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# Wien, Volksoper Wien, Hoffmanns Erzählungen - Jacques Offenbach, IOCO Kritik, 15.06.2018
- URL: https://www.ioco.de/wien-volksoper-wien-hoffmanns-erzaehlungen-jacques-offenbach-ioco-kritik-15-06-2018/
- Published: 2018-06-16T15:00:51.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:46:22.000Z
- Author: Viktor Jarosch
- Tags: Konzert & Liederabend, Kritiken, johannes brahms, wolfgang amadeus mozart, joseph haydn, Mozart, Wien

![volksoper_wien.JPG](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/io/wp-content/gallery/opern_logos/volksoper_wien.jpg "Volksoper Wien")

[Volksoper Wien](http://www.volksoper.at/?ref=ioco.de)

![Volksoper Wien © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/12/volksoper-wien-112010-337-c-jarosch.jpg "Volksoper Wien © IOCO")

Volksoper Wien © IOCO

# *HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN*  \- Jacques Offenbach

 **Offenbach und Teufel - In ewigem Kampf**

Von **Viktor Jarosch**

![Jacques Offenbach © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/06/offenbach-gut-11_17-neu.jpg)

Jacques Offenbach in Paris © IOCO

***Hoffmanns Erzählungen*** ist seit 2016 und ab April 2018 wieder auf dem Spielplan der **Volksoper Wien.** Regisseur und Choreograph **Renaud Doucet** integriert in Wien in das ohnehin komplexe Handlungsgefüge von **Hoffmanns Erzählungen** zusätzliche Facetten: Ein vermeintlicher Kampf von **Jacques Offenbach** mit dem ***Teufel,*** der Ausdruck des Bösen und Ursache damaliger Katastrophen und Theaterbrände ist. ***Offenbach,*** so Regisseur ***Doucet,*** möchte in dieser Inszenierung den ***Teufel*** durch Vollendung seiner Oper ***Hoffmanns Erzählungen*** überwinden. So sind in dieser Inszenierung **Jacques Offenbach** und ein **Teufel** auf der Bühne stets präsent.

**Gioacchino Rossini** nannte **Jacques Offenbach** (1819 – 1880) den „*Mozart der Champs-Elysées*“; **Giacomo Meyerbeer** besuchte regelmäßig **Offenbachs** ***Theatre des Bouffes Parisiennes.*** Zahlreiche satirische, modern frivole Operetten französischer Prägung persiflierten meist in Bezügen zur griechischen Antike die Mittelschicht, Neureiche oder Emporkömmlinge. ***Orpheus in der Unterwelt*** (1855) oder **Die schöne Helena** (1864) mit der umworbenen exzentrischen Diva, **Hortense Schneider,** machten **Jacques Offenbach** im damaligen französischen Kaiserreich zu einem Star. Der deutsch-französische Krieg 1870-71 und seine nun kritisch gesehene deutsche Herkunft beendeten die Popularität von **Jacques Offenbach** in Paris; er war nur noch berühmt. Doch schlimmer: In Paris gab es nach 1871 keinen Raum mehr für seine prallen Operetten.

![Volksoper Wien / Hoffmanns Erzählungen hier Ensemble © Barbara Pálffy/Volksoper Wien](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/06/hoffmann_-ensemble-neu.jpg)

Volksoper Wien / Hoffmanns Erzählungen hier Ensemble © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

So begann **Offenbach** 1877 aus dem 1851 in Frankreich entstandenen, fantastischen Drama ***Les Contes D´Hoffmann* *(Hoffmanns Erzählungen)*** eine Oper zu komponieren. Mühsam gestaltete sich die Komposition der Oper. **Offenbach** war bereits krank, dürr, hinfällig; seinen baldigen Tod ahnend schreibt er **Léon Carvalho,** Direktor der Opéra-Comique, *"Beeilen Sie sich, mein Stück heraus-zubringen; ich habe es eilig und hege nur den einzigen Wunsch, die Premiere zu sehen."*

Die Autoren von ***Les Contes D´Hoffmann,*** die Franzosen **Jules Barbier** und **Michel Carré,** waren große Bewunderer von **E.T.A. Hoffmann** (1776 – 1822) und dessen Karikaturen, Erzählungen, Satiren. In ihrem populären Drama ***Hoffmanns Erzählungen*** integrieren sie die Person ***E.T.A. Hoffmann*** in dessen Erzählungen, u.a. ***Der Sandmann, Rat Krespel, Die Geschichte vom verlorenen Spiegelbild, Serapionsbrüder***.

![Volksoper Wien / Hoffmanns Erzählungen hier Olympia und Hoffmann © Barbara Pálffy/Volksoper Wien](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/06/hoffmann_olympia-und-hoffmann_bp_591neu.jpg)

Volksoper Wien / Hoffmanns Erzählungen hier Olympia und Hoffmann © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

An der **Volksoper** erscheint der lebendige ***Teufel*** bereits zur kurzen Ouvertüre; leibhaftig unterbricht er nach wenigen Takten die Musik: *„Nein, nicht schon wieder… seit 137 Jahren …. Ich als der *Teufel*… nehmen Sie *Orpheus in der Unterwelt*…. der *Offenbach* raubt mir den Verstand…*“. Der ***Teufel*** zündelt hier mit der Partitur von ***Hoffmanns Erzählungen,*** dessen Blätter vom Bühnenhimmel regnen. Auch in den folgenden Bildern ist der ***Teufel*** sichtbar, so als ***Doktor Mirakel*** im ***Antonia***\-Akt. Das aufwendige erste Bühnenbild bildet die Ruine eines abgebrannten Theaters, eine Skulptur zeigt ***Offenbachs*** Kopf**,** eine ***Höllenbar*** verweist allegorisch auf diesen Kampf des ***Teufels*** mit **Offenbachs** Geist. ***Offenbach*** ist als Abbild präsent; der ***Teufel*** bleibt in ***Lindorfs*** Person beständiger Widersacher ***Hoffmanns;*** oder doch ***Offenbachs?***

So ist in dieser Inszenierung der gegen den ***Teufel/Lindorf*** kämpfende ***Hoffmann*** kein leidend, unglücklicher Liebender, kein von Alkohol geschwächter, sinnender Mensch ist. In ungewohnt modernem Anzug, mit kräftiger Stimme ist ***Hoffmann, Offenbach*** ein gestaltender, gelegentlich dirigierender, aufrecht wie selbstbewusst mitten im Leben stehender, kämpfender Mensch. Doch die sprachliche Linie der Inszenierung ist gebrochen: Es wird viel Deutsch gesungen, die vier Bösewichter ***Lindorf, Coppelius, Dr. Mirakel, Dapertutto*** – als ***Teufel;*** doch - man dankt - die großen Partien der ***Olympia, Guilietta, Antonia*** erklingen Französisch und unterstreichen das fantastische der Komposition. So steht ***Hoffmanns Erzählungen*** an der ***Volksoper*** für eine aufwendige, bilderreiche, komplexe Inszenierung, dessen Handlungsstränge, die Bezüge von ***Teufel*** und **Offenbach** sich nur schwer erschließen. Man folgt der Handlung insoweit etwas verloren, genießt jedoch wunderbare Stimmen im Charme der französischen Sprache, eine reiche Choreographie, herrliche Kostüme. Stete Fragen zu **Offenbachs** unvollendeter Oper, ist es ein romantisches Nachtstück, ein Künstlerdrama, ist es **Offenbachs** eigenes Lebenstrauma, bietet diese Inszenierung keine Antwort; sie ist nur eine weitere Interpretation.

![Volksoper Wien / Hoffmanns Erzählungen hier Antonia und Dr. Mirakel © Barbara Pálffy/Volksoper Wien](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/06/hoffmann_antonia-und-dr-mirakel-neu.jpg "Volksoper Wien / Hoffmanns Erzählungen hier Antonia und Dr. Mirakel © Barbara Pálffy/Volksoper Wien")

Volksoper Wien / Hoffmanns Erzählungen hier Antonia und Dr. Mirakel © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

**Der Weinkeller *Luther***  wird in Wien zur ***Höllenbar*,** in welcher **Vincent Schirrmacher** als **Hoffmann** nicht betrunken sondern selbstsicher in modernem Einreiher die Unberechenbarkeit seiner ehemaligen Geliebten beklagt; kraftvoll, höhensicher auf Deutsch: „*Es war einmal am Hofe von Eisenack“.* Rührung, die im Text liegende, tiefe Melancholie ist nicht spürbar. **Josef Wagner** beherrscht seine Partien als ***Teufel*** respektive der vier Bösewichter ebenfalls stimmlich überzeugend ohne jedoch dämonisch zu wirken; seine *Diamantarie* verliert auf Deutsch das Beschwörende. Wunderbar und mitreißend dagegen **Hoffmanns** ehemalige Geliebten, wie **Sophia Theodorides** als ***Olympia***. Brillierende Koloraturen und wohltimbrierter Mittellage färben ihre große Arie „*Les oiseaux dans la charmille“* (*Die Vögel im Laubengesang*); „Zusatzbeine“ auf ihrem großen Reifrock, freier Kunstoffbusen sind dabei beständig skurrile wie faszinierendes Spielzeug. **Anja-Nina Bahrmann** ist eine stimmlich mitnehmende und königlich wirkende ***Antonia.*** Ein in Schneemassen gehüllter Wohnraum, Eiszapfen hängen von der Decke. Nach deutsch rauem „*Wo ist Antonia?“* erklingt ihr französisches „*Lied von der Taube“* in zartem, lyrischem Timbre. Wellenspiegelungen und Tänzerinnen mit Federbüschen und Totenkopfmasken begleiten **Kristiane Kaiser** als ***Giulietta*** zu ihrer sensibel gespielten und hochromantisch gesungenen Barcarole *"Belle nuit, ô nuit d’amour*". ***Gerrit Prießnitz*** lässt **Offenbachs** fantastische Oper leuchten, phrasiert dessen tiefe Melancholie, dirigiert sängerfreundlich.

Das Publikum der voll besetzten Volksoper feierte Ensemble und Orchester zur letzten Aufführung von **Hoffmanns Erzählungen** dieser Spielzeit. Wenn auch der unerwartete Kampf ***Jacques Offenbachs*** \- ***Teufel*** und Sprachwechsel eher verwirrten, die Komposition Offenbachs, das aufwendige Bühnenbild, großartige Choreographie und wunderbare Stimmen machen den Besuch dieser Produktion empfehlenswert.

\---| IOCO Kritik Volksoper Wien |---