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# Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Götterdämmerung - Richard Wagner, IOCO Kritik, 28.05.2018
- URL: https://www.ioco.de/wiesbaden-hessisches-staatsheater-goetterdaemmerung-richard-wagner-ioco-kritik-28-05-2018/
- Published: 2018-05-29T14:00:20.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:45:59.000Z
- Author: Ingrid Freiberg
- Tags: Konzert & Liederabend, Pressemeldungen & Nachrichten, Kritiken, Wiesbaden

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[Hessisches Staatstheater Wiesbaden](https://www.staatstheater-wiesbaden.de/?ref=ioco.de)

![Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/02/theater117ckaufhold.jpg "Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold")

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

# GÖTTERDÄMMERUNG – Richard Wagner

**\- Der Untergang der Götter – Durch Menschenhand -**

Von **Ingrid Freiberg**

Der ***Ring des Nibelungen*** ist die Überforderung der Operngeschichte schlechthin. Es wird erlitten, zerrissen, verflucht, geliebt, bewundert, abgesessen, verehrt und verteufelt.

**Scheitern ist das Mantra der Götterdämmerung**

Regisseur **Uwe Eric Laufenberg** hat sich mit der Inszenierung des **Rings** einen Lebenstraum erfüllt. Seine ***Götterdämmerung*** beschreibt den Untergang der Götter mit aktuellen Gegebenheiten und den Entwicklungen in einer realen Welt. Er erzählt von Hoffnung und Enttäuschung, Traum und Wirklichkeit, Utopie, Krieg und Untergang. Szenen von verstörender Intensität kulminieren beständig und enden in der Darstellung eines sich auflösenden Weltalls.

![Richard Wagner in Bayreuth © IOCO ](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/05/richard-wagner-foto-ioconeuneu2018-2.jpg)

Richard Wagner in Bayreuth © IOCO

Die Welt kennt wenige bedeutende Dichterkomponisten. Einzig und allein **Richard Wagner** ist es gelungen, zehn Bühnenwerke zu schaffen, die zum eisernen Bestandteil des Opernrepertoires gehören und gleichzeitig Sternstunden der Poesie sind.   *„Vollendet in Wahnfried am 21\. November 1874\. Ich sage nichts weiter!“* mit diesen Worten schloss Wagner die Partitur der **Götterdämmerung** ab. Die Uraufführung fand am 17\. August 1876 im Rahmen der ***Richard-Wagner-Festspiele*** statt. ***Wagner*** übernahm die künstlerische Gesamtleitung, gab täglich neue Anordnungen, seine Regieanweisungen konterkarierend *„Die großen Noten kommen von selbst, die kleinen Noten und der Text sind die Hauptsache!“*

***Feuerzauber in einer Schale***

Die ***drei Nornen*** spinnen keine goldenen Schicksalsfäden, sondern schießen grüne Laserstrahlen aus ihren mit Präsentationspointern präparierten Handschuhen. Nach ihrer Weissagung, dass ***Walhall*** verbrennen wird, sobald die ***Rheintöchter*** den Ring wieder besitzen, verlöschen die Strahlen.

![Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Götterdämmerung - hier : die drei Rheintöchter und Siegfried  im Lokal ZUM RHEINGOLd © Karl Monika Forster](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/05/14427_8954_forster__247_neu3.jpg "Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Götterdämmerung - hier : die drei Rheintöchter und Siegfried  im Lokal ZUM RHEINGOLd © Karl Monika Forster")

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Götterdämmerung - hier : die drei Rheintöchter und Siegfried im Lokal ZUM RHEINGOLd © Karl Monika Forster

In einem mit Designermöbeln ausgestatteten Glas-Bungalow haben sich ***Siegfried*** und ***Brünnhilde*** eingerichtet. Die in einer kleinen Schale flackernde Flamme ist eine Reminiszenz an den Feuerzauber auf dem Walkürenfelsen, an dem – laut Libretto - des Nachts die ***drei Nornen*** lagern. ***Siegfried*** betritt *„sein Haus“* sich ausgiebig räkelnd, mit einer Tasse Kaffee in der Hand und einem Elektrorasierer im Gesicht. Kurz darauf erscheint ***Brünnhilde*** im Negligé und zieht ihm, ganz fürsorgliche Ehefrau, seine Jacke an, stellt ihm die Schuhe bereit. Die beiden albern herum und küssen sich zärtlich.

***Siegfried*** wird die traute Zweisamkeit langweilig. Er will auf zu neuen Taten. Vorahnend beschwört ***Brünnhilde*** ihn *„Gedenk' der Eide, die uns einen; gedenk' der Treue, die wir tragen; gedenk' der Liebe, der wir leben Brünnhilde brennt dann ewig heilig dir in der Brust!“* Sie übergibt ***Siegfried*** ihr Pferd ***Grane*** als Liebespfand. Es ist riesig groß, ein Machtsymbol, ein trojanisches Pferd, mit dem die Menschheit in die Vernichtung rast. ***Siegfried*** gibt ihr den Ring, den er ***Alberich*** vom Finger gezogen hat. Stürmisch nehmen die Liebenden Abschied. Amüsant: Händeringend und kopfschüttelnd kommt ***Siegfried*** noch einmal zurück, um sein Schwert zu holen, das er vergessen hat...

![Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Götterdämmerung - hier : Alberich und Hagen im Zwiegespräch © Karl Monika Forster](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/05/14425_8954_forster__213_neu2.jpg "Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Götterdämmerung - hier : Siegfried in seinem Glas - Bungalow © Karl Monika Forster")

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Götterdämmerung - hier : Alberich und Hagen im Zwiegespräch © Karl Monika Forster

***Die Halle der Gibichungen*** ***am Rhein***

*Siegfrieds Rheinfahrt* endet am Hof von ***Gunther*** und ***Gutrune***, dem ledigen ***Gibichungen-Geschwisterpaar***. (Die Fahrt wird durch Videostreifen illustriert – erkennbar die nahegelegene Burg Pfalzgrafenstein bei Kaub.) In der **Gibichungenhalle** steht der große rechteckige Konferenztisch, der schon Wotans Walküre-Kriegsrat zur Verfügung stand. Haben die ***Gibichungen*** diesen von ***Wotan*** erworben? Haben die weltlichen Herrscher die Macht bereits übernommen?

Modebewusst und selbstsicher tritt ***Gunthers*** Schwester ***Gutrune*** auf. ***Gunther*** und sie werden als inzestuöses Geschwisterpaar gezeigt. Den machtbesessenen ***Hagen*** erkennt das Geschwisterpaar neidlos als Ratgeber an. ***Hagen*** hält ***Siegfried*** für eine ebenbürtige Partie für seine Halbschwester ***Gutrune***. Dass der *„herrlichste Held der Welt“* sie begehren könne, glaubt diese hingegen nicht. Da erinnert sich ***Hagen*** an einen *Vergessenstrunk*, der einerseits die Vergangenheit auslöscht *„dass je ein Weib ihm genaht“*, andererseits die Liebe zu einer neuen Frau weckt.

***Gunther*** erzählt ***Siegfried***, er kenne ein starkes Weib und würde es gerne zur Frau nehmen, traue sich aber nicht. Der dem Zauber Verfallene verspricht ihm, für ihn zu werben und drängt *„Frisch auf die Fahrt!“ „Um die Rückkehr ist’s mir jach!“*.

***Siegfried*** und ***Gunther*** schließen **Blutsbrüderschaft**, die von ***Hagen*** an dem langen Konferenztisch zu Papier gebracht und vertraglich besiegelt wird. Ihm geht es ausschließlich um den Ring, den ***Brünnhilde*** noch trägt. Seine Träume flackern über die Leinwand, Alberich schleicht sich sichtbar in diese hinein. Die beiden ***Blutsbrüder*** eilen davon. ***Hagen*** bleibt zurück und bewacht die Halle. In einem Selbstgespräch höhnt er ihnen nach *„Ihr freien Söhne, frohe Gesellen, segelt nur lustig dahin! Dünkt er euch niedrig, ihr dient ihm doch, des Niblungen Sohn.“ (überzeugend diabolisch Albert Pesendorfer)*

***Walkürenfelsen*** **\- Ein Glasbungalow**

***Brünnhilde*** wartet, modern bekleidet, gelangweilt Magazine lesend, den Ring betrachtend, auf ***Siegfried***. Sie ist beunruhigt und ahnungsvoll. Allein der Ring, ***Siegfrieds*** Liebespfand, gibt ihr Halt. Das Feuer in der Schale ist erloschen. Wotan sitzt stumm vor dem Haus. Der Speer, einst das Symbol seiner Macht, für den er ein Auge gegeben hat, ist zerbrochen Er sieht nur noch auf einem Auge, dem der Macht und derer Erhaltung.

***Waltraute*** **beschwört *Brünnhilde***

Statt ***Siegfried*** kommt ***Waltraute*** zu Besuch*.* ***Brünnhilde*** glaubt zunächst an ein Versöhnungsangebot ***Wotans***, der ihr noch immer zürnt. Doch ***Waltraute*** beschwört ***Brünnhilde***, den geraubten verfluchten Ring den ***Rheintöchtern*** zurückzugeben und

![Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Götterdämmerung - hier - Catherine Foster als Brünnhilde © Karl Monika Forster](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/05/14449_catherine-foster-neu6.jpg)

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Götterdämmerung - hier - Catherine Foster als Brünnhilde © Karl Monika Forster

damit auch dem lebensmüden Göttervater Frieden zu verschaffen. *(Die beiden Sängerinnen meistern ihre Partien bravourös, obwohl sie bisweilen im Inneren des Bungalows zu singen haben.)*

**Brünnhilde** **,** keine Walküre mehr, ist nichts wichtiger als ihre Liebe zu ***Siegfried***. Empört lehnt sie ab, den Ring zu opfern *„Geh hin zu der Götter heiligem Rat! Von meinem Ringe raune ihnen zu Die Liebe ließe ich nie, mir nähmen nie sie die Liebe, stürzt' auch in Trümmern Walhalls strahlende Pracht!“*

***„Nun, Nothung, zeuge du, dass ich in Züchten warb“***

***Siegfried*** betritt den Bungalow. *(Wo bleibt hier die Intensität von *Wagners* genialem Feuerzaubermotiv, in vielen Inszenierungen auch optisch eine Augenweide?)* Entsetzt erblickt ***Brünnhilde*** einen Fremden *„Zur Schande zwingst du mich nicht, so lang’ der Ring mich beschützt.“* Drohend streckt sie ihm den Ring entgegen.

Der vermeintlich Fremde macht kurzen Prozess. Mit einer Latex-Gesichtsmaske verkleidet, die ihn täuschend echt wie ***Gunthe***r aussehen lässt, überwindet *der* *erinnerungslose?* ***Siegfried*** seine Frau, um sie für den Schwächling ***Gunther*** zu erobern. Er knöpft sich die Hose auf, schiebt verächtlich ***Brünnhildes*** Beine auseinander und missbraucht die Ohnmächtige zu den düster schneidenden h-Moll-Klängen. Es ist ein bestürzender Akt. ***Nothung***, sein Schwert, müsste Abscheuliches bezeugen!

***„Schläfst du, Hagen, mein Sohn?“***

***Alberich*** erscheint seinem Sohn ***Hagen*** im Schlaf. Der alte Nibelung wird durch eine Projektion verdoppelt. ***Hagen*** sitzt in einem Drehstuhl auf dem langen Konferenztisch, nur von einem Spot erhellt. Neben dem Tisch sitzt ***Alberich***, der in Echtzeit gefilmt überdimensional hinter ***Hagen*** projiziert wird. Die Bilder unterstreichen intensiv den Traumcharakter der Szene.

***Alberich*** giert, anders als ***Wotan***, weiter nach Ring und Macht *„Ich – und du! Wir erben die Welt. Trüg' ich mich nicht in deiner Treu', teilst du meinen Gram und Grimm“.* ***Alberich*** schwört ***Hagen*** auf den Kampf um die Ring-Welt ein. Schlaftrunken antwortet dieser *„Den Ring soll ich haben \[…\] Mir selbst schwör’ ich’s; schweige die Sorge!“* *(Das Zwiegespräch ist einer der Höhepunkt des Abends.)*

***„Du lügst, du bist bereits mit mir vermählt“***

Unvermittelt steht ***Siegfried*** neben ***Hagen***. Er berichtet von *„Gunthers“* erfolgreichem Brautzug und fordert ***Hagen*** und ***Gutrune*** auf *„drum rüstet jetzt den Empfang!“* Die Doppelhochzeit soll endlich gefeiert werden! Auch ***Gunther*** und ***Brünnhilde*** treffen ein. Feierlich schreitet er mit ***Brünnhilde*** *„welche bleich und gesenkten Blickes ihm folgt,“* in die Halle. Als ***Gunther Gutrune*** und ***Siegfried*** als Brautpaar ankündigt, blickt ***Brünnhilde*** erschrocken auf *„Siegfried – kennt mich nicht?“* Als sie den Ring an Siegfrieds Finger entdeckt, erahnt sie den Betrug. ***Siegfried*** erzählt *„Den Ring – empfing ich nicht vom ihm, von keinem Weib kam mir der Reif... genau erkenn‘ ich des Kampfes Lohn, den vor der Neidhöhl‘ einst ich bestand, als den starken Wurm ich erwürgt.“* Verzweifelt schreit ***Brünnhilde*** ihm entgegen *“Du lügst, du bist bereits mit mir vermählt“.*

Aufgewühlt sitzt ***Gunther*** in der Ecke *„Betrüger ich – und betrogen! Verräter ich – und verraten! Zermalmt mir das Mark! Zerbrecht mir die Brust! Hilf, Hagen! Hilf meiner Ehre! Hilf deiner Mutter, die mich – auch ja gebar!“* ***Brünnhildes*** grenzenlose Liebe zu ***Siegfried*** verwandelt sich in Hass. *(Das Rachemotiv gehört zu den stärksten Momenten.* **Catherine Forster** *elektrisiert das Publikum.)* ***Brünnhilde*** verrät ***Hagen*** und ***Gunther*** die einzige Stelle, an der ***Siegfried*** verwundbar ist.

**„* *Im Wasser wie am Lande lernte nun ich Weiberart...“**

Erneut ist das Augenlid-Oval auf der Bühne zu sehen - diesmal mit gefranstem Glamour-Vorhang und der geschwungenen Leuchtüberschrift *„Zum Rheingold“*. Die ***Rheintöchter*** – in Netzstrümpfen -scheinen sich dem horizontalen Gewerbe verschrieben zu haben. Aufreizend, sich an der Bar rekelnd, becircen sie ***Siegfried*** *.* Wollen sie den Ring oder Bezahlung für gewisse Dienste?

Doch schnell wird klar Die ***Rheintöchter*** versuchen, ihm den Ring abzuschmeicheln. Als er das verweigert, warnen sie ihn vor dem Fluch, dem er noch heute zum Opfer fallen werde. Munter entgegnet ***Siegfried*** *„Im Wasser wie am Lande lernte nun ich Weiberart, wer nicht ihrem Schmeicheln traut, den schrecken sie mit Drohen; wer dem nun kühnlich trotzt, dem kommt dann ihr Keifen dran.“*  Die Androhung des baldigen Todes lässt ihn furchtlos trotzig auf den Besitz des Rings beharren.

**Hagen träufelt den Saft eines Krautes in sein Trinkhorn**

Während die ***Rheintöchter*** entschwinden, um ***Brünnhilde*** aufzusuchen, trifft die Jagdgesellschaft mit ***Hagen*** und ***Gunther*** ein. ***Hagens*** Mannen haben ordentlich viel Wild erjagt, das stolz auf dem Boden der Bühne präsentiert wird. Ausgelassen prosten sie sich zu. ***Siegfried*** versucht, den verunsicherten ***Gunther*** mit Berichten seiner Taten zu unterhalten.

Damit ***Siegfrieds*** Erinnerung zurückkehrt, mischt ***Hagen*** einen Trunk. Schwärmend erzählt ***Siegfried*** von seiner Liebesbegegnung mit ***Brünnhilde*** und unbekümmert von den ***Wasservögeln***, die ihm seinen heutigen Tod angekündigt hätten *„Auf Waldjagd zog ich aus, doch Wasserwild zeigte sich nur. War ich dazu recht beraten, drei wilde Wasservögel hätt' ich euch wohl gefangen, die dort auf dem Rhein mir sangen, erschlagen würd' ich noch heut.“* *(Die „Waldvogel-Höhen“ zitiert* **Lance Ryan** *mit bewundernswerter Genauigkeit.)*

***Siegfrieds*** Meineid ist aufgedeckt. Hinterlistig stößt ***Hagen*** dem Ahnungslosen den Speer in den Rücken. Mit ***Brünnhilde*** im Herzen stirbt ***Siegfried*** *. *Hagen** greift nach der Hand des *„Helden?“,* die dieser noch einmal drohend emporstreckt.

![Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Götterdämmerung - hier : Siegfried wird durch Hagen ermordet © Karl Monika Forster](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/05/14439_8954_forster__400-neu4_.jpg)

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Götterdämmerung - hier : Siegfried wird durch Hagen ermordet © Karl Monika Forster

***Siegfried erhält eigenes Bühnenbild***

Das Geschehen unterstützend erhält ***Siegfried*** in seiner letzten Stunde ein eigenes Bühnenbild. Gegenstände als Symbole für Stationen aus ***Siegfrieds*** Leben werden ausgestellt Sein Jugendzimmersofa mit den Kopfhörern, Mimes speckiger Kühlschrank, der Tarnhelm, eine Warnlichtsäule aus Fafners Goldlager, der Amboss und die Schmiede mit denen er Nothung schmiedete... Die Szene bekommt etwas Unwirkliches durch ein Video. Man sieht ***Siegfrieds*** Bewegungen und das Bühnenbild als Endlos-Lichttunnel. Der tote ***Siegfried*** wird zu den toten Tieren gelegt. Der größte Held, der reichste und mächtigste Mann der Welt, ist auch nur ein Kadaver.

***Hagen wird in der Gibichungenhalle ertränkt***

Nach verborgener Szenenverwandlung wird ***Siegfried*** auf dem symbolträchtigen Konferenztisch der Gibichungenhalle aufgebahrt. Der Schicksalsfaden ist gerissen***. Siegfried, Wotans Enkel***, der den Ring des Nibelungen am Finger trägt, der die Welt retten sollte, starb im Wald. ***Hagen*** brüstet sich trotzig mit dem Mord, weil der Tote *„Meineid sprach“*. Er macht *„Heiliges Beuterecht“* geltend und fordert den Ring. ***Gunther*** stellt sich ihm – zum ersten Mal – mutig in den Weg. Obwohl sich die Mannen dazwischen werfen, gelingt es ***Hagen*** ihn mit einem Streich zu erschlagen. Die zurückgekehrte ***Brünnhilde*** ergreift den Ring und nimmt ihn sinnend betrachtend an sich. In tiefer Erschütterung, mit überwältigender Wehmut, wendet sie sich ***Siegfried*** zu und preistnoch einmal den Toten.

Von den ***Rheintöchtern*** weiß ***Brünnhilde*** um den fluchbeladenen Ring. Sie dankt ihnen für *„redlichen Rat“*. Inzwischen errichten die Mannen einen mächtigen Scheiterhaufen. ***Brünnhilde*** steckt sich den Ring an und wendet sich dem Scheiterhaufen zu. Auf ***Siegfrieds*** Leiche ausgestreckt, entreißt sie einem der Männer seine Fackel und zündet sich an. Aus der Asche sollen die ***Rheintöchter*** den durch Feuer vom Fluch gereinigten Ring an sich nehmen**. *Hagen*** versucht die ***Rheintöchter*** zu verjagen. Doch sein Bemühen, ihnen den wiedererlangten Ring abzunehmen, scheitert. Die ***Rheintöchter*** ertränken ihn in der wasserlosen **Gibichungenhalle**.

***Die Erde entfernt sich aus unserem Sonnensystem***

Am Ende gerät die Welt aus den Fugen. ***Alberichs Ring-Fluch*** ist wahr geworden. Die Götter sind schutzlos seinem Machtanspruch ausgeliefert. Die Schlussprojektionen entfernen sich von der Erde, unserem Sonnensystem, unserer Galaxie - bis alles wieder ein riesiges Auge bildet, in das ***Gutrune*** durch ein Fernrohr sieht. Das Auge ist der Anfang und das Ende. Am Anfang haben die Menschen die Welt, in die sie geworfen wurden, zu betrachten begonnen, nun haben sie sie erobert. Sucht ***Gutrune*** jetzt beim Publikum - im hell erleuchteten Theater – Unterstützung für eine bessere Zukunft?

 **Ein großer Abend - Schlüssige Inszenierung** 

**Catherine Foster** begeistert das Publikum. Es gelingt ihr, Glück und Traurigkeit ***Brünnhildes*** mit großer Innigkeit darzustellen. Überragend gestaltet sie den Schlussmonolog, den sie glühend aussingt. **Lance Ryan** kann seinen starken Tenor wunderbar schattieren und wandeln. Er zeigt glaubhaft die verunsicherten, verletzlichen Seiten des ebenso großen wie tumben Helden ***Siegfried*** auf. Das *„Bayreuther“* Liebespaar überzeugte auch in Wiesbaden.

![Richard Wagner Denkmal im Berliner Tiergarten, zu seinen Füßen Wolfram von Eschenbach © Rainer Maass](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/05/richard-wagner-berliner-tiergarten-foto-rainer-maassneugnaz-neu.jpg)

Richard Wagner Denkmal im Berliner Tiergarten, zu seinen Füßen Wolfram von Eschenbach © Rainer Maass

**Thomas de Vries** gibt einen vokal wuchtigen Zwerg ***Alberich*** mit überzeugender Intensität. Das Zwiegespräch mit **Albert Pesendorfer** gehört zu den Spitzenleistungen des Abends. **Albert Pesendorfers** körperlich und stimmlich überragender ***Hagen*** ist in seiner Gefährlichkeit glaubwürdig. Anfangs fast jovial, bald mit bröckelnder Fassade kann er seine Gier kaum verstecken.

**Betsy Horn** überzeugt gesanglich und darstellerisch mit ihrem klaren Sopran als glitzernd-lässige ***Gutrune***, die zwar den Aufstieg will, aber die Dimensionen der Bosheit, die dazu gehören, nicht erreicht. Ihre ***Dritte Norn*** ist wunderbar einfühlsam. **Johannes Martin Kränzles** Stimme hat Kraft und Fundament. Seine differenzierte Darstellung des ***Gunther*** als Weichling wurde zu Recht stark bejubelt. **Margarete Joswig** sang sich als ***Waltraute*** mit ihrem sinnlich satten Mezzo in die Zuschauerherzen. Ihre Warnung an Brünnhilde ist eindrucksvoll.

Die ***drei Nornen***, **Margarete Joswig/ E*rste Norn,* Silvia Hauer/ *Zweite Norn,* Betsy Horn/ *Dritte Norn*** agieren sehr weiblich, wunderbar kammermusikalisch, stringent und kompakt. Die ***drei Rheintöchter***, gesungen von **Heather Engebretson/ *Woglinde,* Marta Wryk/ *Wellgunde*, Silvia Hauer/ *Flosshilde*** harmonieren wunderbar. Verrucht verführen sie Siegfried, gesanglich überzeugend gelingt es ihnen sogar, Hagen wasserlos zu ertränken.

Chor- und Extrachor des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, bestens disponiert von **Albert Horne**, schenkt den Theaterbesuchern erlesenen Wagnergesang.

Zu Recht gefeiert wird das Staatsorchester unter der Leitung von **Alexander Joel**. Sein Dirigat ist ausgewogen und transparent. Mit seiner von dramatischen Zuspitzungen geprägten Interpretation leistet das Orchester Bemerkenswertes. Von düsterer Blechgewalt bis hin zu brillanten Violinen gibt es schöne Abstufungen der einzelnen Instrumentengruppen.

**Gisbert Jäkel** zeigt mit seinem klassisch-modern inspirierten Bühnenbild den Untergang unserer Zivilisation mit Nuklearraketen, Atompilzen und Naturkatastrophen. Ohne die Videos von **Falko Sternberg** wäre der Abend nicht zu denken. Um von Hoffnung und Enttäuschung, Traum und Wirklichkeit, Utopie und Untergang erzählen zu können, bedient er sich ideologischer digitaler Mittel. Manchmal irritieren sie allerdings durch ihre Beliebigkeit.

Die eleganten Kreationen von **Antje Sternberg/Kostüme** erweisen sich als echte Hingucker, wie auch die stilistisch passenden Mobiliar-Accessoires. Über die bewaffneten, Fähnchen schwenkende Mannen kann man hinwegsehen; gelungen, die attraktiven halbseidenen Rheintöchter des Etablissements „*Zum Rheingold“.*

Bravo-Rufe vor allem für **Catherine Foster, Albert Pesendorfer, Johannes Martin Kränzle,** das **Staatsorchester** und **Alexander Joel**. Mit rhythmischem Applaus zwangen die Besucher Dirigent und Sänger immer wieder vor den Vorhang.

\---| IOCO Kritik Hessisches Staatstheater Wiesbaden |---