbst geworden - der Versuch, die ganze Welt- und Menschheitsgeschichte zu erzählen… und alles, was Kunst und Geisteswissenschaften Großes und Wesentliches hervorgebracht haben.“***

Folgerichtig führt **Uwe Eric Laufenberg** durch die Menschheitsgeschichte in zeitlichen, räumlichen und kulturspezifischen Abstufungen – von der Mythologie in den Orient zur altdeutschen Kneipe in einen Reitsaal mit einer an die Germania erinnernden Statue, zur Hochsicherheits-Festung von Fafner, die an Fort Knox erinnert, bis hin zur klassischen Gibichungen-Halle. Sinnstarke ***Videos*** von **Falko Sternberg** \- das Rheintal mit der Burg Kaub, die strahlende Sonne, das magische Schwert Nothung, Massaker, Häuserschluchten einer Mega-Stadt, verheerende Atombomben-Explosionen, Panzer und Kampfflugzeuge, der apokalyptische Weltenbrand über den geschlossenen Toren von Walhall - teils drastisch aufgezeigt, ergänzen das Kaleidoskop seiner Deutung. Der Ausgangspunkt der Tragödie, der Raub des Goldes, findet in einem die Bühne dominierenden Auge statt. Aufsehenerregend, wie Rheintöchter und Alberich sich darin necken… Das ist nur das Vorspiel, danach beginnt der Lauf der Geschichte: Eindrucksvoll wie gestenreich Loge den Göttern am abendlichen Lagerfeuer vom Raub des Goldes berichtet, majestätisch der Einzug der göttlichen Beduinen nach Walhall, überraschend wie Siegfried statt eines Bären einen Punk vor sich hertreibt und zeitgemäß wie er den Feuerring mittels Algorithmen überwindet, effektvoll der Bezug zur Antike durch eine überlebensgroße Statue, monströs wie die Walküren wahllos junge Männer morden und deren Leichenteile umherwerfen, modern das Weben der Nornen mittels Laserstrahlen, überwältigend die pyrotechnischen Zaubereien, entsetzlich die Bombergeschwader… überzeugend die Personenregie. **Uwe Eric Laufenberg** ist an dieser großen Aufgabe nicht gescheitert, seine Inszenierung fällt positiv aus dem Rahmen.

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***Rheingold** hier die Rheintöchter @ Karl und Monika Forster

Die Bühne von **Gisbert Jäkel** setzt **Laufenbergs** Gedankengänge gekonnt in Szene:

Die Götterfamilie wohnt zunächst in einem riesigen Nomadenzelt, in dem ein Modell der tempelartigen Burg Walhall und ein (Reichs?)Adler stehen, Umzugskisten warten auf den Transport. **Hundings** Hütte ist eine rustikale Gaststube, durch die Fenster ist nebeliger Wald zu ahnen. *Nothung* steckt in einer imposanten Esche, mit einer deutschen Fahne bedeckt. ***Brünnhilde*** schläft in einer Statue, die an Germania erinnert, einer ebenfalls glorreichen Kriegerin. Feuerprojektionen an der Rückwand und Feuerschalen assoziieren den Feuerring. In einem Art Militärzelt hält Wotan als moderner Feldherr seine Lagebesprechungen. Eine Mischung aus Aufbahrungs- und Reithalle ist die weltliche Heimstatt der Walküren. Die FF-Bank ist die Drachenhöhle von ***Fafner,*** die zu einem Hochsicherheitstrakt ausgebaut ist. Die Gichungenhalle hat monströse angsteinflößende Ausmaße und ist, außer einer langgestreckten roten Bank, zwei Sesseln, einer Bar und einem ausladenden Tisch, nicht möbiliert. Bei ***Siegfrieds*** Ankunft sieht man auf der Hinterwand übergroß den vornehm rassigen Grane. So vielgestaltig wie Inszenierung, Bühne und Videos sind auch die ausdrucksstarken Kostüme von **Antje Sternberg:** erotische Catsuits für die langhaarigen *Rheintöchter,* schwarze Thawbs und Turbane für die Götter, römisch-germanisch anmutende Gewänder für die Göttinnen, ein Haute Couture-Kleid für Fricka, Riesen als Sufis, Wotan im mausgrauen Uniformmantel, unschuldiges Weiß für Sieglinde und Siegmund, Walküren im Pilotenlook des frühen 20\. Jahrhunderts, Siegfried zunächst als Halbstarker, dann als Businessman, die Gibischmannen in schwarzer Uniform mit Helm, Gewehr, Fahnen schwenkend. Großen Einfluss nimmt die durchdachte ***Lichtregie*** von **Andreas Frank**: verzaubernd schimmert der Orient, das ***Rheingold*** erstrahlt, gespenstisch beleuchtet die Szene Alberich mit Hagen…

***Wagners Welttheater wird nur erfahrbar, wenn wir die Bilder, Motive, Situationen an seiner Musik entlang gestalten.***

***„Rheingold“ – mystischer Beginn***

136 Takte in Es-Dur… Das Orchestervorspiel beginnt mit leisen Bass-Streichern, die den Ton übers Fagott an andere Instrumente weitergeben und in einem „Wellen-Crescendo“ zum Rheingold-Motiv überleiten. *„Weia! Woga! Woge, du Welle, walle zur Wiege! Wagalaweia! Wallala weiala weia!“, das* ist *„gleichsam das Wiegenlied der Welt“* sagte **Wagner**. Er habe dabei an das *„Eia popeia“* gedacht, das Mütter seit Jahrhunderten ihren Kindern zum Einschlafen vorsingen. Aus der Wiege wird ein Universum. Die goldenen Dreiklänge der Harmonie entstehen aus einem Grundton. So eindrucksvoll es ist, das ***Rheingold*** ist kein Idyll natürlicher Unschuld, keine naive Botschaft vom Verlust des Paradieses. Es hat einen trügerischen, täuschenden Glanz. Die ***Rheintöchter*** verwandeln sie sich in der Nähe von ***Alberich*** in raffinierte Geschöpfe, die den hässlichen Eindringling verspotten. Bezeichnenderweise erringt er den **Ring** nicht durch Gewalt: *„Nur wer der Minne Macht versagt, nur wer der Liebe Lust verjagt, nur der erzielt sich den Zauber zum Reif zu zwingen das Gold...* *„so verfluch ich die Liebe!“*

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***Rheingold** @ Karl und Monika Forster 

***Wotan*** hat sich mit **Walhall** auf ein gewaltiges Bauvorhaben eingelassen, das er sich nicht leisten kann. Die Riesen ***Fasolt*** und ***Fafner*** verlangen den Lohn in Gestalt von ***Freia***, der Hüterin der ewigen Jugend. Als ***Wotan*** vom ***Ring*** erfährt, will er listig - zusammen mit ***Loge - Alberich*** dazu bringen, ihn ihm zu überlassen. Für den Abstieg nach ***Nibelheim*** entfesselt **Wagner** ein riesiges Schlagwerk mit achtzehn Ambossen. ***Wotan*** ist ein moderner Herrscher, bereit Gewalt einzusetzen. Die ***geringeren Götter*** repräsentieren die Aristokratie, die ***Riesen*** das unruhige Proletariat, ***Alberich*** ist Selfmademan und Kapitalist, ***Loge*** ähnelt einem abtrünnigen Philosophen und Politiker, der ***Wotan*** aus rein pragmatischen Erwägungen heraus unterstützt. Am Ende von ***Rheingold*** kommt ***Loge*** in Versuchung, ***Walhall*** vorzeitig in Brand zu setzen.

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***Die Walküre** hier Ensemble @ Karl und Monika Forster

***„Die Walküre“ - Leben nach dem Tod oder die Existenz von Gottheiten***

In manischem Tempo begann **Wagne**r die Arbeit an der ***„Walküre“:*** ***Wotans*** Zwillingskinder ***Sieglinde*** und ***Siegmund*** verlieben sich ineinander, ohne zu wissen, dass sie Geschwister sind. Trotz dieses Skandals fand das Publikum des 19\. Jahrhunderts diese Szenen genauso anrührend wie andere populäre Romanzen dieser Zeit. Die sich steigernden Gefühlskaskaden: **Siegmunds** leidenschaftlicher Gesang von Frühling und Liebe *„Winterstürme wichen dem Wonnemond…“*, **Sieglindes** ebenso glühende Antwort *„Du bist der Lenz, nach dem ich verlangte…“ und* **Siegmund**, der das Schwert aus der Esche zieht *„Nothung, Nothung…“,* die sich anschließende orgiastische Umarmung der beiden ist eine Tour de Force heißblütiger romantischer Gefühle. *„Braut und Schwester bist du dem Bruder, so blühe denn Wälsungen-Blut!*

Nachdem ***Wotan*** ***Fafner*** das Gold überlassen hat, kann er den Handel wegen der in seinem Speer eingeritzten Verträge nicht rückgängig machen und hofft auf seinen Menschensohn ***Siegmund***, der an göttliche Verpflichtungen nicht gebunden ist. Doch ***Wotans*** missmutige Ehefrau ***Fricka*** zerpflückt den Plan. Blutschänderische Liebe sei frevelhaft. Sie verlangt, dass ***Wotan*** sich nicht einmischt, wenn ***Hunding*** Vergeltung üben will. Nach einem ergreifenden Dialog mit ***Brünnhilde*** versinkt **Wotan** in Seelenqualen *„Was keinem in Worten ich künde, unausgesprochen bleib es denn ewig...“* **Wagner** schrieb über diese Szene: *„Wird er einmal ganz so dargestellt, wie ich es verlange, so muss er allerdings – wenn jede Intention vollkommen verstanden wird – eine Erschütterung hervorbringen, der nichts Dagewesenes gleicht.“* Der ***Wotan*** der **Walküre** ist auf dem Weg zur Weisheit, aber sein Verhalten bleibt hinter seinem Verständnis zurück: *„...was ich liebe, muss ich verlassen!“*

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***SIEGFRIED** @ Karl und Monika Forster

***„Siegfried“ – eine Kriegserklärung an die Moral***

Erst nach ***Tristan und Isolde*** und ***Die Meistersinger von Nürnberg*** komponierte **Wagner** den letzten Aufzug von ***Siegfried***. Inzwischen hatte sich sein Stil verändert… Bei jeder Aufführung ist es wie ein Schock, wenn sich der Vorhang zum 3\. Aufzug hebt, und die reichere Kompositionstechnik zu hören ist. Wie aus einem anderen Leben taucht **Wagners**Musik wieder auf. Sie ist die Stimme seines jüngeren Selbst, die sich nun wieder Gehör verschafft. Gegensätze sind ein beliebtes Thema bei **Wagner**. Eine psychologische Studie ergab, dass weder eine musikalische Ausbildung, noch Sprachkenntnisse notwendig sind, um die Motive zu erkennen und sich an sie zu erinnern. Sie sind hervorragend geeignet, sich im Gedächtnis des Publikums einzunisten.

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Siegfried @ Karl und Monika Forster

Anfangs spielte ***Siegfried***, der blonde Held, in **Wagners** Phantasie eine fast erotische Rolle. Er sprach von dem *„jugendlich schönen Menschen in der üppigsten Frische seiner Kraft…, der wirkliche nackte Mensch, an dem ich jede Wallung des Blutes, jedes Zucken der kräftigen Muskeln… erkennen durfte. Er ist der von uns gewünschte, gewollte Mensch der Zukunft…, der aber nicht durch uns gemacht werden kann, und der sich selbst schaffen muss durch unsre Vernichtung.“* Zuweilen klang der Komponist fast enttäuscht von seinem Helden: ***Siegfried*** ist die problematischste Figur im ***Ring***. Seine tragische Schwäche ist seine Unwissenheit. Es ist die archetypische Geschichte eines werdenden Superhelden, der in sich Kräfte entdeckt, die er noch nicht versteht. So kann ***Mime***, ***Alberichs*** ***Bruder,*** den unwissenden Knaben dazu benutzen, ***Fafner, den*** ***Drachen***, zu töten, um den ***Ring*** zu erlangen. ***Siegfried*** schmiedet ***Nothung*** neu und vollbringt die Tat. Vom Blut des ***Drachen*** kostend, versteht er plötzlich die Rede des magischen ***Waldvogels***, der ihm ***Mimes*** verräterisches Wesen enthüllt. Dessen Rat befolgend steigt er in die Drachenhöhle, um Ring und Tarnhelm zu holen. Davor lauernd geraten ***Mime*** und der hinzugekommene ***Alberich*** um den begehrten Schatz in Streit. Als ***Siegfried*** wieder aus der Höhle kommt, warnt ihn der ***Waldvogel*** erneut, worauf er Mime niederstreckt. Furchtlos eilt er zu **Brünnhilde**, um das *wonnigste Weib* aus dem Feuerring zu befreien. Im seligen Taumel menschlicher Liebe gibt sie sich im Zeichen der Götterdämmerung hin. Er, der ausgezogen war, „*das Fürchten zu lernen“*, bekommt nun Angst vor der Liebe einer Frau.

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***Götterdämmerung** @ Karl und Monika Forster

***„Götterdämmerung“ – zu End’ ewiges Wissen! Der Welt melden Weise nichts mehr.***

**Wagners** Entscheidung, *Siegfried* mit einem Duett zu beenden, kündigt die umstrittene Rückkehr zur traditionellen Operan. Sie verzerrt diese Konventionen mit einer Art böswilliger Schadenfreude. Wir erleben Duette, schurkische Monologe, das Schwören eines Eides, einen Trinkchor, einen Hochzeitszug: Die stilistischen Gänge reiben sich aneinander.

In gewisser Weise sind die ***Nornen*** das Gegenstück zu den ***Rheintöchtern***. Aber während letztere fröhlich und verspielt sind, sind sieein mürrisches Trio. Sie spinnen das Seil des Schicksals *„Welch Licht leuchtet dort?“*, *„Wie das wird…“, „Aus Not und Neid ragt mir des Niblungen Ring: ein rächender Fluch nagt meiner Fäden Geflecht…“,* *„Ein Ende der ewigen Weisheit!“* und erschauen das Ende der Götter im brennenden ***Walhall***. Das Seil reißt – ihr Wissen ist zu Ende (Der Vier-Akkord, der einst so prächtig glänzte, als ***Brünnhilde*** erwachte, ist in einem düsteren, unheilvollen Klang zu hören.)

Die Geschwister ***Gutrune*** und ***Gunther*** sind ohne Partner. ***Hagen***, ihr Halbbruder, der den ***Ring*** begehrt, erzählt **Gunther** vom *„herrlichsten Weib der Welt“.* Mittels eines präparierten Begrüßungstranks vergisst **Siegfried** schlagartig, *„dass je ein Weib ihm genaht.“* In wilder Leidenschaft entbrennt er für ***Gutrune***. Mit **Gunther** schließt er Blutsbrüderschaft und ist bereit, für ihn die Braut zu gewinnen *„Frisch auf die Fahrt...“* (Hier erklingt das Motiv von ***Wotans*** Speer in den unteren Blechbläsern und signalisiert die dunkle Entsprechung zwischen den Machthungrigen.) **Hagen** zurückbleibend: *„Ihr freien Söhne, frohe Gesellen, segelt nur lustig dahin! Dünkt er euch niedrig, ihr dient ihm doch, des Niblungen Sohn.“*

***Brünnhilde*** wird von ihrer Walkürenschwester ***Waltraute*** aufgesucht, die sie eindringlich bittet, den Ring zurückzugeben: Erlöst werde die Welt, gäbe sie ihn an die ***Rheintöchter*** zurück. Der mittels Tarnhelm in ***Gunthers*** Gestalt verwandelte ***Siegfried*** naht, ergreift die entsetzte **Brünnhilde*,* reißt ihr gewaltsam den Ring vom Finger. Als er ***Nothung*** zwischen sie legt, um die Keuschheit der Jungfrau ***Gunther*** vorzubehalten, dröhnt das Motiv des Schwertes schroff und wild im Orchester.

Der 2\. Aufzug ist die düsterste und konzeptionell gewalttätigste Musik, die **Wagner** m. E. geschrieben hat. In der ersten Szene beschwört ***Alberich*** seinen Sohn **Hagen** *„Schläfst du, Hagen, mein Sohn?“„Sei wahr!“* **Hagen** antwortet zweideutig: *„Mir selbst schwör’ ich’s; schweige die Sorge!“*

***Siegfried*** kehrt erfolgreich zu den Gibichungen zurück. ***Gunther*** und die tief gedemütigte ***Brünnhilde*** folgen. Als sie ***Gutrune*** am Arm **Siegfrieds** erblickt, an seinem Finger den Ring, schreit sie in eifersüchtiger Wut auf *„Heil’ge Götter“*. Auf ***Hagens*** Speer beschwört ***Siegfried*** seine Unschuld. **Brünnhilde** bekräftigt ihre Anklage ebenfalls auf den Speer und weiht ihn als todbringende Waffe für den Meineidigen *„Helle Wehr!“* Der heuchlerische ***Hagen*** bietet sich als Werkzeug ihrer Rache an. Sie erzählt ihm von ***Siegfrieds*** ungeschützter Stelle und schwört gemeinsam mit ***Hagen*** und ***Gunther*** einen Racheeid. Am Ufer des Rheins stößt ***Siegfried*** auf die ***Rheintöchter***, die ihm seinen Tod voraussagen. ***Hagen*** und ***Gunther*** erscheinen mit einer Jagdgesellschaft. Ein Zaubertrank, den ***Hagen*** ihm verabreicht, löst **Siegfrieds** Zunge. Er erzählt *„Mime hieß ein mürrischer Zwerg…“,* von seinem Kampf mit dem ***Drachen*** und von der ersten Begegnung mit **Brünnhilde.** Seine Erzählung macht ihn in den Augen der Gesellschaft *„schuldig“*. ***Hagen*** stößt seinen Speer in **Siegfrieds** Rücken. *„Brünnhilde, heilige Braut!“* mit diesem letzten Liebesgelöbnis, bei dem sich im Orchester die gewaltige Trauermusik entfaltet, eine umfassende Prozession von Leitmotiven aus allen Phasen des Zyklus, stirbt ***Siegfried***. Trotzig brüstet sich **Hagen** mit dem Mord, weil der Tote *„Meineid sprach“*. Er macht *„heiliges Beuterecht“* geltend und fordert den Ring. **Brünnhilde** tritt in die Halle und befiehlt, einen Scheiterhaufen aufzuschichten *„Starke Scheite schichtet mir dort...“*, zündet das Feuer und schickt ***Wotans Raben*** nach **Walhall**, damit sie den Göttern das Ende verkünden *„Fliegt heim, ihr Raben!“* Dann sprengt sie mit ihrem Pferd ***Grane*** in den Scheiterhaufen. Als das Feuer erlischt, schwimmen die **Rheintöchter** heran. Mit dem Ruf *„Zurück vom Ring!“* stürzt sich ***Hagen*** in die Flut. In hellem Feuerschein sieht man das brennende ***Walhall***. Die Götter finden ihr Ende.

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***GÖTTERDÄMMERUNG** @ Karl und Monika Forster

***Bezwingendes Ensemble, große Bewunderung***

Fesselnd **KS Thomas de Vries** als *Alberich* *(Rheingold, Siegfried, Götterdämmerung),* Nachtalbe, der der Liebe entsagt. Mit technischer Brillanz, dramatisch aufblühendem Ton von anrührender Seelentiefe, vermittelt er mit seinem virilen Bariton beklemmende Präsenz. Grantig und toxisch meldet er seine Ansprüche an. Eindrücklich die Szene mit seinem Sohn ***Hagen***. Er ist ein ***Alberich*** der Extraklasse.

**Egils Silins** ist ***Wotan*** und **Wanderer** *(Rheingold, Walküre, Siegfried)*, Gott, Naturfrevler, Machtmensch und gescheiterter Herrscher der Welt. **Silins** ist nicht eine Figur, er ist viele, verändert sich mit Voranschreiten der Geschichte nach und nach. Seine herrliche Stimme, sonor, gepaart mit guter Textklarheit erfüllt die anspruchsvolle Bandbreite dieser Rolle. Mit fließender Geläufigkeit und Virtuosität, suggestivem Spiel, tönt sein dramatisch timbrierter Bassbariton. ***Fricka* Katrin Wundsam,** **Wotans** Ehefrau, Göttin und Hüterin von Ehe und Moral *(Rheingold, Walküre),* ist ein selbstbewusster unbeugsamer Charakter, eine Dame von Welt. Dicht gestaltete Gesangsbögen und wohl dosierte Noblesse lassen dramatisch aufwallend ihre Persönlichkeit und Kompetenz aufleuchten. Die fokussierte Stimme klingt wunderbar sinnlich. Ihre ***Waltraute*** *(Götterdämmerung)* ist eine Walküre mit eigener Identität. Suggestiv berührend die zentralen Passagen ihrer *Waltrauten-Erzählung*.

**Betsy Horne** übernimmt mit großem Erfolg drei (Liebes)Rollen: Als ***Freia*** *(Rheingold)* ist sie die Göttin der Goldenen Äpfel, sorgt für die Unsterblichkeit der Götter. Sie ist der Inbegriff von Weiblichkeit und Fruchtbarkeit. Von einer Kinderschar umringt, entwickelt sie für den Riesen Fasolt erstaunlich liebevolle Gefühle. Als **Sieglinde** *(Walküre)*,Siegmunds verloren geglaubte Zwillingsschwester und Geliebte, überzeugt sie auf ganzer Linie; als **Gutrune** *(Götterdämmerung)*, Gunthers Schwester, verliebt sie sich in Siegfried und wird von ihm und Hagen um ihre Liebe betrogen. Allen Partien gibt sie souverän anrührend mit Seele in der Stimme und viel Zärtlichkeit Profil. Die Reinheit ihrer Gesangslinie, ihre herrlich warme, expressive Mittellage und die mühelos erreichten Spitzentönen sind bewegend und gehen zu Herzen. Es ist eine große Freude, sie zu hören. **Marco Jentzsch** ist ein jugendlich schwärmerischer **Siegmund* (Walküre)*, ein vortrefflicher Partner für **Betsy Horne.** Zusammen sind sie eine Augenweide und verkörpern die Liebe ergreifend mit innerer Stärke und Tiefe. Sein quellfrisches, angenehm vibratoarmes Timbre, derwahre Wagner-Belcanto, seine präzise Tongebung, ohne jegliche aufgesetzte Drücker, begeistern. Er artikuliert den Text, ohne jemals zu deklamatorischen Mitteln greifen zu müssen. Seine Stimme strömt kraftvoll und behält bis zum Schluss ihre Lebendigkeit.

**Thomas Blondelle** als **Loge** *(Rheingold)* zeigt eine überragende Leistung: Ausgereift-geistreich, listig und verschlagen treibt er als Wotans Berater dessen und der Götter Untergang voran. Mit ungewöhnlich kommunikativer Kraft, subtiler Körpersprache, großer Stimme, ist er Träger von Mitteilungen, die ebenso aus der Musik wie aus ihm selbst kommen. Kein Ton, kein Wort, das nur nebenbei gesungen wird! Eine ausdrucksstarke Interpretation, ein erzählerisch auf Hochglanz polierter Tenor!

***Fasolt* Timo Riihonen** *(Rheingold)*, ursprünglich redlich arbeitender Riese, wird im Streit von seinem Bruder Fafner erschlagen. Für seine Liebe zu ***Freia*** findet er wunderschöne Farben der Sehnsucht. Ausdrucksstark, mit sonorem mächtigen Bass, gestaltet er darstellerisch profiliert und sicher im Ton und angenehm im Klang, den Betrogenen; eine szenische Ausstrahlung von verzweifelter Würde und Sehnsucht. **Young Doo Park** besticht in der Rolle des gewaltbereiten **Fafner* (Rheingold, Siegfried).* Mit bedrohlicher Präsenz, mit klarem beweglichen Bass, dominiert er gefährlich scharf und beeindruckend als Drache. Seine Riesenstimme ist darstellerisch ebenso fesselnd wie sängerisch einprägsam. Das prädistiniert ihn auch für die Rolle des bösen ***Hunding*** *(Walküre)*. Erschreckend brutal und verschlagen, mit Hass und innerer Wucht, verfolgt er Siegmund. Seine Stimme lässt Erschauern. Er ist ein gefährlicher und furchteinflößender Gegner.

**Paul Kaufmann** als **Mime** *(Rheingold, Siegfried)* ist ein verschlagener Schmied, ein Zerrissener zwischen Vaterrolle und seiner Gier nach Hort und Ring. Entgegen der oft unreflektierten Rollendarstellungen ist er eher zurückhaltend. Er fühlt sich missverstanden, giert nach Liebe und Anerkennung. Mit Stilgefühl, ohne viel Faxen, lässt er seine Stimme frei strömen. Mit Spannung erwartet, das Rollendebüt von **Manuela Uhl** als **Brünnhilde* (Walküre, Siegfried, Götterdämmerung)*. Sie gehört zu den gefragtesten Interpretinnen der Werke von Richard Strauss und Richard Wagner*.* Mit musikalischer Differenzierungsfähigkeit, subtiler Körpersprache wird die attraktive Sängerin vor allem darstellerisch mit bewundernswerter Präzision der Rolle gerecht. Sie meistert die Tücken dieser anspruchsvollen Partie mit Kraft und Flexibilität. Ihr Temperament, ihre Bühnenpräsenz, ihre dramatische Wirksamkeit überzeugen.

**Klaus Florian Vogt** *(*Siegfried,* Götterdämmerung)* ist der derzeit einzige Heldentenor, der weltweit alle Wagner-Partien interpretiert. Der *Götterdämmerungs-Siegfried* ist besonders gefürchtet, weil der Sänger den unmittelbar zuvor absolvierten, enorm umfangreichen *Jung-Siegfried* noch in den Knochen hat. Und als einzige Tenorpartie im Schaffen Wagners muss er furchtlos mehrfach hinauf zum berüchtigten hohen C... Der ***Siegfried*** von **Vogt** beeindruckt neben Klangschönheit und Klarheit durch deutliche Diktion. Mit strahlend hohe Tönen, großer Ausdruckspalette und stimmlicher Agilität stellt er sich ganz in den Dienst der Musik. Beeindruckend sein Stimmschmelz und seine Ästhetik. Er beweist hiermit, dass er sich zu einem der führenden Rolleninterpreten entwickelt hat. Auf sein Debüt bei den diesjährigen Bayreuther Festspielen darf man sich freuen. Ein weiterer Höhepunkt ist **Albert Pesendorfer** als ***Hagen*** *(Götterdämmerung).* Das Zwiegespräch mit Alberich gehört zu den Spitzenleistungen des Abends. **Pesendorfer** ist körperlich und stimmlich überragend, seine Gefährlichkeit glaubwürdig. Anfangs fast jovial, bald mit bröckelnder Fassade, kann er seine Gier kaum verstecken. Die böswillige Durchsetzungskraftdie Intensität, mit der er seine Vorhaben vorantreibt, lässt erschauern. Seine hochdramatischen Eruptionen sind eindrucksvoll unforciert und kultiviert. **Birger Radde** ist ***Gunther*** *(Götterdämmerung)*, der Anführer der Gibichungen, und ***Donner*** *(Rheingold)*, der Gott der Gewalt und des Zornes. Sein profunder charismatischer Bariton ist eindrucksvoll, von besonderer Strahlkraft. Darstellerisch überzeugt er durch beherztes Spiel, lässt seine gesangliche Wandlungsfähigkeit aufblühen. Seine Stimme gleitet schwerelos durch die Register. **Aaron Cawley** singt mit müheloser Höhe **Froh** *(Rheingold)*, den Herrscher über Regen und Sonnenschein. (In dieser Produktion ist er auch als *Siegmund* zu hören!)

Als **Erda** *(Rheingold, Siegfried)*, Mutter der Nornen, der Welt weisestes Weib, die allwissende Urmutter und Weltenseele, von Wotan geschwängert, ist **Helena Köhne** klangschön zupackend, schmerzlich treibend. Sie braucht keine zusätzlichen Gesten, ist mit ihrer kraftvollen farbreichen Stimme hochdramatisch und raumgreifend. Die ***Nornen*** **Katrin Wundsam, Sandra Jahnke** und **Betsy Horne** *(Götterdämmerung)*, Töchter von ***Erda,*** sind weise Frauen, die am Weltgeschehen flechten. Bei Wagner spielen die Nornen eine wesentliche Rolle. Sie erinnern an das in den drei Abenden vorher Geschehene, ermahnen an das Gegenwärtige und schließlich an das nahe Ende der Götter, die hereinbrechende Götterdämmerung. Sie sind ein glutvoll singendes Trio, sehr ausdrucksstark und darstellerisch profiliert. Der verspielte ***Waldvogel*** von **Anastasiya Taratorkina** *(Siegfried)* erfrischt durch lockend betörenden Wohlklang. Ihre Stimme klingt wunderbar natürlich und farbenreich, die strahlenden Höhen bezaubern.

Mit dem lachenden Spiel der Wassermädchen *(Rheingold, Götterdämmerung)* **Woglinde** **Anastasiya Taratorkina, *Wellgunde* Fleuranne Brockway,** ***Floßhilde*** **Louise Fenbury** beginnt die Tragödie. Die Mädchen umschwimmen und bewachen das Rheingold in lautem Jubel *(strahlendes Rheingoldmotiv des Orchesters)*. Harmonisch ihr Kichern, Keckern, Jauchzen und Jubeln, sensibel die austarierte Balance der Intonation, Farbgebung und Textartikulation, erotisch ihr Spiel. Die acht Walküren, Brünnhildes Schwestern, bringen die gefallenen Helden nach Walhall. ***Helmwige* Vera Ivanovic, *Gerhilde* Sharon Kempton, *Ortlinde* Britta Stallmeister, *Waltraute* Maren Engelhardt, *Siegrune* Nora Kazemieh, *Rossweiße* Fleuranne Brockway, *Grimgerde* Maria Rebekka Stöhr, *Schwertleite* Helena Köhne** sind rasende Kriegerinnen, die aus Angst vor dem Groll ihres Walvaters Wotan ihrer Schwester *Brünnhilde* ihre Hilfe verweigern. Der berühmte Walkürenritt ist mit seiner expressiven Wirkung vermutlich eines der bekanntesten Stücke der Musikgeschichte. Den Sängerinnen gelingt es, ausdrucksstark, ohne falsches Pathos, zwischen Respekt und Abscheu Gefühle auszulösen. Sie tragen zum furiosen Gelingen des Abends bei.

Die Herren-Riege des **Chors* und *Extrachors* des* **Hessischen Staatstheaters Wiesbaden** mit ihren Tenören und Bässen bezwingt *(Götterdämmerung)* mit Verve und Eindringlichkeit, mit einer differenzierten Tongebung und präzisen Diktion, kraftvoll und dramatisch.

Die ***Musikalische Leitung*** von **Michael Güttler** lebt von ihrem elanvollen Zugriff. Das Werk atmet Klarheit und leuchtet wie ein Diamant. Das ist von hoher Kulinarik. Das tiefschwarze es-Moll-Vorspiel in der *Götterdämmerung* wird sauber intoniert, eine Meisterleistung in Sachen Balance und Orchesterbeherrschung. Die Musik bekommt Süffigkeit und emotionale Tiefe, ist wuchtig. Alle Stimmen werden miteinander verwoben und die Klangfarben differenziert eingesetzt. Die Wagner-Tuben und Stierhörner schließen sich mit der Natur kurz. Das ***Hessische Staatsorchester Wiesbaden*** besticht mit gefühlvoller Sängerbegleitung und hoher sinfonischer Kompetenz.

***Es gab tosenden Beifall und Bravi, ein guter Grund, sich die künftigen „Ring-Termine“ vorzumerken… - 28\. März – 1\. April 2024 bzw. 25\. - 30\. Mai 2024***

[***DER RING DES NIBELUNGEN - Staatstheater Wiesbaden - alle Termine, Karten - link HIER!***](https://www.staatstheater-wiesbaden.de/oper/ring/?ref=ioco.de)

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## Wie deutet Regisseur Uwe Eric Laufenberg den Ring in seiner Wiesbadener Inszenierung?

Laufenberg führt mittels kulturspezifischer Abstufungen und Videos durch die Menschheitsgeschichte, von der Mythologie über den Orient bis zu Atombomben, Panzern und apokalyptischem Weltenbrand.