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# Wien, Volksoper Wien, Das Gespenst von Canterville - Marius Felix Lange, IOCO Kritik, 14.11.2019
- URL: https://www.ioco.de/wien-volksoper-wien-das-gespenst-von-canterville-marius-felix-lange-ioco-kritik-14-11-2019/
- Published: 2019-11-14T08:00:12.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:59:37.000Z
- Author: Marcus Haimerl
- Tags: Oper & Operette, Premieren, Premiere, Donizetti, Pressemeldungen & Nachrichten, Kritiken, Wien

![volksoper_wien.JPG](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/io/wp-content/gallery/opern_logos/volksoper_wien.jpg "Volksoper Wien")

[Volksoper Wien](http://www.volksoper.at/?ref=ioco.de)

![ Volksoper Wien bei Nacht Foto IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2012/10/volksoper-wien-bei-nacht-1-112010-337-c-ioco1.jpg)

Volksoper Wien bei Nacht Foto IOCO

# ***Das Gespenst von Canterville* \- Marius Felix Lange**

## ***\- Komödie über einen Gespenst, dem der Zeitgeist suspekt ist -***

von **Marcus Haimerl**

Mit der österreichischen Erstaufführung von der Familienoper ***Das Gespenst von Canterville*** von **Marius Felix Lange** gelang der **Volksoper Wien** erneut ein veritabler Erfolg mit dem Potenzial das Repertoire langfristig zu bereichern.

***Das Gespenst von Canterville*** **\- Marius Felix Lange**youtube Trailer Volksoper Wien **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

Vorlage des gelungenen Librettos vo**n Michael Frowin** ist die gleichnamige Erzählung und Gesellschaftssatire des irischen Schriftstellers **Oscar Wilde** (1854-1900), der bereits mit der Vertonung seines Dramas ***Salome*** durch **Richard Strauss** Operngeschichte schrieb. Die Geschichte des Gespenstes ***Sir Simon von Canterville,*** der am modernen amerikanischen Zeitgeist scheitert und selbst Angst vor den neuen Bewohnern des Schlosses bekommt, wurde von **Maris Felix Lange** und **Michael Frowin** in die Gegenwart geholt.

Aus der Familie des amerikanischen Gesandten **Hiram B. Otis** rückt die Familie des Immobilien-Unternehmers **Georg König** in den Mittelpunkt der Handlung. Dieser kauft das **Schloss Canterville** und zieht mit seinen drei Kindern, der Tochter **Virginia** und den Brüdern **Leon** und **Noel** (ein gelungenes Wortspiel), im Anwesen ein. Mit von der Partie ist auch die Assistentin und neue Liebe **Frauke-Beeke Hansen**, sehr zum Leidwesen von Tochter **Virginia,** die den Tod der Mutter noch nicht verkraftet hat. Mit der Familie König hat weder das Gespenst **Sir Simon** noch **Mrs. Cecilia Umnay,** die Haushälterin des Schlosses, gerechnet.

![Volksoper Wien / Das Gespenst von Canterville - hier : Morten Frank Larsen als Sir Simon von Canterville © Barbara Pálffy / Volksoper Wien](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/11/morten-frank-larsen-sir-simon-1neu.jpg)

Volksoper Wien / Das Gespenst von Canterville - hier : Morten Frank Larsen als Sir Simon von Canterville © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Der 400 Jahre alte Blutfleck wird von **Frauke-Beeke** einfach mit einem Universalreiniger entfernt und der in der Nacht herumgeisternde **Sir Simon** wird von **Georg König** kurzerhand aufgefordert seine Ketten zu ölen und mit Zahnpasta seinen Mundgeruch zu beseitigen. Obwohl am nächsten der Tag der Blutfleck zurück ist, diesmal grün, ist **Frauke-Beeke** gut gelaunt. Der Kaufvertrag ist bestätigt, dem Umbau steht nichts im Wege und auch **Mrs. Umnay** und ihr Sohn **David** sollen nun aus dem Schloss geworfen werden. Virginia ist entsetzt, als sie dies hört und **Sir Simon** beschließt, die lästigen Bewohner schon tagsüber zu erschrecken, was einen hysterischen Anfall Frauke-Beekes nach sich zieht.

**Sir Simon** belauscht ein Gespräch zwischen **Georg König** und **Virginia,** der die Mutter fehlt. Auch möchte Virginia verhindern, dass die Umbaupläne durchgeführt werden. In Gedanken hört Virginia die Stimme ihrer Mutter, die sie in den Schlaf singt. Im Traum sieht sie, wie das Gespenst einst seine Frau getötet hat. Als sie erwacht, steht **Sir Simon** vor ihr und sie geraten in Streit über diese Untat. Doch schon erscheinen die beiden Brüder und misshandeln das Gespenst erneut. **Sir Simon** flieht über den Kamin zurück in sein Bild.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/11/rebecca-nelsen-frauke-beeke-hansen-regula-rosin_150.jpg)

Volksoper Wien / Das Gespenst von Canterville - hier : Rebecca Nelsen als Frauke-Beeke Hansen, Regula Rosin als Mrs. Cecilia Umney, Paul Schweinester als David Umney © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Am nächsten Tag reist **Georg König** ab, nicht ohne sich vorher von **Frauke-Beeke** versprechen zu lassen, die Hotelpläne zu verwerfen. Doch kaum ist er weg, lässt sie die Bauarbeiter für die Vorbereitungen zum Abriss des Schlosses zur Tür herein. Entstehen soll ein *Halloween-Event-Hotel* mit echtem Schlossgespenst. Die Kinder**, Mrs. Umnay** und ihr Sohn **David** verschwören sich gegen **Frauke-Beeke,** packen sie in eine Umzugskiste und lassen sie abtransportieren. Sir Simon, der sich seit 400 Jahren nach Schlaf sehnt, vertraut sich **Virginia** an, die bereit ist ihm zu helfen, den Fluch zu brechen. Der zurückgekehrte Georg König erfährt vom erlösten Gespenst und der entsorgten Assistentin und möchte nur noch das Schloss rasch sanieren und verkaufen. Doch da erfährt er von **Mrs. Umnay,** dass der Kaufvertrag gegenstandslos ist, denn die **Grafen von Canterville** sind gar nicht ausgestorben…

Regisseur **Philipp M. Krenn** lässt die Handlung im Eingangs- und Wohnbereich des Schlosses (Bühnenbild **Walter Schütze**) spielen, welches über eine zentrale Wendeltreppe zur Ahnengalerie und den Schlafräumen verfügt. Mit kluger Personenführung und den erstklassigen Videos von **Roman Hansi**, welche die Zuseher schon zu Beginn auf eine spannende und rasante Reise durch einen Wald in Richtung Schloss mitnimmt und im Anschluss den Ahnen in den Gemälden Leben einhaucht, gelingt es **Philipp M. Krenn**, die Mischung aus Ironie und tiefen Emotionen hervorragend herauszuarbeiten. Das Ergebnis ist eine Inszenierung, die nicht nur dem jungen Publikum große Freude bereitet.

**Morten Frank Larsen** glänzt in der Partie des **Sir Simon,** dem **Gespenst von Canterville** und spukt mit seinem wohltönenden Bariton mit vollem Körpereinsatz. Aber auch in den ernsten Momenten der Oper vermag er in seinem Leid zutiefst zu berühren. Ideal besetzt ist die Rolle der empathischen **Virginia** mit der Wiener Sopranistin **Anita Götz,** die nicht nur mit der notwendigen jugendlichen Frische überzeugt, sondern vielmehr auch musikalisch zu begeistern vermag. Die beiden Hausdebütanten **Lukas Karzel** und **Stefan Bleiberschnig** als ihre Brüder **Leon** und **Noel** erfreuen mit ihrer unerschöpflichen Energie das Publikum ebenso wie mit der kleinen Rap-Einlage im zweiten Teil.

**Das Gespenst**   **\- zwischen Ironie und Innigkeit**youtube Trailer Volksoper Wien **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

Mit der fordernden Partie der **Mrs. Umnay** brilliert **Regula Rosin,** langjähriges Ensemblemitglied der **Volksoper,** musikalisch auf höchstem Niveau und ist auch in ihrer Darstellung als steife britische Haushälterin unübertroffen. Eine hervorragende Leistung auch von **Paul Schweinester** als ihr wunderbar schüchterner Sohn **David.**Brillant auch die vielseitige Sopranistin **Rebecca Nelsen** als zickig-böse Assistentin **Frauke-Beeke Hansen**, die hier nicht nur ihre darstellerischen Qualitäten, sondern erneut ihr großes Talent für zeitgenössische Werke aufs Neue beweist. Als Einspringer zeigt **Reinhard Mayr,** dass er die Rolle des **Georg Königs** seit der Uraufführung 2013 immer noch mit Leichtigkeit bewältigen und das Publikum begeistern kann.

Großartig auch der Chor der **Volksoper Wien** (Choreinstudierung **Thomas Böttcher**), der in dieser Inszenierung über eine Vielzahl von gruseligen Charakteren verfügt. Ein Idealfall auch Dirigent **Gerrit Prießnitz** am Pult des Orchesters der **Volksoper Wien.** Mit unglaublicher Dynamik lässt **Gerrit Prießnitz** die Partitur von **Marius Felix Lange** zwischen kammermusikalischen Momenten, Filmmusik und Moderne, akustisch in den intensivsten Farben erstrahlen.

*Mit wohlverdientem Jubel bedachte das Publikum eine Produktion die, wie die Bezeichnung "Familienoper" schon ausdrückt, Jung und Alt gleichermaßen begeisterte.*

\---| IOCO Kritik Volksoper Wien |---