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# Wien, Theater an der Wien, Maria Stuarda von Gaetano Donizetti, IOCO Kritik, 10.02.2018
- URL: https://www.ioco.de/wien-theater-an-der-wien-maria-stuarda-von-gaetano-donizetti-ioco-kritik-10-02-2018/
- Published: 2018-02-10T17:30:19.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:43:57.000Z
- Author: Marcus Haimerl
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, Norma, Wien

![theater_an_der_wien.jpg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/io/wp-content/gallery/opern_logos/theater_an_der_wien.jpg "Theater an der Wien")

[Theater an der Wien](https://www.theater-wien.at/?ref=ioco.de)

![Theater an der Wien / Linke Wienzeile © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/12/theater-an-der-wien-linke-wienzeile-c-ioco.jpg "Theater an der Wien / Linke Wienzeile © IOCO")

Theater an der Wien / Linke Wienzeile © IOCO

# ***Maria Stuarda* von Gaetano Donizetti**

***Im Banne des Belcanto*** 

Von **Marcus Haimerl**

Friedrich Schillers im Jahr 1800 uraufgeführtes Drama ***Maria Stuart*** diente als Vorlage für **Gaetano Donizettis** Oper ***Maria Stuarda***. Wie schon die Vorlage hält sich die Oper nicht an die historischen Gegebenheiten. Sind sich die Tudor-Königin **Elisabeth I.** und die schottische Königin **Maria Stuart** im wahren Leben nie begegnet, bildet in den beiden Werken gerade diese Begegnung nicht nur den Höhepunkt, vielmehr findet hier auch gleichzeitig die Wende statt. Nach einem heftigen Wortgefecht ist **Maria Stuarts** Schicksal besiegelt.

![Theater an der Wien / Maria Stuarda - hier Malies Petersen als Maria Stuarda © Monika Rittershaus](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/02/maria_stuarda_002c2a9monika20rittershaus.jpg "Theater an der Wien / Maria Stuarda - hier Malies Petersen als Maria Stuarda © Monika Rittershaus")

Theater an der Wien / Maria Stuarda - hier Malies Petersen als Maria Stuarda © Monika Rittershaus

Doch hatte **Donizetti** mit seiner ***Maria Stuarda*** kein Glück. Das **Teatro San Carlo** in Neapel bestellte eine Oper für den Herbst 1834 und auf Vorschlag des Komponisten entschied man sich für die Vertonung von **Schillers** Drama. Die Proben zur Uraufführung verliefen zwar gut, obwohl es Gerüchte gab, die Darstellerinnen der rivalisierenden Königinnen hätten ihre persönliche Antipathie auch auf der Bühne ausgelebt und es wäre zu Handgreiflichkeiten gekommen, dennoch machte schließlich die Zensur **Donizetti** einen Strich durch die Rechnung: einen Tag nach der Generalprobe erfolgte der Bescheid über ein vollständiges Aufführungsverbot. Die eigentliche Uraufführung fand schließlich am 30\. Dezember 1835 an der **Mailänder Scala** statt. Doch auch hier war dem Werk kein Glück vergönnt. Erst musste schneller Ersatz für die Partie der ***Elisabetta*** gefunden werden, schließlich erkrankte auch die Primadonna. Dennoch bestand **Maria Malibran** darauf aufzutreten und Probleme mit der Zensur führten dazu, dass der Erfolg ausblieb. Wiederbelebungsversuche zwischen 1837 und 1845 blieben erfolglos. Erst Ende der fünfziger Jahre des 20\. Jahrhunderts wurde ***Maria Stuarda*** wiederentdeckt und etablierte sich zu einer der meistgespieltesten Opern Donizettis in den Spielplänen großer Opernhäuser.

![Theater an der Wien / Maria Stuarda - hier Gieorgij Puchalski als Der Vertraute der Königin, Stefan Cerny als Giorgi Talbot, Conte di Shrewsbury, Arnold Schoenberg Chor © Monika Rittershaus](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/02/maria_stuarda_429c2a9monika20rittershausneu.jpg "Theater an der Wien / Maria Stuarda - hier Gieorgij Puchalski als Der Vertraute der Königin, Stefan Cerny als Giorgi Talbot, Conte di Shrewsbury, Arnold Schoenberg Chor © Monika Rittershaus")

Theater an der Wien / Maria Stuarda - hier Gieorgij Puchalski als Der Vertraute der Königin, Stefan Cerny als Giorgi Talbot, Conte di Shrewsbury, Arnold Schoenberg Chor © Monika Rittershaus

Im **Theater an der Wien** inszenierte **Christof Loy Donizettis** Belcanto-Oper. Eine steil ansteigende Drehbühne dominiert die Kulisse dieser Produktion und auf eben jener Schräge, welche sich langsam und knarzend rotiert, treffen die beiden königlichen Rivalinnen aufeinander. Befindet sich der tiefste Punkt dieser Scheibe am Bühnenrand haben auch die Besucher im Parkett die Möglichkeit der Handlung zu folgen. Ansonsten hat man erst am dem ersten Rang eine gute Sicht und die sicherlich bessere Akustik. Die Produktion lebt einzig von den Protagonisten die auf leerer Bühne spielen. Diese agieren im ersten Teil der Oper in historischen Kostümen, auch wenn Elisabetta ihren Reifrock fallen lässt und dem **Graf von Leicester** schließlich in Hosen und Stiefeln entgegentritt. Nach der Pause dominiert schließlich Alltagskleidung, die Königinnen in schwarzen Hosenanzügen, die Herren in schwarzen Anzügen (Ausstattung: **Katrin Lea Tag**).

![Theater an der Wien / Maria Stuarda - hier Alexandra Deshorties als Elisabetta, Gieorgij Puchalski als Der Vertraute der Königin, Die Pagen © Monika Rittershaus](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/02/maria_stuarda_328c2a9monika20rittershauneus.jpg "Theater an der Wien / Maria Stuarda - hier Alexandra Deshorties als Elisabetta, Gieorgij Puchalski als Der Vertraute der Königin, Die Pagen © Monika Rittershaus")

Theater an der Wien / Maria Stuarda - hier Alexandra Deshorties als Elisabetta, Gieorgij Puchalski als Der Vertraute der Königin, Die Pagen © Monika Rittershaus

Obwohl **Christof Loy** sich im Grunde auf eine kluge Personenführung versteht, gibt es, vielleicht auch der Handlungsarmut geschuldet, kaum zündende Ideen, welche die Handlung spannend vorantreiben könnten. Plakativ ist jedenfalls das Finale, wenn ***Marias*** Hinrichtung zur Chefsache wird und ***Elisabetta*** höchstselbst das Henkersbeil schwingt.

Diese Produktion lebt vor allem von den beiden Hauptdarstellerinnen. Die frankokanadische Sopranistin **Alexandra Deshorties** ist eine imposante ***Elisabetta*** mit markanter, etwas herber Stimme und scharfen Attacken. **Marlis Petersen** kann als **Maria Stuarda** nicht nur darstellerisch überzeugen. Mit lyrischer Schönheit, perfekter Intonation und erstklassigen Koloraturen ist die deutsche Sopranistin der Star des Abends.

Eine tadellose Leistung von **Norman Reinhardt** als ***Leicester,*** welcher jedoch neben den beiden Damen etwas verblasst. **Stefan Cerny** beweist mit sonorem Bass, dass er auch im Belcanto-Fach überzeugen kann. Sehr solide Leistungen auch von **Natalia Kawalek** als **Anna Kennedy** und **Tobias Greenhalgh** als ***Cecil.*** In gewohnt hoher Qualität agierte der **Arnold Schönberg Chor** und das ORF Radio-Symphonyorchester Wien unter der Leitung von Paolo Arrivabeni.

Das Publikum zeigte sich zu Recht begeistert, ließen sich doch einige Schwächen durch die beeindruckenden Leistungen der beiden Protagonisten sehr leicht vergessen.

***Maria Stuarda*** wurde in **Theater an der Wien** in der Zeit vom 19.1\. - 30.1.2018 gespielt.